Erich Bergfeld, Mülheim-Ruhr, ZDK-Obmann für Normalhaar und Spezialzüchter

„Das Blaue Kaninchen Jahrbuch“ 1959

Die Klubs sind die Träger der deutschen Rassekaninchenzucht. Dies ist eine Erkenntnis, welche schon des Öfteren von berufener Seite zum Ausdruck gebracht wurde. Dieser Ausspruch hat auch heute noch seine volle Berechtigung und wird es auch für die Zukunft haben. Schon im Anfang unserer organisierten Kaninchenzucht um das Jahr 1890 kam man zu der Erkenntnis, dass die Verbesserung der Rassezucht nur durch eine Spezialisierung auf eine bestimmte Rasse die Gewähr bietet, wertvolle züchterische Erfolge zu erzielen. Um die Jahrhundertwende waren diese Spezialklubs überall vertreten; mithin haben die Spezialklubs eine alte Tradition aufzuweisen, ohne die wir heute nicht auskommen. Für den Kenner ist es daher auch kein Zufall, dass gerade Rassen am weitesten fortgeschritten sind, für die es schon seit Jahrzehnten Spezialklubs gibt.

Dem Klubmitglied bzw. dem Spezialzüchter ist es mit seiner ihm gestellten Aufgabe ernst. Er züchtet nur durch eine planvolle Aus- lese, sei es die Herauszüchtung besonderer Merkmale der jeweiligen Rasse, Vererbung guter Eigenschaften, wie Gesundheit im Stamm, Milchreichtum bei der Aufzucht, Typ und Rasseeigenschaften des Gesamtwurfes, sehr gute Körperformen und Fellqualität usw. Das gesteckte Ziel geht dahin, Stammzuchten und Familienzuchten herauszubringen, die eine gleichmäßige Höchstleistung in der Zucht gewährleisten. In einem Spezialklub ist dem Züchter die Gelegenheit gegeben, mit seinen Zuchtfreunden zusammen eine Stamm- und Linienzucht als Breitenarbeit zu führen. Hier findet er unter seinesgleichen volle Unterstützung und Mitarbeit in der planvollen Züchtung. In den allmonatlich stattfindenden Klubversammlungen findet eine gemeinschaftliche Aussprache anhand der vorgeführten Zuchttiere statt. Hier kann jeder seine Meinung offen und ohne Hemmung bekunden; über Eintragungen und Führung des Zuchtbuches wird Stellung genommen. Das Klubmitglied bzw. der Spezialzüchter führt für seine Zucht ein Zuchtbuch. In diesem Zuchtbuch werden nun nicht lediglich die Geburtsdaten und Abstammung eingetragen, sondern von viel größerem Wert sind hier die Eintragungen, wie Entwicklung der Jungtiere (Gewichtskontrolle), Milchreichtum und Aufzuchtvermögen der Zuchthäsin, Typ und Rasseeigenschaften des Gesamtwurfes usw. Ist nun der eine oder andere Zuchtfreund nicht schreibgewandt dazu, dieses Zuchtbuch, wie wir es wünschen, zu führen, so ist es eine Selbstverständlichkeit, dass dieser Zuchtfreund von einem anderen Zuchtfreund unterstützt wird. Breitenarbeit im Klub wird gefordert. Hierzu gehört auch, dass wir nach gemeinschaftlichen Absprachen und Abwägungen für die kommende Zuchtperiode die Zuchtpaare zusammenstellen. Zuchtrammler, die besonders wertvoll für die Zucht sind, stehen den Mitgliedern uneigennützig für die Zucht zur Verfügung, denn nur auf diese Weise können besondere Zuchterfolge in der Gemeinschaft der Klubmitglieder erzielt werden.

Ein besonderes Aufgabengebiet ist es, edle Rassetiere zu züchten was ja als Aufgabe der Spezialklubs gilt. Der Weg führt über die Breitenarbeit. Das Ziel wird erreicht durch die Inzucht. Ich weiß, hier gehen die Meinungen auseinander. Die Praxis hat aber gezeigt, dass durch die Fremdzucht wohl Erfolge zu erzielen sind, sie sind aber auf weite Sicht gesehen nicht von langer Dauer. Ich will nun nicht hier auf dieses Thema näher eingehen, aber es lohnt sich bestimmt, hierüber in den Klubversammlungen zu diskutieren. Von berufener Seite wurde in unserer Fachzeitung „DKZ“ speziell über dieses Thema in den letzten Jahren sehr wertvolle Beiträge gebracht, und ich schließe mich der Meinung an, dass durch die Breitenarbeit im Klub über die Inzucht der sicherste Weg zur Leistungs- und Hochzucht führt. Weiterhin ist zu empfehlen, dass wenigstens einmal im Jahr innerhalb der Landesverbände die Spezialklubs einer Rasse unter sich zu einer Besprechung zusammenkommen. Hier finden Aussprachen am lebenden Tier im Kreise der anderen Klubmitglieder statt. Ratsam ist es, wenn zu diesen Tierbesprechungen auch die Preisrichter eingeladen werden. Erstens erzielen wir hierdurch einen besseren Kontakt zwischen Züchter und Preisrichter, und diese Aussprachen werden sich bestimmt günstig bei den kommenden Ausstellungen auf die Bewertung unserer Tiere auswirken.

Zum Schluss appelliere ich an alle Klubmitglieder, die persönliche und züchterische Zuverlässigkeit hochzuhalten. Im Verein und bei seinen Zuchtfreunden müssen sie auf Grund ihrer jahrelangen, zum Teil jahrzehntelangen Erfahrungen mit Rat und Tat Vorbild sein.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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