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Unsere Kaninchenrassen. Wahls Taschenkalender 1928

1928 Seiten 161–172
Redaktionell aufbereitet

Unsere Kaninchenrassen

Wahls Taschenkalender 1928

Von Paul Kühring

Das Belgische Riesenkaninchen (BR) ist, wie schon der Name sagt, der Riese aller Kaninchen. Bei großem, lang- gestrecktem Körper, hoher Stellung und starkem Knochen- bau, breiter Brust und breitem Becken, erreicht es ein Gewicht von 11-16 Pfd. Straff aufrecht getragene, mindestens 16 cm lange Ohren, leuchtende, große Augen zieren den kühn getragenen Kopf. Die Farben hell-. hasen- und dunkelgrau sind vorherrschend. Seltener, aber sehr beliebt und vom Fellhandel gesucht, sind die Felle eisengrauer Tiere, die aber leicht schwarzen Kopf erhalten. Bei den hell- und hasengrauen Schlägen ist die Bauchseite weiß, die Ohren sind schwarz gerändert, wie auch die Oberseite der Blume schwarz gefärbt ist. Dunkelgraue BR sollen an Kopf und Brust die gleichdunkle Farbe als am übrigen Körper haben.

Belgisches Riesenkaninchen

Der seltenere eisengraue Schlag muss eine gleichmäßige Schattierung aufweisen, lediglich der Bauch kann etwas heller sein, während schwarzer oder dunkler Kopf als Fehler anzusehen ist. Weiße Abzeichen schließen bei der Bewertung aus. Durch sein hohes Gewicht und besonders durch sein dichtes und weiches Fell ist das Belgische Riesenkaninchen als Nutztier sehr geschätzt.

Das Weiße Riesenkaninchen (WR) mit einem Mindestgewicht von 10 Pfd. gehört ebenfalls zu den großen Rassen. Es hat großen langen Körper, der indes nicht die Länge des BR zu erreichen braucht. Die Ohren müssen eine Mindestlänge von 15 cm haben. Es hat eine schöne hohe Stellung und starken Knochenbau. Die Augen sind rosafarben. Die Farbe des Felles ist reinweiß. Das Fell selbst ist dicht und weich, glatt anliegend, seidenartig glänzend und ziemlich lang im Haar.

Weißes Riesenkaninchen

IJm Rauchwarenhandel steht das Fell in gutem Ansehen und wird sehr gern gekauft. Außer den BR in ihren grauen Schattierungen und den WR sind nach den Reichsbewertungsbestimmungen jetzt auch andersfarbige Riesen zugelassen und haben bei diesen in Beurteilung der Farbe die für die anderen Rassen gegebenen Bestimmungen Gültigkeit. Der Blaue Riese muss also ein gleichmäßiges Blau an Kinn, Brust und Bauch haben, wie das Blaue Wiener Kaninchen. Die Andersfarbigen Riesen müssen eine Mindest-Ohrenlänge von 15 cm und ein Mindestgewicht von 10 Pfd. haben.

Das Deutsche Riesenschecken-Kaninchen (DRSch) gehört zu den großen Rassen mit einem Mindestgewicht von 10 Pfd. Es ist langgebaut, jedoch feinknochiger als der BR. Die Ohren werden straff aufrecht in V-Form getragen. Die Deutsche Riesenschecke ist ein Zeichnungskaninchen, welches an den Züchter große Anforderungen stellt. Die Grundfarbe ist reinweiß. Die Zeichnungsmerkmale kommen in Schwarz und Blau vor, erstere sind zu bevorzugen. Die Zeichnung selbst besteht aus Aalstrich (Rückenzeichnung), Seitenzeichnung, einfarbigen Ohren, Schmetterling, Augenringen und Backenpunkten. Sein Fell ist dicht und weich. Im eigenen Haushalte wird es gern zu Kindergarnituren, Bettvorlagen, Teppichen usw. verwendet.

Das Deutsche Landkaninchen (DL) entspricht in Größe, Schwere und selbst in Zeichnung (bis auf Wegfall von Schmetterling und Backenpunkten) dem DRSch-Kaninchen. Zur Prämiierung sind nur schwarz-weiße Tiere zugelassen. Auch in Bezug aufs Fell und dessen Verwendung gilt dasselbe.

Das Deutsche Widderkaninchen (DW) hat ein Gewicht von 9-12 Pfd. Im Vergleich zum BR hat der DW kurzen, gedrungenen Körper. Das Typische bei dieser Rasse ist der Ramskopf mit den 38-45 cm langen (beide ausgespannt gemessen), zur Seite mit der Schallöffnung nach innen hängenden Ohren. In der Hauptsache kommt es in den drei den BR eigenen grauen Schattierungen vor, wird aber auch mit Scheckenzeichnung gezüchtet. Bei den Schecken müssen die Farben scharf abgegrenzt sein, dagegen ist Mantelzeichnung gestattet, doch bemerken die Reichsbewertungsbestimmungen ausdrücklich, dass die Zeichnung der DRSch anzustreben ist.

Deutsches Widderkaninchen

Außer den grauen Tieren sind auch solche mit allen anderen Farben zur Prämiierung zugelassen. Das Fell der grauen DW ist ganz besonders dicht und weich mit guter Unterwolle, weshalb es zur Verarbeitung zu Seal am begehrtesten ist.

Das Englische Widderkaninchen (EW) ist bei einem Gewicht von 7-11 Pfd. von feinerem Knochenbau als das DW-Kaninchen. Seine Ohren (Behang) erreichen eine Länge von 66 cm und eine Breite von 15 cm. Es kommt in fast allen Säugetierfarben vor, gelbe, gelbscheckige und madagaskarfarbige werden am meisten gezeigt. Es ver- schafft dem Züchter von Besonderheiten große Befriedigung.

Das Meißner Widderkaninchen (MW) hat ein Gewicht von 7-9 Pfd. Es hat gedrungenen Körper, Ramskopf und Hängeohren. Sein Gang ist, wie der aller Widderkaninchen, schleichend. Sein Fell entspricht dem unserer Kleinsilber-Kaninchen (siehe dort).

Das Französische Silberkaninchen (FS) gehört zu den mittleren Rassen mit einem Gewicht von 7-9 Pfd. über 10 Pfd. schwere Tiere werden von der Bewertung ausgeschlossen. In Körperform ist es hochgestellt. Das Fell ist dicht, glänzend und weich und hat besonders langes Haar mit guter Unterwolle. Dieses und seine Größe haben ihm im Rauchwarenbandel besondere Geltung verschafft.

Das Deutsche Großsilberkaninchen (DGS) besitzt fast dieselben Eigenschaften wie das FS-Kaninchen, nur ist es dunkler in Farbe, welche den schwarzen Kleinsilbern entspricht. Aber auch blaue, graue, braune, havannabraune, lohfarbene und gelbe Tiere sind zur Bewertung zugelassen.

Chinchillakaninchen

Das Groß-Chinchillakaninchen (GrChin) hat ein Gewicht von 7-10 Pfd., das Klein-Chinchillakaninchen (KlChin) ein solches von 5-7 Pfd. Beide Schläge haben gedrungenen Körper mit kurzer Halspartie und sind kräftig gebaut. Die Farbe ist an der Wurzel dunkelblaugrau, dann weiß und auf der Decke raupenähnlich tiefschwarz geflammt. Das Fell ist weich und wollig, im Haar fein, Seidenähnlich, 4-5 cm lang. Im Rauchwarenbandel ist das Fell sehr begehrt, weshalb sich das Chinchillakaninchen in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr viel Anhänger erworben hat.

Das Blaue Wienerkaninchen (BIW) hat ein Gewicht von 7-9 Pfund. In Form ähnelt es einem kleineren Schlage der BR. Der Rammler hat walzenförmigen Kör- per, die Häsin ist etwas schlanker mit schmälerem Kopf und dünneren Ohren. Die schöne dunkel- bis taubenblaue Farbe erstreckt sich gleichmäßig über den ganzen Körper. Das Auge ist blaugrau. Die Ohren werden straff aufrecht getragen. Das Blaue Wienerkaninchen ist sehr beliebt. Sein Fell ist dicht und weich, mittellang und von schönem Glanze. Es ist sehr gesucht, wird naturfarbig und zu allerhand Imitationen verarbeitet.

Das Weiße Wienerkaninchen (WW) mit einem Gewicht von 6-8 Pfd. hat schnittige Körperform, hohe Stellung, schön gewölbten Rücken, breite Brust und breites Becken. Die Ohren stehen straff aufrecht. Schöne dunkelblaue Augen mit blaugrauem Ring geben dem WW ein besonders freundliches Aussehen. Die Farbe des Felles ist reinweiß, dasselbe ist dicht und weich, seidig glänzend, nicht so lang im Haar wie das des WR, wiederum aber nicht so kurz wie das des Hermelinkaninchens. Zur Pelzgewinnung kann das WW nicht genug empfohlen werden.

Nach den Reichsbewertungsbestimmungen sind jetzt auch Graue Wiener-Kaninchen (GrW) zugelassen. Für diese gilt in Gewicht, Körperform und Fell dasselbe wie beim BIM. Die Farbe ist dunkel- oder eisengrau.

Das Fehkaninchen (F) hat ein Mindestgewicht von 5 Pfd. In Körperform gleicht es dem Havannakaninchen. Die Farbe ist blaugrau mit weißen und braungrauen Haaren durchsetzt, die auf dem Rücken Pfeffer- und salzfarbig ausläuft. Das Fell soll nicht zu kurz sein und muss viel Unterwolle haben, es muss dicht und glatt anliegen und viel Grannenhaare besitzen. Das Fell ist sehr gesucht und wird in natura verarbeitet als Nachahmung des sibirischen Eichhörnchens. Beim Fehkaninchen unterscheiden wir vier Zuchtrichtungen: Großfeh (GrF), – Marburger Feh (MF), Augsburger Feh (AF) und Düsseldorfer Feh (DF). Es empfiehlt sich, hierüber in den Reichsbewertungsbestimmungen genauer nachzulesen.

Das Japanerkaninchen (J) steht im Gewicht von 6-8 Pfd. Es ist das bunteste aller Kaninchen und an keine bestimmte Zeichnung gebunden. Seine Farbe ist gelb- schwarz und schmutzigweiß ohne reinweiße Abzeichen über den ganzen Körper und recht ungleichmäßig verteilt. Das Fell ist dicht und lang, verhältnismäßig stumpf und hart. Im eigenen Haushalt findet es Verwendung zu Teppichen, Bettvorlagen, Fußsäcken usw., wird aber geschoren auch gern zu Pelzfutter verwendet.

Das Rheinische Scheckenkaninchen (RhSch) ist 6-9 Pfd. schwer. Die Körperform ist mehr gedrungen als schlank. In Zeichnung ähnelt es der ESch, nur, dass die schwarzen Abzeichen mit gelben untermischt sind, also ein dreifarbiges Kaninchen. Das Fell ist dicht und weich. Die RhSch ist außer in ihrer Heimat, dem Rheinland und verschiedenen Teilen Sachsens wenig verbreitet.

Das Hasenkaninchen (ha) ist 5-8 Pfd. schwer. Es hat einen schön geformten, edlen Körperbau und stellt eine Nachahmung des Feldhasen dar. Das Fell ist fuchsfarbig bis tief an die Seiten und die Hinterpartie. Der Bauch ist lohfarbig bis weiß. Der Rücken ist mit Büscheln schwarzer Haare wellenförmig schattiert. Die Spitzen der Ohren sind schwarz gerändert. Das Auge ist feurig und verleiht dem Tiere ein besonders rassiges Gepräge. Auffallend schlanke Läufe tragen den schöngeformten Körper. Das Fell ist dicht, mittellang, glatt anliegend und schön glänzend, lässt aber zumeist Unterwolle vermissen. Das Hasenkaninchen schafft dem Züchter seiner Formen volle Befriedigung. Das Havannakaninchen (Hav) hat ein Gewicht von 5-8 Pfd. Der Körper ist walzenförmig gebaut, hat glattes, glänzendes Fell mit viel Grannenhaar und viel Unterwolle. Das Havannakaninchen besitzt einen feinen dunkelbraunen Pelz bis auf den Bauch. Weiße Abzeichen und mit weißen Haaren durchsetztes Fell schließen von der Prämiierung aus. Auch das Havannakaninchen hat ganz besonders wegen seines schönen Pelzes viel Anhänger und ist im Rauchwarenhandel sehr beliebt.

Das Alaskakaninchen (Al) hat ein Mindestgewicht von 5 Pfd. Sein Körper ist schnittig gebaut, die Farbe lackschwarz und glänzend auf tauben- bis dunkelblauem Grunde. Das Fell ist dicht und weich. Es wird viel im Naturzustande verarbeitet.

Das Thüringerkaninchen (Th) soll ein Mindestgewicht von 5 Pfd. haben. Schwerere als 8 Pfd. werden von der Prämiierung ausgeschlossen. Seine Körperform ist gedrungen. Die Farbe setzt sich zusammen aus dunkler bis schwarzer Decke auf gelbem bis rotem Grunde. Je dunkler die Decke, desto wertvoller ist das Tier. Das Fell ist glatt und dicht mit weicher Unterwolle und Grannen. Die Thüringer sind als gute Nutzkaninchen anzusprechen.

Das Luxkaninchen (L) hat ein Gewicht von 5-6 Pfd. bei gedrungener Körperform. Die Farbe ist hellsilberblau, die Grundfarbe weiß, am Bauche graublau. Sie geht etwa einen Zentimeter hoch, scharf abgegrenzt, in Braunrot über und ist mit einer hellen, silberblauen Decke versehen. Das Braunrot soll leicht durchscheinen. Der Bauch, das Innere der Hinter- und Vorderläufe, die Kinneinfassung und die Unterseite der Blume sind weiß. Das Auge ist blaugrau, rot durchleuchtend und hell umrandet. Das Fell ist weich, mittellang und in der Unterfarbe sehr dicht.

Das Kleinsilberkaninchen (S) hat ein Durchschnittsgewicht von 5 Pfd. Der Körper ist walzenförmig, fleischig, aber nicht plump. Das Fell ist dicht und weich, glänzend und reich an Unterwolle. Wir unterscheiden Schwarz-, Blau-, Braun- und Gelbsilber, und diese Farbenschläge wieder erscheinen in den Schattierungen dunkel, mittel und hell. Schwarzsilber haben stahlblauen Grund, auf welchem die Decke in schwarzen und weißen Spitzen endet. Blausilber haben weiße Spitzen auf blauem Grunde. Braunsilber haben leuchtend braune Decke mit schwarzen und weißen Spitzen Die Bauchfarbe kann weiß sein, darf jedoch nicht zu hoch in die Seiten gehen und muss blauen Grund aufweisen. Gelbsilber haben tiefgehende, zitronengelbe Decke mit weißen Spitzen als Silberung. Das Silberkaninchen ist eine unserer ältesten Kaninchenrassen, bei Züchtern wie im Rauchwarenhandel sehr beliebt.

Das Holländerkaninchen (H) erreicht ein Gewicht von 4-6 Pfd. bei schnittiger Körperform. Es ist eins der schönsten und wohl auch am schwersten zu züchtenden Zeichnungskaninchen, eine Rasse für 3üchter, die an Zeichnung und Farbe Gefallen haben. Die Zeichnung besteht aus der Kopfzeichnung (Blesse), der Rumpfzeichnung (Ring) und der Hinterfußzeichnung (Manschetten). Die Grundfarbe ist weiß, die Zeichnungsmerkmale Schwarz, Blau, Grau, Gelb usw.

Das Schwarzlohkaninchen (SchwL) ebenfalls unter die kleinen Rassen zu rechnen, erreicht ein Gewicht von 5-6 Pfd. bei schnittiger Körperform. Die Grundfarbe ist tiefschwarz. Die Abzeichen sind lohfarbig und befinden sich an den Nasenlöchern, dem Rande des Kinns, um die Augen herum und die Innenfläche der Ohren, ferner im Nacken in Gestalt eines Dreiecks, an der Brust, den Läufen und den Seiten. Das Schwarzlohkaninchen erfreut sich bei den Züchtern größter Beliebtheit und wird heute noch sehr viel gezüchtet. Außer den Züchter in Farbe und Zeichnung voll zu befriedigen, hat es einen hohen Nutzwert, da das Fell in seiner natürlichen Farbe viel verarbeitet wird. Dasselbe lässt sich auch vom Blaulohkaninchen (BIL) sagen. Die Grundfarbe desselben ist Blau.

Das Russenkaninchen (R) hat ein Durchschnittsgewicht von 4 Pfd. Durch seine eigenartige Zeichnung macht es einen sehr gefälligen Eindruck. Das Fell ist weiß, glänzend, dicht und kurz. Die Zeichnung setzt sich zusammen aus der schwarzen Maske, schwarzen Ohren, Läufen und der Blume. Die Ohren werden straff aufrecht getragen. Die Augen sind, wie die aller Albinos, rosafarben. Das Fell ist dem des Hermelinkaninchens ebenbürtig, also sehr wertvoll. Leider ist diese Rasse durch die vielen modernen Rassen ins Hintertreffen gekommen. Seine Liebhaberzahl ist nur gering, was sehr bedauerlich ist

Das Hermelinkaninchen (Herm) stellt den Zwerg unter allen Kaninchenrassen dar. Es hat ein Gewicht von etwa 2 ⅓ Pfd. Der Körper ist klein, walzenförmig gebaut, der Hals ganz kurz. Der Kopf ist kurz mit breiter Stirn, die Ohren ebenfalls kurz (je kleiner, desto feiner, aber immer der Körpergröße entsprechend) und eng geschlossen getragen. Das Fell ist kurz, dicht, blütenweiß ohne jeden anderen Schein, und silberglänzend. Das Auge ist rosafarben, groß und ausdrucksvoll.

Das Sächsische Hermelinkaninchen (Sherm) erreicht ein Gewicht bis zu 5 Pfd. In Körperform kommt es dem Hermelin, in Körpergröße dem Holländer nahe. Im Gegensatz zu dem Hermelinkaninchen hat es blaue Augen. Das Fell ist dicht, weich und glänzend, reich an Unterwolle und Grannen.

Das Angorakaninchen (A) mit einem Gewicht von 6-8 Pfd. kommt in den Farben Weiß, Gelb, Grau, Schwarz und Braun vor, doch haben weiße Tiere immer den Vorzug und werden auch am meisten gezüchtet. Das Eigentümliche dieser Rasse ist das lange, weiche und seidenartige Haar, welches leicht und locker auf dem Körper ruhen soll, nicht verfilzt und verknotet sein darf. Sportzüchter haben schon eine Haarlänge von 33 cm erreicht, doch ist diese Länge zur wirtschaftlichen Verwertung nicht nötig, jedoch schließt kürzeres als 10 cm langes Haar von der Prämiierung aus. Das Angorakaninchen hat hohen wirtschaftlichen Wert, da das Haar allein oder in Verbindung mit Schafwolle zu dem Angolanagewebe verarbeitet wird. Leider wird bei uns das Angorakaninchen viel zu wenig gezüchtet, als dass die Webindustrie sich eingehender mit der Verspinnung befassen könnte. Als Neuheit sind weiße Angora mit blauen Augen herausgezüchtet worden.

Angorakaninchen

Das Opossumkaninchen (O) ist mittlerer Größe im Gewicht von 5-8 Pfd. mit gedrungener, kräftiger Körperform. Die Grundfarbe ist Blaugrau, nach der Decke dunkelgrau verlaufend, mit etlichen hellgrauen Haarspitzen und schwarzen Grannen, so dass der Pelz gleichmäßig dunkeleisengrau erscheint. Sein Haar ist dicht und weich, wollig und nicht zu kurz. Das Opossumkaninchen verspricht ein sehr gutes Nutztier zu werden.

Das Castorrexkaninchen (CR) ist französischen Ursprungs. Im Gewicht von 6-8 Pfd. Tiere mit weniger als 6 und mehr als 9 Pfd. sind nicht prämiierungsfähig. Das Gewicht soll zur Größe in richtigem Verhältnis stehen. Der etwas langgestreckte Körper trägt einen fein zugespitzten Kopf, der beim Rammler eine leicht gewölbte, bei der Häsin eine gerade Nase hat. Die Ohren werden aufrecht getragen und müssen in ihrer Länge der Größe des Tieres entsprechen. Der breite Rücken verläuft schön gerundet. Die Läufe sollen grade und kräftig gebaut sein. Die Blume ist mittellang und wird dicht anliegend auf- recht getragen. Das Biberbraun soll möglichst weit nach den Seiten hinaufreichen, sich über die Blume erstrecken und auf den Schenkeln ins Aschgraue übergehen. Der Bauch und die Unterseite der Blume sind hellgrau oder weiß. Die Unterfarbe ist blaugrau. Um die Augen läuft ein heller Augenring, um das Kinn eine helle Binde. Das Auge ist braun mit schwarzer Pupille. Die Ohrspitzen sind schwarz umrändert. Die Krallen sind dunkelfarbig. Die Rexkaninchen sind in allen sonst anerkannten Farben zulässig. Für sie finden die bei den anderen Rassengegebenen Bestimmungen sinngemäße Anwendung. Die Eigenart des Felles besteht in dem fast völligen Fehlen oder Verkümmerung der Grannenhaare, so dass es sich wollig weich anfasst. Es ist sehr dicht, vollkommen gleichmäßig und hat eine Haarlänge von nur 10-15 mm.

Castorrexkaninchen

Vorstehende Zeilen über das Castorrexkaninchen sind fast wörtlich den Reichsbewertungsbestimmungen entnommen. Leider war es mir nicht möglich, bis jetzt ein solches Kaninchen zu sehen. Die auf der Leipziger Weltschau 1927 gezeigten Tiere hatten alle Mängel, die aber durch Züchterfleiß und Ausdauer bald verschwinden können und die Rasse dann dem Ideal näherkommen dürfte, jedoch nur, das sei ganz besonders angenagelt, wenn nicht Mischmasch getrieben wird, wie es heute verschiedene Züchter tun, um aus diesem Modekaninchen Geld mit minderwertigen Kreuzungen herauszuschlagen. Wenn man gleich von vornherein an die Herauszüchtung von weißen, blauen und braunen Rexkaninchen heranging, dann ist dies zu verstehen, wie aber z. B. Japaner-Rex, Angora-Rex usw. angeboten werden können, bleibt mir ein Rätsel, denn mit welcher Begründung werden dann die sogenannten Lothringer Kaninchen nicht als Rasse im Standard anerkannt? Durch sinnlose Kreuzungen mit Rexkaninchen dürften wir nicht vorwärts, aber bestimmt rückwärts in der Zucht kommen. Dem Fell des Castorrexkaninchen soll, da es grannenarm ist, die Zukunft gehören, ob dies der Fall sein wird, ist abzuwarten, heute sind sich die „Gelehrten Züchter, wie Fellfachleute, noch nicht einig.

Dass vorstehende Rassebeschreibungen nicht Anspruch auf Vollständigkeit haben können, ist selbstverständlich, dazu ist im Kalender zu wenig Raum. Wer sich über diese und jene Rasse genau informieren will, dem empfehle ich, sich Starkes „Praktische Kaninchenzucht“, das beste Buch über Kaninchenzucht, zuzulegen. In diesem sind alle Rassen genau beschrieben. Preis 3 Mk. portofrei. Außerdem geben Dr. Poppes Rasse-Spezialbücher erschöpfende Auskunft über jede einzelne Rasse. Preis jeden Buches 1 Mk. Wer sich über die Bewertung der einzelnen Rassen ein genaues Bild machen will, dem empfehle ich, sich die Reichsbewertungsbestimmungen für die Beurteilung der Kaninchen zum Preise von 45 Pfg. zuzulegen. Alle diese Bücher können vom Verlag des „Kaninchenzüchter“-Leipzig, Verlag Dr. F. Poppe, Leipzig C 1, Grenzstraße 21, bezogen werden.

Paul Kührig.

Bernhard Pickert
Anmerkungen und redaktionelle EinordnungBernhard PickertRedaktioneller Zusatz zum historischen Originaltext

Zusammenfassung / Fazit

Rezension zu

„Unsere Kaninchenrassen – Wahls Taschenkalender 1928“

Von Paul Kühring

Paul Kührings Überblick über die Kaninchenrassen der späten 1920erJahre ist ein faszinierendes Zeitdokument – nicht nur für Züchter, sondern für jeden, der historische Tierzuchtliteratur schätzt. Der Text verbindet nüchterne Beschreibung, praktische Hinweise und gelegentlich überraschend deutliche Wertungen. Dadurch entsteht ein lebendiges Bild der damaligen Zuchtpraxis, ihrer Ideale und ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Inhaltliche Stärken

1. Präzise, anschauliche Rasseporträts

Kühring beschreibt jede Rasse mit einer Mischung aus Morphologie, Farbmerkmalen, Fellqualität und wirtschaftlicher Bedeutung. Besonders gelungen ist, wie er typische Merkmale hervorhebt, etwa beim Belgischen Riesenkaninchen:

„Bei großem, langgestrecktem Körper, hoher Stellung und starkem Knochenbau […] erreicht es ein Gewicht von 11–16 Pfd.“

Solche Sätze vermitteln sofort ein klares Bild der Tiere und ihrer damaligen Zuchtziele.

2. Einblicke in die Fell- und Nutzwertorientierung der Zeit

Der Text macht deutlich, wie stark die Kaninchenzucht der 1920er Jahre vom Pelzhandel geprägt war. Fast jede Rasse wird hinsichtlich Fellqualität, Unterwolle, Haarlänge oder Verarbeitungswert bewertet. Das verleiht dem Werk einen kulturhistorischen Wert: Es zeigt, wie eng Tierzucht und Textilindustrie damals verbunden waren.

3. Deutliche Positionen und kritische Kommentare

Kühring scheut sich nicht, Missstände anzusprechen – etwa beim Castorrexkaninchen:

„…wenn nicht Mischmasch getrieben wird, wie es heute verschiedene Züchter tun, um aus diesem Modekaninchen Geld mit minderwertigen Kreuzungen herauszuschlagen.“

Solche Passagen verleihen dem Text Authentizität und zeigen, dass Zuchtpolitik und Qualitätsdebatten keine Erfindung der Gegenwart sind.

zeitbedingte Einschränkungen

1. Starke Fokussierung auf Pelzverwertung

Aus heutiger Sicht wirkt die konsequente ökonomische Bewertung des Fells befremdlich. Die Zucht wird fast ausschließlich unter Nutzwertaspekten betrachtet – ein Spiegel der Zeit, aber für moderne Leser ungewohnt.

2. Uneinheitliche Tiefe der Beschreibungen

Einige Rassen werden ausführlich und detailreich dargestellt (z. B. Riesen, Rex, Chinchilla), andere eher knapp abgehandelt. Das liegt am begrenzten Raum des Kalenders, führt aber zu einem gewissen Ungleichgewicht.

3. Terminologie und Standards von 1928

Die verwendeten Begriffe („Prämiierung“, „Reichsbewertungsbestimmungen“, „Nutztierwert“) sind historisch und entsprechen nicht heutigen Zuchtstandards. Für Leser ohne Hintergrundwissen kann das Verständnis erschweren.

Historischer Wert

Der Text ist ein hervorragendes Beispiel für frühe populäre Fachliteratur zur Kaninchenzucht. Er zeigt:

  • welche Rassen damals verbreitet oder neu waren,
  • welche Zuchtziele galten,
  • wie eng Zucht und Pelzhandel verknüpft waren,
  • wie Züchterverbände und Standards funktionierten.

Besonders spannend ist die Darstellung der Rexkaninchen, die 1927/28 noch als „Modekaninchen“ galten und deren Zukunft Kühring kritisch, aber hoffnungsvoll einschätzt.

Fazit

Kührings „Unsere Kaninchenrassen“ ist ein kompaktes, lebendiges und historisch wertvolles Werk. Es vermittelt nicht nur zoologische Merkmale, sondern auch die Denkweise und Prioritäten der Kaninchenzucht der 1920er Jahre.

Für heutige Leser ist es weniger ein praktischer Leitfaden als ein kulturhistorisches Dokument – und gerade deshalb so reizvoll. Die Mischung aus Fachwissen, persönlicher Meinung und zeittypischer Sprache macht den Text zu einer lohnenden Lektüre für alle, die sich mit der Geschichte der Kaninchenzucht beschäftigen oder historische Quellen für moderne didaktische Projekte nutzen möchten.

Transparenz

Hinweis zur redaktionellen Aufbereitung

Kontrollierter ENZYK-Quellenimport. Historischer Haupttext, Quellenbilder und redaktionelle Zusätze wurden automatisiert aus dem Fachreihenarchiv übernommen. Vor Veröffentlichung redaktionell prüfen.

Quellennachweis

Historisches Original

Unsere Kaninchenrassen. Wahls Taschenkalender 1928 – Original/PDF

Der Scan bzw. das Originaldokument ist als Nachweis zum Fachartikel hinterlegt.

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