Von Dipl.-Ing. Adolf Rudolph
In „Das Blaue Jahrbuch“ 1987
Der Verbrauch Auf dem letzten wissenschaftlichen Kongreß zur Kaninchenproduktion im Jahr 1984 in Rom wurde seitens der FAO (Organisation der Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft) mitgeteilt, dass dem Kaninchen im Rahmen der künftigen Ernährungsgrundlagen eine zunehmende Bedeutung zukommt. Von dort wird der künftige Verzehr an Kaninchenfleisch auf 30 % des Gesamtfleischverbrauches eingeschätzt. Dieser hohe Prozentsatz mag zwar für den europäischen Raum zu hoch erscheinen, weniger dagegen für die Entwicklungsländer. Während bei uns eine Produktion nur unter intensiven Bedingungen wirtschaftlich vertretbar ist, kann bei den Entwicklungsländern von extensiven Produktionsvoraussetzungen ausgegangen werden. Zudem bietet das Hauskaninchen noch den Vorteil, kein Nahrungskonkurrrent des Menschen zu sein. Der Schlachtkörper erfordert wegen der familiengerechten Portionierung keine Vorratshaltung. Das Kaninchen hat die höchste Vermehrungsrate aller Haussäugetiere bei sehr kurzem Generationsintervall. In der Rinder- bzw. Schaffleischproduktion wird jährlich etwa nur das 0,6- bis 0,8fache des Muttergewichtes an Nachwuchs produziert, während das Kaninchen das 20- bis 30fache des Muttergewichts produzieren kann. Es genügt deshalb auch ein relativ kleiner Zuchttierbestand, um die Fleischversorgung auch in Trockenzeiten zu sichern. Letztendlich sind keine religiösen Verzehr- Barrieren vorhanden, wie sie bei Schweinen und Rindern anzutreffen sind. Bei der Produktion in den Entwicklungsländern geht es in erster Linie um die Gewinnung von tierischem Eiweiß aus für den Menschen nicht nutzbaren Futtermitteln.
In den Industrieländern ist das Kaninchen mehr als Delikatesse bzw. Diätfleisch einzuordnen. Die geänderten Lebensgewohnheiten erlauben eine weitgehende Empfehlung des Kaninchenfleisches als Beitrag zur modernen, leistungsgerechten Ernährung.
Der durchschnittliche Eiweißgehalt des von Natur aus weißen Kaninchenfleisches wird in der Literatur allgemein mit ca. 20 % angegeben; er liegt damit auf dem gleichen Niveau wie andere traditionelle Weißfleischarten. Zudem soll Kaninchenfleisch einen niedrigen Gehalt an Cholesterin und Kochsalz aufweisen. Trotz dieser bekannten Vorzüge hat sich Kaninchenfleisch bei uns noch nicht so einbürgern können wie in Frankreich. Liegt dort der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei ca. 6 kg, so beträgt er in Deutschland nur 0,5 kg.
Frankreich gilt nach wie vor als traditionelles Feinschmeckerland, und daher dürften sich sicherlich auch die hohen Verbrauchsmengen erklären lassen. Allein 2 100 Schlachtereien sor gen dort für die Vermarktung der Tiere. Eine wichtige Voraussetzung für die intensive Produktion auf breiterer Basis, die bei uns noch nicht annähernd gegeben ist.
Trotz der bekannten Möglichkeiten und Vorteile kann in der Bundesrepublik von einer wirtschaftlich orientierten Kaninchenproduktion in nennenswertem Umfang bisher noch keine Rede sein. Sie bietet allerdings die Chance, einer Reihe von interessierten Betrieben durch die Nutzung dieser Marktnische zu einer interessanten Rendite zu verhelfen.
Nicht jede Rasse eignet sich für die wirtschaftliche Produktion von Jungkaninchen. Erhebliche Leistungsunterschiede innerhalb der Rassen lassen auch keine konkrete Empfehlung zu. Der Einsatz von Hybridkaninchen steht im Wettbewerb mit dem Einsatz der Kreuzungszucht. Der Einsatz von Hybriden setzt Ver- trauen in den Vermehrungsbetrieb voraus. Es bleibt daher auch zu berücksichtigen, dass die Elterntiere immer wieder zugekauft werden müssen. Diese Tatsache belastet die vorbehaltlose Empfehlung von Hybriden, da die Elterntiere nur zu dem Abgabepreis eingesetzt werden können, die dem Herstellungspreis eigener Zuchttiere für die Kreuzungszucht entspricht. Werden die Elterntiere teuer eingekauft, so müssen sie dieses Manko durch eine höhere Rentabilität wieder ausgleichen. Die Bedenken aus hygienischer Sicht gegen das ständige Einbringen stallfremder Tiere sollen nicht unerwähnt bleiben. Folgende mittelgroße Rassen haben sich als Reinzucht bei entsprechender Selektion zur Produktion von Jungmastkaninchen besonders bewährt: Weiße Neuseeländer
Helle Großsilber
Kalifornier
Nach Möglichkeit sollte für die Produktion von Jungmastkaninchen nur albinotisches Tiermaterial verwendet werden, da die anfallenden Felle dann eine einheitlich weiße Farbe aufweisen und für die Filzindustrie zur Herstellung hochwertiger Hutfilze gern aufgekauft werden (ca. 0,10-0,20 DM/getrocknetes Fell).
Für die Kreuzungszucht haben sich folgende 3 albinotische Rassen bewährt:
Deutsche Riesen, weiß
Weiß-Rex, Rotaugen
Weiße Neuseeländer
Zuchtschema: V: Deutscher Riese, weiß, M: Weiß-Rex = F1 F1
Weiße Neuseeländer = Masttier F2
Der Bestand für die Produktion der F1-Tiere muss niedrig gehalten werden, da beide Rassen nur bedingt auf Drahtrosten gehalten werden können. Allerdings setzt die Kreuzungszucht auch eine genaue Zuchtplanung für die Kombinationseignung der Zuchtlinien voraus. Die jeweiligen Ausgangstiere müssen in Reinzucht gehalten werden. Durch diese Reinzucht, d. h. es werden immer nur Tiere der gleichen Rasse miteinander verpaart, wird die erbliche Streubreite (genetische Variabilität) reduziert. Im Zuchtbetrieb haben sich 3 Methoden durchgesetzt:
a) Permanente Zuchtverwendung: Hierbei wird die Häsin 24 Stunden nach dem Wurfakt erneut belegt. Die Jungtiere verbleiben ca. 3 Wochen bei der Häsin und werden dann in eine separate Mastabteilung umgesetzt.
b) Die Häsin wird 14 Tage nach dem Wurf erneut belegt. Dabei säugt die Häsin noch bis zur Hälfte der Trächtigkeit, also 4 Wochen
c) Extensive Jungtierproduktion: Hierbei wird eine Säugezeit von 6 Wochen einkalkuliert. Die Häsin wird frühestens 14 Tage nach dem Absetzen erneut belegt. Dieses Verfahren eignet sich allerdings nicht für die wirtschaftliche Jungkaninchenerzeugung, sondern eher für die Kaninchenproduktion zur Selbstversorgung bzw. für die Rassekaninchenzucht.
Bei der ersten Zulassung ist ein Alter der Zuchthäsin von 3-4 Monaten anzustreben. Das Gewicht der Häsin beträgt dann mindestens 3,5 kg. Bei dem Einsatz von Hybridkaninchen ist die Häsin bei der Erstzulassung allerdings etwas leichter. Das geringere Gewicht der Häsin wird im Hinblick auf die Nachzucht durch den Einsatz von etwas schwereren Zuchtrammlern aufgewogen. Zum Belegen wird die Häsin dem Rammler zugeführt. Für die Erstlingshäsin ist möglichst ein Altrammler einzusetzen.
Die Zuchtrammler wiegen beim ersten Einsatz in der Kreuzungszucht ca. 4 kg und bei Hybridkaninchen ca. 3,5 kg. Beim Ersteinsatz ist besonderer Wert auf die Auswahl der Häsin zu legen. Sie darf keinesfalls aggressiv sein, da sonst der Rammler beim späteren Zuchteinsatz leicht schreckhaft wird und evtl. gar nicht mehr eingesetzt werden kann. Für 10 Häsinnen wird 1 Rammler gerechnet. Der Zuchteinsatz des Rammlers sollte in einem normalen Betrieb alle 2 Tage erfolgen. Bei der Extensivhaltung ist darauf zu achten, dass keine zu hohen Temperaturen herrschen. Bei einer Temperatur von 29 °C ist der Rammler unfähig, befruchtungsfähiges Sperma abzugeben. Ein Eisprung der Häsin ist bei Temperaturen unter 0 °C fast unmöglich.
Zwar hat das Kaninchen keine periodische Brunst. Der Eisprung wird normalerweise durch den Deckakt ausgelöst. Es wird allerdings ein Ansteigen der Paarungsbereitschaft bei den Häsinnen in einem Rhythmus von ca. 21 Tagen beobachtet.
Die eigentliche Befruchtung des Eies erfolgt etwa 14 Stunden nach dem Deckakt. Dabei dauert es 10 Stunden, bis sich nach dem Deckakt die reifen Eier vom Eierstock lösen und weitere 4 Stunden, ehe eine Befruchtung erfolgen kann.
Produktionsbetrieb
Die geplante Stallgröße ist wesentlich für den Gesamtumfang der Produktion. Folgende Grunddaten sind daher als Vorgabe zu beachten. Für eine Häsin mit Jungtieren ist ein Luftvolumen von mindestens 2 m³ anzustreben. Für die Mastkaninchen werden dagegen nur 0,25 m³ je kg Lebendgewicht gefordert. Die Einhaltung dieses Mindestluftvolumens ist für die Luftführung und auch für die Tiergesundheit wesentlich. Eine weitere Grundzahl ergibt sich aus dem Käfigbedarf je Häsin. Bei durchschnittlich 6 Würfen je Häsin und Jahr werden je Zuchthäsin 1,8 bis 2 Käfige zusätzlich benötigt. Dies bedeutet bei einer durchschnittlichen Käfiggröße von 0,60 m x 0,60 m einen Platzbedarf von 1,08 m² je Häsin. In dieser Bedarfsrechnung ist der 0,80 m breite Versorgungsgang noch nicht berücksichtigt. Die Erhöhung der Wurfzahl bedingt auch eine Erhöhung der Käfigzahl. Die Planung sollte daher je Häsinnenplatz drei zusätzliche Absetzgehege vorsehen. Für den Platzbedarf wurde ein Minimalwert von 650 cm² je Kaninchen (3 kg Lebendgewicht) im Absetzgehege ermittelt.
Kaninchen stellen hohe Ansprüche an die Klimatisierung des Stalles. Die DIN 18910 enthält keine Angaben für Kaninchen. Trotzdem haben sich in der Praxis einige Erfahrungswerte ergeben, die es dem unbedingt hinzuzuziehenden Klimatechniker möglich machen, die Grundvoraussetzung für eine wirtschaftliche Kaninchenproduktion, nämlich ausreichende Klimatisierung, zu schaffen.
Stallklima
Für den Sommer- und Winterbetrieb sind getrennte Lüftungssysteme empfehlenswert. Für den Sommerbetrieb ist eine Unterdruckbelüftung und für den Winter eine Gleichdruckbelüftung erforderlich. Im Winterbetrieb soll der Luftaustausch 0,5 m³ pro Stunde und kg Lebendgewicht und im Sommer 5 bis 8 m³ je kg Lebendgewicht betragen. Die niedrige Austauschrate im Winter wird zwangsläufig durch die gewünschte Stalltemperatur begründet.
Das Kaninchen fühlt sich bei 10 bis 26 °C am wohlsten. Als Mittelwert sind bei erwachsenen Tieren 14 bis 16 °C und bei der Mast 20 °C anzustreben. Dabei sollte eine Luftgeschwindigkeit von 0,10 m pro Sekunde nicht überschritten werden. Wesentlich ist der Ammoniakgehalt der Stalluft, der nicht über 15 pp/m³ ansteigen sollte. Die optimale Luftfeuchtigkeit beträgt 65 %; sie muss möglichst konstant gehalten werden.
Die relativ geringe Wärmeabgabe von ca. 4 Watt je kg Lebendgewicht erfordert fast immer eine Heizung. Vorteilhaft haben sich dabei Niedertemperaturstrahlungsheizer mit einer Warmwasservorlauftemperatur von 50 bis 60 °C erwiesen. Gasstrahler belasten durch den Schadgasanteil das Stallklima zusätzlich und sollten daher in Produktionsbetrieben nicht eingesetzt werden.
Eine gezielte Stallentlüftung bedingt auch dichte Gebäude. Der Güllekeller ist über einen Geruchsverschluss (Siphon) geruchsdicht von dem Stallraum zu trennen. Die zum Einsatz kommenden Ventilatoren sollten aus Gründen der Geräuschminderung sechs- polig sein. Die notwendige Wärmezufuhr erfordert aus Kostengründen eine beste Wärmedämmung. Folgende Werte werden empfohlen:
Decke K 0,35 Watt/grd/m²
Wand K 0,45 Watt/grd/m²
Türen K 0,60 Watt/grd/m²
Fenster K 2,50 Watt/grd/m²
Beleuchtung
Das Kaninchen ist ein Dämmerungstier, das keine starke Ausleuchtung des Stalles beansprucht. Für die Zuchttiere einschließlich der Jungtiere bis zum Absetzalter werden 4 Watt/m² oder 48 Lux gefordert. Für die Mastkaninchen kann dieser Wert auf 1 Watt/m² bzw. 12 Lux unterschritten werden. Wichtig ist nur eine 98 gleichmäßige Ausleuchtung, am besten mittels Glühlampen, und eine Beleuchtungsdauer von 14 bis 16 Stunden bei den Zuchttieren und ca. 12 Stunden bei den Masttieren. Aus Gründen des Stallklimas und der Wärmedämmung sollte möglichst auf Fenster verzichtet werden.
Käfige
In der Intensivkaninchenproduktion werden die Tiere fast ausschließlich auf Drahtgitterböden gehalten. Ohne diese Haltungsform lassen sich die hygienischen und arbeitswirtschaftlichen Forderungen nicht erfüllen. Entsprechendes Käfigmaterial wird von einschlägigen Firmen angeboten. Aus Kostengründen ist allerdings auch der Selbstbau durchaus sinnvoll, zumal er relativ leicht und einfach durchgeführt werden kann. Hierzu kann man Drahtgitter der Maschenweite 19 mm × 19 mm mit einer Drahtstärke von 1,45 mm und mehr erhalten. Obwohl von einer Reihe von Farmen positive Erfahrungen mit den vorgenannten Abmessungen vorliegen, sollte für den Boden ein anderes Drahtgitter genommen werden (Maschenweite 14 mm × 76 mm mit einer Drahtstärke von ca. 2,5 mm und mehr). Die Maße der käuflichen Käfige schwanken zum Teil erheblich. Für den Selbstbau ergibt sich die Größe durch die Breite des notwendigen Drahtgitters. Die Maße betragen dabei 60,8 cm × 60,8 cm bei einer Höhe von 30,4 cm. Die Käfige können ein- oder mehretagig aufgebaut werden. Grundsätzlich ist der einetagige Aufbau (Flatdeck) anzustreben, denn er bietet nicht nur bei der Stallklimatisierung Vorteile, sondern erleichtert auch die Betreuung und die Ausleuchtung.
Trächtigkeitsfeststellung
Für den Kaninchenzüchter, gleich welcher Richtung, ist die Fähigkeit, bei der Häsin eine Trächtigkeit rechtzeitig festzustellen, wesentlich für den Erfolg. Experten können bereits 10 Tage nach dem Deckakt die etwa erbsengroßen Embryonen fühlen. Um die notwendige Sicherheit dabei zu erlangen, beginnt man mit dem Abfühlen der Häsin etwa am 28. Trächtigkeitstag und geht mit zunehmender Übung bis etwa auf den 10. Tag zurück. Durch kontinuierliches Training erlangt man die notwendige Fingerfertigkeit für die „Palpation“. Die normale Trächtigkeit der Häsin beträgt 31 Tage. Anhand entsprechender Karteiführung wird der Wurftermin vorkalkuliert. Etwa 1 Woche vor diesem Termin wird der Nistkasten an den Käfig angebracht bzw. der vorhandene Nistkasten geöffnet. Falls kein Rauhfutter gefüttert wird, muss der Häsin jetzt entsprechen- des Nestbaumaterial gereicht werden. Die Jungen werden nackt und blind geboren. Unmittelbar nach dem beobachteten Wurf ist die Nestkontrolle durchzuführen. 100 Kranke und tote Jungtiere werden entfernt und überzählige Jungtiere anderen Häsinnen untergelegt. Die Wurfstärke wird in der Karteikarte der Häsin festgehalten. Wichtig ist die Kontrolle der Tränkanlage, da die Häsin durch die Milchabgabe hohe Flüssigkeitsverluste hat. Der ideale Wurf umfasst 8 Jungtiere. Während der Säugezeit, die je nach Betriebsführung unterschiedlich ist, muss der Ernährungszustand der Jungkaninchen laufend kontrolliert werden. Das Absetzgewicht der Jungtiere beträgt nach 3 Wochen ca. 80 g pro Stück. Es bedeutet für die Jungtiere einen erheblichen Stress, wenn sie vom Muttertier abgesetzt werden. Ideal ist deshalb, die Jungtiere noch weitere 2 Wochen gemeinsam im Wurfkäfig zu halten, ehe sie dann in die Mastkäfige umgesetzt werden. Mit einem Alter von 12-16 Wochen und einem Mindestgewicht von 2,5 kg erfolgt dann die Schlachtung der Tiere.
Nistkästen
Zum Wohlbefinden der Jungkaninchen ist eine relativ hohe Nesttemperatur notwendig. In den ersten drei Lebenswochen sinkt der Wärmebedarf von 35 °C auf 30 °C im Nistkasten. Um die gewünschte hohe Nesttemperatur zu erhalten, ist ein Nistkasten mit hoher Isolation erforderlich. Hartschaum hat sich hierfür sehr gut bewährt, ist aber teuer. Gehobelte Bretter mit einer Materialstärke von 2,5 cm eignen sich gleichfalls und können vor allem selbst leicht verarbeitet werden. Der Nistkasten sollte eine Mindestgröße von etwa 35 x 35 x 35 cm haben. Für die Häsin ist ein Schlupfloch von ca. 16 x 16 cm vorgesehen. Dieser Einschlupf wird an einer Seite des Nistkastens in der oberen Hälfte angebracht. Wichtig ist, dass der Einschlupf 15 cm unterhalb des Käfigbodens liegt. Die Häsin muss beim Verlassen des außen am Käfig angehängten Kastens nach oben in den Käfig abspringen. Dabei werden evtl. noch am Gesäuge festsitzende Jungkaninchen in den Nistkasten abgestreift.
Wasserversorgung
Die Wasserversorgung ist durch die aus der Geflügelhaltung bekannten Nippeltränken einfach. Damit die Jungkaninchen und auch die Alttiere den Wasserbedarf decken können, sind die Nippel in einer Höhe von ca. 17 cm über dem Käfigboden an der hinteren Außenwand einzubauen. An der Außenwand können sich die Jungtiere leicht abstützen und zum Tränknippel gelangen. Für jeden Käfig ist ein Tränknippel vorzusehen. In der Säugezeit beträgt der Wasserbedarf ca. 1-2 1 je Tag und bei einem Jungkaninchen bis zum Alter von 3 Monaten etwa 0,25 1 je Tag.
Fütterungsgeräte
Die Fütterung der Tiere erfolgt mit handelsüblichem pelletiertem Futter über Futterautomaten mit einem Fassungsvermögen von ca. 1 kg und mehr. Die Unterkante des Futterautomaten, mit einer gelochten Rutschfläche für das Futter, soll ca. 8 cm über dem Käfigboden liegen. Das Futter wird ständig angeboten, und es sind daher keine besonderen Automatenbreiten erforderlich. Für Zuchttiere werden Längen von 0,10 bis 0,25 m und bei Masttieren bis zu 30 cm Automatenbreite angegeben. Aus diätetischen Grün- den ist eine Zufuhr von Rauhfutter durchaus sinnvoll. Mit dieser Verabreichung von Rauhfutter (Stroh und Heu) kann gleichzeitig der Bedarf an Nestbaumaterial gedeckt werden.
Entsorgung
Der Kot und der Urin fallen durch die Maschen des Drahtgitters im Käfigboden in eine Kotgrube, die aus hygienischen und stallklimatischen Gründen möglichst wöchentlich mit einem Kotschieber gereinigt wird. Da die Käfige meist zweireihig aufgestellt werden, muss die Grube mindestens die doppelte Käfigbreite groß sein. Je 3 t Futter werden etwa 1 t Trockenkot erzeugt. Hierfür ist ein Lagervolumen von ca. 2 m³ notwendig. Kaninchendung, wie er in der Käfighaltung anfällt, enthält folgende Nährstoffe: 1,5% Stickstoff, 2,0 % Phosphorsäure, 0,5 % Kalium, 8,0 % Calcium, 40,0 % organische Stoffe, 48,0 % Wasser.
Krankheiten
Obwohl das Kaninchen sehr anpassungsfähig ist, sind besonders in der konzentrierten Haltung Krankheitsausbrüche zu befürchten. Zur Information wird auf das Merkblatt der Deutschen Land- 102 wirtschafts-Gesellschaft (DLG) Nr. 199 Kaninchenkrankheiten verwiesen. Hier werden die wichtigsten Krankheiten neben den Verhaltensmaßnahmen ausführlich dargelegt.
Betriebsform
Je 10 Häsinnen wird üblicherweise ein Zuchtrammler benötigt. Allerdings ist auch die künstliche Besamung in größeren Beständen durchaus sinnvoll. Hinsichtlich der Konzeptionsrate ergeben sich keine Unterschiede bei beiden Befruchtungsarten. Beim Natursprung wird die Häsin in den Rammlerkäfig eingesetzt und der Deckakt genau registriert. Zur Erhöhung der Sicherheit können noch ein Scheidenabstrich bei der Häsin vorgenommen und das Sperma hinsichtlich der Qualität begutachtet werden. Die künstliche Besamung ist bei größeren Beständen durchaus sinnvoll. Die benötigten einfachen Instrumente sind leicht zu beschaffen; ein Phantom beschleunigt die Entnahme des Spermas. Unmittelbar nach der Besamung erfolgt eine Hormongabe (Injektion), die dann den Eisprung auslöst. In der Kaninchenproduktion müssen sowohl Deckakt, Wurf, Aufzucht und Produktion in einem Betrieb erfolgen. Um zumindest eine teilweise Desinfektion des Stalles zu ermöglichen, soll der gesamte Produktionszweig in mehrere Zellen bzw. Einheiten unterteilt werden. Innerhalb jedes Abteils sind dann maximal 50 Häsinnen einschließlich der 5 notwendigen Rammler unterzubringen. Die Bewirtschaftung erfolgt dann nach der All-in-All-out- Methode. Entsprechende Desinfektionsmatten zwischen den einzelnen Abteilen sind nicht nur für die Optik, sondern auch aus hygienischer Sicht durchaus wirkungsvoll.
Fütterung
Ziel der Fütterung ist eine einwandfreie Versorgung der Leistungsrichtungen Zucht und Mast mit den dafür notwendigen Nährstoffen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Die Rentabilität der Kaninchenproduktion beruht auf dem relativ raschen Jugendwachstum, da in dieser Zeitspanne die Futterverwertung am günstigsten ist. Für die Zuchttiere muss die Fütterung der hohen Leistung angepasst werden. Eine voll in Produktion stehende Zuchthäsin vollbringt die gleiche Leistung wie eine Kuh, die am Tag 70 1 Milch aufbringt.
Der relativ kleine Kaninchenmagen ist einem sehr großen Blinddarm vorgeschaltet, in dem die intensive Nachverdauung durch Mikroorganismen stattfindet. Das Kaninchen ist daher in der Lage, in beschränktem Umfang auch hohe Anteile pflanzlicher Rohfaser aufzuschließen.
Der kleine Magen weist kaum Muskeln auf. Eine Entleerung erfolgt nur durch den Druck von neu aufgenommenem Futter. Dies erklärt die Besonderheit, dass auch nach der Nüchterung der Kaninchenmagen noch relativ stark gefüllt ist. Eine Besonderheit ist die Aufnahme eines bestimmten Weichkotes durch das Tier, welche der Vitaminversorgung dient. Bei Futtermangel wird durch dieses Verhalten auch die Magen- und Darmtätigkeit in Gang gehalten. Der Weichkot ist kein Kot im üblichen Sinne, sondern er unterscheidet sich auch hinsichtlich seiner Konsistenz erheblich von dem üblichen Kaninchenkot.
Die Futtermittel sind die Träger von Nähr-, Mineral- und Wirkstoffen. Die Nährstoffe sind Eiweiß, Kohlehydrate wie Stärke und Zucker, Fett und Rohfaser. Kohlehydrate, Fette und die verdauliche Rohfaser werden als Energieträger genutzt, während Eiweiß dem Körperaufbau dient. Durch einen ausreichenden Rohfasergehalt im Futter erreicht das Kaninchen eine hohe Darmfüllung und ein mechanisches Sättigungsgefühl. Entscheidend sind jedoch nicht die gefressene Futtermenge, sondern die in ihr enthaltenen verdaulichen Nährstoffe. Ein hoher Anteil der schwer verdaulichen Rohfaser verhindert bei Zuchttieren in extensiver Haltung eine unerwünschte Verfettung.
Je konzentrierter eine Ration an Nährstoffen ist, desto höher ist ihr Leistungsvermögen. Jungkaninchen oder säugende Zuchthäsinnen können ohne Gefahr sattgefüttert werden, bei Rammlern, niedertragenden Häsinnen oder Aufzuchttieren muss das Futter rationiert verabreicht werden. Allerdings ist es möglich, meist jedoch auch sehr teuer, Alleinfutter mit hohen Grünmehlanteilen so herzustellen, dass eine Verfettung letztgenannter Leistungsrichtungen vermieden wird.
Fütterungsmethoden sind die Grundfuttermethode mit wirtschaftseigenen Futtermitteln, die kombinierte Fütterung und die Fütterung mit Alleinfutter. Insbesondere für die wirtschaftlich orientierte Kaninchenproduktion ist nur die Alleinfuttermethode anwendbar.
Für die extensive Zucht kann nachfolgende kombinierte Ration eingesetzt werden.
Ration mit Grundfutter für Aufzuchttiere
RrM
Eiweiß
GN
Rohfaser
50 g Wiesenheu
43
5,75
21
12
100 g Futterrüben
12
1,00
8,8
0,9
50 g Hafer
43,5
5,50
32
5,1
50 g Sojaschrot
45,0
22,00
35
3,0
143,5
34,25
96,8
21,0
in der Trockenmasse, v. H
24
675
14,6
in lufttrockenem Futter, v. H.
(86 v. H. Trockenmasse)
21
580
13
Die Ration ist für Aufzuchttiere ausreichend. Es ist also möglich, Grundfuttermittel sinnvoll zusammenzustellen, so dass der Nährstoffbedarf gesichert wird.
Bei einer Ration aus Grundfutter und pelletiertem industriell hergestelltem Kaninchenfutter ist folgendes Beispiel denkbar: Grundfutter wie Heu, Rüben oder Grünfutter werden mit pelletiertem Ergänzungsfutter für Zuchtkaninchen oder Ergänzungsfutter für Mastkaninchen kombiniert. Das Grundfutter wird sattgefüttert, das Ergänzungsfutter rationiert.
Beispiel: Aufzuchtkaninchen
50 g Wiesenheu
100 g Mohrrüben
50 g-80 g Ergänzungsfutter
Das Ergänzungsfutter für Zuchtkaninchen sollte enthalten:
20-24 v. H. Rohprotein
6-10 v. H. Rohfaser
1-2 v. H. Calcium
0,8-1,6 v. H. Phosphor
600-650 Gesamtnährstoff (GN)
Alleinfutter wird von einer Vielzahl von Futtermittelfirmen in pelletierter Form angeboten, es enthält nach dem Futtermittel- recht auch Angaben über Rohprotein, Rohfaser, Calcium und Phosphor. Die Zusammensetzung sollte dem Nährstoffbedarf der Leistungsrichtung entsprechen, an die das Futter gefüttert wird.
105
Alleinfutter für Zuchthäsinnen
Alleinfutter für Mastkaninchen
Sojaschrot v. H
18
30
Leinkuchen v. H.
4
–
Luzernegrünmehlpellets v.H.
40
20
Getreideschrot v. H.
35
47
Mineralfutter v. H.
3
3
Pferde
100
100
Rohprotein v. H.
10
8
648 Rohfaser v. H. GN v. H.
600
640
Für die wirtschaftliche Kaninchenproduktion ist die Wahl der Rasse relativ einfach. Nicht so für die Extensivhalter oder die Rassekaninchenzüchter. Für diese gibt es eine Vielzahl von Rassen und Farbenschläge. Die wirtschaftlich interessantesten sind in der nachfolgenden Übersicht aufgeführt:
Vermarktung
Die Vermarktung ist für den Betriebserfolg wesentlich und sollte, zumindest unter rheinischen Verhältnissen, nur auf den Erzeuger – Verbraucher – Direktverkehr ausgerichtet sein. Leider gibt es noch keine Handelsklassen, die die Qualitäten auch preislich interessant machen. Es muss im Sinne des Verbrauchers sein, nur beste, einwandfreie Qualität zu erhalten. Es dient auch dem Schutz des Verbrauchers, wenn die Praxis unterbunden wird, tiefgefrorene Auslandsware illegal als Frischware, ohne den Zusatz „aufgetaut“ anzubieten.
Durch dieses Verkaufsverhalten wird der Konsument bewusst getäuscht und eine rentable deutsche Kaninchenmast unmöglich gemacht.
Die direkte Vermarktung wie der Ab-Hof-Verkauf oder Wochenmarkt bietet wesentlich günstigere wirtschaftliche Voraussetzungen als die Vermarktung über Handelsketten. Es ist dabei auch auf eine marktgerechte Zubereitung des Schlachtkörpers zu achten. Ganze Schlachtkörper, ohne Kopf und ohne Pfoten, lassen sich appetitlich in Kunststoffschlauchfolien verpacken. Die Teilstücke können dem Konsumenten auf Schalen mit Folienabdeckung angeboten werden.
Zur Portionierung empfiehlt sich die Schnittführung nach den Ausschlachtungsbestimmungen der DLG: Vor den Keulen wird durch das Kreuzbein geschnitten und die Keulen als Einzelstücke oder auch zusammen verpackt.
Der nächste Schnitt erfolgt hinter der Schulter durch den Brustkorb. Das Vorderstück kann gleichfalls separat abgegeben werden. Insbesondere die Vorderläufe bilden eine Delikatesse bei Kennern. Der Rücken mit den Lenden umfasst ca. 40 % des Schlachtkörpers und stellt neben den Keulen die wichtigste Fleischpartie dar. Man kann die Nieren in diesem Teilstück lassen und auch die Leber hinzufügen. Der Schlachtraum im Betrieb muss den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Auskunft erteilt das zuständige Veterinäramt.
Deckungsbeitrag
Wichtig für die Entscheidung zur Produktion ist der voraussichtliche wirtschaftliche Erfolg. Nachfolgend ein Beispiel zur Berechnung des Deckungsbeitrages je Häsin: I. Produktionsverfahren Kaninchenhaltung
Produktionsverfahren: 1 Häsin mit Mast der Jungtiere
II. Marktleistung:
– 40 Jungtiere à 2,7 kg. (4,- DM/kg) 432,-
– Alttier 0,5 x 13,50 6,75
Marktleistung insgesamt: 438,75
III. Variable Spezialkosten
– Bestandsergänzung 0,5 à 20,- DM 10:-
– Futter:
Häsin: 95 kg à 55,- DM/dt 52,25
Jungtiere: 290 kg à 55,- DM/dt (159,50
Futterverwertung 1:3,3)
– Tierarzt, Medikamente, Desinfektion 5,-
– Vatertier (antlg. 10 von 53,- DM 5,30
– Energie – Wasser, 5,-
Nistmaterial 0,50
– Verluste (5 % v. 1 Schlachterlös) 23,10
Variable Spezialkosten insgesamt 260,65
IV .Deckungsbeitrag 188,10
Der relativ geringe Deckungsbeitrag von 178,10 DM je Häsin bei den angenommenen guten Betriebsergebnissen bedeutet bei einer Betreuungsmöglichkeit von 200 Häsinnen nur einen Deckungsbeitrag von 35 620,- DM je Arbeitskraft. Von diesem Betrag müssen noch die Festkosten und der Lohnanspruch abgegolten werden. Als Ziel sind daher höhere Marktleistungen je Häsin anzustreben, wobei 40 verkaufte Jungtiere je Häsin ein reales Ziel darstellen.
Der Deckungsbeitrag je Arbeitskraft lässt die Produktion bei vorhandener freier Arbeitskapazität im Familienbetrieb durchaus sinnvoll erscheinen.
Der letzte Punkt verdeutlicht gleichzeitig die hohe Arbeitsintensivität dieses Betriebszweiges. Unter Berücksichtigung der Vermarktungsform (Erzeuger – Verbraucher – Direktverkehr) kann eine Arbeitskraft einen Bestand von 200 Häsinnen betreuen, d. h. die Tiere werden geschlachtet, marktfertig verpackt und verkauft. In reinen Produktionsbetrieben werden dagegen bis zu 500 Häsinnen je AK angesetzt.
Vor- und Nachteile
Die Aufnahme der Produktion setzt eine klare Abwägung der Vor- und voraus.
Für die Aufnahme der Produktion sprechen:
1. hohe Vermehrungsrate
2. Einsatz von preiswerten wirtschaftseigenen Futtermitteln
3. hohe Produktivität in vorhandenen Altgebäuden (insbesondere ehemalige Geflügelställe zur Eierproduktion in Bodenhaltung)
4. kurze Mastzeiten
5. hohe Wertigkeit des Fleisches
6. familiengerechte Portionierung des Schlachtkörpers
7. kein Nahrungskonkurrent des Menschen
Gegen die Aufnahme der Produktion sprechen insbesondere folgende Punkte:
1. Die Trennung von Produktionsstufen ist innerhalb eines Betriebes nicht möglich, d. h. die Jungtierproduktion und die Mast müssen innerhalb desselben Betriebes durchgeführt werden.
2. Die Massentierhaltung erfordert Kenntnisse, die oft nicht vor handen sind.
3. Die Gesamtproblematik der Massenhaltung von Kaninchen ist unter Beachtung der Hygiene noch nicht ganz abgeklärt.
4. Die angebotene einheimische Ware tritt in Wettbewerb mit zu Tiefstpreisen eingeführter Auslandsware.
5. Es gibt für die Schlachtkörper keine Klassifizierung nach Qualitäten, d. h. gute und schlechte Qualität sind preislich gleich.
6. Die deutschen Verzehrgewohnheiten lassen einen gleichbleibenden Absatz nicht zu.
7. Die Errichtung neuer Gebäude zur Produktionsaufnahme ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll.
8. Hoher Bedarf an spezialisierten Arbeitskräften.
Literaturverzeichnis
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Kölz, W., Posthoff, H. u. a.: Standard des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter e. V., 1981
Rudolph, W. Prof. Dr., Kalinowski, T.: Das Hauskaninchen, 1983, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg
Rudolph, W. Prof. Dr., Knapp, A.: Das Kaninchen als Modelltier und Züchtungsobjekt. Zusammenfassung der Vorträge des II. Internationalen Kolloquiums der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock, 1982
Rudolph, A.: Kaninchen-Report des Landesverbandes Rheinischer Kaninchenzüchter e. V., Bonn, 1977, 1978, Schriftenreihe der Landw. Rheinland, Nr. 31
Lehrschriften des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter e. V., 1970-1983 Blaues Kaninchen-Jahrbuch, 1981, 1982, Verlag Oertel und Spörer, Reutlingen
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Zimmermann Dr., Löliger Prof. Dr. u. a.: Zusammenfassung der Vorträge der Tagung der WRSA, Celle, 1984








