Fr. C. Schaedtler, Rotterdam- „Das Blaue Kaninchen Jahrbuch“ 1959
Zunächst meine aufrichtige Anerkennung den Herren Vorsitzenden des Verbandes der Kleintiergärtner, Siedler und Kleintierzüchter, Zentralverband Berlin, Sektion Kaninchen, und des Zentralverbandes deutscher Kaninchenzüchter, sowie den Bearbeitern des umfangreichen Einheitsstandard, den Herren Joppich und Binder! Durch ihre Arbeit haben sie eine feste Grundlage für eine einheitliche Bewertung in ganz Deutschland geschaffen.
Dies kann nicht hoch genug eingeschätzt werden; es ist von grundlegender Bedeutung für die gesamte deutsche Kaninchenzucht. Seit dem Jahre 1911 verfolge ich u. a. die deutsche Kaninchenzucht und deren Probleme; ich besitze auch die amtlichen Musterbeschreibungen aus dieser gesamten Zeit. Ich weiß um die Schwierigkeiten, die notgedrungen entstehen, wenn in einem Lande drei Standards Gültigkeit haben, und ich denke mit Schrecken an jenes Jahr 1920, als es eine Musterbeschreibung des Landesverbandes Preußischer Kaninchenzüchter, einen Reformstandard, zusammengestellt von der Sächsischen Preisrichtervereinigung, und einen BundesEinheitsstandard, zu deren Bearbeiter meine Freunde Fischer, Hannsen, Meth, Schmidt und Ziemer gehörten, gab.
Seit 1925 bin ich Schriftführer, seit 1927 Vorsitzender der Niederländischen Standardkommission. Unser Grundsatz war stets, die Grundgedanken des Ursprungslandes über Bewertung und Zucht in unserem Standard zu verankern, Einteilung und Text jedoch unseren Richtlinien anzupassen. Dabei darf ich erwähnen, dass bei der Ausarbeitung unseres Standards aus dem Jahre 1927 der 1925 er Bundesstandard eine große Rolle gespielt hatte. Ferner, dass dafür Sorge getragen wurde, dass die rein deutschen Rassen auch nach deutschen Bewertungsrichtlinien gerichtet wurden. Es wurde also bereits damals schon das erste Fundament zu einem internationalen Standard gelegt.
Da liegt er nun vor mir, der deutsche Einheitsstandard 1953, eine saubere, gründliche Arbeit, die den Bearbeitern viel Kopfzerbrechen und manches Problem zu lösen bereitet haben wird. Der Standard zeugt von einem großen Fachwissen und einer reichen Erfahrung, wofür diese und frühere Bearbeiter mit teilweise klangvollen Namen bürgten, denn Standardbearbeiter und Züchterwelt, die sich zu ergänzen haben, haben ihr Teil beigetragen, dass die deutsche Kaninchenzucht seit mehr als 60 Jahren in der Welt mit führend ist.
Die ersten 17 Seiten bringen außer Inhaltsübersicht und Geleitwort die allgemeinen Bestimmungen. Für den neuen Standard waren gerade diese Bestimmungen ein gutes Erbgut, das immer wieder zeitgemäß ergänzt worden war. Auf Seite 21 werden in einer Gewichtstabelle für die einzelnen Rassen Gewicht und Punkte gegenübergestellt. Wir arbeiteten einige Jahre lang im Preisrichterbuch mit Plus- und Minuszeichen, die oft in dem Katalog erschienen und nachher verboten wurden. Seitdem haben wir für „G plus" das Zwischenprädikat GG und für „SG plus" das Zwischenprädikat SSG (ZZG).
Im Allgemeinen fand es in allen unseren Tiersparten Anklang; ich darf jedoch nicht verheimlichen, dass nach der Einführung dieser Zwischenbewertungen eine Verschiebung nach oben stattfand und oft mehr GG, SG und SSG vergeben wurden als gerechterweise zu vertreten war. Das einfache G, das ja noch immer „gut“ bedeutet, wurde entwertet; das war freilich nicht der Zweck des neuen Verfahrens.
Obwohl es eigentlich nicht hierher gehört, möchte ich folgendes kurz erwähnen: In mühseliger Arbeit machte ich einmal eine Aufstellung von den Bewertungen der in Opladen 1952, Bochum 1952, Essen 1952 und Hamm 1953 ausgestellten Tiere.
Schauen also, die ich besuchte und in der Auslandspresse beschrieb. Von insgesamt 6742 gezeigten Kaninchen lagen nur 528 unter 90 Punkten, und von diesen 528 hatten 343 einen Strich. Um es noch genauer zu sagen: 343 + 3 346 Tiere hatten weniger als 86 Punkte. Dies entsprach keinesfalls den Tatsachen, da nach dem letzten Standard 86 bis 90 Punkte immer noch gut bedeuten. Bei jenen Schauen hatte man offensichtlich überbewertet. Ich hatte schon oft im Freundeskreis erwähnt oder in Fachbeiträgen häufig genug zu begründen versucht, dass die Punktbewertung zu sehr in den Wolken liegt und dass die Punkteskala nicht voll ausgewertet wird.
Auf Seite 13 des Einheitsstandards ist zu lesen, dass Doppelwammen bei großen Rassen als leichte Fehler zu gelten haben. Ich möchte meinen deutschen Zuchtfreunden empfehlen, hier schärfer als bisher durchzugreifen und große, schiefe, doppelte, gedrehte und Beinwammen als schwere Fehler zu werten. Ein Deutscher Riese mit schiefer oder doppelter Wamme ist keinesfalls ein schöner Anblick. Im Übrigen wären diese Wammenfehler in fünf bis sechs Jahren sicher ausgemerzt, denn sie beruhen ganz gewiss auf erblicher Veranlagung. Wenn man auch immer wieder hört, dass eine große Wamme Milchreichtum bedeute, so möchte ich betonen, dass diese Ansicht durch nichts erwiesen ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch hinzufügen, dass ganz besonders bei den Deutschen Widdern rücksichtsloser durchgegriffen werden sollte. Man möge die Vatertiere mit ihren hässlichen Wammen oder verkehrt liegenden Knoten nicht übersehen! Ich spreche aus Erfahrung: Seit dem Jahre 1927 gelten bei uns sehr scharfe Wammebestimmungen, und die Zeit hat uns gelehrt, dass man diese unschönen Beigaben unserer Kaninchen sehr wohl unter-rücken und ausmerzen kann.
Die Gewichtstabellen für die einzelnen Rassen (Seite 20 bis 22) – wohl noch Erbgut meines verstorbenen Freundes Karl Königs, Schleiden, natürlich ergänzt oder revidiert, wo dies nötig war? wären desgleichen, einiges zu erläutern. Zunächst: bei den großen Rassen natürlich kein Höchstgewicht. Wir haben unsere Gewichtsbegrenzungen „etwas“ mehr begrenzt, um die Herauszüchtung eines Einheitstyp zu erleichtern. Um einige Beispiele zu nennen: Ich glaube, wir sind uns einig, dass ein Wiener mit 4 bis 4,25 kg den schönsten Typus zeigt. Doch werden erst bei Gewichten über 4,5 kg die vollen 20 Punkte vergeben; das Höchstgewicht liegt danach sogar erst bei 5,5 kg. Ein Elfpfünder kann aber niemals ein typischer Wiener sein, eher ein etwas klein gebliebener Blauer Deutscher Riese. Der Alaska ist am schönsten mit einem Gewicht von 3 bis 3,25 kg.
Kommt er an die 3,5 kg, ja sogar an die 4,0 kg, so bewegt er sich schon stark auf den Typus des Schwarzen Wieners zu. Dies aber ergibt unnötige Schwierigkeiten beim Prämiieren und unzufriedene Züchter. Unser holländischer Standard schreibt dagegen für Wiener 3,5 bis 4,5 kg, für Alaska 2,5 bis 3,5 kg vor. Eine gleichsam „tote Zone“ wie bei den Groß- und Kleinchinchillas von einem Kilogramm konnten wir hier leider nicht aussparen.
Bei einer Neuauflage unseres Standards, Ausgabe 1958, hoffe ich, eine Gewichtstabelle also nicht Gewichtsbegrenzungen arbeiten mit einem aufsteigenden und abfallenden Ast. Danach liegen also rechts und links der Kurve die Punktzahlen niedriger als in der idealen Mitte. Ich werde dann gerne die deutschen Gewichtstabellen zu Rate ziehen.
Und schließlich noch etwas über die Gewichtstabelle: Die Spalte „zulässiges Höchstgewicht“ birgt viele Gefahren in sich. Man sehe sich z. B. Kleinsilber und Holländer mit je 3,25 kg Gewicht an. Wäre das nicht etwas für anständige Mittelrassen? Über die schiefen und doppelten Wammen bei den großen Rassen sprach ich bereits; bei den Deutschen Riesen bringe man sie bei den schweren Fehlern unter, und diese in der Welt der Kaninchenzüchter so berühmte Rasse wird noch mehr gehoben werden. Die Farben sind so nett beschrieben. Wenn man diese Rasse einmal auf deutschen Großschauen nach ihren Farben gesondert einstufen und richten würde, wenn man den Begriff „verwaschene Farben" unter schwere Fehler unterbrächte, dann würde das Niveau des deutschen Riesen sicher noch mehr gehoben werden. Holland verdankt der deutschen Riesenzucht sehr, sehr viel; heute sind wir aber unseren deutschen Zuchtfreunden in einigen Farben überlegen, ganz bestimmt in Weiß, die bei uns in genau denselben Gewichtsbegrenzungen rangieren wie die Grauen und Andersfarbigen. Unsere jungen Tiere werden noch mit einem Gewicht bis zu 5,5 kg mitgenommen; der französische Standard verzeichnet als Mindestgewicht 5,5 kg.
Deutsche Riesenschecken, Rheinische Schecken und Englische Schecken tanzen bei den anhängenden Backenpunkten jede ihren eigenen Tanz. Ein Mangel bei den Deutschen Riesenschecken, zwei Mängel bei den Rheinischen Schecken und keiner bei den Englischen Schecken gelten dort als leichte Fehler. Wir haben hier jetzt forsch durchgegriffen. So gilt bei uns bei allen drei Rassen ein einseitig anhängender Backenpunkt als leichter Fehler, doppelseitig anhängender Backenpunkt als schwerer Fehler. Die betreffenden Spezialklubs haben sich mit dieser Anordnung von oben glänzend abgefunden.
Als Zusatz des deutschen Standards empfehle ich die Berücksichtigung von Beinflecken, die auf den Vorderläufen oder der Brust auftreten können. Nicht zu verwechseln mit den sog. Ellenbogenflecken. Sie gelten bei uns als schwere Fehler; Flecke auf den Hinterbeinen werden dagegen als leichte Fehler gewertet.
Wahrscheinlich wird man aus gewissen „Nutzzucht-Kreisen" von Formalismus sprechen. Das trifft allerdings zu. Aber ist eben dieser Formalismus nicht weiter verbreitet, als man gewöhnlich annimmt? Ist nicht auch die Tatsache, dass ein Shetlandpony nicht mehr als 108 cm Schulterhöhe haben darf, nicht auch
Formalismus? Es gibt in allen Tierzuchtsparten noch Formalismus, und das ist nur gut so; denn auch das Auge will etwas haben. Bei den Deutschen Widdern streben wir bei den Schecken nach Mantelzeichnung, um das Gesamtbild des Typus zu erhalten (70 Punkte für den Typ usw. in Deutschland, 60 Punkte bei uns). In der Schweiz sind Mantel- und Scheckenzeichnung gleichberechtigt. Deutschland spielen sie keine große Rolle.
Ich freue mich, dass die Deutschen Großsilber wieder so augenscheinlich im Kommen sind. Bei uns rangieren sie natürlich in scharf getrennten Klassen mit den hellen Großsilber. Außer den in Deutschland anerkannten Schwarzsilber und Blausilber haben wir – leider nicht allzu viel – Gelb- und Braunsilber; wildfarbenbraune, also nicht havannabraune Großsilber.
Bei Groß-Chinchilla wäre der Begriff „größere Wamme" als leichter Bei den Fehler, da ein dehnbarer Begriff, näher zu umreißen.

1,0 Lohkaninchen, Züchter: Willi Luke, Rünthe
Bei den Blauen Wienern ist die Farbe sehr gut beschrieben; es ist nur schade, dass viele Richter scheinbar nicht wissen, was „tiefgesättigtes, kräftiges Dunkelblau bis Stahlblau mit gutem Glanz“ bedeutet, denn sonst würden nicht so viele deutsche Richter blaue Van-Beveren-Farbige bis mittelblaue Tiere so hoch in die Preise setzen. Mein alter Freund Emil Barth (Geithain) und später Emil Ehrentraut wussten genau, wie ein guter blauer Wiener aussehen musste.
Der Weiße Wiener liegt in Deutschland um 0,5 kg unter dem Gewicht des Blauen. Wir in Holland haben der deutschen Weißen-Wiener-Zucht viel zu verdanken; in unserem Standard von 1958 haben wir das Gewicht für beide Farben auf 3,5 bis 4,5 kg erhöht. Bisher lag das Mindestgewicht bei 3,25 kg.
Wer bei den Roten Neuseeländern Wert auf Farbe legt, verlangt eine cremefarbige bis zart rotgelbe Bauchfarbe (siehe Seite 52, Punkt 6!).
In keinem Lande werden so viele und schöne Japaner gezüchtet wie in Deutschland. Es ist nur schade, dass die Züchter zwei Zuchtrichtungen gestatten und sowohl die „geblümte“ wie auch die „geteilten Ohren halber Kopf zweierlei Vorderläufe, geteilte Brust immer um und um und Zebrazeichnung befürworten. Ich weiß, dass mein Freund Joppich meine Meinung völlig teilt; offenbar hat er sich aber bei den Klubs der Japanerzüchter auch nicht durchsetzen können. Es wäre wünschenswert, dass hier bald eine Wendung eintritt und dass die langen Reihen von Japanern auf den deutschen Großschauen noch länger und einheitlicher werden!
Schade, dass es mit den deutschen Kaninchen nicht so recht vorwärts gehen will. Wir hatten in Holland entzückende, eisengraue und kaninchengraue Wiener, doch diese sind mit einem Male von den Schauen verschwunden. Der Franzose hat noch immer seine wildkaninchen- farbigen Normänner und eisengrauen Bourbonnais. Es ist erfreulich, dass jetzt bei den Deutschen Riesenschecken und den Rheinischen Schecken weniger als drei Seitenflecke auf einer Seite als schwerer Fehler gilt. Wir haben diese Forderung gleichfalls in unserem holländischen Standard 1958 verankert.
Bei den Havannas könnte man die Deckfarbe etwas genauer um- schreiben. Es gibt eben sehr viele Arten von Dunkelbraun; das Nussbraun des Deutschen Riesen, das fuchsige Rotbraun des Hasenkaninchens usw. Wir glauben, in der Bezeichnung „bittere Schokolade“ eine brauchbare Bezeichnung für die gewünschte Farbe gefunden zu haben.
Bei den Thüringern ist der holländische Standard ganz dem deutschen Einheitsstandard angepasst. Denn die Beschreibung der Deckfarbe, der Abzeichen sowie der Unterfarbe ist hervorragend. Die Schweizer gehen dagegen mit etwas mehr rotbraunen Tieren und häufig schwächeren Abzeichen eigene Wege.
Es ist sehr erfreulich, dass bei den Eidgenossen der Thüringer in sonst recht guter Qualität und in großer Anzahl gezüchtet wird. Übrigens: hat ein Thüringer mit „ etwa 3,5 cm“ ein noch längeres Fell als ein Großchinchilla? Meinen deutschen Zuchtfreunden möchte ich empfehlen, das Gewicht des Hasen auf ein Mindestgewicht von 3 kg und ein Höchstgewicht von 4 kg festzusetzen. Man wäre dann in sehr kurzer Zeit die zu kleinen, kurzen und zarten Tiere los; bei 3-4 kg bleibt immer noch genug Spielraum, um lange, drahtige und rassige Tiere erzüchten zu können. Es ist sehr zu begrüßen, dass bei den Marderkaninchen die dunklen reinerbigen Tiere nicht zugelassen sind. Wir haben das auch getan und überlegen uns jetzt, diese Farbe, die in England „Seal" genannt wird (nach der Farbe der Mähnenrobbe), womöglich bei den Rexen und Farbenzwergen zu gestatten. Bei meiner Richtertätigkeit in England habe ich oft gerade bei den Seal-Rexen ganz hervorragende Pelzqualitäten gesehen. Doch ist es aber dringend nötig, die Farbe dieser Tiere genauestens zu bezeichnen, damit nicht schlechte schwarze Tiere mit Rostpartien bewertet werden können, wie es bei uns leider schon der Fall war.
Ich würde es sehr begrüßen – ich habe es schon einmal geschrieben – wenn der Zusatz „mit einem leichten bräunlichen Schleier überzogen“ beim Marburger Feh gestrichen würde. Ich habe die Tiere viele Jahre lang in Mönchengladbach und die Lilac auf der Dairy Show in England gerichtet und wage deshalb, diesen Vorschlag zu machen.
Freund Bergfeld griff vor kurzem in einem beachtenswerten Artikel, veröffentlicht im „Deutschen Kleintier-Züchter", diesen Gedanken einmal auf. Bezüglich des Gewichtes kann man das Marburger Feh ruhig den Havanna und Alaska gleichstellen. Wir haben das immer getan; die Figuren und der Typus werden dadurch gleichmäßiger. Diese kleine Gewichtserhöhung möchte ich auch für die herrlichen Perlfeh und Luxkaninchen empfehlen. Der deutsche Standard kennt nur die mittlere Farbnuance als Ideal. Wir erkennen die Farben Hell, Mittel und Dunkel an und haben darüber hinaus noch einen Schlag mit dunklem Bauch, der genetisch als feh-eisengrau zu bezeichnen ist. Über das sehr hohe Höchstgewicht bei den Kleinsilber habe ich bereits berichtet. Ich hoffe, dass die breitstirnigen, markanten und kompakten Kleinsilber in Dunkel und Mittelschattiert noch recht lange die deutschen Schauen zieren. Leider sieht man die hellen Farben bei den Kleinsilber nur mit etwa 1 bis 2 Prozent! Warum eigentlich? Bedauert man, dass die Unterfarbe bei überjährigen Tieren so sehr verblasst? Und bei den Hellen Großsilber?
Bei den Englischen Schecken möchte ich empfehlen, die Farbe Grau- Havanna und Isabell anzuerkennen. In Eisen-, Kaninchengrau und Havannafarben hat England hervorragende Tiere; wir in Holland haben oft recht schönes Material in Isabell. Man tut den anderen Farben damit nicht weh, das Gesamtbild wird dadurch reicher.
Die Holländer werden, international gesehen, ziemlich gleich gezüchtet und bewertet.
Der Engländer bevorzugt nach wie vor das offene Genick, wir, ebenso wie der deutsche Züchter, dagegen das geschlossene. Doch lassen wir, wohl in Folge alter englischer Bindungen, offenes Genick und durchgehende Blesse als leichte Fehler gelten.
Beim Lohkaninchen ist wenig zu bemerken. Auch hier gelten international die gleichen Zucht- und Bewertungsrichtlinien. Brustfarbe, Höhe und Breite wurden bei uns in Höchstqualität erzüchtet; deshalb und dank der sehr ausgezeichneten Köpfe konnten wir viele Tiere in das Stammland England exportieren. Dagegen rangiert bei uns niedrige Brust unter den schweren Ausschlußfehler.
Bei den Russen verfolgt Deutschland zusammen mit der Schweiz eine einheitliche Zuchtidee. Ihre Züchter bevorzugen die nicht zu große Maske, die bis auf einen leichten Hauch" nicht auf den Unterkiefer übergreift. Das bedeutet bereits ein kleines Zugeständnis, wenn man diesen Punkt mit früheren Standards vergleicht. Das Mindestgewicht wird nach dem holländischen Standard um 250 Gramm niedriger gefordert; unsere Tiere sind demnach im Allgemeinen etwas schwächer.
Das Mindestgewicht des Hermelin wurde bei uns in Anlehnung an den deutschen Standard auf 0,7 kg festgesetzt. Das Höchstgewicht bleibt für die rotäugigen Tiere bei einem Kilogramm, bei blauäugigen bei 1,25 kg. Bei den Farbenzwergen haben wir dieselben Gewichtsgrenzen gesetzt wie beim Rotaugen-Hermelin. Für überjährige Häsinnen wird erstmals ein Gewicht von 1,25 kg genehmigt, um sie als Zuchtmaterial zu erhalten. Das Höchstmaß der Ohrenlänge bei Rotaugen und Farbenzwergen liegt jetzt bei 6 cm, bei Blauaugen bleibt es bei 6,5 cm.
Der Standard des deutschen Angora ist einmalig. Nirgends in der Welt wird das Angorakaninchen so gut und deutlich beschrieben wie dort. Wir haben sowohl in der Wollebeschreibung wie auch im Standard fast gänzlich die deutschen Richtlinien übernommen. Leider bin ich nicht in der Lage, etwas auch über die verschiedenen Rassen zu berichten, da mir die Nachträge fehlen.
Die Rexe haben wir, nicht wie in Deutschland, in vier Gewichtsgruppen eingeteilt, sondern in eine einzige von 3-4 kg zusammengedrängt. Da hier aber noch zuchttechnische Schwierigkeiten zu überbrücken sind, haben wir gestattet, dass die Tiere des laufenden Jahres bis 1. Oktober 1960 ab 2,75 kg prämiiert werden dürfen. In der Haarlänge liegen wir dicht beisammen: Deutschland fordert 18-22 mm, Holland 1620 mm Länge.

1,0 Hermelin Rotauge Züchter: Franz Kieser, Bad Friedrichshall-Jagstfeld
Die Rexe in England – übrigens teilweise sehr gute Tiere – werden nach Typus und Gewicht leider nicht einheitlich bewertet, da dort jeder Spezialklub einen eigenen Standard hat; die verschiedenen Gewichtstabellen fordern Gewichte von 5-10 engl. Pfund. Das Höchstgewicht wird in England dem Castor-Rex zugestanden, und zwar mit 8-10 engl. Pfund. Es ist mir freilich unverständlich, warum der Castor- Rex im deutschen Standard leichter sein soll als Chin-, Blau-, Weiß- und Gelbrexe.
Als Mitglied der Internationalen Standard-Kommission für die Rassekaninchenzucht möchte ich meinen Beitrag mit denselben Worten wie den im letzten Jahrbuch schließen: Möge diese meine objektiv geschriebene Kritik in dem Sinne aufgefaßt werden, in dem ich sie geschrieben habe: Im Interesse einer erfolgreichen deutschen Rassekaninchenzucht und als Beitrag zu einer besseren internationalen Verständigung in Standardfragen.




