Von Dieter Larisch , „Das Blaue Jahrbuch“ 1988
1. Vorbemerkungen
Für die Zuchtplanung benötigt jeder Züchter Informationen über den eigenen Zuchtstamm. Nur so lassen sich im Laufe der Zeit Prognosen auf die Zuchtergebnisse der durchgeführten Paarungen erstellen. Diese Angaben können dem Zuchtbuch entnommen werden. Für eine erfolgreiche Kaninchenzucht ist also das Führen eines Zuchtbuches unentbehrlich. Der Wert des Zuchtbuches steigt und fällt jedoch mit der Menge, der Qualität und der Übersichtlichkeit der Eintragungen. Es gibt sicher einige Möglichkeiten, ein Zuchtbuch zu führen. Im Zeitalter der Computertechnik ist jedoch die wohl übersichtlichste Form der Zuchtbuchführung als Datenbank-System gegeben. Ein Datenbank-System ist ein Computerprogramm, mit dem sich viele Datensätze mit immer den gleichen Eintragungsmöglichkeiten zusammenfassen lassen. Diese Voraussetzungen sind bei der Zuchtbuchführung gegeben. Die Datensätze enthalten die Eintragungen jedes einzelnen Kaninchens. Der Computer unter- stützt die Datenverwaltung dadurch, dass er die Daten auf Abruf bereitstellen kann. Die Datenbank kann also mit einer konventionellen Kartei verglichen werden, wobei für jedes Kaninchen eine Karteikarte (Datensatz) angelegt wird. Auf jeder Karteikarte können die gleichen Eintragungen gemacht werden (siehe Punkt 2 a) und 2 b)).
2. Anforderungen an das „elektronische Zuchtbuch“
Als Anforderungen an ein computergestütztes Zuchtbuch sind folgende Möglichkeiten als unabdingbar zu fordern:
a) Sämtliche Daten der einzelnen Tiere, die für den Züchter von Interesse sind, müssen erfasst werden können. Dazu gehören:
– Erkennungsmerkmale des Tieres (Täto, Geschlecht…)
– Besonderheiten bei der Aufzucht –
– Abstammung
– Äußerliche Merkmale des Tieres (rassespezifisch)¹)
– Verbleib des Tieres (z. B. geschlachtet/Gründe, verkauft/ Käufer)
– Bewertungsergebnisse auf Ausstellungen
b) Alle Zuchtdaten der eingesetzten Zuchttiere müssen erfasst werden können. Dazu gehören bei Rammlern:
-Deckakte mit Datum, Häsin, Ergebnis
– Angaben zur Deckfreudigkeit bei Häsinnen:
– Decktag, Wurftag, Rammler, Ergebnis
– Aufzuchtverhalten c) Sämtliche erfassten Daten müssen abrufbereit, ausdruckbar, ergänzbar und jederzeit veränderbar sein.
d) Es muss sichergestellt sein, dass die eingegebenen Daten nicht verlorengehen können (d. h. die Daten müssen rekonstruierbar sein).
3. Erfassungsmasken
1) Diese Eingabe halte ich für besonders wichtig, da auch das Erscheinungsbild der Geschwister von Zuchttieren bei der Zuchtverwendung eine große Rolle spielen sollte. Hier zeigt sich oft das ausgeglichene Erbmaterial der eingesetzten Zuchttiere und lässt daher genauere Prognosen auf das Zuchtergebnis zu (siehe hierzu auch Abb. 3).
Ich habe die den o. g. Anforderungen entsprechenden Daten auf zwei Dateien aufgeteilt: Eine Datei mit den unter 2. a) aufgeführten Angaben (Abbildungen 1-3), eine zweite (Zuchttierdatei) mit den unter 2. b) aufgeführten Angaben (Abbildungen 4-6). Dies hat seine Gründe zum einen darin, dass nur ein kleiner Teil der jährlich gezogenen Tiere auch für die Zucht eingesetzt wird. Bei Zusammenfassung aller Daten zu einer Datei wäre also eine große Menge von Speicherplatz für leere Felder aufgewendet worden. Andererseits erhöht eine Aufteilung in zwei Dateien auch die Handlichkeit der Datenverwaltung und trägt so zur Übersichtlichkeit bei. Außerdem erhöht sich dadurch die Geschwindigkeit von Auswertungen (siehe Punkt 4 und 6).
In der einen Datei werden also alle selbst gezogenen oder gekauften Tiere mit ihren „persönlichen“ Eigenschaften erfasst. In der Zuchttierdatei sind nur die Zuchtergebnisse enthalten. Obwohl diese (wenigen) Tiere zweimal erfasst sind, rechtfertigt die Übersichtlichkeit und Handlichkeit der Dateien diese Doppelerfassung. Erfahrungsgemäß arbeitet man in der Regel ohnehin entweder mit der einen oder der anderen Datei. Z. B. interessieren die Zuchtergebnisse für die Anmeldung zu Ausstellungen nicht.

Bildschirmseite 1: Abb. 1
Bildschirmseite 2: Abb. 2

Es muss natürlich eine Möglichkeit bestehen, die angefallenen Daten am Bildschirm eingeben zu können und möglichst in der gleichen Form wieder abzurufen. Dies ist mit sogenannten Erfassungsmasken möglich. In diese Erfassungsmasken (die selbst nach eigenen Vorstellungen erstellt werden können) lassen sich die Angaben eingeben oder auch abrufen und korrigieren bzw. ergänzen. Am Bildschirm erscheinen diese wie in den Abbildungen 1-3 und 4-6 dargestellt.
Bildschirmseite 3: Abb. 3

Die Erfassungsmasken müssen schnell und möglichst einfach ausgefüllt werden können. Außerdem müssen sie für eine Verwaltung der Daten am Bildschirm (suchen, selektieren, ändern . . .) geeignet sein. Zu diesem Zweck habe ich die Erfassungsmasken jeweils auf mehrere Bildschirmseiten verteilt und so eine recht übersichtliche Erfassung und Verwaltung erreicht. Das Ausfüllen wird durch einige sogenannte Seriell-Verweise erleichtert. Dies bedeutet z. B., dass für die Angabe des Täto im rechten Ohr (meistens die eigene Vereinsnummer) nur eine „1" eingegeben werden muss. Daraufhin sucht der Rechner automatisch die Vereinsnummer aus der Seriell-Datei heraus und schreibt sie in das entsprechende Feld. Weitere solche Seriell-Verweise wurden in dem Feld „Züchter“ (hier steht meistens der eigene Name), dem Geschlecht (entweder Häsin oder Rammler) und dem gesamten Abstammungsnachweis (hier wiederholen sich ja ständig die Täto- Angaben der Zuchttiere) eingesetzt. Dadurch entfällt natürlich eine Menge „Tipperei". Um jedem Tier ein eindeutiges Merkmal zu geben (das Täto könnte sich nach 10 Jahren wiederholen), habe ich für jeden Datensatz eine sogenannte Suchnummer vergeben, die nur den oben genannten Zweck zu erfüllen hat. Da nicht jedes gezogene Tier auf Ausstellungen bewertet wird, andererseits aber verschiedene Ausstellungstiere relativ oft bewertet werden, habe ich zur Vermeidung von überflüssiger Verschwendung von Speicherplatz für diese Angaben eine Unterdatei definiert. Diese wird nur für die Ausstellungstiere angelegt und belegt somit nur den unbedingt notwendigen Speicherplatz. In diese Unterdatei können beliebig viele Bewertungen eingetragen werden und bei Bedarf im Erfassungs-(Datenverwaltungs-)Bildschirm eingeblendet werden (siehe Abb. 7). Bei der Erfassung wurde durch einen Rechenverweis erreicht, dass die einzelnen Positionen zur Gesamtbewertung zusammengerechnet werden, so dass insofern eine Kontrolle der Eingabe sichergestellt ist.
Bildschirmseite 1: Abb. 4

3.1. Eingabe von Daten Bei der Neueingabe eines Datensatzes (Kaninchen) zeigt die Schreibmarke am Bildschirm zunächst auf das Feld „Suchnummer“ der ersten Seite der Erfassungsmaske (Abb. 1). Nachdem hier eine neue Nr. eingegeben wurde (die bereits verwendeten erscheinen am unteren Bildschirmrand) muss das Täto des Tieres eingetragen werden (evtl. im rechten Ohr mit Hilfe des o. g. Seriell-Verweises). So werden alle Felder, die Eintragungen enthalten sollen, auf den Bildschirmseiten nacheinander ausgefüllt (lediglich die Suchnummer und das Täto müssen bei jedem Datensatz ausgefüllt werden). Nach dem Abspeichern ist der neue Datensatz (Karteikarte) in die Datenbank (Kartei) aufgenommen (Zeitaufwand für einen kompletten Datensatz: ca. 2 Minuten).
Bildschirmseite 2: Abb. 5

3.2. Suchen
Zum Suchen eines Datensatzes wird das Täto des Tieres (links reicht meistens) eingetragen. Daraufhin stellt der Computer den gesamten Datensatz zur Verfügung.
3.3. Korrigieren
Die einzelnen Datensätze können jederzeit durch einfaches Überschreiben des entsprechenden Feldes verändert werden. Nach dem Abspeichern ist der fehlerhafte Feldinhalt gelöscht und durch den richtigen Text ersetzt.
3.4. Ergänzungen
Ebenso wie das Korrigieren können noch freigelassene Felder nachträglich beschrieben werden. Dies ist immer bei neuen Bewertungsergebnissen oder bei Zuchtdaten erforderlich.
Bildschirmseite 3: Abb. 6

Abb. 7

Datensätze, die eine bestimmte Bedingung gemeinsam haben, können aus der gesamten Datei herausselektiert werden. Die Bedingung „Täto-rechts ungleich R 332“ (meine Vereinsnummer) würde alle Datensätze von gekauften Kaninchen herausselektieren. Diese selektierten Datensätze können dann am Bildschirm nacheinander angezeigt werden oder mit Hilfe der Ausgabemasken (siehe Punkt 4) am Drucker ausgedruckt werden. Dabei kann gewählt werden, ob alle Angaben oder nur vorher ausgewählte Daten (z. B. nur Abstammung) ausgegeben werden sollen.
3.6. Löschen
Per Knopfdruck lassen sich auch ganze Datensätze löschen (Karteikarte wird aus Kartei entnommen und weggeworfen!) Diese Funktion wird wohl im Zuchtbuch-Programm nur dann angewendet werden, wenn man sich bei der Eingabe so gravierend „vertippt" hat, dass eine Neueingabe schneller als eine Korrektur vorzunehmen ist. Ansonsten wollen wir ja möglichst alle bekannten Daten behalten. Gerade die Zuchtdaten evtl. schon längst nicht mehr lebender Tiere (Ahnen unserer heutigen Tiere) lassen interessante Rückschlüsse auf unseren Zuchtstand zu!
4. Ausgabemasken
Die Ausgabemasken sind für die am Bildschirm angezeigten oder auf dem Drucker ausgedruckten Daten erforderlich. Hierbei können vorher ausgesuchte oder herausselektierte Datensätze in einer vorher (in der Ausgabemaske) bestimmten Form angezeigt bzw. ausgedruckt werden. Es ist beispielsweise möglich, den kompletten Abstammungsnachweis aller Tiere des Jahrgangs 1986 anzuzeigen bzw. auszudrucken (Man kann sogar die Ausgabemaske so definieren, dass die Ausdrucke auf die offiziellen Formulare des ZDK passen!). Bei diesen Anwendungen kommt der wahre Wert der computerunterstützten Zuchtbuchführung zum Vorschein. Weitere Möglichkeiten sind der Ausdruck aller Bewertungsergebnisse einer bestimmten Gruppe von Tieren (oder auch nur eines Tieres), die Zuchtleistungen aller Zuchtrammler oder bestimmter Zuchthäsinnen usw. (Einige Beispiele in den Schaubildern 8-10).
5. Datensicherung
Die oben unter 2d) geforderte Datensicherung erfolgt primär auf einer Diskette (kleine Magnetplatte zur Abspeicherung von computerlesbaren Daten). Damit es nicht durch unbeabsichtigtes Löschen oder Überschreiben bzw. durch Absturz des Programms (z. B. Stromausfall) zu einem Datenverlust kommen kann, habe ich als sekundäre Datensicherungsmethode von den Disketten Kopien angelegt, mit denen ich nicht arbeite und die ich schreibgeschützt habe. Falls Sorge besteht, dass ein Unbefugter evtl. unbeabsichtigt die eingegebenen Daten löschen oder verändern könnte, lässt sich das „elektronische Zuchtbuch“ mit einem geheimen Kennwort schützen. Danach kann die Datei nur noch nach Eingabe dieses Kennwortes bearbeitet werden.
6. Vorteile der computerunterstützten Zuchtbuchführung
Die Vorteile der Zuchtbuchführung mit dem Computer liegen insbesondere in der Handlichkeit der vorhandenen Zuchtbuch- Daten. Die große Menge von Angaben, die wir im Laufe der Zeit 78 über unsere Kaninchenzucht ansammeln, läßt sich per Computer in unvergleichlich übersichtlicher Art und Weise verwalten. Hier- bei denke ich an die Möglichkeiten der Selektion von Datensätzen nach bestimmten Kriterien (z. B. alle Rammler des Zuchtjahres 1985, alle verkauften Tiere, alle Tiere die mindestens einmal 95 Punkte oder mehr auf einer Ausstellung erreicht haben usw.). Dies alles ist in einer extrem schnellen Zeit möglich. Hinzu kommen die oben erwähnten Möglichkeiten, diese so selektierten Daten in individueller Form ausdrucken zu können. Hier ergeben sich hervorragende Möglichkeiten, die Zuchtplanung vorzubereiten.

Der Rammler deckt gut? ja Abb. 8
7. Nachteile des Computereinsatzes bei der Zuchtbuchführung
Ein Nachteil liegt darin, dass für die Führung des „Computer- Zuchtbuches“ das Gerät stationär aufgebaut sein muss. Das hat zur Folge, dass eine Zuchtbuchführung im Kaninchenstall nicht möglich ist. Dies empfinde ich jedoch nicht als so gravierend, da ich auch bisher das Zuchtbuch am Schreibtisch aufgrund der Angaben eines im Kaninchenstall geführten Stallbuches aktualisiert habe.
Wer allerdings bei der Zuchtbuchführung die entsprechenden Tiere sehen will, sollte bei einer konventionellen Art bleiben. Dabei können aber vielleicht aus dem Aufbau der Bildschirmmasken (Abb. 1-3 und 4-6) Anregungen für den Aufbau einer „Zucht-Kartei“ gewonnen werden!
8. Schlussbemerkungen
Abschließend möchte ich klarstellen, dass es nicht für jeden Züchter, der ein gutes und informationsreiches Zuchtbuch führen möchte, erforderlich ist, dies mit einem Computer zu erledigen. Insbesondere sollte man sich als Züchter keinen Computer extra zur Zuchtbuchführung anschaffen. Wer allerdings einen Computer ohnehin besitzt (der Homecomputer des Sohnes/der Tochter reicht völlig aus!), sollte sich aufgrund dieses Berichtes überlegen, ob er nicht seinen Rechner zur Zuchtbuchführung einsetzen möchte. Besondere EDV-Kenntnisse sind hierzu nicht erforderlich. Die Datenbank-Programme sind heute so anwenderfreundlich, dass jeder ein solches Zuchtbuch erstellen kann. Die Bedienung dieses „Zuchtbuch-Programms“ ist anschließend sehr einfach, da sich das Programm über den Bildschirm selbst erklärt und Eingabefehler (z. B. unbeabsichtigtes Löschen) weitgehend abfängt. Jeden- falls beanspruchen die Vorüberlegungen (welche Felder sind wichtig, Aufteilung in zwei Dateien, Unterdatei für Bewertungsergebnisse, Seriell-Verweise, welche Ausgabemasken usw.) weit mehr Zeit als das eigentliche Erstellen der Masken und die Erfassung der vorhandenen Daten.

Wer also die Möglichkeiten dazu hat, sollte auf den Computereinsatz bei der Zuchtbuchführung meiner Meinung nach nicht verzichten.








