Jochen Weishaar, Baunatal „Das Blaue Jahrbuch“ 1991
In den Anfangsjahren der Rassekaninchenzucht wussten die Züchter noch nichts von der Vererbungslehre und den damit verbundenen Problemen und Schwierigkeiten. Trotzdem oder gerade deswegen sind damals viele neue Rassen entstanden. Dabei hatte sicherlich meistens der Zufall seine Hände im Spiel.
Ende der 20er Jahre erarbeitete Prof. Nachtsheim die Vererbungsgesetze für die Kaninchen. Mit diesen Erkenntnissen haben wir heute die Möglichkeit, gezielt neue Rassen zu erzüchten und die vorhandenen Rassen zu verbessern. Sie geben uns aber auch die bisher wenig genutzte Möglichkeit, unsere Bewertungsbestimmungen den natürlich machbaren Gegebenheiten anzupassen. Seit einigen Jahren befassen sich die ordentlichen Wissenschaften ebenfalls mit der Vererbungslehre unserer Kaninchen. Dadurch sind neue Erbmerkmale gefunden worden. Andere konnten genauer modifiziert werden. Besondere Verdienste hat sich der englische Wissenschaftler Robinson erworben. Allerdings hat er auch die Buchstabensymbole von Prof. Nachtsheim verändert. Er hat sie weitgehend den englischen Bezeichnungen angepasst. Diese neueren Bezeichnungen werden in der wissenschaftlichen Literatur verwendet. In der uns allgemein zugänglichen Literatur für die Kaninchenzucht werden bisher und sicherlich auch in Zukunft die Symbole von Prof. Nachtsheim Verwendung finden. So auch in diesem Beitrag.
Alle Erbanlagen sind doppelt vorhanden
Bei der Verpaarung zweier Kaninchen werden von den Samenfäden des Rammlers die reifen Eizellen der Häsin befruchtet. Dabei werden neben vielen anderen Erbanlagen, z. B. für die Größe, das Gewicht, die Form und das Fell, auch die Erbanlagen für die Farbe kombiniert oder besser gesagt zusammengeführt. Das heißt, jede Erbanlage der einzelnen Jungtiere ist in doppelter Form, einmal vom Vater und einmal von der Mutter, vertreten. Für die Farbvererbung sind grundsätzlich fünf Erbfaktoren verantwortlich. Warum „grundsätzlich“ werden die weiteren Ausführungen zeigen. – Prof. Nachtsheim hat diese fünf Erbfaktoren mit den Buchstaben A B C D G symbolisiert. Da diese Erbfaktoren doppelt vertreten sind werden sie auch jeweils doppelt geschrieben. Möglich sind die folgenden Schreibweisen:
1. ABCDG
ABCDG
2. ABCDG/ABCDG
3. AA BB CC DD GG
Bei vielen Autoren ist zu lesen, dass über dem Bruchstrich die Erbanlagen der Mutter und unter dem Bruchstrich die des Vaters aufgeführt sind. Andere Autoren erklären es umgekehrt. Beide Erklärungen sind unrichtig oder besser gesagt, so nicht nachvollziehbar. Außerdem spielt es für die Vererbung bzw. die Weitergabe der Erbanlagen überhaupt keine Rolle.
Neben der großen Schreibweise gibt es alle diese Erbanlagen auch klein geschrieben. Dabei gilt grundsätzlich, die groß geschriebenen Erbanlagen sind dominant, d. h. vorherrschend. Die klein geschriebenen Erbanlagen kommen nur dann zum Tragen, wenn sie in doppelter Form vorhanden sind. Erscheint dagegen nur über oder unter dem Bruchstrich ein kleiner Buchstabe während der gleiche auf der anderen Seite groß geschrieben wird, so ist das Tier spalterbig. Die Farbe aber entspricht dem großen Buchstaben. Mit anderen Worten: Die Erbanlage, die sich aus dem kleinen Buchstaben ergibt, ist verdeckt.
Die kleinen Buchstaben ergeben sich durch sogenannte Mutationen, d. h. Erbsprünge. Diese Mutationen sind verantwortlich für die große Vielfalt unserer Rassen und Farben. Mutationen hat es sicherlich auch in der freien Wildbahn schon immer gegeben. Dort aber haben die Tiere mit einer anderen Farbe schon wegen ihrer Auffälligkeit nur geringe Überlebenschancen. Ein weiteres Erschwernis für den Erhalt in der freien Wildbahn ist es, dass der Fortbestand nur dann möglich ist, wenn wieder zwei Tiere dieser Farbe zusammenkommen. Verpaart sich dagegen z. B. ein blaues Tier mit einem wildgrauen, so sind alle Nachkommen wiederum wildgrau. Das dominante Wildgrau setzt sich voll durch. Anders sieht es da in der Gefangenschaft aus. Hier kann der Züchter gezielt eingreifen. Das heißt, er kann die entsprechenden Mutanten miteinander verpaaren. Selbst spalterbige Tiere kann er so miteinander verpaaren, dass ein Teil der Nachzucht die gewünschte Farbe hat.
Was bedeuten die einzelnen Buchstaben?
A ist der Grundfaktor für die Farbstoffeinlagerung bzw. Pigmentbildung im Haar überhaupt. Mutiert A zu a, so ist keine Pigmentbildung möglich. Die Tiere sind farblos weiß mit farblosen, sprich roten Augen. Es sind Albinos (Die roten Augen entstehen infolge des Durchscheinens der Äderchen. Das Auge bzw. der Augapfel ist farblos).
B ist der Erbfaktor für dunkles Pigment. Dieser Erbfaktor ist bei den meisten, auch helleren Farben, wie z. B. Blau, vorhanden. Bei der Mutation zu b kann sich nur noch die gelbe Farbe, die auch im Wildfell vorhanden ist, ausbreiten. b ist somit der Gelbvererber. Der Gelbvererber kann allerdings in seiner reinen Form nur in Verbindung mit dem Wildfarbigkeitsfaktor in Erscheinung treten.
C ist der Erbfaktor für Schwarz. Bei der Mutation zu c kann sich kein Schwarz mehr im Haar bilden. Es entsteht Braun bzw. Havannabraun.
D beeinflusst die Dichte der Schwarzeinlagerung im Haar. Nur beim Vorhandensein dieses Erbfaktors kann das schwarze Pigment durch eine entsprechende Dichte die intensive Schwarzfärbung erreichen. Kommt es zur Mutation zu d, so ergibt die Verdünnung des schwarzen Pigmentes das Blau. d ist der Blaufaktor. Dieser Blaufaktor kann in seiner reinen Form aber nur bei der Einfarbigkeit zum Tragen kommen.
G ist der sogenannte Wildfarbigkeitsfaktor. Er sorgt für die zonenweise Verteilung der Farbe im Haar und der damit im Zusammenhang stehenden sogenannten Wildfarbigkeitsabzeichen. Durch die Mutation zu g wird die zonenweise Verteilung der Farbe im Haar aufgehoben. Es entsteht Einfarbigkeit. Diese Einfarbigkeit besagt, dass die Färbung der Haare am ganzen Körper von der Wurzel bis zur Spitze gleich ist. Wie wir aber wissen, ist dies nicht ganz so. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, auf die ich noch zu sprechen kommen werde.
Neben diesen Erbfaktoren sind bei den Mutationen noch verschiedene Zwischenstufen entstanden. Sie werden als Serien bezeichnet. So kennen wir die sogenannte Albinoserie, die Gelbserie und die Schwarzserie. Außerdem kommen bei verschiedenen Rassen noch andere, zusätzliche Erbfaktoren zum Tragen. Auf alle diese Dinge werde ich in den weiteren Ausführungen noch näher eingehen.
Die Wildfarben
Die Beschreibung der einzelnen Farben baut sich ebenso wie die fünf Buchstabensymbole auf die Wildfarben auf. Die ursprüngliche Farbe aller Kaninchen ist das Wildgrau. Die Färbung hat sich auch Prof. Nachtsheim zum Vorbild genommen. Das Wildgrau entspricht somit der Erbformel ABCDG/ABCDG. Neben dem Wildgrau kennen wir noch die Farben Dunkel- und Hasengrau bzw. Hasenfarbig. Alle diese Farben oder Färbungen gehören zur Gruppe „Schwarzwildfarbig". Die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Schwarzwildfarben habe ich im DKZ schon mehrfach ausführlich beschrieben und soll darum hier aus Platzgründen unterbleiben.
Nicht unerwähnt bleiben kann aber der erste zusätzliche Erbfaktor. Beim Hasengrau bzw. Hasenfarbig kommt der Faktor y, der sogenannte Gelb- und/oder Rotverstärker, hinzu. Er wurde über die Hasenkaninchen als weitere Mutation in die Rassekaninchenzucht eingebracht. Der Faktor y wird entsprechend seiner Intensität mit Zahlen beschrieben. So lautet die Erbformel der Hasengrauen ABCDGy¹…/ABCDGy¹….3
Eine weitere Besonderheit der Schwarzwildfarbe ist das Eisen- grau. Diese Farbe kann nur in spalterbiger Form sichtbar werden. Sie ist entstanden durch eine Mutation innerhalb der Gelbserie. Allerdings ist diese Mutation nicht auf dem Weg von B zu b, sondern als Steigerung von B entstanden. Eisengraue Tiere haben die Erbformel AB CDG/ABCDG. Trifft zweimal der Faktor Be zusammen, so sind die Tiere sehr dunkel bzw. schwarz. Wobei dieses Schwarz nichts mit dem, der Alaska zu tun hat. Es ist matt und oft mit gräulichen Haaren durchsetzt.
Die Gelbwildfarbe hat die Erbformel AbCDG/AbCDG. Sie entspricht der Farbe der Gelbsilber ohne Silberung. Wie bereits erwähnt, kann diese gelbe Farbe nur im Zusammenhang mit dem Wildfarbigkeitsfaktor G in Erscheinung treten. Wer diese Zusammenhänge kennt, dem ist klar, dass es nicht möglich ist, ein gelbes, einfarbiges Kaninchen zu züchten. Übrigens, auch die Roten Neuseeländer und Sachsengold sind Gelbwildfarbige. Bei ihnen und allen anderen ähnlich gefärbten Rassen bewirkt lediglich der Faktor y den Eindruck von Einfarbigkeit.
Nicht anerkannt ist die Braunwildfarbe. Die Erbformel lautet ABCDG/ABCDG. Die Färbung ist dem Dunkelgrau sehr ähnlich. Lediglich die schwarzen Haarspitzen sind bei diesen Tieren braun. bzw. havannabraun. Insgesamt ist es eine sehr aparte Farbe, deren Zucht sich durchaus lohnen könnte.
Die Blauwildfarbe ist im Reigen unserer Rassen recht gut vertreten. Als Beispiel sollen die Perlfeh angeführt werden. Die Erbformel lautet ABCdG/ABCdG. Wichtig ist es, zu wissen, dass die Blauwildfarbe niemals dem Blau z. B. der Blauen Wiener entsprechen kann. Die Ursache ist in der Tatsache begründet, dass nur die schwarzen Haarspitzen der Schwarzwildfarbigen bei den Blau- wildfarbigen blau erscheinen. Ja, erscheinen. Warum dies so ist, werde ich bei der Einfarbigkeit erklären. Die anderen Farbanteile sind ebenso wie bei den Schwarzwildfarbigen.
Bleibt noch die Fehwildfarbe. Sie hat die Erbformel ABcdG/ ABcdG. Die Luxkaninchen und ähnlich gefärbte Rassen haben diese etwas ungewöhnliche Eigenschaft. Es treffen die Erbfaktoren für die Havannafarbe und Blau zusammen.
An dieser Stelle möchte ich meine Aussage im Blauen Jahrbuch 1990 im Beitrag über Luxkaninchen berichtigen. Dort steht, die Luxkaninchen seien blauwildfarbig. Diese Aussage ist falsch und muss richtig fehwildfarbig heißen.
Vor einiger Zeit sind die Seperatorkaninchen als Neuzüchtung auf Bundesschauen aufgetaucht. So ganz neu ist dieses Kaninchen nicht. Prof. Nachtsheim hat diese Art Kaninchen, bezogen auf die Erbeigenschaften, im Rahmen seiner Arbeiten zu den Vererbungsgesetzen entwickelt und als „Dahlemer Sandfarbenes Kaninchen“ herausgebracht. Leider war dieser Rasse kein längeres Leben beschieden. Nun aber sind diese Tiere wieder da und sie haben durchaus als Rasse ihre Berechtigung. Viel wichtiger scheinen aber die erbmäßigen Eigenschaften zu sein. Mit ihrer Erbformel AbcdG/AbcdG sind sie als sandwildfarbig zu bezeichnen. Als Rasse aber sollen sie nur in einfarbiger Form zugelassen werden. Sie haben dann die Erbformel Abcdg/Abcdg und somit keine eigenen Erbfaktoren für die Farbe. Beide Formen, mit oder ohne Wildfarbigkeitsfaktor sind damit ideal für Reinerbigkeitsversuche bei allen Rassen geeignet. Bei einigen Rassen könnte dies für die Zucht sehr nützlich sein. In den Bewertungsbestimmungen der sozialistischen Länder ist die Rasse unter dem Namen Tschechische Löser bereits anerkannt.
Der Wildfarbigkeitsfaktor
Eine besondere Stellung unter den Erbfaktoren nimmt der sogenannte Wildfarbigkeitsfaktor G ein. Er bewirkt nicht nur die zonenweise Verteilung der Farbe innerhalb der Haare, sondern er ist auch verantwortlich für die Wildfarbigkeitsabzeichen. Sie sind in der Regel weiß und werden gebildet aus den mehr oder weniger ausgeprägten Augenringen, den Kinnbackeneinfassungen, den Innenseiten der Läufe, der Bauchdeckfarbe und Unterseite der Blume. Mutiert der Wildfarbigkeitsfaktor von G zu g, so ist die zonenweise Verteilung der Farbe im Haar aufgehoben und die Wildfarbigkeitsabzeichen sind nicht mehr vorhanden. Die Tiere sind einfarbig.
Die nicht wildfarbigen Grundfarben
Die einfarbigen Farben bauen alle auf den bereits besprochenen Wildfarben auf. So hat die Farbe Schwarz die Erbformel ABCDg/ ABCDg. Als Beispiel seien die Alaskakaninchen angeführt, die diese Erbformel in ihrer reinsten Form verkörpern. Nun müssten nach den Ausführungen zu dem Faktor g die Alaska am ganzen Körper gleichmäßig schwarz sein. Wir aber wissen, dass die Farbe auf dem Rücken den besten Glanz zeigt und am Ausgeprägtesten in Erscheinung tritt. Dafür gibt es, wie bereits erwähnt, verschiedene Gründe. Da die Farbe von den schuppenartig übereinanderliegenden Grannenhaaren stark beeinflusst wird, sorgt die unterschiedliche Fellstruktur am Rücken und am Bauch für eine unterschiedliche Färbung. Der Bauch zeigt sich in der Regel matter. Ebenso kann die unterschiedliche Haarlänge, z. B. am Kopf oder an den Läufen, die Farbe beeinflussen. Besonders extrem aber ist der Unterschied von der Deckfarbe zur Unterfarbe. Auch dabei spielen die umgelegten Grannenhaare eine gewisse Rolle. Hinzu kommt die unterschiedliche Lichtbrechung durch die Haare selbst. Diese bewirkt z. B. bei den Alaska die blaue Unterfarbe. Die unterschiedliche Lichtbrechung sorgt so bei allen einfarbigen Rassen dafür, dass die Unterfarbe anders, in der Regel heller als die Deckfarbe ist.
Als gelbe, einfarbige Kaninchen mit der Erbformel AbCDg/ AbCDg kennen wir in erster Linie die Thüringerkaninchen. Genauer gesagt, die Thüringerfarbe. Die Farbe hat einen rußigen Anflug. Dieser rußige Anflug oder besser die schwarzen Grannen gehören zu der gelben Farbe in Verbindung mit dem Faktor g. Sicher würde es den roten Rassen, wie z. B. den Roten Neuseeländern sehr gut tun, wenn sie einfarbig gezüchtet werden könnten. Wahrscheinlich gibt es sogar schon einige Tiere mit diesem Erbfaktor. Leider aber haben wir bei diesen Rassen ebenso, wie teilweise auch bei den Gelbsilbern mit einem schwarzen Anflug zu kämpfen. Der Grund dafür erklärt sich eindeutig aus den Versuchen die Rassen einfarbig zu bekommen.
Die havannafarbigen Rassen haben die Erbformel ABcDg/ ABCDg. Die Eigenart dieser Farbe liegt in den rötlich leuchtenden Augen. Der Verlust des Erbfaktors für Schwarz bewirkt auch einen teilweisen Pigmentverlust im Auge. Dadurch können die Äderchen stärker in Erscheinung treten. An der Farbe der Krallen ist ebenfalls ein gewisser Pigmentverlust gegenüber der schwarzen Farbe nicht zu übersehen.
Die blauen Rassen, wie z. B. die Blauen Wiener, haben die Erbformel ABCdg/ABCdg. Dabei sollten wir beachten, dass es die Farbe Blau eigentlich gar nicht gibt. Die verringerte Schwarzeinlagerung verursacht lediglich eine andere Lichtbrechung innerhalb jedes einzelnen Haares. Diese lässt die Fellfarbe im Büschel blau erscheinen. Eine Ausnahme gibt es allerdings auch hier. In der Zwischenzeit wurde ein sogenannter Blauverstärker entdeckt. Dieser Faktor wird mit H gekennzeichnet. Er sorgt dafür, dass das Blau tatsächlich blau ist. Bisher scheint der Faktor, der bei den Blauen Wienern gefunden wurde, noch nicht ausreichend innerhalb aller Zuchtstämme gefestigt zu sein. Auf jeden Fall ist er noch immer nicht bei allen Blauen Wienern erkennbar, wobei dies ohnehin nur Experten erkennen können.
Die Fehfarbe ist uns von den Marburger Feh bekannt. Sie hat die Erbformel ABcdg/ABcdg. Die Farbe ist eine Kombination der Farben Havannabraun und Blau. Der Standard fordert für die Deckfarbe der Marburger Feh ein lichtes Blau mit einem leichten bräunlichen Schleier. Diese Forderung entspricht exakt der Fehfarbe. Leider aber zeigen die meisten MF heute ein relativ sattes Blau fast ohne jeden Schleier. Hier könnten Reinerbigkeitsversuche mit den Separator sehr schnell Klarheit darüber bringen, ob unsere MF wirklich noch fehfarbig sind. Damit sind wir bei dem Seperatorkaninchen angekommen. In der einfarbigen Form haben sie die Erbformel Abcdg/Abcdg. Die Deckfarbe ist schmutziggelb mit einem zarten hellblauen Anflug. Die Unterfarbe ist rötlichgelb und geht am Haarboden in einen schmutzigweißem Streifen über.
Die weißen Rassen
Neben den farbigen Tieren haben wir noch die weißen Rassen. Bei ihnen gibt es von der Vererbung her erhebliche Unterschiede. Da sind einmal die Albinorassen, weiße Rassen mit roten bzw. farblosen Augen. Bei diesen Tieren ist der Faktor A zu a mutiert. In der älteren Fachliteratur wurde die Erbformel mit aBCDG/ aBCDG beschrieben. In der Zwischenzeit hat sich aber gezeigt, dass Erbfaktoren BCDG nicht mit Sicherheit bei den Albinos vorhanden sind. Um diese Unkenntnis zum Ausdruck bringen zu 80 können, wird die Erbformel jetzt mit a… ./a . . . . angegeben. Paarungsversuche haben diese Theorie bestätigt und zusätzlich andere, noch zu beschreibende Erbfaktoren zu Tage gebracht. Als weitere anerkannte weiße Rassen kennen wir die Weißen Wiener und andere weiße Rassen mit blauen Augen. Früher wurde angenommen, die Rassen mit blauen Augen wären farbige Tiere ohne Pigment in der Behaarung. Diese Pigmentlosigkeit wird durch den Leuzismusfaktor x ausgelöst. Auch hier hat sich aber gezeigt, dass der Leuzismusfaktor zwar bei allen weißen Rassen mit blauen Augen dominant vorhanden ist, aber die farblichen Erbfaktoren trotzdem nicht bekannt sind. So werden auch bei diesen Rassen die nicht vollkommen bekannten Erbfaktoren weggelassen. Die Erbformel lautet somit A….x/A….x oder Ax…/Ax…. Zusätzlich ist aus Kreuzungsversuchen bekannt, dass z. B. die Weißen Wiener den Faktor s für die Plattenscheckung der Holländerkaninchen in sich tragen.
Seit einiger Zeit versuchen einige Züchter wieder Rassen mit braunen Augen zu erzüchten. Wieder, weil es u. a. Hermelin mit braunen Augen schon einmal gegeben hat. In der CSFR wurden 1984 erstmalig „Weiße Mährische Kaninchen mit braunen Augen“ gezeigt. Von diesen Tieren ist die Zuchtgeschichte im Gegensatz zu den Hermelin, Braunaugen bekannt. Die Herauszüchter haben Sachsengold (AbCDGy/AbCDGy) und Kleinchinchilla (achin BCDG/ achin BCDG) miteinander verpaart. Die Nachzucht ist ausschließlich hasengrau. In der nächsten Generation aber fallen statistisch 1/16 Schwarzgrannenkaninchen. Dabei handelt es sich um weiße Tiere mit braunen Augen und dunklen, schwarzen Grannen. Dr. H. Niehaus hat mit diesen Tieren 1960/61 in der damaligen Bundesforschungsanstalt für Kleintierzucht Versuche gemacht. Die Schwarzgrannen sind in Osteuropa übrigens als Rasse anerkannt. Diese Schwarzgrannen haben die Erbformel achinbCDG/achinbCDG. Zustande kommt diese ungewöhnliche Färbung, weil der Chinchillafaktor achin die Ausbildung aller Gelbtöne im Haar verhindert, ohne die Augenfarbe verschwinden zu lassen. Die Augenfarbe bleibt braun. In der CSFR haben die Züchter durch eine extreme Verdrängungszucht die schwarzen Grannen weggezüchtet und so weiße Tiere mit braunen Augen erhalten. Die Erbformel dieser Tiere müsste achinb…/achinb… lauten, denn auch in diesem Fall sind die übrigen Symbole nicht mit Sicherheit feststellbar. Von entsprechenden Vererbungsversuchen ist ebenfalls nichts bekannt.
Die Mutationsserien
Bei der Erklärung der einzelnen Erbsymbole bzw. der Buchstaben war bereits die Rede von den sogenannten Mutationsserien. Diese Serien sind Zwischenstufen bei der Mutation. Mit anderen Worten, in einigen Fällen ist die Mutation, z. B. bei der Albinoserie, auf dem Weg von der Farbe bzw. Pigmentbildung überhaupt zum Albino (farblos) steckengeblieben. Aus diesen Zwischenstufen sind teilweise neue Rassen entstanden. Bei der Erklärung der Serien bleiben die weiteren Erbfaktoren unberücksichtigt. Sie sind anhand der vorher gemachten Erläuterungen im Bedarfsfalle leicht nachzuvollziehen.
1. Die Albinoserie:
A/A = Farbe überhaupt
ad/ad = Dunkelchinchilla (fast schwarz und nicht aus stellungsfähig)
achin/achin = Chinchilla
am/am = Dunkelmarder (fast schwarz und nicht aus stellungsfähig)
an/an = Russenzeichnung
a/a = Albino (farblos, weiß)
In dieser Aufzählung fehlen die Typenmarder. Sie gehören ebenfalls in die Albinoserie. Früher wurde meist am/am als Erbformel angegeben. Wie aber oben zu sehen ist, haben diese Erbformel die nicht ausstellungsfähigen, fast schwarzen Dunkelmarder. Nun, die Typenmarder sind spalterbig zwischen den Dunkelmardern und den Russen am/an oder umgekehrt bzw. zwischen den Dunkelmardern und Albinos am/a oder umgekehrt. In diesem Zusammenhang ist es außerdem wichtig zu wissen, dass die Erbfaktoren für die Albinos ebenso wie die der Dunkel-, Typenmarder und Russen, diese in unterschiedlicher Zusammenstellung, zusammen mit dem Gelbfaktor b/b weiße oder fast weiße Tiere (Siamesen) ergeben.
2. Die Gelbserie:
Be/Be = Eisengrau, reinerbig(fast schwarz und nicht ausstellungsfähig)
Be/B = Eisengrau, spalterbig (ausstellungsfähig)
B/B = Dunkles Pigment (siehe oben)
bj/bj = Japanerzeichnung
b/b = Gelb
Zu der Erbformel für die Japanerzeichnung ist noch zu erklären, dass sie in Verbindung mit dem Chinchillafaktor auch für die Rhönkaninchen zutrifft.
3. Die Schwarzserie:
G/G = Wildfarbigkeitsfaktor
G0/g0 = Faktor für die Lohzeichnung
g/g = Einfarbigkeit
Der Lohfaktor gilt auch für die Weißgrannen und bedingt kann er auch bei den Schwarzgrannen zum Tragen kommen. Allerdings nur in Verbindung mit dem Chinchillafaktor.
Die Erbfaktoren für die Silberung
Neben den Erbfaktoren für die Farbe haben wir auch noch unterschiedliche Erbfaktoren für die Silberung und die unter- schiedlichsten gescheckten Rassen. Diese werden ebenfalls in doppelter Form an die entsprechende Farberbformel angehängt. Im Grunde gehörten sie zwar an jede Erbformel entsprechend angehängt, aber dann würden die Erbformeln zu lang und deshalb werden sie nur dort mitgeschrieben, wo es erforderlich ist. Das gleiche gilt für die jeweilige Behaarung und die Größe. Eine vollständige Erbformel würde z. B. für einen Schwarzrex lauten: ABCDgXYSkprexDw/ ABCDgXYSkprexDw. Nun wissen wir aber, dass ein Schwarzrex keine blauen Augen, kein Rot, keine Plattenscheckung, keine Punktscheckung und keine Silberung hat und normal in der Größe ist. Deshalb lautet die Erbformel einfach ABCDgrex/ABCDgrex.
Bei allen Silberrassen entspricht die Erbformel der für die Farbe des jeweiligen Farbenschlages. Dazu kommt der Silberfaktor P/P. Dieser wird entsprechend der Intensität der Silberung zusätzlich mit Zahlen gekennzeichnet.
Platten- und Punktschecken
Der Plattenscheckenfaktor wird mit s/s und zusätzlichen Zahlen kenntlich gemacht. Der Plattenscheckenfaktor trifft ausschließlich für die Holländer zu. Nun muss allerdings keine vollständige Holländerzeichnung vorhanden sein. Eine weiße Blesse auf der Stirn, eine weiße Nase oder eine weiße Pfote bei farbigen Tieren kann bereits auf den Plattenscheckenfaktor hinweisen. Betreffs der Farbe gelten ebenfalls die bekannten Erbfaktoren.
Die Punktschecken sind nur in spalterbiger Form als Ausstellungstiere zu gebrauchen. Bei ihnen kommt der Zusatz K/k oder k/ K zur Farberbformel dazu. Einfarbige Tiere in den Würfen von Schecken haben die Erbformel k/k. Weißlinge dagegen werden mit K/K gekennzeichnet. Allerdings sind die echten Weißlinge (Chaplins) mit dem Faktor K/K grundsätzlich nicht lebensfähig. Alle zeichnungslosen Tiere, die die Zuchtreife erreichen, sind eindeutig Schecken ohne oder fast ohne Zeichnung. Als weitere Scheckung kennen wir die Mantelzeichnung. Die Mantelzeichnung gehört erbmäßig zu den Punktschecken und hat die gleiche Erbformel.
Betreffs der Scheckung gibt es noch eine Besonderheit, die Hototkaninchen. Bei dieser Rasse gibt es neben Tieren, die zu einer der beiden Scheckenarten gehören auch Tiere, die beide Scheckenarten in sich vereinigen. So sind folgende Erbformeln möglich: SK/Sk oder SK/SK oder sk/sk. An den Tieren selbst ist die jeweilige Erbformel nur schwer oder gar nicht zu erkennen. Um die jeweilige Erbformel in Erfahrung zu bringen sind relativ umständliche Vererbungsversuche erforderlich, die sich aber im Grunde nicht lohnen. Im Übrigen ist es für die Zucht selbst nur von nebensächlicher Bedeutung.
Die Erbfaktoren der verschiedenen Haararten
Nicht zur Farbvererbung gehören die Erbfaktoren für die Behaarung und darum sollen sie auch nur am Rande erwähnt werden. Zur genaueren Erklärung wäre ein längerer Beitrag erforderlich. Die Symbole für die Behaarung sind ebenfalls Buchstaben, die in doppelter Form geschrieben werden. Für das Normalhaar steht V/V und für das Langhaar v/v. Spalterbige Tiere haben demzufolge die Erbformel V/v oder v/V. Die Kurzhaar- bzw. Rexkaninchen haben das Symbol rex/rex. Als neuere Behaarungs- art haben wir seit einiger Zeit die Haarstrukturrassen, die Satinkaninchen. Ihre Erbformel lautet sa/sa. Das Erbverhalten entspricht dem der Farbe. Das heißt: Langhaar, Rex und Satin können in spalterbiger Form nur als Normalhaar in Erscheinung treten. Die Erbformeln lauten dann V/v, V/rex und V/sa oder umgekehrt.
Die Dominanzwerte
Die verschiedenen Erbfaktoren haben unterschiedliche Dominanzwerte. Dieser sogenannte Dominanzwert wird mit Zahlen dargestellt. Die niedrigere Zahl dominiert dabei über die nächsthöhere und alle anderen höheren Zahlen. Für die Vererbung bedeu- tet dies, daß bei der Verpaarung unterschiedlicher Dominanzwerte stets der mit der niedrigeren Zahl im Erscheinungsbild zum Tragen kommt.
Dominanzwert 1: A, B, C, D, G, H, K, P, S, X und Y
Dominanzwert 2: ad, B, c, d, g, h, k, p, s, x und y
Dominanzwert 3: achi, bj und g
Dominanzwert 4: am, b
Dominanzwert 5: an
Dominanzwert 6: a
Ein praktisches Beispiel für die Farbvererbung
Den Abschluss dieses Beitrages soll ein praktisches Beispiel bilden. Anhand der folgenden Tabelle ist jede andere Vererbung theoretisch nachvollziehbar. Die verwendeten Buchstabensymbole sind beliebig austauschbar.
Gehen wir davon aus, dass wir ein gelbes Burgunderkaninchen mit einem wildfarbigen Seperatorkaninchen verpaaren. Dabei treffen die Erbfaktoren AbCDG/AbCDG (Burgunder) AbcdG/ AbcdG (Separator) aufeinander. Soweit es sich bei beiden Erbformeln um gleiche Buchstaben mit der gleichen Schreibweise handelt, sind sie zuerst einmal ohne Interesse für die Sache. In diesem Fall A b G. C und D dagegen sind einmal groß geschrieben bei dem Burgunder und damit dominant vorhanden. Bei dem Separator dagegen haben wir c und d klein geschrieben. Bei der Verpaarung treffen diese nun, wie in der Tabelle oben waagerecht und vorne senkrecht zu sehen, aufeinander. Daraus ergeben sich bei der Nachzucht 16 Kombinationen:

Die Nummern 1/6/11 und 16 sind reinerbig. Alle anderen Tiere sind einfach oder doppelt spalterbig.
Die 16 Varianten verteilen sich danach in 9 × gelb, 3 × orange, 3 x creme und einmal sandfarbig (Separator). Würde für den Burgunder ein Sachsengold benutzt, so wären 9 Tiere rot oder gelb entsprechend dem Anteil des Faktors y. Der Faktor y, er ist ja nur bei einem Tier vorhanden, brächte eine weitere Spalterbigkeit ins Spiel. In diesem Fall hätten wir bereits 64 Varianten. Bei einem vierten spalterbigen Faktor wären 144 Varianten zu erwarten. Das Schema ist in jedem Fall gleich der obigen Tabelle. Nur die Felder werden entsprechend mehr.
Vielleicht ist es mir gelungen, den trockenen Stoff der Vererbung mit diesem Beitrag etwas verständlicher zu machen. Die Zusammenhänge zu erkennen, kann der Zucht jedes einzelnen Züchters im Grunde nur nützen, und sei es nur, um Fehler im eigenen Zuchtstamm zu erkennen.









