Die Verwertung der Kaninchenfelle.
Vortrag, gehalten am 4. September in Freiberg von
L. Manstetten
Betriebsleiter der Lehrgerberei der Deutschen Gerberschule zu Freiberg i. Sa.
Wahls Taschenkalender 1911 -12
Sehr geehrte Anwesende! Wenn auch bei den meisten Kaninchenzüchtern ein gut Teil Liebhaberei den Ansporn zu dieser Zucht gibt, so muss doch auch der den idealen Zielen zustrebende Sportzüchter die Produkte seiner Zucht möglichst hoch zu verwerten suchen, sei es auch nur, um die Kosten seiner Liebhaberei möglichst zu verringern. Leider fallen aber nicht alle Jungtiere, selbst bei dem erfahrensten Züchter, so, dass sie mit gutem Züchtergewissen zur Nachzucht verwendet oder verkauft werden können. Es muss also stets eine gewisse Anzahl als Schlachttiere auch beim Sportzüchter Verwendung finden.
Ferner liegt der volkswirtschaftliche Zweck der Kaninchenzucht immer noch darin, dass durch dieselbe ein verhältnismäßig billiges Volksnahrungsmittel geschaffen wird. Inwieweit dieser Zweck jetzt schon erreicht ist und inwieweit er überhaupt erreicht werden kann, das gehört nicht in den Rahmen unserer heutigen Betrachtung. Ich möchte hier nur die einfache, leicht einleuchtende Tatsache hervorheben, dass sich das Kaninchenfleisch um so billiger stellt, je höher das bei seiner Gewinnung abfallende Nebenprodukt, das Fell, zu verwerten ist.
Ihnen über die Verwertung des Kaninchenfelles auf Grund eigener Beobachtungen und Erfahrungen einige Mitteilungen zu machen und Ihnen einige Fingerzeige hierfür zu geben, ist die Aufgabe, die ich mir heute gestellt habe. Um Ihnen für die aufgestellten Behauptungen Beweise zu liefern und um Ihnen das Gesagte durch die Anschauung verständlicher zu machen, werde ich Ihnen aus meiner Sammlung eine Anzahl Felle hier vorzeigen. Ich bemerke jedoch ausdrücklich, dass dies nicht Ausstellungs-, sondern Belehrungsmaterial ist.
Geehrte Anwesende! Ich habe mich zunächst mit der Frage der Verwertung der Kaninchenfelle nur aus persönlichem Interesse beschäftigt, aber um so lieber, da ich sah, dass es sich um eine Frage handelte, die für weite Kreise eine gewisse Bedeutung hat. Da mir weiter von Herrn Dr. PoppeLeipzigR. auch Ihr Fachblatt „Der Kaninchenzüchter“ zur Verfügung gestellt wird, so habe ich dadurch Gelegenheit gehabt, die Fachpresse über die Frage der Verwertung der Kaninchenfelle zu studieren. Hier waren es vor allem die Äußerungen aus Züchterkreisen über diese Frage, denen mein Interesse galt, die oft aber auch mein Kopfschütteln erregten.
Was dem Sachverständigen hier am meisten auffällt, ist der Umstand, dass von den Kaninchenzüchtern noch alles über die Verwertung von Kaninchenfellen Gesagte zu sehr verallgemeinert wird, dass man sich viel zu wenig bewusst ist, welche Anforderungen, die eine oder andere Verwertungsart an ein Fell stellt. Über den Unterschied zwischen Sommer- und Winterfell kommt man oft nicht hinaus und denkt, ein Kaninchenfell ist eben ein Kaninchenfell.
Meine geehrten Anwesenden, gewiss ist ein Kaninchenfell ein Kaninchenfell, aber wenn man es verwenden will, dann entsteht doch die Frage, ob es von einem Rammler oder einer Häsin herstammt, ob das geschlachtete Tier alt oder jung war, ob es ein großes oder ein kleines, ein dickes oder ein dünnes, ein unbeschädigtes oder ein beschädigtes Fell ist. Dies alles muss, wenn man Klarheit darüber schaffen will, wozu sich ein Fell am besten eignet, außer der Behaarung berücksichtigt werden.
Selbst bei Farbenkaninchen, deren Fell doch wohl nach Ansicht der meisten Züchter – außer den Sommerfellen – stets zu Pelzwerk verarbeitet werden soll, ist es auch bei den Winterfellen angebracht, sich die Frage vorzulegen: Wozu eignet sich dieses Fell? Ein Beispiel möge Ihnen dies beweisen.
Um Ihnen zunächst einmal zu zeigen, wie ein für Leder bestimmtes Fell beschaffen sein soll, lasse ich das lohgare, auch auf der Fleischseite zugerichtete Fell eines Riesenrammlers herumgehen. Weiter lasse ich dann das zu Pelzwerk gegerbte Fell eines gelben Rammlers folgen. Dieses Fell ist bei der Zurichtung nicht weich geworden, ein Umstand, der aber keineswegs auf eine mangelhafte Zurichtung, sondern auf die Beschaffenheit des Felles zurückzuführen ist.
Um Ihnen hierfür den Beweis zu bringen, lasse ich weiter das zu Leder verarbeitete Fell eines Silberrammlers herumreichen. Wenn Sie sich von der verhältnismäßig außerordentlichen Stärke dieses letzten kleinen Felles überzeugt haben, werden Sie es gewiss begreiflich finden, dass sich auch bei kleinen Rassen die Rammlerfelle nicht zu Pelzzwecken eignen. Die Felle der älteren Rammler werden also bei der Pelzzurichtung einfach nicht weich und eignen sich, mit Haaren gearbeitet, höchstens zu Teppichen.
Wollen Sie also die Felle Ihrer geschlachteten Tiere möglichst gut verwerten, so müssen Sie beurteilen können, wozu sich ein Fell eignet, und dasselbe dem Zwecke zuführen, zu dem es sich am besten verarbeiten lässt. Für die Felle, die der Züchter zu seinem eigenen Gebrauch verarbeitet oder verarbeiten lässt, wird dies wohl von Ihnen ohne weiteres zugegeben, weniger vielleicht für jene Felle, die Sie zum Verkauf bringen. Aber auch hier ist die oben gekennzeichnete Beurteilung des Felles notwendig, denn wenn Sie ein Fell nicht daraufhin beurteilen können, wozu es verwendbar ist, dann können Sie es auch nicht bewerten, und der Händler gibt Ihnen für Ihr Fell was er will, wie man dies leider oft genug beobachten kann.
Welches sind nun die Zwecke, denen die Felle der geschlachteten Kaninchen überhaupt zugeführt werden können und welchen Verwendungsarten werden die in den Handel gebrachten Kaninchenfelle zugeführt? Die erste Frage können wir dahin beantworten, dass Kaninchenfelle in erster Linie als Pelze und zur Haargewinnung, also als sogenannte Schneidekanin, Verwendung finden. Außerdem wird jetzt, soviel ich weiß aber nur für den Züchter selbst, Leder aus Kaninchenfellen gearbeitet. Die in den Handel gebrachen Felle gelangen wohl ausschließlich zu den beiden ersten Verwendungsarten, die besseren Winterfelle werden für Pelzzwecke, die geringeren als Schneidekanin zur Gewinnung von Haaren verarbeitet. Die Anfertigung von Leder aus Kaninchenfellen in grobem, bedeutendem Maßstabe für den Verkauf ist meiner Erfahrung nach bis jetzt noch nicht durchführbar, und würde, um nutzbringend zu sein, die Möglichkeit verlangen, Tausende von Rammlerfellen erhalten zu können von der Beschaffenheit der Ihnen zuerst gezeigten Lederfelle.
Da nun die zum Verkauf gebrachten Felle vom Händler sortiert werden in solche, die zu Pelz verarbeitet werden können, und in Schneidekanin, und da ferner letztere ungefähr nur 2/3 des Preises bringen wie erstere, so ist es, wenn eine höhere Bewertung der Felle eintreten soll, in erster Linie Aufgabe der Kaninchenzüchter-Vereine, ihre Mitglieder dahin zu erziehen, dass sie ein möggen. Ehe wir aber auf die Anforderungen, die an ein solches gestellt werden, näher eingehen, wollen wir zunächst noch die Verwendung von Kaninchenfellen zu Leder zum eigenen Gebrauch des Züchters oder zum Gebrauch in dessen Familie etwas näher betrachten. Nach meiner Meinung ist in den einschlagenden Artikeln der Fachpresse diese Frage etwas zu sehr in den Vordergrund gestellt worden, besonders die Verwendung zu Schuhleder. Hierdurch ist nun der Fehler in weite Kreise getragen worden, dass man fast wahllos auch eine große Menge ungeeigneter Felle zu Leder verarbeiten ließ. Ich habe mich, um in dieser Angelegenheit klar zu sehen, eine Zeitlang mit der Gerbung von Kaninchenfellen befasst und in der Lehrgerberei solche in Lohe gegerbt und zugerichtet. Ich habe Hierbei die Überzeugung gewonnen, dass zum allermindesten die Hälfte, der zu Leder von den Züchtern bestimmten Felle besser mit Haaren zu Pelz verarbeitet würde oder gar nur als Schneidekanin Verwendung finden müsste. Rechnen Sie hierzu noch, dass oft für 2 oder 3 Felle Hin- und Rückporto nebst Verpackung usw. ausgelegt wurde, dann werden Sie mit mir übereinstimmen und zu der Überzeugung gelangen, dass nur große starke Rammlerfelle zu Leder sich eignen und einigermaßen die Gewähr geben, dass ein die Unkosten deckendes Leder, zu Schuhleder geeignet, daraus wird. Wenn ich Ihnen jetzt einige Felle herumreiche, um Ihnen das oben Gesagte zu beweisen und Ihnen die Fehler, die bei gegerbten Fellen vorkommen, zu zeigen, dann bitte ich Sie, diese mit den beiden schönen braunen Fellen zu vergleichen, die ich zuerst vorzeigte, dann erst wird Ihnen die Minderwertigkeit der jetzt gezeigten Felle zum Bewusstsein kommen. Zunächst einige lohgare Felle. Die Gerbung mit Lobe empfiehlt sich im Allgemeinen für leichtere Fälle, da dieselben hierbei mehr aufgehen und gefüllt werden als bei Chromgerbung. Fell 4 ist falsch aufgeschnitten, auch bemerken Sie an demselben bei genauerem Zusehen verschiedene Narbenfehler, meist als Folgen einer schlechten Konservierung. Ferner möchte ich auf die Abfälligkeit dieses Häsinnenfelles hinweisen, dass Ihnen dadurch den Beweis erbringt, dass Häsinnenfelle sich zu Leder nicht eignen. Als 5. Fell lasse ich als weiteren Beweis hierfür wieder ein kleines Rammlerfelle folgen, dass, trotzdem es kleiner ist, stärker im Leder ist. Fell 6 soll Ihnen ein Beispiel dafür geben, wohin es führt, wenn wahllos alles zu Leder gemacht wird. Das Fell ist schlecht aufgeschnitten, schlecht in Narben, und zwar sowohl von Natur als durch schlechte Konservierung, außerdem ist das Fell zu leicht und abfällig. Ich habe noch ein kleineres daran geheftet, um den Beweis zu verstärken. Als 7. ist hier ein chromgares Fell, das in Gerbung und Griff ganz gut ist, dass aber, wie die meisten vorgezeigten Felle, zu klein ist, um, außer für Kinderschuhe etwas Vernünftiges daraus schneiden zu können. Ganz besonders bemerkenswert ist aber an diesem Fell der Schaden, den der Züchter durch seine 12 Zeichenlöcher, die zu weit ins Fell hineingeschlagen sind, demselben zugefügt hat. An dem Bund von 7 Fellen, der uns vorliegt, sollen Sie nun auf Grund meiner Angaben die Fehler selbst erkennen. Bei den bisher vorgezeigten schwarzen Fellen verschwinden kleinere Narbenfehler mehr als bei buntgefärbten. Um Ihnen zu beweisen, dass das Kaninchenfell nicht wahllos zu Leder verarbeitet werden darf, dass nur ausgesuchte Felle sich eignen, habe ich Ihnen deshalb noch einen Pack buntgefärbter Felle mitgebracht, an denen Sie ersehen können, dass nur einzelne Felle die Farbe einigermaßen gleichmäßig aufgenommen haben. Fast alle haben mehr oder minder große Narbenfehler, die aber erst beim Färben so deutlich hervortraten. Der Vollständigkeit halber will ich Ihnen noch zwei glacégare Felle vorführen, die nicht schlecht sind. Jedoch ist bei dem einen ein Narbenschaden wahrzunehmen, der sich deutlich als Insektenfraß kennzeichnet und beim Lagern entstanden ist.
Leider bin ich heute nicht in der Lage, Ihnen ein sämisch gegerbtes Fell vorzulegen. Diese Gerbart hat mir für Kaninchenfelle deshalb am besten gefallen, weil dabei die Narbe Heruntergearbeitet wird, die meisten Narbenfehler also verschwinden. Die so gegerbten Felle können zu Handschuhen und Putzleder Verwendung finden.
Geehrte Anwesende! Wenn Ihnen das zuerst gezeigte Fell den Beweis geliefert hat, dass geeignete Kaninchenfelle ein schönes gutes Schuhleder liefern, dann haben Ihnen aber auch die weiter vorgeführten Felle dargetan, dass eine sachverständige Auswahl notwendig ist. Fell muss sehr oft in die Hand genommen und sehr sachverständig behandelt werden, wenn es ein gutes Leder ergeben soll. Die Gerbung ist nicht billig, und es kann deshalb nur lohnend sein, Leder aus Kaninchenfellen zu gerben, wenn wirklich gute Rammlerfelle vorliegen. Das Kapitel Kaninchenleder kann ich aber nicht verlassen, ohne noch auf einen Fehler hinzuweisen, der von Züchtern gemacht wird. Es wird nämlich ganz ohne Verständnis bestimmt, zu welchem Leder das einzelne Fell verarbeitet werden soll, und hierbei werden die tollsten und unmöglichsten Sachen verlangt. Manche Fehler treten erst zutage, wenn das Fell enthaart ist, und erst dann kann der sichere Entscheid getroffen werden, was aus dem Fell zu machen ist. Man lasse also Felle, wenn angängig, schwarz machen, braun nur, wenn es der Gerber für angängig hält.
Ein Erlebnis in dieser Hinsicht möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Bekomme ich eines Tages eine Sendung Kaninchenfelle, immer 2-3 zusammengebunden, bei jedem Pack ein Ledermuster und ein Zettel, worauf angegeben wozu die Felle bestimmt sind. Da gab es Chevreau, echt Roßchevreau, echt Borcalf, echt Rindbor, Glacéleder weiß, dasselbe braun, Portefeuilleleder usw. Es schien, dass jedes Familienmitglied sich ein paar Felle ausgesucht und einen Wunschzettel dazu geschrieben hätte.
Ja, meine Herren, wenn man aus Kaninchenfellen in diesem Sinne alle möglichen Sorten Leder Herstellen könnte, hielt ich Ihnen wahrscheinlich heute keinen Vortrag, denn dann wäre das Problem der Kaninchenfellverwertung gelöst. Im Grunde genommen aber ist das Ansinnen, aus einem Kaninchenfell echt Rind box zu machen, ebenso unsinnig, als wenn Sie sich heute hier aus dem Brauhof ein Stück Lendenbeefsteak mitnehmen und dies dann morgen gleichzeitig mit einem geschlachteten Kaninchen Ihrer Frau Gemahlin vorlegen und nun von ihr verlangen, sie solle nach beifolgendem Muster Ihnen aus dem Kaninchenfleisch ein echtes Mastochsenlendenbeefsteak herstellen. Wir wollen also zunächst die Erwartungen, die man von der Herstellung von Kaninchenleder für die Verwertung von Fellen hegte, auf das gebührende Maß zuzuführen, indem wir zwar zugeben, dass sehr wohl Leder aus Kaninchenfellen gefertigt werden kann, dass dies aber nur bei ausgesuchten Rammlerfellen lohnend ist. Wirklich lohnend ist auch die Verwendung von Kaninchenfellen zu Pelzsachen für die Familie nur insoweit, als ein wirklicher Bedarf vorliegt. Ein Züchter, der nur eine mittelgroße Zucht hat, wird aber bald, wenn der Ausdruck erlaubt ist, sich und seine Familie mit Pelzsachen überfüttert haben, wenn er die Felle aller geschlachteten Tiere für Pelzsachen zum eigenen Gebrauch bearbeiten würde. Der Hauptnutzen, der sich aus den Fellen der geschlachteten Tiere erzielen lässt, wird also, wie ich hier nochmals hervorheben möchte, erreicht, wenn ein gutes Pelzfell auf den Markt gebracht wird, und dies in steigendem Maße, da alle kostbaren Pelze wegen der steten Abnahme der Pelztiere immer teurer und teurer werden und zum Teil schon Preise erzielen, die dieselben fast möchte ich sagen mit Gold aufwiegen.
Immerhin ist aber zunächst, d. H. solange noch Bedarf in der Familie ist, die Herstellung von Pelzgegenständen für den eigenen Gebrauch die naheliegendste Verwendungsart für die Felle, und ich möchte deshalb zunächst auf diese etwas näher eingehen.
Die Zurichtung mit Haaren kann bei den Kaninchenfellen nach drei verschiedenen Verfahren geschehen. Dieselben können zunächst, und das ist die beste Methode, nach Kürschnerart zu Pelz zugerichtet werden, oder sie können mit Alaun und Salz weißgar gemacht werden, und schließlich können sie mit den Haaren chromgegerbt werden. Für alle Fellsachen, die getragen werden sollen, ist die erste Zurichtungsart unbedingt die richtige, für Teppiche und ähnliches genügt auch eines der beiden anderen obengenannten Verfahren. Bemerkt sei noch, dass ich für Teppiche chromgare Felle vorziehe, da diese Gerbung widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit macht. Ich lasse drei Felle, je eins nach einem der genannten Verfahren zugerichtet, herumgehen, und bemerke hierzu noch, dass die zunächst ungenügend erscheinende Milde des chromgaren Felles als gute angesprochen werden muss, wenn man berücksichtigt, dass wir es mit einem Rammlerfell zu tun haben. Weiter ersehen Sie aus demselben, dass für einen Teppich auch Rammlerfelle genügend weich werden, und es dürfte sich empfehlen, gut gezeichnete und gefärbte Felle hierzu heranzuziehen, soweit der Bedarf dies eben zulässt.
Wenden wir uns nun den in den Handel gebrachten, für Pelzzwecke bestimmten Fellen zu, so müssen wir, wie Sie an den nun zu zeigenden Fellen sehen werden, und wie ich schon voraus bemerken will, uns eingestehen, dass man das, was hier durch die Zurichtung erreicht ist, auch soweit die Färbung in Frage kommt, kaum oder überhaupt nicht durch die Zucht erreichen kann. Um Ihnen den Werdegang eines in eine Pelzzurichterei gelangten brauchbaren Pelzfelles vorzuführen, habe ich hier zunächst ein nur nach Kürschnerart zugerichtetes Fell mit noch natürlicher Färbung und noch natürlicher Behaarung mitgebracht. Das nächste Fell ist, wie alle folgenden, ebenfalls als Pelz zugerichtet, dann aber weiter geschoren, d. h. man ließ das Fell an einer schnell rotierenden Spezialmaschine vorbeigehen, die die Haare verkürzt. Dieses Scheren geschieht auch bei manchen Fellen, die teure und gesuchte Modepelze darstellen.
Die weiteren Felle, die dann hier gezeigt werden, sind außerdem noch gefärbt, und zwar so, dass dadurch die Farbe von mehr oder weniger gesuchten Pelztieren entsteht. Sie haben es also mit Pelzimitationen zu tun. Zunächst mit der Nachahmung eines Maulwurffelles. Glücklicherweise hat sich der so nützliche Maulwurf nicht lange als Pelztier in der Mode erhalten können. Dann sehen Sie weiter Nutria, Seals und endlich auch Zobelfärbung. Das letztere Fell könnte den Havannazüchtern als Muster dienen, dürfte aber in seiner egalen Durchfärbung kaum erreicht werden. Zum Unterschied von diesen soll nun noch ein Fell folgen, das ungeschoren schwarz gefärbt wurde. Endlich ein Fell, das als Seals schwarz gefärbt wurde, das vorher aber nicht nur geschoren, sondern auch maschiniert worden ist, d. h. dem durch eine Maschinenbehandlung auch die Grannenhaare genommen wurden. Dies letztere Fell ist in der Behaarung besonders schön. Wenn ich Ihnen nun noch mitteile, dass man auch imstande ist jene Felle zu imitieren, die einzelne hellere Haare enthalten, indem man derartig hellgefärbte Haare anderer Tiere künstlich einzieht, dann werden auch Sie zu der Überzeugung kommen, dass wir es in der Pelzzurichterei mit einer Industrie zu tun haben, die umso aufnahmefähiger für Kaninchenfelle wird, je seltener jene Tiere werden, denen die gesuchten Modepelzfelle entstammen und je teurer infolgedessen deren Fell wird.
Was für Ansprüche stellt nun diese Industrie an ein zu verarbeitendes Kaninchenfell? Nach den von mir eingeholten Informationen verlangt dieselbe ein großes, gut abgeschlachtetes und behandeltes Winterfell von Häsinnen oder Jungtieren, dass bei der Pelzbereitung weich wird und gut im Haar ist. Die Winterfelle von Häsinnen und Jungtieren der großen Rassen sind es also, die für die Pelzzurichtung den größten Wert haben, wenn sie gut im Haar, gut abgeschlachtet, gut und vorsichtig getrocknet und schließlich gut gelagert und aufbewahrt wurden.
Inwieweit durch eine dahingehende Zurichtung diese Felle im Haare noch verbessert werden können, lasse ich dahingestellt sein, möchte aber darauf hinweisen, dass auch in der Behandlung der Felle trotz aller darüber ergangenen Veröffentlichungen noch vieles gesündigt wird. Vorsichtig abziehen, vorsichtig trocknen, nicht dörren, und schließlich in einem luftigen Raum, am besten mit etwas Naphthalin bestreut, aufheben, selbst diese Grundregeln werden von vielen Züchtern noch vernachlässigt. Wenn Sie ein gutes, großes Winterfell, wie oben beschrieben, zum Markte bringen, dann, diese Zusicherung ist mir von mehreren Seiten gemacht worden, nehmen auch größere Firmen kleinere Posten ab, und ich bin überzeugt, dass dann auch der Züchter bessere Preise für seine Felle erzielt als bisher. Außer für rein weiße Felle bestand bei den von mir befragten Firmen für Farbenkaninchenfelle wenig oder gar kein Interesse, das meiste Interesse konzentrierte sich in allen mir gewordenen Antworten auf möglichst große Felle ohne Beimengung von Rammlerfellen.
Fassen wir nun das Gesagte noch einmal kurz zusammen, so ergibt sich folgendes: Geringe Felle als Schneidekanin zur Haargewinnung erzielen einen niedrigen Preis. Für Leder werden Kaninchenfelle im Großen noch nicht verwendet, es eignen sich hierzu auch nur einzelne ausgesuchte Felle. Die beste Verwendung für Kaninchenfelle ist und bleibt also diejenige zu Pelz, und zwar umso mehr, da aller Voraussicht nach die Nachfrage nach geeigneten Kaninchenfellen mit der Abnahme der übrigen Pelztiere eine stets wachsende wird. Weiter möchte ich dann feststellen, dass in Züchterkreisen, wenigstens nach meinen Erfahrungen, die Kenntnis der einschlagenden Verhältnisse noch eine wenig Befriedigende ist. Wenn ich nun einen positiven Vorschlag zur Besserung der Verhältnisse machen sollte, so würde ich Ihnen vorschlagen, zunächst einmal einen Beschluss zu fassen dahingehend, dass aus der Gruppe ein Komitee gewählt wird, das eine kleine Anweisung zur Behandlung der Felle zusammenzustellen hätte, in der auch die bei der Verwertung der Felle maßgebenden Gesichtspunkte enthalten sind. Es ist dies keine so leichte Aufgabe, aber wenn in dieser Angelegenheit etwas geschehen soll, dann halte ich etwas Derartiges für den geeigneten Anfang. Eine gemeinsame Fellverwertung wird erst mit der Zeit möglich, wenn das Verständnis für diese Angelegenheit ein besseres und allgemeineres geworden ist. Ich bitte Sie, diesen meinen Vorschlag aber nicht als einen Antrag, sondern als einen guten Rat aufzufassen.
Geehrte Anwesende! Ich bin mit Absicht nicht allzu sehr auf Einzelheiten heute eingegangen, denn ich wollte Ihnen eine Gesamtübersicht über die vorliegende Frage geben, und bei einer solchen erschweren Einzelheiten den Überblick. Sollte aber der eine oder andere noch eine bestimmte Frage an mich stellen wollen und für einzelnes besonderes Interesse haben, so bin ich bei einer etwa an meinen Vortrag sich anschließenden Aussprache gern bereit, soweit als möglich Auskunft zu geben.
Abbildungen aus der Originalquelle
Zusammenfassung / Fazit
entwirrte!!!
Kernzusammenfassung des Vortrags
„Die Verwertung der Kaninchenfelle“ (L. Manstetten, 1911)
Ziel des Vortrags
Manstetten möchte Kaninchenzüchter dazu bringen, ihre Felle sachkundiger zu beurteilen und dadurch besser zu verwerten. Denn: Je höher der Fellwert, desto günstiger wird das Kaninchenfleisch als Volksnahrungsmittel.
1. Grundproblem
Viele Züchter behandeln alle Kaninchenfelle gleich und unterscheiden kaum mehr als Sommer- vs. Winterfell. Manstetten kritisiert diese Vereinfachung:
- Herkunft (Rammler/Häsin)
- Alter
- Größe
- Stärke
- Narben, Schäden … all das bestimmt die Verwertbarkeit.
2. Hauptverwendungsarten
- Pelz (wertvollste Nutzung)
- Schneidekanin (Haargewinnung, geringerer Preis)
- Leder (nur für Eigenbedarf sinnvoll, industriell kaum lohnend)
3. Lederherstellung – stark eingeschränkt geeignet
Manstetten zeigt anhand vieler Beispiele:
- Nur große, starke Rammlerfelle ergeben gutes Leder.
- Häsinnenfelle sind zu dünn und „abfällig“.
- Viele Felle sind durch schlechte Konservierung, falsches Aufschneiden oder Narben unbrauchbar.
- Züchter haben unrealistische Erwartungen („aus Kaninchen echtes Rindsbox machen“).
- Für Schuhleder taugen nur wenige ausgesuchte Felle.
4. Pelzverwertung – der eigentliche Schlüssel
Für Pelzzwecke eignen sich vor allem:
- große Winterfelle
- von Häsinnen oder Jungtieren großer Rassen
- gut im Haar, sauber abgezogen, vorsichtig getrocknet, gut gelagert
Rammlerfelle werden bei der Pelzzurichtung nicht weich genug und taugen höchstens für Teppiche.
Die Pelzindustrie kann Kaninchenfelle erstaunlich hochwertig veredeln:
- Scheren
- Färben
- Imitationen von Maulwurf, Nutria, Seal, Zobel
- sogar Einziehen heller Haare zur Musterung
Zucht allein kann diese Effekte nicht erreichen.
5. Fehler der Züchter
- unsachgemäße Trocknung (Dörren)
- schlechte Lagerung (Insektenfraß)
- falsches Aufschneiden
- zu viele Markierungsstempel
- wahlloses Einsenden ungeeigneter Felle zur Gerbung
- unrealistische Lederwünsche
6. Empfehlungen
- Züchtervereine sollen Anleitungen zur Fellbehandlung erstellen.
- Gemeinsame Vermarktung wird erst möglich, wenn das Verständnis für Fellqualitäten steigt.
- Fokus auf Pelzfelle, da hier die Nachfrage wächst (Rückgang anderer Pelztiere).
7. Fazit
- Pelz ist die beste und wirtschaftlichste Verwertung von Kaninchenfellen.
- Leder lohnt nur bei wenigen, ausgesuchten Rammlerfellen.
- Gute Fellbehandlung ist entscheidend für Preis und Verwendbarkeit.
- Züchter müssen lernen, Felle richtig zu beurteilen, sonst diktiert der Händler den Preis.




