Dr. Heinrich Niehaus „Das Blaue Jahrbuch“ 1977
Eingehende Kenntnisse der Fortpflanzung mit den beim Kaninchen vorhandenen Besonderheiten sind wichtige Voraussetzungen für Erfolge bei der Vermehrung, Züchtung und wirtschaftlichen Haltung von Kaninchen.
Aufgabe der folgenden Ausführungen soll es sein, den Kaninchenzüchter und -halter durch Darstellung der wichtigsten Vorgänge bei der Fortpflanzung der Kaninchen und Hinweise auf die vom Züchter zu ergreifenden Maßnahmen zu unterstützen.
Zunächst ein kurzer zusammenfassender Überblick:
Kaninchen pflanzen sich, wie andere höhere Tierarten, auf geschlechtlichem Wege fort. Nach einer gelungenen Paarung zwischen Rammler und Häsin vereinigen sich die weiblichen Eizellen mit je einer männlichen Samenzelle. Diesen Vorgang nennt man Befruchtung. Aus den befruchteten Eizellen (Zygoten) entwickeln sich in der Gebärmutter (Uterus) der Häsin junge Kaninchen, deren Geburt durchschnittlich 31-32 Tage nach der Paarung erfolgt. Die Jungtiere wachsen in Abhängigkeit von Rasse, Ernährung und anderen Erb- und Umweltfaktoren in 4-7 Monaten zu geschlechtsreifen Tieren heran, die dann, wie ihre Eltern, in der Lage sind, wiederum Nachkommen zu erzeugen, und so folgt eine Generation auf die andere.
Im Folgenden soll nun etwas ausführlicher auf die Zusammenhänge eingegangen und auf die beim Kaninchen vorhandenen Besonderheiten hingewiesen werden.
Bildung der Keimzellen und Befruchtung
Die männlichen Keimzellen (Spermien) werden in den paarig angelegten Hoden (Abb. 1 u. 2) gebildet. Bei der Paarung gelangt die mit Ausscheidungen (Sekreten) der Anhangdrüsen angereicherte, als Sperma bezeichnete Samenflüssigkeit des Rammlers durch Ausstoßen (Ejakulation) aus dem Glied (Penis) in die weibliche Scheide (Vagina). Die Entwicklung der weiblichen Keimzellen (Eizellen) erfolgt in den ebenfalls paarig angelegten Eierstöcken (Ovarien) der Häsin (Abb. 3). Unter bestimmten Voraussetzungen (Näheres s. im Folgenden) werden reife Eier aus dem Eierstock herausgesprengt (Eisprung oder Ovulation). Die ausgestoßenen Eier werden nun von den am oberen Ende des Eileiters befindlichen Trichtern (s. Abb. 3) aufgefangen, gelangen in den Eileiter, werden dort von den ihnen entgegenwandernden Spermien befruchtet und durch ein Flimmerepithel in Richtung Gebärmutter befördert. Von den bis 200 Mio. und mehr zählenden Spermien eines Ejakulats werden entsprechend der Zahl der ovulierten Eizellen nur etwa 10-15 für die Befruchtung benötigt. Alle anderen sind zum Absterben verurteilt. Diese scheinbar ungeheure Verschwendung der Natur hat den Zweck, mit Sicherheit alle vorhandenen Eizellen zu befruchten. Viele Samenzellen bleiben nämlich auf der Strecke und nur die kräftigsten erreichen ihr Ziel. Spermauntersuchungen haben ferner ergeben, dass die Anzahl der Spermien in einem Ejakulat und die Spermaqualität von Tier zu Tier erhebliche Unterschiede aufweisen können.

Abb. 1 und 2: Links: Schematische Darstellung des männlichen Geschlechtsapparates. H Hoden, Ni Nebenhodenkopf, N2 Nebenhodenschwanz, BN-Blutgefäße, Nerven, Sl Samenleiter, Sll Samenblase, Ap Ampulle, CD Cowpersche Drüsen, M Muskeln, Ld Leistendrüsen, P Penis. (Nach Niehaus, 1975.) Rechts: Schematische Darstellung eines Spermiums mit Kopf, Hals, Mittelstück und Schwanz. (Nach Niehaus, 1975.)

Abb. 3: Schematische Darstellung des weiblichen Geschlechtsapparates. G Gebärmutter, E Eierstock, T Trichter, El Eileiter, H Harnblase, Sch Scheide, Ld Leistendrüsen. (Nach Niehaus, 1975.)
Auch bei demselben Rammler können durch Umwelteinflüsse (z. B. Ernährung, Erkrankung, Häufigkeit der Verwendung u. a.) bedingte Unterschiede auftreten. Regelmäßige Spermauntersuchungen lohnen sich im Allgemeinen nur bei größeren Tierzahlen und in Zusammenarbeit mit interessierten Tierärzten bzw. Instituten.
In den meisten Fällen wird der Züchter sich damit begnügen müssen, durch Auswahl von gesunden, robusten und temperamentvollen Rammlern, die im Erscheinungsbild den typischen Geschlechtscharakter zeigen, große, feste, nicht weiche und schwammige Hoden besitzen, günstige Voraussetzungen zu schaffen. Eintragungen der Paarungen und ihrer Erfolge auf den Rammlerkarten können weitere Aufschlüsse über den Zuchtwert eines Rammlers geben. Rammler mit einem oder beiden Binnenhoden sind nicht geeignet. Einhodige Rammler können zwar Nachkommen erzeugen, es besteht aber die Gefahr, dass die Anlage für einen anomalen Hodenabstieg sich in schlimmerer Form bei einem Teil der Nachkommen bemerkbar macht.
Ferner ist zu beachten, dass die Spermaqualität sich nach häufig hintereinander erfolgten Deckakten fortlaufend – wenn auch nur vorübergehend – verschlechtert, so dass bei Überbeanspruchung eines Rammlers eine erfolgreiche Paarung nicht mehr gewährleistet ist. Ausgeruhte und vitale Rammler können aber mit Erfolg 2-3mal innerhalb einer Stunde eingesetzt werden.
Auch bei der Auswahl der Häsinnen ist auf die Ausbildung der für eine Häsin typischen Merkmale zu achten. Eine typische Häsin besitzt ein feineres Knochengerüst und einen schmaleren Kopf als ein typischer Rammler (Abb. 4).

Abb. 4: Weiße Neuseeländer, rechts Rammler, links Häsin. Das Geschlecht ist durch die Kopfform deutlich zu unterscheiden
Auch der Geschlechtsteil der Häsin sollte überprüft werden. Ein breites Becken erleichtert die Geburt der Jungtiere. 8-10 funktionsfähige Zitzen sind bei entsprechender Milchleistung der Häsin Voraussetzung für die Aufzucht großer Würfe. Da an eine Häsin durch Trächtigkeit, Geburt und Säugen der Jungtiere hohe Anforderungen gestellt werden, kommen nur gesunde, robuste Häsinnen, die frei sind von körperlichen Missbildungen, für die Zucht in Frage. Auch die Abstammung und – soweit vorhanden – die bisherigen Zuchtleistungen sollten bei der Auswahl bzw. weiteren Verwendung der Zuchttiere eine entscheidende Rolle spielen. Die größere Bedeutung ist dabei der eigenen Zuchtleistung (Größe, Ausgeglichenheit und Entwicklung der Würfe) beizumessen. Auf eine ausführlichere Darstellung der bei der Zuchtauswahl von Rammlern und Häsinnen zu beachtenden Fakten muss hier aus Platzgründen verzichtet werden. Interessenten seien auf die Ausführungen von Niehaus (1975) verwiesen.
Brunst oder Hitzigkeit der Häsinnen
Die Brunst der Häsinnen, die wie bei anderen Tierarten einen Drang zur Paarung bewirkt, wird durch hormonelle Vorgänge gesteuert und steht mit dem Vorhandensein reifer Eier im Eierstock in Verbindung. Während nun bei anderen Tierarten, z. B. Rind, Pferd, Schwein, Schaf – und auch beim Menschen -, in periodisch wiederkehrenden Intervallen (Zeitspannen) Eier heranreifen und nur während dieser meist nur wenige Tage dauernden Zeit eine fruchtbare Paarung möglich ist, können gesunde, geschlechtsreife, nicht tragende oder scheinträchtige Häsinnen bei günstigen Umweltbedingungen jederzeit fruchtbar gepaart werden.
Diese bei Kaninchen vorhandene Besonderheit kann in der Zucht erfolgreich ausgenutzt werden. Sie ist darauf zurückzuführen, dass der Eisprung bei Kaninchen nicht spontan, d. h. ohne äußere Einflüsse, ausgelöst wird, wie das bei den anderen genannten Tierarten der Fall ist. Bei Kaninchen sind der Reiz des Deckaktes oder Ersatzreize erforderlich, um eine Hormonkette in Gang zu setzen, die 10 Stunden nach dem erfolgten Reiz den Eisprung auslöst.
Die Brunst der geschlechtlich labilen Häsinnen kann in starkem Maße durch Umweltfaktoren (Ernährung, Stallwechsel, Gesundheitszustand u. a.) beeinflusst werden. Optimale Umweltfaktoren, z. B. ausgewogene Fütterung und Haltung, günstige Licht- und Klimaverhältnisse sowie alle den Stoffwechsel aktivierenden Maßnahmen, fördern Paarungsbereitschaft und Paarungserfolg; ungünstige Umweltbedingungen üben einen negativen Einfluss aus. Auch durch Scheren von Angorahäsinnen, Umsetzen von Häsinnen in einen anderen Stall, besonders in einen Rammlerstall, durch Ausstellungen u. a. kann die Paarungsbereitschaft gesteigert werden.
Äußere Anzeichen einer Brunst sind: Erhöhter Erregungszustand, starke Durchblutung und dadurch Anschwellen und rötlich-bläuliche Färbung der Schamlippen, Herumschleppen von Streu im Maul, Zerwühlen der Stallstreu, Bissigkeit u. a. Befinden sich mehrere Häsinnen in einer Bucht, so versuchen brünstige Häsinnen, andere zu bespringen.
Die aufgeführten Anzeichen einer Brunst treten nicht immer, nicht alle und in unterschiedlicher Stärke in Erscheinung. Auch die Paarungswilligkeit der Häsinnen reicht von hoher Bereitschaft bis zur völligen Verweigerung. Dabei spielen auch das Temperament und die Erfahrung des Rammlers sowie die Sympathie der Häsin zum betreffenden Rammler eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wir haben es häufig erlebt, dass Häsinnen es handelte sich meistens um solche mit schwachen Brunsterscheinungen bestimmten Rammlern die Paarung verweigerten, während sie sich von einem anderen willig decken ließen.
Gemäß dem englischen Physiologen und Tierzuchtwissenschaftler Sir John Hammond *1889 ; †1964. (1925) sind bei den vorher beschriebenen günstigen Voraussetzungen immer reife Eier oder solche, die in kürzester Zeit heranreifen können, im Eierstock der Häsinnen vorhanden. Es können deshalb auch Zwangspaarungen, die von vielen Züchtern aus verständlichen Gründen abgelehnt werden, zum Erfolg führen. Findet keine Ovulation statt, so verkümmern die im Eierstock befindlichen reifen Eier nach Hammond (1925) im Verlauf einiger Wochen, während neue wieder heranreifen. Wegen der großen Abhängigkeit der Paarungswilligkeit und der Paarungserfolge von der Umwelt hat es der Züchter weitgehend in der Hand, die Paarung so vorzubereiten, dass die Würfe zum gewünschten Zeitpunkt fallen. Dabei muss einschränkend erwähnt werden, dass in Abhängigkeit von der Veranlagung der Häsinnen und den jeweils vorhandenen Umweltverhältnissen nur etwa 70 Prozent der gepaarten Häsinnen manchmal auch weniger Junge zur Welt bringen.
Auch kurz nach dem Wurf werden die meisten Häsinnen wieder hochgradig hitzig und können mit Erfolg gepaart werden (Näheres s. in Kapitel „Permanente Zuchtverwendung").
Paarungstechnik
Es ist allen erfahrenen Züchtern bekannt, dass man stets die Häsin in den Rammlerstall bringen sollte und nicht umgekehrt. In ihrem eigenen Stall macht die Häsin nicht selten von ihrem Hausrecht Gebrauch und beißt den Rammler ab. Besonders junge Rammler werden dadurch oft so eingeschüchtert, dass eine Paarung nicht oder doch erst nach längerem Bemühen des Züchters zustande kommt. Auch dann, wenn die Häsin den Rammler im Stall duldet, macht sich der Rammler zunächst mit dem ihm unbekannten Stall vertraut, beschnuppert die Wände, setzt seine Duftmarken und wendet sich erst dann der Häsin zu. Auch die Paarungsbereitschaft der Häsin ist im Allgemeinen im Rammlerstall größer als in ihrer eigenen Wohnung.
Die Paarung ist als gelungen anzusehen, wenn der Rammler, nachdem sich die Häsin hinten erhoben hat, knurrend nach der Seite oder nach hinten abfällt, wobei manche Rammler auch einen Schrei ausstoßen. Nach gelungener Paarung ist die Häsin sofort wieder aus dem Rammlerstall zu entfernen. Auch paarungsunwillige Häsinnen sollten zur Vermeidung von Beißereien aus dem Rammlerstall genommen und einige Tage später nach Überprüfen der Hitzigkeit wieder zugelassen werden. Auf keinen Fall sollten Rammler und Häsinnen unkontrolliert zusammen gelassen werden, weil, abgesehen von möglichen Verletzungen der Tiere durch Beißereien und Treibereien, der Züchter nicht weiß, ob eine Paarung stattgefunden hat.
Alle Paarungen sollten sofort in die Stallkarte der Häsin eingetragen werden, damit der Züchter rechtzeitig Vorbereitungen für den Wurf treffen und die Tiere nach 14-19 Tagen auf den Paarungserfolg hin überprüfen kann (vergl. „Scheinträchtigkeit“).
Trächtigkeit
Die befruchteten Eier erreichen frühestens am 4. Tag nach der Paarung, wenn die Zygoten sich mehrmals geteilt haben, die Gebärmutter (Hammond, 1925). Da sie sich nach Versuchen im Jahr 1973, des Veterinärmediziner Prof. Dr. Siegfried Paufler *1928; †2024, noch nach sechs, manchmal sechseinhalb Tagen ausspülen lassen, darf man annehmen, dass sie erst nach dieser Zeit fest mit der Gebärmutterschleimhaut verwachsen (implantiert) werden. Vor der Implantation sind die befruchteten und sich teilenden Keime offenbar besonders empfindlich gegen ungünstige Umweltfaktoren. Embryonaler Frühtod dürfte auch die Hauptursache dafür sein, dass von den gepaarten Häsinnen ein beträchtlicher Teil bei eigenen Versuchen waren es über 30 Prozent keine Jungen zur Welt bringen (vgl. Niehaus 1975). Da die Trächtigkeitsrate bei den Häsinnen stark variiert, erscheint eine Erfolgsverbesserung durch selektive Maßnahmen in Verbindung mit einer Optimierung der Umwelt möglich.
Anzeichen der Trächtigkeit
Geübte Personen mit Fingerspitzengefühl können die in der Gebärmutter heranwachsenden Embryonen bereits vom 10.-13. Tage nach der Paarung als kleine Knötchen feststellen. Die Sicherheit der Diagnose durch Abtasten (Palpieren) erhöht sich mit der Dauer der Trächtigkeit und der Wurfstärke. In der letzten Trächtigkeitswoche, z. T. auch schon früher, kann sich ein erfahrener, mit dem erforderlichen Fingerspitzengefühl ausgestatteter Züchter sogar ein Bild von der ungefähren Wurfstärke machen (Abb. 5).
Schwierigkeiten ergeben sich besonders bei einer Frühdiagnose bei Häsinnen mit harter, straff gespannter Bauchmuskulatur und bei solchen, die nur 1-2 Jungtiere zur Welt bringen. Es dürfte einleuchten, dass ein Abtasten von Häsinnen nur nach Anleitung durch erfahrene Personen und mit aller Vorsicht erfolgen muss, um gesundheitliche Gefahren für Mutter und Jungtiere zu vermeiden. Mangelt es an der Fähigkeit des Züchters für ein erfolgversprechendes Abtasten oder macht eine harte Bauchmuskulatur Schwierigkeiten, so sollte man zusätzlich auf andere Anzeichen für eine Trächtigkeit achten.
Diese Vorgänge erfolgen in der Regel erst wenige Tage oder Stunden vor, manchmal auch erst nach dem Werfen.
Dazu gehören:
1. verändertes Verhalten der Häsin, die im Allgemeinen träger und ruhiger, manchmal auch bissiger wird als zuvor,
2. gesteigerte Fresslust,
3. Anschwellen des Bauches und Gewichtszunahme, besonders in der letzten Trächtigkeitswoche und bei starken Würfen,
4. Herumschleppen von Stallstreu im Maul, Ausrupfen von Wolle und Nestbau.
Beginnt die Häsin bereits 14-19 Tage nach der Paarung, im Stall zu wühlen, Wolle zu rupfen, und/oder Streu zu schleppen, so deutet das in den meisten Fällen darauf hin, dass die betreffende Häsin nicht tragend, sondern hitzig geworden ist. Gelegentlich zeigen auch trächtige Häsinnen solche Erscheinungen. Manche lassen sich sogar ohne Schwierigkeiten wieder decken. Im Allgemeinen aber geben tragende Häsinnen, wenn sie zum Rammler gebracht werden, typische Klagelaute von sich, die eine Trächtigkeit anzeigen. Da das Verhalten trächtiger Häsinnen z. T. recht unterschiedlich sein kann, ist es für manche Züchter oft schwierig, letzte Sicherheit zu erhalten. In solchen Fällen sollte man auf jeden Fall die erforderlichen Wurfvorbereitungen treffen.
Scheinträchtigkeit
Wird durch einen Deckakt, durch gegenseitiges Bespringen brünstiger Häsinnen oder durch andere Reize eine Ovulation ausgelöst, so werden auch dann, wenn keine Trächtigkeit eintritt, Gelbkörper im Eierstock gebildet, deren Hormon (Gelbkörper- oder Corpus luteum-Hormon) eine weitere Eireifung und damit eine fruchtbare Paarung verhindert. Solche Häsinnen, die man als scheinträchtig bezeichnet, verhalten sich zunächst wie tragende Häsinnen. Erst nach 14-19 Tagen, wenn die Wirkung des Gelbkörperhormons abgeklungen ist, reifen wieder Eier heran; die Häsinnen werden hitzig und können wieder fruchtbar gepaart werden. Während der ersten 14 Tage nach der Paarung sollte man weitere Paarungsversuche unterlassen. Ist ein Züchter nicht sicher, ob eine Paarung gelungen ist, so kann ein Nachdecken – möglichst bald nach der unsicheren Paarung den Paarungserfolg absichern, weil ja der Eisprung erst 10 Stunden nach der Paarung erfolgt und danach erst die Wirkung des Gelbkörperhormons beginnt. Nach eigenen Erfahrungen lassen sich aber die meisten Häsinnen bereits wenige Stunden nach einem gelungenen Deckakt nicht oder doch nur von besonders temperamentvollen Rammlern zu einer weiteren Paarung bewegen. Es gibt allerdings auch „nymphomane" Häsinnen mit einem abartigen Geschlechtstrieb, die fast immer paarungswillig sind, meistens aber nicht tragend werden.

Doppelträchtigkeit
Unter Doppelträchtigkeit (Superfetation) versteht man die Befruchtung von Eizellen aus verschiedenen Ovulationszyklen. Sie lässt sich experimentell bei mehreren Tierarten erzeugen. Beim Menschen konnte sie bisher nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Beim Feldhasen wird sie nach dem Zoologen Max Cretschmar*1900; †1961 (1952) als normal angesehen. Bei Kaninchen darf das Vorkommen von Doppelträchtigkeit aufgrund von glaubwürdigen, mit genauen Daten belegten Angaben verschiedener Züchter und zwei in der damaligen BFAK beobachteten Fällen als erwiesen gelten. Doppelträchtige Kaninchenhäsinnen bringen im Abstand der Paarungen 2mal hintereinander Junge zur Welt. Bei den von uns beobachteten Fällen fielen die zweiten Würfe 10 bzw. 11 Tage nach den ersten. Die Zahl der Jungen betrug beim ersten Wurf 6 und 5, beim zweiten 4 und 6. Leider verendeten alle Jungtiere beider Würfe, vermutlich infolge mangelnder Betreuung und Ernährung durch die Häsinnen. Da Kaninchen zwei voneinander unabhängige Uterusse (Uterus duplex) besitzen, nimmt man an, dass eine Doppelträchtigkeit dann zustande kommt, wenn befruchtete Eier des ersten Deckaktes nur in einem Uterus entwickelt werden, und der zweite Uterus bei einer erneuten Paarung und Ovulation in der Lage ist, weitere Zygoten zu implantieren und zu entwickeln. Ob und inwieweit diese Hypothese richtig ist, müsste durch planmäßige Untersuchungen geprüft werden. Für die praktische Zucht hat diese sicherlich interessante Erscheinung wegen ihrer großen Seltenheit keine Bedeutung.
In diesem Zusammenhang sei noch auf die auch bei Kaninchen mögliche Überschwängerung (Superfekundation) hingewiesen. Dabei werden Eier aus dem gleichen Ovulationstermin durch Spermien aus verschiedenen, kurz hintereinander erfolgten Paarungen befruchtet. Werden hierbei Rammler verschiedener Rassen verwendet, so können in einem Wurf in Fellfarbe und Körperbau unterschiedliche Jungtiere fallen, die natürlich, soweit sie von rassefremden Rammlern stammen, spalterbig sind.
Dauer der Trächtigkeit
Bei Wurfstärken von 4 Jungen und mehr werfen die meisten Häsinnen 31-32 Tage nach der Paarung. Nach Hammond (1925) sind Lebendgeburten vor dem 28. Tag nicht ermittelt worden. Gelegentlich kommt es zu vorzeitigen Fehlgeburten mit bereits abgestorbenen Früchten. Als Ursachen kommen Erkrankungen, Vergiftungen, Verletzungen durch Beißereien, Herausfallen der Häsin aus dem Stall, Schocks u. a. in Frage.
Nach oben hin ist die Tragezeit nicht so genau festgelegt. Im Allgemeinen kann man damit rechnen, dass Würfe, die nach dem 33. Tag fallen, nur aus wenigen Jungtieren, manchmal nur aus einem, meist übergroßen Tier bestehen. Übergroße Früchte, die z. T. schon behaart sind, verursachen meist schwere Geburten, kommen tot zur Welt oder werden bei der Geburt durch Herauszerren verletzt oder getötet. Die Aufzucht von weniger als 3 Jungen ist, im Allgemeinen nicht zu empfehlen. Bei guter Säugeleistung der Häsin entwickeln sich in solchen Fällen Riesenbabys, deren spätere Zuchttauglichkeit fragwürdig ist.
Der Wurf Er erfolgt ohne Mithilfe des Züchters. Dessen Aufgabe besteht darin, tragende Häsinnen sorgfältig zu betreuen, Wurfstall bzw. Nistkasten rechtzeitig zu säubern, zu desinfizieren und mit reichlich Einstreu, z. B. Heu, Stroh, Sägespäne, zu versehen und – soweit es die Umstände erlauben – darauf zu achten, ob die Häsinnen Wolle rupfen und ein Nest bauen. Es gibt gute und schlechte Nestbauer, solche, die ihre Jungen auf einem mit Wolle ausgepolsterten Nest gebären und andere, die sie im Stall herumstreuen. Bei Letzteren ist schnelle Hilfe durch den Züchter erforderlich, weil außerhalb des Nestes befindliche frischgeworfene Junge leicht verklammen und eingehen, wenn sie nicht bald in ein warmes Nest gebracht werden. Nestbau und Pflege der Jungtiere durch die Häsin sind weitgehend anlagebedingt. Ungünstige Umweltbedingungen fördern die Auslösung, besonders bei Erstgeburten.
Nach Beginn der Wehen setzt sich die Häsin auf das Nest. Die Jungen werden durch Kontraktion der Uterusmuskulatur durch den Gebärmutterhals und die Scheide nacheinander mit kürzeren oder längeren Abständen herausgepresst. Eine aktive Mithilfe der Häsin erfolgt besonders bei schweren Geburten dadurch, dass sie die Jungen mit den Zähnen aus der Scheide zieht. Es dürfte verständlich sein, dass dabei gelegentlich leichtere oder auch schwerere Verletzungen bei den Jungen auftreten. Wenn später im Nest Jungtiere entdeckt werden, die nur ein Ohr oder keines besitzen, so ist das in den meisten Fällen auf die Einwirkung der Häsin, selten auf erbliche Missbildungen, zurückzuführen.
Die Nachgeburt wird von der Häsin aufgefressen. Das ist ein natürlicher Vorgang, der unter normalen Bedingungen keine gesundheitlichen Nachteile für die Häsin zur Folge hat. Da durch Blutverluste bei der Geburt und die an die Jungtiere abgegebene Milch ein erhöhter Wasserbedarf bei den Häsinnen entsteht, ist auch bei Grünfuttergaben eine zusätzliche Trinkwasserversorgung zu empfehlen. Bei nicht an Wasser gewöhnte Häsinnen sollte man damit bereits eine Woche vor dem Werfen beginnen.

Abb. 6: Milchleistungsprüfungen mit täglicher Nestkontrolle. Aus einem abgesperrten Nistkasten werden die Jungen vor und nach dem Säugen in einem mit Wolle ausgepolsterten Kästchen gewogen und ins Nest zurückgebracht. Aus der Gewichtsdifferenz vor und nach dem Säugen ergibt sich die Milchleistung
Nestkontrollen
(Abb. 6) sollten kurz nach der Geburt und dann in geregelten Abständen vorgenommen werden, um die Anzahl der toten und lebenden Jungen zu ermitteln, tote Jungtiere und Kümmerlinge zu entfernen, evtl. erforderliche Verbesserungen am Nest vorzu- nehmen und außerhalb des Nestes befindliche Junge ins warme Nest zu legen. Ruhige, an den Züchter gewöhnte Häsinnen machen dabei im Allgemeinen keine Schwierigkeiten, nervöse Häsinnen sollten während der Prozedur kurzfristig von den Jungen getrennt bzw. der Nistkasten herausgenommen werden.
Die Zahl der Jungen (tot oder lebend) ist auf der Stallkarte zu vermerken. Spätere Änderungen und besondere Beobachtungen sind nachzutragen. Wenn man die Säugeleistung der Häsin aus den vorangegangenen Würfen kennt, kann man die Zahl der zu belassenden Jungen darauf einstellen. Sonst ist es zweckmäßig, den Häsinnen zunächst bis 12 Junge zu belassen, um in den folgenden Tagen zu sehen, ob sie diese ausreichend mit Milch versorgen kann. Liegen die Jungen mit prallen Bäuchen und glatter, rosiger Haut ruhig im Nest, so ist alles in bester Ordnung. Runzelige Haut, eingefallene Flanken, piepsende Laute und Hochspringen der Jungen bei Berühren des Nestes sind Zeichen einer mangelnden Milchversorgung. In solchen Fällen ist eine Reduzierung der Jungenzahlen erforderlich. Treten derartige negative Erscheinungen auch bei geringeren Jungenzahlen (unter 8) und beim zweiten Wurf derselben Häsin auf, so ist sie von einer weiteren Zuchtverwendung auszuschließen. Neben einer erblich bedingten Anfälligkeit können auch Inzuchtdepressionen zu verminderter Fruchtbarkeit und Milchleistung führen. Durch Einpaarung eines geeigneten fremden Rammlers kann der Schaden in der folgenden Generation (F1) behoben werden.
Kannibalismus
Man versteht darunter im weiteren Sinne das An- und Auffressen von Artgenossen. Kannibalismus kommt auch bei Kaninchen vor. Er ist im Allgemeinen darauf beschränkt, dass Häsinnen ihre Jungen meist kurz nach der Geburt an- oder auffressen. Langjährige eigene Beobachtungen lassen klar erkennen, dass eine erbliche Komponente mit im Spiel ist. Bei einigen Häsinnen trat Kannibalismus in mehreren Würfen in Erscheinung, während andere unter gleichen Bedingungen gehaltene Häsinnen z. T. viele Würfe hintereinander warfen, ohne ihre Jungen aufzufressen, zu töten oder zu verletzen. Gesicherte Unterschiede zwischen den beobachteten Rassen waren nicht zu erkennen. Zweifellos spielen auch Umweltfaktoren als auslösendes Moment eine Rolle.

Abb. 7: Sobald sich der Züchter dem Nistkasten nähert, werden die bis dahin ruhigen Jungtiere munter. Sehnsüchtig warten die abgesperrten Jungen auf ihre Morgenmahlzeit.
So wurde z. B. beobachtet, dass in einem Großbetrieb nach Verfütterung hoher Antibiotikagaben nicht nur Häsinnen ihre Jungtiere verstümmelten oder auffraßen, sondern dass sich auch halbwüchsige und erwachsene Tiere gegenseitig Ohren, Schwänze an- und abfraßen, in einigen Fällen auch Beine und andere Körperteile nicht verschonten. In einem anderen Versuchsbetrieb konnten nach in der damaligen BFAK vorgenommenen Testversuchen ähnliche Erscheinungen durch eine Futterumstellung beseitigt werden.
Abb. 8: Unter restlosem Einsatz versucht jedes Jungtier, eine milchspendende Zitze zu erreichen. Schwache Tiere werden erbarmungslos abgedrängt. In wenigen Minuten, wenn der Milchvorrat aufgezehrt ist, verlässt die Häsin das Nest.

Gegenmaßnahmen sind:
1. Ausmerzung der zum Kannibalismus neigenden Tiere,
2. möglichst optimale Haltung und ausgewogene Fütterung,
3. enger Kontakt zu den Tieren; Vermeiden von Vorgängen, welche die Tiere nervös und unruhig machen,
4. bei Inzucht besonders strenge Auslese der zum Kannibalismus neigenden Tiere.
In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, dass Häsinnen manchmal wenige Tage nach dem Wurf das Nest benässen und auf ihren Jungen herumtrampeln, so dass der Wurf in den meisten Fällen zugrunde geht. Ich vermute, dass ein solcher Vorgang bei veranlagten Häsinnen durch starke Brunst ausgelöst wird. Bei unsicheren Häsinnen konnten Teilerfolge durch Trennung der Häsin von den Jungtieren gleich nach dem Wurf und kontrolliertes Säugen und Paarung der Häsin 1-2 Tage nach dem Wurf erzielt werden. Es genügt, die Häsin einmal täglich, am besten morgens, zuzulassen (Abb. 7 u. 8).
Absetzen der Jungtiere
Versuche von Schlolaut und Lange (1971) sowie langjährige eigene Erfahrungen haben gezeigt, dass man 3-4 Wochen alte Jungtiere bei ausgewogener Fütterung ohne Nachteile für die spätere Entwicklung von der Häsin trennen kann. Da die Jungen in diesem Alter noch wärmebedürftig sind, ist für eine wärmende Einstreu und Stalltemperaturen von etwa 20 Grad C zu sorgen. Die früher und z. T. auch heute noch geübte Praxis, die Jungtiere 8, 10, 12 Wochen oder noch länger bei der Häsin zu belassen, ist aus wirtschaftlichen, züchterischen und hygienischen Gründen nicht zu vertreten.
Permanente Zuchtverwendung
Es gehört zu den Eigenarten des Kaninchens, dass die Häsinnen kurz nach der Geburt wieder hochgradig hitzig werden und 31-32 Tage nach einer erneuten Paarung normale Würfe zur Welt bringen. Auch die Ahnen unserer Hauskaninchen, die Wildkaninchen, paaren sich nach den Beobachtungen von Nachtsheim (1949) während der Vegetationsperiode kurz nach dem Wurf der Häsin erneut, so dass in der nahrungsreichen Zeit 4-6 Würfe fallen. Nach Versuchen von Niehaus (1975) kann man diese Eigenschaft des Kaninchens für eine fortlaufende Zuchtverwendung der Häsinnen – auch in den Wintermonaten – nutzen und dadurch die Jungtierzahlen erheblich steigern. In der gewerblichen Kaninchenhaltung (Fleisch- und Versuchskaninchen) wird das Verfahren einer permanenten Zuchtverwendung bereits seit längerer Zeit mit Erfolg angewandt. Auch in der Rassekaninchenzucht kann es unter bestimmten Voraussetzungen nützlich sein, die Häsinnen 1-2 Tage nach einem Wurf wieder decken zu lassen, wenn z. B. der erste Wurf misslungen ist, neben Ausstellungstieren auch Schlacht- oder Versuchskaninchen erzeugt werden sollen. Nach Berichten aus Züchterkreisen sind gute Erfahrungen besonders bei Zwergrassen gemacht worden, um Verkettungen vorzubeugen und die Jungenzahl bei den mit verminderter Fruchtbarkeit behafteten Zwergen, speziell Rotaugen-Hermelin, zu erhöhen. Auch Züchter von Zeichnungstieren lassen 1-2 Tage nach dem ersten Wurf einen Teil ihrer Häsinnen wieder decken, da die Ausbeute, wenn an gut gezeichneten Jungtieren, deren Zeichnung man gleich nach der Geburt erkennen kann, meist gering ist. Aus Platzgründen muss hier auf weitere Einzelheiten verzichtet werden. Eine ausführliche Darstellung der Zusammenhänge ist vom Verfasser im Blauen Kaninchen-Jahrbuch 1976 erfolgt.
Abb. 9: Ein 5 Tage altes Angora-Jungtier (oben) und 14 Tage alte Rattenjunge (unten) zeigen den deutlichen Unterschied zwischen Kaninchen- und Rattenjungen in Größe und Körperform, so dass eine Verwechslung auch für den Nichtfachmann kaum möglich ist.

Aufzucht der Jungtiere
Kaninchen, die nackt, hilflos und blind geboren werden, sind in den ersten 16-18 Tagen ganz auf die Milch der Häsin angewiesen. Nach 10 Tagen öffnen sich die Augen, nach weiteren 6-8 Tagen bei schlechter Milchleistung der Häsin auch schon früher- beginnen sie, das Nest zu verlassen und zusätzlich feste Nahrung aufzunehmen. Sie unterscheiden sich von den mit ihnen verwandten Hasen (Lepus europaeus) u. a. dadurch, dass letztere behaart und sehend zur Welt kommen und als Nestflüchter bald nach der Geburt das Nest verlassen und feste Nahrung aufnehmen können. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass eine fruchtbare Paarung zwischen Kaninchen und Hasen bisher nicht gelungen ist und wegen der relativ weiten Verwandtschaft eine solche Möglichkeit auch für unwahrscheinlich gehalten wird. Natürlich ist auch eine fruchtbare Paarung zwischen Kaninchen und Ratten nicht möglich (Abb. 9). Ich halte es für nützlich, auf diese Dinge hinzuweisen, weil auch heute noch gelegentlich behauptet wird, dass Kaninchen Ratten anziehen und sich mit ihnen paaren und dieser Irrtum zur Begründung von Verboten einer Kaninchenhaltung mit herangezogen wird. Da die erste Entwicklung der jungen Kaninchen von der Säugeleistung der Häsin abhängt, ist es wichtig, auf diese weitgehend erblich bedingte Eigenschaft bei der Zuchtauswahl besonders zu achten.

Abb. 10: Aus der Abbildung ist klar zu erkennen, dass die Milchleistung zunächst am geringsten ist, dann fortlaufend bis zum 18. Tag ansteigt, um danach wieder abzusinken. Bei weiteren Versuchen war die Milchproduktion der Häsinnen nach 5 Wochen nur noch gering fügig, z. T. bereits erloschen.
Die Milchproduktion einer guten Häsin sollte für eine ausreichende Ernährung von wenigstens 8 Jungtieren genügen. Bei eigenen mit der Literatur gut übereinstimmenden Versuchsergebnissen (Abb. 10) stieg die Milchleistung bis etwa drei Wochen an, um dann zunächst langsam, bald aber bei den meisten Häsinnen schnell abzusinken. Hinsichtlich der absoluten Höhe der Milchleistung und ihrer Dauer gibt es zwischen den einzelnen Häsinnen erhebliche Streuungen.
Eine besondere Fütterung der Jungen ist bei Beginn der Aufnahme fester Nahrung im Allgemeinen nicht erforderlich. Bei ungenügender Säugeleistung der Häsin können Haferflocken und/ oder Babynahrung gute Dienste leisten. Mit Kuhmilch haben wir keine guten Erfahrungen gemacht. Babynahrung, in Liebesperlen-Flaschen gereicht, ist auch für die Aufzucht verwaister Jungtiere geeignet. Die Erfolgsaussichten erhöhen sich mit dem Alter und Ernährungszustand der Jungen.
Kritische Zeiten für die Jungtiere
1. Die zahlenmäßig höchsten Verluste entstehen in der Regel bei der Geburt und in den ersten Stunden und Tagen danach. Der Züchter kann durch Auswahl der Zuchttiere, Verwendung bewährter Häsinnen, ausgewogene Fütterung, optimale Haltung, liebevollen Kontakt zu den Häsinnen, sorgfältige Vorbereitungen auf den Wurf, Beobachtungen vor und Kontrolle nach dem Wurf die Verluste wesentlich verringern.
2. Unspezifische Darmerkrankungen treten von der 5. Woche an – manchmal auch schon früher – besonders bei Drahtgitterboden-Haltung auf. Da erblich bedingte Anfälligkeit und Ansteckung vermutet wird, sollte man nur Jungtiere von nicht erkrankten Würfen für die Zucht auswählen. Ferner scheint sich Zugluft, die bei Haltung auf Gitterböden ohne Kotkästen kaum vermeidbar ist, ungünstig auszuwirken. Deshalb ist den Jungtieren ein Platz mit einer wärmenden, zugfreien Unterlage zur Verfügung zu stellen. Auch eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung von Häsinnen und Jungtieren (Näheres durch den Tierarzt) hat zu Erfolgen geführt. Eine befriedigende Lösung dieses besonders bei Massenhaltung auftretenden Problems ist bisher leider noch nicht gefunden worden.
3. Jungtiere sind von der 6.-16. Woche besonders empfindlich gegen Coccidiose. Sie nehmen die ersten Coccidien durch Fressen von behaftetem Häsinnenkot, durch Aufnahme von mit Kot verschmutztem Futter oder bei der Milchaufnahme aus einem verschmutzten Gesäuge auf. Die Coccidien vermehren sich in Zellen der Darmwand (Darmcoccidiose) oder befallen Zellen der Gallengänge der Leber (Leber- oder Gallengangscoccidiose), werden mit dem Kot der Tiere als Oozysten wieder ausgeschieden, entwickeln sich außerhalb des tierischen Organismus in 2-3 Tagen zu infektionsfähigen Erregern und können dann nach Aufnahme durch die Tiere eine neue Infektion hervorrufen. So entsteht ein Kreislauf, bei dem sich die Erreger es gibt mehrere, zu den Protozoen (Urtierchen) gehörende Arten in Abhängigkeit von den Umweltverhältnissen mehr oder weniger konzentrieren und zur Erkrankung und oft zum Tode der empfindlichen Jungtiere führen.
Untersuchungen des Häsinnenkot auf ihren Gehalt an Coccidien, geeignete Drahtgitterböden, trockene Stallböden bei Haltung der Tiere auf Streu, Absperren der Häsin mit einmal täglich kontrolliertem Säugen, gründliche Reinigung und Desinfektion der Ställe sind bewährte vorbeugende Maßnahmen. Die Verwendung von Coccidiostatica (rezeptpflichtig) vorbeugend oder unmittelbar nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome kann ebenfalls nützlich sein. Es sei empfohlen, den Tierarzt zu Rate zu zie-

