Lothar Thormann, Waldheim – „Das Blaue Jahrbuch“ 2008

Als ich im letzten zeitigen Frühjahr einen langjährigen Zuchtfreund an dessen Außenstall besuchte, fand ich neben einem halben Dutzend Alttieren einer Kleinrasse nur ganze vier Jungtiere vor. In der nach Norden ausgerichteten Stallanlage gibt es weder Wetterschutz vor den Wurfbuchten noch Nestkästen. Die Zucht lebt und gedeiht im Wesentlichen von zweiten Würfen aus den Monaten Mai und Juni. Denen fehlt es jedoch zu den Herbstschauen meist an Größe und Gewicht.

Aber auch Züchterfreunde mit geschützten Innenställen klagen beinahe regelmäßig über Häsinnen, die den Rammler im Winter nicht annehmen. Gelingt nach vielen Versuchen endlich ein Wurf, verwerfen die Muttertiere oder versorgen die Jungen nicht oder nur kurzzeitig.

Fragt man nach Gründen, verweist man auf das Wetter oder auf den sehr frühen Zuchtbeginn. Neuerdings fällt immer häufiger das Wort „Klimawechsel“, analog zur großen Debatte hierüber in den Medien.

Abb. 1: Englischer-Schecken-Wurf, der von einer Erstlingshäsin in der neben- liegenden Wurfbox im Februar 2007 geworfen und ohne Verluste versorgt wurde. (Züchter: L. Thormann, Waldheim)

Die Winterzucht wird nicht selten ganz abgelehnt. Positiv ist, wenn Züchterfreunde im Verein oder am Stall wenigstens die Frage diskutieren, ob Winterzucht notwendig ist und ob der spürbare Klimawechsel die Zuchten nicht nur im Winterhalbjahr, sondern über den gesamten Jahresablauf hinweg beeinflusst. Mit Züchtern großer Rassen kann man noch eher darüber fachsimpeln, dass Winterzucht der erste Schritt ist, rechtzeitig Nachzucht in die Ställe zu bekommen. Die Entwicklungszeiten der Riesenkaninchen und Großwidder sind nun mal länger als bei Mittel- und vor allem bei Kleinrassen. Bevor wir uns mit dem Für und Wider der Winterzucht näher befassen, sollten wir kurz die Wetterauswirkungen auf die Kaninchenzucht ganz allgemein und in den letzten beiden Jahren betrachten. Allzu schnell vergessen wir bekanntlich, wie die Wetterabläufe wirklich waren. Das Wetter, so werden wir gleich erkennen, war voriges Jahr und Anfang 2007 für die Kaninchenzucht im Hobbybereich gar nicht so schlecht.

Abb. 2: Wurfkiste für Zwergkaninchen mit abnehmbarer Seitenwand und Luftöffnungen in der Kistenecke sowie Blech-Nageschutz am Schlupfloch. (Züchter: L. Thormann)

Das Wetter als Umweltfaktor für Zucht und Haltung

Ende Juni 2007 veröffentlichten Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) interessante Einzelheiten über den Wetterablauf in Deutschland. Danach waren 2006 der trockenste Sommer und der wärmste Herbst, und bis Mai 2007 gab es die wärmsten zwölf Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901.

Alle vier Jahreszeiten seien zu warm gewesen. Das Frühjahr 2007 war hochsommerlich warm. „Den Winter gab es im Prinzip nicht, so wie wir ihn kennen" „ äußerte sich der Chef-Wissenschaftler vom PIK, Professor W. Gerstengarbe. Sehr viele und lang anhaltende Westwetterlagen brachten milde und feuchte Luft heran.

Besonders Brandenburg, Nordsachsen und die Leipziger Tiefebene leiden unter sehr großem Regendefizit.

So gesehen, war zumindest für die Winterzucht mit Kaninchen sowohl beim rechtzeitigen Zulassen als auch beim Werfen eine ausreichend hohe Lufttemperatur vorhanden. Allerdings wirkten sich wiederum häufige Winde und auch Sturm im letzten Winterhalbjahr negativ auf die Zuchtperiode aus. Soll man nun doch die Hände von der Winterzucht lassen? Oder können wir Wetterschwankungen mit eigenen, in der Hobbyzucht bekannten Maßnahmen in der Haltung begegnen?

Winterzucht im Für und Wider

Unsere Hauskaninchen besitzen in ihrer Erbanlage wie auch körperlich Voraussetzungen für eine hohe Nachzuchtleistung. Bei tiergerechter Haltung ist es normal, wenn gesunde Häsinnen, die dazu noch sehr gute Muttereigenschaften besitzen, jährlich mehrere Würfe bringen und aufziehen. Die überaus günstigen Lebensbedingungen bei der Unterbringung, Fütterung und Pflege im Vergleich mit dem Wildkaninchen können bei nur einmaliger Wurffolge mit wenigen Jungtieren den Häsinnen äußerst schaden. Sie nehmen im Gewicht zu, verfetten zunehmend und bilden außerdem Wammen. Oft werden derartige Tiere nicht mehr trächtig und müssen am Ende zu Schlachtzwecken aus der Zucht genommen werden.

Handelt es sich um genetisch wertvolle Rassehäsinnen mit besten Muttereigenschaften, ist das einmalige Werfen im Jahr besonders unzureichend und bedeutet einen Verlust für den Erhalt und die Fortentwicklung der betreffenden Rasse. Das Kaninchenherdbuch schreibt deshalb mindestens zwei Würfe pro Häsin im Jahr vor. Hoch bewertete Häsinnen mit z. T. männlichen Typmerkmalen versagen hingegen meist als Muttertiere und erweisen der Rassezucht keinen guten Dienst. Sie besitzen bestenfalls einen für die Zucht wenig tauglichen Schauwert.

Der frühzeitige Zuchtbeginn durch Winterzucht ist geeignet, die Kaninchenzucht wirtschaftlich effektiver zu gestalten. In der Rassezucht sind dadurch bessere Möglichkeiten der Anwendung bekannter Vererbungsregeln im Sinne des Rassestandards gegeben. Außer dem erlaubt die größere Anzahl von Jungtieren eine wirksame, strenge Selektion bezüglich Vitalität und Tiergesundheit, Futterverwertung und Zuchttauglichkeit ebenso wie eine konsequente Tierauswahl nach Rassemerkmalen. Wir Hobbyzüchter fördern dadurch nicht nur den Erhalt unserer Kaninchenrassen, sondern erzielen einen nicht unbedeutenden Nutzen in Form von hoch bekömmlichem, immer mehr gefragtem Kaninchenfleisch aus erster Hand.

Um das alles zu erreichen, muss man rechtzeitig im Jahr mit der Zucht beginnen. Besonders große und mittlere Rassen, aber auch Kleinrassen und Zwergkaninchen können mit Winterzucht und nachfolgender Zucht im Frühjahr bis hinein in den Frühsommer unter tierschutzgerechten und fachlich vertretbaren Bedingungen vorteilhaft gezüchtet und gehalten werden.

Winternachzucht mit kleinen und Zwergrassen erlaubt zudem, Junghäsinnen aus diesen Würfen bereits im Juni mit ihrer Frühreife erfolgreich zur Zucht zu benutzen. Der Generationen-Intervall verkürzt sich, wir können so in der Linienzucht schneller zum Ziel kommen.

Wir wissen, dass je nach Anzahl der eingesetzten Zuchthäsinnen eine derart effektive Freizeitzucht ausreichende Stallbuchten sowie beim Futter und beim Zeitaufwand für die fachgerechte Betreuung und Nutzung des ständig in Bewegung befindlichen Tierbestandes mehr Aufwand verlangt.

Es gibt Möglichkeiten, das wirtschaftliche Ergebnis einer Rassezucht durch den Verkauf von selektierten Jungtieren ab Stall mit entsprechender fachlicher Beratung zu verbessern. Frische Schlachtkörper finden in einem privat aufgebauten Kundenkreis ganzjährig Absatz und gleichen notwendige Stall- und Futterkosten aus.

Der Absatz von Jung- und Zuchttieren sowie von Zuchtprodukten auf so genannten Zierbörsen oder Kleintiermärkten zu größtenteils Dumpingpreisen kann mit mehr Erfolg und Imagegewinn für unseren Verband bei richtiger Organisation anlässlich von Rassekaninchenschauen oder direkt ab Stall erfolgen. Vorteilhaft ist, wenn der Verein hier kräftig mitwirkt und organisiert.

Freizeitzüchter mit kleinen Rassen und Zwergrassen sehen die Winterzucht oft als wenig geeignet an, weil die Nachzuchttiere zu zeitig „fertig“, sind und vor allem Junghäsinnen bis zur Ausstellungszeit Wammen oder lockere Körperformen ausbilden können. Der bereits genannte frühe Einsatz der Winterzucht-Nachzucht im Sommer bringt hier neue Zuchtmöglichkeiten.

Die Schaffung wammenfreier Zuchtstämme durch Linienzucht und strenge Selektion sowie eine richtige Futterauswahl und Futtertechnik können hierbei wesentlich helfen.

Jungrammler aus der Winterzucht können sich stattdessen bis zur Schauperiode besonders langfristig und typgerecht entwickeln. Die Vorteile einer mit Fachwissen und Tierliebe betriebenen Winterzucht liegen also eindeutig auf der Hand. Dem entsprach auch der ZDRK mit seiner neuen Zielsetzung, wonach Rassekaninchenzucht neben Naturverbundenheit und gesellschaftlichem Engagement einen landwirtschaftlichen Nutzeffekt sowie einen hohen Freizeitwert hat.

Der Beschluss der Standardkommission, den Beginn eines Zuchtjahres auf den 1. November vorzuverlegen, verlängert offiziell den Zeitraum der Winterzucht vom Spätherbst bis zum Frühlingsbeginn auf fast fünf Monate. Würfe aus den Monaten November und Dezember erhalten mit der Monatsziffer „Null“, vor der Ziffer des kommenden Zuchtjahres als Neuerung ihre eindeutige und völlig legale Kennzeichnung im linken Ohr. Besonders Anfänger und Einsteiger in die Winterzucht können die nachfolgenden Hinweise gern in der Zuchtpraxis umsetzen.

Wurfhilfen für die erfolgreiche Winterzucht

Unabhängig vom allmählich wirksamen Klimawechsel verlangen Kaninchen in der Winterzucht seit jeher besondere Fürsorge. Mit Ausnahme von „Spitzenmüttern“, die bei jeder Wetterlage in geräumigen, ganz normalen Buchten stets zuverlässig werfen und die Jungen aufziehen, gilt es mit verschiedenen Wurfhilfen den Zuchtablauf zu unterstützen.

Abb. 3: Wurfabteil mit Mecklenburger Schecke samt Nest, Kontrolltür geöffnet. (Züchter: M. Rheia, Kleinbothen/Sachsen)

Es beginnt schon mit dem Zulassen. Hierbei muss man die Zuchttiere gut kennen und einige Umstände beachten.

Meine Häsinnen lasse ich während des Winters im Außenstall erfolgreich zu, wenn ruhiges, möglichst sonniges Winterwetter ist. Kälteeinbrüche, nasskaltes Wetter oder stürmische Tage dämpfen die Fortpflanzungsbereitschaft sofort. Beste Zeiten für das Decken der Häsinnen gab es im extrem warmen, sehr sonnigen und trockenen November sowie im ungewöhnlich milden Dezember 2006. Ein Jahr vorher, im Winter 2005, hatten wir in Deutschland hingegen viel Kälte und kaum Sonne.

Die geschützte Unterbringung in ausreichend großen Stallbuchten je nach Gewichtsgruppe ist besonders in Außenställen wichtig. Schutztüren bei Kaltluft bewähren sich besonders nachts. Aber auch Zugluft ist in Außen- und Innenställen gleichermaßen schädlich für die Tiere.

Bodenroste aus Holz, Metall oder Plastik sorgen mit reichlicher Strohauflage dafür, dass die Tiere immer trocken sitzen. Die Unterseite der Läufe muss ohne Zeichen von Jauche oder Nässe sein. Bei etwas hoher Lufttemperatur liegen die Tiere gern auf dem Stallboden, indem sie die Einstreu wegschieben.

In meinen nun über vierzig Jahren als Anhänger der Winterzucht sind Nestkisten und Wurfbuchten für mich unverzichtbar und erste Voraussetzung für das Werfen und die Aufzucht der Jungen ohne nennenswerte Verluste. Das betrifft hauptsächlich Außenzuchtställe, aber auch in Innenställen haben sich diese Wurfhilfen tausendfach bewährt.

Bereits im Jahr 2000 wurden unter Mitarbeit von Franz Jakobs von Tierärzten, Wissenschaftlern und Tierschützern gemeinsam Größen von Nestkästen empfohlen:

Empfehlungen für Maße von Nestkästen je nach Größe der Muttertiere

(Quelle: Aus Merkblatt Nr. 78, Seite 10, über „Kaninchenhaltung“, der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. TVT)

Bei der Gestaltung von Nestkästen ist Folgendes zu beachten (ergänzt vom Autor L.T.):

Entstehende Feuchtigkeit (Atemluft oder Urin) muss Ableitung durch den Kastenboden sowie über die Kastendecke haben (kleine Bohrungen von etwa 15-20 mm Durchmesser)

Die Einschlupföffnung sollte 8-15 cm über der Bodenfläche liegen, damit an Zitzen hängende Jungtiere abgestreift werden Möglichkeiten zum zeitweisen Verschluss und zur Kontrolle der Nestkästen (Klappen, Schieber) sind einzurichten.

Als Baumaterial kommen Schnittholz, Holzverbundplatten oder Plastik in Betracht

Der Grundriss kann quadratisch oder rechteckig sein (Breite: Länge = 4:3).

Wurfabteile mit Durchschlupf zu den Stallbuchten sollten mindestens den Maßen der Nestkästen entsprechen. Der Durchschlupf erhält eine Klappe oder einen Schieber.

Nestkästen wurden auch handelsüblich mit Bodenheizung versehen. Stallbuchten bzw. Wurfboxen lassen sich unter Einhaltung von Sicherheitsabständen mit Rotlicht erwärmen.

Im Selbstbau hergestellt oder beim Fachhändler beschafft, sollten Nestkästen überall dort verwendet werden, wo Außen- oder Raumtemperaturen beim Werfen unter 20 °C gemessen werden. Das betrifft in der Winterzucht beinahe alle Ställe.

Die Wärme in geschlossenen Nestern soll anfangs etwa 30 °C betragen. Fehlt von der Wurfhäsin zu wenig oder gar nicht gerupfte Nestwolle, kann man die abgelagerte Wolle einer anderen Häsin benutzen oder auch sehr weiches Stroh (z. B. von Sommergerste) oder Heu zum Auspolstern benutzen. Die Häsin wird dabei in einen neutralen Stall abgesperrt und nach ca. 1-2 Stunden in die Wurfbucht zurückgesetzt.

Es kommt in Ausnahmefällen vor, dass Häsinnen die Wurfhilfen nicht annehmen und ihr Nest frei im Stall bauen. Auch verstreut liegende Neugeborene trifft man hin und wieder an. Gründe hierfür gibt es verschiedene. Der Züchter muss dann helfend eingreifen, die Häsin ebenfalls kurzzeitig entfernen und selbst das Nest in Ordnung bringen oder zusätzlich abdecken.

Nestkästen und Wurfboxen müssen für Kontrollen über eine Klappe, mittels abnehmbarem Deckel oder separate Buchtentüren, zugänglich sein.

Da Häsinnen und Würfe nach einigen Wochen und Verlassen der Wurfkiste diese nicht selten als Kotplatz benutzen, entferne ich die Nesthilfen rechtzeitig, reinige sie ordentlich und bewahre sie trocken bis zur nächsten Winterzucht auf.

Abb. 4: Praktischer Rotlicht-Heizstrahler in einer Kleinchinchilla-Winterzucht. (Züchter: J. Teschler, Rosswein/Sachsen) Fotos: Lothar Thormann, Waldheim

Tipps zur Fütterung im Winterhalbjahr

Neben Hackfrüchten reichen wir ständig gutes Heu zur beliebigen Aufnahme. Pellets ergänzen im richtigen Mengenverhältnis fehlende Nährwerte und Mineralstoffe. In der zweiten Hälfte der Trächtigkeit legen wir beim Futter schrittweise etwas zu. Die ersten drei Wochen des Säugens benötigen Muttertiere je nach Wurfgröße entsprechend ausreichendes Zuchtfutter. Ganz besonders wichtig ist das Tränken mit nicht zu kaltem Wasser (Außenställe!). Verlassen die Jungtiere das Nest, gilt es, leicht verdauliches Absetzfutter anzubieten. In meiner Zucht haben sich dafür Futterhaferflocken, saubere Möhren und Absetzpellets bestens bewährt. Futterrüben, rohe Kartoffeln und hartes Brot gehören anfangs nicht in Futternäpfe für Jungtiere. Fütterungsfehler sind meist der Grund für vermeidbare Jungtierverluste. Im Übrigen haben in jüngster Vergangenheit Zuchtpraktiker und Wissenschaftler gerade über die Kaninchenfütterung in der „Kaninchenzeitung", wertvolle Grundkenntnisse und Erfahrungen veröffentlicht. In Vereinen sollte man da und dort z. B. statt über Ehrenpreise und Meisterschaften zuerst über diese Erkenntnisse sprechen und sie überall anwenden.

Das Fazit Winterzucht

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wir die Winterzucht nicht vom Wetter draußen vor der Tür abhängig machen sollten. Das Stallklima können wir weitaus mehr und wirksamer mit Wetterschutz an Außenställen sowie generell mit der Schaffung von Wurfhilfen und leistungsgerechter Fütterung beeinflussen. Der vergrößerte Zeitraum der Winterzucht erlaubt mehr als bisher völlig legal die Anwendung der Linienzucht, einer wirksamen Selektion, und bringt ganz „nebenbei“ einen wirtschaftlichen Nutzen über rentablen Tierverkauf und Schlachtung.

Die Hinwendung unseres Verbandes zur verlängerten Winterzuchtperiode entspricht nicht nur dem gewünschten landwirtschaftlichen Nutzeffekt. Sie fördert mit modernen Halte- und Zuchtmethoden die Freude an der Rassezucht und dient damit gleichermaßen der Gewinnung neuer Mitglieder.

Quellenangaben:

Merkblatt Nr. 78 zur Kaninchenhaltung, Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. TVT

Deutscher Wetterdienst – Pressestelle – Deutschlandwetter 2006/ 07, www.dwd.de

Dr. W. Schlolaut, Kaninchenfütterung zwischen Mangel und Überfluss, Kaninchenzeitung 6/2003, S. 8 bis 13

L. Thormann, Kaninchen pflegen, züchten und ausstellen, Oertel + Spörer Verlags-GmbH + Co. 2005, S. 33, Abschnitt „Das Stallklima für Kaninchen und die Umwelt“

Vorheriger ArtikelBlick in Nachbars Garten
Nächster ArtikelWenn Kaninchen befördert werden müssen,
Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.