Allgemeine Artikel
Die Wirkungen des Weltkrieges auf die Kaninchenzucht.
Karl Königs, Wanderlehrer für Kaninchenzucht, Mülheim-Ruhr.
Wahls Taschenkalender für Kaninchenzucht 1917 – 1918
Während ich dieses schreibe, tobt draußen noch der Krieg, ein abschließendes Urteil und eine endgültige Feststellung der Wirkungen desselben auf die Kaninchenzucht ist deshalb noch nicht möglich. Es dienen die folgenden Zeilen dazu, einesteils die augenblickliche, noch in Bewegung befindliche Lage zu skizzieren, was in späteren Zeiten vielleicht kaum mehr möglich ist, andererseits Ausblicke und Gedanken für die Zukunft darzulegen.
Als der uns aufgezwungene Krieg gerade die Kaninchenzüchter der jüngeren Vereine, die durchweg aus militärpflichtigen Leuten bestanden, zur Fahne rief, da blieben in manchen Vereinen nur einige zwei, drei Mitglieder übrig, das Vereinsleben als solches hörte auf. Vielfach wurden die Tiere abgeschafft; die junge Züchters Gattin zog mit ihren Kindern zu den Eltern oder Schwiegereltern, wo man keine Tiere halten konnte und die Preise für die verkauften Tiere erreichten kaum die Höhe der Friedenspreise. Einsichtige Leute warnten gleich schon zu Anfang vor einer übermäßigen Einschränkung der Zucht, rieten wohl gar noch zu einem Winterwurf, um die Bestände wieder aufzufüllen und auch wohl nicht ohne Erfolg. Indessen die Länge des Krieges und mit ihr die beginnende Knappheit an Fleisch und Fett lenkte die Aufmerksamkeit auch sonst fernstehender Kreise auf die Kaninchenzucht, nicht ohne einige wunderbare Blüten zu treiben wie die Warnung des Herrn Prof. Dr. Elzbachers, der Preußen und Herrn Dr. Rausch, der das Herzogtum Anhalt vor den verderblichen Folgen einer ausgedehnten Kaninchenzucht bewahren wollte. Mit Recht hat unsere Organisation solche Angriffe abgewiesen und durch Belehrung selbst bis in die kleinsten Haushaltungen hinein die Wahrheit getragen: „Wer in seiner eignen Haus- oder Gartenwirtschaft so viel Abfälle besitzt, oder diese durch Sammlung bei Nachbarn erhalten kann, dass er eins oder mehrere Kaninchen füttern kann, der soll Kaninchenzucht betreiben“. Ich habe mit dieser Methode auch sehr gute Erfahrungen gemacht und bei Tausenden von Haushaltungen Verständnis gefunden. Ob die Leute später Kaninchenzüchter in unserem Sinne werden, sich zu Vereinen zusammenschließen oder nicht, das ist ganz nebensächlich; es werden auch nach dieser Seite hin Eroberungen gemacht sein, aber das eine ist sicher, sie haben gelernt, aus sonst ganz unbenutzten Abfallstoffen Werte zu schaffen der Sinn für Sparsamkeit und Haus- halten auch im Kleinen ist neu geschärft worden. Auch hat mancher, der sich sonst nie mit der Tierzucht befasst hat, ein Verständnis dafür erlangt, dass die Heranzucht von Tieren, selbst des bescheidenen Kaninchens, neben dem Futter auch noch viele Aufmerksamkeit, vieler Mühe und Arbeit bedarf, wen die Zucht sich lohnen soll. Dieses Verständnis ist wohl geeignet, Gegensätze zwischen Stadt und Land zu überbrücken, wenn dem Städter klar wird, wieviel mehr Arbeit und Mühe der Landwirt bei der Aufzucht seines Großviehes haben muss. Das werden auch noch lange den Krieg überdauernde, wertvolle soziale Momente sein. Ich greife nur eine einzige Berufsgruppe heraus, um zu zeigen, dass hier tatsächliche Gewinne liegen. Von den rund 42 000 Eisenbahnbediensteten des Direktionsbezirks Essen, die zum größten Teil an den zum engeren Industriebezirk gehörenden Strecken von Duisburg, über Mülheim-Ruhr, Essen bis Dortmund wohnen, betrieben 1913 im Oktober 1624 Mann Kaninchenzucht, sie hatten einen Tierbestand von rund 17.000 Stück. Heute haben wir hier 7.770 Kaninchenzüchter mit rund 49.000 Tieren. Über die Hälfte der Bediensteten, die überhaupt Kleintierzucht betreiben, haben sich der Kaninchenzucht zugewandt, ein Zeichen, dass sie gerade noch da betrieben werden kann, wo für andere Kleintierzuchtbestrebungen keine Betriebsmöglichkeit mehr vorhanden ist. Der Krieg hat uns bewiesen, dass bei nur einigem gutem Willen fast jedermann Kaninchen halten kann, wenn er auch nicht als Züchter, sondern nur als Halter oder Mäster auftritt. Rechnen wir nur einen durchschnittlichen Wert des Tieres von 5 Mark an, der doch eher viel zu tief als zu hoch gegriffen ist, so sind allein bei dieser Berufsgruppe auf verhältnismäßig engem Bezirk gegen 1913 gerechnet 160 000 Mark Nationalvermögen mehr erhalten bzw. erworben worden. Auch schwindet das gänzlich unangebrachte Vorurteil gegen die Kaninchenhaltung merkbar durch die Zuchtanlagen, die einzelne Städte eingerichtet haben. Gemeinnützige Vereine, besonders Bauvereine, haben vielfach meinen Rat eingeholt und erlauben heute, im Gegensatz zu früher, ihren Einwohnern auch Kaninchen zu halten. Dieser Wandel in der Gesinnung ist selbstverständlich durch die Verhältnisse mit erzwungen worden; Kleinarbeit der Vereine und Kreisverbände ist es, dafür zu sorgen, dass nicht durch einen total verkehrten Zuchtbetrieb, eine ganz vernachlässigte Wartung und Pflege, „das Kaninchen die Ratten anzieht“.
Wieso in der Familie durch Sammlung der Küchenabfälle billig Kaninchenfleisch geschaffen wird, so sind einzelne Städte dazu übergegangen, diese Abfälle systematisch zu sammeln und zur Kaninchenmast zu verwenden. Es ist sicher, dass mit dem Fortfall der Ursache, der Fleischknappheit, viele dieser Einrichtungen aufgehoben werden. Solche, die auf anderer Grundlage aufgebaut sind, werden, falls nicht ins Blaue gewirtschaftet wurde, bleiben, auch dauernd rentabel sein und Musteranlagen und Schulen für unsere Sache bilden. Ich denke an die Zuchtanlage der rheinischen Stadt R., die auf dem städtischen Klärgelände einen ausgedehnten Gemüsebau betreibt und so in der Eigenwirtschaft eine Menge Abfälle hat. Das Gemüse wird an Ort und Stelle ausgeputzt und dann zum Markte gebracht; die Abfälle werden verfüttert, der Überfluss getrocknet, um als Winterfutter zu dienen. Nur wenig Heu braucht hinzugekauft zu werden; die Anlage ist stets rentabel, da sie keinerlei besondere Kräfte zur Beaufsichtigung, Fütterung und Pflege bedarf, denn die Personen, die das Gemüse ausputzen, haben dazu reichlich Zeit. Solche Einrichtungen werden bleiben, sie haben dauernden Wert. Andere werden eingehen, und das ist weiter nicht schlimm, das wird auch mit den in den Gefangenenlagern errichteten Zuchtanlagen geschehen; aber nicht darin liegt eine Gefahr, sondern in dem Umstande, dass mancher uns dann auf „Grund der Erfahrungen“ vorrechnen wird, dass mit der Kaninchenzucht überhaupt keine wirtschaftlichen Werte zu schaffen sind: „Das dafür aufgewandte Geld ist vergeudet! Die Kaninchenzucht ist überhaupt keiner Unterstützung wert!“ so werden die schiefen Urteile lauten. In dieser „fachmännischen“ Beurteilung liegt eine Gefahr, der gegenüber man rechtzeitig gewappnet sein muss. Man hat es heute schon genugsam erlebt, dass solche Leiter mit tödlicher Sicherheit ihre Urteile über die „beste“ Rasse fällen, das wird jedenfalls noch besser kommen, auch in anderen Zuchtangelegenheiten.
Anlagen resp. Unterstützungen der Kaninchenzuchtangelegenheiten förderten bis heute, soweit mir bekannt wurde, die Städte Brandenburg a. H., Rudolstadt, Danzig, Rothenburg, Liegnitz, Frankfurt a. O., Bromberg, Posen, Altenburg, Hamburg, Neukölln, Karlsruhe, Kiel, Kassel, Rheydt, Oberhausen, Leipzig, Görlitz mit größeren Beträgen als Unterstützung der Vereine oder als eigne Zuchtanlagen. Grasnutzung ist den Kaninchenzüchtern, sofern es im Bereiche der Möglichkeit lag, fast ausnahmslos zugestanden worden. Auch geringere Mengen Kraftfutter, wurden bereit gestellt, sofern man nicht unbescheiden war. Was soll man sagen, wenn ein Züchter von seiner Stadtverwaltung zur Durchhaltung seiner 1,4 FrRS 2 Zentner Maisschrot, 150 Pfund Gerste und 3 Zentner Zuckerschnitzel für den Winter zugewiesen haben möchte? Nach meiner Auffassung gehörte der Antragsteller in eine Kaltwasserheilanstalt.
Auch die Frage der „Schlachtzucht“ oder der „Rassezucht“ ist im Hinblick auf die vielen neuen Anhänger der Kaninchenzucht von allen Seiten beleuchtet worden. Wir stehen im Rheinlande einmütig auf dem Standpunkte einer „Nutzzucht auf dem Boden der Rassezucht“, ein Standpunkt, den vernünftigerweise auch unsere Landwirtschaftskammer teilt. Wir bekämpfen selbst nicht den reinen „Sportzüchter“, der von seiner Zucht Freude haben will, mag sie ihm auch kosten, was sie wolle; nein, wir freuen uns der Hochzuchten und erkennen ihre hohe Bedeutung für die Heranzucht von Rammlern aller Rassen zur Blutauffrischung sogar willig und gerne an. Die Bedingungen, unter denen wir unsere Zuchtstationen dagegen einrichten, sagen ausdrücklich, dass nicht nur mit ersten Preisen ausgezeichnete Tiere eingestellt werden dürfen, sondern dass wir Tiere verlangen, die gesund und zuchtfähig sind und den hauptsächlichsten Rasseanforderungen der betreffenden Rasse genügen müssen. Dieser gesunde Mittelweg hat sich bewährt und wird auch wohl noch weiterhin beibehalten werden. Mischmasch und unberechenbare Kreuzungen können bei keiner Landestierzucht auf Unterstützung rechnen.
Eine unerfreuliche Wirkung des Krieges müssen wir in der enormen Steigerung der Preise für Kaninchen gegen Mitte und zweites Drittel des Jahres 1916 erblicken. Bedauerlicherweise waren es nicht nur Händler, die sich der Kaninchenzucht als augenblicklich sehr gewinnbringend annahmen und die Preise auftrieben, auch „Züchter“ waren dabei, die von einer „ungebührlichen Ausnutzung der Konjunktur“ nicht freizusprechen waren. Das zeitigte den scharfen, aber sehr nötigen Ministerialerlass vom 9. Juni, wonach alle Fälle von wucherischer Ausnutzung der Geschäftslage unverzüglich der zuständigen Preisprüfungsstelle oder Polizeibehörde mitzuteilen seien, damit diese gegen die Schuldigen sofort einschreiten könne“. Der erziehliche Einfluss dieses Erlasses wird noch lange nachwirken, ist in ihm doch in Aussicht gestellt, dass Ausstellungsvergünstigungen und Unterstützungen in Zukunft nur dann gewährt werden dürfen, wenn die Preise der ausgestellten Tiere in angemessenen Grenzen bleiben. Wer da glaubt für sein Tier 100 und 150 Mark verlangen zu müssen, dem sollte das Ausstellen verboten werden; der mag das Tier zu Hause lassen, dann wird ihm erst der reale Wert des Tieres zum Bewusstsein kommen. Im Zuchtwert soll ja auch der hohe Preis des Tieres begründet sein, gut, dann lasse es auch im Zuchtstall seine Schuldigkeit tun, dort bleiben und nicht von Ausstellung zu Ausstellung gehetzt werden.
Auch Tiere des Auslandes, nicht ausgesuchte Einzeltiere, sondern Hunderte, ja Tausende sind eingeführt worden, zu Hunderten auch durch die Hände des Verfassers gegangen. Sie haben nur bestätigt, was ich auch bereits früher an Ort und Stelle festgestellt, was auch unsere Feldgrauen wiederholt im „Züchter“ niedergelegt hatten: Rassigkeit, Pflege und Gesundheit der Tiere ist mehr als unter dem Durchschnitt. 30 Prozent der Tiere an Ohrenräude erkrankt, so sieht die Idealzucht unserer Auslandschwärmer aus. Da man heute in jeder „Geflügelzeitung“, die nebenbei in Kaninchenzucht macht, mit der Nase auf die sogenannten „Französischen Riesen Silber“ gestoßen wird, die natürlich gar keine „Riesen“ sind, interessierten mich bei einem Transport von 500 Stück, die von mir in Köln untersucht wurden, diese besonders. Resultat: Unter 500 Stück acht dieser Universalrasse, davon fünf mit Ohrenräude, die übrigen drei miserabel im Fell, ein Häufchen Elend. Über das Material des Auslandes hat der Krieg uns eine Aufklärung gebracht, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Die überall eintretende Futterknappheit hat die alte Wahrheit wieder neu aufleuchten lassen, dass das Kaninchen ein durchaus anspruchsloses, bescheidenes Haustier ist; sie hat auch als bemerkenswerte Tatsache, für viele sogar als Neuheit festgestellt, dass Kaninchen ohne Kraftfutter erhalten und aufgezogen werden können. Dass dabei unsere Schwergewichtsrassen nicht die Paradepfunde und Ausstellungslängen erreichten, ist gar kein Fehler, denn das Geheimnis einer wirtschaftlichen Fleischnutzung besteht überhaupt nicht in der Erreichung von Höchstgewichten um jeden Preis. Der Kaninchenmäster ist zufrieden, wenn er das Tier im Alter von sechs Monaten auf ebenso viel Pfund gebracht hat, die dann etwa vier Pfund Fleisch ergeben. Dazu braucht er nur ein gesundes Tier der großen oder mittleren Rassen und Wirtschaftsabfälle, die ihm nichts oder sehr wenig kosten; keinesfalls aber Körnerfutter oder Futtermittel, die in irgendeiner Form noch der menschlichen Ernährung direkt dienstbar gemacht werden können. Diese Erfahrung wird das Kaninchen auch noch nach dem Kriege bei Tausenden als willkommenen Fleischlieferant in Ehren halten.
Abbildungen aus der Originalquelle
redaktioneller Zusatz
Rezension
„Die Wirkungen des Weltkrieges auf die Kaninchenzucht“ (Karl Königs, 1917)
Warum ein Text aus dem Ersten Weltkrieg heute wieder relevant werden kann
Karl Königs’ Aufsatz aus dem Jahr 1917 ist weit mehr als ein zeitgebundenes Stück Fachliteratur. Er ist ein Dokument darüber, wie eine Gesellschaft in einer Phase existenzieller Unsicherheit versucht, Selbstversorgung, Solidarität und praktische Vernunft neu zu entdecken. Gerade deshalb besitzt der Text eine überraschende Aktualität – nicht, weil wir uns dieselben Zeiten wünschen, sondern weil er zeigt, wie widerstandsfähig eine Gesellschaft sein kann, wenn sie Wissen, Pragmatismus und Gemeinschaftssinn ernst nimmt.
Ein Text über Resilienz – nicht über Kaninchen allein
Königs beschreibt eindringlich, wie der Krieg das Vereinsleben zerstört, Familien auseinanderreißt und selbst kleine Zuchtbetriebe zum Erliegen bringt. Gleichzeitig zeigt er, wie Menschen neue Wege finden, um Versorgungslücken zu schließen.
Besonders prägnant ist seine Beobachtung, dass Kaninchenhaltung selbst unter widrigsten Umständen möglich bleibt:
„Der Krieg hat uns bewiesen, dass bei nur einigem gutem Willen fast jedermann Kaninchen halten kann…“
Diese Aussage ist kein romantischer Rückblick, sondern eine nüchterne Feststellung: Selbstversorgung beginnt im Kleinen – und sie beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.
Gesellschaftliche Wirkung: Vom Abfall zum Wert
Königs betont mehrfach, dass Kaninchenhaltung nicht nur Fleisch liefert, sondern auch eine neue Kultur der Sparsamkeit und Wertschätzung entstehen lässt. Er schreibt:
„Sie haben gelernt, aus sonst ganz unbenutzten Abfallstoffen Werte zu schaffen…“
In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und lokale Versorgung wieder zentrale Themen sind, wirkt dieser Gedanke fast modern. Der Text zeigt, wie Krisen Menschen dazu bringen, Ressourcen neu zu denken – und wie viel Potenzial darin steckt.
Ein Blick auf soziale Dynamiken
Besonders interessant ist Königs’ Beobachtung, dass Kaninchenhaltung soziale Gräben überbrücken kann. Wenn Städter plötzlich selbst Tiere aufziehen, entsteht ein neues Verständnis für landwirtschaftliche Arbeit. Er formuliert es so:
„Dieses Verständnis ist wohl geeignet, Gegensätze zwischen Stadt und Land zu überbrücken…“
In einer Zeit, in der urbane und ländliche Lebenswelten oft auseinanderdriften, ist dieser Gedanke erstaunlich aktuell.
Warnung vor Übertreibung und Spekulation
Königs kritisiert scharf die Preisexplosionen und den Missbrauch der Situation durch Händler und „Züchter“, die aus der Not Profit schlagen wollen. Der Ministerialerlass vom 9. Juni 1916 wird von ihm ausdrücklich begrüßt, weil er Wucher eindämmen soll.
Diese Passage erinnert daran, wie Krisen immer auch Märkte verzerren – und wie wichtig Regulierung sein kann, um Gemeinwohlinteressen zu schützen.
Ein nüchterner Blick auf Zucht, Nutzen und Ideologie
Königs argumentiert gegen ideologische Extreme – sowohl gegen reine „Sportzüchter“ als auch gegen unkontrollierte Kreuzungen. Sein pragmatischer Ansatz lautet: Nutzzucht auf dem Boden der Rassezucht.
Dieser Mittelweg wirkt erstaunlich modern: funktional, aber nicht beliebig; qualitätsorientiert, aber nicht elitär.
Warum dieser Text heute wieder Bedeutung haben könnte
Der Text gewinnt Relevanz, sobald Gesellschaften erneut mit folgenden Themen konfrontiert werden:
- Versorgungskrisen (z. B. Lieferkettenprobleme, Energieknappheit)
- steigende Lebensmittelpreise
- Suche nach lokaler, nachhaltiger Produktion
- Wunsch nach Selbstversorgung und Resilienz
- Stärkung von Gemeinschaft und Nachbarschaftshilfe
Königs zeigt, wie eine Gesellschaft in der Krise nicht nur reagiert, sondern lernt. Seine Beobachtungen sind ein Plädoyer für praktische Intelligenz, soziale Verantwortung und die Fähigkeit, aus wenig viel zu machen.
Fazit
Karl Königs’ Aufsatz ist kein nostalgisches Dokument, sondern ein Lehrstück über gesellschaftliche Anpassungsfähigkeit. Er zeigt, wie Menschen in Zeiten der Not neue Wege finden, Ressourcen zu nutzen, Gemeinschaft zu stärken und Verantwortung zu übernehmen.
Gerade deshalb lohnt es sich, diesen Text heute wieder zu lesen – nicht aus Angst vor kommenden Krisen, sondern um zu verstehen, wie viel Potenzial in lokaler Initiative, Pragmatismus und gemeinschaftlicher Selbstversorgung steckt.


