Dr. H. Niehaus

Bundesforschungsanstalt für Kleintierzucht, Celle Direktor: Prof. Dr. A. Mehner

„Das Blaue Jahrbuch“ 1973

Vorwort des Verfassers

In den folgenden Ausführungen ist der Versuch unternommen worden, die Haustierwerdung und Rassebildung beim Kaninchen in kurzgefasster und leicht verständlicher Form darzustellen und dabei unser derzeitiges Wissen auf diesem Gebiete zu berücksichtigen. Als Quellen haben in erster Linie die Ausführungen von H. Nachtsheim (1949), ferner die Arbeiten von R. Robinson (1958), Le Roy (1966), K. Dorn (1967), F. Joppich (1965) sowie Artikel aus dem Deutschen Kleintier-Züchter und der Tierwelt gedient. Ferner sind auch die Ergebnisse eigener Versuche berücksichtigt worden. Der Artikel kann selbstverständlich keinen Anspruch auf eine lückenlose Darstellung des Stoffgebietes erheben. Aus Gründen einer besseren Übersicht ist ferner davon Abstand genommen worden, Literaturzitate im Text anzugeben. Wer sich eingehender mit dem Stoffgebiet befassen möchte, dem sei besonders das Standardwerk von H. Nachtsheim (1949) „Vom Wildtier zum Haustier" empfohlen. Es sei ferner auf ein in Vorbereitung befindliches Buch des Verfassers „Vererbung, Züchtung und Vermehrung bei Kaninchen" hingewiesen.

Geschichte und Abstammung

Alle unsere Hauskaninchenrassen, die sich in Größe und Körperform, Haarlänge, Fellfarbe und -zeichnung, Ohrenlänge und anderen Merkmalen voneinander unterscheiden, stammen vom graubraunen europäischen Wildkaninchen ab. Über die Verbreitung der Wildkaninchen in vorgeschichtlicher Zeit sind wir nur lückenhaft unterrichtet. Als eigentliche Heimat gelten die nordwestlichen Küsten des Mittelmeeres, besonders Spanien. Die Iberische Halbinsel war das Hauptverbreitungs- gebiet des Wildkaninchens, als die Aufmerksamkeit des Menschen auf diese Tierart gelenkt wurde.

Das Kaninchen gibt Spanien seinen Namen

Als die Phönizier um 1100 v. Chr. auf ihren Seefahrten an die südlichen Küstengebiete Spaniens kamen, fanden sie dort Kaninchen in großer Zahl vor. Da diese ihnen nicht bekannte Tierart Ähnlichkeit mit dem in ihrer Heimat verbreiteten Klippschliefer besaßen, nannten sie danach das Land „i shephan im“. Das bedeutet „Küste des Klippschliefers bzw. des Kaninchens". Aus diesem „i shephan im" ist später die römische Bezeichnung „Hispania geworden, von den Spaniern heute España“ und von uns Spanien genannt.

Große Anpassungsfähigkeit des Kaninchens ermöglicht weltweite Verbreitung

Inzwischen ist das Kaninchen mit Hilfe des Menschen über alle Erdteile verbreitet und dadurch ein Kosmopolit (Weltbürger) geworden. Die große Anpassungsfähigkeit des Kaninchens hat es ihm ermöglicht, auch mit extremen Umweltverhältnissen (Kälte, Hitze, Trockenheit, Feuchtigkeit und z. T. recht unter schiedliche Nahrungsbedingungen) fertig zu werden und sich dabei im Allgemeinen noch schnell zu vermehren.

Abb. 1: Herkömmliche Haltung der Kaninchen auf Streu. Fütterung mit Grünfutter, Saftfutter, Heu u. a.

Ein schönes Beispiel für die große Anpassungsfähigkeit des Kaninchens an extreme Umweltverhältnisse wurde mir im Februar 1971 bei einem Besuch der Kanarischen Insel „Lanzarote" demonstriert. Hier leben Kaninchen auf den ausgedehnten, fast völlig vegetationslosen Lavagebieten im südlichen Teil der Insel. Nach Angaben unseres einheimischen Reiseleiters ernähren sich diese Kaninchen fast ausschließlich von trockenen Flechten, die in hauchdünner Schicht auf der Lava wachsen:

Auch bei unseren Hauskaninchen ist noch ein erstaunlicher Grad von Anpassungsfähigkeit vorhanden. Sonst wäre es kaum gelungen, Kaninchen von der bisherigen Fütterungsweise (Grünfutter, Saftfutter, Heu u. a.) in relativ kurzer Zeit auf Trocken- Fertigfutter und Wasser als alleinige Nahrung umzustellen und den Tieren auch noch ungewohnte Haltungsformen, z. B. auf Drahtgitterboden, zuzumuten (Abb. 1-3).

Dazu muss allerdings gesagt werden, dass es einer fortlaufen den Zuchtauslese am besten aus einem heterogenen Ausgangsmaterial bedarf, um eine befriedigende Anpassung zu erreichen.

Abb. 2: Moderne Haltung in Innenställen und in mit Futtervorratsbehältern, Selbsttränken und Drahtgitterrosten ausgestatteten dreietagigen Zucht- und Mastbatterien.

Wildkaninchen als Schädlinge

Wegen der guten Anpassungsfähigkeit und der schnellen Vermehrung sind Kaninchen vielfach zur Landplage geworden. Die eifrigen Nager entwickelten einen großen Appetit, haben besonders in den Gebieten, in denen es an natürlichen Feinden und dezimierenden Seuchen mangelte, Saaten und die vorhandene Vegetation verwüstet und den Nutztieren das Futter weg- gefressen. Von den vielen Schäden, über die im Laufe der geschichtlichen Zeit bis in die Gegenwart hinein berichtet worden ist, möchte ich nur zwei Beispiele erwähnen:

Auf der in der Nähe von Madeira gelegenen Insel Porto Santo vermehrten sich die im Jahre 1418 ausgesetzten Kaninchen derartig, dass die dort befindlichen Niederlassungen wegen Verwüstung der Pflanzungen durch die Kaninchen aufgegeben werden mussten. Auch die nach Australien gebrachten Wildkaninchen sind nach starker Vermehrung zu gefürchteten Schädlingen, insbesondere zu Nahrungskonkurrenten für die Schafe, eine dort für den Wollexport lebenswichtige Tierart, geworden. Australien hat Unsummen ausgegeben, um die Ausbreitung der Kaninchen durch Zäune zu verhindern und die Kaninchenhorden durch das Myxomatosevirus auszurotten, leider ohne nachhaltigen Erfolg.

Abb. 3: Die Futtergefäße sind mit Klarsichtscheiben versehen. Die in der Mitte sichtbaren Nippeltränken haben sich bewährt.

Kaninchen als jagdbares Wild

Wildkaninchen sind seit eh und je ein beliebtes Objekt für die Jagd gewesen. In einer französischen Handschrift aus dem Jahre 1393 wird eine Kaninchenjagd mit Pfeil und Bogen dargestellt, an der sich auch Frauen beteiligten. Da Kaninchen Höhlen graben, in denen sie bei einer Verfolgung Schutz suchen, hat man schon seit dem frühen Altertum Frettchen (Abart des Iltis) verwendet, um die Kaninchen aus den Höhlen ins Freie zu treiben. Diese Art der Jagd wird heute auch noch ausgeübt. Die Tiere werden dabei in Netzen gefangen oder mit Schrotschüssen erlegt.

Kaninchen als Fleischlieferant

Kaninchenfleisch war schon bei den Römern beliebt. Es galt besonders bei den Römerinnen als Mittel zur Schönheits- pflege und für ein gesundes Aussehen. Die Römer lernten das Kaninchen und sein Fleisch kennen und schätzen, als sie im dritten Jahrhundert v. Chr. nach Spanien kamen. Sie brachten auch lebende Wildkaninchen mit nach Rom, die dort in eingezäunten Gehegen gehalten wurden. Da die Kaninchen sich schnell vermehrten, konnte man fortlaufend Tiere herausfan- gen, ohne den Bestand zu gefährden.

Die Haltung und Vermehrung von Wildkaninchen in eingefriedigten Gehegen ist lange Zeit die praktisch einzige Form gewesen, um Kaninchenfleisch zu gewinnen oder aber besonders an den Fürstenhöfen – jagdbare Wildkaninchen heranzuzüchten. Für Jagdzwecke wurde nach einem Bericht aus dem Jahre 1407 eine kleine Insel im Schweriner See als Kaninchenwerder eingerichtet. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hinge- wiesen, dass Kaninchenfleisch auch in der jüngsten Zeit eine große Rolle gespielt hat und noch spielt. In Zeiten von Ernährungskrisen, vor allem während der beiden Weltkriege und danach hat das Kaninchen – besonders der arbeitenden Bevölkerung so dringend benötigtes tierisches Eiweiß geliefert. Heute ist das weiße, fettarme Fleisch von jungen Mastkaninchen als Diätkost und Leckerbissen sehr gefragt.

Haustierwerdung

Eine Zähmung der Wildkaninchen konnte bei der vorher er- wähnten Gehegehaltung nicht erfolgen, weil der hierfür erforderliche ständige Kontakt mit dem Menschen fehlte.

Die ersten Schritte zur Haustierwerdung der wilden Kaninchen sind wahrscheinlich durch französische Klöster eingeleitet worden. Dabei dürfte die Tatsache, dass ungeborene Kaninchenjunge als Fastenspeise begehrt waren, die Zähmung der Kaninchen beeinflusst haben.

Um leicht an tragende Häsinnen herankommen zu können, benötigte man kleinere Gehege, in denen sich die Kaninchen nicht eingraben konnten. Auf diese Weise war ein enger Kontakt des Menschen mit dem Kaninchen und ein Schutz der Tiere vor ihren natürlichen Feinden möglich. Das waren aber entscheidende Voraussetzungen für die Zähmung der Wildkaninchen. Sicherlich hat dabei auch eine fortlaufende Auslese der am besten für die Gehege geeigneten Kaninchen stattgefunden. ,

Die ersten gezähmten Kaninchen, die sich durch eine verminderte Scheu gegenüber den Menschen und z. T. auch durch körperliche Veränderungen mit einer Verschlechterung des Seh- und Hörvermögens von den wilden Artgenossen unterschieden, dürften etwa um 1000 n. Chr. in französischen Klöstern vorhanden gewesen sein.

In Deutschland hat sich das berühmte Benediktinerkloster Corvey an der Weser im Jahre 1149 um die Beschaffung von zahmen Kaninchen aus Frankreich bemüht.

Entstehung der Kaninchenrassen

Zu einer Rasse gehören Tiere, die sich in den wesentlichen, für die betreffende Rasse festgelegten Merkmalen gleichen.

Mit dem Auftreten der vom Wildkaninchen abweichenden Körperformen und Fellfarben – im 6. Jahrhundert wird über das Vorkommen von schwarzen, blauen, gelben, weißen und gescheckten Kaninchen berichtet -, war die Rassebildung bereits eingeleitet worden. Der Mensch hat die nach Vielgestaltigkeit strebenden Kräfte der Natur ausgenutzt, um das heute vorhandene bunte Bild der weit über 100 nach Fellfarbe und -zeichnung, Größe und Körperform, Haarlänge und Haarstruktur, Ohrenlänge und Ohrenhaltung und anderen Merkmalen verschiedenen Rassen und Farbenschläge zu entwickeln. Die Grundlagen für die Entstehung neuer Rassen sowie für alle züchterischen Möglichkeiten zu ihrer Verbesserung nach Körpermerkmalen und Leistungseigenschaften sind „Mutationen" und „Kombinationen".

Mutationen

Mutationen (von mutare verändern) sind sprunghafte Veränderungen im Erbgut, die dann auf die Nachkommen weiter- vererbt werden. Die meisten Mutationen sind rezessiv (überdeckbar) und Verlustmutationen. Rezessive Erbanlagen treten nur in reinerbiger Form in Erscheinung. Solange sie in spalterbiger Form vorliegen, können sie sich unentdeckt weiterverbreiten und in einer Tiergruppe ansammeln. Es dauert deshalb meist mehrere Generationen, bis eine mutierte Erbanlage, die z. B. eine Veränderung der Fellfarbe bewirkt, in Erscheinung tritt. Letzteres kann dann geschehen, wenn – meist zufällig – zwei Tiere gepaart werden, die beide das gleiche mutierte Gen (Erbanlage) besitzen. In solchen Fällen wird es bei einem Teil der Nachkommen reinerbig und damit wirksam. Dann können Jungtiere mit z. B. blauer, weißer, schwarzer oder anderen vom Wildtyp abweichenden Fellfarben fallen.

Änderungen des Erbgutes, die keine auffallenden Besonderheiten im Erscheinungsbild bewirken, bleiben meist unerkannt. Sie können sich aber – und zwar meist negativ auf die Gesundheit, Fruchtbarkeit, Wüchsigkeit u. a. auswirken, wenn die Stämme nicht einer fortlaufenden strengen Selektion unterzogen werden. Dabei sind auch positive Effekte möglich.

Über die wirksamen Kräfte, die Mutationen auslösen, wissen wir noch wenig. Durch bestimmte Gifte, z. B. Colchicin, ferner durch radioaktive Strahlen u. a. kann die Mutationsrate (Mutationshäufigkeit) zwar gesteigert werden; es wird aber noch umfangreicher Forschungsarbeiten bedürfen, um mit Hilfe der Molekulargenetik gewünschte Mutationen gezielt hervorzurufen und in den Dienst der Züchtung stellen zu können.

Erbänderungen haben seit eh und je ohne Mitwirkung des Menschen in der lebenden Welt stattgefunden und zu einer immer größeren Vielfalt der Pflanzen und Tiere geführt. Hier taucht nun die Frage auf, warum wir die vielen Hauskaninchenrassen nicht auch in der Wildbahn antreffen. Das ist dadurch zu erklären, dass die meisten Mutationen wie bereits erwähnt Verlustmutationen sind. Reinerbig damit behaftete Tiere sind vielfach nicht lebensfähig oder in ihrer Lebenskraft geschwächt. Während erstere auch in der Gefangenschaft zum Tode verurteilt sind, haben letztere wie z. B. Tiere mit auffallenden Fellfarben, langen Haaren, usw. unter der Obhut des Menschen und geschützt vor ihren Feinden bessere Überlebenschancen als in der Wildbahn. In der Gefangenschaft lassen sich viele Mutationen erhalten und weiterverbreiten, während sie in der Wildbahn ihren wilden Artgenossen im Kampf ums Dasein unterlegen sind und selten längere Zeit am Leben bleiben. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, z. B. das Porto-Santo-Kaninchen, das sich durch bestimmte Veränderungen der dort vorhandenen Umwelt angepasst hat.

Durch die erwähnten Vorgänge (Ansammlung mutierter rezessiver Gene bei Wildtieren und Vernichtung der reinerbigen Mutanten) ist auch die Erscheinung, dass Tiere mit auffallenden Fellfarben, langem Haar u. a. meist kurze Zeit nach der Haustierwerdung in Erscheinung treten, zu erklären. Die Anlagen hierfür sind nämlich nicht etwa durch die Zähmung entstanden, sondern waren meist bereits verdeckt bei den Wildtieren vorhanden, konnten sich in reiner und deshalb sichtbarer Form aber erst bei den vom Menschen in der Gefangenschaft beschützten und betreuten Tiere halten.

Dominante Erbanlagen, z. B. der Punktscheckungsfaktor, der die Scheckung bei Englischen Schecken, Deutschen Riesenschecken u. a. bewirkt, konnten sich naturgemäß beim Wildkaninchen nicht ansammeln, weil sie auch in spalterbiger Form in Erscheinung treten.

Tiere, die keine Scheckung aufweisen (Nichtschecken) können den Faktor für Punktscheckung nicht in verdeckter Form besitzen. Diese Mutation ist deshalb vermutlich in der Gefangenschaft neu entstanden. Tiere, die sich nur durch ein Genpaar in der Fellfarbe vom Wildtyp (Abb. 4) unterscheiden, werden von H. Nachtsheim (1949) als Mutationstypen bezeichnet. Nachstehend einige Beispiele:

Abb. 4: Deutsches Riesenkaninchen, grau, das in der Fellfarbe dem Wildkaninchen gleicht, in den übrigen Körpermerkmalen (Gewicht: ca. 8 kg, Ohrenlänge: ca. 18 cm) aber erheblich vom Wildtyp abweicht.


Abb. 5: Klein-Chinchilla. Die Fellfarbe unterscheidet sich von der Wildfarbe durch das Fehlen des gelben Farbstoffes.

Kombinationstypen

Kombinationen entstehen dadurch, dass man zwei oder mehrere mutierte Anlagen, die sich zunächst getrennt in verschiedenen Tieren befinden, miteinander kombiniert. Bei ausschließlicher Berücksichtigung der Fellfarbe können folgende Beispiele genannt werden:


Abb. 6: Englisches Scheckenkaninchen, schwarz-weiß. Die Scheckung (Punktscheckung) ist dominant über Vollpigmentierung. Die Punktschecken werden in verschiedenen Farben und Größen gezüchtet.

Abb. 7: Kalifornierkaninchen mit Russenzeichnung. Diese Rasse wird in erster Linie als Fleischkaninchen gehalten.

Abb. 8: Rotaugen-Hermelin. Es handelt sich um die kleinste Kaninchenrasse mit einem Normalgewicht von 1,25 kg. Neben weißen gibt es auch farbige Zwerge, die sich in der Fellfarbe und -zeichnung unterscheiden.

Wenn man nicht nur die Fellfarbe, sondern auch alle anderen Körpermerkmale berücksichtigt, sind alle Hauskaninchenrassen durch Kombinationszüchtungen entstanden (Abb. 8, 9, 10). Züchterkönnen und Züchterfleiß haben in der Herauszüchtung und Verbesserung der Kaninchenrassen erstaunliche Leistungen vollbracht. Es sei hier auf die Fachliteratur hingewiesen.

Es gibt noch zahllose Möglichkeiten für weitere Neuzüchtungen und Verbesserungen der vorhandenen Rassen. Als Beispiel sei eine genetisch interessante Neuzüchtung der BFAK genannt, bei der durch eine reinerbige Kombination des Chinchillafaktors mit dem Gelbfaktor weiße Tiere mit dunklen Augen entstehen. Die ersten der von mir erhaltenen Tiere besaßen dunkle Grannenspitzen (Abb. 11). Diese dunklen Grannenspitzen lassen sich, wie von uns bewiesen, wegzüchten, so dass reinweiße Tiere mit dunklen Augen entstehen.

Die Beschäftigung mit den possierlichen Kaninchen, seiner Geschichte und seiner Lebensweise, den interessanten Gebieten der Vererbung, Fortpflanzung und Ernährung ist gerade in der heutigen Zeit der Automation und Fließbandarbeit geeignet, die immer länger werdende Freizeit sinnvoll und besinnlich zu gestalten, weiter in die Geheimnisse der Natur einzudringen und neue Kräfte für den harten Alltag zu sammeln.

Abb. 9: Deutsche Widder, grau. Typisch für Widder sind die Hängeohren (Behang) und der Ramskopf.

Abb. 10: Das aus den USA importierte Weiße Neuseeländerkaninchen ist die am meisten gezüchtete Fleischkaninchenrasse.

Abb. 11: Schwarzgrannenkaninchen als Rasse noch nicht anerkannt – ist genetisch eine interessante reinerbige Kombination des Chinchillafaktors mit dem Gelbfaktor. Dabei löschen sich die Fellfarben gegenseitig aus, so dass weiße Tiere mit dunkelbraunen Augen und dunklen Grannenspitzen entstehen. Die dunklen Grannen lassen sich herauszüchten.

Literaturnachweis

H. Nachtsheim (1949) „Vom Wildtier zum Haustier", Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin.

R. Robinson (1958) „Genetic studies of the rabbit" in: Bibliographia Genetica, DEEL XVII, Verlag Martinus Nijhoff, The Hague, Netherlands

Le Roy (1966) „Elemente der Tierzucht“, Genetik Mathematik Populationsgenetik, Bayrischer Landwirtschaftsverlag, München, Basel, Wien.

K. Dorn (1967) „Rassekaninchenzucht", Neumann Verlag, Radebeul 1

F. Joppich (1965) „Das Kaninchen“, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.