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Pflege und Fütterung der Kaninchen. W. Gadsch. Wahls TK.1932. Schlagworte

W. Gadsch 1932 Seiten 82–98
Redaktionell aufbereitet

Pflege und Fütterung der Kaninchen

Von Walter Gadsch, Mittweida; Wahls Taschenkalender 1932

Wenn man auch mit Recht das Kaninchen als bescheiden und anspruchslos bezeichnet, so müssen wir uns doch immer vor Augen halten, dass nur der eine erfolgreiche Zucht betreiben wird, der sich seinen Tieren mit Liebe und Ausdauer widmet. Die Anspruchslosigkeit des Kaninchens darf nicht so aufgefasst werden, dass es eine unregelmäßige Fütterung, Vernachlässigung in der Pflege usw. ohne weiteres auf sich nimmt. Das Kaninchen ist ein Lebewesen, welches auf die Pflege menschlicher Hand angewiesen ist und in seiner Hilflosigkeit der Wartung bedarf. Jeder, der glaubt, dass das Kaninchen von selbst in den Kochtopf hineinwachse und nur darauf warte, dass ihm sein Besitzer das Fell über die Ohren zieht, der lasse die Finger davon. Die Kaninchenzucht soll unser Sport sein, und dieser erfordert Zeit und Mühe. Die Munterkeit unserer Tiere, ein saftiger Braten, Erfolge auf Ausstellungen und dadurch gute Absatzmöglichkeit für das vorhandene Tiermaterial belohnen Zeit und Mühe reichlich und verhelfen dem Züchter zu einem zufriedenen Leben. Kein Wirtshaus, kein Spieltisch usw. vermag einem Menschen die Befriedigung zu geben, die die Züchterfreude und der Zuchterfolg bietet. In dem jetzt so bitteren Kampf um das tägliche Brot, in der jetzigen Notzeit Deutschlands hat jeder das Recht, mehr als früher für eine Aufheiterung seines Schwermutes zu sorgen. Nicht die nervenpeitschenden oft gesundheitsschädlichen Zerstreuungen bieten beständige Ablenkung, sondern nur ein innere Freude spendendes Ideal. Ein solches ist zweifellos die Betätigung in der Tierzucht und in dieser wieder die Kaninchen an erster Stelle mit, da sie die aufgewendete Mühe durch verwertbare Produkte vergütet. Es ist nicht der Zweck dieser Zeilen, Rentabilitätsberechnungen aufzustellen, denn diese müssten für jeden einzelnen Züchter verschieden sein. Alle Ertragsberechnungen können also nur für Großzuchten maßgebend sein, die darauf angewiesen sind, alle Futtermittel anzukaufen. Das Gros der Kaninchenzüchter aber sind die, die ich als Kleinzüchter bezeichnen will. Hier liegt bei jedem der Fall anders, je nachdem, wieviel verwertbare Abfälle vorhanden sind, ob er eifriger Futtersammler ist, ob er selbst Garten, Wiese oder Land bearbeitet, wie hoch sich die Pacht hierfür beläuft usw. Es ist also zu verwerfen, dass Züchter, die vielleicht überhaupt kein Futter ankaufen müssen, an die Öffentlichkeit treten mit Rentabilitätsberechnungen und sich dabei des theoretischen Futterkostensatzes bedienen. Berichterstatter für Sprechsaal usw. können natürlich nur diesen Satz annehmen, wenn aber ein Züchter im Fachblatt seine Erträgnisse beschreibt, dann soll er dies nur tun, wenn er genaue Aufzeichnungen dafür vorliegen hat und muss dann auch seine Futterquellen ob selbst erbaut oder gekauft genau anführen. Die Kaninchenzucht, richtig betrieben, bringt nicht nur die Unkosten zurück, sondern wirft auch etwas ab. Wieviel Verdienst zu erzielen ist, hängt nicht nur von den Verhältnissen, sondern auch vom Züchter selbst ab.

Die Pflege der Kaninchen ist, wie bei jeder anderen Tiergattung auch, eine vielseitige. Wenden wir uns nun erst der Behausung der Kaninchen, der Stallung, zu. Hier haben wir eine Hauptwurzel des Misserfolges. Wohl hat sich schon dank der vielen belehrenden Aufklärung in der Stallfrage vieles gebessert, doch sehr oft trifft man noch Stallungen an, die zu allem möglichen geeignet sind, nur nicht als Aufenthaltsort für ein Haustier. Klein, finster und verschmutzt, dienen sie wohl Ratten und Mäusen als willkommener Schlupfwinkel, doch ein wirklicher Tierliebhaber wird seine Kaninchen niemals in ein solches Loch einsperren. Geräumig sollen die Stallungen sein, d. h. sie müssen so groß sein, dass sich das darin untergebrachte Tier wohlfühlen und tummeln kann. Wer nur kleine Stallungen unterbringen kann, der halte kleine Rassen und wird damit bestimmt bessere Resultate erzielen, als wenn die Tiere in ihrer Bewegungsfreiheit beengt sind. Als Mindestmaße sind anzusehen für große Rassen: 100X80X65, für mittlere 80X80X60 und für kleine Rassen 60X80X50. Niemals kleiner, lieber größer baue der Züchter seine Stallungen, wenn er an gesunden Tieren Freude haben will. Für Häsinnen mit Jungen sind größere Ställe angebracht, damit den Tieren Gelegenheit zu freier Bewegung und Sprüngen geboten ist. Nicht die Größe allein ist ausschlaggebend, sondern auch die Beschaffenheit. Licht und Luft braucht unser Kaninchen, um sich so entwickeln zu können, wie es der Züchter wünscht. Noch sehr oft trifft man schöne geräumige Stallungen an, nur der Zutritt frischer Luft und des Lichtes ist behindert dadurch, dass die Vorderfront zur Hälfte mit Holz verschalt ist. Wozu denn nun die künstliche Schaffung von finsteren Ecken? Verschalung der Vorder- wand ist nur nötig, soweit sie erforderlich ist, um den Türen Halt zu geben, alles weitere ist vom Übel. Licht und Luft schreien die Menschen, wenn es sich um ihre Wohnungen handelt; gebt das doch auch euren Kaninchen, welche gegen Kälte nicht empfindlich sind, im Gegenteil, je mehr ihnen davon um die Löffel streift, um so dichter wird das Fell. Aus diesem Grunde verwerfe ich auch das Verhängen der Ställe während des Winters. Wo keine Frischluft eindringen kann, bildet sich schlechte und verbrauchte Luft und diese ist unseren Kaninchen bestimmt weniger zuträglich als kalte, frische Luft. Übereifer schadet nur, so auch hier. Luft und Licht auch im Winter muss unsere Parole werden. Wer gegen Schneetreiben usw. zu kämpfen hat, der sorge dafür, dass der Schnee nicht in die Ställe getrieben wird, aber so, dass trotzdem unbehinderte Luftzirkulation möglich ist. Nur Zugluft können die Kaninchen nicht vertragen und vor dieser müssen wir sie schützen, denn Erkältungen, wie Schnupfen usw. entstehen nicht durch die Kälte, sondern durch Zugluft. Wir müssen also unser Augenmerk darauf richten, dass die Rückwand und die Seitenwände vollkommen dicht sind. Besonders müssen das die Züchter beachten, die in der glücklichen Lage sind, Außenstallungen zu besitzen. Es gibt heute im Handel viele gute Dichtungsmittel, die sich als Außenverkleidung in vielen Züchtereien seit Jahren bewährt haben. In Form von Dichtungspappen, Dichtungsfilzen usw. sind diese erhältlich und bieten jedem Züchter Gelegenheit, eine zugfreie Stallung zu besitzen. Einfach und billig soll die Stallung sein, Prunkbauten sind unangebracht, doch es wäre am falschen Plake gespart, wollte man die Kosten scheuen und eine undichte zugige Stallung errichten. Man lasse nie außer Acht, dass Dachpappe nach einigen Jahren frisch geteert werden muss, da sie sonst undicht wird. Ein Schmerzenskind ist immer der Zwischenboden gewesen. Fast überall findet man Etagenstallung, die auf kleinerem Raume die Unterbringung einer größeren Anzahl Ställe ermöglicht, ferner aber auch in der Herstellung billiger ist als einetagige Stallung. Sobald aber mehrere Stallungen übereinander stehen, besteht die Gefahr, dass Urin der oberen Stallung in die tiefer gelegenen dringt. Da nun Urin die unangenehme Eigenschaft hat, durch die kleinste Spalte durchzudringen, muss also für absolute Abdichtung gesorgt werden. Kein Züchter wird daran Gefallen finden, wenn die Stallrückseite uringetränkt gelb leuchtet, ganz abgesehen, dass dies auch den Tieren nicht zuträglich ist und z. B. bei Blauen Wienern, Alaska, Havanna usw. leicht zur Rostbildung Veranlassung gibt. Wie nun lässt sich ein Stall bzw. Stallboden gut abdichten? Die gebräuchlichste Art ist die wie Skizze zeigt:

Der untere Boden ist nach hinten gesenkt, wodurch der Urin nach hinten abläuft und außerhalb des Stalles abtropft. Um dies zu ermöglichen, ragt der Boden über die Rückwand hinaus. In der Zeichnung stellt dar:

a) Rückwand, diese ist unterbrochen, um den Urinabfluss nicht zu hemmen, wobei allerdings darauf geachtet werden muss, dass die Flucht nicht zu groß ist, damit kein Ungeziefer wie Ratten und Mäuse eindringen können.

b) Vorderfront mit Türen.

c) Auflageboden in waagerechter Lage, welcher an der Vorder- und Rückwand auf Leisten aufliegt wie aus der Zeichnung ersichtlich.

d) Stallboden nach hinten gesenkt und über die Rückwand hinausragend.

Der Auflage- oder Doppelboden muss herausnehmbar eingerichtet sein, damit eine gründliche Reinigung möglich ist. Durchgreifend ist diese Anwendung noch nicht, da doch trotz des Gefälles noch Urin durch den Boden d durchdringen wird, wenn auch in geringerem Maße. Gegen dieses Übel hat man die verschiedensten Mittel angewandt, die einen mit, die andern ohne Erfolg. Anfangs glaubte man, schon dadurch zum Ziele gekommen zu sein, dass man den Boden d mit Dachpappe belegte. Doch Dachpappe hat den Nachteil, dass sie nach einer gewissen Zeit undicht und brüchig wird, wenn nicht erneut Teer aufgetragen werden kann. Das Teeren ist eine umständliche Arbeit und erfordert, dass die Ställe eine gewisse Zeit leer stehen und trocknen müssen und das möglichst in einer Zeit, wo der Züchter seine Stallung besetzt hat. Ein anderes Mittel, wohl das haltbarste, ist das Belegen des Bodens mit Zementmischung. Einen Nachteil weist allerdings auch diese Art auf, und zwar springt die Zementschicht leicht und neigt zur Rissbildung, wenn der Stall transportiert werden muss. Neuerdings werden Aufstreiche-Abdichtungsmittel angeboten, die, wenn sie das halten, was die Angebote sagen, zweifellos als die besten Abdichtungen angesehen werden müssen. Allerdings ist es erforderlich, dass erst einmal diese Mittel längere Zeit erprobt sind, bevor sich ein Urteil darüber fällen lässt. Ist ein Auflage- oder Doppelboden nötig, und wie soll dieser beschaffen sein? Der Doppelboden soll erreichen, dass die Tiere trocken sitzen, und dass die Stallung gründlich gereinigt werden kann. Beides wird erreicht, wenn wir die richtige Ausführung wählen. Besehen wir uns erst einmal den viel umstrittenen Lattenrost, der aus zwei Längsleisten besteht, auf welchen in gewissen Abständen Querleisten befestigt sind. Zweifellos ist dieses urindurchlässig, die Tiere sitzen also trocken. Dass nun aber durch die Spalten auch der Kot verschwindet, widerspricht die Praxis. Die Tiere zerbeißen das Stroh und dieses drückt sich durch den Lattenrost, dient also dem Tier nicht mehr als Unterlage. Geben wir genug Streu, dann ist die Flucht zwischen Grund- und Doppelboden mit Streu angefüllt und der Kot liegt auf dem Lattenrost. Ein weiterer Nachteil des Lattenrostes ist der, dass sich derselbe sehr schwer reinigen lässt. Die kleinen Schmutzecken zwischen den Leisten bieten dem Ungeziefer willkommene Schlupfwinkel. Die nächste Möglichkeit ist der Auflageboden, den ich wie folgt empfehle: Lose Bretter werden etwas eingekerbt und einfach in den Stall hineingelegt, ohne befestigt zu werden, indem sie auf die aus Skizze 1 ersichtlichen Auflageleisten aufgelegt werden.

Die Skizze 2 zeigt uns den in Skizze 1 mit e bezeichneten Auflageboden von oben gesehen. Ich will diese kurz erläutern. Es bedeuten:

a)Rückwand des Stalles.

b, c und d) Auflageboden. Jedes Brett ist lose auf die Leisten e aufgelegt. Die verschiedene Schraffierung ist nur deshalb angewendet, um genau die Form jedes einzelnen Brettes zu zeigen. Der weiße Raum ist die Flucht, durch welche der Urin abziehen kann, um das Tier immer trocken sitzen zu lassen. Selbstverständlich müssen weitere Bretter aufgelegt werden, bis der Boden ge- schlossen ist. Die Einschnitte dürfen nicht zu groß gewählt werden, damit kein Tier auch kein Jungtier durchtreten und sich verletzen kann.

e) Auflageleisten, die die Bodenbretter halten. Unter den Brettern finden wir diese punktiert in der Skizze bezeichnet.

Wer auf dem Grundboden (siehe Skizze 1=d) keinen Urinablauf anbringen kann (z. B. bei beschränktem Platze in Innenstallungen), der belege den Grundboden mit Torfmull, dieser saugt den durchsickernden Urin auf und vermeidet den beißenden Geruch. Auch der getränkte Torfmull muss bei jeder Stallreinigung entfernt werden und stellt einen wertvollen Dünger dar.

Der Anfänger wird, eingedenk des Grundsatzes: Erst den Stall und dann die Tiere, nach dem Stallbau zum Ankauf der Tiere schreiten, wobei er sich allerdings schon vor dem Bau klar sein musste, ob er mit großen, mittleren oder kleinen Rassen züchten will. Reinrassigkeit sollte die erste Bedingung sein. Wohl sind Kreuzungstiere sehr billig zu haben, doch es wäre verkehrt, an dieser Stelle zu sparen. Die fortschreitende und unaufhaltbare Rassezuchtentwicklung zeitigt nicht nur Verbesserung der Körpergröße und -form, der Farbenschläge, sondern auch der Fellqualität. Die Fellfrage ist zwar momentan durch die Wirtschaftsverhältnisse alles andere als glänzend und doch stellt trotz der geringen Preise auch heute noch das Fell ein beachtenswertes Produkt dar. Auch zur Selbstverwertung stellt ein Sortiment gleichmäßiger guter Felle bessere Bearbeitungsmöglichkeiten dar als eine Anzahl verschiedenfarbiger minderwertiger Kreuzungsfelle. Ferner ist dem Züchter von Kreuzungstieren keine Möglichkeit geboten: 1. an Ausstellungen sich zu beteiligen, 2. seine Jungtiere zu gutem Preise abzusetzen. Gewährt nicht auch eine Stallung mit nur rassereinen Tieren besetzt eine größere Befriedigung als ein Gewürfel von lauter verschiedenen Kreuzungstieren? Die heute verbreiteten vielen Rassen tragen jedem Geschmack Rechnung, so dass jeder einen zusagenden Schlag finden kann. Die einzelnen Rassen sind in diesem Kalender näher beschrieben. Wir unterscheiden große, mittlere und kleine Rassen, ferner Normal-, Lang- und Kurzhaar und zuletzt einfarbige und Zeichnungstiere. Um das richtige Tier zu finden, ist der persönliche Geschmack des Züchters maßgebend. Alle Rassen haben ihre Daseinsberechtigung und können dem Züchter den gewünschten Ertrag bringen. Während die normalhaarigen einfarbigen Tiere einen höheren Preis für verkaufte Felle eintragen, bietet sich den Züchtern von Zeichnungstieren eine Augenweide bei dem schönen Anblick seiner Tiere. Die Angorazucht, die neuerdings an Bedeutung gewinnt, liefert das begehrte Wollprodukt. Man achte beim Kauf der Tiere aber darauf, dass die Tiere gesund sind muntere klare Augen, sauber, nicht durchfällig dass sie von kräftigen gesunden Eltern abstammen und in der Entwicklung nicht zurückgeblieben sind. Nachdem nun schon seit ziemlich 6 Jahren die Tätowierung und Zuchtbuchführung eingeführt ist, ist es kein unbilliges Verlangen, wenn man tätowierte Tiere und einen Zuchtbuchauszug fordert, um über die Vorfahren des Tieres klar zu sehen. Ein Anfänger wird einen erfahrenen Züchter zum Einkauf mitnehmen, damit ihm dieser mit Rat und Tat zur Seite steht. Es gibt auch heute noch gewissenlose Menschen, die aus der Unerfahrenheit eines Anfängers Kapital zu schlagen verstehen. Die Kaninchenzucht würde heute bestimmt schon weiter verbreitet sein, wenn nur ehrliche Züchter Kaninchen verkaufen würden. Eine praktisch eingerichtete Stallung wird dem Züchter Freude bereiten, wenn er die Stallpflege nicht versäumt. Als Streu dient am besten eine Unterlage von Torfmull und Hafer- oder Gerstenstroh. Laub und Heu ist deshalb nicht zu empfehlen, weil dieses leicht Schimmel bildet, die Feuchtigkeit aufsaugt und den Tieren keine trockene Unterlage bietet, dasselbe gilt von Sägespänen, diese neigen außerdem noch zur Ungezieferbildung. Im Sommer müssen die Ställe alle Wochen, im Winter wenigstens aller 14 Tage gründlich gereinigt werden. Wer einen Auflageboden in der unter Stallbau beschriebenen Art besitzt, kann mühelos eine gründliche Reinigung vornehmen, da bei den einzelnen Brettern keine schwer zu reinigenden Ecken vorhanden sind. Wer Lattenroste hat, muss besonders darauf achten, dass die einzelnen Ecken zwischen den Leisten gründlich von allem anhaftenden Schmutz befreit werden, wenn er vermeiden will, dass Ungeziefer und Seuchen seine Tiere entwerten. Bei großer Hitze ist wohl zu empfehlen, die Stallung in 2 Wochen dreimal zu reinigen, damit kein unangenehmer Geruch entsteht, der nicht nur dem Züchter und seinen Mitmenschen, sondern auch den Tieren nicht zuträglich ist. In diesem Punkte wird bestimmt viel gesündigt und viele Züchter sind selbst schuld, wenn ihnen das Halten von Kaninchen verboten wird. Von der Liebe zum Tier zeugt es nicht, wenn die Tiere auf Kot sitzen, der sich wochenlang ansammelt, aber groß ist das Geschrei, wenn ein solches Tierchen erkrankt und eingeht. Sauberkeit muss erste Parole des Kaninchenzüchters sein, wenn er sich nicht als Tierquäler ansehen lassen will. Jährlich wenigstens einmal müssen die Ställe desinfiziert werden, damit evtl. schon vorhandene Krankheitsbazillen getötet oder deren Entstehung vermieden werden. Der günstigste Zeitpunkt ist kurz vor Beginn der neuen Zuchtperiode, also im zeitigen Frühjahr. Zu diesem Zwecke besorge man sich für wenig Geld einen Eimer Weißkalk, dem man das Desinfektionsmittel (Kreolin, Caporit usw.) und eine Handvoll Kochsalz zufügt. Diese Mischung muss streichfähig verdünnt werden, damit ein Eindringen in das Holz möglich ist. Beim Auftragen des Kalkes achte man darauf, dass alle Ecken und Winkel mit gestrichen werden, denn gerade die Ecken sind die gefährlichsten Stellen. Dass vorher der Stall gründlich zu reinigen ist, versteht sich wohl von selbst. Kalk trocknet sehr schnell und können die Ställe also bald wieder besetzt werden. Ein so behandelter Stall sieht durch seine weißen Wände immer freundlich aus und ist auch den Tieren zuträglich.

Zur Pflege der Tiere gehört auch, dass wir ihnen möglichst oft Gelegenheit bieten, sich außerhalb des Stalles zu tummeln. Viel Bewegung trägt nicht nur zur Förderung des Wohlbefindens bei, regt den Appetit an, sondern verschafft unseren Tieren auch eine gute Körperform. Lang und schlank, mit feurigem Temperament präsentieren sich dem Züchter seine Tiere, der ihnen oft Bewegung in der freien Luft verschafft. Auch im Winter schadet ihnen ein Auslauf im Freien nichts, wenn sie nicht in warmen Innenstallungen gehalten werden und deshalb eine Erkältung zu befürchten ist. Die Natur verleiht dem Tier einen natürlichen Kälteschutz mit dem Winterpelz. Der Haarwechsel ist ja nur eine natürliche Anpassung an die Witterungsverhältnisse, im warmen Sommer tragen unsere Kaninchen das dünne unterwollarme, im Winter das dichte unterwollreiche und wärmende Fell. Ein gesunder abgehärteter Organismus ist gegen Krankheiten weit weniger empfindlich als ein solcher, der durch überempfindliche Pflege verweichlicht worden ist. Wollen wir Menschen uns im Winter gegen Kälte besonders schützen, nehmen wir den Pelz – das Winterkleid des Tieres zur Hand. Weshalb soll dann der Träger dieses wärmespendenden Schutzmittels nicht selbst auch an der freien Luft springen können? Eine sorgsame und gute, aber keine verweichlichte Pflege für unsere Kaninchen sei unser Bestreben.

Gegen jede Art Ungeziefer haben wir unseren Tieren Schutz zu bieten. Die Maus und die Ratte werden sich nur dann einstellen, wenn sie Futter finden. Diese Möglichkeit besteht aber nur, wenn diese Nager in den Stall eindringen können, oder wenn es ihnen der Züchter noch bequemer macht, indem er die Futterreste vor den Stall wirft. Die erste Möglichkeit wird dort ausgeschalten, wo eine dichte Stallung den Zutritt verwehrt. Auch unter dem Stall dürfen sich diese Schädlinge nicht verkriechen können, deshalb stellen wir die Ställe etwa 20 Zentimeter hoch auf Füße oder Ziegelsteine. Die zweite Möglichkeit schaltet in einer sauberen Zuchtanlage von selbst aus, denn Mist und Futterreste gehören in die Düngergrube, nicht aber vor die Stallung. Wer dennoch Ratten oder Mäuse an seiner Stallung antrifft, schreite sofort zu deren 90 – Bekämpfung. Es gibt verschiedene Mittel, doch achte man bei allen Giften darauf, dass diese nicht von den Kaninchen erreicht werden können. Ein sehr billiges Mittel ist folgendes: Man stelle zwei kleine Näpfchen vielleicht Blumentopfuntersetzer auf und fülle das eine mit einer Mischung von Gips und Zucker, in das andere fülle man Wasser. Die gefräßigen Tiere werden erst fressen und dann saufen. Dadurch erhärtet bekanntlich Gips und führt den Tod des Tieres herbei. Die Hauptsache in der Schädlingsbekämpfung ist Sauberkeit, dann werden sehr selten nur eine Ratte oder Maus anzutreffen sein. Tragende und säugende Häsinnen bedürfen besonders sorgfältiger Pflege. Einige Tage nach erfolgreichem Deckakt wird die Häsin unruhig und wühlt die Streu durcheinander. Ist der Stall unsauber, ist eine Beschmutzung des Tieres unvermeidlich, was wohl kein Züchter wünscht. Alle Störungen und Beunruhigung des Tieres durch Hunde oder Kinder ist möglichst zu vermeiden, was allerdings nicht so zu verstehen ist, dass die Häsin in einen dunklen, vielleicht sogar noch verhangenen Stall eingesperrt wird. Licht und Luft muss auch eine tragende Häsin haben, ja diese erst recht. Wer Gelegenheit hat, biete auch der künftigen Mutter etwas Auslauf, doch sei man vorsichtig mit dem Heben, fasse im Genick fest und stütze unter dem Leib. Ich sehe als bekannt voraus, dass auch nichttragende Tiere niemals an den Ohren, sondern am Fell gefasst und gehoben werden. Die Fütterung ist die gleiche, wie bei allen anderen Tieren auch, natürlich nährstoffreich und kein Mastfutter. Das Kaninchen trägt 31 Tage und ist ein Säugetier. Einige Tage vor dem Werfen wird der Stall nochmals gründlich gereinigt und dem Tier viel weiche Streu zum Nestbau gegeben. Ein Nistkasten usw. ist nicht erforderlich, das Tier sucht sich selbst einen geeigneten Platz, wo es seine Jungen betten will. 3-4 Tage vor dem Wurf reiche man der Häsin ins Weichfutter täglich eine kleine Priese Schwefelblüte, welche veranlasst, dass die Geburt leichter vonstattengeht. Es ist dies eine verschwindend kleine Ausgabe – für 10 Pfg. reicht man mehrere Jahre – die sich schon oft sehr gut bezahlt gemacht hat. Man hüte sich allerdings, zu viel davon zu reichen und beginne damit nicht zu früh, da sonst Frühgeburten auftreten können. Am Wurftag muss der Häsin die Raufe voll Heu, ein Trog Weichfutter und ein Trog Saufen (Milch oder in Wasser gekochte Haferflocken) zur Verfügung stehen. Der Wurf ist auch für das Kaninchen schmerzhaft, hat es nun keine Möglichkeit, seinen Durst zu stillen, kommt es sehr oft vor, dass es die Jungen an- oder sogar auffrisst. In den meisten Fällen geht die Geburt normal vor sich, die Mutter legt ihre Jungen ins Nest und versorgt sie gut. Ab und zu kommt es aber auch vor, dass eine Häsin verwirft, was verschiedene Ursachen haben kann. Erstlingsmütter verwerfen öfter, da sie des Geburtsvorganges noch unkundig sind, auch Beunruhigung der Tiere kann der Anlass zum Verwerfen sein usw. Von Vorteil ist es, wenn der Züchter zur Zeit des Wurfes selbst zur Hand ist, um helfend einspringen zu können. Lässt ein Züchter z. B. an einem Donnerstag früh decken, so wird die Häsin in den meisten Fällen im Laufe des Sonntags werfen. Hat die Häsin ein Nest gebaut, die Jungen aber außerhalb desselben verstreut, so hat er die Jungen ins Nest zu betten, und macht die Häsin Anstalten, das nicht zu dulden, so wird diese aus dem Stall entfernt und nach 1-2 Stunden erst wieder zugesetzt. Die drängende Milch erinnert das Tier an seine Mutterpflichten und hat meist zur Folge, dass die Jungtiere gut aufgezogen werden. Etwas umständlicher ist es, wenn die Jungen verstreut sind und kein Nest gebaut ist. Hier muss der Züchter die Mutter spielen. Vorerst ist die Alte aus dem Stall zu entfernen, die Jungen sind nun sofort in eine Mütze usw. an einen geschützten (im Winter an einen warmen) Ort zu bringen und ein Nest herzurichten. Am sichersten geht der Züchter, wenn er die Wolle zum Nestbau dem Muttertier selbst ausrupft, am besten vom Bauch, da dadurch die Tätigkeit des Gesäuges angeregt wird. Nimmt man Wolle von einem fremden Fell, so läuft man Gefahr, dass die Häsin des Geruches wegen das Nest zerstört. In dieses geschaffene Nest werden die Jungtiere gebettet und das Muttertier etwa 1-2 Stunden später zugesetzt. Wir sehen daraus, dass es immer von Vorteil ist, wenn der Züchter den Wurf selbst überwachen kann. Oft lassen sich auch Jungtiere, die bereits erstarrt sind, dadurch retten, dass sie in die Wärme gebracht werden und dann wieder aufleben. Auch dann, wenn das Muttertier die Jungen selbst gebettet hat, ist eine Nestrevision erforderlich. Das geschieht folgendermaßen: Nach dem Wurf nehme man die Häsin vorsichtig aus dem Stall und breite das Nest auseinander. Es wird selten vorkommen, dass sich im Nest Tote befinden, die Mutter verscharrt diese meist außerhalb des Nestes oder legt sie offen in den Stall; die Totgeburten sind zu entfernen. Das Nest wird nun nach fehlerhaften Tieren bzw. Krüppeln untersucht, wobei man besonders auf Löffel, Blume und Läufe zu achten hat, es kommt vor, dass diese Teile beim Geburtsakt beschädigt bzw. angefressen worden sind. Von den verbleibenden gefunden Jungen belassen wir der Häsin höchstens 6 Stück. Da nun oft die jungen Rammler die kräftigsten sind, hat man zu beachten, dass man nicht alle Junghäsinnen tötet. Eine Unterscheidung des Geschlechtes ist schon am ersten Tage mit ziemlicher Sicherheit möglich. Der Geschlechtsteil der Häsin befindet sich näher am After als bei Rammlern. Ein scharfes Auge ist allerdings erforderlich, doch nach einiger Übung wird es dem Züchter gelingen, sicher zu unterscheiden. Die ausgesuchten Jungen lege man ins Nest zurück und sehe das Muttertier erst zu, wenn sich die Jungen vollständig beruhigt haben. Es kann nicht eindringlich genug davor gewarnt werden, der Häsin zu starke Würfe zu belassen. Nicht nur, dass das Muttertier stark beansprucht wird, sondern auch die Jungen werden und müssen zurückbleiben. Es kommt vor, dass 12 und noch mehr Jungtiere belassen werden, diese bleiben schwächlich und werden zum größten Teil in dem kritischen 2. bis 3. Monat in den Kaninchenhimmel einziehen. Dem Züchter bleiben vielleicht von seinem starken Wurfe 4-5 schwächliche in der Entwicklung zurückgebliebene Kümmerlinge, während er, hätte er den Wurf auf 6 reduziert, gesunde kräftige Junge im Stalle hätte, ganz abgesehen vom Muttertier, welches von der Aufzucht der großen Zahl Junger stark mitgenommen ist. Der Züchter beherzige deshalb folgendes: Man belasse einer Häsin nie mehr als 6 Junge, sind die Würfe besonders stark, etwa 12-14 Stück, dann begnüge man sich mit 4-5 Stück, denn bei so starken Würfen kommen die Jungen schon kleiner zur Welt. Je mehr Muttermilch diese Tierchen erhalten, umso mehr Gelegenheit haben sie, die rückständige Entwicklung nachzuholen.

Viele Züchter halten sich Ammen, um von diesen die überzähligen Jungtiere aufziehen zu lassen. Dieses Ammenwesen hat seine Berechtigung vor allem bei Neuzüchtungen, also besonders bei wertvollen oder besser gesagt teuren Zuchttieren. Bei richtiger Behandlung wird die Amme die fremden Tierchen auch ohne weiteres annehmen. Verdruss kann eine Amme aber doch zur Genüge bringen. Die Amme muss am besten einen Tag vor dem Zuchttier belegt werden. Werfen beide, ist der Zweck erreicht, wenn das Zuchttier nicht mit einem geringen Wurf von 2-3 Stück aufwartet. Es kommt allerdings oft vor, dass nur eines von den beiden wirft, dann hat der Züchter entweder von der Amme für ihn wertlose Kreuzungstiere oder er muss doch die überzähligen Jungtier töten. Für dasselbe Futter, was eine Amme erfordert, kann der Züchter auch eine weitere Häsin seiner Rasse halten und geht dann diesen unangenehmen Begleiterscheinungen aus dem Wege. Ganz zu verwerfen ist die Amme dann, wenn sie zum Raubbau benutzt wird, was häufig bei Neuzüchtungen der Fall ist. Die Rassehäsin und mit ihr die Amme werden gedeckt, der Rassehäsin die Jungen genommen, der Amme untergelegt und die Rassehäsin wieder gedeckt. Auf diesem Weg ist es wohl möglich, von einer Häsin im Jahre etwa 10 Würfe Jungtiere zu erhalten, doch dass diese schwächlich und zu Krankheiten neigen müssen, ist selbstverständlich. Solche geldgierige Jungtierfabrikation ist nicht nur eine grenzenlose Tierschinderei, sondern schädigt die Kaninchenzuchtbestrebung dadurch, dass diese mit Seuchen behafteten, widerstandslosen Jungtiere verkauft, schon manchen guten Stamm angesteckt haben.

Wenden wir uns nun wieder unseren im Nest liegenden Jungtieren zu. Unsere Arbeit ist mit der ersten Nestkontrolle nicht beendet, sondern wir haben zu überwachen, ob die Häsin ihren Mutterpflichten nachkommt und die Jungen gut säugt. Wir müssen also weitere Nestkontrollen vornehmen, hier möchte ich aber auf einen Fehler aufmerksam machen, der sehr, sehr oft auch von alten Züchtern gemacht wird. Bei der ersten Nestkontrolle müssen wir jedes einzelne Tier herausnehmen und genau untersuchen, bei den weiteren Nestkontrollen ist das nicht erforderlich, ja kann sogar zu unliebsamen Nachteilen Veranlassung geben. Unsere Kaninchen werden blind geboren, ein Zeichen, dass das Auge noch nicht voll entwickelt ist. Nehmen wir nun die kleinen Tierchen besonders vom 7. Tage ab aus dem Nest und setzen sie damit dem grellen Tageslicht, ja vielleicht sogar den Sonnenstrahlen aus, so wirkt das schädigend auf die noch nicht voll entwickelten Sehnerven, oder Zugluft führt eine Erkältung der um diese Zeit besonders empfindlichen Augen herbei und die Augenentzündung, die wir so sehr oft finden, ist da. Die Augen öffnen sich am 10. und auch am 11. Tage nicht, lösen wir die Augenlider mit Hilfe von Kamillentee auf, so tritt eine quarkähnliche Masse heraus, greift der Züchter nicht helfend ein, ist oft die Erblindung des Tieres die Folge. Es können natürlich auch noch andere Ursachen die Augenentzündung verursachen, doch in den meisten Fällen ist die falsche Nestkontrolle schuld. Ich führe die Nestkontrolle aller 2 Tage durch und begnüge mich damit, festzustellen, ob die Tiere gut genährt sind, was sehr gut möglich ist, ohne die Tierchen dabei aus dem Nest zu nehmen. Ist mit den Tierchen irgendetwas nicht in Ordnung, so wird dies der aufmerksame Züchter schon an der Unruhe im Nest feststellen und dann sofort für Abhilfe Sorge tragen. Sind die Jungen immer rund und voll, so zeugt das von einer guten Mutter und der Züchter kann getrost in die Zukunft blicken. Anders, wenn die Tierchen unruhig sind und dadurch bekunden, dass sie hungrig sind. Dies zeigt sich darin, dass die Tierchen nicht prall und rund, sondern schlank und vielleicht sogar mit runzliger Haut im Neste liegen. Hier muss sofort Abhilfe geschaffen werden. Zuerst ist die Häsin zu untersuchen, ob etwa Euterentzündung vorliegt, oder falsche Fütterung die Ursache ist. Anfänger, die in solchen Fällen leicht den Kopf verlieren, tun gut daran, sich in solchen Fällen einen erfahrenen, alten Züchter zu Rate zu ziehen, da es auch nicht leicht ist, immer die Ursache richtig festzustellen. Mit der 3. Woche beginnen die Jungtiere das Mest zu verlassen. Sauberkeit ist nun noch dringender erforderlich, denn es ist den kleinen Lebewesen nicht zuträglich, wenn sie im Kot oder in der Nässe herumstolpern müssen. Die Jungen fressen allmählich vom Futter der Alten mit und bedürfen nun nur noch der Pflege wie andere Tiere auch. Man belasse die Jungtiere der Mutter mindestens 10 Wochen, bevor man diese absetzt, je größer die Würfe, um so längere Säugezeiten sind erforderlich, um kräftige und gesunde Nachzucht zu erzielen. Es rächt sich bitter, wenn den Tierchen schon mit 6 Wochen die stärkende und aufbauende Muttermilch entzogen wird. Keine Ziegen- oder Schafmilch, kein sonstiges Kraftfutter kann je die Muttermilch ersetzen. Es ist zu empfehlen, die Jungtiere beim Absetzen gleich nach Geschlechtern getrennt einzukäfigen. Große geräumige Ställe müssen wir diesen Tierchen einräumen, denn die Hauptentwicklungszeit reicht beim Kaninchen bis zum 5. bzw. 6. Monat. Viel Bewegung schafft Fresslust und gibt gute Körperform. Wer besonders reich mit Rammlern bedacht worden ist und dafür keinen Absatz hat, der schreite zur Kastration. Wir erreichen dadurch, dass wir mehrere Jungrammler in einem Käfig halten können, dass diese aber auch früher schlachtreif sind. Kastraten sind durch das Ausscheiden des Geschlechtstriebes ruhiger und setzen früher Fleisch und Fett an als ungeschnittene Rammler. Alle für den Kochtopf bestimmten Tiere sollten spätestens mit dem 6. Monat abgeschlachtet werden, da von diesem Zeitpunkte ab das Wachstum geringer wird. Herr Direktor Königs beschreibt in seinem im Verlag von Dr. F. Poppe erschienenen Werk: Kaninchenzucht zur Fleischgewinnung, die Erzielung größter Rentabilität durch rechtzeitiges Abschlachten und beweist dies durch praktisch durchgeführte Versuche. Da jeder Züchter auch aus seinen Schlachttieren das meiste herauszuholen, bestrebt sein muss, kann die Anschaffung dieser Schrift nur empfohlen werden. Zur Rentabilitätsfrage gehört auch, ob der Züchter von seinen Häsinnen ein oder mehrere Würfe aufzieht. Das System, von dem Muttertier jährlich nur einen Wurf aufzuziehen, ist nur dann rentabel, wenn die Häsin nach dem Absetzen und der anschließenden Mast abgeschlachtet wird. Doch auch in diesem Falle ist sie nicht ohne weiteres zu bejahen. Wenn wir ein Tier bis zur Zuchtfähigkeit aufgezogen haben, so erfordert das mehr Futteraufwand als für ein Schlachttier, welches mit 6 Monaten schlachtreif ist. Dieser Mehraufwand sowie die Futterkosten für das Zuchtjahr sind anteilig auf die während des Jahres anfallenden Jungtiere als Teil der Selbstkosten anzurechnen. Lassen wir nun der Häsin nur einen Wurf setzen, z. B. 6 Stück, so sind die anteiligen Mutterkosten höher als bei 12 oder 18 Tieren. Im 2. Zuchtjahre werden die Kosten noch geringer, weil die Mehrkosten für die Aufzucht in Wegfall kommen. Wir sehen also daraus, dass die Rentabilität gesteigert wird, wenn wir die Zuchthäsinnen mehrere Jahre als Mütter benutzen. Das Höchste, was wir unseren Tieren zumuten können, gute nährstoffreiche Fütterung vorausgesetzt, sind drei Würfe, denn pro Wurf erfordert 4½ Woche Tragedauer, 10 Wochen Säugezeit, 2½ Woche Ruhepause ergibt 17 Wochen, dadurch erhält das Tier allerdings nur eine Winterruhe von 3½ Wochen, die besser auf 8-10 Wochen ausgedehnt wird. Zwei Würfe jedoch sind keineswegs zu viel, sondern nur einem Wurfe vorzuziehen, da dadurch das Verfetten der Häsin mit den unangenehmen Begleiterscheinungen vermieden wird. Wir vollen Freude an der Zucht haben, wollen reine Rassen züchten, wollen aber auch die Rentabilität nicht außer Acht lassen, dann, werden wir immer treue Anhänger der Kaninchenzucht bleiben.

Was füttern wir unseren Kaninchen? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Wie ich schon eingangs anführte, ist unser Kaninchen Abfallverwerter. Die Küche bietet da so allerhand: Gemüseabfälle, Brotreste, Kartoffelschalen. Nun kommt es allerdings auf uns an, diese Futter in der richtigen Zusammenstellung den Tieren zu reichen. Der Züchter muss sich einmal damit befassen, die Nährwerte der einzelnen Futtermittel nach den veröffentlichten Tabellen festzustellen. Gewiss errechnen wir für unsere Speisen auch nicht den Nährwert. Aber korrigiert uns die Natur nicht selbst, indem sie uns den Appetit für eine bestimmte Speise verschafft? Das Kaninchen kann uns seinen Appetit nicht nennen, es muss das fressen, was wir ihm vorsetzen. Vor allem haben wir für ein abwechslungsreiches Futter zu sorgen. Ich möchte den Menschen kennen lernen, dem seine Lieblingsspeise Tag für Tag vorgesetzt wird und diese dann nicht mit Widerwillen genießt. Brot essen wir täglich und was das Brot dem Menschen, ist das Heu dem Kaninchen. Heu soll immer in der Raufe sein, es ist geeignet, Unregelmäßigkeiten in der Ernährungsweise auszugleichen. Nach dem Heu kommt Grünfutter, das sich uns im Sommer in den verschiedensten Arten anbietet. Brennnessel z. B. beachtet der Kaninchenzüchter noch viel zu wenig, dabei ist es eins Klee, der nährstoffreichsten Futter, die das Frühjahr bietet. Löwenzahn und wie die verschiedenen Grünfutter heißen, abwechslungsreich geboten, vertilgt das Kaninchen mit wahrem Heißhunger. Doch auch der Garten bietet so viel Futter: Kohlrabi-, Blumen- und Weißkohlblätter, Sellerieblätter getrocknet im Winter als Würze usw. Dann kommen wir zum Weichfutter. Jungtiere bis zu 7-8 Wochen sollten Kartoffeln oder deren Schalen noch gar nicht bekommen. Sehen wir uns doch die Nährwerttabelle an, Kartoffel hat sehr wenig Nährwerte und ist schwer verdaulich; selbstverständlich sollen auch diese Abfälle Verwendung finden, doch müssen wir sie anreichern mit Gerstenschrot und wechselweise mit Nikulin und Vitakalk. Mehr als zweimal wöchentlich sollte man aber dieses Weichfutter nicht reichen. Im Frühjahr hilft man sich damit, dass man den kochend abgegossenen Kartoffelschalen ungefähr doppelt so viel kleingeschnittene Brennesseln beifügt. Vom Aufbrühen der Brennnessel rate ich deshalb ab, weil dadurch mit dem Wasser, welches abgegossen werden muss, ein großer Teil Nährwerte verloren geht. Im Winter müssen Rüben, Knollen, Möhren, Blumenkohlblätter usw. abwechslungsreiches Futter bieten. Auch Zuckerschnitzel bereichern die Abwechslung in der Fütterung, die trocken und aufgebrüht, letztere können den Zusatz von Gerstenschrot und Nikulin bzw. Vitakalk erhalten, gereicht werden können. Hafer ist ein gutes Kraftfutter, doch reiche man ihn nicht oder nur in ganz geringen Mengen Jungtieren, da dadurch der Geschlechtstrieb zu früh angeregt wird. Auch bei säugenden Häsinnen kann durch Hafer die Hitze eintreten und die Milch wegbleiben. Die meisten Züchter füttern zu gut und zu teuer, ohne dabei den erwünschten Erfolg zu erzielen. Im Sommer muss Grünfutter das Hauptnahrungsmittel bilden. Die Kaninchenzüchter selbst müssen sich aber in diesem Punkte noch belehren, denn über die Nährwerte der einzelnen Futtermittel herrscht in unseren Kreisen noch sehr viel Unkenntnis. Die Hühnerzüchter sind uns in diesem Punkte bestimmt voraus.

Zur indirekten Pflege gehört es, dass der Züchter genau Buch führt, nicht nur über Einnahmen und Ausgaben, sondern auch über alle Zuchtvorfälle. Dieser Kalender bietet mit seinen vorgesehenen Spalten hierzu Gelegenheit. Die vom Verlag Dr. F. Poppe, Leipzig, erhältlichen Stallkarten für Häsinnen und Rammler erhöhen die Übersicht und können nur empfohlen werden. Doch damit darf sich der Züchter nicht begnügen, er muss darüber hinaus sich auch laufend über den Stand der Zuchtfragen orientieren, muss sich Vorteile anderer Züchter zunutze machen. Zwei Wege bieten sich hierzu und beide sollte der Züchter beschreiten, wenn er mit seiner Zucht auf der Höhe bleiben will. Erstens durch das Lesen einer guten Fachzeitschrift, die über alle Zuchtfragen erschöpfend Auskunft gibt. Ich nenne hier die wohl am weitesten verbreitete und beste: „Der Kaninchenzüchter“-Leipzig. Alte erfahrene Züchter geben der Züchterwelt ihre Erfahrungen zum besten, erste Fachleute beantworten Anfragen im Sprechsaal, geben Krankheits- und Sektionsberichte, klären in der Fellverwertung auf. Es genügt aber nicht, dass der Züchter Abonnent der Zeitschrift ist, sondern er muss diese auch studieren. Wie viele Züchter sehen die Zeitung durch und lesen nur das, was über die von ihnen gezüchtete Rasse geschrieben wird. Das ist falsch. Alle Abhandlungen sind lehrreich, auch die von anderen Rassen, denn fast immer enthalten sie einen Hinweis auf Zucht und Pflege, die jedem von Nutzen sein können, wenn er sie auswertet. Sprechsaal sowie Krankheitsberichte sind ebenfalls für alle Leser bestimmt und nicht nur für die Anfragenden. Ein Jahrgang Fachzeitschrift ist ein Nachschlagewerk und sollte deshalb gesammelt werden. Der zweite Weg ist der Beitritt zu einem Kaninchenzüchterverein, der seinen Zweck erfüllt. Der Züchter kann von seinem Verein verlangen, dass er ihm folgendes bietet: Abhaltung von Vorträgen über Zuchtfragen (jährlich mindestens 6), Veranstaltung von Ausstellungen (bei kleineren Vereinen Beteiligungsunterstützung für Bezirks-Ausstellungen usw.), Unterhaltung einer geeigneten Fachbibliothek, Anschluß an die höheren Organisationen (Bezirks-, Landesverband und Reichsbund) und ferner Durchführung der Tätowierung und Einrichtung einer ordnungsgemäßen Zuchtbuchführung. Der Beitrag, der an so geleitete Vereine abgeführt wird, lohnt sich, er entschädigt den Züchter vollauf dadurch, dass er belehrt wird, dass ihm Vorteile geboten werden. Jedes einzelne Vereinsmitglied aber soll nicht nur fordern, sondern muss selbst mit am Aufbau des Vereines helfen, dann wird er ihm und seinen Vereinsbrüdern zum Vorteil werden. Ein Verein, dessen Monatsversammlungen nur Debatten über persönliche Streitigkeiten, über Vergnügungsfragen usw. bieten, wird keinem Züchter von Vorteil sein. Wohl sind kleinere Vergnügen geeignet, die persönlichen Beziehungen der Züchter untereinander zu fördern und Freundschaften zu knüpfen, also nicht ohne weiteres zu verwerfen. Doch sollen diese in kleinem Rahmen bleiben, denn ein Kaninchenzüchterverein ist kein Vergnügungsverein. Die durch die Beiträge eingehenden Gelder haben zum Vorteil der Züchter bzw. der Zuchtbewegung Verwendung zu finden.

Ich schließe meine Ausführungen mit dem Wunsche, dass die Jahre 1932/33, für die dieser Kalender bestimmt ist, unserem Volke wieder zum Aufschwung und jedem Zuchtfreunde zu lohnender Beschäftigung verhelfen möge. Aber auch unserer Kaninchenzucht wünsche ich den verdienten Aufschwung, helfen wir Züchter alle mit, indem wir aufklärend und werbend wirken, aber auch, indem wir durch reelle Tierlieferungen zu erschwinglichen Preisen Anfänger nicht nur gewinnen, sondern auch zu dauernden Züchtern werden lassen. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Wenn wir Züchter untereinander so handeln, wird unsere Kaninchenzucht in weitere Kreise eindringen und sich weiter verbreiten zu unserem und unseres Volkes Nutzen.

Bernhard Pickert
Anmerkungen und redaktionelle EinordnungBernhard PickertRedaktioneller Zusatz zum historischen Originaltext

redaktioneller Zusatz

Rezension zu Walter Gadschs Aufsatz

„Pflege und Fütterung der Kaninchen“ (Wahls Taschenkalender 1932)

Kurzfazit:

Gadschs Text ist ein trivialkompilatorischer, aber kulturhistorisch hoch aufschlussreicher Ratgeber, der die Kaninchenzucht der frühen 1930er Jahre in einer Mischung aus Praxisanleitung, Züchterethos und zeittypischer Ideologie bündelt. Seine spätere Funktion als Reichsfachberater für Zuchtförderung und Werbung (ab 1933) wirft ein zusätzliches Licht auf die normativen und propagandistischen Untertöne des Aufsatzes.

1. Autorposition und ideologischer Hintergrund

Walter Gadsch (geb. 1903 in Mittweida) war kein beliebiger Hobbyzüchter, sondern bereits vor 1932 ein Funktionsträger:

  • ab 1925 Mitglied des Ortsvereins Mittweida i. Sa., dort im Vorstand
  • Züchter der Weißen Wiener, einer damals stark geförderten Wirtschaftsrasse
  • 1932 Bearbeiter der „Werbestelle für Zuchtverbreitung“ beim Reichsbund Deutscher Kaninchenzüchter (RBDK)
  • ab 1933 in Chemnitz als Reichsfachberater für Zuchtförderung und Werbung tätig (NSDAP-Parteigenosse)
  • 1936 Hilfsrichter im Verbandswesen
  • 1938 Auszeichnung mit der silbernen Nadel des Reichsverbandes Deutscher Kleintierzüchter durch J. Filler

Diese Karriere zeigt: Gadsch war professioneller Funktionär, nicht bloß Praktiker. Sein Text ist daher nicht nur ein Ratgeber, sondern ein frühes programmatisches Dokument eines Mannes, der kurz darauf die offizielle Zuchtpropaganda des NSRegimes mitgestalten sollte.

2. Trivialkompilatorischer Charakter des Textes

Der Aufsatz ist inhaltlich nicht originär, sondern eine Zusammenstellung gängiger Züchterregeln:

  • Stallmaße, Luftführung, Abdichtung
  • Hygiene und Desinfektion
  • Nestkontrolle und Geburtshilfe
  • Fütterungsgrundsätze
  • Schädlingsbekämpfung
  • Reinrassigkeit und Tätowierung

Die Formulierungen sind typisch für populäre Züchterliteratur der Zeit. Beispielhaft:

„Sauberkeit muss erste Parole des Kaninchenzüchters sein.“ „Licht und Luft braucht unser Kaninchen…“ „Man belasse einer Häsin nie mehr als 6 Junge.“

Diese Sätze sind didaktische Verdichtungen, keine Erkenntnisse. Gadsch kompiliert, ordnet und moralisiert – er erfindet nichts neu.

3. Der moralischpädagogische Tonfall

Der Text ist durchzogen von Erziehungsrhetorik, die weit über Tierpflege hinausgeht:

  • Zucht als Charakterbildung
  • Zucht als Gegenmittel zu „Wirtshaus“ und „Spieltisch“
  • Zucht als Beitrag zur Bewältigung der „Notzeit Deutschlands“

Gadsch schreibt:

„Kein Wirtshaus, kein Spieltisch vermag einem Menschen die Befriedigung zu geben, die die Züchterfreude bietet.“

Diese moralische Überhöhung ist typisch für die bürgerlichvölkische Kleintierzüchterkultur der späten Weimarer Republik – und sie passt auffallend gut zu Gadschs späterer Rolle im NSVerbandswesen.

4. Ideologische Vorprägungen im Text

Obwohl der Aufsatz 1932 erschien, also vor der Machtübernahme, enthält er bereits Elemente, die Gadschs spätere NSFunktionärssprache vorwegnehmen:

4.1. Betonung von Reinrassigkeit

Gadsch insistiert:

„Reinrassigkeit sollte die erste Bedingung sein.“

Die Argumentation ist nicht biologisch, sondern moralischästhetisch – ein typisches Muster der völkischen Tierzuchtbewegung.

4.2. Zucht als Volkswirtschaft

Die Kaninchenzucht wird als Beitrag zur „Notzeit“ stilisiert – ein Narrativ, das später nahtlos in die NSSelbstversorgungspropaganda überging.

4.3. Pflichtethos

Der Züchter wird als pflichtbewusster, ordentlicher, sauberer Volksgenosse gezeichnet. Die Rhetorik ist auffallend kollektivistisch.

5. Praktische Qualität und Grenzen

Trotz ideologischer Untertöne ist der Text praktisch brauchbar:

  • Die Stallbauanweisungen sind detailliert und handwerklich solide.
  • Die Hinweise zur Nestkontrolle sind präzise und teilweise erstaunlich modern.
  • Die Hygieneempfehlungen („jährlich desinfizieren“, „Torfmull statt Sägespäne“) sind sachlich fundiert.

Doch es gibt auch problematische Punkte:

  • Schädlingsbekämpfung mit GipsZuckerMischungen ist fragwürdig.
  • Die Empfehlung, Jungtiere nach Geschlecht am ersten Tag zu unterscheiden, ist biologisch kaum haltbar.
  • Die Darstellung der Ammenzucht ist moralisch aufgeladen, aber fachlich inkonsistent.

6. Kulturhistorischer Wert

Der Text ist ein authentisches Dokument der Züchterkultur der frühen 1930er Jahre:

  • Er zeigt die Verbindung von Kleintierzucht, Selbstversorgung und Volksgemeinschaftsideologie.
  • Er spiegelt die Mentalität einer Zeit, in der Tierzucht als sozialer Halt und moralische Erneuerung galt.
  • Er dokumentiert die rhetorische und organisatorische Vorstufe der späteren NSZuchtpolitik.

Gerade weil der Text trivial ist, ist er wertvoll: Er zeigt, wie Alltagskultur und Ideologie ineinandergriffen.

Gesamturteil

Walter Gadschs Aufsatz ist:

  • trivial-kompilatorisch in der Sache
  • normativ und moralisch im Ton
  • ideologisch vorgeprägt im Denken
  • praktisch brauchbar in vielen Details
  • historisch bedeutsam als frühes Dokument eines späteren NSVerbandsfunktionärs

Er ist weniger ein Fachbeitrag als ein kulturpolitischer Ratgeber, der die Kaninchenzucht als Lebensform, Tugendschule und Volksaufgabe inszeniert.

Transparenz

Hinweis zur redaktionellen Aufbereitung

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Quellennachweis

Historisches Original

Pflege und Fütterung der Kaninchen. W. Gadsch. Wahls TK.1932. Schlagworte – Original/PDF

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