Torfstreu in der Kaninchenzucht. Bl. Jahrbuch 1959. S. 120 – 121

Wenn auch das Kaninchen im Vergleich zu einigen anderen Haustieren verhältnismäßig viel Futter verbraucht, so spricht für die Kaninchenhaltung meist der Umstand, dass diese Tiere mit jedem sich bietenden Futter zufrieden sind, auch mit solchem, das durch keine andere Haustierart genutzt werden kann. Neben dieses „absolute Futter" tritt natürlich noch das, was aus bewusstem Anbau auf Feldgrundstücken und im Garten gewonnen wird. Ein solcher Futteranbau ist aber ohne eine Düngung nicht möglich, und so erhebt sich die Frage nach dem Wert des Kaninchendungs.

Dieser hängt natürlich sehr von der Einstreu und den damit verbundenen Verlusten ab. Aus vielen Berechnungen geht aber hervor, dass wir von einem Kaninchen im Jahr 165 kg Dünger gewinnen können, wobei ein Streubedarf von 20 kg Stroh und 25 kg Torf zu Grunde gelegt wurde. 120 kg kommen also aus den Ausscheidungen der Tiere, und man sieht daran, dass der Magen große Mengen verarbeiten muss, deren Futterwert an sich gering ist, so dass es zu erheblichen Ausscheidungen kommt.

Daher darf es nicht verwundern, dass der Kaninchendung ein für die Pflanzen äußerst günstiges Nährstoffverhältnis hat, das etwa dem der Pflanzen entspricht. Neben 71% Wasser und 28,4% organischer Masse rechnet man mit 0,52% Stickstoff, 0,45 % Phosphorsäure, 1,12% Kali und 0,65 % Kalk. Besonders auffallend ist hierbei der hohe Gehalt an Phosphorsäure gegenüber allen anderen Mistarten. Dies hängt damit zusammen, dass das Kaninchen einen verhältnismäßig leichten Knochenbau hat und daher seiner Nahrung weniger phosphorsauren Kalk entzieht. Der hohe Kaligehalt findet sich vor allem in der Jauche, die man also möglichst im Mist festhalten sollte. Leider sieht man oft das Gegenteil. Man ist besorgt, die Jauche möglichst schnell abzuleiten und lässt dieses hochwertige Düngemittel achtlos versickern. Damit werden aber nicht nur Verluste an Pflanzennährstoffen herbeigeführt, sondern es entsteht an den hölzernen oder gemauerten Stallungen sehr viel Schaden. Bei folgendes Bild zeigt einen Stall, bei welchem man einfach die Jauche die Rückwand herunterlaufen lässt. Dadurch wird nicht nur der Verputz geschädigt, es sammeln sich außerdem sehr viel Fliegen um die Jaucheaustritte und legen dort ihre Eier ab. Dabei übertragen die Fliegen vielfach Krankheiten, und die Jaucheabflüsse werden damit sogar noch zu einer besonderen Gefahrenquelle für die Kaninchen.

Die Einstreu muss daher in der Lage sein, die wertvolle, kalireiche Jauche mitzubinden. Je vollkommener dies geschieht, desto geringer ist die Gefahr einer Infektion aus der Einstreu. Die Einstreu hat aber nicht nur die Aufgabe, einen guten Mist zu liefern. Sie soll vor allem den Tieren ein sauberes, warmes Lager geben. Sie muss ferner die Ausdünstungen der Ausscheidungen binden. Hierbei handelt es sich vor allem um das flüchtige Ammoniak, das nicht nur ein wertvoller Pflanzendünger ist, sondern im Stall vielfach Augenentzündungen erzeugen kann, wenn es in zu großer Menge ungebunden in der Einstreu haftet. Es mit Kalkeinstreu zu vertreiben ist abwegig, weil gerade durch Kalk meist eine noch stärkere Entbindung erfolgt.

Keines der bekannten Einstreumittel erfüllt aber diese Aufgaben restlos. Jedes hat irgendeinen Nachteil. Meist wird ja mit Stroh gestreut. Dieses ist an sich sehr zweckmäßig, denn es gibt dem Tier Beschäftigung. Es hält die Felle sauber, ist immer gut zu beschaffen und liefert einen immerhin noch brauchbaren Mist. Stroh hat aber auch eine Reihe von Fehlern. Leider ist es nicht frei von Unkrautsamen und bietet Krankheitskeimen und Schädlingen, wie z. B. Fliegenmaden, günstige Entwicklungsmöglichkeiten. Da in ihm immer Körnerreste sind, interessieren sich Mäuse und Ratten sehr dafür. Diese Kostgänger unserer Tiere wollen wir aber möglichst fernhalten. Außerdem saugt das Stroh nur etwa das Dreifache seines Gewichtes an Feuchtigkeit auf. Dies ist im Hinblick auf die reichlichen, feuchten Ausscheidungen der Kaninchen, die durch das Saftfutter hervorgerufen werden, nicht sehr günstig.

Vielfach wird nun dem Stroh Sägemehl zugesetzt. Dieses ist verhältnismäßig preiswert und saugt mehr Flüssigkeit auf als das Stroh. Es kann jedoch kein Ammoniak binden. Der damit gewonnene Mist ist also stickstoffarm. Es enthält ferner Stoffe, die das Pflanzenwachstum hemmen können, wenn ständig damit gedüngt wird. Außerdem verursacht es einen starken Drahtwurmbefall. Daher kann man es nicht als befriedigende Einstreu bezeichnen, zumal es sich, wenn es feucht geworden ist, fest an die Behaarung klebt.

Den wertvollsten Dünger erhalten wir durch den Torf. Allerdings bestehen dabei Unterschiede. Der Floratorf gibt jedoch die Gewähr, dass wir einen reinen Moostorf in ausgezeichneter Beschaffenheit und Aufbereitung, vollem Ballenmaß und richtigem Gehalt an organischer Masse bekommen. Es gibt dabei zwei Arten, die sich hinsichtlich ihres Feuchtigkeitsgehaltes unterscheiden. Der Florastreutorf hat 60% organische Substanz und 35% Wasserhöchstgehalt, der Floradüngetorf hat 40% organische Substanz und 60% Wasserhöchstgehalt. Wer den Kaninchendung selbst verarbeitet, wird den Düngetorf nehmen, denn die Einstreu stellt für ihn dann eine Zwischennutzung dar, die ihm nichts kostet.

Der Torf muss hell sein. Älterer Torf ist in seinen Fasern weitgehend zerfallen und hat damit seine Festhaltekraft für Flüssigkeiten eingebüßt. Der Brenntorf ist schließlich nicht zu gebrauchen. Heller, junger Bleichmoostorf aus den oberen Schichten der Hochmoore kann bis zum Fünfzehnfachen seines Gewichtes an Feuchtigkeit aufsaugen. Er hält also große Mengen Jauche fest und macht damit den Mist kalireich. Die Feuchtigkeit fördert auf der Dungstätte das Verrotten, es entsteht ein besonders kurzer, gut zu verarbeitender Mist. Floratorf ist zudem frei von Unkrautsamen, Krankheitskeimen und Schädlingslarven. Allerdings kann er sich an den Haaren festkleben.

Da keines der vorhandenen Einstreumittel voll befriedigt, so ist man zu einer Mischeinstreu gekommen. Unten auf den Stallboden gibt man eine Lage Torf von 5 cm Höhe und darüber etwas Stroh. Der Torf ist entstaubt zu haben. Früher bezeichnete man solchen Torf als Geflügeltorf, heute hat er die Bezeichnung „Düngetorf mittel entstaubt“. Diese Einstreu wird die Woche einmal gewechselt, sie kann aber auch bis zu 14 Tagen liegen bleiben, wenn einmal keine Zeit zum Ausmisten sein sollte.

Bei reichlichem Flüssigkeitsgehalt des Futters kann man aber auch Torf und Stroh voneinander getrennt halten und benutzt dann den „Düngetorf fein“ zur Einstreu. Hierzu ist es notwendig, einen Lattenrost einzubauen. Da die Tiere sich oft die Läufe an den Latten scheuern, verwendet man neuerdings lieber ein Drahtgeflecht von 16 bis 20 mm Maschenweite und 1,4 mm Drahtstärke, das man mit Bitumen streicht. Dieses Geflecht wird auf einen Rahmen gespannt, den man auf den Torf auflegt. Es empfiehlt sich nun, die vordere Hälfte, auf der das Tier liegt, mit Brettern zu benageln und nur den hinteren Teil aus Drahtgeflecht zu machen. Das Stroh wird dann über den Zwischenboden eingestreut.

Wer jederzeit, ohne das Tier zu stören, den Torf auswechseln will, kann den Zwischenboden fest einbauen. Unter dem Zwischenboden wird dann die Vorderwand oder Rückwand zu einer Klappe gestaltet, so dass man von da aus den durchfeuchteten Torf mit den Kotkugeln entnehmen kann, ohne das Stroh mit zu entfernen. Manche bilden diesen Teil des Stalles zu einer regelrechten Schublade aus, die man den Kotkasten nennt. Dadurch ist der Wechsel besonders bequem, und man hat die Möglichkeit, den Torf, der sich unter dem Brettboden befand und der meist nicht so stark durchnässt ist, ein zweites Mal mitzuverwenden. Man hat nur den von der Jauche wirklich durchzogenen, bekoteten Anteil der Torfeinstreu auszuwechseln. Dies empfiehlt sich vor allem in der Angorahaltung. Man macht in diesem Falle die untere Torfschublade etwa 10 cm hoch, streut aber nur eine Lage von 5 cm Stärke ein.

Bei Frostwetter und Außenstallhaltung kann es vorkommen, dass der mit Jauche durchzogene Torf, wenn er in dünner Lage eingefüllt wurde, fest an das Holz anfriert. Bei solchen Ställen nimmt man die Torfeinlage etwa 15 cm stark und richtet so die Bauart des unteren Stallteiles ein. Ferner könnte man den Kotkasten mit Zinkblech beschlagen. Alle Teile des Stalles müssen mit Bitumen gestrichen werden, damit sie sich nicht voll Jauche saugen oder die Jauche bei gemauerten Ställen die Putzhaut nicht angreift. Karbolineum darf nicht benutzt werden, weil dieses den Pflanzen gefährlich werden würde. Als Desinfektionsmittel zerstört es auch pflanzliche Körper.

Mit der Torfeinstreu wird die Zugluft vermieden, die meist durch die Jauche- Abflusslöcher entsteht. Man erhält eine gesunde Stallanlage, die immer sauber und geruchfrei ist. Zugleich entsteht ein hochwertiger Gartenmist, der die Nährstoffe und Nebenbestandteile des Dungs gut festhält.

Diesen Mist darf man aber nun nicht bei der anschließenden Lagerung verkommen lassen. Man schüttet ihn am besten nicht in eine Grube. Muss man dies zwischenzeitlich tun, so lasse man ihn nicht unnötig lange in der Sammelgrube und bringe ihn bald auf das Grundstück. Dort lagert man ihn möglichst im Schatten auf nicht zu hohen Haufen, die man noch mit einer Unterlage von trockenem Torf versehen kann. Mit dem Mist zusammen kann man alle nicht verwertbaren Futterreste und Unkräuter sowie Wirtschaftsabfälle mischen und kommt nach verhältnismäßig kurzer Lagerzeit zu einem ausgezeichnet wirkenden Gartenkompost. Es ist zweckmäßig, den Rottehaufen nicht zu hoch, etwa nur 50 cm aufzusetzen. Dadurch bleibt die Durchlüftung für die nützlichen Kleinlebewesen erhalten, die den Mist zur Komposterde umbauen. Auch Regenwürmer werden sich bald einfinden, die einen wertvollen Humus erzeugen. Der. Torfanteil ist ihnen besonders sympathisch. Sie vermehren sich in solchen Komposten auffallend stark.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.