1. Das Belgische Riesenkaninchen (BR).

Ein Riesenkaninchen im wahren Sinne des Wortes, überragt es doch alle anderen Rassen an Länge und Ge- wicht. Bei langgestrecktem Körperbau (70-74 Zentimeter) erreicht es eine Schwere von 6-8 Kilogramm.
Belgisches Riesenkaninchen
Der Ursprung dieser Rasse ist in Belgien zu suchen und. zwar ist es die Stadt Gent in Flandern, welche den ersten Riesenzüchter-Klub (Gesellschaft Neerhof) beherbergte, daher auch häufig der Name Flandrischer Riese. Inzwischen haben nun auch zahlreiche deutsche Züchter an der Verbesserung dieser Rasse gearbeitet, und zwar mit solchem Erfolg, dass die früher importierten Tiere mit den heutigen Belg. Riesen kaum noch einen Vergleich aushalten können. Das Rassige am Belg. Riesen besteht hauptsächlich in dem starkknochigen, breitschulterigen Körperbau und der gewaltigen Entwickelung des Körpers. Straffe aufrechtstehende Stehohren, leuchtende große Augen zieren den kühn getragenen Kopf des Riesen. Die Häsin zeigt vom 6. bis 8. Monat ab eine sogenannte Wamme (Halskrause). Die typische Farbe des Belg. Riesenkaninchens ist rein grau, und zwar in vielen Abstufungen, hellgrau, braunrot nach Art des Feldhusens und dunkelgrau. Einige Züchtergruppen lassen auch schwarze, gelbe, blaue und weiße Riesen zu. Eine praktische Bedeutung hat jedoch diese Maßnahme nicht, da solche Tiere zurzeit nicht planmäßig auf Farbe durchgezüchtet sind und bei Ankäufen seitens der Züchter nur selten berücksichtigt werden. Bei der grauen und hasengrauen Färbung sind die Unterseiten des Tieres weiß und die Ohren schwarz gerandet. Die Oberseite der Blume ist gleichfalls schwarz. Die Bewertung der BR geschieht bei den verschiedenen Verbänden nach verschiedenen Grundsätzen. Während auf der einen Seite die Tiere gemessen und gewogen werden, ist auf der anderen Seite Auge und Hand des Preisrichters maßgebend. Zur genauen Orientierung über Zucht und Pflege sowie Bewertung auf Ausstellungen schaffe man sich die Broschüre: Starke – Marpmann „Das Belg. Riesenkaninchen“ an. Für 65 ₰ postfrei zu beziehen von Dr. F. Poppe, Leipzig-R. 2.
Das Belgische Landkaninchen (BL)
(nur im Verband Westdeutscher K.-Z.)
Ein dem Belg. Riesen ähnliches Tier, steht ihm an Größe und Gewicht nur wenig nach. In seiner Heimat Belgien, wo das Tier nicht als Rassekaninchen gilt, ist es bedeutend kleiner. Es erreicht dort ein Mittelgewicht von 8 Pfund, bei uns aber ein solches von 12 Pfund. Zur Rasse ist dieses Kaninchen von deutschen Züchtern erhoben worden, und zwar ist es der unvergessliche Lorenz Todt-Mülheim, Ruhr, welcher mit Unterstützung einiger Krefelder Herren die Rasse ausgab und verbesserte. Heute ist die Zucht dieser Rasse eine allgemein beliebte.

Das charakteristische Merkmal beim Belg. Landkaninchen ist das buntscheckige Fell, welches dieses Rasse mit der Größe eines Riesen vereinigt. Der Körperbau ist vollständig der des Riesen. Die Färbung besteht in einer Reihe von schwarzen Zeichnungsmerkmalen, welche sich von schneeweißem Grunde abheben. Wir unterscheiden die Augenzirkel, den Aalstrich (längs des Rückens) und Besetzung der Seiten mit dunklen Flecken. Außerdem sind die Ohren (straffe Stehohren).
Belgisches Landkaninchen. schwarz

Zulässig ist auch noch eine reichlichere Zeichnung, z. B. Schmetterling, Kette, Backenflecke usw., dagegen nicht Bedingung. Zurzeit ist sogar eine Strömung von Züchtern vorhanden, welche die zuletzt genannten Zeichnungsmerkmale als Schönheitsfehler betrachtet und daher ausgemerzt wissen wollen. Eine genauere Beschreibung und Zuchtanleitung, namentlich auch zur Erzielung einer schönen Zeichnung enthält die Broschüre: „Das Belg. Landkaninchen“ von J. Heinz-Krefeld. Zu beziehen durch den Verlag von Dr. F. Poppe, Leipzig-R. für 65 ₰, postfrei.
3. Deutsche Riesenschecke (DRSch).
Deutsche Riesenschecke
Die weite Verbreitung (ursprünglich nur im Westdeutschen Verbande) des Belg. Landkaninchens hat in letzter Zeit auch in denjenigen Kreisen, in welchen man das BL-Kaninchen nicht als Rasse anerkannte, sich die Überzeugung vertieft, dass auch aus diesen scheckigen Tieren bei einigem Fleiß eine gute Rasse herauskommen müsse. Man ist dabei von der so ziemlich einwandfreien Ansicht ausgegangen, dass von den zurzeit angebotenen Riesenschecken recht viel deutsches Blut und nicht sehr viel von den früher aus Belgien importierten Tieren übriggeblieben ist. Namentlich sind aber diese Tiere bedeutend verbessert worden. Daher hat man für die Rasse, um den deutschen Züchterfleiß hervorzuheben, den Namen Deutsche Riesenschecke gewählt.
Die DRSch ist in allen Farben (innerhalb des Westdeutschen Verbandes, jedoch mit Ausschluss der Farbe schwarz-weiß) vorhanden; also haben wir schwarz-grau, blau-gelb und werden voraussichtlich auch bald braun- weiß bekommen. Auf die Riesenschecke trifft die Beschreibung des Belg. Landkaninchens zu, doch hält man hier das Zuchtziel hoch, entweder Tiere mit vollständigem Schmetterling zu erhalten oder solche mit ganz freier Schnauze Die Ansichten sind aber noch sehr unbeständig, so dass etwas endgültig Bestimmtes über die Zeichnung zu sagen, noch verfrüht wäre. Möge auch die DRSch recht viele Anhänger finden.
4. Das Französische Widderkaninchen (FW)

Man nennt diese eigentümliche Rasse vielfach kurz Franzosen. Es handelt sich um dieselbe Rasse, welche nach dem 70er Feldzuge in größeren Mengen aus Frankreich bezogen wurde. Diese Bezüge, welchen eine geschickte Reklame voraufging, brachten aber viele Tiere nach Deutschland, welche auf Rasse keinen Anspruch erheben konnten. Dazu kam noch, dass zu damaliger Zeit den deutschen Züchtern das richtige Verständnis für eine rationelle Zucht fehlte; nach kurzer Zeit war die Rasse wieder verloren und verkreuzt. Heute jedoch fängt sie an, wieder zu Ehren zu kommen.
Französisches Widderkaninchen.
Das Franz. Widderkaninchen weist einen schweren, plumpen Körperbau auf, dessen massiges Aussehen durch ein dickes Fell noch gefördert wird. Das Typische bei dieser Rasse sind neben den plumpen Formen die herabhängenden Ohren, welche dem Tiere das eigentümliche Aussehen eines Widders verleihen. Die Kopfbildung ist ebenfalls recht massig, die fleischigen Ohren setzen an der Wurzel kräftig an, so dass sich über der Stirn zwei Wülste bilden, welche stark hervortreten. Im Gegensatz zum langen Belg. Riesen ist das Franz. Widderkaninchen ein mehr gedrungenes Tier. Die Ohrenspannweite schwankt zwischen 38 und 45 Zentimeter. Der Kopf wird bei dieser Rasse sehr tief getragen, eine Folge der Hängeohren. Letztere werden so getragen, dass sie kaum die Erde berühren.
Die typische Färbung des Franzosen ist grau. Wohl kommen auch gescheckte vor und sind auch offiziell an- erkannt, sogar in Frankreich. Allerdings werden in Frankreich auf Ausstellungen 2 Klassen gebildet, die eine für graue FW, die andere für andersfarbige (blau, schwarz, gelb, weiß und gescheckt), letztere sind in Frankreich am wenigsten zahlreich, während es rein blaue Tiere recht viele gibt. Unter den gescheckten Tieren, welche bei uns als Franzosen reisen, findet man noch viel Kreuzungsblut. Die Bestrebungen der in letzter Zeit entstandenen Spezialklubs werden hoffentlich dafür sorgen, dass auch bei den bunten Widdern, welche ja an und für sich durchaus nicht hässliche sind, mehr Typus angezüchtet wird.
Bei entsprechender Pflege rentiert sich die Zucht des Franzosen sehr gut, umso mehr, da zurzeit gerade nach dieser Rasse große Nachfrage herrscht.
Es sei auch die von E. Behrens geschriebene Broschüre empfohlen, welche jedem Liebhaber dieser Rasse ausführlichen Rat erteilt. Zu beziehen vom Verlag Dr. F. Poppe gegen Einsendung von 65 ₰.
5. Das Englische Widderkaninchen. (EW)

Ein naher Verwandter des „Franzosen“. Manche leiten den Engl. Widder von dem Franz. Widder her andere machen es umgekehrt. Wir wollen nicht feststellen, wer recht hat, das würde hier zu weit führen, aber Verwandte sind die beiden ganz sicher, denn sie haben beide „Widderohren“. Der Unterschied besteht darin, dass das Engl. Widderkaninchen mehr Luxustier ist, der „Franzose“ mehr auf praktische Verwendung gezüchtet wurde.
Englisches Widderkaninchen
Heute hat sich allerdings das Blatt gewendet, und zwar sehr zugunsten des früheren Luxustieres. Die frühere weichliche Aufzucht ist fortgefallen und ist durch die moderne, der Hygiene mehr angepassten Zucht in Außenstallungen ersetzt worden. Hierdurch ist die Größe und der innere Wert bezw. der gesundheitliche Zustand dieser Rasse bedeutend verbessert worden. Auch das Gewicht ist in die Höhe gebracht worden, so dass die Engl. Widderkaninchen jetzt vielfach 10-12 Pfund wiegen, gegen 6-7 Pfund in früheren Zeiten. Der Hauptwert dieser Rasse liegt in der gewaltigen Länge der Ohren. Diese erreichen eine Spannweite von 65 Zentimetern und eine Breite von 15 Zentimetern. Alen Alle Farben, die bei Kaninchen überhaupt vorkommen, haben wir beim Englischen Widderkaninchen, jedoch hat es den Anschein, als ob gerade gelbe und gelbscheckige Tiere den Vorzug haben, denn diese treffen wir am meisten an. Die Zucht des Engl. Widders erfolgte früher vielfach unter Anwendung künstlicher Wärme in geheizten Stallungen, Treibhäusern, Maschinenräumen. Heute tut man das bei uns nicht mehr, sondern wählt zur Zucht die warmen Sommermonate. Die Erfolge haben es gezeigt, dass auf diese Weise bessere Resultate erzielt, wurden sowohl in Bezug auf Ohrenlänge als auch auf Körpergröße. Eingehende Ausführungen über die Zucht der Engl. Widderkaninchen hat ein erfahrener Züchter dieser Rasse, Herr Barth-Geithain in seiner Broschüre: „Das Engl. Widderkaninchen" niedergelegt; zu haben gegen 65₰ (inkl. freier Zusendung) bei Herrn Dr. F. Poppe-Leipzig-R..
6. Das Silberkaninchen (S)
Eine unserer ältesten Rassen; das soll jedoch nicht sagen, dass es eine altmodische, ausgelebte Rasse sei. Nein, im Gegenteil, die Silber kommen nicht aus der Mode. Sowohl bei uns als auch in England, wo sie bereits seit langem den Mittelpunkt des Kaninchensportes bilden, ist die Verbreitung eine so große, dass die Beliebtheit dieser Rasse ohne weiteres auffallen muss.
Das Silberkaninchen gehört zu den kleinen Rassen und ist durchschnittlich etwa 2½ Kilogramm schwer. Die Rasseeigentümlichkeit liegt in der Färbung des Felles. Letzteres zeigt einen seltenen, silbergrauen Schimmer, welcher frisch gefallenem Reif sehr ähnlich ist. Wichtig ist, dass beim grauen Silberkaninchen eine satt blaue Grundfarbe vorhanden ist, welche verdeckt ist durch die weiße Decke der Silberung und den abtönenden Schleier der Schattierung; letztere auch Stich genannt. Allerdings muss die Silberdecke von der Unterfarbe so viel durchlassen, dass der Gesamteindruck der Färbung ein lebhafter ist. Ist dies nicht der Fall, so ist die Färbung tot und eindruckslos, oder auch verwaschen.
Je nach der größeren oder geringeren Anzahl von dunklen Haaren unterscheidet man verschiedene Schattierungen, hell-, mittel- und dunkelsilber. Tieren ist Gleichmäßigkeit in der Farbe Bedingung. Die jungen Grausilber-Kaninchen kommen schwarz zur Welt und färben sich nachher erst zur Silberfarbe um. Im 7. Monat ungefähr ist ein Tier mit der Ausfärbung fertig.
Auch über diese Rasse existiert eine Spezialbroschüre, und zwar von Herrn M. K. Berthold-Chemnitz, gleichfalls von Dr. F. Poppe, Leipzig-R. für 1 Mk franko zu beziehen.

Silberkaninchen
Das gelbe Silberkaninchen ist in England schon seit vielen Jahren zu seiner heutigen Vollkommenheit gezüchtet worden. Ursprünglich hat man zu seiner Schaffung das Belg. Hasenkaninchen benutzt, doch waren die langen, schwarzgeränderten Ohren und die schwarzen Haare im Pelz nicht herauszuzüchten. Mehr Erfolg hatten die Züchter, als sie das in Frankreich viel angetroffene gelbe Kaninchen benutzten und die Rasse ist jetzt soweit vollkommen, dass eine Verbesserung durch neue Kreuzung nicht mehr gut möglich ist. Kurz, gedrungen ist der Körper, die Formen schön gerundet, Läufe kurz und fein. Die Unterfarbe des Pelzes ist ein gleichmäßiges Gelb und die Oberfläche des ganzen Felles ist gleichmäßig mit Silberung überzogen. Bauch, Kinn, die Unterseite der Blume, sowie die Innenseiten der Läufe sind weiß. An den Augen finden wir selbst bei guten Tieren mehr oder weniger helle Umrandung. Je weniger davon zu sehen ist, desto wertvoller ist das Tier. Große Fehler jedoch sind zu helle Füße und Ohren ohne jede Silberung, das ist zu viel Silberhaar an den Füßen und zu wenig an den Ohren. Ein reinrassiges gelbes Silberkaninchen darf kein dunkles oder schwarzes Haar haben, auch muss die Brust gut in Farbe und Silberung sein. Es gibt hell-, mittel- und dunkelschattierte, je nach der Reichlichkeit der vorhandenen Silberung. Von der Prämiierung sind ausgeschlossen: Tiere mit weißen Flecken, heller Brust und solche, welche blauen Schein oder dunkle Haare im Fell haben; Tiere mit letzteren Fehlern sind nicht rasserein. Die gelben Silberkaninchen werden fleischfarbig geboren. Die Nestwolle ist gelb. Die Silberung beginnt mit der 6. Woche an der Nasenspitze und ist meist im 6. Monat beendet. Nicht zu verwechseln mit Gelbsilber sind die Crême-Silber. Diese zeigen als Unterfarbe nicht ein reines Gelb, sondern ein blau oder schwarz angehauchtes schmutziges Gelb. Diese Tiere fallen gewöhnlich von grauen Silbern, dürfen aber zur Gelbsilberzucht nicht verwendet werden, da sie da alles verderben würden.

Gelbes Silberkaninchen
Das braune Silberkaninchen

ist gleichfalls älteren englischen Ursprungs und durchaus nicht leicht zu jener Vollkommenheit zu züchten, wie sie für den Ausstellungskäfig verlangt wird. Das Fell zeigt vier Farben, welche, wenn in geeigneter Farbe vorhanden und richtig gemischt, dem Pelz einen selten schönen Anblick gewähren. Besonders wenn man in das Fell bläst, zeigt sich bei einem guten braunen Silber die schieferblaue Grundfarbe, darüber die kastanienbraune Unterfarbe des Hasenkaninchens, während die Spitzen ein Gemisch von braunen, weißen und schwarzen Haaren bilden. Farben müssen recht lebhaft sein und haben wenig Wert, wenn sie in verwaschenem Ton gehalten sind. Deshalb ist bei der blauen Untergrundfarbe ein gesättigtes Dunkelblau und bei der braunen Decke ein leuchtendes Rostbraun den lichteren Farbentönen vorzuziehen. Die Die Ohren sollen möglichst kurz und frei von schwarzer Umrandung sein und die braune Farbe soll so dicht wie möglich an das Auge reichen, die Blume möglichst frei von Schwarz sein. Die Schwierigkeit dieser Zucht liegt in der Minderung obiger Schönheitsfehler und in der Herauszüchtung einwandfreier Läufe und eines Felles, das die vier Farben in der beschriebenen Weise zeigt. Die Unterseite der Blume, Bauch, Kinn und die Innenseite der Läufe sind weiß. Das Fell sei kurz, dicht und glänzend. Grobe Fehler sind weiße Flecken und blauer Schein auf dem Rücken, letzteres ist ein sicheres Zeichen vorgenommener Kreuzung. Es gibt hell-, mittel- und dunkelschattierte. Das braune Silberkaninchen kommt blauschwarz zur Welt, die Farbe der Nestwolle ist ein mehr oder weniger intensives rötliches Grau. Würfen der Braunsilber finden sich nicht selten gelbe, seltener schwarze Junge. Die ersteren deuten auf eine Einkreuzung von gelb, welches früher wahrscheinlich zur Verbesserung der Farbe geschehen ist, die schwarzen auf Reste von Grausilberblut.
Braunes Silberkaninchen.
Man soll mit diesen Rückschlägen nicht züchten. Allenfalls kann man die gelben zur Braunzucht weiter benutzen. Besser ist ausmerzen. Mit der 6. Woche beginnt die Silberung zu erscheinen und die Ausfärbung ist gewöhnlich mit dem 6. Monat beendet. In Körperform soll es den anderen Silberkaninchen ähneln.
7. Das Angorakaninchen (A)

Dieses Kaninchen ist besonders der Liebling der Damenwelt. Es kommt in den Farben weiß, gelb, grau, schwarz, blau und bräunlich vor, doch sind die rein weißen Tiere am häufigsten und auch am gesuchtesten. Gescheckte Exemplare sind nicht als reinrassige anerkannt. Das charakteristische Kennzeichen dieser Rasse ist das lange, weiche, seidenartige Haar, welches leicht und locker auf dem Körper ruhen muss und nicht verknotet und verfilzt sein darf. Das Haar des Angorakaninchens erreicht eine Länge bis zu 25 Zentimetern Da sich die langen Haare des Angorakaninchens leicht verfilzen, ist es erforderlich, die Angorakaninchen öfters zu kämmen und mit einer weichen Bürste zu bürsten, um ihnen immer ein gefälliges Aussehen zu bewahren. Das Angorakaninchen hat kräftige, kurze, aufrechtstehende Ohren; als Zeichen der Schönheit wird es erachtet, wenn die Spitzen der Ohren kleine Haarbüschel haben. Der Körperbau dieses Tieres ist etwas gedrungen, sein durchschnittliches Gewicht ist etwa 3½ bis 4 Kilogramm. Es ist ziemlich fruchtbar, genügsam und erweisen sich die Häsinnen nur selten als schlechte Mütter. Gegen Witterungseinflüsse ist es ziemlich unempfindlich, doch ist es erforderlich, ein Angorakaninchen immer peinlich sauber zu halten, da ein schlecht gepflegtes Tier dieser Rasse einen sehr unschönen Anblick gewährt.
Angorakaninchen
Je länger und feiner das Haar des Angorakaninchens ist, desto höheren Wert hat das betreffende Tier. In Südfrankreich befinden sich mehrere größere 3uchtanlagen, welche die Zucht dieser Kaninchenrasse im großen zu industriellen Zwecken betreiben. Aus der Wolle werden Unterzeuge, Strümpfe, Gürtel und dergl. gewebt, welche wegen ihrer günstigen Wirkung bei rheumatischen Schmerzen sehr gern zu Heilzwecken gekauft werden.
Die Angorazucht wird durch den Vereinigten Angora- Züchter Klub eifrig gefördert; der Vorsitzende dieses Klubs, Herr Köhler-Neustadt a. d. Orla, hat eine treffliche Broschüre verfasst, welche der Verlag Dr. F. Poppe- Leipzig-R. hiermit jedem Züchter dieser Rasse angelegentlichst empfiehlt. (Preis 65 ₰ franko)
8. Das Russische Kaninchen (R)
Das Russische Kaninchen, in England Himalaya-Kaninchen, in Frankreich Sibirisches Kaninchen genannt, ist etwa von derselben Größe, wie das Silberkaninchen, ziemlich fruchtbar, abgehärtet und genügsam im Futter. Sein Merkmal ist die eigenartige Zeichnung des Felles. Dasselbe ist glänzend weiß, während die Extremitäten, und zwar die Ohren, Füße, die Blume (Schwanz) und die Nase rein schwarz sein müssen.

Die schwarze Farbe dieser Körperteile muss scharf abgeschnitten sein, sie darf nicht in das Weiß des übrigen Körpers hineinlaufen und müssen die schwarz gefärbten Stellen wohl geformt, nicht zackig sein.
Russisches Kaninchen
Oft sind die Extremitäten des Russischen Kaninchens nicht schwarz, sondern braun gefärbt; so gezeichnete Tiere sind jedoch fehlerhaft, obwohl wieder solche mit rein tiefschwarzen Abzeichen sehr selten und auch schwierig zu erhalten sind. Das Russische Kaninchen bedarf vor allem größter Sauberkeit und Trockenheit im Stalle, da sonst der Dünger die schwarze Farbe der Füße beizt.
Das russische Kaninchen hat kleine, aufrechtstehende Ohren und rote Augen. Das Gewicht dieser Kaninchenrasse beträgt im Durchschnitt 2½ Kilogramm, ihr Temperament ist ein lebhaftes. Das Fell muss kurz, dichtanliegend und weich sein. Eigentümlich ist es, dass Russische Kaninchen rein weiß geboren werden und erst nach einigen Wochen die Färbung der Extremitäten beginnt, die mit etwa 5 Monaten beendet ist. Das Russenkaninchen gilt als das Albino des Silberkaninchens, aus welchem es aller Wahrscheinlichkeit nach hervorgegangen ist. Deshalb fallen auch in den Silberwürfen ab und zu mal schneeweiße Tiere, welche später die Russenabzeichen annehmen. Adolf Bartels gibt eine ausführliche Beschreibung und Zuchtanleitung in seinem Buche über das Russische Kaninchen. Der Verlag Dr. F. Poppe, Leipzig-R. versendet es für 65₰ postfrei.
9. Das Holländische Kaninchen (H).

Eine unserer ältesten Farbenrassen. Sein Ursprung ist in dem Brabanter Kaninchen zu suchen, welch letzteres in Holland vielfach als Schlachtfaninchen gehalten wird. Die Engländer haben die eigenartige Zeichnung des Felles veredelt und verbessert. In der Zeichnung liegt der ganze Wert des Holländer Kaninchens. Dieselbe besteht aus 3 Teilen, der Kopfzeichnung, auch Blässe, der Rumpfzeichnung, auch Ring und der Zeichnung der Hinterfüße, auch Manschetten genannt. Die Blässe beginnt in scharfer Spitze auf der Stirne und zieht sich in angenehmer Rundung kugel- oder eiförmig um das Auge herum, im Nacken gleichmäßig wieder zusammenschließend. Der Ring sitzt etwa 2 Zentimeter hinter den Vorderläufen und soll einen regelrechten Kreis um den Leib des Tieres bilden, also weder an der Außenseite noch unterm Bauch Zackenbildung aufweisen. Die Zeichnung der Manschetten soll an beiden Hinterläufen gleich lang und wohlgeformt sein. Diese Zeichnung ist stets reinweiß. Dagegen sind die Backen und die Ohren sowie der hintere Teil des Rumpfes dunkel gefärbt, und zwar schwarz, blau, grau, gelb usw. Man spricht von ebenso vielen Farbenschlägen. Die Zucht des Holländer Kaninchens ist einigermaßen schwierig, da es einer geschickten Zusammenstellung eines Zuchtstammes bedarf, um schön gezeichnete Jungtiere zu erhalten.
Holländisches Kaninchen
Herr Anton Grünewald-Leubnitz- Werdau, ein langjähriger Züchter dieser Rasse, hat darüber eine vortreffliche Broschüre verfasst, welche wir allen Holländer Züchtern hiermit zum Studium empfehlen. Zu beziehen gegen Einsendung von 65 Pfg. durch den Verlag von Dr. F. Poppe, Leipzig-R. 10.
Das Black and tan-Kaninchen (Black)

Eine weitere interessante Farbenrasse, welche den englischen Liebhabern gelungen ist. Black and tan heißt zu Deutsch schwarz und lohfarbig. Unter lohfarbig ist ein leuchtendes braungelb gemeint. Die schwarze Farbe ist die Grundfarbe und bedeckt den Rücken sowie die Seiten, ebenfalls die Oberfläche des Kopfes und die Außenseiten der Ohren. Die Lohfarbe bildet die Zeichnung und befindet sich an den Nasenlöchern, dem Rande des Kinnes, um die Augen herum, auf der Innenfläche der Ohren. Ferner ist der Nacken in Gestalt eines Dreiecks, die Brust, die Läufe sowie ein schmaler Streifen längs der Seiten lohfarbig. Die Unterseiten des Tieres, also unter dem Kinn, dem Bauch, der Blume sind weiß gefärbt, sollen aber einen lohfarbigen Anflug an den Haarspitzen haben. Das Black and tan-Kaninchen ist ein munterer Geselle, dessen Körperform viel an die des wilden Kaninchens erinnert; die Augen sind groß und leuchtend, der Kopf kurz und dick. Das Gewicht des Black and tan-Kaninchens beträgt etwa 5 Pfd.
Black and tan-Kaninchen
Eine Abart des Black and tan haben wir im Blue and tan-Kaninchen. Der einzige Unterschied zwischen beiden Varietäten besteht darin, dass bei letzterer Rasse die Grundfarbe „Blau" ist. Wer Black and tan züchten will, der muss auch Rottloffs Broschüre über diese Rasse gelesen haben. Dieselbe kann gegen 65₰ franko vom Verlag Dr. F. Poppe, Leipzig-R., bezogen werden.
11. Das Japanische Kaninchen (J)

Eines der buntesten unserer Kaninchen ist das Japanerkaninchen. Von schlankem Körperbau erreicht es ein Gewicht von 3½ bis 5 Kilogramm; die Ohren trägt es aufrechtstehend. Das Japanerkaninchen ist von ganz eigenartiger Färbung. Es ist schwarz und gelb. Als fehlerhaft muss es gelten, wenn die gelbe Farbe in dem schmutzig matten Farbentone der Madagaskarfarbe auftritt, also einen blauen bezw. blauschwarzen Schimmer annimmt. Reinweiße Farbe ist bei dieser Rasse fehlerhaft. Diese zwei Farben sollen über den ganzen Körper ungleichmäßig verteilt sein, d. h. am Kopfe, wie auch am Rumpfe sollen die Farben recht häufig miteinander abwechseln. Eine Regelmäßigkeit in dieser Abwechselung ist jedoch ausgeschlossen. Es ist also ganz gleich, ob an einer Stelle die schwarze Farbe vorwiegt, an einer anderen Stelle die gelbe. Was aber von einem guten Japanerkaninchen verlangt werden muss, das ist, dass die Farbenunterschiede recht leuchtend zum Ausdruck kommen. Es müssen daher die Mittelpunkte einzelner Farbenpartien sehr intensiv gefärbt sein, also möglichst tiefschwarz, bezw. möglichst rein gelb. Trotzdem sollen die Farben nicht schroff abgegrenzt sein, sondern möglichst allmählich ineinander aufgehen, ohne indessen dem ganzen Farbenbild einen verschwommenen Ausdruck zu verleihen.
Japanisches Kaninchen
Die Verbreitung dieser Rasse, welche bis vor wenigen Jahren nicht vorangehen wollte, macht dank den Bemühungen zweier Spezial-Klubs recht große Fortschritte. Da die Rasse, weil bis 10 Pfund schwer, sich auch als Schlachtrasse eignet, ist deren Zucht jedermann zu empfehlen.
12. Das Hasenkaninchen (Sa)
Diese Rasse hat ihren Ursprung in England, wo sie aus importierten belgischen Schlachttieren durch Zuchtwahl entstanden ist. In Amerika aber hatte sich diese Rasse vor einigen Jahren infolge geschickter Reklame rasch beliebt gemacht. Aber heute ist das erste Feuer schon erloschen und die Zucht des Hasenkaninchens nimmt dort zurzeit kein bedeutendes Interesse in Anspruch. In Deutschland züchtet man das Hasenkaninchen erst seit 1900.
Das Hasenkaninchen ist im großen Ganzen eine Nachahmung des wilden Feldhasen. Mit ihm hat es große Ähnlichkeit in der Farbe, der Länge der Läufe, den löffelförmig abgerundeten Ohren, welche infolge des lebhaften Temperamentes in ständiger Bewegung sind. Das Gewicht beträgt 7-8 Pfund. Das Auge ist ausdrucksvoll und kühn. In der Farbe herrscht ein intensiv leuchtendes braunrot, fast fuchsrot, vor. Daneben äußern sich noch die Farbenwirkungen schwarzer Haare und Haarspitzen, welche die Partien auf dem Rücken und an den Seiten schattiert erscheinen lassen.

Die Spitzen der Ohren sind stark schwarz gerändert. Die Oberseite der Blume zeigt nicht selten schwarzen Anflug, doch soll sie möglichst die Farbe des Körpers annehmen. Die Unterseiten des Tieres sind weiß, bei guten Tieren mit lohfarbigem Hauch. Weiße Abzeichen an der Nase, Stirne, den Füßen sind unzulässig.
Hasenkaninchen
Wer sich über die Einzelheiten der Hasenkaninchenzucht genau orientieren will, dem empfehlen wir die Broschüre des Herrn J. Heintz-Krefeld „Das Hasenkaninchen“. Zu beziehen gegen 65₰ franko durch den Verlag Dr. F. Poppe, Leipzig-R.
13. Das Englische Scheckenkaninchen (ESch)
Eine verhältnismäßig junge Rasse, welche aber aus einer der ältesten Kaninchenvarietäten erzüchtet wurde. Schecken gab es zu undenklichen Zeiten und überall, wo Kaninchen gehalten wurden. Aber niemand hatte daran gedacht, aus dem gewöhnlichen Scheckenkaninchen ein Sporttier zu machen. Seit etwa 20 Jahren ist man in England auf die Schönheiten des Scheckenkaninchens aufmerksam geworden und hat diese Rasse ins Leben gerufen.
Die Engl. Schecke ist ein schlankes Tier von mittlerem Gewichte (bis 3 Kilogramm). Das Fell ist kurz und dicht; die Ohren sind straffe Stehohren. Die Grundfarbe des Felles ist weiß. Davon hebt sich die Scheckenzeichnung lebhaft ab. Diese besteht aus:
1. dem Schmetterling (3eichnung der Nase),
2. den Augenzirkeln,
3. dem Backenfleck,
4. den gefärbten Ohren,
5. dem Aalstrich (längs des Rückens),
6. der Kette (auf den Schultern),
7. der Seitenzeichnung,
8. den Bauch- und Brustflecken (an den Zitzen),
9. den Beinflecken (an den Kniegelenken).

Es würde zu weit führen, die nähere Ausführung zu dieser Zeichnung zu bringen. In Verbindung mit der beigegebenen Abbildung wird es jedem ein leichtes sein, sich ein mustergültiges Scheckenkaninchen vorzustellen. Im Übrigen verweisen wir auf die im Verlage von Dr. F. Poppe, Leipzig-R., erschienene Broschüre von J. Heintz-Krefeld, welche gegen 65 ₰ überall hin franko gesandt wird.
Englische Scheckenkaninchen
14. Das Deutsche Kaninchen (D)
Das Deutsche Kaninchen ist neben dem Hermelin- Kaninchen der Zwerg unter allen Kaninchenrassen. Reine Deutsche Kaninchen sind heutzutage recht selten geworden, da alle Züchter ihr Augenmerk auf die großen schweren Rassen in erster Linie richten. Durch fortgesetzte Inzucht ist das Deutsche Kaninchen arg degeneriert, doch bietet seine Zucht des Interessanten genug, um sich mit ihr zu befassen. Es ist äußerst genügsam, dabei von unübertroffener Fruchtbarkeit. Der Körper ist kurz und gedrungen, das Fell dicht und weich. Kurze, aufrechtstehende Ohren, die enganschließend getragen werden müssen, sind dem Deutschen Kaninchen eigen. Auf Ausstellungen findet das Deutsche Kaninchen zurzeit keinen Raum, da die Mehrzahl der Züchter nicht den Wunsch hegt, diese Rasse, die übrigens nur vereinzelte Liebhaber besitzt, zu fördern.
15. Blaue Wiener Kaninchen (BlW)

Blaue Wiener Kaninchen wurden im Jahre 1896 zum ersten Male gezeigt und nehmen seitdem auf einigen Ausstellungen einen hervorragenden Platz ein. Sie gehören zu den mittelschweren Rassen und ähneln in Form einem kleineren Schlage des Belgischen Riesenkaninchens. Der Unterschied besteht in der schönen dunkelblauen Fellfarbe, welche sich über den ganzen Körper in gleicher Nuancierung verteilt. Das Auge blaugrau, die Ohren straff, Durchschnittsgewicht 9-10 Pfund, sind die Tiere wetterfest, fruchtbar, genügsam und schnellwüchsig. Im Verhältnis zu anderen Rassen hat das Blaue Wiener Kaninchen einen zarten Knochenbau und infolgedessen einen prozentuell hohen Fleischansatz, welcher sich durch den Wert des Felles, das mit dem Silberfell im Preise gleichsteht, wirtschaftlich noch vergrößert. Es ist bei Besuch einer Ausstellung ein erfreuender Anblick, die blaue Abteilung zu besichtigen und die munteren, gleichgefärbten Tiere zu bewundern. Auch in Holland und in den Balkanstaaten haben sie Verbreitung gefunden und sind auf Ausstellungen zu finden. In England werden blaue Kaninchen unter dem Namen „Imperials" gezeigt.
Das Blaues Wiener Kaninchen
Auch hat sich ein internationaler Klub Wiener Riesenzüchter" gebildet, welchem viele deutsche und österreichische Züchter als Mitglieder angehören und dessen Zweck ist, die Zucht der Blauen Wiener zu fördern und zu verbessern.
16. Hermelinkaninchen (Herm)
Ein Zwerglein unter den Kaninchenrassen, aber ein reizendes Tierchen. Farbe schneeweiß und in seinem Glanze sehr dem Felle des Russenkaninchens ähnlich, die Haare sind kurz und dicht. Die Gestalt des Polnischen Kaninchens ist ein kurz gedrungener Körper, bei welchem der Hals kaum vom Rumpf zu unterscheiden ist. Der Kopf ist kurz und dick, die Miniaturöhrchen dünn und durchsichtig, außen leicht behaart, innen nackt.

Hermelinkaninchen
Auge blassrot mit dunkler Pupille. Man nennt diese Rasse in England Polnisches Kaninchen, vielleicht weil in Polen ein großer Handel mit weißen Kaninchenfellen in früheren Zeiten stattgefunden hat. Das Hermelinkaninchen ist nicht zu verwechseln mit dem Albino, des gewöhnlichen Kaninchens, denn dieses hat längere Haare, besser abgeteilte Gliedmaßen und ferner fehlt ihm der eigentümliche Körperbau. Das Hermelinkaninchen ist nämlich mehr walzenförmig, indes das gewöhnliche Albinokaninchen hinten breit und nach vorn etwas zugespitzt ist. Man unterscheide daher in jedem Falle genau und man wird die beiden Rassen nicht verwechseln.
17. Das Thüringer Kaninchen auch Chamoiskaninchen (Th).

Das Chamoiskaninchen ist eine seit etwa 1905 existierende Rasse, welche Herr Lehrer Gärtner – Waltershausen bei seinen Kreuzungsversuchen durch Zufall erhalten hat. Es handelt sich um ein gemischtfarbiges Kaninchen mit gemsengelber Rückenfarbe. Die Haare, welche die Unterpartien des Körpers bedecken, haben mehr oder weniger bläuliche, bis schwarze Spitzen, so dass die Tiere wie von einem dunklen Hauch begossen aussehen. Die Bauchhaare sind ebenfalls bläulich. Eine auffallende Farbenveränderung zeigt der Kopf des Thüringer Kaninchens. Dieser weist nämlich eine dunkle Maske auf, welche auf der Nasenspitze und um die Maulwinkel herum am dunkelsten ist und sich in Augenhöhe allmählich in die gemsengelbe Farbe der helleren Körperteile verliert. Die Ohren sind gleichfalls etwas dunkler und zeigen dies ganz besonders beim Haarwechsel, da dann die dunkle Farbe in Gestalt eines intensiven Ringes an der Ohrwurzel sich zeigt.
Thüringer Kaninchen.
18. Das Rheinische Scheckenkaninchen (RhSch)
Eine Rasse, welche erst im Laufe des Jahres 1906 öffentlich gezeigt wurde und aus der Zucht des Herrn J. Heintz-Krefeld hervorgegangen ist. Es handelt sich um eine Schecke, welche der Englischen Schecke sehr ähnlich ist. Das Fell ist von weißer Grundfarbe, auf welcher sich die Zeichnung gut abhebt. Diese Zeichnung, welche aus den gleichzeitig auf demselben Tiere vorkommenden Farben „schwarz“ und „gelb“ besteht, umfasst wenigstens folgende 4 Teile:
- Zeichnung der Augenzirkel
- Zeichnung der Ohren,
- Zeichnung des Aalstrichs,
- Zeichnung der Seiten.
Dagegen dürfen auch Schmetterling, Kette usw. vor kommen. Das Neueste an dieser Rasse ist, dass durch Benutzung der Scheckenzeichnung ein dreifarbiges Kaninchen entstanden ist. Die einzelnen Farben der Zeichnung sollen leuchtend und rein sich vom weißen Grunde abheben. In letzter Zeit werden auch Rhein. Schecken gezeigt, bei welchen die gelbe Farbe den dunklen schmutziggelben Ton der Madagaskarfarbe annimmt. Es liegt auf der Hand, dass die Erzüchtung solcher Tiere das Zuchtziel „reine leuchtende Farben“ um ein bedeutendes zurücksetzen muss. Das Rheinische Scheckenkaninchen ist ein schlankes Tier, von mittlerer Größe. Es besitzt Stehohren und wird etwa 9-10 Pfund schwer. Deswegen eignet es sich auch gut zu Schlachtzuchtzwecken.
Das bunte Fell, bis jetzt das bunteste von allen gezeigten Rassen, eignet sich zur Teppichfabrikation. Wünschen wir auch dieser echt deutschen Rasse recht viele Anhänger und eine große Zukunft.

19. Das Havannakaninchen (Hav)
Havannakaninchen
Das Havannafaninchen besitzt einen tabakbraunen Pelz, der von der Nase bis zum Schwanze in einer gleichmäßigen Farbentönung vorhanden sein muss. Weiße Abzeichen sowie allzu starkes Durchsetzen mit weißen Haaren sowie Rost schließen von der Bewertung aus. Das Havannafaninchen ist in Deutschland noch nicht lange heimisch. Es stammt aus Holland, wo es auch Biberkaninchen genannt wird. Die Nachfrage nach dieser Rasse ist sehr groß, so dass dieselbe sich sehr bald verbreitet haben dürfte, namentlich auch, da die Verwertung des Pelzes, welches sehr in Mode ist, hierzu sein Teil beitragen wird.
Abbildungen aus der Originalquelle
Zusammenfassung / Fazit
Zusammenfassung
Der Text aus Wahl’s Taschenkalender für Kaninchen-Züchter 1909–1910 beschreibt die wichtigsten Kaninchenrassen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Westeuropa gezüchtet wurden. Jede Rasse wird hinsichtlich Herkunft, Körperbau, Fellfarbe, Zuchtzielen und Besonderheiten vorgestellt. Die wichtigsten Punkte:
1. Große und schwere Rassen
- Belgisches Riesenkaninchen und Belgisches Landkaninchen: Sehr große, robuste Tiere, ursprünglich aus Belgien. Sie wurden wegen ihrer Größe und Fleischleistung geschätzt. Das Landkaninchen ist zusätzlich bunt gescheckt.
- Deutsche Riesenschecke: Eine deutsche Weiterentwicklung der belgischen Schecken, mit Fokus auf verbesserte Zeichnung und Größe.
2. Widderkaninchen
- Französischer Widder: Massiger Körper, charakteristische Hängeohren, gute Fleischleistung.
- Englischer Widder: Luxusrasse mit extrem langen Ohren, früher empfindlich, später robuster gezüchtet.
3. Kleine und mittlere Rassen mit besonderer Fellfärbung
- Silberkaninchen (grau, gelb, braun): Alte, beliebte Rasse mit charakteristischer Silberung. Die Zucht ist anspruchsvoll, da Farbe und Schattierung exakt sein müssen.
- Russisches Kaninchen (Himalaya): Weiß mit schwarzen Abzeichen, robust, klein, lebhaft.
- Holländisches Kaninchen: Eine der ältesten Zeichnungsrassen, mit klar definierten weißen und farbigen Bereichen.
- Black and Tan / Blue and Tan: Englische Farbenrassen mit schwarzer bzw. blauer Grundfarbe und lohfarbigen Abzeichen.
- Japanerkaninchen: Bunte, unregelmäßige gelb-schwarze Zeichnung, damals noch relativ neu.
4. Spezialrassen
- Angorakaninchen: Für die Wollproduktion gezüchtet, besonders beliebt bei Frauen. Die Wolle wurde industriell genutzt.
- Hasenkaninchen: Schlank, hochläufig, dem Feldhasen nachempfunden, temperamentvoll.
Der Text verweist häufig auf Spezialbroschüren, die über den Verlag Dr. F. Poppe erhältlich waren – ein Hinweis auf die wachsende Professionalisierung der Kleintierzucht.
Fazit
Der Arbeit ist weit mehr als eine reine Rassebeschreibung. Er zeigt, wie eng Tierzucht, Alltag und gesellschaftliche Entwicklung miteinander verbunden waren. Kaninchen waren für viele Menschen ein wichtiges Nutztier, gleichzeitig aber auch ein Zugang zu Vereinskultur, sozialem Aufstieg und bürgerlicher Freizeitgestaltung. Die Vielfalt der Rassen und die detaillierten Zuchtanleitungen spiegeln eine Zeit wider, in der Selbstversorgung, Industrialisierung und beginnender Wohlstand nebeneinander existierten.
Hinsichtlich der Entwicklung der Kaninchenzucht sollte auch die Berücksichtigung der sozialen Lebensumstände um 1909/1910 angeführt sein, den m 1910 befand sich Deutschland in einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen:
- Breite Bevölkerungsschichten lebten in einfachen, oft prekären Verhältnissen.
- Selbstversorgung spielte eine große Rolle – besonders in ländlichen Gebieten, aber auch in Arbeiterhaushalten.
- Kaninchenzucht war ein wichtiger Bestandteil der Ernährungssicherung, da Kaninchen wenig Platz und Futter benötigten und schnell Fleisch lieferten.
- Gleichzeitig begann sich ein bürgerlicher Freizeit- und Vereinssport zu entwickeln, zu dem auch die Rassekaninchenzucht gehörte.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Artikel so einordnen:
1. Kaninchenzucht als wirtschaftliche Notwendigkeit
Viele der beschriebenen Rassen – besonders Riesen, Widder und robuste Landrassen – wurden gezüchtet, um Fleisch zu liefern. Die detaillierten Hinweise zu Körperbau, Gewicht und Pflege zeigen, wie wichtig Effizienz und Ertrag waren.
2. Kaninchenzucht als Hobby und Statussymbol
Die Vielzahl an Spezialrassen (Silber, Japaner, Black and Tan, Holländer) zeigt, dass sich ein Teil der Bevölkerung bereits ein ästhetisch motiviertes Hobby leisten konnte. Vereine, Ausstellungen und Fachbroschüren waren Ausdruck eines wachsenden bürgerlichen Selbstverständnisses.
3. Industrialisierung und Professionalisierung
Die Erwähnung industrieller Angorawollproduktion oder spezialisierter Zuchtklubs zeigt, dass Kleintierzucht zunehmend kommerzialisiert wurde.
4. Bildung und Wissensvermittlung
Der Text verweist ständig auf Broschüren und Fachliteratur. Das zeigt:
- steigendes Interesse an systematischer Tierzucht
- wachsende Alphabetisierung
- den Wunsch, sich durch Wissen sozial zu verbessern
5. Ein Spiegel der Gesellschaft
Die Kaninchenrassen selbst spiegeln soziale Realitäten:
- Große Rassen → Ernährungssicherung
- Zeichnungs- und Luxusrassen → Freizeitkultur
- Angora → industrielle Nutzung
- Robuste Kleintiere → Ideal für Arbeiter- und Kleinbauernhaushalte
Sozialgeschichtliche Einordnung
Sozialgeschichtliche Bedeutung einzelner Kaninchenrassen
um 1900 –1910
1. Belgisches Riesenkaninchen – Das Nutztier der Arbeiter- und Kleinbauernklasse
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
In einer Zeit, in der Fleisch für viele Familien ein Luxus war, boten Riesenkaninchen eine erschwingliche Eiweißquelle.
Arbeiterfamilien in Industriegebieten hielten Kaninchen in Hinterhöfen, weil sie wenig Platz und Futter brauchten.
Die Riesenrassen spiegeln den Wunsch nach Effizienz und Selbstversorgung wider.
Die Zucht wurde oft von Männern betrieben, die damit ein kleines Nebeneinkommen erzielten.
| Kurz: | Diese Rasse steht für die ökonomische Notwendigkeit breiter Bevölkerungsschichten, sich selbst mit Fleisch zu versorgen. |
2. Belgisches Landkaninchen & Deutsche Riesenschecke – Die Demokratisierung des „Hobbys“
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
Die auffällige Scheckung machte diese Tiere zu Ausstellungs- und Vereinssymbolen.
Die Rasse zeigt, wie sich die Kaninchenzucht vom reinen Nutzgedanken hin zu einem bürgerlichen Freizeitvergnügen entwickelte.
Vereine entstanden, in denen Arbeiter und Mittelstand gemeinsam aktiv waren – ein frühes Beispiel sozialer Durchmischung.
Die Betonung „deutscher“ Zuchtleistung spiegelt den Nationalstolz der Kaiserzeit.
| Kurz: | Diese Rassen stehen für die Vereinskultur, die Identitätsbildung und den Wunsch nach sozialem Aufstieg. |
3. Französischer und Englischer Widder – Statussymbole der bürgerlichen Schichten
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
Die Widderkaninchen waren Luxustiere, die nicht primär der Ernährung dienten.
Ihre Haltung erforderte mehr Platz, Pflege und Wissen – ein Hinweis auf bürgerliche Freizeit und Ressourcen.
Die extremen Ohrenlängen beim Englischen Widder zeigen eine Zucht, die sich an Ästhetik statt Nutzen orientierte.
Die Rasse war beliebt bei Menschen, die sich bewusst von der „Nutzkaninchenhaltung“ der Arbeiterklasse abgrenzen wollten.
| Kurz: | Widderkaninchen verkörpern Prestige, Ästhetisierung und bürgerliche Freizeitkultur. |
4. Silberkaninchen – Tradition, Stabilität und ländliche Identität
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
Eine der ältesten Rassen, stark in ländlichen Regionen verwurzelt.
Die Silberung galt als „edel“, aber die Tiere waren gleichzeitig robust und klein, also gut für Selbstversorger geeignet.
Die Rasse zeigt die Verbindung zwischen Tradition und moderner Zuchtkultur.
Sie war beliebt bei Kleinbauern, die Wert auf Qualität und Schönheit legten, aber dennoch wirtschaftlich denken mussten.
Kurz: Silberkaninchen verbinden Tradition, ländliche Identität und pragmatische Selbstversorgung.
5. Angorakaninchen – Die Rolle der Frauen und die frühe Heimindustrie
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
Angoras wurden oft von Frauen gehalten, da die Pflege (Kämmen, Bürsten) als „weibliche Tätigkeit“ galt.
Die Wolle wurde in Heimarbeit verarbeitet – ein typisches Element der Nebenverdienstkultur ärmerer Haushalte.
Die industrielle Nutzung der Wolle zeigt die Verbindung von Kleintierhaltung und Textilindustrie.
Die Rasse war ein Beispiel dafür, wie Frauen wirtschaftlich beitragen konnten, ohne die häusliche Sphäre zu verlassen.
Kurz: Angorakaninchen stehen für Frauenarbeit, Heimindustrie und die Ökonomisierung des Haushalts.
6. Russisches Kaninchen – Reinheit, Hygiene und die neue Wissenschaftlichkeit
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
Die strenge Zeichnung (weiß mit schwarzen Abzeichen) entsprach dem Zeitgeist der Klassifikation und Normierung.
Die Empfindlichkeit gegenüber Stallhygiene zeigt, wie stark hygienische Standards um 1900 an Bedeutung gewannen.
Die Rasse war beliebt bei Züchtern, die sich als „wissenschaftlich“ arbeitend verstanden.
Kurz: Das Russische Kaninchen symbolisiert Hygiene, Normierung und den wissenschaftlichen Geist der Moderne.
7. Holländer, Black and Tan, Japaner – Die Ästhetisierung des Alltags
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
Diese Rassen wurden nicht wegen Fleisch oder Wolle gehalten, sondern wegen Zeichnung und Schönheit.
Sie zeigen, dass selbst Arbeiter und Kleinbürger begannen, sich ästhetische Hobbys zu leisten.
Die komplizierten Zeichnungen erforderten Wissen und Planung – ein Hinweis auf die Professionalisierung der Freizeit.
Die Tiere wurden zu Prestigeobjekten auf Ausstellungen, die soziale Anerkennung brachten.
Kurz: Diese Rassen stehen für ästhetische Kultur, soziale Anerkennung und die Aufwertung der Freizeit.
8. Hasenkaninchen – Natursehnsucht und Modernitätskritik
Sozialgeschichtliche Bedeutung:
Die Rasse imitiert den Feldhasen – ein Symbol für Natur, Freiheit und Ursprünglichkeit.
Um 1900 wuchs die Sehnsucht nach Natur als Gegenbewegung zur Industrialisierung.
Das Hasenkaninchen war ein Ausdruck dieser romantischen Naturideale.
Gleichzeitig war es ein sportliches, temperamentvolles Tier – passend zur körperbetonten Kultur der Kaiserzeit.
Kurz: Das Hasenkaninchen verkörpert Natursehnsucht, Modernitätskritik und körperliche Vitalität.
Gesamtdeutung
Wenn man die Rassen sozialgeschichtlich betrachtet, erkennt man:
Große Rassen → Ernährungssicherung der Arbeiterklasse
Zeichnungs- und Luxusrassen → bürgerliche Freizeitkultur und soziale Distinktion
Angora → weibliche Heimarbeit und frühe Industrialisierung
Silber & Russen → Tradition und wissenschaftliche Moderne
Japaner & Black and Tan → Ästhetisierung des Alltags und Vereinswesen
Die Kaninchenzucht war also ein Mikrokosmos der Gesellschaft:
Sie verband Notwendigkeit, Hobby, Identität, Geschlechterrollen und sozialen Aufstieg.














