Es sind ihrer viele, die nach dem nervenzerrüttenden Erwerbsleben des Arbeitstages Erholung und Erbauung im Gartenbau und der Kleintierzucht suchen und finden. Eins führt zum andern und eins ergänzt das andere. Von beiden geht eine Fülle Segen aus, der nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Kleintierzucht und Gartenbau verdienen die Unterstützung weitester Kreise; beide sind geeignet an ihrem Teile zur Lösung der sozialen Frage beizutragen und ein jeder, dessen Lebensverhältnisse es gestatten, der eine wirklich tiefe Neigung dazu hat und weiß, dass der Weg zum Erfolg nur durch Arbeit und Ausdauer zu erreichen ist, sollte sich damit bewältigen, zum Wohle seiner selbst, seiner Mitmenschen und seines Vaterlandes. Alle die aber, welche sich berufen fühlen, für diese Bestrebungen einzutreten, mögen sich fernhalten von Schlagworten, die schon nach der ersten Enttäuschung Gegner schaffen. Reichtümer sind im Gartenbau und Kleintierzucht im Rahmen der Liebhaberei und Erholung nicht zu erwerben. Der Wert dieser beiden liegt auf anderem Gebiet.
Da die Raumfrage bei den meisten kleinen Gartenbesitzern eine große Rolle spielt, so eignet sich von der Kleintierzucht am besten die Kaninchenzucht zur Verwertung der nicht zur menschlichen Nahrung bestimmten Abfälle der Erzeugnisse. Welchen Wert die selbst erzielten Erzeugnisse aus Garten und Kaninchenstall haben, das dürften uns die Jahre 1914, 1915, 1916 überzeugend und unvergesslich gelehrt haben. Der Wert dieser beiden liegt also einerseits darin, dass sie uns mit selbstgezogenen, hoch wertigen Lebensmitteln versorgen, von welchen wir wissen „was wir haben“, andererseits uns erst mal deutlich vor Augen führen, was die Erzeugung einer guten Frucht und eines guten Zucht- und Schlachttieres an Mühe, Arbeit und Sorge erfordert, also ein Verständnis für die Sorgen der Landwirtschaft anbahnen. Die Arbeit im Garten und Kleintierhof ist, wie keine, geeignet Frohsinn und Zufriedenheit zu schaffen. Bei beiden ist auf Erzielung eines Edelerzeugnisses hinzu- arbeiten; beim Gartenbau durch sorgfältige Auswahl der zweckentsprechenden, ertragreichsten Sorten und bei der Kaninchenzucht der für die jeweiligen Verhältnisse passendsten und der Geschmacksrichtung zusagendsten Rasse.
Bevor die Einrichtung und Bewirtschaftung eines kleinen Gartens besprochen wird, soll noch furz einiges über den Ankauf von Sämereien gesagt werden. – Der Samenkauf ist eine Vertrauenssache; um sicher zu sein, ehrlich und gewissenhaft bedient zu werden, wende man sich an einen tüchtigen Gärtner seines Ortes und lasse sich auch von diesem bei der Sortenwahl beraten, da der Ortsgärtner auch am besten weiß, was für den heimischen Boden und Klima passt. Ich warne vor dem Bezug von auswärts von unbekannten Handlungen auf Grund marktschreierischer Anpreisung. Auch die schönsten Worte und die buntesten Samentüten gewähr leisten noch keinen Erfolg. Jede Pflanze braucht zu ihrem Gedeihen Licht, Luft und Boden, der in gutem Kulturzustand sein muss. Es gibt ja Nutzpflanzen, die sehr anspruchslos sind, aber gute und Höchsterträge geben sie auch nur bei ihnen zusagenden Bedingungen. Mit der dunkelsten Ecke und dem schlechtesten Boden nimmt feine Pflanze vorlieb.
Nun zu unserm Garten selbst.
Der Gemüsegarten wird, wenn es seine Größe erlaubt, am zweckmäßigsten in drei Teile eingeteilt. Der erste Teil für Gemüse, welches hohe Ansprüche an die Dungkraft stellt; das sind die Kohlarten, Spinat, Salat, Gurken, Tomaten. Die zweite Abteilung umfasst die Wurzelgewächse: Rüben, Schwarzwurzeln, Petersilienwurzeln, ferner Saubohne, Sellerie, Zwiebel und Radieschen. Der dritte Teil wird mit Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen) und Kartoffeln bepflanzt. Der erste Teil des Gartens erhält Volldüngung, wird also sehr stark, d. h. so stark, als es der Vorrat erlaubt, mit Stalldung beschickt. Der zweite Teil wird nicht gedüngt, wogegen dem dritten Teil eine leichte Kompostdüngung von Vorteil ist. Da auch in der Gartenwirtschaft mit Pfennigen gerechnet werden muss, so muss der Gartenbesitzer trachten, seinen Düngervorrat selber zu erzeugen. In einem schattigen Eckchen errichtet er sich eine Dünger- und Kompostfabrik, den Grundstein seiner künftigen Erfolge. Je nach Platz wird ein Quadrat 1 Fuß tief ausgehoben und die Seitenwände der Grube mit alten Brettern (mit Karbolineum gestrichen) ausgelegt. An den Seiten schlägt man einige leichte Pfähle ein, um nach Bedarf weitere Bretter aufsetzen zu können. Hier bringt man sofort nach dem Ausmisten der Ställe sämtlichen erzeugten Dung rein und tritt ihn fest. über den Mist wird bis zur Sättigung alle verfügbare Jauche gegossen. Neben diesem Düngerhausen richtet man sich einen Komposthausen ein. Der Komposthausen wird zu ebener Erde und ohne Einfassung angelegt, da er, um reifen Kompost zu erzielen, mit dem Spaten öfter umgearbeitet werden muss. Der Komposthausen nimmt alle Gartenabfälle, die nicht mehr verfüttert werden können, auf, auch Straßenschmutz. Bei Anlage eines Komposthaufens wählt man eine rechteckige Form. Die Oberfläche wird immer ganz leicht mit Erde bedeckt. Ab und zu mit der Brause Jauche darüber gebracht, erhöht die Dungkraft bedeutend. Der Gartenfreund tut gut, sich neben diesen beiden Düngerquellen noch eine dritte anzulegen. Eine Heringstonne wird zu 2/3 ihrer Höhe in die Erde eingegraben, zu 1/3 ihres Fassungsvermögens mit Geflügel- oder Kaninchendung jeder nehme, was er hat gefüllt und dann mit Wasser vollgelassen. Auf die gefüllte Tonne kommt ein Deckel. Der Inhalt Muss des Öfteren gründlich umgerührt werden. Diese schöne Lösung geht nun in Gärung über, die in ungefähr zwei bis drei Wochen beendet ist. Jetzt ist ein Dünger gebrauchsfertig, wie er bei richtiger Anwendung nicht, besser und wirkungsvoller gedacht werden kann. Wer mit diesen geringen Mitteln sich einen vollwertigen Dünger selbst erzeugt, vermag leichten Sandboden in fruchtbares Gartenland zu verwandeln und demselben Vollernten abzuringen. Nun zur richtigen Anwendung des Düngers und zur Bewässerung. Ein erfolgreicher Gemüsebau wird ohne künstliche Bewässerung nur in wenigen Fällen möglich sein. Der Gartenbesitzer wird also zur Gießtanne greifen müssen. Wo es zur Verfügung steht, sollte Regenwasser genommen werden, es ist das Beste. Leitungs- und Brunnenwasser darf nicht unmittelbar verwandt werden, es muss durch Abstehen Lufttemperatur angenommen haben. Jeder muss das Wasser nehmen, was er hat; jedenfalls aber hüte man sich, Wasser zu nehmen, welches durch gewerbliche Abwässer verunreinigt ist. Wird gegossen, so muss so gegossen werden, dass der Erdboden gut durchfeuchtet ist. Saatbeete werden mit der Brause gegossen, der Rand wird erhöht, damit das Wasser einzieht und nicht abläuft. Einzelne Pflanzen (Kohl ist besonders Wasserbedürftig) werden mit dem Rohr der Kanne gegossen. Hier verhütet man das Ablaufen des Wassers dadurch, dass man um die Pflanze eine Mulde macht. – Saatbeete müssen immer feucht gehalten werden. Das Austrocknen wird bis zum Aufgehen des Samens durch Bedecken mit Tannenreisig zweckmäßig verhütet. Man beachte bei Saatbeeten: feucht, aber nicht zu nass. Nicht unwichtig ist die Zeit des Gießens. Im Frühling wird vormittags gegossen, damit das Beet bis zum falten Abend und zur Nacht abgetrocknet ist, im Sommer abends, damit die Feuchtigkeit in der warmen Nacht ihre Wirkung tut. In der Prellsonne ist jedes Be- wässern zu vermeiden. Auch bei der Anwendung des Düngers ist einiges zu beachten, um die Dungkraft restlos ausnützen zu können. Der Stalldung darf nicht auf den Boden der gegrabenen Furche gebracht werden, wo ihn die Wurzel der Pflanze nicht oder zu spät erreicht, sondern muss gegen das umgegrabene Stück gelegt werden, natürlich so, dass er nicht aus der Erde hervorragt. Das ist unbedingt zu beachten. Die meisten Böden zeigen keinen Überfluss an Kalk, sondern leiden eher an Kalkmangel. Ist das Gartenstück umgegraben, werden auf das Quadratmeter ungefähr 2-3 Pfund Kalk ausgestreut und eingeharkt, auch auf dem gedüngten Stück. Dann ist der Boden auf Jahre mit Kalk angereichert. Man nennt eine solche Düngung eine Vorratsdüngung. Schwerer Boden erhält Ätzkalk, leichter kohlensauren Kalk. Jedenfalls ist eine Kalkdüngung jedem Gartenbesitzer dringend zu empfehlen und billig. Nun zur Anwendung des in der Heringstonne erzeugen flüssigen Düngers. Es ist vorteilhafter, wiederholt und dünn zu jauchen, als nur einmal und zu stark. Am besten wird nach Regen gejaucht, niemals bei großer Size, also zweckmäßig abends. Muss bei Trockenheit gejaucht werden, so wird mit reinem Wasser nachgebraust. Man vermeide die Blätter der Pflanzen mit Jauche zu bespülen, auch hüte man sich kurz vor dem Abernten der Pflanzen zu jauchen, dadurch wird die Feinheit des Geschmacks beeinträchtigt. Auf sehr leichtem Boden erhält auch die zweite und dritte Abteilung eine leichte Kompostdüngung. Um die Ansprüche der Pflanzen nach Dung zu befriedigen, muss die Düngerfabrik fortwährend arbeiten. Nach der Düngung spielt die Bodenbearbeitung eine große Rolle. Wenn es irgend geht wird das Land vor Winter tief umgegraben. Im Frühjahr, wenn die Bestellung naht, wird die Volldungabteilung mit Dung beschickt und dieser in der angegebenen Weise nicht zu tief untergegraben. Die andern Abteilungen werden gleichfalls nochmals leicht umgegraben. Um die Bodenfeuchtigkeit auszunützen, düngt und gräbt man erst dann, wenn man bestellen will und kann. Zur Pflege der Saaten und Pflanzen gehört das Hacken. Dieses hat einen doppelten Zweck, erstens das Unkraut zu vertilgen, was aber im Kleinen noch besser durch Jäten mit der Hand geschieht, und den Boden aufzulockern, damit die Luft eindringen, die Zersetzung des Düngers bewirken und die Arbeit der Bodenbakterien fördern und unterstützen kann. Der in den Boden gebrachte Dung wird erst durch die Arbeit dieser kleinen Lebewesen für die Pflanzen aufnahmefähig gemacht. Außerdem verhindert das Hacken das Austrocknen des Bodens durch Unterbrechung der Kapillartätigkeit, d. h. die Bodenfeuchtigkeit steigt nur soweit wie die Hacke den Boden gelockert hate bleibt also den Wurzeln erhalten. Dies über Bodenbearbeitung. –
Ist der Boden nun zur Bestellung fertig, so ist er in Beete einzuteilen. Die Beete sind so breit anzulegen, dass sie von beiden Seiten bearbeitet werden können, ohne dass sie betreten werden brauchen, also ungefähr 1 Meter breit. – Die Beete werden nun entweder besät oder bepflanzt. Gemüse, welche am Standort bleiben, säe man in Reihen aus. Man säe nie breitwürfig, selbst Spinat nicht. Die Reihensaat lässt sich tadellos jäten und hacken und man kann zu dichtstehende Pflanzen leicht verziehen, d. h. die Abstände in der Reihe von einer Pflanze zur andern erweitern, so dass die Pflanze sich ausbreiten kann. Die Reihensaat nimmt man vor, indem man die Pflanzenschnur, welche in keinem Garten fehlen darf, längs oder quer über das Beet spannt, und mit dem Hackenstiel daran entlang eine Rille zieht. Hierein wird der Samen gestreut und je nach Größe mehr oder weniger mit Erde bedeckt. Jedenfalls hüte man sich, den Samen zu tief zu bringen. Nach geschehener Aussaat ist der Samen mit einem glatten Brett fest anzuklopfen. – Nicht an Ort und Stelle gesät werden dürfen: die Kohlarten, Sellerie, Kopfsalat, Tomaten, Porree. Diese müssen auf Saatbeeten herangezogen, pikiert und verpflanzt werden. Für den kleinen Gartenbesitzer empfiehlt sich dies wegen Platzmangel nicht. Auch haben derartige Saatbeete oft schwer unter Ungeziefer zu leiden, besonders tun sich die Erdflöhe bei der Vernichtung der kleinen Sämlinge hervor. Der kleine Gartenbesitzer tut also am besten, sich seine Pflanzen vom Gärtner zu kaufen. Hier verlange man pikierte Pflanzen; die Pflanzen dürfen nicht geil aufgeschossen, sondern müssen gedrungen sein, vier Laubblätter, kräftigen Stiel, guten und gesunden Wurzelansah und eine gesunde, saftige Farbe haben. Den Pflanzen kürzt man vor dem Pflanzen die Hauptwurzel etwas, um den Faserwurzelansatz zu befördern. Diese Faserwurzeln sind die Ernährer der Pflanze. Im zeitigen Frühjahr pflanze man morgens, sonst stets gegen Abend. Vorteilhaft ist es nach Regen und bei trübem Wetter zu pflanzen, doch lässt sich dies nicht immer machen. Hat die Erde Feuchtigkeit genug, so kann die Pflanze, ohne anzugießen gepflanzt werden. Ist dies nicht der Fall, und muss angegossen werden, so verfahre man folgendermaßen. Mit dem Pflanzloch werden nach der Schnur (wie bei der Saat) Löcher gemacht und mit Wasser vollgegossen. Ist das Wasser eingezogen, so wird gepflanzt. Nur achte man darauf, dass das Herz der Pflanze nicht mit Erde bedeckt wird. Das Herz muss freibleiben, wenn sich die Pflanze schnell und freudig entwickeln soll. Aus diesem Grunde ist das vorherige Angießen der Pflanzlöcher zu empfehlen, da durch das nachträgliche Gießen das Herz der Pflanze leicht zugeschlemmt wird; trocknet die Erde, so bildet sich eine Kruste, welche die Weiterentwicklung der Herztriebe schwer schädigt. Mit den Wegen treibe der Kleingartenbesitzer keine Verschwendung. Wege zwischen den Beeten mögen 1 Fuß breit angelegt werden. Ein Hauptweg muss vielleicht zum Befahren mit einem kleinen Handwagen eingerichtet werden. Wer sich einen Garten anlegt, muss sich darüber klar sein, soll der Garten Obst oder Gemüse erzeugen; ein kleiner Garten von ungefähr 300 Quadratmeter kann nicht beides. Gemüse unter Obstbäumen gibt keine zufriedenstellenden Ernten. Der Kleintierzüchter, welcher seinen Garten auch unter Berücksichtigung seiner Kleintierzucht bewirtschaftet, muss auf Baumobst verzichten.
Wenn es geht, soll man unter solchen Verhältnissen Spalierobst ziehen, das allerdings nicht die Erträge des Baumobstes gibt. Jedenfalls sollte aber jeder Zaun und jede Wand, wenn es irgend geht, mit Spalierobst bekleidet und ausgenutzt werden, Die nun folgenden Ausführungen sollen Anregungen bieten für eine sachgemäße, restlose Ausnützung des zur Verfügung stehenden Raumes, wobei zu berücksichtigen ist, dass viele Wege zum Erfolg führen. Es soll angenommen werden, ein Züchter hat im Winter ein Stück Gartenland erworben und will im Frühjahr mit der Bewirtschaftung beginnen. Dung ist noch nicht erzeugt, muss also so gut es geht beschafft werden. Die erste Arbeit ist, das Land tief und gleichmäßig umzugraben, damit die Winterwitterung darauf einwirken kann. Queckenwurzeln und Steine sind sorgfältig zu entfernen. Im Februar ist frostfreies Wetter eingetreten, so dass mit der Bestellung angefangen werden kann. In der zweiten Abteilung wird ein für drei Beete ausreichen- des Stück Land umgegraben und mit Mohrrüben bestellt. Der Züchter wählt zwei Speisesorten; Carotte Nantaise, eine frühe und eine späte, Braunschweiger lange rote und eine Futtersorte, weiße verbesserte grünköpfige Riesen. Um Platz zu sparen, werden die trennenden Wege fortgelassen und die Mohrrüben in einer Fläche gesät. Beim Samenkauf fordere man abgeriebenen Samen. Vom Rande des Beetes 10 Zentimeter entfernt wird mit dem Hackenstiel an der Pflanzschnur entlang eine 2 Zentimeter tiefe Reihe gezogen und in Abständen von 20 Zentimeter weitere Reihen. Hierin wird der Samen gestreut und mit dem Rücken der Harke Erde darüber gebracht und etwas angedrückt. Um den Samen gleichmäßig und nicht zu dick auszustreuen, vermischt man denselben mit Sand und mengt gut durch. Die Frühsorte wird, falls nicht zu dicht, nicht verzogen. Für die ersten Gerichte werden die größten Rüben herausgenommen, die anderen wachsen schnell nach. Die Spätsorte wird in der Reihe auf 5-6 Zentimeter, die Futtersorte auf 8-10 Zentimeter verzogen, um große starke Rüben zu erzielen. Sofort nach dem Auflaufen der Mohrrüben wird mit dem Hacken und Jäten begonnen; Mohrrüben müssen oft und gründlich gehackt werden, bei einer Krauthöhe von 8-10 Zentimeter wird dann verzogen. Sind die Frühkarotten bis Mitte Juli abgeerntet, so kann das Beet mit Kohlrabi, Herbstrüben, Grün-, Rosen- oder Kuhkohl bestellt werden. Auch Winterkohlrabi kann mit Vorteil gepflanzt werden… Vor dem Umgraben wird Kompost auf das Beet gebracht oder mit dem eingangs beschriebenen Dünger kräftig gejaucht. Verzögert sich die Aberntung des Frühkarottenbeetes bis zum August, so kann auch Herbstspinat gesät werden. Dem Züchter ist vielleicht mit Grünkohl oder Kuhkohl mehr gedient. In derselben Abteilung und zur gleichen Zeit wie die Mohrrüben werden Petersilien- und Schwarzwurzeln gesät. Die Petersilienwurzel ist genau wie die Mohrrübe zu behandeln. In der Reihe werden sie auf 10 Zentimeter verzogen, d. h. alle 10 Zentimeter bleibt eine Pflanze stehen, die übrigen find herauszuziehen. Die Schwarzwurzel ist ein bei uns leider wenig bekanntes vorzügliches Gemüse von spargelartigem Geschmack, hohem Nährwert und leichter Verdaulichkeit. Die Samen der Schw. werden in 40 Zentimeter voneinander entfernten 6 Zentimeter tiefen Furchen ausgestreut und mit einer 2-3 Zentimeter hohen Erdschicht (wenn möglich Komposterde) bedeckt. Fleißiges Jäten und Hacken ist erforderlich zum Gedeihen. Da der gedachte Garten zu klein ist, um ein Spargelbeet darin anlegen zu können, so ist als Ersatz die Kultur der Schwarzwurzel sehr zu empfehlen. Die Samenbildung braucht nicht unterbunden werden, die Wurzeln leiden nicht darunter. Die Schwarzwurzel kann auch im August auf ein abgeerntetes Beet gesät und dann im nächsten Herbst geerntet werden. Die Ernte der Schw. fällt, wie die der Mohrrübe und Petersilienwurzel, im Spätherbst. Während die ersteren im Winter in Erdmieten auf bewahrt werden, bleibt die Schwarzwurzel an ihrem Standort in der Erde. Bei Frost wird das Land mit Laub bedeckt, um das Einfrieren zu verhindern. Die Wurzeln werden nach Bedarf der Erde entnommen. Hierbei ist Vorsicht zu üben, um die Wurzeln nicht zu verlegen. Die beschädigten Stellen sondern einen milchigen Saft ab, wodurch die Wurzeln schnell welken und an Wohlgeschmack verlieren. Der Geschmack der Schwarzwurzeln ist am feinsten, wenn sie zum Verbrauch direkt der Erde entnommen werden.
Inzwischen ist es März geworden. die Sonne steigt höher und die Bestellung des Gartens nimmt ihren Fortgang. Nach Bedarf wird weiter gegraben. Es ist jetzt an der Zeit mit der Aussaat des Zwiebelsamens und dem Pflanzen der Steckzwiebeln zu beginnen. Zuerst werden die Steckzwiebeln gepflanzt. Ein Beet von 125 Zentimeter Breite wird in sechs Reihen eingeteilt und die kleinen Steckzwiebeln werden in einem Reihenabstand von ungefähr 15 Zentimeter so tief in die Erde gedrückt, dass die Spitze, der Pfeifenansatz, eben mit Erde bedeckt ist. Diese haselnussgroßen Steckzwiebelchen geben die größten Speisezwiebeln. Die Steckzwiebeln werden auf folgende Weise selbst gezogen. Auf einem besonderen Beet wird Zwiebelsamen in Reihen dicht gesät. Die größeren Zwiebeln werden für die Küche verbraucht, die kleineren für das nächste Jahr als Steckzwiebeln bestimmt und aufbewahrt. Die Entfernung der Reihen der Saatzwiebeln wird so gewählt, dass mit einer schmalen Hacke dazwischen gehackt werden kann. Anfang Juni, je nach dem Reifezustand, legt man die Pfeifen der Steckzwiebeln um, ohne die Zwiebeln dabei zu entwurzeln. Die Kraft bleibt dann der Zwiebel erhalten und treibt nicht mehr in die Pfeifen. Bei Samenbildung wird die Pfeife so tief es geht abgeschnitten. Sind die Pfeifen abgewelkt, so werden die Zwiebeln aus der Erde genommen und die Pfeifen abgedreht. Bei gutem Wetter bleiben die Zwiebeln noch einige Tage zum Trocknen auf dem Lande liegen. Zwiebeln müssen luftig und trocken aufbewahrt werden. Ist Platz und Appetit vorhanden, so sät man vielleicht im April noch ein halbes Beet mit Radieschen und Mairettichen. Radieschen breitwürfig, Mairettiche in 20 Zentimeter voneinander entfernten Reihen. Radieschen später zu säen hat im freien Lande wenig Zweck, da sie dann leicht holzig werden. In dieser Anleitung haben wir nun noch Kohlrüben und Sellerie zu pflanzen, und zwar sobald der Gärtner kräftige Pflanzen abzugeben hat, ungefähr Anfang bis Mitte Mai. Von beiden werden 3 Reihen auf ein Beet gepflanzt. Kräftiges Hacken fördert das Gedeihen. Die Kohlrübe kann auch als Nachfrucht gebaut werden, Doch ist dies nicht empfehlenswert, da sie dann nicht so hohe Erträge gibt.
Ist ein Züchter aus einem Grunde gezwungen im Winter einen Wurf setzen zu lassen, so hat er in der Kohlrübe ein vorzügliches Futter, welches die Milchergiebigkeit der säugenden Häsin fördert, den Jungtieren ohne schädliche Nebenwirkungen gegeben werden kann und bei Masttieren in der Vormast den Fleischansah günstig beeinflusst. Hier soll noch eines vorzüglichen Gemüses Erwähnung getan werden, welches in Deutschland, besonders wohl in Norddeutschland, wenig angebaut wird. Es ist dies der Beitzkohl oder Mangold. Nachdem man sich gute Pflanzen besorgt hat, wird im Mai/Juni ein Beet mit drei Reihen bepflanzt; der Abstand in der Reihe betrage 35 Zentimeter. Zu seinem Gedeihen ist weiter nichts als wiederholtes Hacken erforderlich. Von den kräftigen Blättern werden nach Bedarf die äußeren ab- gebrochen und genau wie Spinat zubereitet. Die inneren Blätter wachsen kräftig nach. Auch der Geschmack ist dem des Spinat ähnlich, nur herzhafter. In die dritte Abteilung des Gartens kommen Erbsen, Busch- und Stangenbohnen und Kartoffeln. Ist der Boden schlecht, so bringt man Frühkartoffeln besser in die erste Abteilung oder düngt vorher mit Kompost. Spätkartoffeln werden die wenigsten Züchter in ihrem Garten pflanzen, dazu dürfte der Platz zu knapp sein. Auch die Stangenbohnen scheiden aus diesem Grunde aus. Erbsen sind ziemlich frosthart; sie vertragen eine Kälte bis zu 4 Grad. Reisererbsen, sogenannt, weil sie mit Reisern gestapelt werden, haben einen höheren Ertrag als Buscherbsen. Die Aussaat erfolgt je nach der Witterung im März/April. Auf ein Beet kommen zwei Reihen Erbsen. In 6-7 3entimeter tiefen Furchen werden die Erbsen dicht nebeneinander gelegt und mit fein zerkleinerter Erde bedeckt. Sehr vorteilhaft ist es, auf die Reihen eine breite, ungefähr zwei Finger hohe Ascheschicht zu bringen und mit einer feinen Hacke sorgfältig ein, nicht unter zu hacken und so mit der Erde zu verbinden. Zu beiden Seiten der gelegten Erbsenreihe werden Reiser gesteckt, so dass die Erbse vollen Halt hat. Erbsstroh, gut getrocknet, bildet ein wertvolles Rauhfutter für den Winter; Schotenhülsen können frisch und getrocknet gefüttert werden. Bei Anlage des Erbsenbeetes beachte man, dass die hohen Erbsen Nachbarbeeten nicht die Morgen- und Mittagssonne nehmen können. Nach Aberntung des Erbsenbeetes kann noch Sommerkohlrabi, Winterkohlrabi, Grünkohl, Kuhkohl und im August Spinat gepflanzt und gesät werden. Die Buschbohnen werden wegen der Gefahr der Nachtfröste ungefähr Mitte Mai gelegt. Auf ein Beet werden drei Reihen gebracht und alle 35 Zentimeter 3-5 gute Saatbohnen gelegt. Der Ertrag der Bohne wird aber erhöht, wenn die Bohnen einzeln auf 15 Zentimeter Abstand in der Reihe gelegt werden. Luft und Licht können besser hinzutreten und beim Pflücken leiden die einzelnen Stauden nicht so sehr wie die großen Büsche. Die Bohnen müssen fleißig behackt und nach der letzten Hacke behäufelt werden. Die Wahl der Sorte richtet sich nach dem Zweck. Hinrichs Riesen lie- fern eine gute Schote als Grüngemüse und eine schöne weiße Bohne zur Suppe für den Winterbedarf. Sollen viel reife Bohnen erzielt werden, so dürfen die ersten Schoten nicht grün gepflückt werden, sie beherbergen die meisten Bohnen und reifen am besten aus. Im täglichen Gebrauch bei einem kleinen Garten wird sich das nicht recht durchführen lassen. Es wird dann eben nach Bedarf grün gepflückt und der Rest kommt zur Reife. Wir kommen nun zur Bestellung der ersten Abteilung unseres Gartens. Es ist die Abteilung, welche die Kohlarten, Salat, Spinat, Gurken und Tomaten umfasst. Zuerst wird von dieser Abteilung der Spinat gesät, und zwar Ausgang Februar, Anfang März in Reihen, die etwa 20 Zentimeter voneinander entfernt sind. Zu dichte Aussaat ist zu vermeiden. Den besten Spinat aber wird stets die Augustaussaat liefern. Nur ist bei Trockenheit reichlich zu wässern. Spinat für den Winterbedarf wird im September gesät. Erfriert dieser, so kann er trotzdem für die Küche Verwendung finden, wenn die Blätter ungefähr eine Stunde in kaltem Wasser aufgeweicht und darauf in einem frostfreien, nicht zu warmen Raum getrocknet werden. Sobald Salat und Kohlrabipflanzen zu haben sind, kann mit dem Pflanzen begonnen werden. Aus Raumersparnis soll für diese beiden in unserm Garten vorläufig kein besonderes Beet angelegt werden, sie sollen als Einfassungspflanzen dienen. In dieser Abteilung sind nun noch Kohl, Tomaten und Gurken zu legen und zu pflanzen. Die Beete dafür werden abgemessen, durch Wege getrennt und müssen nun warten bis ihre Zeit kommt. Um diesen Platz inzwischen gut auszunutzen, werden die Ränder die er Beete mit Kopfsalat und Kohlrabi, so zeitig als Pflanzen zu haben sind, bepflanzt, und zwar abwechselnd eine Pflanze Kopfsalat, eine Pflanze Kohlrabi. Bis Kohl, Gurken und Tomaten so weit sind, dass sie ihre Beete voll beanspruchen, sind Salat und Kohlrabi längst abgeerntet. Salat und Kohlrabi dürfen nicht zu dicht gepflanzt werden. Diejenigen Kleintierzüchter, welche vielleicht noch Enten und Hühner halten, legen sich aber noch ein besonderes Beet mit amerikanischem Pflücksalat an. Er wird in Querreihen in Abständen von ungefähr 30 Zentimeter gesät (nicht zu dick). Tüchtiges Hacken ist auch hier Vorbedingung für gutes Gedeihen. Hat sich der Salat gut entwickelt, so wird mit dem Schnitt begonnen. Nicht zu tief schneiden und nach jeder abgeschnittenen Reihe hacken. Beim Schneiden überschlägt man jedes Mal eine Reihe; diese entwickeln sich dann besonders üppig, da sie Luft bekommen haben. Sind die Reihen durchgeschnitten, so kommen die überschlagenen Reihen zum Schnitt und die erstgeschnittenen Reihen haben wieder Platz und Zeit zur Entwicklung. Pflücksalat kann mehrmals geschnitten werden. Speisezwecken ist Pflücksalat vorzüglich zu verwenden. Auch zu Mit dem Legen der Gurkenkerne wartet man der Nachtfröste halber, bis Mitte Mai. Auf ein Beet kommt eine Reihe. In der Mitte des Beetes wird eine 5 Zentimeter tiefe Rille gezogen und hierin die Gurken- ferne nicht zu dicht gelegt und leicht mit Komposterde bedeckt. Sind die Gurken zu dicht aufgegangen, so werden sie verzogen. Es ist vorteilhaft nur alle 30 Zentimeter eine kräftige Pflanze stehen zu lassen. Bei trockener Witterung sind Gurken kräftig zu gießen. Ende Mai werden Tomaten gepflanzt. In der Mitte des Beetes wird ein Spalier errichtet. Je nach Länge des Beetes werden 4-5 dünne Pfähle in gleichen Abständen über das Beet verteilt. Ungefähr 20-30 Zentimeter über dem Erdboden wird der erste Verbindungsdraht gezogen, in Abständen von je 30 Zentimeter folgen zwei bis drei weitere Drähte. An dieses Spalier werden dann in Abständen von 60 Zentimeter die
Tomatenpflanzen gepflanzt und bis zur Blüte kräftig gegossen; während der Blüte wird das Gießen eingestellt und erst wieder bei Fruchtansatz fortgesetzt. Das Spalier dient dazu, die Triebe der Tomate gleichmäßig verteilen zu können. Zum Anbinden wird Bast benutzt Die Tomate bietet roh, auf Butterbrot mit Pfeffer, Salz und feingeschnittenen Zwiebeln genossen, einen herrlichen Ersatz für Fleischbelag.
Es bleibt nun noch übrig Weiß-, Wirsing, Blumen, Rot und Grünkohl zu pflanzen. Weiß-, Wirsing- und Rotkohl haben die gleiche Kultur. Je nach Sorte betragen die Entfernungen von Reihe zu Reihe und Pflanze zu Pflanze im Mittel 50 Zentimeter. Tüchtiges Hacken und, bei Trockenheit, gründliches Gießen ist nötig zum Gedeihen. Die Einwinterung dieser Kohle erfolgt Ausgang Oktober bis Mitte November. sehr geschätzte Kohlsorten sind Rosen- und Grünkohl. Kultur ist die gleiche, wie die der vorgenannten Sorten. Beide sind winterhart und bleiben im Garten stehen. Frost hebt die Feinheit des Geschmackes. Als feinster, aber anspruchsvollster Kohl soll der Blumenkohl genannt werden. Haben sich Köpfe gebildet, so werden die Mittelrippen der umgebenden Blätter geknickt und die Blätter über die Köpfe gelegt, um diese vor der Einwirkung der Sonne zu schützen. Geschieht das nicht, so beginnen sie zu schießen und der Kopf hat höchstens noch Wert als Suppenkohl.
Es soll ausdrücklich noch einmal betont werden, dass alle Kohlsorten zu ihrem Gedeihen sehr guten Boden mit starker Düngung verlangen. Da in normalen Jahren Kopfkohl nicht zu teuer ist, so sieht man bei nicht günstigen Verhältnissen vom Anbau ab, da außerdem viel Platz verbraucht wird. Anstelle dieser Kohlarten ist es vielleicht praktischer Frühkartoffeln zu bauen und als Nachfrucht Futterrunkeln, Kuh-, Grün- oder Rosenkohl. Um schnell Futter zu bekommen, kann folgender Versuch empfohlen werden. Sobald die Frühkartoffeln gehäufelt sind, werden zwischen den Dämmen Grünkohl- pflanzen in 40 Zentimeter Abstand in der Reihe ge- pflanzt. Sind die Kartoffeln gerodet, so steht der Grünkohl da. Die Kartoffeln überwuchern den Kohl, da Grünkohl aber sehr hart ist, schadet ihm dies nichts. Nach Aberntung der Kartoffeln entwickelt er sich sehr schnell. Es darf aber nur hochstämmiger Grünkohl verwendet werden.
Die Kultur der Kartoffel dürfte als bekannt vorausgesetzt werden. Es soll nur auf einiges hingewiesen werden. Frühkartoffeln werden etwas enger gepflanzt als späte Sorten. Öfteres Behacken und späteres Behäufelt, bei einer Krauthöhe von ungefähr 15 Zentimetern, ist notwendig. Um frühe Ernten zu erzielen, werden die Kartoffeln angekeimt. Mittelgroße, gesunde Knollen werden zu diesem Zweck in einen rechteckigen Kasten von ungefähr 10 Zentimeter Seitenhöhe nebeneinander gestellt und solange mit einem Sack bedeckt gehalten, bis die Keime treiben. Sind diese im Hervorstoßen, so wird die Bedeckung fortgenommen. Die Temperatur des Keimraumes soll ungefähr 8-10 Grad Celsius betragen. Sind die Keime kräftig entwickelt, werden die Knollen 10 Zentimeter tief in die Erde gelegt. Vor Anfang April ist dies nicht zu empfehlen. Saatkartoffeln sollen nicht übertrieben groß, aber sie dürfen auch nicht zu klein sein. Eine gesunde Mittelknolle ist die beste Saatkartoffel.
Der Garten ist nun mit dem Nötigsten fertig bestellt. Da aber sehr viele Pflanzen eine kurze Entwicklungsperiode haben, so werden bald Beete frei, die wieder ausgenutzt werden müssen. Bei der Neubepflanzung der Beete soll nicht nur der gärtnerische Standpunkt maßgebend sein, sondern dem Futterbedarf des Züchters soll in erster Linie Rechnung getragen werden.
Als erster dürfte der Winterspinat, dann der im Februar/März gesäte Spinat sein Beet räumen. Will man nach dem schon im ganz zeitigen Frühjahr abgeernteten Winterspinat eine vorzügliche Futterpflanze bauen, so kann der Zichoriensalat warm empfohlen werden. Zich. bietet besonders für Kaninchen ein ganz vorzügliches, für Häsinnen milchbildendes Futter, welches oft und schnell hintereinander geschnitten werden kann und stets einen reichen Ertrag bringt. 3. wird im März/April in einem Abstand von Reihe zu Reihe von 25 Zentimetern nicht zu dicht gesät und bei zu dichtem Bestande verzogen. Zich. ist öfter zu hacken, was auch unmittelbar nach jedem Schnitt geschehen sollte.
Erbsen, Kohlrabi, Kohlrüben und von den Kohlsorten Kuh- und Grünkohl können nach dem Frühjahrsspinat gepflanzt und gesät werden. Ausgangs Juni, Anfang Juli folgen die Steckzwiebeln, auch die Frühkarotten werden um Mitte Juli abgeerntet sein. Den Steckzwiebeln lassen wir noch einmal Bohnen zum Grünessen folgen, während wir auf das Karottenbeet Kohlrabi, wird es später abgeerntet, Winterkohlrabi bringen. Sind die Erbsen abgeerntet, so baut man vielleicht Rosenkohl als Nachfrucht oder die bereits bei den Erbsen genannten Gemüse. Jedenfalls kann Kuh- und Grünkohl überall folgen.
Der Gartenbesitzer muss es sich zum Gesetz machen, kein Fleckchen Erde ungenützt zu lassen. Zeigt sich wo eine Fehlstelle, so muss sie sofort bepflanzt werden. Es wurde geraten nach Steckzwiebeln Bohnen zu legen. Dies kann schon geschehen, wenn die Steckzwiebeln noch auf dem Beet stehen. Man legt zwischen den Reihen, in den gehörigen Abständen, die Bohnen. Sind die Bohnen so weit, dass sie Platz beanspruchen, so sind die Steckzwiebeln abgeerntet. Die Bohnen werden ungefähr 14 Tage vor der Ernte der Steckzwiebeln gelegt. Auch die Kohlbeete können noch dadurch ausgenutzt werden, dass die Pflanzreihen vorher markiert werden und zwischen den Markierungslinien Kohlrabi gepflanzt wird. Auf den Markierungslinien wird dann z. Zt. der Kohl gepflanzt. Der Kohlrabi ist abgeerntet, wenn sich der Kohl breitet.
Die Anzucht der Pflanzen war nicht empfohlen worden; bei dem Kuhkohl muss eine Ausnahme gemacht werden, weil diese Pflanzen nicht immer zu haben sind, aber fortwährend zur Ausfüllung von Lücken gebraucht werden. Etwas Grünkohl wird zum gleichen Zweck angesät, um auch diesen Lückenbüßer stets zur Hand zu haben. Es darf nicht zu dicht gesät werden, um kräftige. Pflanzen zu erzielen. Jeder Besitzer eines kleinen Gartens dürfte auch Besitzer einer kleinen Laube sein. Ist eine dauernde Bepflanzung mit Pfeifenkraut, Heckenrosen oder ähnlichem noch nicht vorhanden, so kann eine Bepflanzung mit Angurienkürbis sehr empfohlen werden. Es ist dies ein reichtragender Kletterkürbis, dessen Früchte 6-8, auch wohl 10 Pfund schwer werden, sich bei guter Aufbewahrung über den Winter halten und als Kompott von vorzüglichem Geschmack sind. Das schöne Laub mit den darin hängenden grün weiß marmorierten Früchten bildet einen prächtigen Schmuck. Der Angurienkürbis macht die viel Raum erfordernde Kultur des Riesenkürbis überflüssig. Einen schönen Laubenschmuck bildet auch die Riesen- Sonnenblume, die auch sonst an Zaunpfählen, überhaupt in jedem Winkel des Gartens, in dem die Sonne reichlich Zutritt hat, angebaut werden sollte. Die Körner bilden ein wertvolles Kaninchenfutter, welches dem Fell einen schönen Glanz verleiht; im Januar/Februar an Hühner verfüttert, kräftigen sie den Eierstock ungemein.
Kommt das letzte Drittel des Jahres heran, so naht auch der Zeitpunkt der Ernte des Wintergemüses. Ausgang Oktober bis Mitte November dürfte unter Berücksichtigung der Witterung die Ernte beginnen. Jedenfalls muss das einzuwinternde Gemüse gut ausgereift sein und völlig unbeschädigt geerntet werden. Die Aberntung muss bei trocknem Wetter, am besten gegen Mittag erfolgen. Nass eingeerntetes Gemüse fault leicht. In der Erde bleiben über Winter die Schwarzwurzeln, auf ihren Beeten Grün-, Kuh- und Rosenkohl. Weiß-, Wirsing- und Rotkohl werden mit Strunk und Wurzelballen der Erde entnommen, faulige Blätter sorgfältig entfernt und die Köpfe eingemietet oder eingekellert. Mohrrüben und Sellerie werden mit dem Spaten angelockert, um sie unbeschädigt herausnehmen zu können, die Blätter werden bis auf die Herzblätter entfernt. Beim Sellerie werden noch die Seitenwurzeln abgeschnitten. Kohl- und Futterrüben werden vor der Einmietung geköpft, d. h. die Blätter werden mit ihrer Ansatzstelle abgehackt. Man bedient sich hierzu eines größeren Messers. Zur Einmietung von Rüben und Sellerie wird eine 1,50-2 Meter breite, 20 Zentimeter tiefe Erd- miete angelegt. Die Länge richtet sich nach der Menge der aufzunehmenden Früchte. Auf den Boden wird, wenn vorhanden, Langstroh gelegt. Die Früchte werden dann dachartig aufgeschüttet, mit Langstroh dachförmig abgedeckt und mit Erde beworfen. Vorerst leicht, dann bei Frost stärker. Kleinere Mengen Speisemohrrüben hebt man im Keller zweckmäßig folgendermaßen auf: die Rüben werden auf einer Sandschicht im Kreise gelegt, Köpfe nach außen, Wurzelenden nach innen und wieder mit Sand bedeckt, darauf folgt die nächste Schicht und so fort. Die Mohrrüben bleiben so aufbewahrt tadellos frisch. Auch Kohl wird im Keller auf eine Sandschicht gelegt und die Wurzelballen mit Sand bedeckt. Praktischer ist folgende Aufbewahrung: im Garten wird die Erde einen Spatenstich tief und so breit ausgehoben, dass ein Kohlkopf mit dem Kopf nach unten und der Wurzel nach oben hineingestellt werden kann. Die Köpfe werden dann mit Laub und ganz leicht mit Erde bedeckt, so dass die Wurzeln daraus hervorragen.
Das Jahr ist so in der Beschäftigung mit dem Gartenbau an uns vorübergegangen. Wir haben die Saat in der Hoffnung auf Ertrag der Erde übergeben, haben das Werden und Gedeihen mit stiller Freude beobachtet und wollen nun aus den Fehlschlägen und Erfolgen des Jahres für die nächsten Jahre lernen.
Abbildungen aus der Originalquelle
Zusammenfassung / Fazit
Rezension:
Der Garten des Kleintierzüchters (Wahls TK 1917)
Was aus den Gepflogenheiten von 1917 für die Zukunft bewahrt werden sollte
Wahls Text aus dem Jahr 1917 ist weit mehr als eine praktische Anleitung für Gemüsebau und Kaninchenhaltung. Er ist ein kulturgeschichtliches Dokument, das zeigt, wie eng Selbstversorgung, Gemeinsinn und naturverbundene Arbeit miteinander verwoben waren. Viele seiner Gedanken wirken heute überraschend modern – und manche sind geradezu visionär.
1. Garten und Kleintierzucht als Orte der Erholung und Selbstwirksamkeit
Wahl beschreibt, wie Menschen nach einem „nervenzerrüttenden Erwerbsleben“ im Garten und bei der Kleintierzucht Ruhe finden. Er schreibt:
„Die Arbeit im Garten und Kleintierhof ist, wie keine, geeignet Frohsinn und Zufriedenheit zu schaffen.“
Diese Haltung ist zeitlos. In einer Welt, die zunehmend digital, beschleunigt und entkörperlicht ist, gewinnt die Rückkehr zu handwerklicher, sinnlicher, erdverbundener Tätigkeit wieder an Bedeutung. Der Text erinnert daran, dass Selbstversorgung nicht nur ökonomisch, sondern auch psychisch und sozial wertvoll ist.
2. Wertschätzung von Lebensmitteln und landwirtschaftlicher Arbeit
Wahl betont, dass Gartenbau und Kleintierzucht lehren,
„was die Erzeugung einer guten Frucht und eines guten Zucht- und Schlachttieres an Mühe, Arbeit und Sorge erfordert“.
Diese Einsicht ist heute aktueller denn je. In Zeiten globalisierter Lieferketten und industrieller Landwirtschaft geht das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln oft verloren. Der Text mahnt zu Respekt vor der Arbeit, die hinter Nahrung steht – ein Gedanke, der in modernen Nachhaltigkeitsdiskursen zentral ist.
3. Kreislaufwirtschaft und Ressourcennutzung
Besonders bemerkenswert ist Wahls detaillierte Beschreibung einer kompletten Nährstoffkreislaufwirtschaft:
- Mistgrube
- Komposthaufen
- Flüssigdünger aus einer eingegrabenen Tonne
- Nutzung aller organischen Abfälle
Er schreibt:
„Wer mit diesen geringen Mitteln sich einen vollwertigen Dünger selbst erzeugt, vermag leichten Sandboden in fruchtbares Gartenland zu verwandeln.“
Das ist im Kern das, was wir heute Permakultur, Zero Waste Gardening oder regenerative Landwirtschaft nennen. Wahl zeigt, wie man mit minimalen Mitteln maximale Bodenfruchtbarkeit erzeugt – ein Wissen, das in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit wieder unverzichtbar wird.
4. Präzise Beobachtung von Klima, Boden und Pflanzen
Der Text ist durchzogen von Hinweisen, die auf achtsame Naturbeobachtung beruhen:
- Gießen „nicht in der prallen Sonne“
- Saatbeete „feucht, aber nicht zu nass“
- Kalkung je nach Bodenart
- Pflanzzeiten abhängig von Witterung
Diese Feinfühligkeit ist ein Gegenentwurf zu industrieller Standardisierung. Sie erinnert daran, dass erfolgreiche Gartenkultur immer lokal, situativ und lernend ist.
5. Bescheidenheit und realistische Erwartungen
Wahl warnt ausdrücklich vor überzogenen Versprechen:
„Reichtümer sind im Gartenbau und Kleintierzucht […] nicht zu erwerben.“
Das ist eine wohltuende Klarstellung in einer Zeit, in der Selbstversorgung oft romantisiert oder kommerzialisiert wird. Er betont stattdessen:
- Freude
- Gesundheit
- Selbstständigkeit
- Gemeinschaftsnutzen
Diese Werte sind heute wieder hoch relevant.
6. Raumökonomie und intelligente Nutzung kleiner Flächen
Wahl zeigt, wie man selbst auf 300 m² eine erstaunliche Vielfalt erzeugen kann – durch:
- Fruchtfolgen
- Zwischenkulturen
- Randbepflanzung
- Spalierobst
- Nachfrüchte
Diese Denkweise ist ein Vorläufer moderner urban gardening-Konzepte. Seine Vorschläge zur Mehrfachnutzung von Beeten wirken fast wie ein historischer Vorgriff auf intensive Kleinflächenkultur.
7. Verbindung von Gartenbau und Kleintierzucht
Wahl argumentiert, dass Kaninchenhaltung besonders geeignet sei,
„zur Verwertung der nicht zur menschlichen Nahrung bestimmten Abfälle“.
Das ist ein frühes Beispiel für integrierte Systeme, wie sie heute in der Agrarökologie wiederentdeckt werden:
- Pflanzenreste → Tierfutter
- Mist → Dünger
- Garten → Futterquelle
- Tiere → Nährstofflieferanten
Ein geschlossener Kreislauf, der ökologische und ökonomische Vorteile vereint.
Fazit
Warum dieser Text auch heute noch leuchtet
Wahls Schrift ist ein eindrucksvolles Dokument einer Zeit, in der Selbstversorgung nicht Lifestyle, sondern Lebensnotwendigkeit war. Doch gerade deshalb enthält sie Einsichten, die für die Zukunft wertvoll bleiben:
- Achtsamkeit gegenüber Natur und Nahrung
- Kreislaufdenken statt Verschwendung
- Freude an körperlicher, sinnvoller Arbeit
- Respekt vor landwirtschaftlicher Leistung
- Intelligente Nutzung kleiner Räume
- Verbindung von Tierhaltung und Pflanzenbau
- Gemeinschaftssinn und Bescheidenheit
Der Text zeigt, dass nachhaltiges Denken kein modernes Phänomen ist – sondern ein kulturelles Erbe, das es zu bewahren gilt.









