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Unsere Kaninchenrassen. Wahls Taschenkalender 1934

1934 Seiten 69–86
Redaktionell aufbereitet

Unsere Kaninchenrassen

Das Belgische Riesen-Kaninchen (BR) ist, wie schon der Name sagt, der Riese aller Kaninchen. Bei großem, langgestrecktem Körper, hoher Stellung und starkem Knochenbau, breiter Brust und breitem Becken, erreicht es ein Gewicht von 11-16 Pfd. Straff aufrecht getragene, mindestens 16 Zentimeter lange Ohren, leuchtende, große Augen zieren den kühn getragenen Kopf. Die Farben hell-, hasen- und dunkelgrau sind vorherrschend. Seltener, aber sehr beliebt und vom Fellhandel gesucht, sind Felle eisengrauer Tiere, die aber leicht schwarzen Kopf erhalten. Bei den hell- und hasen- grauen Schlägen ist die Bauch- und Blumenunterseite weiß, die Ohren sind schwarz gerändert, wie auch die Oberseite der Blume schwarz gefärbt ist. Dunkelgraue BR sollen an Kopf und Brust die gleichdunkle Farbe als am übrigen Körper haben. Der seltenere eisengraue Schlag muss eine gleichmäßige Schattierung aufweisen, lediglich der Bauch kann etwas heller sein, während schwarzer oder dunkler Kopf als Fehler anzusehen ist. Weiße Abzeichen schließen bei der Bewertung aus. Durch sein hohes Gewicht und besonders durch sein dichtes und weiches Fell ist das Belgische Riesenkaninchen als Nutztier sehr geschätzt. Bei der Bewertung der Rasse wird auf Länge und Gewicht je 20 Punkte vergeben, und diese Höchstzahlen erreicht ein Tier, wenn es mindestens 72 Zentimeter lang und 14½ Pfund schwer ist. Daneben ist dann noch die Körperform, ebenfalls mit 20 Punkten bedacht, für das Tier von ausschlaggebender Bedeutung. Das Fell, und zwar lediglich die Güte und Vollreife desselben, erhält bei höchster Vollendung ebenfalls 20 Punkte.

Das Weiße Riesen-Kaninchen (WR) mit einem Mindestgewicht von 10 Pfd. gehört ebenfalls zu den großen Rassen. Es hat großen langen Körper, der indes nicht die Länge des BR zu erreichen braucht. Die Ohren müssen eine Mindestlänge von 15 Zentimeter haben. Es hat eine schöne hohe Stellung und starken Knochenbau. Die Augen sind rosafarben. Die Farbe des Felles ist reinweiß. Das Fell selbst ist dicht und weich, glatt anliegend, seiden- artig glänzend und ziemlich lang im Haar. Im Rauchwarenhandel steht das Fell in gutem Ansehen und wird sehr gern gekauft. Neben den beim BR schon hervorgehobenen Bewertungsgrundsätzen wird hier noch besonderer Wert auf blütenweiße Farbe gelegt, eine Position, die man mit 20 Punkten belegt hat, wofür man auf Länge und Gewicht zusammen nur 30 Punkte bei einer Länge von 70 Zentimetern und einem Gewicht von über 12 Pfund vergibt. Außer den BR in ihren grauen Schattierungen und den WR sind nach den Reichsbewertungsbestimmungen jetzt auch Andersfarbige Riesen zugelassen und haben bei diesen in Beurteilung der Farbe die für die anderen Rassen gegebenen Bestimmungen Gültigkeit.

Der Blaue Riese muss also ein gleichmäßiges Blau an Kinn, Brust und Bauch haben, wie das Blaue Wiener Kaninchen. Hinsichtlich der Länge und des Gewichts gelten die Forderungen, denen auch der Weiße Riese genügen muss. Schwarze, chinchillafarbige, fehfarbige Riesen züchtet man und können unter „Andersfarbige Riesen“ auch ausgestellt werden. Im Rheinlande hat der fehfarbige Riese unter der Bezeichnung „Honnefer Riesenfeh“ schon eine bemerkenswerte Verbreitung gefunden.

Das Deutsche Riesenschecken-Kaninchen (DRSch) gehört zu den großen Rassen mit einem Mindestgewicht von 10 Pfd. Es ist langgebaut, jedoch feinknochiger als der BR. Die Ohren werden straff aufrecht in V-Form getragen. Die Deutsche Riesenschecke ist ein Zeichnungskaninchen, welches an den Züchter große Anforderungen stellt. Die Grundfarbe ist reinweiß. Die Zeichnungsmerkmale kommen in Schwarz und Blau vor; sind beide rein in der Farbe, so sind sie gleichwertig zu beurteilen. Die Zeichnung selbst besteht aus Aalstrich (Rückenzeichnung), Seitenzeichnung, einfarbigen Ohren, Schmetterling, Augenringen und Backenpunkten. Alle übrigen Punkte sind fehlerhaft, besonders sei bemerkt, dass Tiere mit mehr als 2 Kettenpunkten stets dem Ausschluss verfallen. Sein Fell ist dicht und weich. Im eigenen Haushalte wird es gern zu Kindergarnituren, Bettvorlagen, Teppichen usw. verwendet. Bei diesem großen Zeichnungstier hat man hinsichtlich der Länge und des Gewichtes noch einige Konzessionen gemacht, um die Schwierigkeiten dieser Zucht nicht noch zu häufen. Die Zeichnung paradiert mit 25 Punkten, aber bei einer Länge von 68 Zentimeter und einem Gewicht von über 12 Pfund erhält das Tier die vorgesehene Höchstziffer von 25 Punkten. Der Körperform misst man mit 20 Punkten die gleiche Bedeutung bei wie den Riesen.

Das Deutsche Landkaninchen (DL) entspricht in Größe, Schwere und selbst in Zeichnung (bis auf Wegfall von Schmetterling und Backenpunkten) dem DRSch-Kaninchen. Zur Prämiierung sind nur schwarz-weiße Tiere zugelassen. Auch in Bezug aufs Fell und dessen Verwendung gilt dasselbe. Bewertungsgrundsätze wie bei der DRSch.

Das Deutsche Widder-Kaninchen (DW) hat ein Gewicht von 9 bis 12 Pfund. Im Vergleich zum BR hat der DW kurzen, gedrungenen Körper. Das Typische bei dieser Rasse ist der Ramskopf mit den 38-45 Zentimeter langen (beide ausgespannt gemessen), zur Seite mit der Schallöffnung nach innen hängenden Ohren. In der Hauptsache kommt es in den drei den BR eigenen grauen Schattierungen vor, wird aber auch mit Scheckenzeichnung gezüchtet. Bei den Schecken müssen die Farben scharf abgegrenzt sein, dagegen ist Mantelzeichnung gestattet, doch bemerken die Reichsbewertungsbestimmungen ausdrücklich, dass die Zeichnung der DRSch anzustreben ist. Gleichmäßigkeit in der Zeichnung steht aber über dieser Forderung; hat ein Tier auf jeder Seite zwei Kettenpunkte, so kann ein Ausschluss dieserhalb nicht erfolgen. Außer den grauen Tieren sind auch alle andern reinen Farbenschläge zur Schaustellung zugelassen. Der reinweiße Schlag hat eine besonders große Züchtergemeinde sich erworben und wird in typischen, formvollendeten Tieren gezeigt. Das Fell der grauen DW ist ganz besonders dicht und weich mit guter Unterwolle, weshalb es mit zu den wertvollsten Fellen gezählt wird. Diesem Tier seinen ausgesprochenen Fleischnutzungstyp zu erhalten, belegt man die Position Körperform mit 40 Punkten, und die Größe, die hier abweichend von den vorher geschilderten Bewertungen in Länge und Gewicht zerfällt, ist hier lediglich eine Gewichtsbewertung, die mit 12 Pfund volle Punktzahl erreichen lässt. Der Körperform hat man absichtlich eine so hohe Punktzahl eingeräumt, weil die breite Hüftenpartie, die breite Brust, die tiefstehende Vorderhand ausgesprochene wirtschaftliche Qualitäten garantieren.

Das Englische Widder-Kaninchen (EW) ist bei einem Gewicht von 7-11 Pfd. von feinerem Knochenbau als das DW-Kaninchen. Seine Ohren (Behang) erreichen eine Länge von 66 Zentimeter und eine Breite von 15 Zentimeter. Es kommt in fast allen Säugetierfarben vor, gelbe, gelbscheckige, schildkrotfarbige und madagaskarfarbige werden am meisten gezeigt. Es verschafft dem Züchter von Besonderheiten große Befriedigung. Hoher Wert wird auf vollständig unverletzte, knotenfreie Ohren gelegt. Die Tiere erfordern stets eine reichliche Einstreu. Auf vorgenannte Ohrenbreite gibt es die Höchstpunktzahl von 10, und auf die genannte Länge die Höchstpunktzahl von 20. Die Höchstpunktzahl von 10 im Gewicht ist bereits mit 10 Pfund erreicht.

Das Meißner Widder-Kaninchen (MW) hat ein Gewicht von 7-9 Pfund. Es hat gedrungenen Körper, Ramskopf und Hängeohren. Sein Gang ist, wie der aller Widderkaninchen, schleichend. Sein Fell entspricht dem unserer Kleinsilber-Kaninchen, ist aber etwas länger im Haar. Anfangs nur als Schwarzsilber, hat man es heute in allen Farbenschlägen der Kleinsilber. Der Ausstellungszüchter beachte besonders die Gleichmäßigkeit in der Silberung. Einen dunklen Kopf, vollständig helle Brust und Läufe darf kein Ausstellungstier haben.

Das Französische Silber-Kaninchen (FS) gehört zu den mittleren Rassen mit einem Gewicht von 7-9 Pfd. und mehr; über 10 Pfd. verliert es indessen leicht seine gute Form; diese soll hochgestellt sein. Das Fell ist dicht, glänzend und weich und hat besonders langes Haar mit guter Unterwolle. Dieses und seine Größe haben ihm im Rauchwarenhandel besondere Geltung verschafft. Leider hat man verschiedene Schattierungen, weiteste Verbreitung hat aber nur der helle Schlag. Es wäre zu wünschen, wenn sich ihm allein die Neigung der Züchter zuwenden würde. Wer Ausstellungstiere haben will, sehe auf kräftige Läufe von mittlerer Länge und stahlblaue Unterfarbe; selbst mitunter hochbewertete Tiere zeigen darin oft noch einen starken Mangel; durchgehende weiße Haare sind aber in ihr verpönt, während sonst ein heller Altsilberton erwünscht ist.

Das Deutsche Großsilber-Kaninchen (DGS) besitzt fast dieselben Eigenschaften wie das FS-Kaninchen, nur ist es dunkler in Farbe, welche den schwarzen Kleinsilbern entspricht. Aber auch blaue, graue, braune, havannabraune, lohfarbene und gelbe Tiere sind zur Bewertung zugelassen. Nur der Schwarzsilberschlag, der früher unter dem Namen Germaniasilber ging, hat an einigen Orten zahlreiche Anhänger. Hier wäre noch des Lohsilberkaninchens zu gedenken. Es ist auch vorschnell in den Standard hineingekommen und wird es unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit gezüchtet. Seine Bewertungsvorschriften sagen: Auf Kopfzeichnung wird kein Wert gelegt; Kinnbacken-, Nasen- und Ohreneinfassung dürfen nicht bewertet werden. Das sind Bestimmungen, die das Interesse an dieser Rasse erstickt haben.

Das Groß-Chinchilla-Kaninchen (GrChin) hat ein Gewicht von 8-10 Pfd., das Klein-Chinchilla-Kaninchen (KlChin) ein solches von 4-6 Pfd. Beide Schläge haben gedrungenen Körper mit kurzer Halspartie und sind kräftig gebaut. Die Farbe ist an der Wurzel dunkelblaugrau, dann weiß und auf der Decke raupen- ähnlich tiefschwarz geflammt. Das Fell ist weich und wollig, im Haar fein, seidenähnlich, 4-5 Zentimeter lang. Im Rauchwarenhandel ist das Fell sehr begehrt, weshalb sich das Chinchillakaninchen in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr viel Anhänger erworben hat. Um die Übergänge zwischen den beiden Chinchillaschlägen nicht zu verwischen und unnütze Kreuzungen zwischen beiden Schlägen zu unterbinden, werden Tiere unter 8 Pfd., nicht als Großchinchilla und solche über 6½ Pfd. nicht als Kleinchinchilla anerkannt. Eine Gewichtsgrenze nach oben ist bei Großchinchilla fortgefallen. Tiere, die eine gute Unterfarbe auch auf dem Bauche aufweisen, sind noch immer verhältnismäßig selten. Weisen sie daneben eine reine, klare Zwischenfarbe nicht nur auf den Flanken, sondern auch auf dem Rücken auf, wo das Fell am besten sein soll, so ist das Tier auch meist in den andern Farbenpositionen gut.

Das Blaue Wiener-Kaninchen (BIW) hat ein Gewicht von 7-9 Pfund und mehr. In Form ähnelt es einem kleineren Schlage der BR. Der Rammler hat walzenförmigen Körper, die Häsin ist etwas schlanker mit schmälerem Kopf und dünneren Ohren. Die schöne dunkel- bis taubenblaue Farbe erstreckt sich gleichmäßig über den ganzen Körper. Das Auge ist blaugrau. Die Ohren werden straff aufrecht getragen. Das Blaue Wiener-Kaninchen ist sehr beliebt. Sein Fell ist dicht und weich, mittellang und von schönem Glanze. Es ist sehr gesucht, wird naturfarbig und zu allerhand Imitationen verarbeitet. Man hüte sich vor weißen Haaren, die gar leicht zu weißen Abzeichen auswachsen. Eine reine, klare blaue Farbe ist neben einem formvollendeten Körperbau ausschlaggebend für den Wert der Tiere. Am schönsten erscheinen die Tiere in der Form, die nur wenig über 9 Pfund wiegen.

Das Weiße Wiener-Kaninchen (WW) mit einem Gewicht von 6-8 Pfd. har schnittige Körperform, hohe Stellung, schön gewölbten Rücken, breite Brust und breites Becken. Die Ohren stehen straff aufrecht. Schöne hellblaue Augen mit blaugrauem Ring geben dem WW ein besonders freundliches Aussehen. Die Farbe des Felles ist reinweiß, dasselbe ist dicht und weich, seidig glänzend, nicht so lang im Haar wie das des WN, wiederum aber nicht so kurz wie das des Hermelinkaninchens. Zur Pelzgewinnung kann das WW nicht genug empfohlen werden. Ausstellungserfolge erringt man mit einem guten WW-Stamm verhältnismäßig leicht, wenn man die Tiere blütenweiß, auch unter den Läufen, zur Schau bringen kann. Sind sie dabei noch gut in Form und Fell, so hat keine Rasse weniger Strafpunkte als gerade sie. Verschwunden sind die früher wohl ab und zu gezeigten grauen Wiener, ihre Züchter sind größtenteils zu den Chinchillazüchtern hinübergewechselt. Aber das Interesse für Gelbe Wiener und Schwarze Wiener wächst. Für diese gilt in Gewicht, Körperform und Fell dasselbe wie beim BIW. Bei Gelben Wienern wird auch gelbe Bauchfarbe gefordert und bei Schwarzen Wienern ein an allen Körperteilen glänzendschwarzes Tier. Zu einer größeren Anhängerzahl haben sie es naturgemäß bei uns noch nicht gebracht.

Das Fehkaninchen (F) hat ein Mindestgewicht von 5 Pfund. In Körperform gleicht es dem Havannakaninchen, von dem es auch abstammt. Die Farbe ist blaugrau mit weißen und braungrauen Haaren durchsetzt, die auf dem Rücken pfeffer- und falzfarbig ausläuft. Das Fell soll nicht zu kurz sein und muss viel Unterwolle haben, es muss dicht und glatt anliegen und viel Grannenhaare besitzen. Das Fell ist sehr gesucht und wird in Natur verarbeitet als Nachahmung des sibirischen Eichhörnchens. Beim Fehkaninchen unterscheiden wir vier Zuchtrichtungen: Großfeh (GrF), mit dem Ziel, ein Schwergewichtstier zu schaffen. Versuche in Unna, anfangs recht vielversprechend, scheinen aufgegeben zu sein. Rheinische Züchter in Honnef bauen auf anderer Grundlage wieder auf.

Marburger Feh (MF) hat sich eine größere Anhängerzahl erworben. Farbe hellgraublau am ganzen Körper; Unterfarbe hellblau. Die Decke bildet sich aus blaugrauen, weißlichen und bräunlichen Haarspitzen.

Augsburger Feh (AF), hell- und blaugraue Haare mit graubraunen und dunkelgrauen Spitzen bilden auf blaugrauem Untergrunde die Farbe. Eine größere Anzahl hellgrauer Grannen- haare, gleichmäßig über die Oberfläche des Körpers verteilt, erhöhen den Farbenreiz.

Düsseldorfer Feh (DF) , wenig Anhänger. Der Verbreitung sind hinderlich die verschiedenen Tönungen in hell, mittel und dunkel, dass Tiere mit weißem Bauch zulässig sind, dass Brust und Bauch matter in der Farbe sein dürfen. Selbst weiße Krallen schließen nicht aus. Strengere Selbstzucht der Züchter dieser Rasse würde sie weiter bringen. Sonst kann von allen Fehkaninchen gesagt werden, dass die helleren Tiere die besseren sind. Gerade bei Marburger Feh wird die geforderte hellblaue Unterfarbe noch ziemlich selten angetroffen. Auch könnte in der Größe noch ein Fortschritt erwünscht sein. Wer Düsseldorfer Perlfeh züchtet, wird gut auf den Schauen abschneiden, wenn er nicht die Farbe mit a) Decke 15 und b) Perlung 25 sich vorbewertet, sondern wenn er für Perlung 15, Gleichmäßigkeit 15 und Unterfarbe 10 Punkte ansetzt. Dabei kann man noch immer auf Perlung den Hauptwert legen. Braune Töne sind nur im Genick, sonst aber nirgendwo zulässig; auch weiße Krallen merze man aus, wenn sie an sich auch zulässig sind.

Das Japaner-Kaninchen (J) steht im Gewicht von 6-8 und mehr Pfd. Es ist das bunteste aller Kaninchen und an keine bestimmte Zeichnung gebunden. Seine Farbe ist gelbschwarz und schmutzigweiß ohne reinweiße Abzeichen über den ganzen Körper und recht ungleichmäßig verteilt. Das Fell ist dicht und lang, verhältnismäßig stumpf und hart. Im eigenen Haushalt findet es Verwendung zu Teppichen, Bettvorlagen, Fußsäcken usw., wird aber geschoren auch gern zu Pelzfutter verwendet. Man achte auf nicht zu kleine Farbenbilder, weil zu sehr zerrissene Farbenbilder nicht die nötige Leuchtkraft besitzen. Dichte und weiche Felle sind bei der Rasse besonders zu fordern, weil sie hierin meist noch sehr zurück ist.

Das Rheinische Schecken-Kaninchen (RhSch) ist 6-9 Pfd. und mehr schwer. Die Körperform ist mehr gedrungen als schlank. In Zeichnung ähnelt es der ESch, nur dass die schwarzen Abzeichen mit gelben untermischt sind, also ein dreifarbiges Kaninchen. Die Kette, bei Engl. Schecken gefordert, ist bei der Rheinischen Schecke verpönt. Das Fell ist dicht und weich. Die RhSch ist außer in ihrer Heimat, dem Rheinland und verschiedenen Teilen Sachsens wenig verbreitet. Je intensiver das Schwarz und je leuchtender das Gelb, bis Orangerot ist, desto wertvoller ist das Tier. Besonders bewerte man den reinen Kopf ohne Spritzer hoch. Auch achte man darauf, dass sich möglichst kein Weiß in den Ohren befindet; in der oberen Ohrenhälfte schon gar nicht, sonst verfällt das Tier dem Ausschluss. Tiere von 8½ Pfund sind meist die formvollendeten.

Das Hasen-Kaninchen (Ha) ist 5-8 und mehr Pfd. schwer. Es hat einen schön geformten, edlen Körperbau und stellt eine Nachahmung des Feldhasen dar. Das Fell ist fuchsfarbig bis tief an die Seiten und die Hinterpartie. Der Bauch ist lohfarbig bis weiß. Der Rücken ist mit Büscheln schwarzer Haare wellenförmig schattiert. Die Spitzen der Ohren sind schwarz gerändert. Das Auge ist feurig und verleiht dem Tiere ein besonders rassiges Gepräge. Auffallend schlanke Läufe tragen den schöngeformten Körper. Das Fell ist dicht, mittellang, glatt anliegend und schön glänzend, lässt aber zumeist Unterwolle vermissen. Das Hasenkaninchen schafft dem Züchter feiner Formen volle Befriedigung. Das Zuchtziel ist besonders auf Fellverbesserung einzustellen. Auf Form, langgestreckten, schnittigen, hochgestellten Körper mit wenig Bauchwerk, aber schön gerundeten Lenden, ist hoher Wert zu legen. Die Vorderläufe sollen recht lang, dünn, aber sehnig und gerade sein. Hat das Tier dabei eine fuchsrote, feuergoldfarbige Decke und tiefblaue Unterfarbe, so genügt es meist höheren Ansprüchen. Meist sind die Schenkel zu licht und die Schattierung zu gleichmäßig statt flockig. Wer bei Ausstellungstieren diese Fehler meidet, hat auch Erfolge. Plumper, massiger Körper entwertet das Tier ganz.

Das Havanna-Kaninchen (Hav) hat ein Gewicht von 7-8 und mehr Pfd. Der Körper ist walzenförmig gebaut, hat glattes, glänzendes Fell mit viel Grannenhaar und viel Unterwolle. Das Havannakaninchen besitzt einen feinen dunkelbraunen Pelz. Weiße Abzeichen und mit weißen Haaren durchsetztes Fell schließen von der Prämiierung aus. Auch das Havannakaninchen hat ganz besonders wegen seines schönen Pelzes viel Anhänger und ist im Rauchwarenhandel sehr beliebt. Die Güte des Pelzes muss erhalten, das Tier aber größer gehalten werden, Tiere über 6 Pfund sind heute eine Seltenheit. Kastanienbraune Decke wird am höchsten gewertet; geringe Abweichungen, besonders grauer Schimmer, ist verpönt. Selbst einzelne weiße Haare entwerten das Tier. Meist mangelt es auch an der geforderten dunkelblauen Unterfarbe.

Das Alaska-Kaninchen (Al) hat ein Mindestgewicht von 5 Pfd. Sein Körper ist schnittig gebaut, die Farbe lackschwarz und glänzend auf tauben- bis dunkelblauem Grunde. Das Fell ist dicht und weich. Es wird viel im Naturzustande verarbeitet. 7 Pfund müssen bei dieser Rasse mit Leichtigkeit zu erreichen sein; dann erhält ein Tier volle Punktzahl auf Größe. Auch bei dieser Rasse ist die Unterwolle statt bläulich oft weiß. Vereinzelte weiße Stichelhaare sind bei guter Verteilung zulässig und der Kürschner zieht solche Felle den reinschwarzen vor. Eine glanzlose Farbe oder gar rostige Stellen darf kein Ausstellungstier haben.

Das Thüringer Kaninchen (Th) soll ein Mindestgewicht von 5 Pfd. haben. Schwerere Tiere sind aber durchaus erwünscht. Seine Körperform ist gedrungen. Die Farbe setzt sich zusammen aus dunkler bis schwarzer Decke auf gelbem bis rotem Grunde. Das Tier sieht aus, als wäre es mit einem dunklen Schleier überworfen. Die Farbe der Ohren und der Maske ist rußartig, doch ist keine scharf abgegrenzte Russenmaske erwünscht, die dunkle Nase soll allmählich in die andere Farbe verlaufen. Das Fell ist glatt und dicht mit weicher Unterwolle und Grannen. Die Thüringer sind als gute Nutzkaninchen anzusprechen. An den Seiten und Hinterschenkeln zieht sich ein bläulichschwarzer Streifen hin. Je kräftiger er hervortritt, desto wertvoller ist das Tier. Die untere Hälfte des Tieres soll aussehen, als sei es mit einem dunklen Schleier umgeben. Die Farbe der Maske und Ohren ist rußartig, die Maske selber verläuft allmählich nach oben in die andere Farbe, ist also nicht scharf abgegrenzt. Die Unterfarbe ist dunkelgelb, je leuchtender, desto wertvoller. Weiß ist in jeder Form und an jeder Stelle fehlerhaft.

Das Marderkaninchen (M) eröffnet den Reigen der 3. Abteilung. Es hat ein Gewicht von 4-6 Pfund. Es tauchte fast zu gleicher Zeit, aber unabhängig voneinander, in Deutschland (Stellingen), Holland, Frankreich und England auf. Man wünscht eigentlich ein Tier, welches mittelschwer sein soll und deshalb in die zweite Abteilung gehört, aber das Körpergewicht ist meist noch sehr zurück. Es tut der Verbreitung der Rasse noch sehr Abbruch, dass sein Fell vielfach sehr fleckig erscheint. Auch vermag sich die Züchterwelt wenig mit der Anschauung zu befreunden, dass man z. B. bei entsprechender Paarung mit einem Russen reinrassige, typische Marderkaninchen erhalte. Sie steht vielmehr auf dem Standpunkte: Solange zwei gleichartige Tiere zusammengestellt, nicht eine gleichartige, treu vererbende Nachzucht liefern, kann von einer Rasse nicht gesprochen werden.

Das Lux-Kaninchen (L) hat ein Gewicht von 5-6 Pfd. bei gedrungener Körperform. Die Farbe ist hellsilberblau, die Grundfarbe weiß, am Bauche graublau. Sie geht etwa einen Zentimeter hoch, scharf abgegrenzt, in Braunrot über und ist mit einer hellen, silberblauen Decke versehen. Das Braunrot soll leicht durchscheinen. Der Bauch, das Innere der Hinter- und Vorderläufe, die Kinneinfassung und die Unterseite der Blume sind weiß. Das Auge ist blaugrau, rot durchleuchtend und hell umrandet. Das Fell ist weich, mittellang und in der Unterfarbe sehr dicht.

Das Englische Schecken-Kaninchen (ESch). Ein ausgesprochenes Zeichnungstier, bei dem Zeichnungsbilder noch präziser festgelegt sind als bei der DRSch oder dem DL-Kaninchen. Aber gerade diese Schwierigkeiten begeistern die Züchter dieser Rasse, so dass diesem allem zum Trotz die Züchtergemeinde dieser Rasse eine ziemlich große ist. Zugelassen ist es in allen reinen Farben und auch das ist mit ein Grund für seine Beliebtheit. Sein Fell wird vielfach zu Kindergarnituren und Vorlagen verarbeitet und liefert dazu entzückende Bilder.

Das Kleinsilber-Kaninchen (S) hat ein Durchschnittsgewicht von 5 Pfd. Der Körper ist walzenförmig, fleischig, aber nicht plump. Das Fell ist dicht und weich, glänzend und reich an Unterwolle. Wir unterscheiden Schwarz-, Blau-, Braun- und Gelbsilber, und diese Farbenschläge wieder erscheinen in den Schattierungen dunkel, mittel und hell. Schwarzfilber haben stahlblauen Grund, auf welchem die Decke in schwarzen und weißen Spitzen endet. Blausilber haben weiße Spitzen auf blauem Grunde. Braunsilber haben leuchtend braune Decke mit schwarzen und weißen Spitzen. Die Bauchfarbe kann weiß sein, darf jedoch nicht zu hoch in die Seiten gehen und muss blauen Grund aufweisen. Gelbsilber haben tiefgehende, zitronengelbe Decke mit weißen Spitzen als Silberung. Das Silberkaninchen ist eine unserer ältesten Kaninchenrassen, bei Züchtern wie im Rauchwarenhandel sehr beliebt. Von Holland aus werden auch Havannasilber angeboten, wenn auch noch wenig gezeigt, so handelt es sich doch um einen Farbenschlag, der unserer Beachtung wert erscheint. Wer Ausstellungserfolge buchen will, muss vor allen Dingen auf hohe Gleichmäßigkeit achten und dafür sorgen, dass ein reifartiger Glanz das ganze Tier überprickelt. Fleckige Silberung ist bei jedem Farbenschlage fehlerhaft.

Das Holländer-Kaninchen (H) erreicht ein Gewicht von 4 bis 6 Pfd. bei schnittiger Körperform. Es ist eins der schönsten und wohl auch am schwersten zu züchtenden Zeichnungskaninchen, eine Rasse für Züchter, die an Zeichnung und Farbe Gefallen haben. Die Zeichnung besteht aus der Kopfzeichnung (Blesse), der Rumpfzeichnung (Ring) und der Hinterfußzeichnung (Manschetten). Die Grundfarbe ist weiß, die Zeichnungsmerkmale sind zulässig in schwarz, blau, grau, eisengrau, gelb, chinchillafarbig, havannafarbig, madagaskarfarbig, japanerfarbig, überhaupt in allen reinen Farben. Verpönt sind zweierlei Augen und Augenflecken, die sich gerade bei dieser Rasse gerne zeigen. Bei der Kopfzeichnung bevorzuge man eine scharfe Blessenspitze und achte besonders darauf, dass sie nicht bis in die Mundwinkel reiche. Eine Ringzacke auf dem Rücken ist fehlerhafter als eine leichte Bauchzacke. Weiße Flecke im farbigen Feld sind unbedingt zu verwerfen, schon einzelne weiße Haare darin sind unerwünscht.

Das Schwarzloh-Kaninchen (SchwL) ebenfalls unter die kleinen Rassen zu rechnen, erreicht ein Gewicht von 5-6 Pfd. bei schnittiger Körperform. Die Grundfarbe ist tiefschwarz. Die Abzeichen find lohfarbig und befinden sich an den Nasenlöchern, dem Rande des Kinns, um die Augen herum und die Innenfläche der Ohren, ferner im Nacken in Gestalt eines Dreiecks, an der Brust, den Läufen und den Seiten. Das Schwarzloh-Kaninchen erfreut sich bei den Züchtern größter Beliebtheit und wird heute noch sehr viel gezüchtet. Außer den Züchter in Farbe und Zeichnung voll zu befriedigen, hat es einen hohen Nutzwert, da das Fell in seiner natürlichen Farbe viel verarbeitet wird. Dasselbe lässt sich auch vom Blauloh-Kaninchen (BIL) sagen. Die Grundfarbe desselben ist Blau mit den lohfarbigen Abzeichen des Schwarzloh-Kaninchens. Als dritte Farbe tritt neuerdings das Braunloh-Kaninchen auf; es erinnert in etwas an das bereits bei uns in Deutschland schon einmal von Holland eingeführte „Havanna and tan“, führt aber andere Blutlinien und ist überhaupt in der Zeichnung und Intensität der Abzeichen vollendeter. Eine größere Liebhaberzahl ist ihm zu wünschen.

Das Russenkaninchen (R) hat ein Durchschnittsgewicht von 4 Pfd. Durch seine eigenartige Zeichnung macht es einen sehr gefälligen Eindruck. Das Fell ist weiß, glänzend, dicht und kurz. Die Zeichnung setzt sich zusammen aus der schwarzen Maske, schwarzen Ohren, Läufen und der Blume. Die Ohren werden straff aufrecht getragen. Die Augen sind, wie die aller Albinos, rosafarben. Das Fell ist dem des Hermelinkaninchens ebenbürtig, also sehr wertvoll. Leider ist diese Rasse durch die vielen modernen Rassen ins Hintertreffen gekommen. Seine Liebhaberzahl ist nur gering, was sehr bedauerlich ist. Wer Tiere mit reinschwarzen Abzeichen vorführt, dabei eine zackenfreie Maske, scharf abgegrenzte Ohren, Läufe, die etwa 1-2 Zentimeter über dem Sprunggelenk abgrenzen, und eine reine Blume zeigt, erringt gerade mit Russen immer noch gute Preise. Er hat nur noch dafür zu sorgen, dass die Körperform des Tieres nicht durch eine reiche Fütterung zu sehr leidet oder sich gar eine Wamme zeigt.

Das Hermelin-Kaninchen (He) stellt den Zwerg unter allen Kaninchenrassen dar. Es hat ein Gewicht von etwa 2½ Pfd. Der Körper ist klein, walzenförmig gebaut, der Hals ganz kurz. Der Kopf ist kurz mit breiter Stirn, die Ohren ebenfalls kurz (se kleiner, desto feiner, aber immer der Körpergröße entsprechend) und eng geschlossen getragen. Das Fell ist kurz, dicht, blütenweiß, ohne jeden anderen Schein, und silberglänzend. Das Auge ist rosafarben, groß und ausdrucksvoll.

Das Sächsische Hermelin-Kaninchen (She) erreicht ein Gewicht bis zu 3½ Pfd. In Körperform kommt es dem Hermelin, in Körpergröße dem Holländer nahe. Im Gegensatz zu dem Hermelinkaninchen hat es blaue Augen. Das Fell ist dicht, weich und glänzend, reich an Unterwolle und Grannen. Die Züchter erstreben Typ und Größe des rotäugigen Hermelins. Man hört auch wohl die Unterscheidungen Hermelin-Rotaugen, Hermelin-Blauaugen. Sauberkeit ist vor allen Dingen ausschlaggebend und ist eine Reinigung der Ausstellungstiere nicht zu umgehen. Diese erst kurz vor der Schau vorzunehmen, ist aber auch wiederum nicht ratsam, sonst verliert das Fell den geforderten reifartigen Glanz. Das Fell sei besonders dicht, weich, kurz, weil darauf die höchste Punktzahl, 30, zu erstreiten ist. Dann ist besonders der walzenförmige Körper und das breite typische Froschmaul neben den kurzen Ohren als wichtigste Forderung zu erfüllen. Glanzloses Fell, angeschmutzte Halskrause, spitzer Kopf, langes Ohr entwerten jedes sonst noch so gute Tier vollständig.

Das Angora-Kaninchen (A) mit einem Gewicht von 6-8 Pfd. kommt in den Farben Weiß, Gelb, Grau, Schwarz und Braun vor, ja sogar mit den Abzeichen des Russenkaninchens, auch weiße Tiere mit blauen Augen wurden als Neuheit gezeigt, doch haben weiße Tiere immer den Vorzug und werden auch am meisten ge- züchtet. Das Eigentümliche dieser Rasse ist das lange, weiche und seidenartige Haar, welches leicht und locker auf dem Körper ruhen soll, nicht verfilzt und verknotet sein darf. Sportzüchter haben schon eine Haarlänge von 33 Zentimeter erreicht, doch ist diese Länge zur wirtschaftlichen Verwertung nicht nötig, jedoch schließt kürzeres als 10 Zentimeter langes Haar von der Prämiierung aus. Das Angorakaninchen hat hohen wirtschaftlichen Wert, da das Haar allein oder in Verbindung mit Schafwolle zu dem Angolangewebe verarbeitet wird. Die von der Industrie bevorzugte Länge ist 12-15 Zentimeter. Feinhaarigkeit und absolute Sauberkeit wird gefordert. Leider wird bei uns das Angorakaninchen viel zu wenig gezüchtet, als dass die Webindustrie sich eingehender mit der Verspinnung befassen könnte. Darin ist aber erfreulicherweise in den letzten Jahren ein Umschwung eingetreten; die Angorazüchter mehren sich und ganze Farmen halten nur Angora zur Wollgewinnung. Wer Ausstellungserfolge sehen will, muss Tiere von 7 Pfund Gewicht zeigen, meist sind die Angora leichter. Er bevorzuge Tiere mit Stirn- und Ohrenbüscheln und sehe auch auf eine reiche Wollbildung an den Läufen. Die höchste Anforderung stelle er aber an die Feinheit der Wolle, denn darauf werden 40 Punkte vergeben, und dann an ihre Dichtigkeit, worauf nochmals 20 Punkte zu erstreiten sind.

Das Opossum-Kaninchen (O) ist mittlerer Größe im Gewicht von 5-8 Pfd. mit gedrungener kräftiger Körperform. Zulässige Farben sind: dunkelgrau, eisengrau, chinchillafarbig, blau, blaugrau, fehfarbig, schwarz, gelb und Havannafarbig. Als Haarlänge fordert man etwa 4 Zentimeter. Auch diese Rasse hat leider viel zu früh Anerkennung gefunden, bevor ein Farbenschlag einmal durchgezüchtet in mehreren Exemplaren gezeigt wurde. Erfolg: kein Fortschritt.

In einen ähnlichen Fehler drohten die Züchter des Fuchskaninchen (Fu) hineinzuschlittern. Noch bevor die Rasse bei uns anerkannt war, gab es mehr als ein Dutzend verschiedener Farbenschläge. Einige Einsicht ist indessen hier eingekehrt, da hauptsächlich Silberfuchs, Blaufuchs und Chinchillafuchs bevorzugt werden. Auch hier handelt es sich um ein langhaariges Tier, eine Länge von 5-7 Zentimeter wird gefordert; das Fell soll starken Grannenreichtum mit leichter Unterwolle zeigen. Eine angoraähnliche, seidige Behaarung gilt als schwerer Fehler, ebenso an Angora erinnernde Stirn- und Ohrbüschel. Der Silberfuchs hat blaue Unterfarbe und schwarze Deckfarbe, daneben wird eine klare Silberung gefordert. Der gleicht in der Farbe einem guten Havanna, dazu tritt dann die Silberung, doch darf sie auch fehlen. Die Farbe des Chinchillafuchs entspricht der des Chinchilla.

Andere Farben sind anerkannt in einfarbig Blau, Schwarz, Weiß und Gelbrot. Gerade auf die Einfarbigkeit wird hoher Wert gelegt und nur bei der gelbroten Farbe sind hellere Farbentöne an den Augenringen, Kinnbacken, dem Bauch und der Unterseite der Blume erlaubt.

Das Castorrex-Kaninchen (CRex) ist französischen Ursprungs, doch tauchten gleich nach seinem Erscheinen auch deutsche Kurzhaar auf, die keinerlei französisches Blut führten. Das Gewicht soll 6-8 Pfund betragen und zu seinem Gewicht soll die Größe in entsprechendem Verhältnis stehen. Die meisten Tiere haben einen zu langen Hals und zu große Ohren. Das Biberbraun soll möglichst weit nach den Seiten hinunterreichen und sich bis auf die Blume erstrecken. Die Unterfarbe ist blaugrau. Der Bauch und die Unterseite der Blume sind hell bis weiß. Um das Auge läuft ein heller Ring und um das Kinn eine helle Binde. Die Augeniris ist braun und die Ohrspitzen schwarz umrändert. Alle Rexkaninchen weichen von den Normalhaartieren darin ab, dass das Fell mit einer Granne gezüchtet wird, die entweder mit dem Wollflaum in gleicher Höhe abschneidet, oder ihn nur leicht überragt. An sich ist die Granne auch verfeinert und so in den Haarboden eingebaut, dass sie mehr senkrecht steht. Ein Strich ist daher bei den Rexen nicht vorhanden und ein Zurückspringen der Haare, wenn man etwa von der Blume über den Rücken zum Nacken des Tieres streicht, nicht beliebt. Viele Tiere zeigen dabei ein ganz kurzes Haar, ihre Granne ist degeneriert, zeigt Einschnürungen oder blasig aufgetriebene Stellen. Das ist besonders bei den Tieren der Fall, die rein franz. Blut führen. Die Haltbarkeit solcher Felle muss bezweifelt werden. Um diese zu garantieren, hat man die verschiedensten Rassen eingekreuzt, um den Rex Charakter einerseits, zugleich aber auch eine gesunde Granne zu erhalten. Dabei ist die ursprüngliche Länge des Haares von 12 bis 14 Millimeter auf etwa 22 Millimeter gestiegen. Die dabei neu auftauchenden Farbenschläge gruppiert man um: Weißrex (WRex), die man sowohl mit roten als auch mit blauen Augen hat, je nachdem, welche Langhaarrassen bei ihr Pate gestanden haben.

Chinrex (ChRex). Die Gesamtfarbe des Tieres erscheint als ein leichtes Aschgrau mit blauer Schattierung. Die an der Haarwurzel ansehende Grundfarbe ist dunkelblau und steigt bis etwa zu zwei Drittel der Haarlänge herauf, die Mittelfarbe ist hell bis weißlichgrau; scharfe Abgrenzung ruft ein schönes Farbenspiel her- vor. Die Deckfarbe ist graublau bis blauschwarz. Auf der Mitte des Rückens ist das Fell am dunkelsten schattiert, wird nach den Seiten heller und ist am Bauche oft ganz weiß. In der Größe, da sowohl Klein- als auch Groß-Chinchilla benutzt wurden, ganz unterschiedlich, größere Tiere verdienen aber den Vorzug. Es muss aber Ziel aller Rexzüchter sein, gleich welcher Farbenschlag gehalten wird, auf ein einheitliches Gewicht von etwa 7-8 Pfund und auf eine einheitliche Körperform hinzustreben.

Blaurex (BIRex), Schwarzrex (SchwRex) und Havannarex (HavRex) besagen mit ihrem Namen schon, was man von ihnen für eine Farbe verlangt. Entsprechend dem Gewicht der Stammeltern wünscht man den Blaurex etwa ein Pfund schwerer als seine beiden Vettern. Reinheit der Farben wird bei allen gefordert. Vom Schwarzlohrex (SchwLRex) fordert man neben dem Rexfell die Farbe und Zeichnung des Schwarzlohkaninchens. Damit ist die Reihe der Farbenrexe nicht abgeschlossen, denn nahezu jede bekannte Rasse hat zur Schaffung einer parallelen Rexrasse herhalten müssen. Sie werden nach der Rasse bewertet, aus der sie herausgezüchtet sind; Fell wie beim Castorrex. Trotzdem Marderrexe und Luxrexe nicht als besondere Rasse in den Reichsbewertungsbestimmungen Aufnahme gefunden haben, sind sie doch in den verschiedensten Teilen des Vaterlandes aufgetaucht. Von einer Durchzüchtung kann naturgemäß noch keine Rede sein, doch müssen beide als eine wertvolle Bereicherung der Rexgruppe angesprochen werden. Sie sollen das Farbenspiel der normalhaarigen Rassen mit dem Rex Charakter vereinigen; es muss aber gesagt werden, dass dies eigentlich erst voll in die Erscheinung tritt, wenn die Tiere zwei Jahre alt sind.

Dass vorstehende Rassebeschreibungen nicht Anspruch auf Vollständigkeit haben können, ist selbstverständlich, dazu ist im Kalender zu wenig Raum. Wer sich über diese und jene Rasse genau informieren will, dem empfehle ich, sich Starkes „Praktische Kaninchenzucht“, das beste Buch über Kaninchenzucht, zuzulegen. In diesem sind alle Rassen genau beschrieben. Preis 3,50 Mt. Außerdem geben Dr. Poppes Rasse-Spezialbücher erschöpfende Auskunft über jede einzelne Rasse. Preis eines jeden Buches 90 Pfg. Alle Neuheiten werden in dem Fachblatt „Der Kaninchenzüchter“-Leipzig gleich nach ihrem Auftauchen von den Herauszüchtern selber oder von Fachleuten ausreichend geschildert und gewürdigt.

Jeder lese diese im Verlage von Dr. F. Poppe seit 38 Jahren erscheinende Wochenschrift. Wer sich über die Bewertung der einzelnen Rassen ein genaues Bild machen will, dem empfehle ich, sich die Reichsbewertungsbestimmungen für die Beurteilung der Kaninchen zum Preise von 50 Pfg. zuzulegen. Alle diese Bücher können vom Verlag des Kaninchenzüchter"-Leipzig, Verlag Dr. F. Poppe, Leipzig C 1, Grenzstraße 21, bezogen werden.

Bernhard Pickert
Anmerkungen und redaktionelle EinordnungBernhard PickertRedaktioneller Zusatz zum historischen Originaltext

redaktioneller Zusatz

Rezension

Unsere Kaninchenrassen

Wahl’s Taschenkalender 1935

(Zitate aus dem Dokument sind jeweils markiert.)

Der Artikel, bei dem kein Verfasser benannt wurde aber zu vermuten ist dass er aus der Feder von Friedrich Joppich stammt, bietet einen kompakten, aber erstaunlich detailreichen Überblick über den damaligen Rassenstand der 1930er Jahre. Besonders auffällig ist die starke Gewichtung wirtschaftlicher Nutzung (Fell, Fleisch), die Betonung der Unterfarbe sowie die strenge Bewertung von Zeichnungsfehlern. Viele heute etablierte Standards sind hier bereits klar erkennbar, andere wirken aus heutiger Sicht historisch überholt oder regional geprägt (z. B. Honnefer Riesenfeh, Düsseldorfer Perlfeh).

Im Folgenden sind alle im Dokument erwähnten Rassen sowie sämtliche genannten Farbenschläge, gemäß der Quelle extrahiert.

Alle Rassen & ihre im Text erwähnten Farbenschläge

1. Belgisches Riesenkaninchen (BR)

Farbenschläge laut Text:

  • hellgrau
  • hasengrau
  • dunkelgrau
  • eisengrau („vom Fellhandel gesucht“)

Zitat: „Die Farben hell-, hasen- und dunkelgrau sind vorherrschend … seltener … eisengraue Tiere…“

2. Weißer Riese (WR)

  • reinweiß

3. Andersfarbige Riesen

Genannt werden:

  • Blau (Blauer Riese)
  • Schwarz
  • Chinchillafarbig
  • Fehfarbig („Honnefer Riesenfeh“)

4. Deutsche Riesenschecke (DRSch)

  • Schwarz-weiß
  • Blau-weiß

5. Deutsches Landkaninchen (DL)

  • schwarz-weiß (nur dieser Farbenschlag zugelassen)

6. Deutscher Widder (DW)

Farbenschläge:

  • hellgrau
  • hasengrau
  • dunkelgrau
  • Scheckenzeichnung (mehrfarbig)
  • reinweiß
  • „alle anderen reinen Farbenschläge“

7. Englischer Widder (EW)

Farbenschläge:

  • gelb
  • gelbscheckig
  • schildkrotfarbig
  • madagaskarfarbig
  • „fast alle Säugetierfarben“

8. Meißner Widder (MW)

  • alle Farbenschläge der Kleinsilber (Schwarzsilber, Blauschläge, Braunschläge, Gelbschläge)

9. Französisches Silber (FS)

  • verschiedene Schattierungen, besonders:
  • hellsilber („weiteste Verbreitung“)

10. Deutsches Großsilber (DGS)

Farbenschläge:

  • schwarzsilber
  • blausilber
  • graues Silber
  • braunes Silber
  • havannabraunes Silber
  • lohfarbenes Silber
  • gelbes Silber
  • Lohsilber (eigene Bewertungsvorschriften)

11. Großchinchilla (GrChin)

12. Kleinchinchilla (KlChin)

  • keine Farbenschläge, da standardisiert
  • Beschreibung der Chinchillafarbe

13. Blauer Wiener (BlW / BIW)

  • dunkelblau
  • taubenblau

14. Weißer Wiener (WW)

  • reinweiß
  • Erwähnung weiterer WienerFarben:
  • Gelber Wiener
  • Schwarzer Wiener
  • (grauer Wiener – historisch „verschwunden“)

15. Fehkaninchen (F)

Zuchtrichtungen / Farbvarianten:

  • Großfeh
  • Marburger Feh (hellgraublau)
  • Augsburger Feh (hell- bis blaugrau mit graubraunen Spitzen)
  • Düsseldorfer Feh (helle, mittlere, dunkle Tönungen; weißer Bauch zulässig)
  • Düsseldorfer Perlfeh (eigene Bewertung)

16. Japanerkaninchen (J)

  • gelbschwarz
  • schmutzigweiß (keine reinweißen Abzeichen)

17. Rheinische Schecke (RhSch)

  • dreifarbig: schwarz–gelb–weiß („je intensiver das Schwarz und je leuchtender das Gelb…“)

18. Hasenkaninchen (Ha)

  • fuchsfarbig
  • feuergoldfarbig
  • lohfarbiger Bauch
  • schwarze Ohrenspitzen

19. Havanna (Hav)

  • dunkelbraun („kastanienbraune Decke“)

20. Alaska (Al)

  • lackschwarz
  • mit blauer Unterfarbe
  • vereinzelte weiße Stichelhaare zulässig

21. Thüringer (Th)

  • gelb–rot Grundfarbe
  • dunkle bis schwarze Decke
  • rußfarbene Maske und Ohren
  • bläulichschwarzer Seitenstreifen

22. Marderkaninchen (M)

  • keine festen Farbenschläge, aber typische marderfarbige Schattierung
  • Hinweis auf RussenEinkreuzung

23. Luxkaninchen (L)

  • hellsilberblau
  • braunrote Übergangszone
  • weißer Bauch

24. Englische Schecke (ESch)

  • „in allen reinen Farben zugelassen“

25. Kleinsilber (S)

Farbenschläge:

  • Schwarzsilber
  • Blausilber
  • Braunsilber
  • Gelbsilber
  • Havannasilber (Holland)
  • jeweils in: dunkel / mittel / hell

26. Holländer (H)

Zeichnungsfarben:

  • schwarz
  • blau
  • grau
  • eisengrau
  • gelb
  • chinchillafarbig
  • havannafarbig
  • madagaskarfarbig
  • japanerfarbig
  • „alle reinen Farben“

27. Schwarzloh (SchwL)

  • schwarz mit lohfarbigen Abzeichen

28. Blauloh (BlL)

  • blau mit lohfarbigen Abzeichen

29. Braunloh

  • braun mit lohfarbigen Abzeichen

30. Russenkaninchen (R)

  • weiß mit schwarzen Abzeichen (Maske, Ohren, Läufe, Blume)

31. Hermelin (He)

  • reinweiß
  • rotäugig

32. Sächsisches Hermelin (She)

  • reinweiß
  • blauäugig

33. Angora (A)

Farbenschläge:

  • weiß
  • gelb
  • grau
  • schwarz
  • braun
  • Russenzeichnung
  • weiß-blauäugig („als Neuheit gezeigt“)

Fazit

Der Text ist ein wertvolles Zeitdokument der Kaninchenzucht der 1930er Jahre. Er zeigt:

  • eine starke Orientierung an Fellwirtschaft und Nutzwert,
  • eine breite Vielfalt an Farbenschlägen, von denen einige heute verschwunden oder selten sind,
  • eine präzise, teils strenge Bewertungssystematik, besonders bei Zeichnungsrassen,
  • regionale Besonderheiten (Honnefer Riesenfeh, Düsseldorfer Perlfeh),
  • frühe Formen moderner Rassenstandards.

tallarische Aufstellung siehe folgende Seite

→

KANINCHENRASSEN 1935
Übersicht gemäß Wahl’s Taschenkalender
Gesamt: 33 Rassen ·

103 dokumentierte Farbenschläge
RIESENRASSEN
1 Belgischer Riese (4 Farbenschläge)
2 Weißer Riese (1)
3 Andersfarbige Riesen (4)
4 Deutsche Riesenschecke (2)
5 Deutsches Landkaninchen (1)
 
WIDDERKANINCHEN
6 Deutscher Widder (6)
7 Englischer Widder (5+)
8 Meißner Widder (4)
 
SILBER- UND CHINCHILLA
9 Französisches Silber (1+)
10 Deutsches Großsilber (8)
11 Großchinchilla (1)
12 Kleinchinchilla (1)
25 Kleinsilber (7)
 
WIENER-RASSEN
13 Blauer Wiener (2)
14 Weißer Wiener (3)
 
FEH- UND LUXTYPEN
15 Fehkaninchen (5)
23 Luxkaninchen (1)
 
ZEICHNUNGS- UND BUNTRASSEN
16 Japanerkaninchen (2)
17 Rheinische Schecke (3)
24 Englische Schecke (1+)
26 Holländer (10)
 
FARB- UND NUTZRASSEN
18 Hasenkaninchen (4)
19 Havanna (1)
20 Alaska (1)
21 Thüringer (4)
22 Marderkaninchen (1)
 
LOH- bzw. TAN-RASSEN
27 Schwarzloh (1)
28 Blauloh (1)
29 Braunloh (1)
 
ALBINOTYPEN
30 Russenkaninchen (1)
31 Hermelin (1)
32 Sächsisches Hermelin (1)
 
LANGHAARRASSEN
33 Angora (7)
Transparenz

Hinweis zur redaktionellen Aufbereitung

Kontrollierter ENZYK-Quellenimport. Historischer Haupttext, Quellenbilder und redaktionelle Zusätze wurden automatisiert aus dem Fachreihenarchiv übernommen. Vor Veröffentlichung redaktionell prüfen.

Quellennachweis

Historisches Original

Unsere Kaninchenrassen. Wahls Taschenkalender 1934 – Original/PDF

Der Scan bzw. das Originaldokument ist als Nachweis zum Fachartikel hinterlegt.

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