Einige Gebote für die rationelle Kaninchenzucht
Wahl’s Taschenkalender 1911
1. Vor allem halte den Stall rein und streiche auch die Innenseiten desselben ein- oder zweimal des Jahres mit Kalkmilch, in welche 1 Proz. Kreolin gemischt wird.
2. Die Kaninchen bette weich; Haferstroh, Heu, auch Torfmull, letzteres mit Ausnahme für die langhaarigen Angora, sind die beste Streu.
3. Verwüste das Heu nicht im Sommer und Winter; vergiss nicht, dass ein wenig frisches Heu oder ein Trunk frischen Wassers die Diarrhoe (Durchfall) in den Anfängen verhindert.
4. Versäume nicht, alle Gefäße, welche für Mischfutter und Milch gebraucht worden sind, täglich auszuwaschen und öfters auch auszubrühen.
5. übervölkere den Stall nicht. Wenige, aber gute Kaninchen, gut gepaart und besorgt, bezahlen sich besser als eine große Anzahl Tiere.
6. Staufe nicht geringe Arten, ohne gute Abstammung: "Das Blut erzählt".
7. Kaufe keine alten Kaninchen zur Zucht, diese sind oft nicht mehr zuchtfähig.
8. Hast du einen guten Schlag Kaninchen, so scheue nicht vor der Inzucht zurück, aber benutze nur die schönsten und stärksten Tiere zur Nachzucht.
9. Schicke gute Kaninchen nicht zum Preisgewinnen auf allen Ausstellungen herum, sondern benutze sie rechtzeitig und dann ausschließlich zur Zucht.
10. Versäume nicht, der tragenden Häsin einige Tage vor dem Werfen ein Gefäß mit reinem Wasser oder frischer Milch vorzusehen. Nach dem Gebärakt haben die Häsinnen starkes Durstgefühl.
11. Vor dem Werfen sind die Ställe gut zu reinigen. Ein gutes Desinfektionsmittel ist 10proz. Karbol-Kak. Karbolpulver in Streubüchsen, in jeder Drogerie zu haben.
12. Der Häsin ist vor dem Werfen eine tüchtige Menge weiches, trockenes Heu zu reichen, damit sie sich weich betten kann.
13. Lasse Häsinnen, die frisch geworfen haben, den Eingang zum Nestkasten der Jungen nicht mit Mist verstopfen. Nimm die Häsinnen beim Reinigen des Stalles aus demselben und desinfiziere gut.
14. An den Angora soll man nicht immer kämmen und bürsten und das nicht auskämmen, was nachwachsen soll. Die beste Streu für diese Rasse ist Haferstroh.
15. Unterlass nicht, eine Fülle von Grünfutter zu geben. Indessen vergiss dabei nicht, fleißig nachzusehen, ob etwa Durchfall eingetreten ist. Schreite bei dem ersten Anzeichen desselben sofort zum Trockenfutter und vergiss nicht, unter den ganzen Hafer auch etwas trockene Kleie zu geben, auch altes Brot und andere Abfälle aus der Küche.
16. Vergiss nicht, dass gute süße Karotten (Mohrrüben) für das Fell ein ausgezeichnetes Mittel sind. Auch hier sind die besten Rüben, gut abgeputzt, die wohlfeilsten. Frische und trockene Zweige sollten den Kaninchen stets gegeben werden, um deren Nagebedürfnis zu befriedigen.
17. Gib nicht Wurzelwerk zusammen mit Grünfutter, sondern allein mit gutem Heu oder Hafer.
18. Vermeide hölzerne Futtertröge, welche von den Kaninchen zernagt werden und ungesund sind.
19. Gib nicht Zuviel Futter auf einmal, da eine knappe Mahlzeit den Tieren zuträglicher ist als ein Überfluss. Gib auf einmal nicht mehr, als bis zur nächsten Mahlzeit verzehrt werden kann, und beachte und notiere, was die einzelnen Tiere und Rassen zu fressen vermögen.
20. Füttere besonders die säugenden Häsinnen gut. Gib ihnen nur das Beste und nahrhafteste Futter. Gutes,. frisches Grünfutter gib in Fülle, das macht die Milch fließen.
21 Gib den Häsinnen, welche geworfen haben, altbackenes Brot in Milch geweicht, das ist nahrhaft und ein gutes Linderungsmittel. Unterlasse die tägliche Unterstützung nicht, wenn dir Häsin und Junge am Herzen liegen, und lasse das Futter während des Säugens nie in schlechten Zustand geraten.
22. Füttere nicht mehr als zweimal des Tages, ausgenommen Häsinnen und frisch entwöhnte Junge.
23. Gib das Grünfutter stets frisch gemäht; besser beregnetes Grünfutter, als auf Haufen erhitztes oder verwelktes und fauliges, was Gift ist.
24. Halte stets ein kleines Haarsieb zur Hand, mit dessen Hilfe du den Hafer absiebst, also von Staub gut reinigst, ehe du ihn den Kaninchen gibst.

