Von OVR Dr. Werner Bernhardt, Wittgensdorf/Sachsen

in „Das Blaue Jahrbuch“ 1991

Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit von Tieren ist eine wichtige Aufgabe der Veterinärmedizin, wobei der vorbeugende Gesundheitsschutz im Allgemeinen und der Schutz vor Tierseuchen im Besonderen eine zentrale Stellung einnehmen. Unter Tierseuchen sind dabei alle jene Infektionskrankheiten und Parasitosen zu verstehen, die zwischen Tieren einer Tierart oder mehrerer Tierarten übertragbar sind und schwerwiegende ökonomische und volkswirtschaftliche Konsequenzen haben.

Als Zoonosen werden die Infektionskrankheiten und Parasitosen bezeichnet, die unter natürlichen Bedingungen zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragen werden. Virchow, der zuerst diesen Begriff einführte, wollte damit jene Infektionskrankheiten verstanden wissen, die von Haustieren auf den Menschen übertragen werden. Heute weiß man allerdings, dass nahezu alle Infektionskrankheiten des Menschen sich auf tierische Infektionsreservoire zurückführen lassen. Ausschlaggebend für den Ausbruch oder Nichtausbruch von Zoonosen sind offenbar verschiedene Anpassungsstufen der bei Tieren vorkommenden Infektionserreger an den Menschen.

Als Ursachen für eine Zunahme der Zoonosen in unserer Zeit nennt Horsch (1987) unter anderem – schnelle und weitreichende Verkehrsverbindungen, die eine Verschleppung von Erregern begünstigen, – Zunahme der Wohn- und Belegungsdichten, die ein erhöhtes Infektionsrisiko in sich bergen, Spezialisierung, Konzentration und Arbeitsteilung in der Tierproduktion, die eine einseitige Exposition der dort Tätigen mit Erhöhung des Infektionsrisikos fördern und eine zunehmende Warenproduktion, auch bei Produkten tierischer Herkunft, womit eine Verschleppung und Verbreitung von Zoonoseerregern verbunden sein kann. Unter mitteleuropäischen Bedingungen werden die meisten Zoonosen durch Viren und Bakterien verursacht. Es sind aber auch Pilze und Parasiten (Protozoen und Helminthen) als Verursacher von Zoonosen bekannt, wobei die Hautpilzerkrankungen einen außerordentlich großen Anteil an den Gesamterkrankungen haben.

Gegenwärtig sind etwa 150 Infektionskrankheiten mit Zoonosecharakter bekannt. An der Spitze stehen nach Horsch (1987) die domestizierten Wiederkäuer mit ca. 30 Infektionskrankheiten. Es folgen Nagetiere mit etwa 20 Zoonosen und dann Fische, Schweine, Hunde und Katzen. Das Kaninchen kann an mehreren Krankheiten mit Zoonosecharakter erkranken, von denen acht (s. Tabelle 1) auch für den Menschen von Bedeutung sein können. Eine dieser Erkrankungen wird durch Viren, fünf durch Bakterien und je eine durch Pilze und Parasiten verursacht. Im Folgenden werden diese Zoonosen kurz unter Berücksichtigung der Charakteristik, des klinischen Bildes, der Diagnose und Bekämpfung sowie der Bedeutung für den Menschen behandelt:

1.Tollwut (Rabies, Lyssa)

Charakteristik: Die Tollwut ist eine virusbedingte Infektionskrankheit, die vorwiegend bei Säugetieren auftritt. Sie ist durch eine Entzündung der grauen Gehirnsubstanz (Polioenzephalitis) gekennzeichnet und äußert sich vor allem in Erregungszuständen und Lähmungen.

Klinisches Bild: Das Virus gehört zur Familie der Rhabdoviren. Der Hauptwirt ist der Fuchs, von dem aus weitere Wild- und Haustiere ins Infektionsgeschehen einbezogen werden. Die intakte Haut wird vom Virus nicht durchdrungen. Für praktische Verhältnisse spielt bei der Ansteckung von Tier zu Tier und von Tier zu Mensch die Bissverletzung die entscheidende Rolle (Pitzschke, H. 1987). Die Inkubationszeit schwankt zwischen 2 und 8 Wochen und länger und ist auch abhängig von der Menge Virus und der Lage der Infektionsstelle. Kaninchen zeigen zunächst Überempfindlichkeit und Schreckhaftigkeit, dann stellen sich Speichelfluss, Benommenheit, Lähmungen und schließlich nach 1-7 Tagen Krankheitsdauer der Tod ein.

Diagnose: Am lebenden Tier kann nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Die sichere Diagnosestellung ist nur nach Laboruntersuchung des Zentralnervensystems toter Tiere möglich.

Bekämpfung: Nach Feststellung von Tollwut im Kaninchenbestand sind vorbeugend alle Kontakttiere zu töten und unschädlich zu beseitigen. Die betroffenen Buchten sind zu desinfizieren. Heilbehandlungen sind mit den gegenwärtig zur Verfügung stehenden Mitteln erfolglos und deshalb grundsätzlich verboten. Die Stallanlagen in tollwutgefährdeten Gebieten sind so abzusichern, dass Füchse und anderes Raubzeug zu den Tieren keinen Zugang finden. Gefahren für den Menschen entstehen vor allem dann, wenn tollwutkranke Wildtiere Hauskaninchen verletzen, ohne sie zu töten.

Erkrankung beim Menschen: Beim tollwutkranken Menschen kommt es unter Kopfschmerzen, Unruhe, Schmerzen an der Biẞ- narbe zum Erregungsstadium. Unter dem Hinzutreten weiterer Symptome kann sich das Bild der rasenden Wut entwickeln. Schließlich tritt der Tod nach fortschreitender Erschöpfung und zunehmenden Lähmungen ein. Seltener wurde auch die Form der stillen Wut festgestellt, die aber ebenfalls unter Lähmungen zum Tode führt.

2. Tuberculosis

Charakteristik: Die Tuberkulose ist eine chronische, seltener akute Infektionskrankheit mit spezifischen Entzündungsprozessen, die sich durch unterschiedliche klinische Verlaufsformen mit breiter Symptomatik auszeichnet. Im Weltmaßstab stehen die durch Mykobakterien verursachten Erkrankungen an erster Stelle der bakteriellen Infektionskrankheiten (Schulz, W. 1987).

Klinisches Bild: Das Krankheitsbild der Tuberkulose ist nicht besonders charakteristisch. Allgemein entwickelt sich in der Regel sehr langsam eine zunehmende Abmagerung. In den Krankheitsprozeß können mehrere Organe einbezogen sein, in denen sich verkäsende und verkalkende Herde unterschiedlicher Größe entwickeln. Am Tuberkulosegeschehen der Tiere können mehrere Mykobakterienarten beteiligt sein. Am wichtigsten sind M. tuber- culosis (Menschentyp), M. bovis (Rindertyp) und M. avium (Geflü- geltyp).

Diagnose: Obwohl die sichtbaren Veränderungen in den Organen von verendeten oder getöteten Tieren den Verdacht auf Tuberkulose zulassen, sind im Zusammenhang mit dem klinischen Bild zur Diagnosesicherung mikroskopische Untersuchungen und Kulturversuche auf Spezialnährböden im Labor angezeigt.

Bekämpfung: In den letzten Jahren wurden durch zielstrebige und erfolgreiche Bekämpfungsmaßnahmen große Fortschritte in der Tuberkuloseliquidierung bei Haustieren und dem Menschen erreicht, weswegen sie gegenwärtig als Tierseuche und Zoonose an Bedeutung verliert. Aus prophylaktischen Gründen sollten den- noch Kaninchen nicht gemeinsam mit Rindern oder Geflügel offen gehalten werden, da sonst Infektionen mit Mykobakterien vom Rind und Geflügel leicht möglich sind (Kötsche, W. und Gottschalk, C. 1983).

Erkrankung beim Menschen: Alle drei genannten Erreger wurden beim Menschen nachgewiesen, wenngleich dem M. tuberculo- sis die Hauptbedeutung zukommt. Noch um die Jahrhundert- 190 wende verstarben in Preußen je 100 000 Einwohner 315 Personen an Tuberkulose; das waren rund 13 % aller Todesfälle. Den Schwerpunkt bildete die Lungentuberkulose, die bei 70 % aller Tuberkulosefälle lag. Da speziell bei älteren Menschen noch immer mit Tuberkulose- fällen gerechnet werden muss, sind Infektionen von ihnen zu Tieren und von diesen wieder zum Menschen nicht auszuschließen. Die Tuberkulose hat damit ihre Bedeutung als Zoonose sowohl in Europa wie im Weltmaßstab noch nicht verloren.

3. Tularämie (Hasenpest, Nagerpest)

Charakteristik: Bei der Tularämie handelt es sich um eine Zoonose, die vorwiegend Nagetiere befällt, aber auch bei anderen Säugetieren, Vögeln sowie beim Menschen vorkommt. Die akute Verlaufsform endet unter dem Bilde einer hämorrhagischen Septikämie meistens tödlich und beim chronischen Verlauf magern die Tiere stark ab und vor allem in der Leber und der Milz kommt es häufig zur Abszessbildung. Klinisches Bild: Der Erreger, Francisella tularensis, gehört zur Familie der Brucellaceae. Die Ansteckung kann durch saugende und stechende Insekten (Zecken, Stechfliegen u. a.), direktem Kontakt von Tier zu Tier und durch kontaminiertes Futter erfolgen, wobei die Inkubationszeit 2-3 Tage dauert. Die Tiere zeigen Schwäche, Fieber und Erhöhung der Atemfrequenz.

Diagnose: Die Befundung am lebenden und toten Tier gestattet keine sichere Diagnose, weshalb sie durch serologische Verfahren abzusichern ist. Bekämpfung: Obwohl bei Einzeltieren nach gesicherter Diagnose Antibiotika zum Einsatz kommen können, konzentriert sich in den relativ seltenen, aber bekannten Befallsgebieten die Bekämpfung auf folgende Schwerpunkte: – Bekämpfung der Schadnager, – Durchführung regelmäßiger Insektenbekämpfung und Durchführung von Hygienemaßnahmen mit möglichem infiziertem Wildbret und Abfällen von Schlachtungen. Erkrankung beim Menschen: Die Infektion erfolgt vorwiegend in Folge mangelnder Vorsicht beim Umgang mit kranken oder getöteten Tieren, wobei die Inkubationszeit 2-12 Tage beträgt. Die Krankheit kann ebenfalls akut und chronisch verlaufen. Todesfälle kommen heute nur noch selten vor, da sich Antibiotika zur Behandlung gut eignen.

4. Salmonellose (Paratyphosen)

Charakteristik: Salmonelleninfektionen kommen in vielfältiger Weise weltweit vor. Häufig entstehen weitverzweigte Infektions- ketten, in denen unerkannte (latente) Keimträger und -ausscheider unter Wildtieren, Haustieren und Menschen die entscheidende Rolle spielen. (Stellmacher, W. und Schöll, W. 1987).

Klinisches Bild: Beim Kaninchen ist das Krankheitsbild durch schwere Allgemeinerkrankungen wie Fieber, Mattigkeit, Teilnahmslosigkeit, Durchfall oder Verstopfung, trockene Nase, Appetitlosigkeit und schnelle Abmagerung gekennzeichnet. Insbesondere bei Jungtieren können hohe Verluste entstehen. Die Salmonellen, von denen es eine große Zahl von Arten gibt, gehören zur Familie der Enterobakterien. Die klinische und wirtschaftliche Bedeutung der einzelnen Salmonellarten ist sehr unterschiedlich. Als hauptsächlichster Typ kommt für das Kaninchen S. typhimurium in Betracht, der oft auch bei anderen Tierarten und beim Menschen für Salmonelloseerkrankungen in Frage kommt. Neben dem Erreger sind für einen Seuchenausbruch allgemein noch weitere Faktoren notwendig, von denen die Massentierhaltung und ungünstige Haltungs- und Fütterungsbedingungen oft von ausschlaggebender Bedeutung sind.

Diagnose: Am lebenden Tier ist klinisch eine Verdachtsdiagnose zu stellen, die durch kulturelle Untersuchungen von Kotproben sowohl von lebenden als auch von toten Tieren zu sichern ist.

Bekämpfung: Nach einer Diagnosesicherung ist mittels Medikamenteneinsatz (Antibiotika, Sulfonamide) bei vorheriger Merzung schwerkranker Tiere eine Bestandssanierung anzustreben, die bei zeitigem Beginn erfolgsversprechend ist. Strenge Hygienemaßnahmen und Bestandsauflockerungen müssen jedoch fester Bestandteil in der Bekämpfungsstrategie sein.

Erkrankung beim Menschen: Infektionsgefährdet sind vor allem Kinder und Menschen im höheren Lebensalter. Leibschmerzen und Brechdurchfall mit Fieber und Schwäche sind typisch für das klinische Bild. Bei rechtzeitiger Einleitung einer spezifischen Behandlung ist meistens in wenigen Tagen eine Heilung zu erreichen. Erkrankungen mit tödlichem Ausgang sind heute relativ selten.

5. Coliseptikämie (Escherichia-coli-Infektionen)

Charakteristik: Die durch Kolibakterien verursachten Krankheiten verlaufen als Septikämien (Blutvergiftungen), als reine Darminfektion oder als lokale Infektion in anderen Organen, besonders im Gesäuge.

Klinisches Bild: Die starke Vermehrung der Kolikeime im Darm-Kanal kann zu schweren Darmschäden führen. Besonders bei Jungtieren ist die Infektionskrankheit als Dysenterie (Ruhr) bekannt und gefürchtet. Auch im Ursachenkomplex der mukoiden Enteritis des Kaninchens sind die Kolikeime beteiligt. Als Erreger kommen verschiedene Serotypen von E. coli in Betracht, die insgesamt zur Familie der Enterobakterien gehören. Nach Löliger (1990) ist das Spektrum der isolierten E. coli-Serotypen aus gesunden Kaninchen nur in geringer Zahl, bei darmkranken Kaninchen aber stets in großer Zahl vorhanden. Gleiche Typen werden auch im Zusammenhang mit Dysenterien bei anderen Tierarten und beim menschlichen Säugling angetroffen.

Diagnose: Sie ist mit Sicherheit durch bakteriologische Untersuchungen zu stellen. Bekämpfung: Nach der Diagnosesicherung ist eine Bestandsbehandlung mit Antibiotika vielfach verlustsenkend und erfolgsversprechend. Nach Wiederbeginn der Futteraufnahme erkrankter Tiere sind leichtverdauliche, aber nicht zu rohfaserarme Futtermittel zum Einsatz zu bringen. Eine gründliche Buchtenreinigung mit anschließender Desinfektion vervollständigen die Bekämpfungsmaßnahmen. Erkrankung beim Menschen: Vor Einführung der Antibiotikatherapie war die Coliseptikämie vor allem beim Säugling gefürchtet. Sie verlief unter dem Bilde eines schweren Durchfalls mit hohem Flüssigkeitsverlust bis hin zum Auftreten von Todesfällen. Heute besteht diese Gefahr kaum noch, zumal sie allgemein auch nur unter der Mitwirkung besonders begünstigender Bedingungen haftet.

6. Listeriose

Charakteristik: Die Listeriose ist eine Infektionskrankheit der Tiere und des Menschen, die nach Lehnert (1987) in den Verlaufsformen

– Listeriose des zentralen Nervensystems (encephalitische Form),

– Trächtigkeitslisteriose mit Abort der Feten,

– septische Listeriose (besonders bei Neugeborenen und Jungtieren),

– chronische Organlisteriose (z. B. Mastitis) und der

– Sekundärinfektion auftritt.

Klinisches Bild: Der Erreger ist Listeria monocytogenes, der weit verbreitet vorkommt (Abwasser, Schlamm, Garten- und Ackererde). Befallen können praktisch alle Haus- und Wildtierarten und der Mensch werden. Erkrankungen treten sporadisch (vereinzelt) oder enzootisch (wiederkehrend in bestimmten Gebieten) auf, wobei die Fütterungsinfektion (erdverschmutzte Futtermittel) vorherrschend ist. Der Verlauf kann akut, subakut und chronisch sein.

Beim Kaninchen äußert sich die Erkrankung im septikämischen Verlauf meist mit schweren Störungen des Allgemeinbefindens und hohen Verlusten. Die zerebrale Form hingegen verläuft allgemein langsamer, wobei Lichtscheue, Zwangsbewegungen, Schiefhaltung des Kopfes und unphysiologische Gliedmaßenstellungen beobachtet werden. Bei tragenden Häsinnen wird gelegentlich auch ein Verwerfen in der zweiten Trächtigkeitshälfte beobachtet. Die Muttertiere können dabei klinisch gesund bleiben oder auch an einer Uterusentzündung bzw. Septikämie erkranken und verenden. Diagnose: Die sichere Diagnose ist nur in veterinärmedizinischen Untersuchungsstellen mittels kultureller Untersuchungen zu stellen. Bekämpfung: Eine medikamentelle Behandlung mit Antibiotika kann im Anfangsstadium der Krankheit versucht werden. Schwer erkrankte Tiere sind besser zu töten und anschließend sind die Buchten zu desinfizieren.

Erkrankung beim Menschen: Bei Tier und Mensch besteht eine weitgehende Übereinstimmung zwischen den klinischen Verlaufsformen. Ein sicherer Zusammenhang zwischen der tierischen und der menschlichen Listeriose konnte bisher nur in wenigen Fällen nachgewiesen werden. Menschliche Infektionen durch infizierte tierische Lebensmittel und verschmutzte Lebensmittel aller Art sind aber möglich. Durch den Einsatz moderner Antibiotika wer-en heute allgemein gute Therapieerfolge beim Menschen erzielt.

7. Hautflechte (Trichophytie)

Charakteristik: Es handelt sich um eine durch Hautpilz hervorgerufene, häufig sehr schwer verlaufende Infektion, die Tiere und den Menschen befällt. In den letzten Jahren trat sie vor allem in Beständen konzentrierter Tierhaltung vermehrt auf.

Klinisches Bild: Der hauptsächlichste Erreger ist Trichophyton mentagrophytes. Seltener treten noch T. schoenleinii und Microsporum canis oder M. gypseum auf. Kompliziert wird der Verlauf noch durch Sekundärinfektion mit Stabhylococcus aureus u. a. Erregern. Die Erkrankung kann in allen Haltungsformen auftreten, wobei schlechte Einstreu und schwer zu reinigende und zu desinfizierende Holzbuchten das Krankheitsgeschehen fördern. Die Krankheit beginnt mit Haarausfall und an den Befallstellen ist die Haut leicht verdickt, gerötet und häufig durch Schuppenbildung gekennzeichnet. Die Haare lassen sich büschelweise an den erkrankten Hautstellen ausziehen und die Tiere werden von starkem Juckreiz geplagt, der zum Benagen der erkrankten Körperstellen Veranlassung gibt.

Diagnose: Die klinische Befundung lässt eine gute Diagnosestellung am Tier zu, die durch mykologische Untersuchungen von Haut- und Haarproben noch gesichert werden kann. Bekämpfung: Über den Einsatz spezifisch wirkender Medikamente kann sowohl oral wie lokal eine Behandlung durchgeführt werden. Sehr stark befallene Tiere sollten jedoch ausgemerzt werden. Ergänzt werden muss die Therapie durch konsequente Durchführung von Hygienemaßnahmen in Form wiederholter Reinigung und Desinfektion.

Erkrankung beim Menschen: Durch Kontakt mit erkrankten Tieren kann die Infektion leicht auf den Menschen übertragen werden, wobei es zu schweren und langwierigen Haut- und Nagelmykosen kommen kann. Die Behandlung sollte von Hautärzten vorgenommen werden, damit bei gezielter Therapie der Krankheitsverlauf zeitlich minimiert wird.

8. Toxoplasmose

Charakteristik: Die Toxoplasmose ist eine parasitäre Zoonose, die durch Sporozoen verursacht wird. Obwohl bis zu 80 % der Kaninchen infiziert sein können, treten Bestandserkrankungen relativ selten auf. Wird die Krankheit allerdings klinisch sichtbar, so erkrankt in der Regel der gesamte Bestand und hohe Verluste sind möglich. Es besteht dann auch erhöhte Ansteckungsgefahr für andere Tierarten und den Menschen. Klinisches Bild: Verursacht wird die Erkrankung durch Toxoplasma gondii, einem Sporozoon, welches den Kokzidien zuzuordnen ist. Hauptwirt ist die Katze, aber auch viele andere Tierarten können als Nebenwirte in das Seuchengeschehen einbezogen wer- den (Bernhardt, W. 1990). Es gibt verschiedene Infektionsmöglichkeiten, die wissenschaftlich noch nicht alle voll geklärt sind. Beim Kaninchen ist besonders an Sekrete des Nasen-Rachen- Bereiches und der Augenbindehäute als übertragendes Medium zu denken (Kötsche, W. und Gottschalk, C. 1983). Kontaminiertes Futter oder kontaminierte Einstreu (Katzen!) spielen ebenfalls eine Rolle. Der Verlauf ist akut bis subakut mit meist tödlichem Ausgang nach 6-9 Tagen. Die erkrankten Tiere sind benommen, haben keinen Appetit, zeigen Krampfanfälle oder Bewegungsstörungen und sterben bei Bewusstlosigkeit.

Diagnose: Am lebenden Tier ist nur eine Verdachtsdiagnose zu stellen, die durch Erregernachweis oder serologischen Nachweis in speziellen Einrichtungen zu sichern ist.

Bekämpfung: Eine Therapie der Kaninchentoxoplasmose ist bestandssanierend kaum lohnend, obwohl Breitbandantibiotika und Sulfonamide für eine Einzeltierbehandlung durchaus möglich sind. Erkrankte und verdächtige Tiere sind zu isolieren und nach Diagnosesicherung unschädlich zu beseitigen. Die Tierkörper dürfen nicht an Hund oder Katze verfüttert werden und auch für den menschlichen Genuss sind das Fleisch und die Organe als untauglich zu beurteilen. Vorbeugend sind Katzen als Hauptwirte der Parasiten von Tierhaltungen und Tierfutterplätzen fernzuhalten, da sie verantwortlich sind für Kontaktinfektionen und sekundär die Infektion auch über die Verunreinigung der Futtermittel mit Kot über den Verdauungstrakt der Tiere bedingen. Erkrankung beim Menschen: Nach dem Verlauf unterscheidet man eine aktive und passive Toxoplasmose. Verschiedene klinische Formen sind beim Menschen bekannt. Während der Schwangerschaft ist z. B. bei einer Erstinfektion der Frau eine Übertragung auf das Kind möglich. Aborte, Fehlgeburten, Totgeburten und angeborene Defektbildungen sind möglich, da noch jede Schutzwirkung fehlt.

Schlussbetrachtung

Wenn auch, wie eingangs dargestellt, viele Infektionskrankheiten vom Tier auf den Menschen übertragen werden können, so haben sich die meisten Erreger im Laufe der Zeit so an den Menschen angepasst, dass sie ihre krankmachenden Eigenschaften für tierische Wirte verloren haben und nicht mehr im Sinne von Zoonosen wirksam werden. Nun hat aber andererseits der Mensch im Zusammenhang mit der Domestikation und wirtschaftlichen Nutzung von Tieren durch Stallhaltung, Konzentration in Beständen, durch Fütterung und hohe Leistungsanforderungen in ökologische Prozesse eingegriffen und somit durch Störungen des biologischen Gleichgewichtes eine Situation geschaffen, die nur mit hygienischen Maßnahmen (antimikrobielles Regime) und zum Teil durch Schutzimpfungen zu beherrschen ist. Insgesamt kommt es zwangsläufig zu einer Intensivierung der Kontakte des Tierhalters zu seinen Nutztieren und zu den von ihnen beherbergten Infekionserregern (Horsch, F. 1987). So machen die Ausführungen insgesamt deutlich, dass auch vom Kaninchen zum Menschen Zoonosen übertragen werden können. Eine fachgerechte und hygienische Tierhaltung minimiert jedoch mögliche Risiken weitestgehend. Über Einzelheiten der behandelten Zoonosen sollte im Bedarfsfall auf weitere spezielle Fachliteratur zurückgegriffen werden.

Literatur

1. Bernhardt, W.: Die Toxoplasmose. Deutscher Kleintierzüchter, Ausgabe Kaninchen 99, 7, 1990, 10–11.

2. Horsch, F.: Allgemeine Mikrobiologie und Tierseuchenlehre. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1987.

3. Lehnert, Ch.: In „Infektionskrankheiten der Haustiere" von J. Beer, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1987.

4. Löliger, H.-Ch.: Aktuelle Erkrankungen der Hauskaninchen. Der praktische Tierarzt 71,

5, 1990, 42-54. 5. Kötsche, W. und Gottschalk, C.: Krankheiten der Kaninchen und Hasen. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1983.

6. Pitzschke, H.: In „Infektionskrankheiten der Haustiere“ von J. Beer, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1987.

7. Schulz, W.: In „Infektionskrankheiten der Haustiere“ von J. Beer, VEB Gustav Fischer Verlag Jena 1987.

8. Stellmacher, W. und Schöll, W.: In ,,Infektionskrankheiten der Haustiere" von J. Beer, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1987.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.