Von Willi Lackenbauer, Lauda-Königshofen

„Das Blaue Jahrbuch“ 1993

Nachdem die Verfütterung von Fertigfutter in der Kaninchenzucht ein erprobtes und sicheres Verfahren ist, liegt die Überlegung nahe, dass selbst gemischte Kraftfutter in seinen Inhaltsstoffen möglichst weitgehend daran anzupassen. Hinsichtlich des Eiweiß- und Energiegehaltes ist dies kein Problem.

Es gelingt aber nicht, den hohen Rohfasergehalt eines Fertigfutters zu erreichen. Deshalb ist von vornherein wichtig zu wissen, dass solche Futtermischungen niemals zur Sattfütterung eingesetzt werden können und immer als Beifutter Heu oder älteres Grünfutter gegeben werden muss. Dafür haben diese eigenen Mischungen den Vorteil, dass sie weniger kosten als Fertigfutter und der Futteraufwand ungefähr 1 Drittel niedriger ist, da Mischungen aus Getreide und Sojaschrot in ihren Nährstoffen konzentrierter sind.

Die Herstellung dieser Mischungen ist sehr einfach. Man wiegt die Anteile der Einzelfuttermittel ab und schüttet diese in einem entsprechend großen Behältnis zusammen. Da solche Mischungen von Zeit zu Zeit immer wieder hergestellt werden, sollte man beim ersten Mal die Anteile wiegen und sich für eine bestimmte Menge ein Maß herstellen. Nach Volumen zu mischen ist nicht genau genug, denn 1 kg Hafer hat deutlich mehr Rauminhalt als 1 kg Weizen. Andererseits kommt es auf 1 oder 2% Genauigkeit nicht an. Die Mischungen sind genauso haltbar wie Fertigfutter bei entsprechender Lagerung. Aber je nach Verbrauch ist es nicht sinn- voll, Mengen von mehr als einem Zentner anzumischen.

Schwierig ist die Beimischung des pulverförmigen Mineralfutters. Dies Pulver haftet nicht an den Getreidekörnern, so dass es sich leicht entmischt und sich am Behälterboden absetzt. Eine Möglichkeit besteht darin, unmittelbar vor der Entnahme des Kraftfutters zum Verfüttern geringe Mengen des Mineralfutters darüber zu streuen, oder nach dem Einfüllen des Kraftfutters in die Futter- tröge etwas Mineralfutter darauf zu streuen. Beide Lösungen sind sicher recht ungenau, aber aus eigener Erfahrung ist bekannt, dass es dabei keine Probleme gibt. Es sei auch daran erinnert, dass Mineralfutter nur in kleinen Men- gen gekauft werden soll, da die Haltbarkeit der Vitamine nur etwa 3 Monate beträgt, wie übrigens im Fertigfutter auch. Für Züchter, welche sich mit dieser Materie näher befassen wollen, wird nachfolgend die Berechnung von Kraftfuttermischungen näher dargestellt. Dies wird umso interessanter, je größer der Tier- bestand ist, da sich hier der Einsatz von eigenen Mischungen weit mehr kostensparend auswirkt als in kleinen Beständen. Im Anhang meiner Broschüre findet sich ein leeres Berechnungsformular für eigene Rechenversuche. Für den praktischen Gebrauch genügt es aber, sich die Futtermischungen Nr. 1 bis 5 etwas genauer anzusehen. Dabei lässt sich Getreide durchaus gegeneinander austauschen. Die Berechnung von Kraftfuttermischungen In Spalte 1 sind die Einzelfuttermittel aufgeführt. In Spalte 2 wird der Anteil an der Mischung in Prozent eingetragen, in Spalte 3 und 4 sind die aus der Futterwerttabelle im Anhang entnommenen Gehaltswerte eingetragen. In Spalte 5 wird der Gehalt an Eiweiß in Spalte 3 mit dem Anteil multipliziert und dann durch 100 dividiert. Dasselbe gilt für Spalte 6. Hier wird der Energiegehalt in Spalte 4 mit dem Anteil multipliziert und durch 100 dividiert. Schließlich sind am Ende der Tabelle die Gehalte in Spalte 5 und 6 zu addieren und dem Sollwert gegenüberzustellen.

Sind beide Werte höher als der Sollwert, so ist die Mischung konzentrierter als Fertigfutter, und die Futtergabe kann entsprechend verringert werden.

*Auszug aus dem Werk „Kaninchenfütterung – tiergerecht, naturnah, wirtschaftlich“, von Willi Lackenbauer, Oertel + Spörer, Reutlingen, 1992.

Beispiele für Futtermischungen

Sicher ist es möglich, mittels beiliegendem Rechenfomular eine Mischung bis zur völligen Übereinstimmung mit Fertigfutter zu rechnen. Für die praktische Fütterung ist dies nicht nötig, es genügt völlig, wenn man sich an nachfolgenden Beispielen orientiert. Dabei muss nochmals betont werden, dass die Mischungen hinsichtlich Eiweiß und Energie konzentrierter als Fertigfutter sind, und der Rohfasergehalt zu gering ist, um die Kaninchen mit diesen Mischungen, ohne Heu oder Grünfutter, satt zufüttern. Zudem enthalten diese Mischungen keine Wachstumsförderer in Form von Fütterungsantibiotika. Dies wird der eine Züchter als Nachteil, der andere als Vorteil betrachten. Dafür ist der Futteraufwand etwa um 25% geringer, und der Preis für die Mischungen liegt deutlich unter dem Preis für Fertigfutter. Das heißt ganz einfach, dass sich mit eigenen Mischungen die Futterkosten in etwa halbieren lassen. Dafür muss man etwas Zeit für die Herstellung der Mischungen aufwenden, die Fütterung besser kontrollieren und die Tiere mehr beobachten, besonders die Beschaffenheit des Kots. Dafür kann man aber gezielt füttern. Hat der Züchter den Eindruck, dass die Tiere verfetten, wird er zunächst die Futtermenge verringern oder Weizen gegen Gerste austauschen, damit sich der Energiegehalt vermindert. Besteht der Eindruck, dass die Tiere schlecht wachsen, kann die Futtermenge gesteigert werden.

a) Mischung 1 15% Sojaschrot, 85% Weizen Diese Mischung enthält im Verhältnis etwas zu viel Energie und ist deshalb geeignet, wenn gleichzeitig Grünfutter oder im Winter junges Heu gefüttert wird. Wird der Weizen durch Gerste ersetzt, geht der Energiegehalt etwas zurück. Die Mengen sind auf 75% der Fertigfuttergaben zu begrenzen.

b) Mischung 2 15% Sojaschrot, 85% Hafer Diese Mischung ist energieärmer als Mischung 1. Durch den hohen Spelzenanteil des Hafers ist der Rohfasergehalt höher und kann deshalb auch als Kraftfutter bei sehr jungem Grünfutter gegeben werden. Allerdings wissen wir vom Hafer, dass er besonders bei den kleinen Rassen, zu frühem Erwachen des Geschlechtstriebes führt. Wer diese Probleme hat, kann statt 85% Hafer auch 45% Gerste und nur 40% Hafer nehmen. Auch werden die Spelzen nicht immer gut gefressen, so dass sie im Trog liegen bleiben.

c) Mischung 3 20% Sojaschrot, 40% Weizen, 40% Gerste Diese Mischung ist deutlich konzentrierter als Fertigfutter und eignet sich deshalb ganz gut für säugende Häsinnen. Aber auch hier sollte man die Futtermenge auf etwa 75% der üblichen Fertigfuttergabe begrenzen. Diese Beispiele sollen genügen, es ist aber zusammenfassend auf einige wichtige Punkte hinzuweisen, die unbedingt beachtet wer- den sollten:

1. Die Kaninchen sollten mit diesen Mischungen nicht satt gefüttert werden und immer ist zusätzlich Heu bzw. Grünfutter anzubieten. Trotz begrenzter Menge erhalten dann die Tiere genauso viel Eiweiß und Energie, wie bei Sattfütterung mit Pellets.

2. Mineralfutter sollte zusätzlich beigemischt werden in einer Menge von etwa 1 kg je Zentner Futtermischung (siehe Abschnitt Mineralstoffe), dies entspricht gerade 2%.

3. Es darf nur trockenes Getreide verwendet werden, da es sonst schimmelt, was bei den Tieren zu Problemen führen kann. Außerdem sollten keine zu großen Mengen angemischt werden.

4. Der Übergang von Fertigfutter zu solchen Mischungen darf nicht schlagartig erfolgen, sondern gleitend. Wer das Risiko scheut, die Futterkosten aber trotzdem im Auge hat, fährt nicht schlecht, wenn bei der Fütterung Pellets weitergegeben werden, jedoch nur die Hälfte, und der Rest durch eine die-er Mischungen ersetzt wird.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.