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Das Wiederaufbauen der Kaninchenzucht in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg – Kurzfassung –

Einleitung

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands im Jahr 1945 war das Land in Trümmern. Die Siegermächte teilten das deutsche Territorium in verschiedene Besatzungszonen auf, was erhebliche Einschränkungen im Reiseverkehr und im Austausch von Gütern zur Folge hatte. In dieser schwierigen Zeit galt es für die deutschen Kaninchenzüchter, ihre Aktivitäten wiederaufzunehmen und eine neue Organisation zu schaffen.

Die Herausforderungen in der Nachkriegszeit

Die Nachkriegsjahre waren geprägt von Hunger, Mangel an Wohnraum und strengen Reglementierungen durch die Militärregierungen. Dennoch gelang es den Kaninchenzüchtern, ihre Vereine wiederzugründen und den Betrieb langsam wieder aufzunehmen. Das Kaninchen erwies sich als wahrer Nothelfer, da es auf engem Raum Fleisch produzieren konnte und somit zur Linderung des Hungers beitrug.

Wiederbelebung der organisierten Kaninchenzucht

Schon 1946 erschienen wieder Fachzeitschriften, die sich mit Themen wie Fütterung und Bewertung von Kaninchen befassten. Besonders beliebt waren die Angorakaninchen, deren Wolle ein begehrtes Zahlungsmittel darstellte. Die Zeitschriften mahnten jedoch, die Tiere nicht auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen, sondern solidarisch zu handeln.

Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Die politische Teilung Deutschlands in Besatzungszonen zeigte sich auch in der organisierten Kaninchenzucht. Während im Westen die Landesverbände und der Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter (ZDK) wiedererstanden, gab es in der Sowjetischen Besatzungszone eigene Genossenschaften und Vereine. Ein Austausch von Tieren zwischen Ost und West war zunächst noch nicht möglich.

Standardisierung der Bewertung und Kennzeichnung

Ein wichtiges Thema war die Vereinheitlichung der Bewertungsbestimmungen für Kaninchen. In Tagungen der Landesverbände und des ZDK einigte man sich auf vier oder fünf Bewertungspositionen und die Vergabe von Prädikaten anstelle einer reinen Punktebewertung. Auch die Kennzeichnung der Tiere durch Tätowierung wurde geregelt.

Wiederaufnahme der Herdbucharbeit

Bereits 1947 nahmen die Herdbuchobmänner ihre Arbeit wieder auf. Tagungen in den verschiedenen Landesverbänden dienten dem Austausch und der Koordination der Herdbuchführung. Dabei wurde auch die Frage diskutiert, ob Züchter Mitglied in mehreren Landesverbänden sein dürfen.

Gründung des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter (ZDK)

Am 19. und 20. Juni 1948 fand in Northeim die Gründungstagung des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter (ZDK) statt. Hier wurde erstmals ein Gesamtvorstand gewählt und wichtige organisatorische Fragen geklärt, wie die Mitgliedschaft in Spezialclubs oder die Kennzeichnung von Jungtieren.

Schlussbetrachtung

Trotz der widrigen Umstände in der Nachkriegszeit gelang es den engagierten Kaninchenzüchtern, die organisierte Zucht in Westdeutschland schnell wiederzubeleben. Die Gründung des ZDK war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer einheitlichen Struktur. Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland blieben jedoch zunächst bestehen. Die Züchter mussten in dieser Zeit Durchhaltevermögen, Kreativität und Solidarität beweisen, um ihre Passion für die Kaninchenzucht aufrechtzuerhalten.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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