Die Bewertungen der Angorakaninchen durch die Preisrichter waren keine geeignete Methode, den Wollertrag der Kaninchen zu steigern und so wurde schon sehr früh nach Möglichkeiten gesucht, zu besseren Ergebnissen zu kommen. Die Angorazüchter wollten nicht nur Ausstellungsbeschicker sein, sondern eine echte züchterische Leistung vollbringen und so hat man schnell erkannt, dass eine scharfe Auslese der Zuchttiere die Wollerträge verbessern konnte.
Diese züchterischen Bestrebungen führten vor etwa 50 Jahren zur Gründung der Vorläufer unserer heutigen Angora-Leistungs-Prüfung (ALP). Bereits 1932 hat sich Dr. Tänzer vom Institut für Kleintierzucht der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg mit diesem Problem befasst und im Jahr 1933 im „Kaninchenzüchter“ 8 Punkte für Leistungsprüfungen der Angorakaninchen vorgeschlagen.
1934 begann in Kiel-Steenbek Prof. Dr. Fangauf mit den Leistungsprüfungen für Angorakaninchen. Im August 1935 begann dann auch die erste Leistungsprüfung in Halle. Die in diesen ersten Prüfungen gemachten Erfahrungen führten schon 1938 zu den einheitlichen „Richtlinien für Leistungsprüfungen der Angorakaninchen“. Diese Richtlinien wurden im Laufe der Jahre immer wieder neu gefasst und dem Zuchtstand der Angorakaninchen angepasst.
Ein Vergleich
Hochinteressant ist es, einmal die Jahreswollergebnisse der Angora im Laufe der Jahre zu vergleichen:
1924 erbrachte nach Burkhard ein Angorakaninchen etwa 200 Gramm Wolle jährlich.
1932 erbrachten englische „Rekordtiere“ nach Tänze 300 bis 400 Gramm Wolle.
1935/36 wurden bei der ersten Prüfung in Halle bei den Rammlern 330 Gramm und bei den Häsinnen 422 Gramm Wolle im Durchschnitt festgestellt. In dieser Prüfung erbrachte der beste Rammler 395 Gramm und die beste Häsin 512 Gramm.
1959 wurden in der gleichen Prüfungsanstalt in Halle bei etwa 13% der Häsinnen ein Jahreswollertrag (JWE) von über 700 Gramm und über 60% der Häsinnen über 600 Gramm JWE festgestellt. Bei den Rammlern wurden bei etwa 7% ein JWE von 650 Gramm festgestellt.
Seit Einführung der Richtlinien 1938 wurde der Wollertrag bis 1959 in etwa verdoppelt. Dies war ein stolzer Erfolg, wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit noch die Wirren des zweiten Weltkrieges zu überwinden waren.
1962 wurde von der Prüfungsanstalt Halle gemeldet, dass bereits 36% der Rammler über 700 Gramm JWE erbrachten. Die Häsinnen konnten mit etwa 24% schon über 800 Gramm JWE vorweisen. Der beste Rammler brachte in Halle 1962 einen JWE von 868 Gramm und die beste Häsin 957 Gramm. Die Durchschnittsleistungen lagen bei 691 und 762 Gramm.
Vergleicht man die Ergebnisse von 1934 und 1962, so stellen wir fest, dass die Wollproduktion der Angorakaninchen sich um das Dreifache in etwa 30 Jahren verbessert hat.
Dr. G. Schwenkenbecher, Unna, berichtete 1982 im „Deutschen Kleintier-Züchter“ über die „Entwicklung und Bedeutung der deutschen Angorazucht“. Aus dieser ausgezeichneten Arbeit möchte ich nur einige Daten hier wiederholen. Dr. Schwenkenbecher hat seinen Bericht in vier Perioden unterteilt, weil in jeder dieser Zeiträume nach anderen Methoden und Bestimmungen die Leistungen der Angorakaninchen ermittelt wurden.
1. Periode von 1938 bis 1945
In diesen Jahren wurden bei den Rammlern Durchschnittsleistungen von 317 bis 403 Gramm JWE und Höchstleistungen von 396 bis 546 Gramm JWE ermittelt.
2. Periode von 1945 bis 1955
Die Rammler erbrachten in diesen Jahren Durchschnittsleistungen von 397 bis 481 Gramm und Höchstleistungen von 488 bis 596 Gramm JWE. In dieser Zeit hatten die Häsinnen Durchschnittsleistungen von 425 bis 546 Gramm JWE und Höchstleistungen von 542 bis 656 Gramm JWE erbracht.
3. Periode von 1956 bis 1971
Bei den Rammlern wurden in diesem Abschnitt 776 Gramm JWE und bei den Häsinnen 820 Gramm im Durchschnitt ermittelt. Die Höchstleistung lag in dieser Zeit bei den Rammlern mit 1187 Gramm und 1504 Gramm bei den Häsinnen. Erstmals wurde in diesem Zeitraum von einem Angorakaninchen über 1500 Gramm Wolle pro Jahr erzeugt.
4. Periode von 1972 bis 1981
Die Durchschnittsleistungen bei den Rammlern betrug in dieser Zeit 816 bis 1052 Gramm JWE und bei den Häsinnen 944 bis 1214 Gramm JWE. Als Höchstleistung wurden bei den Rammlern 1768 Gramm und bei den Häsinnen 1772 Gramm JWE ermittelt.
Dies sind Steigerungsraten, wie sie m. W. in keiner anderen Tierart in dieser Zeit erreicht wurden. Wie muss sich wohl ein Angorakaninchen von 1924 mit einem Jahresertrag von 200 Gramm gegen die heutigen Spitzentiere mit 1500 oder sogar 1700 Gramm Jahresertrag vergleichen lassen? Aber nicht nur der Wollertrag wurde stark gesteigert, auch die Körperformen werden in den letzten Jahren immer besser.
Die amtlichen Leistungsprüfungen haben an diesen Steigerungen einen sehr hohen Anteil und wir sind zuversichtlich, dass uns diese Anstalten auch in Zukunft noch tatkräftig unterstützen werden.






