Hauptsächlichste Krankheiten der Kaninchen
Wahls Taschenkalender 1909 – 1910
1. Schnupfen.
Diese häufigste und lästigste Krankheit äußert sich durch nasse Nase, öfteres Niesen und schleimigen Ausfluss aus der Nase. Im Anfangsstadium ungefährlich, kann der Schnupfen durch Nachlässigkeit zum Tode des betreffenden Tieres führen. Ansteckungsgefahr ist vorhanden und sofortige Trennung der kranken Tiere von den gesunden nötig, ebenso gründliche Desinfektion des Stalles.
Ursache
Zugluft, Erkältung, nasse und dumpfe Streu.
Behandlung:
Trockener Stall, reichliche gute Streu, Trockenfütterung. Bepinselung der Stallwände mit Terpentinöl.
2. Schwindsucht, Tuberkulose
ist oft eine Folge der Schnupfenkrankheit und verläuft stets tödlich. Die erkrankten Tiere atmen schneller, verweigern das Futter, bekommen am Maule ein spitzes Aussehen und fallen in den Lenden ein. Sofortige Absonderung der kranken von den gesunden Tieren und gründliche Desinfektion des Stalles erforderlich. Da Heilung ausgeschlossen ist, sind die erkrankten Tiere sofort zu töten.
3. Ohrenräude
entsteht durch Unsauberkeit in den Ställen und ist sehr ansteckend. In den inneren Ohrmuscheln und im Gehörgange bildet sich ein Grind ähnlicher Schorf durch eine Milbe erzeugt. Die an Ohrenräude erkrankten Tiere kratzen sich beständig mit den Hinterfüßen in den Ohren, schütteln mit dem Kopfe, sind sehr unruhig, auch verlieren die aufrecht getragenen Ohren häufig ihre gerade Stellung. Zur Heilung bestreiche man das Ohrinnere mit einer Mischung von 1 Teil Kreolin und 3 Teilen Leinöl. Mischung vor dem Gebrauche gut umschütteln. Man pinsele nur einmal ein, genügt das nicht, so wiederhole man die Pinselung am dritten Tage. Gewöhnlich genügt eine Pinselung! Es halte sich zu diesem Zwecke jeder Züchter eine Mischung von 10 Gramm Kreolin mit 10 Gramm Leinöl in einer gut verkorkten Flasche im Stalle vorrätig. Auch eine Mischung von gleichen Teilen Perubalsam, Spiritus und Äther tut gute Dienste, ist aber teurer. Hinterher wasche man mit Schmierseife tüchtig aus und desinfiziere den Stall gründlich.
4. Speichelfluss
befällt häufig junge Kaninchen und ist die Folge von unsauberen, feuchten Ställen und der Verfütterung von nassem Grünfutter. Die Tiere bekommen ein nasses Maul, durch den auslaufenden scharfen Speichel werden die Haare am vorderen Kopfe verklebt und zerfressen. Trennen der erkrankten Tiere von den gesunden und gründliche Desinfektion des Stalles ist erforderlich! Ein täglich einmaliges Eintauchen des Tieres mit der Schnauze in eine Alaun-, chlorsaure Kali- oder Glaubersalzlösung ist von sicherem Erfolge.
5. Durchfall
ist die Folge einer Fütterung von nassem und schlechtem Grünfutter. Heilung: Trockener Stall, Trockenfütterung. Fütterung von Birkenreisig oder Weidenzweigen. Ein gutes Mittel ist: früh und abends je 1 Messerspitze Salizylsäure in Pulverform.
6. Trommelsucht
Die erkrankten Tiere, meist Junge, erhalten einen dicken, aufgetriebenen Leib. Die Ursache liegt zumeist in der Fütterung. Zu junges, hitziges Grünfutter (Jungklee) gärt im Leibe und erzeugt eine übermäßige Luftentwickelung (Winde) in den Därmen. Bei nicht schleunigster Hilfe meist tödlich. Drei Tropfen Salmiakgeist auf einen Teelöffel Wasser eingegeben sind ein gutes Mittel.
7. Geschwüre
sind die Folge äußerer Verlegungen oder unreinen Blutes. Blutreinigende, abführende Mittel sind dem Patienten zu reichen, die reife Geschwulst ist zu öffnen und gut mit verdünntem 2-prozentigen Kreolinwasser auszuwaschen.
Wunde Läufe. Folge unzweckmäßiger Fütterung, nasse Streu und daher schwer zu heilen. Als gutes Mittel hat sich die Rinosalbe von Schubert u. Co., Weinböhla (siehe Inserat) bewährt.
8. Augenentzündungen.
Die Ursachen sind oft schlecht ventilierte Ställe. Die Augen tränen und sondern eine eitrige Flüssigkeit ab. Gute trockene, luftige Ställe, dabei Auswaschen der Augen mit 2% Borsäurelösung oder Kamillentee fördern die Heilung.
9. Euter – Entzündung.
Säugende Häsinnen haben bisweilen stark entzündete Brustwarzen. Die Entzündung kann durch äußere Verlegungen, durch Erkältung oder durch zu starken Milchandrang entstehen. Die Behandlung geschieht durch Einreiben des entzündeten und geschwollenen Euters mit Butter, Ausmelkten, knappes Futter. Der Stall ist peinlich sauber zu halten. Unter Umständen ist die Öffnung des entzündeten Euters nötig.
10. Ungeziefer.
In unsauberen Ställen bildet sich zumal in der warmen Jahreszeit sehr leicht Ungeziefer. Die Ställe sind häufig zu reinigen und zu desinfizieren, die Tiere mit einem guten Insektenpulver einzupudern.
11. Haarmilben.
Haarmilben kommen öfters in Stallungen vor, wo die Kaninchen schlecht gepflegt und die Ställe nicht reingehalten werden. Kommen nun derart mit Haarmilben behaftete Tiere auf Ausstellungen oder durch Kauf in andere Ställe, so können leicht ganze Bestände verseucht werden. Die Milbe kommt vor am ganzen Körper, am meisten an den Seiten, vorn an der Brust, am Schwanze. Es sind kleine weiße Punkte, welche an den Haaren haften. Unter dem Vergrößerungsglase präsentiert sich die Milbe mit länglichem Körper, schmutzig, äußerst vielen Beinen, Kopf rötlich schwarz. Als bestes Mittel, die Schmarotzer zu vertilgen, hat sich 2-prozentige Kreolin-Mischung bewährt und steckt man das mit Milben behaftete Kaninchen einfach in einen Eimer, gefüllt mit warmem 2-prozentigen Kreolinwasser und badet es etwa 10 Minuten. Hierbei Vorsicht, dass das Tier nichts von der Lösung schluckt!
12. Verstopfung,
Hartleibigkeit ist zumeist die Folge der Fütterung und wird durch Verabreichen guten Grünfutters, eventuell durch lauwarme Klistiere behoben.
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