Ulrich Reber, Mosbach „Das Blaue Jahrbuch“ 2001
In der Rassekaninchenhaltung ist man natürlicherweise auf Futter angewiesen, um seine Tiere zu ernähren. Durch den Eigenfutteranbau kann man viele Vorteile erfahren. Der Eigenfutteranbau erfordert einerseits geeignete Flächen und Futterpflanzen. Andererseits kann der Züchter und Kaninchenliebhaber aber auch die Abfälle und den Dung der Tiere auf diesen Flächen „,los werden". Es entsteht dabei ein äußerst nützlicher Kreislauf, denn Kompost und Mist lassen die Pflanzen kräftiger und gesünder werden. Dadurch wird wiederum günstiges Kaninchenfutter gewonnen. Die ,,Krone" hierbei ist der Wurmhumus, der durch Regenwurmkompostierung gewonnen werden kann.
Allgemeines zur Kaninchenfütterung
Kaninchen können unterschiedliches pflanzliches Futter aufnehmen und verwerten. Wichtig ist dabei ein abwechslungsreiches Angebot seitens des Züchters. Mit den Pflanzenteilen nimmt das Kaninchen unterschiedliche Stoffe auf. Zunächst sind das die Eiweiße oder Proteine, welche die Lebensvorgänge im Tier aufrecht erhalten. Diese Stoffe können im Tierkörper nicht gespeichert werden, weswegen sie immer neu zugeführt werden müssen. Zu bestimmten Zeiten benötigen die Kaninchen einen besonders hohen Eiweißanteil im Futter. Säugende Häsinnen, die aufwachsenden Jungkaninchen oder Langhaarkaninchen, die reichlich Wolle erzeugen, brauchen einen großen Eiweißanteil in ihrem Futter. Auch Masttiere, die in kürzerer Zeit geschlachtet werden sollen, benötigen einen hohen Anteil von Eiweißen im Futter. Hingegen sollen die Tiere in der Zuchtruhe nur ein Erhaltungsfutter bekommen. In- sofern spricht man von einem engen oder weiten Nährstoffverhältnis. Das Verhältnis von Eiweiß zu Stärke kann zwischen 1:10 und 1:3,5 liegen. Während das Erhaltungsfutter ein weites Verhältnis von meinetwegen 1:10 aufweist, ist das Verhältnis während der Aufzucht bei vielleicht 1:4. Es ist daher wichtig, dass der Züchter eiweißreiche und weniger eiweißhaltige Futtermittel auseinanderhalten kann. In den Fachbüchern findet man entsprechende Tabellen. Denn nur dann kann man fachgerecht und der Jahreszeit entsprechend füttern. Eiweißmangel führt zur Herabsetzung eines guten Allgemeinbefindens der Kaninchen.
Die Kohlenhydrate geben den Tieren hingegen Energie. Sie spenden also Kraft und im Winter Wärme. Zuchthäsinnen benötigen beispielsweise einen großen Energie-Anteil im Futter. Kleine Rassen verbrauchen, relativ gesehen, erheblich mehr Energie als große. Fette sind ebenfalls Lieferanten von Energie. Sie sind über- dies Energiespeicher und dienen als Schutz vor Kälte und als Organschutz beim Tier. Die Kaninchen können ihre Verdauung mit der Rohfaserzufuhr regeln, weshalb das ständige Darbieten von Heu so wichtig ist.
Auch mit Mineralstoffen bauen die Tiere ihre Körpersubstanz auf. Je nach Boden und Klima können Pflanzen sehr unterschiedliche Mineralstoffanteile enthalten. Ebenso sind in den Futterpflanzen auch Spurenelemente enthalten, von denen die Kaninchen kleinste Mengen benötigen. Überzählige Quantitäten werden wieder ausgeschieden. Bei den Vitaminen ist es so, dass die Tiere einige dieser Wirkstoffe selbst herstellen können, während die anderen über das Futter zugeführt werden müssen. Bei Vitaminmangel kommt es unweigerlich zu Krankheiten. Hier ist es so, dass Fertigfutter, das mit irgendwelchen Wirkstoffen angereichert wurde, also beispielsweise mit Vitaminen, durch längere Lagerung an Wirkstoffen einbüßt. Grünfutter birgt in der Regel hohe Anteile an allen möglichen Wirkstoffen, wobei es hierbei zudem noch auf die Kombination der Wirkstoffe ankommt. Das Zusammenspiel solcher Stoffe in Pflanzen und dann später im Körper durch die Nahrungsaufnahme ist unvorstellbar kompliziert und kaum erforscht. Grundsätzlich ist daher ein abwechslungsreiches Futter zu bevorzugen.
In Fertigfuttermischungen können noch Zusatzstoffe enthalten sein, also etwa Kokzidiostatika. Wasser hingegen gehört zu den Bau- und Funktionsstoffen im Körper. Auch dient es als Lösungsmittel für die aufgenommene Nahrung und als Transportmittel im Körper. Wassermangel führt zu lebensbedrohlichen Zuständen, weswegen bei Alleinfutter ausgiebig zu tränken ist. Beim Reichen von Saftfutter benötigen die Tiere weniger zusätzliches Trinkwasser, dennoch sollte man es stets anbieten, weil der Wasserbedarf der einzelnen Tiere individuell sehr unterschiedlich ist und zudem noch von äußeren Faktoren, wie etwa dem Klima, abhängt. Mit dem Ausscheiden von Urin und Kot, aber auch über die Atmung geben die Kaninchen wiederum ständig Feuchtigkeit ab.
Grundsätzlich sind Kaninchen pünktlich zur gewohnten Zeit zu füttern. In der Regel genügen zwei tägliche Fütterungszeiten, nämlich morgens und abends. Hat man Jungtiere, so kann zusätzlich 112 noch einmal am Mittag gefüttert werden. Die größeren Portionen sind abends zu reichen, weil die Tiere dämmerungsaktiv sind und daher die kühlen Zeiten von den beiden Dämmerungen bis zur Nachtzeit zum Fressen bevorzugen. Hungrige Kaninchen überladen sich leicht den Magen, was zu Verdauungsstörungen führt. Grünfutter darf sich niemals erhitzen, wenn es verfüttert werden soll. Desgleichen ist gefrorenes Futter vor dem Verfüttern aufzutauen. Weichfutter belässt man wegen der Säuerungsgefahr nur kürzere Zeit in den Buchten.
Futterpflanzen in Hülle und Fülle
Bei den Futtermitteln unterscheidet man zwischen Saftfutter und Raufutter. Letzteres ist hauptsächlich das Heu, wobei man aber neben dem Wiesenheu auch Stroh reichen kann. Fertigfutter ist seit rund fünfzig Jahren bei uns in Gebrauch. Meist handelt es sich um spezielle Mischfuttersorten für unterschiedliche Bedürfnisse in der Haltung und Zucht, das als gekörntes Pressfutter gereicht wird. Das Saftfutter besteht in der Hauptsache aus Gras und Kräutern, dann aber auch aus Hackfrüchten. Dies sind Knollen und Wurzeln aller möglichen Feld- und Gartengewächse. Überdies gibt es noch dickstengelige Pflanzen, etwa Kohlsorten, von denen auch die Strünken und Stängel als gutes Kaninchenfutter dienen. Bei Lagerfrüchten ist zu bedenken, dass diese immer mehr an Feuchtigkeit und auch an Wirkstoffen verlieren, je länger die Lagerungszeit andauert. Die Futterfrage spielt somit in der Kaninchenhaltung und -zucht eine zentrale Rolle und ist ein wichtiger Kostenfaktor. Futterfrage und Kostenaufwand sind nicht zu trennen. Der Eigenfutteranbau hat nicht nur den Vorteil, dass man kosten- günstig gesundes, wertvolles Futter erzeugt. Vielmehr sind damit auch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, körperliche Bewegung und das Eingebundensein in den Jahresverlauf der Natur verbunden. Das kann übrigens ein guter Gegenpol zur naturfernen Lebensweise des heutigen Menschen sein! Eigenfutteranbau erfordert aber auch einen gewissen Zeitaufwand. Für das Einlagern von Früchten benötigt man sachgemäßen Raum. Von größter Wichtigkeit sind aber Flächen, auf denen man wirtschaftseigenes Futter erzeugen kann.
Kaninchen fressen gerne Süßgräser und aromatische Kräuter. Dann verzehren sie alle möglichen Blattgemüse, aber auch Hackfrüchte und Wurzelgemüse. Bewährt haben sich zunächst Anbauformen wie das „Landsberger Gemenge" mit unterschiedlichen Gräsern und Kräutern. Als Dauerpflanzen eignen sich auch Luzerne, Topinambur oder Comfrey. Süßlupinen oder Zichorie sind weitere Futtersorten. Auch Rotklee ist von hohem Wert. Mohrrüben, Steckrüben oder Wruken, Pastinaken, Topinamburknollen, Markstamm- und Futterkohlsorten, Grünkohl, Löwenzahn, Böhmischer Strunk-Kohlrabi oder Runkelrüben sind andere wertvolle Futterpflanzen, von denen neben dem Kraut oder Blattanteil auch Stängel oder Erdfrüchte gefressen werden. Daneben eignen sich beinahe alle Gartengemüse jeglicher Formen, wobei sich vor allem die aromatisch duftenden Gewürz- und Küchenkräuter oder typische Arzneikräuter als wertvoll erweisen. Wichtig ist nur, dass man zurückhaltend im Verfüttern von wasserreichen Blattanteilen ist. Also dürfen Blätter von Spinatsorten, Salatsorten oder Rüben nur in geringeren Mengen gereicht werden.
Es ist von Bedeutung, welche Mengen an Tieren man hält. Hat man nur wenige Zuchttiere, die eine verhältnismäßig kleine Schar von Jungkaninchen aufziehen, genügt es oftmals, eine Gartenfläche für den Futteranbau zu bestellen. Dann kann beim Abräumen der Beete im Hochsommer gezielt für die Winter- und Frühlingsfütterung solches Sortengemüse angebaut werden, das winterhart ist oder bereits ab dem späten Jahr zu ernten ist. Das hat den unendlichen Vorteil, dass zu der Zeit, wo die Vegetation allgemein nachlässt und die ersten frühen Fröste zuschlagen, ein gutes Saftfutter als Beigabe bereit steht. Frostfeste Sorten können zudem noch überwintern und stehen ab dem frühen Jahr zur Verfügung, wenn die ersten Jungtiere kommen. Solche Futtermittel sind nicht nur reich an Wirkstoffen. Vielmehr begünstigen sie auch den Milchfluss der säugenden Häsinnen und sind für tragende Muttertiere ein beliebtes Beifutter. Neben Pastinaken, Wruken oder Wintermöhren können dann auch Schwarzwurzel, Weißwurzel, Zuckerwurzel, Löwenzahn in Kultursorten, Knollenfenchel, Petersilie oder Rapunzelglockenblume angepflanzt bzw. ausgesät werden. Beliebt sind auch winterfeste Sorten von Salat und Spinat, Feldsalat, Winterportulak, Endivie und andere. Als sogenannte alternative Nutzpflanzen kommen etwa Serradella, Inkarnat-Klee, Persischer Klee, Futtermalve, Alexandrinerklee oder Lupinensorten in Frage.
Von hoher Bedeutung können auch Futterkohl und Markstammkohl sein. Es handelt sich um Acephala-Convarietäten, von denen der „Kuhkohl" bei uns schon jahrhundertelang angebaut wird. Das Stängel-Blatt-Verhältnis ist sortenunterschiedlich, die Stängel können bei Sortenunterschiedlichkeit sehr dick und markgefüllt sein. Der eigentliche Markstammkohl ist relativ frostfest. Wenn Gartenanbau betrieben wird, so ist klar, dass man viel von dem, was für den menschlichen Verzehr in die Küche kommt, als Grünabfall für die Tiere nehmen kann. Denn beim Säubern und Zurichten fällt ja etliches ab, was für die Kaninchen geeignet ist. Ebenso können die Kaninchen natürlich von eingelagerten Früchten und Gemüsen manches zu fressen bekommen, seien es Kartoffeln, Salatsorten, Kohlsorten oder Obst.
Hat man größere Wiesenflächen zur Verfügung, so ist die Frage zu prüfen, ob man nicht selbst Heu gewinnen sollte. An sich ist das eine einfache Sache, nur müssen einige Fachkenntnisse vorhanden sein, das Wetter muss mitspielen und die Lagerung muss auf fachgerechte Weise gesichert sein. Denn unsachgemäß gelagertes Heu verdirbt leider rasch. Es verträgt keine Lagerung bei Stauhitze oder Feuchtigkeit. Heu kann man dann gewinnen, wenn man zur Bodentrocknung drei bis vier Tage beständiges, warmes Wetter erwarten darf. Man schneidet vor der Blüte der Gräser, weil dann der Nährstoffgehalt am höchsten ist. Die Mahd beginnt am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Der zweite Schnitt, das Grummet, gilt als feiner und reicher. Klee- und Luzerneheu ist reich an Eiweißen. Vor dem Verfüttern muss Heu zunächst luftig gelagert werden. Es durchläuft verschiedene, längere Fermentierungsprozesse. Insgesamt dauert dies alles zwischen sechs und acht Wochen.
Der Boden als Pflanzenstandort
Alle Pflanzen brauchen zu ihrem Wachsen und Gedeihen Licht, Wärme, Wasser, Luft und allerhand Nährstoffe. Die Nährstoffe er- halten sie aus dem Boden. Wenn dieser mit Nährstoffen angereichert ist und eine gute Beschaffenheit und Struktur aufweist, so ist mit einer günstigen Ernte zu rechnen. Das heißt, dass man reiche Ernten gesunder Pflanzen mit Düngung und Bodenpflegemaßnahmen erreichen kann. Dem Boden kommt es sehr zugute, wenn man Mulch aufbringt und Kompost einarbeitet. Nun erhebt sich die Frage, wie man denn als Kaninchenzüchter an Mulch und Kompost herankommt. Die Sache ist eigentlich sehr einfach: Man betreibt zunächst einen Komposthaufen. Hier werden alle organischen Abfälle fachgerecht gelagert. Kleinstorganismen arbeiten sie in Zersetzungsprozessen zu Kompost um. Nun hört sich das in der Tat sehr einfach an, doch muss man dazu einiges wissen. Ein Komposthaufen kann zum Beispiel in einer abgelegenen Gartenecke aufgesetzt werden, wo er keinen Nachbarn und einen selbst stört. Er sollte nicht über 150 Zentimeter hoch und nicht länger als etwa zwei Meter sein. Ebenso kann man Behälter einsetzen, wie diese der einschlägige Gartenfachhandel bereithält. Das sind Kompostbehälter aus allen möglichen Materialien, die allerdings Luft ans Geschehen heranlassen müssen. Die organischen Abfälle werden in lockeren Schichten aufgesetzt, wobei die Belüftung des Haufens wichtig ist. Auch darf ein Komposthaufen nicht zu trocken oder zu nass sein. Am besten sollte er unter einem Baum etwas abschattig liegen. Eine Abdeckung schützt ihn vor Regen wie vor Austrocknung.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell Regenwürmer im Erdreich verschwinden können. Sie setzen ihr Vorderende auf den Boden, verdünnen sich und dringen ein. Bereits beim anschließenden Verdicken des Vorderendes erweitern sie das Loch so weit, dass sie den Rest ihres Körpers nachziehen können! Foto: Hoffmann
Im Innern des Komposthaufens kommt es bei guter, loser Aufschichtung unter Verbrauch von Sauerstoff zum Abbau und zur Zerlegung der einzelnen Teilchen, wobei eine Temperaturerhöhung stattfindet, die bis zu 70 Grad erreichen kann. Dabei können Unkrautsamen und Wurzeln von Wildkräutern vernichtet werden. Erreger von Pflanzenkrankheiten lassen sich aber häufig nur bei noch höheren Temperaturen völlig abtöten. Wärmeliebende Mikroorganismen übernehmen diese Arbeit. Nach einiger Zeit kühlt der Haufen nun wieder ab, sodass größere Lebewesen die weitere Umarbeitung des organischen Materials übernehmen. Das sind dann Würmer, Tausendfüßler, Springschwänze und viele andere mehr. Auch diese Tiere benötigen Sauerstoff, weswegen ein Komposthaufen also niemals in seiner Packungsweise zu dicht sein darf. Das birgt nämlich die Gefahr von Fäulnis. Die Rotte kann dann durch gelegentliches Umsetzen beschleunigt werden. Im Übrigen gibt es auch Kompoststarter im Fachhandel, die die ganzen Prozesse beschleunigen können.
Nun muss man sich vorstellen, dass ein Boden als Standort für die Pflanzen etliche Eigenschaften haben sollte. Er muss eine bestimmte Struktur aufweisen und Nährstoffe für die Pflanzen bergen. Kleinstorganismen sorgen zudem dafür, dass die Böden optimal für die Pflanzen hergerichtet werden. Viele Stoffe werden von diesen Mikroorganismen so für die Pflanzen vorbereitet, dass sie von diesen in die Pflanzenmasse eingebaut werden können. Es kommt also einmal darauf an, diesen Organismen im Boden bessere Überlebensmöglichkeiten und Nahrung zu verschaffen. Zum andern kommt die Düngung den Pflanzen selbst zugute. Das heißt, der mit anderem organischem Material im Komposthaufen eingebrachte Kaninchenmist kommt mit allen anderen Abfällen aus den Stallungen in umgebauter Form in den Kulturboden, wenn wir einen Komposthaufen betreiben und das fertige Kompostmaterial im Garten ausbringen.
Bedeutung und Pflege der Bodenorganismen
Besondere Beachtung verdienen natürlich die Regenwürmer, da sie regen Anteil an der Fruchtbarmachung der Böden haben. Aber auch das Ausbringen von Kompost als Mulch hat schon gute Wirkungen für die Pflanzen, weil die Bodenfeuchtigkeit länger gehalten wird, die Abtragung der Krume somit verhindert und die Schädlichkeit von Platzregen gemildert wird. Auch die Boden- wärme kann sich durch aufgebrachte Kompostschichten erhöhen lassen. Regenwürmer gelten als Bildner von Humus, die den Boden belüften und die Wasserrückhaltefähigkeit erhöhen. Durch sie wird die Krümelstruktur von Böden verbessert, der Boden durchmischt, den Wurzeln der Weg in die Wurmröhren gebahnt und der Regenwurmkot als gute Stickstoffquelle angeboten. Allgemein lockern Regenwürmer die Böden und verteilen wertvoll wirkende Mikroorganismen, während sie gefährliche Keime vernichten können.

Verteilen von hochwertigem Wurmkompost. Foto: Reber
Insofern ist es besser, die Böden nur zu lockern, nicht aber umzugraben. Denn dies würde gleich dem Pflügen die Tätigkeit der Bodenorganismen stören. Sauzahn und Grabgabel sind also wertvollere Geräte als etwa der Spaten zum Umgraben! Ebenso beeinträchtigt eine mineralische Düngung zumindest teilweise das Bodenleben. Das Mulchen mit selbst gewonnenem Kompost schützt die Regenwürmer vor der Verfolgung durch ihre Feinde. Mulch gibt den Würmern aber auch Nährstoffe und bietet ihnen gleich- mäßige Temperaturen. Er schützt die Regenwürmer vor der von ihnen gefürchteten Austrocknung. Betrachtet man all diese Vorteile im Zusammenhang, so ist ganz einfach zu sagen, dass die allgemeine Bodengesundung durch das Mulchen erreicht wird. Die Kleinstlebewesen in den Böden und damit auch größere Kreaturen wie die so überaus nützlichen Regenwürmer gewinnen durch das Mulchen erhebliche Vorteile. Das alles kommt letztendlich den von uns angebauten Pflanzen zugute.
Auf diese Weise schließt sich für uns der Kreis: Mist und organische Abfälle von der Kaninchenhaltung werden durch das Umarbeiten im Komposthaufen zu wertvollem Mulch, der auf vielfältige Weise dem Bodenleben und damit den Pflanzen zugutekommt. Wenn man das vereinfacht, so ist zu sagen, dass die Gewinnung von Futterpflanzen im Eigenanbau dann besonders günstig ist, wenn man sozusagen einen eigenen „Kreislauf" mit den Abfällen aus der Haltung betreibt. Selbstverständlich darf man das nicht nur im Hinblick auf eine Kaninchenhaltung sehen; denn der Kompost kommt selbstverständlich auch denjenigen Kulturpflanzen in ihrem Wachsen, Gedeihen und in ihrer allgemeinen Gesundheit zugute, wenn wir diese für den eigenen Verzehr im Garten oder auf dem Feld anbauen. Kräftige, gesunde Pflanzen bringen vielfältigen Ertrag. Kümmerwuchs auf Mangelböden ergibt hingegen nur minderwertige Ernten.
Der Regenwurm als wertvoller Helfer im Garten
Nun gibt es noch eine weitere Möglichkeit, um wertvollen Humus zu gewinnen. Und zwar lässt sich dieser mit Hilfe von Regenwürmern selbst erzeugen. Ja, es gibt sogar Würmer, die man direkt dem Tiermist zusetzen kann. Hierzu eignen sich aber nicht alle Regenwurmarten. Es gibt einige, die besonders günstige Eigenschaften aufweisen und daher gut geeignet sind. Zunächst ist da der Mist- oder Kompostwurm (Eisenia foetida) zu nennen. Dies ist eine wärmeliebende Art, die im Mist und Kompost vorkommt. Eine Form hiervon ist der sogenannte Tennessee-Wiggler. Dieser Wurm gilt als besonders „fleißig" im Umsetzen von Abfällen zu wertvollem Wurmhumus. Der genannte Wurm ist zudem standort- treu und vermehrt sich gut. Ein anderer Wurm, der sich zur Kompostierung eignet, ist der Rotwurm (Lumbricus rubellus). Freilandregenwürmer sind bei uns bekannte Arten wie der Gemeine Regenwurm (Apporectodea caliginosa) oder der Tauwurm (Lubricus terrestris). Diese Würmer durchpflügen die Böden bis in große Tiefen und erreichen dabei bis zu drei Meter Bodentiefe. Die typischen Kompostwürmer dringen nur bis in etwa 20 Zentimeter Bodentiefe ein und sind daher eher bei der direkten Komposterzeugung zu gebrauchen und einzusetzen. Man kann diese Mistwürmer den Wurmhumus in richtigen Kompostbehältern erzeugen lassen. Kompostwürmer der Art Eisenia vermehren sich rasch. Sie sind Allesfresser und kommen gut mit allem möglichen organischen Abfall zurecht. Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, mit solchen Regenwürmern, die man in Stückzahlen von 500 oder 1000 Tieren von professionellen Wurmfarmen beziehen kann, Wurmhumus zu gewinnen. Im Grunde genommen geht das schon in kleinen Wurmkisten, die unten Abzugslöcher besitzen. Die einfachste Art, die Humusgewinnung zu betreiben, ist das Anlegen einer Regenwurmmiete. Allerdings muss diese von unten her und an den Seiten mit Maschendraht vor dem Eindringen von Regenwurmfeinden gesichert sein. Das sind Vögel, Spitzmäuse, Igel, Maulwürfe oder Mäuse. Ebenso muss die Miete von oben her mit Maschendraht und dunkler Folie vor Sonne, Regen und Wind geschützt werden. Will man die Sache aber auf Dauer betreiben, so empfiehlt sich eine Wurmgrube. Solche Gruben besitzen die Abmessungen von etwa 1,20 × 2,40 Metern bei einer Gesamthöhe von 40 Zentimetern. Hierbei liegen 20 Zentimeter im Boden. Wenn man eine entsprechende Grube im Garten ausgehoben hat, so belegt man sie unten, also ungefähr in 20 Zentimetern Tiefe, mit einfachen Trittplatten, die einen Abstand von jeweils einem Zentimeter besitzen. Dies ist notwendig, um überschüssiges Regenwasser versickern zu lassen. Die Seitenwände kann man aus Hohlblocksteinen oder Ziegeln aufmauern. Ist die Regenwurmgrube fertig, so kommt obenauf ein Drahtgitter, das Räuber abhält. Hierauf legen wir eine dunkle Folie als Schutz vor Regen und Sonne.

Anlage mit Regenwurmgruben. Foto: Reber
Der Standort der Grube liegt am besten halbschattig unter Bäumen. Es empfiehlt sich sehr, eine solche Grube mit einem Schieber in zwei gleich große Abteile zu unterteilen, denn wenn man auf der einen Seite fast fertigen Humus hat, kann man auf der anderen Seite weiterfüttern. Die Würmer ziehen sich innerhalb von einigen Ta- gen zum neuen Futterort hin. Auf diese Weise lässt es sich erreichen, den Wurmhumus aus der ersten Grubenhälfte für den Garten und als Topferde zu ernten.
Die Grube wird für den Betriebsbeginn zu gleichen Teilen mit feuchtem Torf, gut verrottetem Kompost und Gartenerde etwas aufgefüllt. Hierauf kommen organische Abfälle. Die Würmer selbst dürfen erst eingesetzt werden, wenn die heiße Phase des Komposthaufens durchlaufen wurde. Das ist ungefähr nach sechs bis acht Wochen nach Anlage der Fall. Selbstverständlich muss die Grube immer etwas feucht gehalten werden. Aber man darf nicht etwa den Inhalt vernässen. Sind die Würmer eingesetzt, so kann man natürlich die organischen Abfälle aus der Tierhaltung zusetzen. Der Kaninchenmist kann sofort beigegeben werden und braucht nicht zuvor abgelagert zu werden. Wenn man die Wurmgrube nach dem Zweikammersystems betreibt, wandern die Würmer schon nach zwei bis drei Tagen ins neue Abteil, wo man neuerdings füttert. Zurück bleiben aber immer noch die Kokons.
Wenn man dann noch etwa vier bis sechs Wochen wartet, sind auch diese Würmchen geschlüpft. Sie verziehen sich dann ins neue Abteil, wo frisches Futtergut aufgefüllt wird. Dann könnte man den frischen Wurmhumus aus Abteil Nummer eins entnehmen. Der recht nasse Wurmhumus wird vorgetrocknet, was nicht bei direkter Sonneneinstrahlung vorgenommen wird. In den Garten bringt man den Humus in einer ein bis zwei Zentimeter dicken Schicht aus. Oder aber man vermengt diesen Wurmhumus mit einer fünffachen Menge an Gartenerde. Weil der Wurmhumus Kieselerde enthält, können die Pflanzen dieses Material mit aufnehmen, was bei ihnen die Außenhaut verstärkt. Damit erwerben sie einen wirksamen Schutz gegen saugende und stechende Insekten. Es kann also beobachtet werden, dass zum Beispiel Blattläuse nach dem Ausbringen von Regenwurmhumus nach zwei bis drei Wochen auf den Wirtspflanzen verschwinden, weil es ihnen schwer fällt, deren Haut zu durchbohren. Sonst findet Wurmhumus natürlich im Zimmerpflanzenanbau und bei der Pflege dieser Gewächse guten Absatz und beste Anwendung.
Im Grunde ist die Kaninchenhaltung mit dem Eigenanbau von Futterpflanzen nicht von der Verwertung der wertvollen organischen Abfälle zu trennen. Die Kompostierung aber löst einmal das Abfallproblem auf geniale Weise. Zum andern hilft der Eigenanbau entscheidend mit, Futterkosten zu sparen und die Rassekaninchen abwechslungsreich und natürlich zu ernähren.








