Eine Rasse im Aufwind:
Von Hans-Peter Scholz – „Das Blaue Jahrbuch“ 1996
Kein Mensch hätte in den siebziger Jahren, als man bei den Bundesschauen die ersten Exemplare der Rasse in der Abteilung Neuzüchtung zu sehen bekam, gedacht, dass die Satin einmal eine derartig große Züchterschar begeistern würden, wie das heute bereits der Fall ist. Dabei ist bei der ständigen Aufwärtsentwicklung der Rasse sicher noch längst nicht der Höhepunkt erreicht. Besonders nach Tieren der farbigen Satin herrscht in den letzten Jahren unvermindert riesige Nachfrage, die die Züchter, die solche Tiere haben, nicht immer befriedigen können. Auch bietet die Tatsache, dass sich alle Rassen und Farben „satinieren“ lassen, noch ein unerschöpfliches Reservoir an Optionen, man denke beispielsweise einmal an Satin-Widder, Satin-Langhaar, Satin-Rexe, Satinzwerge und Satinschecken, um einmal einige Möglichkeiten aufzuzeigen.
Später Durchbruch
Dabei sah es insbesondere bei den farbigen Satinrassen lange nicht so aus, als sei ihnen eine rosige Zukunft beschert. Solange diese als Farbenschläge nur angesprochen, nicht jedoch beschrieben waren, kursierten in der Züchterschaft die wildesten Gerüchte, welche Farben die Standardkommission letztlich anerkennen würde.
Mit dem neuen Standard ging's dann mit den Farbensatin steil bergauf. Die Elfenbeinsatin haben bereits seit Jahren Fuß gefasst; leider wurde hier jedoch sehr viel „gemengt“. Wie sonst kommt es, dass auf einmal Tiere mit wolligen, grannenarmen Fellen auftraten, die zumeist auch von der Kopfform her stark an Weiße Neuseeländer erinnerten!
Natürlich ist der Rasse damit nicht gedient, wenn Preisrichter aus Unkenntnis solche untypischen Tiere „hochjubeln“. Vielleicht wird irgendwann auch der Letzte einmal einsehen, dass unser Hobby von der Vielfalt verschiedener Rassen lebt, die alle ihre Eigenarten haben.
Die Musterbeschreibung
So kann man die Musterbeschreibung der Satin im Einheitsstandard auch nach mehrfacher Änderung immer noch nicht als gelungen bezeichnen, wenngleich man nicht verhehlen kann, dass die Standardkommission sich von Standardänderung zu Standardänderung immer mehr auf das Ideal zu bewegt, so dass zumindest berechtigte Hoffnungen gehegt werden dürfen. Bei der Beschreibung der Körperform fehlt beispielsweise noch die Beschreibung der Läufe. Die sollte etwa lauten: „Das Tier steht mittelhoch auf den Läufen. Diese sind weder zu kräftig noch zu fein und knapp mittellang." Bei „Kopf und Ohren" sollte (zur Abgrenzung gegenüber Neuseeländern) eingefügt werden: „Der Kopf ist kurz, kräftig, mit breiter Stirn und Schnauze und guten Kinnbacken versehen. Er sitzt ohne sichtbaren Hals direkt am Rumpf. Die Kopfform ist rund bis oval. Die Augen sind groß und lebhaft leuchtend. Die Ohren sind mittelstark im Gewebe, an den Enden gut löffelartig gerundet und in der Form einer römischen Fünf, nicht zu breit gestellt. Sie passen mit einer Länge von rund 10 cm zum leicht gedrungenen Körper."
Bei der Fellbeschreibung sollte das irreführende Wort „weich“ durch die zutreffenden Begriffe „flexibel und seidig“ ersetzt werden; im Gegenzug sollte bei der Beschreibung der leichten Fehler auftauchen: „weiches, grannenarmes und unflexibles, nicht arbeitendes Fell“.
Gewicht und Größe
Mit Ausnahme der Farbenbewertung gelten für alle Satinkaninchen die gleichen Standardbestimmungen. Die einzelnen Rassen sollten sich hier also nur durch die Farbe unterscheiden. Das Vollgewicht der Satin liegt zwischen 3,25 und 4,00 Kilogramm. Ausgewachsene Zuchttiere sollten deutlich über 3,5 kg wiegen, das Höchstgewicht von 4 Kilogramm sollten sie jedoch nicht überschreiten. Gerade bei einer Kaninchenrasse, die sich nach der Systematik des Standards bereits in der Nähe der Kleinrassen befindet, sollte man bestrebt sein, überwiegend wammenfreie Tiere zu züchten. Das gilt in besonderem Maße für die züchterisch einfachen Albinos, wie sie die verbreiteten Satin-Elfenbein ja genetisch darstellen. Das geht natürlich besser, wenn die Zuchttiere nicht so klein sind, dass man sie regelrecht auf Gewicht mästen muss. Übergroße Tiere hingegen werden bei den Satin oft schon zu plump und entsprechen damit auch nicht mehr dem an sich eleganten, leicht gedrungenen Typ der Rasse.
Körperform und Bau
Die Körperform soll leicht gedrungen sein. Die Rückenlinie soll ebenmäßig verlaufen und im Beckenbereich gut gerundet sein. Natürlich ist es das runde Becken allein noch nicht, was eine gute Körperform ausmacht.
Wichtig ist auch, dass der Skelettapparat, der das ganze Tier tragen muss, einwandfrei ist. Besondere Beachtung verdienen dabei die Läufe der Tiere, auch wenn sie im Standard bei den Satin nicht einmal erwähnt werden. So finden sich unter dem Oberbegriff „Allgemeines“ auf Seite 12 f. generelle Bestimmungen, die auch für die Satin gelten. So wird hier für alle Rassen angeordnet, dass der Körper, frei vom Boden, von kräftigen und geraden Läufen getragen werden soll.
Wichtig ist auch, dass das Tier insgesamt harmonisch ist. Die Läufe sollen also nicht nur gerade und kräftig sein, sondern auch zum gesamten Erscheinungsbild des Tieres beitragen. Gerade bei den Satinkaninchen gibt es leider noch einen großen Anteil von Tieren, die sich beharrlich weigern, auf dem Richtertisch in Stellung zu gehen. Meist ist hier ein anatomischer Defekt die Ursache dieser Unlust. Daher wundert es dann auch kaum, dass viele dieser Tiere ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes X-Bein zeigen, das wegen der dadurch bedingten Überbeanspruchung der Läufe zum Durchtreten führt.
Bei den Hinterläufen vieler Satin muss Kuhhessigkeit kritisiert werden. Kuhhessige Tiere erkennt man daran, dass ihre Hinterläufe nicht parallel zueinander stehen, sondern die Zehen nach außen drehen. Oftmals zeigen diese Tiere auch noch abstehende Schenkel oder sogar etwas hochstehende Beckenknochen. Hochstehende Beckenknochen (Hüfthöcker, die das Kreuzbein überragen) sind immer noch ein verbreitetes Übel bei vielen Kaninchenrassen. Bei den Satin sind sie glücklicherweise schon recht selten. Das betrifft besonders die Elfenbeinfarbigen. Bei dieser gut durchgezüchteten Rasse dürfte man eigentlich bei keinem Tier mehr hochstehende Beckenknochen fühlen dürfen. Aber das ist auch hier gegenwärtig noch ein Wunschtraum.
Die Häsin kann im Bau etwas feiner als der Rammler sein. Anzustreben ist völlige Wammenfreiheit. Zwar darf nach dem Standard die ältere Häsin eine kleine, gutgeformte Wamme tragen, doch die „ältere“ Häsin beginnt nicht – wie offenbar mancher Züchter mutmaßt – im Alter von vier Monaten, sondern bestenfalls, wenn die Häsin überjährig ist und als Alttier in der Familie ausgestellt wird.
Wammen und lose Brustfelle sind ein züchterisches Problem. Wo sie überhandnehmen, zeugen sie von nachlässiger Zuchtwahl und von falscher Selektion. Dabei ist es doch relativ einfach, wammenfreie Stämme herauszuzüchten. Konsequent sollte man hier allerdings schon sein.
Mit Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit des Tieres hat das aber – im Gegensatz zu so mancher anders lautenden Behauptung – überhaupt nichts zu tun: Es gibt wammenfreie Häsinnen, die ziehen genauso gut Zehnerwürfe auf wie solche mit dicken Wammen. Das mit der Wirtschaftlichkeit der „Wammenhäsinnen“ halte ich für ein Scheinargument derjenigen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht konsequent genug selektieren.
Wammen und lose Brustfelle, durch mehrere sich ergänzende dominante Gene vererblich, sind natürlich auch in der Ausprägung von nichtgenetischen Faktoren abhängig: Bei Rammlern werden diese unerwünschten Merkmale in der Regel bestenfalls oft ansatz- weise ausgeprägt, das männliche Geschlecht hat hier doch eine deutlich blockierende Wirkung. Auch von der Fütterung der Kaninchen hängt es teilweise ab, wann und wie stark diese Fehler vom Tier gezeigt werden. Das darf jedoch nicht als Aufforderung missverstanden werden, die Tiere zur Verhinderung von Wammen regelrecht durchzuhungern. Das Problem muss züchterisch gelöst werden.
Kopf und Ohren
Auch bei Kopf und Ohren ist es wieder wichtig, Wert darauf zu legen, dass diese sich zusammen mit dem Körper zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen. Die Köpfe der Satinkaninchen fordert der Standard kurz, breit und dicht am Rumpf angesetzt. Bei beiden Geschlechtern sollten Stirn und Schnauze breit ausgeprägt sein. Die Rammler haben zusätzlich noch – als sekundäres Geschlechtsmerkmal – eine kräftig ausgeprägte Kinnbackenpartie. Soll nun der Vergleich mit einer anderen Rasse stattfinden, so bieten sich hierzu allenfalls die Havanna oder die Alaskakaninchen an, keinesfalls jedoch die

Weißen Neuseeländer.
Satin-Kaninchen
In dem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass übertriebene Anforderungen an die Kopfstärke über ein gesundes Maß hinaus auch bei den Satin zu Degenerationserscheinungen führen können. So sind gerade auch in Schlägen mit extrem starken Köpfen in letzter Zeit verstärkt Tiere zu beobachten, die die erbliche Verkürzung des Oberkiefers „Brachygnatia superior“ (lange Zähne) oder die ebenso erblichen tiefliegenden Tränaugen zeigen. Tiere, die mit einem dieser beiden Fehler behaftet sind, gehören keinesfalls in die Zucht.
Solange keine solchen Degenerationserscheinungen auftreten, sind natürlich dem Ziel stärkerer Köpfe keine Grenzen gesetzt, allerdings sollte man diese auch tatsächlich durch Selektion innerhalb der Rasse erzüchten und nicht durch unqualifizierte Einkreuzungen. Der zum eleganten Satintyp passende Idealkopf ist auch von der Form her eher rundlich, nicht eckig.
Die Ohren der Satin sind, wie es sich für eine leicht gedrungene Rasse gehört, relativ kurz und fleischig. Sie sollen ohne Faltenbildung an den Enden gut abgerundet sein. Außerdem sollen sie in der Form einer römischen Fünf – nicht zu breit – getragen werden.
Im Großen und Ganzen gibt es am derzeitigen Zuchtstand der Satin, zumindest was die Ohren der Tiere betrifft, nicht allzu viel zu bemängeln. Extrem dünne und flatterige Ohrenstruktur, wie man sie noch bei den ersten Importtieren der Rasse beobachten konnte, sind mittlerweile recht selten geworden. Dennoch sollte faltigen Ohren genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Seit die Ohren jedoch eine bessere und fleischigere Struktur zeigen, kann man leider bei den Satin verstärkt Tiere beobachten, bei denen die Ohrenstellung sehr breit wird. Die breite Ohrenhaltung beruht hier auf einer Schwäche der Ohrwurzeln. Mussten sich die Satinzüchter anfangs bemühen, die Ohren auf den Tieren kürzer zu züchten, so ist es mittlerweile schon an der Zeit, bei einigen Zuchten vor weiterer Verkürzung der Ohrmuscheln zu warnen, weil sonst Gewichtsprobleme ins Haus stehen. Ideal ist für Satinkaninchen eine Ohrenlänge von 9,5 bis 10,5 cm, diese sollte nach Möglichkeit nicht überschritten, aber auch nicht unterschritten werden. Sie gewährleistet auch, dass ihre Träger weder zu schwer noch zu leicht sind.
Fell, Haarstruktur und Satinfaktor
Das Satinfell unterscheidet sich vom Normalhaarfell im Wesentlichen durch das Vorhandensein des Satinfaktors. Dieser ist ein einfach mendelndes, rezessives Gen, das die Fachautoren sinnig durch das Symbol sa darstellen.
Das knapp mittellange Fell (2,5-2,9 cm Haarlänge am Rücken) ist sehr dicht und fühlt sich ausgesprochen seidig an. Das Grannen- haar überragt das extrem dichte Unterhaar nur wenig und ist fein und gleichmäßig. Kein Fehler sind etwas längere, aber sehr dünne Leithaare, die in manchen Satinfellen auftreten.
Trotz seiner extremen Dichte darf sich das Fell nicht wollig anfühlen wie ein gutes Normalhaarfell, sondern es muss flexibler sein als jenes und schneller in die Ursprungslage zurückgleiten. Außerdem ist bei der Überprüfung des Satinfells aufgrund des geringeren Schaftdurchmessers aller Haare der Haarboden auch stärker sichtbar als bei Normalhaarkaninchen.
In diesem Zusammenhang muss jedoch auch festgestellt werden, dass die neuerliche Änderung der Position 3 der Rassebeschreibung durch die Standardkommission vom Wortlaut her nicht gelungen ist: Der Begriff „weich“ wird von Züchtern und Preisrichtern immer noch in Richtung „grannenarm, schwachbegrannt“ interpretiert, und das sollen die Satinfelle ja gerade nicht sein. Der Satz: „Es ist weich und dicht“ wäre vielleicht gelungener, wenn er lautete: „Es ist dicht, äußerst flexibel und fühlt sich seidig an.“ ,,Dünner" als Normalhaarfelle sind die Satinfelle allerdings nicht: Das mag zwar wegen des etwas geringeren Haarschaftdurchmessers der Satinhaare so wirken, doch Spitzentiere beider Haartypen zeigen exakt die gleiche Anzahl von Haaren je Quadratzentimeter Hautfläche.
Die Haarstruktur des Satinfells wird stark durch den Satinfaktor verändert: Alle drei Haartypen des Fells zeigen eine Reduzierung des Haarschaftdurchmessers um rund 15%, die vor allen Dingen dadurch zustande kommt, dass bei den Satin der Markstrang im Zentrum der Haare weitgehend fehlt.
Auch in der Struktur des Oberflächenhäutchens der Haare bestehen deutliche Unterschiede zwischen Satin- und Normalhaarkaninchen. Beim Satinhaar sind die Zellen wesentlich kleiner und schindelartig überlappt.
Daher zeigt das Oberflächenhäutchen der Satin eine sehr hohe Transparenz. Dieses Häutchen der Normalhaarkaninchen ist aufgrund der größeren, diffus angeordneten Zellen nur milchglasartig. Wegen der viel besseren Lichtdurchlässigkeit kommen die Farben bei den Satinhaaren deutlich intensiver zur Geltung als bei Normalhaarkaninchen. Die Farben, die durch Pigmente der Eumelaningruppe bewirkt werden, erscheinen dunkler als beim Normalhaar, die gelben und roten Farben, pigmentiert durch Phäomelanine, erscheinen intensiver und leuchtender in der Farbwiedergabe, die Unterfarben sind etwas schwächer pigmentiert als bei den entsprechenden Normalhaarkaninchen. Ein rassekundiger Preisrichter weiß das und bewertet die Tiere auch entsprechend.
Wegen der insgesamt glatteren Haaroberfläche wird das Licht vom Satinhaar anders reflektiert. Hierdurch entsteht der seidige Glanz. Die Ausprägung des Satinfaktors wird durch weitere Modifikationsgene beeinflusst. Es gibt also Tiere, die zwar den Satinfaktor tragen, aber trotzdem nur mangelhafte „Satinierung“ zeigen. Vielfach sind solche Tiere ein Indiz dafür, dass unerlaubte Einkreuzungen mit Normalhaar vorgenommen wurden. Daher sollte man sich beim Bewerten solcher Tiere auch nicht scheuen, in der fünften Position hart zu strafen.
Die Satin-Elfenbein
Die Satin-Elfenbein sollten, wie der Name bereits sagt, elfenbeinfarbig und nicht weiß sein. Der Elfenbeinschimmer soll überall gut sichtbar vorhanden sein. An den kürzer behaarten Stellen wie Stirn und Läufen tritt er natürlich am stärksten in Erscheinung. Hier müsste auch der Standard noch ergänzt werden: „Leichte Fehler: wenig Elfenbeinschimmer“, „Schwere Fehler: völlig weiße Farbe“. Die Augen der Elfenbeinfarbigen sind blassrot oder hellblau, die Krallen sind farblos.
Die Satin-Blau
Etwas größerer Beliebtheit erfreuen sich da schon die blauen Satin. Bei ihnen ist die Decke blau, ohne Rost oder schwärzlichen Anflug. Die Unterfarbe ist heller als die Decke und geht bis zur Haut durch. Zwar wird das Blau der Decke durch den Satinfaktoretwas dunkler wiedergegeben, jedoch sollte auch bei den Satin ein mittleres Blau angestrebt werden. Diese Tiere zeigen dann auch die angestrebte blaugraue Augenfarbe und nicht die den Ausschluss bedingenden braunen Augen. Die Krallen sind übrigens dunkel- hornfarbig. Natürlich sollte die Decke auch nicht so hell werden, daß sie eine unschöne reifartige Melierung zeigt.
Die Satin-Havanna
Die Satin-Havanna repräsentieren den Urtyp der Satin; schließlich fielen die ersten Tiere ja aus Havanna. Angestrebt wird die dunkelbraune Decke, die umso besser ist, je satter sie sich zeigt. Die Unterfarbe ist blau (hell-mittel) und geht bis zur Haut durch. Die Augen sind braun, je nach Lichteinfall rötlich durchleuchtend. Die Krallen sind dunkelhornfarbig. Gerade bei den havannafarbigen Satin ist in den letzten Jahren eine starke Zunahme zu verzeichnen. Das betrifft nicht nur die Zahl der Züchter und der Tiere, sondern auch die beachtlich gute Qualität der gezeigten Tiere. Das ist natürlich umso erfreulicher angesichts der Tatsache, dass gerade die Havannafarbe sehr empfindlich auf Witterungseinflüsse reagiert und daher auch an die Haltung der Kaninchen einige Ansprüche stellt.
Die Satin-Schwarz
Die Deckfarbe ist gleichmäßig tiefschwarz und glänzend. Die Augen sind dunkelbraun, die Krallen dunkelhornfarbig. Die Unterfarbe ist dunkelblau und sollte bis zum Haargrund durchgehen. Schwarze Satin sind noch relativ selten, und es wäre erfreulich, wenn die allgemeine Hinwendung zu den farbigen Satin auch dem schwarzen Farbenschlag Auftrieb geben würde. Die Schwarzen, die man bei den Großschauen zu sehen bekommt, sind von sehr ansprechender Qualität und bilden eine gesunde Basis.
Die Satin-Feh
Den Abschluss der genetisch einfarbigen Satin bilden die Satin- Feh. Bei ihnen kommt die Farbe deutlich dunkler als bei den entsprechenden normalhaarigen Marburger Feh. Dieser Umstand soll auch bei der Bewertung seine Berücksichtigung finden, wenn auch im Standard nur die Musterbeschreibung der Marburger Feh abgeschrieben wurde und als Muster ein nicht mehr anerkanntes perlfehfarbiges Tier dient.
Die Deckfarbe der Satin-Feh ist hell- bis mittelblau, stark metallisch glänzend. Über diese Farbe legt sich ein leichter havanna- brauner Schleier, der an den kurzbehaarten Körperstellen wie Kopf und Läufen am stärksten zutage tritt.
Die Unterfarbe hebt sich nicht besonders stark von der Deckfarbe ab und kommt ihr auch im Farbton recht nahe. Die Augen sind graublau und leuchten je nach Lichteinfall rötlich durch. Die Krallen sind hornfarbig bis braun.
Gerade bei den Fehfarbigen, bei denen der Unterschied zwischen Normalhaar und Satinhaar besonders ins Auge fällt, sollte auch bei der Bewertung Rücksicht darauf genommen werden. Bemerkungen wie „etwas dunkel“ sind hier deplatziert, wenn die Tiere bereits die hellst mögliche Variante der Fehfarbe in Verbindung mit dem Satinfaktor repräsentieren.
Die nun folgenden Satinrassen zeichnen sich dadurch aus, dass sie alle den Wildfaktor G in sich tragen, den die vorgenannten einfarbigen Rassen nur in der rezessiven Form g repräsentieren.
Die Satin-Rot
Auch die roten Satin sind strenggenommen rotwildfarbig. Die Decke soll bei ihnen intensiv, leuchtend und glänzend orangerot sein. Die Wildfarbigkeitsabzeichen (Augeneinfassung, Kinnbacken, Bauch und Blumenunterseite) sind heller als der Rücken der Tiere. Sie zeigen eine cremefarbige Tönung.
Die roten Satin sind insgesamt nicht so dunkel wie die roten Normalhaarrassen Rote Neuseeländer und Sachsengold. Hier kommt es auch mehr auf ein besonders leuchtendes Orangerot an, während bei jenen Rassen das gleichmäßige Rot mehr im Vordergrund steht.
Auch hat sich gezeigt, dass bei den Satin die extrem dunkelroten Typen sehr viele Probleme mit rußigem Anflug in der Decke, besonders aber an den Ohrenrändern, haben. Die Augen sind braun – bei manchem Tier könnte man sie ein wenig dunkler wünschen und die Krallen hornfarbig.
Die roten Satin haben bereits recht lange eine gute Verbreitung. Qualitativ wurden sie jedoch mittlerweile von einer Reihe anderer Satinrassen überflügelt. Das liegt aber auch daran, dass sich die Züchtung intensiv roter Farben ohne dunklen Anflug in praxi äußerst schwierig gestaltet.
Die Satin-Hasenfarbig
Stark im Aufwind begriffen sind die hasenfarbigen Satin. Ihre Farbe ist genetisch exakt die der Hasenkaninchen, wenngleich sie bei den Satin aufgrund der abweichenden Haarlänge und -struktur etwas anders zur Geltung kommt.
Bei den Hasenfarbigen sind die Preisrichter gefordert, denn längst nicht alles, was als „hasenfarbig“ ausgestellt wird, ist auch hasenfarbig. Hier tauchen immer wieder sogenannte kupferfarbige Tiere auf, die relativ gut an der zu schmalen Zwischen- und der zu breiten Unterfarbe am Rücken zu erkennen ist. Bei ihnen ist die Unterfarbe am gesamten Bauch blau, statt wie bei den hasenfarbigen lohfarbig und nur im Brust- und Schoßbereich bläulich.
Diese kupferfarbigen Satin sind nur in Amerika, nicht jedoch bei uns in Deutschland anerkannt und sollten daher als „Fehlfarbe“ ausgeschlossen werden. Gerade den Satin-Hasenfarbig, die züchterisch nicht allzu schwer sind, stände es gut zu Gesicht, wenn nur einwandfreie Tiere ausgestellt würden.
Die Deckfarbe ist rotbraun, gleichmäßig mit einem rußigen Schleier von schwarzgespitzten Haaren überzogen, die eine feine Schattierung ergeben. Augen- und Kinnbackeneinfassung, Bauchdecke und Blumenunterseite sind lohfarbig, je intensiver, desto besser. Die Augen sind braun, die Krallen dunkel. Die Zwischenfarbe ist sehr breit und leuchtend orangerot.
Die Unterfarbe ist blau und erfasst nur ein Drittel der Haarlänge. Am Bauch ist sie nur im Schoßbereich und der Brust blau, ansonsten ist sie hier intensiv lohfarbig. Tiere, bei denen die blaue Bauchunterfarbe durchgeht, zeigen in der Regel insgesamt eine zu schmale Zwischenfarbe und eine zu dunkle Decke. Sie sollten hart gestraft werden.
Diejenigen, die vor Jahren versuchten, kupferfarbige Satin im Standard zu etablieren, stellen diese Tiere heute als hasenfarbige aus. Hier sollten die Preisrichter hart vorgehen und sich bei der Farbverteilung immer die normalhaarigen Hasenkaninchen vor Augen halten. Es gibt aber auch sehr gute hasenfarbige Satinkaninchen, so dass auch dieser äußerst attraktiven Farbvarietät sicherlich eine große Zukunft ins Haus stehen dürfte.
Die Satin-Castor
Im Gegensatz zu den Hasenfarbigen, die die Satinausgabe der Hasenkaninchen sind, würde man die Castorfarbigen in Normalhaar als wildgrau bezeichnen. Dass diese Farbe beim Satin etwas anders aussieht als beim Normalhaar, liegt an der besonderen Farbwiedergabe unter Einfluss des Satinfaktors.
Die Decke ist rötlich kastanienbraun und mittel bis dunkel getönt. Sie soll möglichst gleichmäßig am Oberkörper der Tiere vorhanden sein und auch an den Seiten weit nach unten reichen. Die schwarzgespitzten Deckhaare bilden einen dunklen Schleier. Augen- und Kinnbackeneinfassung sowie die Innenseite der Läufe sind leicht cremefarbig abgetönt, Blumenunterseite und Bauchdecke sind weiß (elfenbeinfarbig). Der kleine Nackenkeil ist rost- braun, Augen und Krallen sind dunkelbraun.
Die Zwischenfarbe ist leuchtend rostbraun, etwa einen halben Zentimeter breit und zur Unterfarbe scharf abgegrenzt. Die Unterfarbe einschließlich der Bauchunterfarbe am gesamten Bauch ist blau. Castor-Satin gehören zu den selteneren Farbvarietäten. Ihre Zucht gestaltet sich zum Teil recht schwierig, weil in verschiedenen Stämmen die Spalterbigkeit noch sehr groß ist. Auch dieser schönen Rasse ist zu wünschen, dass sie noch mehr Freunde findet.
Die Satin-Chinchilla
Auch bei den chinchillafarbigen Satinkaninchen zeigen sich die Auswirkungen des Satinfaktors sehr deutlich: So ist die Decke wegen der abweichenden Fellstruktur nie so extrem flockig schattiert, wie man sie bei einem guten Normalhaarchinchilla erwarten darf.
Die Deckfarbe wird als ein lichtes Aschgrau mit flockiger (wenn auch nicht extremer) Schattierung verlangt. Sie wird durch das unregelmäßige Zusammenstehen weiß-schwarz-gespitzter und schwarzgespitzter Grannenhaare gebildet.
Beim Hineinblasen ins Fell entsteht der chinchillatypische Farbtrichter: Dann erkennt man auch unmittelbar unter den deckfarbenbildenden Haarspitzen einen etwa 2 bis 3 mm breiten dunklen Streifen. Die Farbe von Brust und Läufen sollte im Wesentlichen der übrigen Farbe entsprechen, wenn auch hier zu beachten ist, dass sich in diesen Bereichen wegen der abweichenden Haarstruktur keine Schattierung bilden kann. An den Seiten (Schenkel und Flanken) sollten Deckfarbe und Schattierung hingegen weit herunterreichen.
Die Ohrenränder sollten kräftig schwarz gesäumt sein; der Genickkeil ist klein und weißlichgrau. Die Bauchdecke ist weiß, kann jedoch zum Schoß hin etwas dunkel abgetönt sein. Die Augen sind dunkelbraun, die Krallen dunkelhornfarbig.
Die Zwischenfarbe ist etwa 1/2 cm breit und im Idealfall weiß. Sie soll sich gegenüber Deck- und Unterfarbe scharf abgrenzen. Die Unterfarbe soll, am Haarboden beginnend, etwa zwei Drittel der Haarlänge erfassen. Sie ist bläulich bis blau, wegen des Satinfaktors jedoch nicht so intensiv wie bei normalhaarigen Satinkaninchen. Dasselbe gilt für die Bauchunterfarbe. Bei alten Häsinnen muss sie nur noch im Schoß- und Brustbereich vorhanden sein, bei allen anderen Tieren sollte sie jedoch im gesamten Bauchbereich zumindest angedeutet vorhanden sein.
Die Satin-Lux
Auch bei den luxfarbigen Satin hat der Satinfaktor gewisse Auswirkungen auf die Wiedergabe der Fehwildfarbe im Vergleich zu Normalhaarkaninchen; sie erscheint insgesamt dunkler. Die Deckfarbe wird hier aus fehfarbig-cremefarbig- und fehfarbig gespitzten Grannenhaaren gebildet, sie ist daher fehfarbig-glänzend mit durchscheinend braunroter Tönung. Die Wildfarbigkeitsabzeichen (Augen- und Kinnbackeneinfassung, Bauchdecke, Blumenunterseite und Innenseiten der Läufe und Schenkel) sind hell bis weiß. Der kleine Genickteil ist in der Tönung der Zwischenfarbe. Die Augen sind blaugrau, je nach Lichteinfall rötlich durchleuchtend. Die Krallen sind hornfarbig.
Die 6-8 mm breite Zwischenfarbe ist braunrot und scharf gegenüber der Unterfarbe abgegrenzt. Je „fuchsiger“ und leuchtender sie ist, desto wertvoller ist das Tier. Die Unterfarbe ist am Oberkörper der Tiere reinweiß, scharf abgegrenzt und erfasst gut die Hälfte der Haarlänge; am Bauch ist sie bläulich. Gerade an diese Bauchunterfarbe sollten nicht zu hohe Ansprüche gestellt werden. Meine Beobachtungen haben gezeigt, dass Tiere, die intensive Bauchunterfarben haben, am Rücken oft nur schmutziggraue Unterfarben zeigen, Tiere mit der geforderten schneeweißen Rückenunterfarbe, die meines Erachtens wichtiger ist, haben hingegen immer sehr schwache Bauchunterfarben. Hier scheint eine genetische Koppelung vorzuliegen, und die Preisrichter sollten daher auch nur das genetisch Machbare fordern.
Auch die Satin-Lux könnten in der Verbreitung noch mehr zunehmen: Gerade ihre attraktiven Felle eignen sich hervorragend zur Verarbeitung zu sehr ansprechenden Fellerzeugnissen.
Satinrassen mit Abzeichen
Die vorgenannten Rassen werden mit Ausnahme der albinotischen Elfenfarbigen (Klasse I) im Wettbewerb der Klasse 4 zugeordnet. Anders ist das mit den folgenden Farbenschlägen, die wegen ihrer Zeichnung nun endlich zur Klasse 3, den Abzeichenrassen, gehören.
Die Satin-Thüringer
Satin-Thüringer gehören nicht nur zu den verbreitetsten Farbenschlägen der Satin, sondern zweifelsohne auch zu den attraktivsten. Das liegt auch mit daran, dass bei ihnen Farbe und Abzeichen deutlich intensiver wiedergeben werden als bei den normalhaarigen Thüringern.
Die Deckfarbe ist hier satt gelbbraun, mit einem leichten rußigen Schleier – bewirkt durch dunkle Grannenspitzen – überzogen. Bauchdecke und Abzeichen sind dunkel (rußartig), wobei leichte Abweichungen nach Hell und Dunkel gestattet sind. Die Augen sind braun, die Krallen dunkelhornfarbig.
Die Kopfzeichnung besteht aus der Maske, die nicht über Augenhöhe reichen sollte, der dunklen Kinnbackeneinfassung und den Ohren sowie den dunklen Augeneinfassungen. Die Rumpfzeichnung besteht aus den dunklen Läufen, Bauch und Blume so- wie dem dunklen breiten Streifen an den Körperseiten, der die Flanken und Schenkel einfasst.
Die Unterfarbe ist im Bereich der gelbbraunen Deckfarbe kräftig gelbrot wegen des Satinfaktors kann auch sie nicht ganz so intensiv erwartet werden wie bei normalhaarigen Thüringerkaninchen- und an den dunklen Körperbereichen cremefarbig.
Viele Tiere dieser Varietät sind noch etwas dunkel und könnten in der Kopfzeichnung deutlich besser differenziert werden. Hier sollten die Züchter ein Betätigungsfeld finden, zumal auch eine Reihe farblich hervorragender Tiere vorhanden sind, mit deren Hilfe auch die anderen Zuchten verbessert werden könnten.
Die Satin-Siamesen
Der schwierigste Farbenschlag der Satin sind die Siamesen. Leider werden hier nach wie vor viele fehlfarbige Tiere ausgestellt. Die Deckfarbe ist ein helles, cremiges Gelbbraun, dass sich im Bereich der Abzeichen in ein rußiges Braun verdunkelt. Bauch, Brust, Flanken und Kinnbacken hingegen sollten deutlich aufgehellt sein, im Idealfall elfenbeinfarbig. Die Augen sind braun, je nach Lichteinfall rötlich durchleuchtend. Die Krallen sind hornfarbig.
Die Kopfzeichnung besteht aus der Maske, die bis in Augenhöhe reicht und nicht scharf abgegrenzt ist, und den dunklen Ohren. Die Rumpfzeichnung besteht aus dem ca. 8 cm breiten Rücken- streifen, der nach den Schultern hin Ausläufer zu den Vorderläufen zeigt und am Becken in eine dunklere Einfassung der Hinterschenkel übergeht. Ebenfalls dunkel sind die Läufe und die Blume. Die Unterfarbe ist schmutzig weiß bis weiß.
Die Preisrichter sollten nur die Tiere mit der geforderten Marderzeichnung bewerten, Tiere mit Thüringerzeichnung hingegen sollten ausgeschlossen werden. 1
Die Satin-Kalifornier
Als jüngster Farbenschlag firmieren die 1994 – allerdings nur in Schwarz-Elfenbein anerkannten Kalifornier-Satin. Warum die beiden Farbenschläge Braun-Elfenbein und Blau-Elfenbein nicht gleich in einem Aufwasch mitanerkannt wurden, ist mir etwas schleierhaft, qualitativ standen ihre Vertreter bei den Bundesschauen den Schwarz-Elfenbeinfarbigen jedenfalls kaum nach.
Die Grundfarbe ist elfenbeinfarbig. Die Augen sind albinotisch- blassrot, die Krallen horn- bis dunkelhornfarbig. Die Kopfzeichnung besteht aus der scharf abgegrenzten Ohrenzeichnung und der länglichrunden Maske, die den Nasenrücken bedeckt, den Oberkiefer berührt und bis zum Unterkiefer reichen darf. Sie wird möglichst klein gewünscht und sollte nicht über Augenhöhe hinausragen.
Die Vorderläufe sind bis zum Ellenbogen, die Hinterläufe bis zum Sprunggelenk gezeichnet. Ebenfalls von der schwarzen Zeichnungsfarbe erfasst wird die Blume.
Hier habe ich die Beobachtung gemacht, dass alle Tiere mit hervorragendem Satinfell und entsprechender Haarstruktur dazu neigen, etwas Augenrandanflug zu zeigen. Deshalb geht meine Empfehlung an die Standardkommission dahin, die Musterbeschreibung so zu modifizieren, dass ein ganz leichter Augenrandanflug im Bereich des Oberlides bei den Kalifornier-Satin nicht zu strafen ist.
Die Zucht
Bei der Zucht der Satin sollte natürlich das äußere Erscheinungsbild der Tiere an erster Stelle stehen. Zuchttiere sollten her vorragende Vertreter ihrer Rasse sein und sich durch einen ein- wandfreien Körperbau, ein dichtes, rassetypisches Fell mit viel Satinfaktor, Glanz und Elfenbeinschimmer auszeichnen.
Auch der Rassetyp sollte gepflegt werden. Satin sind elegante Kaninchen, nur leicht und nicht extrem gedrungen wie Weiße Neuseeländer. Zu diesem Typ sollen natürlich auch Läufe, Kopf und Ohren passen.
Dass Zuchttiere auch gesund, vital und leistungsfähig sein sollten, bedarf in der Tierzucht normalerweise keiner besonderen Erwähnung. Bei der Rassekaninchenzucht hat das leider aber längst noch nicht jeder bis zur letzten Konsequenz begriffen. Das gilt natürlich auch für Tiere, die durch übermäßigen Medikamenteneinsatz hochgepäppelt wurden.
Neben dem äußeren Erscheinungsbild der Tiere sollte bei den Satin natürlich auch nicht die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Tiere vernachlässigt werden, sind heute doch in den meisten Stämmen neben hervorragender Frohwüchsigkeit und Futterverwertung der Jungtiere große Würfe von um die zehn Jungtieren, hervorragende Muttereigenschaften und Säugeleistungen an der Tagesordnung. So soll das auch bleiben.
Bei vielen anderen Rassen hat die einseitige Selektion, vielfach auf Kopfstärke, zu dramatischen Einbrüchen bei der Reproduktionsleistung der Tiere geführt. Bei den Satin sollte man aus diesen Fehlern lernen. Dabei hat der Züchter von leistungsfähigen Stämmen fast nur Vorteile: Er hat nicht nur eine deutlich größere Selektionsbasis zur Auswahl seiner künftigen Zucht- und Ausstellungstiere, wegen der extremen Frohwüchsigkeit der Rasse kann er bei der Satinzucht sogar völlig auf die teure und teilweise auch recht verlustreiche Winterzucht verzichten.
Ein besonderer Nachteil der Satin – zumindest, wenn man damit nicht umzugehen weiß – ist ihre gute Futterverwertung. Die bewirkt eine gewisse Verfettungsneigung. Wenn man das natürlich weiß, kann man durch vernünftige und angemessene Fütterung der Tiere gegensteuern.
Außerdem habe ich in den vielen Jahren, in denen ich mich nun schon intensiv mit der Satinzucht befasse, die sehr tröstliche Erfahrung gemacht, dass es zwischen den einzelnen Stämmen der Satin doch deutliche Unterschiede gibt, was diese Verfettungseigenschaft betrifft. Neben einer angemessenen Fütterung kann man also auch genetisch an das Problem der Verfettung herangehen, indem man Tiere aus Stämmen mit extremer Verfettungsneigung durch solche ersetzt, bei denen das Verfetten doch etwas verhaltener vonstattengeht. Meine Satin, elfenbein, zeigen mittlerweile überwiegend sehr magere Schlachtkörper – vielleicht auch eine Folge strenger Selektion auf absolute Wammenfreiheit?
Die Haltung der Satin
In der Haltung sind die Satin völlig unproblematisch: Sie sind eine Rasse, wie geschaffen für die Haltung auf Drahtrosten. Noch nie habe ich bei einem Satinkaninchen eine Kahlstelle unter den Läufen oder gar eine Wundstelle gefunden. Selbst die Altrammler in der Haarung, bei den meisten Kaninchenrassen äußerst empfindlich gegenüber diesen Defekten, zeigten sie bis jetzt noch nicht.
Wegen hervorragender Futterverwertung kann man den Futterbedarf der Satin ruhig als sehr gering bezeichnen, gemessen an der Größe und am Gewicht der Tiere. Auch kann man die sehr ruhigen Tiere getrost in Buchten von 50 bis 60 cm halten, ohne dass sie sich dort beengt oder unwohl fühlen würden.
Von übertriebenen Überwachungsmaßnahmen des Wurfgeschäfts, wie sie bei mancher Rasse mittlerweile unerlässlich sind, entbindet einen die hervorragende Mütterlichkeit der meisten Satinhäsinnen. Satin sind nicht nur eine sehr schöne Kaninchenrasse auch durch ihr angenehmes Wesen und ihre problemlose Haltung empfehlen sie sich. Allein daher ist es schon verständlich, dass sich immer mehr Züchter diesen sympathischen Kaninchen zuwenden.

