Kurt Binder, 1. Vorsitzender des ZDK – „Das Blaue Kaninchen Jahrbuch“ 1959

Beim Betrachten unserer Ausstellungen müssen wir feststellen, dass sich hier im Laufe der Geschichte der deutschen Rassekaninchenzucht recht wenig geändert hat. Wir stellen unsere Käfige auf, setzen Tiere ein und schmücken mehr oder weniger den Raum aus.

Wenn nun aber eine Ausstellungsleitung glaubt, nur mit Tieren in den Käfigen unserer Sache dienen zu können, so ist sie auf dem falschen Wege. Ja, es gibt sogar Ausstellungen dieser Art, die schädigend für unsere Bestrebungen sein können, wenn die Räume neben ihrer Nacktheit dann auch noch unsauber, d. h. nicht ausgefegt sind, wenn die Einstreu in den Käfigen fehlt und wenn dazu noch ein unmöglicher Ausstellungsraum gewählt worden ist. Unter solchen Umständen sollte man auf jede Ausstellung verzichten. Wer vor die Öffentlichkeit treten will, muss zeigen, dass er selber gepflegt ist. Wir wollen nicht erreichen, dass vielleicht jeder 5. Bundesbürger ein Kaninchenzüchter wird, aber wir wollen auch nicht, dass die Organisation des deutschen Rassekaninchenzüchters einmal zugrunde geht.

Unsere Ausstellungen aber sollten das beste Aushängeschild für unsere Sache sein; wenn wir schon werben wollen, dann nur mittels einer zünftigen Ausstellung. Die Aufmachung der Schau dürfte dabei ausschlaggebend sein. Schon viele Vereine haben uns in alter und neuer Zeit wiederholt gezeigt, wie wirkungsvoll man eine gute Ausstellung gestalten kann, und oft war man überrascht von der Mühewaltung, der sich die Ausstellungsleitung unterzogen hatte.

Viel Grün, kleine Fähnchen, besondere Aufstellung der Käfige, nette Beschilderung, peinliche Sauberkeit, gute Einstreu in den Käfigen, einwandfreie Fütterung, gut durchdachtes Anschauungsmaterial, Werbevorführungen und Vorträge während der Ausstellung, Führung durch die Schau, ein übersichtlicher Katalog, das sind kleine Hinweise, an die jede Ausstellungsleitung denken sollte.

Eine große Bedeutung kommt auch der Werbung vor der Schau zu, wobei wir die Tageszeitung nicht vergessen dürfen. Schon eine Zeitlang vor der Schau sollten kleine Hinweise auf das Kaninchen, die Kaninchenzucht und die Ausstellung in der Tagespresse erscheinen. Jede Tageszeitung nimmt so etwas gerne in kurzer Form an.

Laden wir auch die Schulen ein, denn gerade die Kinder sind recht dankbare Besucher und können es bewirken, dass auch die Eltern noch die Ausstellung besuchen.

Vergessen wir auf der Ausstellung auch nicht, immer wieder die Erzeugnisse aus unserer Kaninchenzucht zu zeigen. Fleisch, Wolle und Felle sollten in guter Aufmachung präsentiert werden. Kleine Kostproben unseres wertvollen Kaninchenfleisches werden gern von jedem Besucher genommen. Auch eine Ankündigung, jedem 100sten Besucher ein Schlachtkaninchen zu überreichen, dürfte die Werbung zum Besuch unterstützen. Auch Pelz- und Angorawolle-Modeschauen verfehlen ihre Wirkung nie. Gerade in letzter Zeit hat es sich noch gut eingeführt, unseren Kaninchenschauen andere kleine Ausstellungen anzugliedern. Sie beleben das Bild der gesamten Veranstaltung. Hübsche Ziervogelgehege, einzelne exotische Tiere, Werbeausstellungen der örtlichen Tierschutzvereine z. B. sind hier besonders zu empfehlen.

Gute Werbeplakate in den Schaufenstern, in den öffentlichen Beförderungsmitteln angebracht oder durch die Straßen getragen, machen manchen Tierliebhaber auf unsere Ausstellungen aufmerksam. Recht wirkungsvoll gestaltet sich immer ein Werbeschaufenster etwa 14 Tage vor der Ausstellung. Geschäftsleute von Samen- und Tierhandlungen, aber auch von Textilgeschäften, wenn sich die Werbung vornehmlich auf Angorawolle erstreckt, stellen gern einmal ein Fenster zur Verfügung. Bedeutet es doch gleichzeitig auch eine Werbung für die eigene Firma. Entgegenkommenderweise kann den betreffenden Geschäftsleuten auch ein Stand auf der Ausstellung eingeräumt werden.

So kann man noch viele Hinweise aufzählen. Wer von den angeführten Hinweisen etwas verwerten kann, sollte dies tun. Es bleibt aber immer der Geschicklichkeit der Ausstellungsleitung überlassen, die Veranstaltung zum Erfolg zu führen.

Wenn ich nun bisher über die Ausgestaltung der Ausstellung für den Besucher gesprochen habe, so dürfen wir dabei auf keinen Fall den Aussteller selbst vergessen. Klare Ausstellungsrichtlinien als Ergänzung zu den allgemeinen Ausstellungsbestimmungen des ZDK sollten stets an erster Stelle stehen. Der Ehrenpreistisch sollte gut ausgestaltet und die Preisverteilung in einer kleinen Feier korrekt vorgenommen werden. Unterbringung und Verpflegung der Tiere sollten ohne Tadel sein. Der selbstgewählte Preisrichter sollte die nötige Achtung finden. Seine Entscheidung ist maßgebend, es sei denn, dass er offensichtlich gegen die uns selbst gegebenen Bewertungs- und Ausstellungsbestimmungen verstoßen sollte, was wohl in den seltensten Fällen vorkommen dürfte. Vermeiden sollte man es vor allen Dingen, in der Öffentlichkeit vor den Besuchern über den Preisrichter oder über unliebsame Dinge zu diskutieren. Es kann unserer Sache nie dienlich sein. Hierzu gibt es an anderer Stelle im internen Kreis bessere Möglichkeiten.

Zu erwähnen sei nun noch die Finanzierung unserer Ausstellungen. Hier muss stets der Grundsatz gelten, Einnahme und Ausgabe müssen vor der Ausstellung ausgeglichen sein. Das Eintrittsgeld des Besuchers darf nie einkalkuliert werden. Es sollte stets der Gewinn einer jeden Ausstellung sein. Kommt also in eine Ausstellung kein zahlender Besucher, so haben wir Pech gehabt. Die Finanzierung der Ausstellung ist ja trotzdem sichergestellt. Kommen dagegen viele Besucher, dann dürfte ein schöner Überschuss für den betreffenden Verein zu buchen sein. Der Verdienst aber bildet den Grundstock für die nächste Ausstellung, oder es wird neues Käfigmaterial beschafft zum weiteren Ausbau der künftigen Ausstellungen.

Wichtig ist aber für jede Ausstellungsleitung, dass nur einer, und zwar wahrscheinlich der Ausstellungsleiter, über sämtliche finanziellen Dinge zu entscheiden hat. Wenn nämlich jedes Mitglied der Ausstellungsleitung selbständig geldliche Ausgaben macht, ohne dass die Ausgabe vom Ausstellungsleiter genehmigt ist, dürfte der finanzielle Misserfolg von vornherein sicher sein. Fast alle großen und kleinen Ausstellungen mit einem Defizit haben bestimmt diesen Fehler aufzuweisen.

Beachten wir daher bei jeder Ausstellung, dass diese geplant, durchdacht, geformt und sachgemäß bearbeitet sein will und im Endeffekt in jedem Falle eine Werbung bedeuten muss.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.