Fachartikel

Über die Verwertung der Kaninchenfelle

Manstetten 1909 Seiten 270-279
Redaktionell aufbereitet

Über die Verwertung der Kaninchenfelle.

Von Leop. Manstetten.

Betriebsleiter der Lehrgerberei der Deutschen Gerberschule in Freiberg i. Sa.

Je mehr die Bestrebungen der Kaninchenzüchter- Vereine von Erfolg sind und je mehr infolgedessen Kaninchenfleisch wirklich Volksnahrung wird, umso wichtiger wird auch die Frage der Verwertung der Felle. Vielfach ist man jetzt bestrebt, die Felle in der eigenen Familie, sei es zu Pelzzwecken, sei es als Schuhleder zu verwerten. Inwieweit diese Ausnützung der beim Schlachten fallenden Kaninchenfelle eine rationelle ist, hängt von verschiedenen Umständen ab, von denen der wichtigste der ist, dass jedes Fellchen nur einzig dem Zwecke zugeführt wird, zu dem es sich eignet. Farbekaninchen, bei denen ein für Pelzzwecke wertvolles Fell ein Zuchtzweck ist, fällt jeder Zweifel über die Verwendung der Felle von vornherein fort. Bei anderen Kaninchen, besonders den großen und größten Rassen, kann auch wohl mit Recht behauptet werden, dass die weitaus meisten Felle nur für Pelzwerk geeignet sind. Dies gilt im Allgemeinen für die Felle von noch nicht ausgewachsenen Jungtieren und von denen der meisten Muttertiere. Für Schuhleder eignen sich nur kräftige federhafte Felle ausgewachsener Riesenkaninchen, also in erster Linie die Felle der Rammler. Es ist ein großer Fehler, wahllos Kaninchenfelle zu Schuhzwecken gerben und zurichten zu lassen, nur weil man in seiner Familie gerade Verwendung für Schuhleder hat. Gute kräftige Kaninchenfelle geben ein gutes Schuhleder, diese Tatsache steht fest. Aber nicht nur kräftig und groß muss ein für Schuhleder bestimmtes Kaninchenfell sein, es muss auch schnitt- und lochfrei sowie narbenrein*) sein. Letzteres sieht man erst, wenn die Haare entfernt sind, dann zeigen sich Narben von alten Wunden oder auch sonstige Narbenfehler. Wenn diese auch nicht so sehr häufig vorkommen, so sind sie doch nicht gerade selten. Dass die Kaninchenfelle ohne Schnitte und Löcher ab- gestreift werden müssen, ist eine so oft erörterte und selbstverständliche Sache, dass es darauf einzugehen erübrigt. Auch ist eine gute Konservierung, meist Trocknung, von unbedingter Notwendigkeit. Diese Forderung ist schon so oft im „Kaninchenzüchter" erhoben worden und immer wird sie noch nicht genügend beachtet. Erst in neuester Zeit habe ich wieder traurige Erfahrrungen in dieser Hinsicht machen müssen. Ich erhielt ein wunderschönes Fell, um ein Beispiel zu geben, das ich, da es auffallend groß war, maß. Die Länge betrug 95 cm. Als ich das getrocknete und leider hierbei seitlich zusammengeschrumpfte Fell einweichen und rein machen ließ, zeigten sich große Faulstellen an demselben. Am besten werden Kaninchenfelle auf dem öfters im „Kaninchenzüchter" beschriebenen Brett, noch besser auf einem aus verzinntem Eisendraht hergestellten Bügel getrocknet.

Nach den Erfahrungen, die ich mit dem Gerben und Zurichten von Kaninchenfellen gemacht habe, wäre es für jeden Kaninchenzüchterverein von Vorteil, einen Sachverständigen anzustellen, der den einzelnen Züchtern, die ihre Felle zu Schuhleder gerben lassen wollen, mit seinem Rat zur Seite steht. Viel unnütz' verausgabtes Geld würde den Züchtern erhalten bleiben. Ich war leider nur zu oft gezwungen, Felle zu Schuhleder zu verarbeiten, die bei weitem die entstandenen Kosten an Porto und Gerbelohne nicht wert waren.

Es empfiehlt sich deshalb, dass jeder Züchter, der Felle zum Gerben gibt, dem betreffenden Gerber so weit als irgend möglich, freie Hand lässt, die Felle für den Zweck zuzubereiten, für den sie sich eignen. Auch in Bezug auf die Art der Gerbung von Schuhleder ist dies notwendig, oft wird vorgeschrieben, dass die Felle chromgar zu Schuhleder gemacht werden sollen. Der betreffende Züchter hat wahrscheinlich erfahren, dass jetzt meistens Chrom-Oberleder an Schuhen getragen wird und möchte deshalb seine Felle chromgar gemacht haben. In vielen Fällen eignen sich die in Frage kommenden Felle aber nicht einmal zu Schuhleder, noch viel weniger zu chromgarem Schuhleder. Die Chromgerbung füllt nämlich das Leder viel weniger mit Gerbstoff als die Lohgerbung, es eignen sich deshalb nur ganz besonders volle und gut gestellte Felle für chromgares Schuhleder.

Ich habe mich auf Veranlassung des Herrn Ökonomierat Strauch in Neiße mit der Gerbung von Kaninchenfellen nach verschiedenen Verfahren befasst und will im Folgenden kurz die einzelnen von mir angewendeten Methoden beschreiben.

Da im obigen zuletzt von Schuhleder die Rede war, möge hier gleich die Gerbung und Zurichtung derselben folgen.

Die in der Regel trocken ankommenden Felle werden zum Weichen in Wasser gebracht und verbleiben in demselben 24 Stunden, wobei das Wasser einmal gewechselt wird. Nach der angegebenen Zeit werden die Felle auf dem Baum vorsichtig mit dem Eisen gestreckt, wobei etwa anhaftende Fleisch- und Fettteilchen entfernt werden. Hierbei werden oft Fehler sichtbar, die am trocknen Fell nicht bemerkbar waren. Ich rate deshalb jedem Züchter, der Kaninchenfelle zu Schuhleder gerben lässt, dem ausführenden Gerber zu schreiben, er möge die Felle nach dem Weichen und Strecken ehe sie weitergearbeitet werden, genau durchsehen und jene, die sich zu Schuhleder nicht eignen, mit den Haaren gerben. Manche bittere Enttäuschung und manche unnütze Geldausgabe könnte, worauf ich nochmals hinweisen möchte, so erspart werden.

Nun kommen die Felle wieder auf kurze Zeit ins Wasser und von diesem auf einen Bock damit sie abtropfen. Die abgetropften Felle werden in den sogenannten Äscher gebracht. Unter Äscher versteht der Gerber eine Grube mit Kalkmilch, die auf 100 Liter Wasser etwa 1 Kilo Kalt enthält. Im Äscher werden die Haare locker. Zu beachten ist, dass ein alter gebrauchter Äscher stärker wirkt als ein frischer. Die Felle kommen deshalb zunächst in einen schon gebrauchten Äscher, dann in einen frischeren. Damit die Äscher nicht zu stark faulig werden, wird öfter frischer Kalk zugesetzt, in der Regel bevor neue Felle hineingebracht werden.

Wenn die Felle die Haare gut lassen, werden sie aus dem Äscher genommen und gehaart. Dies muss mit großer Vorsicht geschehen, da das Fell leicht verletzt wird. Nach dem Haaren wird reingemacht, d. h. es wird die sogenannte Fleischseite durch Schaben mit einem geeigneten Instrument von allen Fleisch- und Bindegewebeteilen befreit, die Narbenseite geglättet und durch Streichen auf einem Baume von Schmutz und Kalk befreit. Die nunmehr völlig von allen zum Gerben ungeeigneten Teilen befreiten Felle, Blöße genannt, werden gebeizt am besten in Kleie. Man nimmt zu diesem Zwecke etwa 10% der gewogenen Blöße an Weizenkleie, brüht sie mit heißem Wasser an, lässt erkalten bis auf 30-35 Celsius und gibt die vorher in 35° Celsius warmem Wasser erwärmten Felle in die Kleienflüssigkeit. Hierin werden sie kurze Zeit bewegt und bleiben dann Sarin liegen bis sie von selbst zur Oberfläche aufsteigen, dann werden sie noch einmal heruntergestoßen und wenn sie wieder hoch kommen aus der Beize genommen. Das Beizen geschieht an einem warmen Ort, damit die Beize nicht zu sehr abkühlt. Die gebeizten Felle werden in lauwarmem Wasser gespült, auf der Fleischseite durch Streichen möglichst von der Kleie befreit und sind nun zum Gerben fertig. Erst im Zustande der Blöße ist es möglich, alle Fehler am Felle genau festzustellen. Es ist mir, wenn ich die Blöße vor der Gerbung nachsah, oft vorgekommen, dass ich nur mit Bedauern die Felle zur Gerbung weitergegeben habe, da ich mir sagte, es ist ganz unmöglich, dass aus denselben etwas brauchbares werden kann. Trotzdem mussten sie weitergearbeitet werden, um die erhaltene Stückzahl abliefern zu können.

Die Gerbung kann nun mittelst Chromsalzen oder mit vegetabilischen Gerbstoffen durchgeführt werden. Da sich erstere, wie oben ausgeführt, nur für starke volle Felle eignet, so empfiehlt es sich, beim Durchsehen der zum Gerben vorbereiteten Felle diese zu sortieren und nur die geeigneten chromgar, die anderen lohgar zu machen.

Sollen die Blößen chromgar gemacht werden, so kann dies sowohl nach dem sogenannten Einbad wie nach dem sogenannten Zweibadverfahren geschehen. Am einfachsten und sichersten ist das folgende Verfahren: Auf 1 Kilogramm zum Gerben fertige Kaninchenblöße rechnet man 2 Liter Wasser, 250 Gramm Chromalaun und 10 Gramm Kal. Bichromat und bewegt die Felle hierin so lange bis sie völlig durchdrungen sind und, wenn man eine Stelle zwischen den Fingerspitzen stark drückt, an dieser Stelle hell und trocken erscheinen. Dann hängt man sie auf 3-6 Stunden, je nach Stärke, in ein Bad, in dem auf 1 Liter Wasser 60 Gramm Antichlor aufgelöst sind. Aus diesem Bade sind die Felle fertig gegerbt und werden nun in lauwarmem Wasser gut ausgewaschen, um sie von den eingedrungenen Salzen zu befreien.

Die ausgewaschenen Felle werden mit dem Schlicker gut trocken ausgesetzt in Form gebracht und nun, wenn notwendig, mit dem sogenannten Falz egalisiert. Nach dem Falzen werden die Felle gewogen, d. h. das Gewicht nach dem Falzen, vom Gerber „Falzgewicht“ genannt, festgestellt. Darauf wird mit Blauholzextrakt das Leder grundiert und die Narben-(Haar-)Seite mit einem basischen Anilinschwarz geschwärzt. Die geschwärzten Felle werden gefettet, wobei man auf das festgestellte Falzgewicht 2% Marseiller Seife, 1% o Olivenöl und 100% Wasser rechnet. Die Seife wird zerschnitten, mit Wasser zergehen lassen und das Öl hinzugemischt. Das Schmieren geschieht im bewegten Fass bei 40-50° Celsius. Die geschmierten Felle werden getrocknet, in feuchten Sägespänen gleichmäßig und nicht zu starke Feuchtigkeit anziehen lassen und dann durch Stollen oder Strecken weich gemacht. Das Stollen kann auf dem Stellpfahl oder im Rahmen geschehen. Eine einfache Vorrichtung dazu, auf die ich bei alaun garen Kaninchenfellen noch zurückkomme, ist im „Kaninchen Züchter“ beschrieben worden. Die gestollten Felle werden getrocknet mit einem Blut- oder Eiweißglanz überwischt, getrocknet und nun auf der Glanzstoßmaschine geglänzt. Für die Lohgerbung von Kaninchenfellen ist in Nr. 25 des „Kaninchenzüchter" 1907 eine Vorschrift enthalten, der ich aber nicht in allen Teilen zustimmen kann. Zunächst ist es unbedingt falsch, die Lohe und Anilinfarbe zu mischen. Lohgare Felle lassen sich mit Anilinfarbstoffen färben, weil Gerbstoff mit den meisten im Handel befindlichen Anilinfarbstoffen eine unlösliche, als Farblack bezeichnete, Verbindung eingeht. Diese Verbindung gehen Gerbstoff und Farbstoff aber auch ein, wenn sie in der Lösung zusammenkommen. Es ist also mindestens eine Verschwendung, wenn man Gerbstoff und Anilinfarbstoff miteinander gemischt, in Lösung bringt; am billigsten kommt man auf folgende Weise ans Ziel. Man nimmt für je 2 Pfd. Blöße Pfd. Fichten- oder Eisenlohe, brüht dieselbe mit der nötigen Menge heißem Wasser an und lässt sie bis auf zirka 18-20° C erkalten. Dann gibt man die Blöße hinein und bewegt sie etwa ½ Stunde darin, damit sie nicht fleckig wird. Dies Bewegen wiederholt man am ersten Tage öfters, später nur 2 bis 3 Mal täglich. Am zweiten Tage gibt man den Fellen wieder 1/4 Pfd. Lohe, am fünften ein ½ Pfd., am achten ½ Pfd. und am zwölften nochmals. Die Lohe rechnet stets für 1 Kilogramm, also 2 Pfd. Blöße; für 2 Kilogramm würde also die doppelte, für 3 Kilogramm die dreifache usw. Menge zu nehmen sein. Beim jedesmaligen Bewegen müssen die Felle herausgenommen und wieder in die Lohbrühe zurückgestoßen, d. h. aufgeschlagen werden. Auch wenn neue Lohe zugegeben wird, nimmt man die Felle heraus und rührt gut um, ehe die Felle in die Lohe zurückgegeben werden. Je nach der Stärke werden die Felle in 15-20 Tagen gut durchgegerbt sein. Wenn man stärkere Gerbmaterialien, z. B. Gambir, Mirabolanen usw. zur Hilfe nimmt, kommt man in kürzerer Zeit zum Ziele. Die gebrauchte Brühe ist zur Angerbung neuer Felle zu gebrauchen, wenn sie nicht durch langes Stehen zu sauer geworden ist. Die alte Lohe muss jedoch entfernt werden. Dies Entfernen der alten Lohe geschieht furz vor dem Wiedergebrauch. Man hebt Brühe und Lohe bis zum Gebrauch gemeinsam auf. Die fertig gegerbten Felle werden in lauwarmem Wasser gespült und mit einem geeigneten Eisen, welches Schlicker genannt wird, von beiden Seiten gut ausgesetzt. Dann wird von der Fleischseite mit einer aus 2 Teilen Tran und 1 Teil Talg zusammengeschmolzener Schmiere gut überwischt, die Haarseite mit Tran oder Leinöl abgerieben und getrocknet. Die getrockneten Felle werden vom Gerber nun zunächst mit dem Falz egalisiert, dann geschwärzt. Zu diesem Zweck kocht man 14 Pfd. Blauholzspäne mit 30 Gramm Kernseife und 1 Liter Wasser gut aus und überbürstet die Felle mit dieser Blauholzabkochung, so dass keine Blauholzlösung auf dem Felle bleibt. Die mit Blauholz angebürsteten Felle schwärzt man dann mit einer Lösung von 6 Gramm Eisenvitriol in ½ Liter Wasser und ½ Liter Essig. Der Gerber gibt den Fellen nun noch einen Leimglanz oder er behandelt sie auf der Glanzstoßmaschine. In letzterem Falle muss sehr vorsichtig und mit weniger Fett geschmiert werden.

Bedeutend einfacher gestaltet sich die Zurichtung der Kaninchenfelle mit Haaren. Dieselbe kann auf dreifache Art geschehen. 1. einfach alaun- oder Weisshaar. 2. chromgar. 3. nach Kürschnerart als Pelzwerk. Die Alaungerbung ist im „Kaninchenzüchter“ schon des Öfteren beschrieben worden, so dass ich mich hier kurz fassen kann. Bei der mir im „3." gerade vorliegenden Vorschrift ist zu dem Alaun zu viel Salz genommen. Felle, die mit Zuviel Salz gegerbt sind, werden schwer trocken und ziehen auch leicht wieder Feuchtigkeit an. Ich verfahre auf folgende Weise. Die trocknen Felle werden eingeweicht gestreckt und hierbei vorsichtig und vollständig entfleischt. Das vollständige Entfleischen ist bei allen Pelzzurichtungen ein Haupterfordernis und für den Ungeübten schwer ohne Fehl zu erreichen. Dann werden sie nochmals auf furze Zeit ins Wasser gebracht, auf einem Bock abtropfen gelassen und von der Fleischseite mit einer Mischung von 4 Teilen Alaun, 1 Teil Kochsalz, 1 Teil Weizenkleie gut eingerieben und zusammengelegt in einem kleinen Kübel 2 Tage liegen gelassen. Nach der angegebenen Zeit werden sie auseinander gelegt, nochmals mit obiger Mischung eingerieben. Wenn die Felle jetzt nochmal 2-3 Tage in dem Kübel gelegen haben, sind sie gar. Sie werden nunmehr abgespült und getrocknet.

In ganz gleicher Weise wie die alaungaren werden die chromgaren Felle zum Gerben vorbereitet. Die Gerbung geschieht dann in folgender Weise. Die Felle werden einzeln auf einem Tisch ausgebreitet und hier mittels einer Bürste folgende Lösung auf die Fleischseite aufgetragen: 1½ Liter Wasser, 150 Gramm Chromalaun, 10 Gramm Kaliumbichromat. Die aufgebürsteten Felle werden, Fleischseite nach innen, zur Hälfte zusammengelegt und zwei Stunden hingelegt. Nach 2 Stunden wird die Manipulation des Aufbürstens wie oben wiederholt. Nach weiteren 2 Stunden sind die dünneren Felle gar während starte am besten noch einen dritten Strich mit der Chromlösung bekommen. Die garen Felle werden mit einer Lösung von 200 Gramm Antichlor in 1 Liter Wasser von der Fleischseite aufgebürstet. Bei schwachen Fellen muss die Prozedur nach 2 Stunden wiederholt werden. Die gegerbten Felle werden in frisches Wasser geworfen und in demselben 3-4 Stunden belassen, wobei das Wasser mehrmals gewechselt wird. Die so von den Salzen befreiten Felle werden gut abtropfen gelassen, nun vom Fleisch mit gutem Olivenöl nicht zu stark eingerieben und getrocknet. Die getrockneten Felle werden, wie oben bei chromgarem Schuhleder besprochen, in feuchte Sägespäne gelegt, durchziehen gelassen und durch Stollen weich gemacht. Ist eine geeignete Vorrichtung nicht vorhanden, so kann man dies in der Weise bewirken, dass man die Felle stramm über eine gewölbte Stuhllehne zieht, wobei aber zu beachten ist, dass jeder einzelne Zipfel bearbeitet wird. Auch kann man die schon angeführte Einrichtung, die in einem scharfkantigen, oben gewölbten Brett besteht, benutzen. Vorteilhaft ist es, wenn die Felle nun in einer Tonne mit heißem Sand und heißen Sägespänen (40-50° CIS.) eine Stunde bewegt und dann ausgeschüttelt und mit einem Stock ausgeklopft werden. Die Felle werden dadurch reiner, voller und milder. Ist dies nicht möglich, so muss das Ausklopfen längere Zeit hindurch vorgenommen werden. Bei langhaarigen Fellen empfiehlt sich ein Auskämmen. Die Chromgerbung ist nach meiner Ansicht der Alaungerbung für Pelzzwecke vorzuziehen, da chromgegerbte Felle auch in feuchten Räumen keine Feuchtigkeit anziehen.

Am besten eignet sich jedoch die Bereitung der Pelzfelle nach Kürschnerart. Diese kann in folgender Weise erfolgen. Die trocknen Felle werden zunächst in feuchte Sägespäne eingelegt, so dass sie gut feucht, jedoch nicht nass werden. Dann werden dieselben ausgefleischt und gestreckt. Im Großbetriebe werden starke Felle, wenn nötig, auf einer Maschine etwas ausgearbeitet. Die entfleischten und gestreckten Felle werden mit einer Flüssigkeit, die auf 1 Liter Wasser 120 Gramm Kochsalz und 10 Gramm Salzsäure enthält, aufgebürstet, liegen gelassen und diese Prozedur am anderen Tage wiederholt. Dann bleiben die Felle noch 6-8 Stunden liegen, werden wieder gut getrocknet und darauf getrocknet. Die trockenen Felle werden mit lauem Wasser angefeuchtet gut durchziehen lassen und noch einmal gestreckt. Darauf werden die feuchten gestreckten Felle geschmiert, meist mit einer Schmiere aus Butter, Weizenmehl, Eidotter und Wasser. Man nimmt auf 1 Liter Wasser 1/4 Pfd. Weizenmehl nebst 5 Eidotter und rührt vorsichtig zusammen, dass keine Klümpchen vorhanden sind. Dann gibt man 2 Gramm Borax hinzu und mischt 1/4 Pfd. zerlassene Butter unter stetem Umrühren hinzu. Die Felle werden über Nacht in der Schmiere liegen gelassen und kommen dann in ein sogenanntes Läuterfass, in dem sie 2 Stunden in feuchten Sägespänen bewegt werden. Aus diesem Läuterfass kommen die Felle nochmals zum Strecken. Zum Schluss werden sie in ein weiteres Läuterfass gegeben und hier mit heißem Sand und heißen Sägespänen bewegt und darauf gut ausgeklopft.

Über glacégare Felle und sämischgare Felle sind Versuche noch in der Arbeit, denn es handelt sich hier nicht nur um die Art der Zubereitung, sondern auch um die Verwendbarkeit dieser Felle. Ich rate den Züchtern, von dieser Art Gerbung vorläufig abzusehen, da ja die so zubereiteten Felle kaum in der Familie Verwendung finden können. Aus der vorstehenden Beschreibung der einzelnen Gerbungsarten für Kaninchenfelle wird der Leser wohl entnehmen, dass die Zubereitung nicht so einfach ist. Soll etwas Vernünftiges geschaffen werden, so muss eine gute Einrichtung mit gerberischen Erfahrungen und gerberischem Verständnis zusammenwirken. Ich kann dem einzelnen Züchter nur abraten, seine Felle selbst zu gerben. Wenn ich trotzdem auf die einzelnen Gerbmethoden genauer eingegangen bin, so geschah dies in der Hoffnung, dass sich auf Grund dieser Auseinandersetzungen in den einzelnen Vereinen leichter ein sachverständiges Mitglied finden lässt, das die Zubereitung der Felle übernimmt.

Zum Schluss möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass zurzeit wohl kaum Kaninchen-Schuhleder in großen Posten mit Aussicht auf Erfolg in den Handel gebracht werden kann. Diese Verwendungsart wird wohl noch lange Zeit auf die Züchterkreise beschränkt bleiben müssen. Die vorhandenen Ziegen- und Schaffelle sind bei der laufenden Konjunktur so billig, dass eine Konkurrenz durch Kaninchenfelle wenig Aussicht auf Erfolg hat. Eine bessere Verwertung der Kaninchenfelle, d. h. die Erzielung eines angemessenen Preises kann nur durch die Züchtervereine und deren Zusammenschluss erreicht werden. Nur wenn größere Posten gut behandelter sortierter Felle von den Vereinen angeboten werden können, ist es diesen möglich, einen besseren Preis für die Felle zu zahlen als jetzt die Sammler. Dieses Ziel zu erreichen ist die Aufgabe der K.-Z.-V.

Bernhard Pickert
Anmerkungen und redaktionelle EinordnungBernhard PickertRedaktioneller Zusatz zum historischen Originaltext

Zusammenfassung / Fazit

Zusammenfassung des Textes

Der Text von Leop. Manstetten (Gerberschule Freiberg, frühes 20. Jahrhundert) beschreibt detailliert die Verwertung von Kaninchenfellen und die verschiedenen Gerbmethoden, die damals zur Anwendung kamen. Die wichtigsten Punkte:

1. Auswahl und Eignung der Felle

  • Nicht jedes Kaninchenfell eignet sich für jeden Zweck.
  • Pelzwerk: Meist geeignet, besonders von Jungtieren und Muttertieren.
  • Schuhleder: Nur kräftige, große, narbenfreie Felle ausgewachsener Rammler.
  • Falsche Auswahl führt zu unnötigen Kosten.

2. Bedeutung der richtigen Konservierung

  • Trocknung ist entscheidend, um Fäulnis zu vermeiden.
  • Fehlerhafte Trocknung führt zu unbrauchbaren Fellen.

3. Empfehlung: Fachkundige Kontrolle

  • Züchter sollen Felle nicht wahllos gerben lassen.
  • Ein Sachverständiger im Verein soll beurteilen, welche Felle wofür geeignet sind.

4. Beschreibung der Gerbverfahren

Der Text beschreibt ausführlich:

  • Chromgerbung
  • Lohgerbung (vegetabil)
  • Alaungerbung
  • Chromgerbung mit Haaren
  • Kürschnerische Zurichtung (Pelzwerk)

Die Prozesse sind arbeitsintensiv, chemisch anspruchsvoll und erfordern Erfahrung.

5. Wirtschaftliche Einschätzung

  • Kaninchen-Schuhleder ist kaum konkurrenzfähig gegenüber Ziegen- und Schaffellen.
  • Bessere Preise sind nur durch Vereinssortierung und Bündelung größerer Mengen möglich.

Fazit im Vergleich zu heutigen Erkenntnissen

Was damals richtig war – und heute noch gilt

  • Nicht jedes Fell eignet sich für jeden Zweck. Moderne Gerbereien sortieren Felle weiterhin streng nach Qualität, Größe und Struktur.
  • Konservierung bleibt entscheidend. Auch heute ist die Trocknung oder Salzkonservierung der wichtigste Schritt, um Fäulnis zu verhindern.
  • Fachwissen ist notwendig. Gerben ist weiterhin ein komplexer Prozess, der Erfahrung und chemisches Verständnis erfordert.
  • Kaninchenfelle sind wirtschaftlich schwach. Auch heute haben Kaninchenfelle nur einen kleinen Marktwert, meist im Hobby- oder Nischenbereich.

Was heute anders ist

1. Moderne Chemie & Umweltstandards

  • Viele der beschriebenen Chemikalien (z. B. Chrom(VI)-Verbindungen, Salzsäureanwendungen) gelten heute als gesundheits- und umweltgefährdend.
  • Moderne Gerbereien nutzen:
  • Chrom(III)-Gerbung (kein Chrom(VI))
  • synthetische Gerbstoffe (Syntane)
  • enzymatische Beizen statt Kleie
  • streng regulierte Abwasserbehandlung

2. Tierschutz & Nachhaltigkeit

  • Pelzproduktion ist gesellschaftlich stark rückläufig.
  • Kaninchenfelle werden heute meist als Nebenprodukt der Fleischproduktion genutzt, nicht als eigenständige Ware.
  • Viele Konsumenten bevorzugen vegetarische oder vegane Alternativen, was den Markt weiter verkleinert.

3. Wirtschaftliche Bedeutung

  • Industrielle Nutzung von Kaninchenfellen ist heute minimal.
  • Hobbygerber und kleine Manufakturen nutzen sie für:
  • Bastelarbeiten
  • Trommelbespannungen
  • historische Reenactment-Ausrüstung
  • kleine Pelz- oder Lederwaren

4. Technische Weiterentwicklungen

  • Maschinen erleichtern heute:
  • Entfleischen
  • Falzen
  • Weichmachen
  • Trocknen
  • Dadurch ist die Qualität konstanter und der Arbeitsaufwand geringer.

Gesamtfazit

Der historische Text zeigt eine handwerklich geprägte, chemisch anspruchsvolle und arbeitsintensive Verarbeitung von Kaninchenfellen, die stark von Erfahrung und sorgfältiger Auswahl abhängig war. Viele der beschriebenen Methoden sind aus heutiger Sicht veraltet, teils gefährlich und ökologisch problematisch.

Moderne Erkenntnisse betonen:

  • Sicherheit,
  • Umweltschutz,
  • effiziente chemische Prozesse,
  • geringere wirtschaftliche Bedeutung von Kaninchenfellen,
  • Nachhaltigkeit und bewusste Ressourcennutzung.
Transparenz

Hinweis zur redaktionellen Aufbereitung

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Quellennachweis

Historisches Original

Über die Verwertung der Kaninchenfelle – Original/PDF

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