Die Errechnung des Nährstoffverhältnisses und der Preiswürdigkeit der Futtermittel
Von K. Königs, Oberhausen (Eifel). Wahls Taschenkalender 1934/35
Nicht selten wird mir im Sprechsaal die Frage nach dem Nährwerte eines Futters oder Futtermittels, die Frage nach seinem Nährstoffverhältnis und nach seiner Preiswürdigkeit vorgelegt. Und wenn ich dann nach einer Tabelle greife, wie eine solche in Nr. 20 des „Kaninchenzüchter“, Jahrgang 1928, eine ganze Seite ausfüllt und schreibe: Soundso viel Trockenmasse, dieses Nährstoffverhältnis, Gesamteiweiß, verdauliches Eiweiß, Fett, verdauliches Fett, Kohlehydrate, verdauliche Kohlehydrate usw., so bin ich von der Antwort nur selten selber ganz befriedigt. Ich frage mich immer, ob der Züchter mit diesen Zahlen tatsächlich etwas anfangen kann ? Oft merkt man zwar an der Fragestellung, dass der Fragesteller selber eine landwirtschaftliche Schule besucht, oder sich sonst wie über das Wesen solcher Tabellenangaben informiert hat, manchmal zweifle ich daran. Ich will daher in allgemeinverständlicher Form versuchen, obige Begriffe auch dem kleinen Züchter auseinanderzulegen.
Wenn von einem Verhältnis die Rede ist, sind immer zwei Faktoren vorhanden, so auch beim Nährstoffverhältnis. Der eine Faktor ist das Eiweiß oder Protein, der andere die Stärke oder Kohlehydrate. Eiweiß ist nötig zum Aufbau, aber auch zur Erhaltung des Körpers. Kohlehydrate erzeugen in der Hauptsache die Energien für die Bewegung und liefern dem Körper die nötige Wärme. Für die jeweilige Produktion des Tieres sind die Mengen an Eiweiß und Stärke andere. Wollen wir von dem Kaninchen Junge oder Wolle erzielen, so muss der Eiweißgehalt des Futters größer sein, als wenn wir Tiere zum Schlachten mästen. Umgekehrt ist bei Masttieren der Kohlehydratgehalt des Futters höher zu nehmen. Wer Kaninchenzucht im Großen betreibt oder auch nur einen kleineren Betrieb hat, aber das meiste Futter kaufen muss, für den ist es noch lange nicht gleichgültig, ob er zwar den gleichen Preis für ein Futtermittel zahlt; aber trotzdem das Eiweiß in ihm schließlich doppelt so teuer bezahlen muss als im gleichteuren zweiten Futtermittel. Da das Protein, in unnatürlich großen Mengen verabreicht, leicht Krankheiten verursacht, außerdem dann ein großer Teil unverdaut mit dem Kote wieder abgeht, wird man es nur in den jeweils nötigen Mengen verabreichen. Da es nun Futterarten gibt, welche fast nur Ei- weiß enthalten, wie Trockenhefe, und solche, welche fast nur Kohlehydrate enthalten, mischen wir beide Arten so zusammen, dass wir, für den jeweils beabsichtigten Zweck der Fütterung soundso viel Teile Eiweiß, soundso viel Teile Kohlehydrate nehmen. Diese Gegenüberstellung von Protein und Kohlehydrate nennt Nährstoffverhältnis. Welches das zusagendste, beste, praktischste Nährstoffverhältnis für Kaninchen in der Aufzucht, für Wolltiere, für trächtige Häsinnen, für Masttiere usw. darstellt, das ist leider wissenschaftlich noch nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit herausgestellt und manchem Forschungsinstitut böte sich hier eine Gelegenheit, durch grundlegende wissenschaftliche Versuche auch dem kleinen Manne dienstbar zu sein, statt rein die Wissenschaft interessierende Fragen zu lösen, von denen der praktische Züchter nur ganz problematischen Nutzen hat. In Anlehnung an andere Tierzweige wissen wir nur, dass bei der Aufzucht das Nährstoffverhältnis etwa 1:4, bei der Mast 1:5 bis 1:7 betragen soll. Die erste Zahl ist das Eiweiß, die zweite der Stärkewert. Da wir nun wissen, was ein Nährstoffverhältnis ist und wie groß es jeweils sein soll, müssen wir auch, um es praktisch verwerten zu können, wissen, wie es errechnet wird. Jeder Futterstoff kann teils durch chemische Zersetzung, teils durch Rechenexempel in seine einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Eine Aufzeichnung der einzelnen Werte der Futtermittel nennt man Futtertabelle und sind wir bei der Errechnung des Nährstoffverhältnisses an eine solche gebunden. Für den Kaninchenzüchter kann natürlich nur eine Tabelle wirklich maßgebend sein, die aus tatsächlichen Versuchen mit Kaninchen abgeleitet ist. Es kommt eben nicht allein auf die chemischen Bestandteile eines Futtermittels allein an, ungleich wichtiger ist zu wissen, wie der Kaninchenmagen das Futter auswertet und das ist nur durch Fütterungsversuche zu finden. Es ist sehr wohl möglich, dass Analytiker, welche Versuche mit Großvieh, Schweinen oder Geflügel unternehmen, zu den verschiedensten Zahlen kommen.
| 20 | Teile | Weizenkleie | mit | 1,88 | Eiweiß und | 6,86 | Stärke |
| 20 | Teile | Haferschrot | mit | 1,46 | Eiweiß und | 9,60 | Stärke |
| 20 | Teile | Gerstenschrot | mit | 1,58 | Eiweiß und | 11,66 | Stärke |
| 4,92 | Eiweiß und | 28,12 | Stärke |
Sieht man sich nun eine solche Tabelle an, so finden wir stets die Eiweißzahl mit 1 angegeben, woraus nun natürlich nicht zu schließen ist, dass alle in der Tabelle aufgeführten Futtermittel den gleichen Eiweißgehalt haben, das wäre offenbarer Unsinn. Wie man zu der 1 für Eiweiß kommt, das will ich am Weizen erklären. In einer solchen Tabelle findet man bei Weizen in einer Spalte die Zahl 9,6, d. H. Weizen hat auf 100 kg 9,6 kg Eiweiß. In einer andern Spalte steht für den Gesamtnährstoff die Zahl 71,2, d. h. von 100 kg Weizen sind 71,2 kg verdauliche Nährwerte, die übrigen 28,8 kg sind unverdauliche Stoffe. Ziehen wir nun das Eiweiß 9,6 vom Gesamternährungsstoff ab, so erhalten wir den Stärkewert, 71,2 – 9,6 = 61,6 Stärkewert. Jetzt haben wir mit 9,6 Eiweiß zu 61,6 Stärke das Nährstoffverhältnis des Weizens. Der besseren Übersicht halber lassen wir diese Zahlen jedoch nicht stehen; wir nehmen vielmehr für Eiweiß die Zahl „1". Wenn nun Eiweiß gleich „1“ ist, so ist der Stärkewert gleich „Stärkewert geteilt durch Eiweiß“. In diesem Falle also 61,6: 9,6 = 6,419. Folglich ist das Nährstoffverhältnis des Weizens 1: 6,4. Wer sich noch andere Beispiele errechnet, der wird finden, dass man, abgesehen von der Einseitigkeit, fast kein Futtermittel allein für sich reichen kann, da das Verhältnis von Eiweiß und Stärke selten unseren Wünschen entspricht. Nun reichen wir aber fast alle unsern Tieren ein zusammengesetztes Futter. Wollen wir z. B. das Nährstoffverhältnis eines Kleie- Gemisches zu den gekochten Kartoffeln berechnen, so reichen wir etwa –
Das Nährstoffverhältnis ist 28,12: 4,92 = 5,7, also 1:5,7. Die Zahlen wurden durch Division der Einheitswerte mit 5 gefunden, da 20 kg oder Teile der 5. Teil von 100 kg oder Teil ist; am Endergebnis ändert sich natürlich nichts. Ich will hiermit zugleich zeigen, dass man auch unnütze Rechnereien vermeiden kann. Ist das Futter aus verschiedenen Gewichtsteilen zusammengesetzt, so muss man natürlich umrechnen, man braucht aber nicht auf 100 kg zurückzugreifen, sondern nimmt einfach 100 Teile an, ob Kilo, Pfund oder sonst ein Maß, spielt keine Rolle.
Kommen wir nun zur Berechnung der Preiswürdigkeit der Futtermittel. Die Frage, in welchen Futtermitteln die Nährstoffe am billigsten zu kaufen sind, wird in der Literatur auf verschiedene Weise beantwortet. Man hat versucht, unter Zuhilfenahme des Gaußschen Ausgleichrechnungsverfahrens nach der Methode der kleinsten Quadrate einen mittleren Preis aus allen Futtermitteln zu berechnen und hat dann unter Zugrundelegung dieses Wertes einen Aufschlag für das verdauliche Eiweiß gemacht. Da aber die Preise für Eiweiß und Stärkewert in den einzelnen Futtermitteln nicht abhängig sind vom Marktpreis, weil sich dieser eben nach Angebot und Nachfrage richtet, so ist eine der Hauptvoraussetzungen bei dieser Methode nicht erfüllt.
Das sah man bald ein und versuchte die Preiswürdigkeit dadurch zu berechnen, dass man bei jedem Futtermittel zu seinem Stärkewert den Gehalt an verdaulichem Eiweiß, den es aufweist, zuschlägt und diese Summe in den Marktpreis dividiert. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass dieses Verfahren kein richtiges Bild über die Preiswürdigkeit der einzelnen Futtermittel liefern kann, denn es gibt ja schon im Voraus an, was es durch Rechnung finden soll, nämlich den Wert des Eiweißes. Da der Eiweißgehalt bereits einmal mit seinem Fettbildungsvermögen im Stärkewert enthalten ist, so bedeutet der Eiweißzuschlag zum Stärkewert weiter nichts, als dass das Eiweiß doppelt so hoch bewertet wird, als die stickstofffreien Stoffe.
Besonders häufig findet man in der letzten Zeit Preiswürdigkeitsberechnungen, bei denen der Eiweißgehalt in den Marktpreis dividiert wird. Dass dieses Verfahren nicht richtig sein kann, ist ohne weiteres klar; denn es werden ja die stickstofffreien Stoffe, die doch auch einen wirtschaftlichen Wert besitzen, bei dieser Berechnungsart nicht mit berücksichtigt. Kauft der Züchter z. B. Reismehl, so würde sich nach diesem verfehlten Rechnungsverfahren das Kilogramm Eiweiß auf 2,75 Mk. stellen, während es bei der Berücksichtigung der im Reismehl enthaltenen stickstofffreien Stoffe nur 24,2 Pfennige kostet, also nicht einmal der zehnte Teil. Gewiss, man will bei dem Kauf eines Kraftfutters hauptsächlich Eiweiß zukaufen, das trifft aber, wenn ich Kaninchen mästen will, zum mindesten nicht zu.
Wie wir hieraus ersehen, muss man bei der Berechnung der Preiswürdigkeit neben dem Eiweiß auch die Kohlehydrate mit in Betracht ziehen. Es kommt nun nicht selten vor, dass der Züchter Kohlehydrate in genügender Menge selber gezogen hat, z. B. in Rüben oder Kartoffeln. Da ist es völlig klar, dass er die Kohlehydratmenge, die er beim Einkauf der Kraftfuttermittel mitkaufen muss, begreiflicherweise nicht höher bezahlen will, als sie ihm auch in seinen selbstgewonnenen Kartoffeln zu stehen kommen. Kostet z. B., wie es wenigstens in normalen Jahren der Fall ist, der Doppelzentner Futterkartoffeln 4 Mk., so kann der Züchter, die in den zugekauften Kraftfuttermitteln enthaltenen stickstofffreien Stoffe nicht höher bewerten als 20 Pfg.; denn 100 kg Kartoffeln enthalten 20 kg Stärkewert. Es stellt sich also 1 kg Stärkewert in den Futterkartoffeln auf 400: 20 = 20 Pfg.
Auf diesen Überlegungen hat nun Herr Prof. Mach-Augustenberg i. B. ein Verfahren zur Berechnung der Preiswürdigkeit der Futtermittel gegründet, das verhältnismäßig einfach ist und doch eine richtige Einschätzung der Preiswürdigkeit aller zu kaufenden Futtermittel ermöglicht, weil es eben Eiweiß und Stärkewert berücksichtigt. Bei der Berechnung nach dieser Methode verfährt man wie folgt: Man legt für die stickstofffreien Bestandteile der Kraftfuttermittel den Preis zugrunde, der sich, wie oben, aus dem Stärkewert der Kartoffel berechnet. Ist die Marktlage eine normale, so kann man den Marktpreis der Kartoffeln zugrunde legen. Stehen die in der eignen Wirtschaft geernteten kohlehydratreichen Futtermittel, infolge einer Missernte hoch im Preis, oder fehlen sie überhaupt, so berechnet man sich, in welchem marktgängigen kohlehydratreichen Futtermittel der Stärkewert am billigsten ist. Dazu braucht man nur den Marktpreis der Futterstoffe durch ihren Stärkewert zu dividieren. Ich gebe ein praktisches Beispiel: Palmkernkuchen kostete nach der Kölner Börsennotierung je 100 kg 17 Mk. Die Tabelle sagt uns, dass der Stärkewert des Palmkernkuchens 70,2 beträgt. Marktpreis geteilt durch Stärkewert = 17,00 Mk.: 70,2 = 24,2 Pfg. Oder: Sojaschrot Preis 100 kg 20,00 Mk. Stärkewert laut Tabelle 74,7. Also bezahlt man den Stärkewert im Sojaschrot mit 20,00 Mk.: 74,7 = 26,8 Pfg. Das ist teurer als im Palmkernkuchen. Will ich also im vorliegenden Falle Kaninchen mästen und muss zu dem Zwecke Stärkewerte kaufen, so wähle ich Palmkernkuchen und nicht Sojaschrot, weil ich in ihm die Kohlehydrate billiger kaufe.
Bei der Fütterung einer säugenden Häsin handelt es sich nun beim Zukauf des Kraftfutters meistens um die Beschaffung von eiweißreichen Futtermitteln, weil in dem wirtschaftseigenen Grünfutter und dem Knollenfutter meist das Eiweiß nicht ausreicht. Wie findet man nun, in welchen Futtermitteln das Eiweiß am billigsten zu kaufen ist?
Da die meisten Kraftfuttermittel neben dem Eiweiß mehr oder weniger große Mengen von Kohlehydrate enthalten, die wir mitkaufen und bezahlen müssen, so wollen wir wenigstens diese Stoffe nicht teurer bezahlen, als wie wir sie selber in der eigenen Wirtschaft produzieren können, oder wir sie in kohlehydratreichen anderen Futtermitteln billig haben können. Wir haben beim Palmkernkuchen gesehen, dass wir bei der heutigen Preislage 1 Kilogramm Stärkewert zu 24,2 Pfg. haben können; für Mais würden wir zu der Zahl 23,9, beim Reisfuttermehl zu 24,1 und bei den Trockenschnitzeln zu 24,1 Pfg. kommen. Wir können also den Kaufwert der Kohlehydrate mit rund 24 Pfg. veranschlagen. In dem Stärkewert der Futtermittel ist aber das Eiweiß mit seinem Fettbildungswert bereits enthalten. Um den Gehalt an stickstofffreien Stoffen zu finden, müssen wir also vom Stärkewert den Eiweißgehalt abziehen. Da aber das Fettbildungsvermögen des Eiweißes nur 94 Proz. desjenigen der Stärke ausmacht, müssen wir den Eiweißgehalt vor dem Abzug noch mit 0,94 multiplizieren. Auch das soll durch ein Beispiel erläutert werden. Baumwollsaatmehl kostete an der Kölner Börse 100 kg 21 Mk.; es enthält nach der Tabelle 39,5 Proz. Eiweiß und 72,3 Proz. Stärkewerte. Wir multiplizieren also 39,5 mit 0,94 = 37,1.
Diese Zahl vom Stärkewert abgezogen (also 72,3 -73,1) gibt den Gehalt des Baumwollsaatmehls an eiweißfreiem Stärke- = 35,2 Proz. Den Gehalt der Futtermittel an eiweißfreiem Stärkewert multiplizieren wir nun unseren vorhergehenden Ausführungen entsprechend mit dem Geldwert der stickstofffreien Stoffe, also mit 24 Pfg. Um bei unserm Beispiel zu bleiben 35,2 X 24 Pfg. = 8,45 Mk. Das besagt also, im Baumwollsaatmehl haben die stickstofffreien Stoffe einen Geldwert von 8,45 Mk. Zieht man nun diesen Preis vom Marktpreis ab, so gibt uns die Differenz den Geldwert an, den das Eiweiß kostet. In unserem Beispiel 21,00 Mk.- 8,45 Mk. = 12,55 Mk. Mit anderen Worten, 39,5 kg Eiweiß kosten im Baumwollsaatmehl 12,55 Mk., mithin das Kilogramm Eiweiß 12,55 Mk.: 39,5 = 31,8 Pfg.
| M (S-E 0,94) *0,24 |
| E |
Mathematisch veranlagte Köpfe können auch das Ganze mit eine Formel bewältigen. S ist der Stärkewert eines Futtermittels; E sein Eiweißgehalt; M sein Marktpreis; so ergibt sich für ein Kilogramm Eiweiß die Formel:
| 21 – (72,3 – 39,5 *0,94) * 0,24 |
| 39,5 |
Setzen wir in diese Formel beispielsweise wieder die Zahlen für Baumwollsaatmehl ein, so erhalten wir
| 1. | 39,50 | X | = | 0,94 |
| 2. | 72,30 | _ | = | 37,1 |
| 3. | 35,20 | X | = | 8,45 |
| 4. | 21,00 | – | = | 12,55 |
| 5. | 12,55 | : | = | 39,5 |
| M = 31,8 Pfg |
Auf eins möchte ich aber noch besonders hinweisen, nämlich dass bei der Auswahl der Kraftfuttermittel nicht allein ihre Preiswürdigkeit ausschlaggebend ist, sondern es müssen dabei noch andere Faktoren, wie Schmackhaftigkeit, Bekömmlichkeit, evtl. besondere Wirkungen, ich brauche nur das Schlagwort Vitamine hineinzuwerfen, berücksichtigt werden. Auch der Gesichtspunkt ist zu berücksichtigen, wie die Futterstoffe zu mehreren in einer Futterration vereinigt sich einpassen, hemmen, fördern oder ergänzen. Das zu klären, hat für die Kaninchenzüchter bis heute noch kein Wissenschaftler unternommen.
Und nun ist in der Arbeit am Schlusse doch wieder viel Zahlenwerk aufgeführt; möge der Leser es verzeihen, ohne Zahlen lässt sich eben nicht rechnen und auch der Kaninchenzüchter muss heute scharf rechnen. Zum Schlusse biete ich noch eine Vergleichstabelle für solche Futtermittel, die wohl bei den Kaninchenzüchtern viel verfüttert werden, die aber in den landläufigen Tabellen fehlen. Wie bemerkt, es sind Vergleichszahlen und werden dem Züchter willkommen sein, der am liebsten gar nicht rechnet. Denselben Futterwert wie 1 kg Futtergerste haben:
| Esparsette-Grünfutter | 7,15 kg |
| Esparsette-Heu | 2,18 kg |
| Futterrübenblätter | 12,8 kg |
| Inkarnatklee-Grünfutter | 7,55 kg |
| Inkarnatklee-Heu | 2,48 kg |
| Rotklee-Grünfutter | 6,65 kg |
| Rotklee-Heu | 2,13 kg |
| Luzerne-Grünfutter | 7,46 kg |
| Luzerne-Heu | 2,83 kg |
| Weißkohl | 12,60 kg |
| Roggengrünfutter | 6,00 kg |
| Sonnenblumenkerne | 0,77 kg |
| Wiesenheu gering | 3,59 kg |
| Wiesenheu gut | 2,19 kg |
| Wiesenheu sehr gut | 1,88 kg |
| Wiesenheu vorzüglich | 1,67 kg |
| Haferstroh | 4,00 kg |
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Abbildungen aus der Originalquelle
redaktioneller Zusatz
Rezension:
„Die Errechnung des Nährstoffverhältnisses und der Preiswürdigkeit der Futtermittel“ (K. Königs, 1934)
Mit kritischer Gegenüberstellung heutiger Werte und Erkenntnisse
K. Königs’ Beitrag aus dem Jahr 1934 ist ein bemerkenswertes Dokument der frühen kaninchenzüchterischen Fütterungslehre. Der Text zeigt eindrucksvoll, wie stark sich die damalige Praxis auf vereinfachte chemische Analysen, StärkewertKonzepte und PreisEiweißVergleiche stützte. Gleichzeitig offenbart er aus heutiger Sicht erhebliche Abweichungen von modernen ernährungsphysiologischen Standards.
Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte des Originals zusammengefasst und jeweils mit heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen kontrastiert.
1. Nährstoffverhältnis (Eiweiß : Stärke)
Was Königs schreibt
Königs definiert das Nährstoffverhältnis als Verhältnis von Eiweiß zu Kohlenhydraten/Stärkewert. Er nennt Richtwerte wie:
- Aufzucht: 1 : 4
- Mast: 1 : 5 bis 1 : 7
Er rechnet ausschließlich mit verdaulichem Rohprotein und einem Stärkewert, der aus der damaligen Futterwertlehre stammt.
„Diese Gegenüberstellung von Protein und Kohlehydrate nennt Nährstoffverhältnis.“
Heutige Sicht
Diese Betrachtung ist nicht mehr gültig. Moderne Kaninchenernährung arbeitet mit:
- Rohfaser (NDF/ADF) als zentralem Parameter
- Energiegehalt (MJ ME) statt „Stärkewert“
- Aminosäurenverfügbarkeit statt Rohprotein
- Ca: PVerhältnis, Strukturfasern, Ligninanteil
- Verhältnis schnell/ langsam fermentierbare Fasern
Heute gilt: Das Kaninchen ist ein hochspezialisierter Pflanzenfresser, dessen Verdauungssystem primär auf Faser, nicht auf Stärke, ausgelegt ist.
Stärke ist kritisch:
- zu viel → Dysbiose, Enterotoxämie
- zu wenig → Energieunterversorgung
Ein modernes „Nährstoffverhältnis“ wäre daher eher:
- Rohfaser (ADF) 18–22 %
- NDF 32–40 %
- Stärke < 10–12 %
- Rohprotein 14–17 %
Die alte Formel 1:4 oder 1:7 ist heute nicht mehr interpretierbar, weil sie die entscheidenden Parameter ignoriert.
2. Preiswürdigkeit der Futtermittel
Was Königs schreibt
Königs bemüht sich um eine ökonomische Bewertung, indem er:
- den Stärkewert als Basis nimmt
- den Eiweißgehalt korrigiert (Faktor 0,94)
- den Preis pro kg Eiweiß berechnet
- Kartoffeln als Referenz für Kohlenhydrate nutzt
„Da die meisten Kraftfuttermittel neben dem Eiweiß mehr oder weniger große Mengen von Kohlehydrate enthalten, […] wollen wir wenigstens diese Stoffe nicht teurer bezahlen, als wie wir sie selber […] produzieren können.“
Heutige Sicht
Diese Methode ist überholt, weil:
- Stärkewert als Bewertungsgröße nicht mehr existiert.
- Kartoffeln heute keine sinnvolle Referenz für Energie sind.
- Eiweißpreis allein nichts über Futterqualität aussagt.
- Aminosäurenprofile, Verdaulichkeit, Faserstruktur und Fermentationsstabilität entscheidend sind.
- Die moderne Futterbewertung auf Energie (MJ ME) und NDF/ADF basiert.
Heute würde man Futtermittel nach folgenden Kriterien bewerten:
- Energiegehalt (MJ ME/kg)
- Verdaulichkeit der Rohfaser
- Aminosäurenprofile (Lysin, Methionin)
- Mykotoxinrisiko
- Stärkegehalt
- Preis pro MJ ME oder Preis pro kg verdaulichem Protein
Die alte Preisformel ist daher historisch interessant, aber praktisch nicht mehr anwendbar.
3. Tabellenwerte und Futtervergleiche
Königs liefert am Ende eine Tabelle, die z. B. angibt:
- 1 kg Gerste entspricht 7,15 kg EsparsetteGrünfutter
- 1 kg Gerste entspricht 12,6 kg Weißkohl
- 1 kg Gerste entspricht 0,77 kg Sonnenblumenkerne
Diese Werte basieren auf dem Stärkewert und sind aus heutiger Sicht nicht mehr sinnvoll, weil:
- Gerste ist stärkereich → für Kaninchen nur begrenzt geeignet
- Grünfutter liefert Faser, nicht Stärke
- Sonnenblumenkerne liefern Fett, nicht Stärke
- Weißkohl ist wasserreich, aber ernährungsphysiologisch kaum vergleichbar
Moderne Futterwerttabellen würden solche Gleichsetzungen nicht mehr vornehmen, da sie physiologisch irreführend sind.
4. Methodische Schwächen aus heutiger Sicht
Königs’ Text zeigt mehrere typische Denkweisen der 1930er Jahre:
1. Stärkezentrierte Fütterungslehre
Heute wissen wir: Faser ist der zentrale Nährstoff des Kaninchens.
2. Rohprotein statt Aminosäuren
Heute entscheidend:
- Lysin
- Methionin
- Threonin
- Tryptophan
3. Keine Berücksichtigung der Ca:P Balance
Heute essenziell für:
- Knochen
- Harnsteinprophylaxe
4. Keine Betrachtung der Darmflora
Heute:
- Caecotrophie
- Mikrobiom
- Fermentationsstabilität
5. Fehlende Bewertung von Rohfaserfraktionen
NDF/ADF sind heute Standard.
Fazit:
Historisch wertvoll – fachlich überholt
Königs’ Aufsatz ist ein zeittypisches Dokument der frühen Futterwertlehre, das zeigt, wie stark die damalige Kaninchenfütterung von der Landwirtschaft (Rinder, Schweine) abgeleitet wurde. Seine Rechenmethoden sind heute wissenschaftlich nicht mehr haltbar, weil sie:
- die Verdauungsphysiologie des Kaninchens unzureichend berücksichtigen
- Stärke überbewerten
- Faser unterschätzen
- moderne Parameter (NDF/ADF, Energie, Aminosäuren) nicht kennen
Trotzdem ist der Text wertvoll:
- als historische Quelle
- als Beispiel früher Fütterungslogik
- als Kontrastfolie zur modernen Ernährungsphysiologie
Der Artikel eignet er sich hervorragend, um die Entwicklung der Fütterungswissenschaft pädagogisch sichtbar zu machen.





