Lothar Thormann, Waldheim- „Das Blaue Jahrbuch“ 2012

Im Frühjahr sowie in den Sommermonaten kann tagsüber das Klima auch Kaninchenställe bei Hitze überaus negativ beeinflussen. Teilweise gibt es ebenfalls nachts relativ hohe Lufttemperaturen.

Obwohl die Meteorologen erst bei einer Lufttemperatur von über 25 °C von Hitze sprechen, müssen wir in Innen- und Außenställen dazu die herrschende relative Luftfeuchtigkeit und die Luftbewegung als wesentliche Merkmale des Stallklimas berücksichtigen und ebenfalls in Betracht ziehen.

Beispiele für solche extremen Wetterlagen im Sommer finden wir z. B. im Hitzejahr 2003 mit dem August-Rekord für Deutschland in Karlsruhe und Freiburg von 40,2 °C!

Aber auch im Jahr 2010 mit sehr hohen Temperaturen in den Monaten Juni und Juli sowie im Jahr 2011 mit seinem zweitwärmsten Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 wurden z. B. besonders in mittleren und südlichen deutschen Bundesländern auch Tierställe wie die unserer Kaninchen samt ihrer Tierbestände stark belastet. (1)

Attraktive Kletterpflanzen begrünen den Außenstall und vermindern dadurch an Sonnenseiten die übermäßige Erwärmung.

In vielen Kaninchenhaltungen kann es dann vor allem bei erwachsenen Tieren schnell zum Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit kommen. Die Zuchtergebnisse von Rammlern und Häsinnen sinken teilweise erheblich. Muttertiere lassen in der Milchleistung nach, die Aufzucht leidet, es wird weniger Futter aufgenommen. In Ställen, während des Transports und bei Ausstellungen im Freien kommt es für manchen Züchterfreund unverhofft zu Kreislaufschocks oder Hitzschlägen seiner Tiere, die meistens mit Verlusten enden.

Die Hitze im Stall und die Klimawerte

Es ist angebracht und bei heißen Wetterlagen dringend nötig, mit einfachen Messgeräten manuell das Stallklima ständig im Blickfeld zu behalten.

Auch während eigener Abwesenheit (Beruf, Urlaub, Krankheit) müssen durch eine sehr zuverlässige Person neben der Tierversorgung auch und besonders im Sommer die klimatischen Verhältnisse im Stall beobachtet sowie notfalls schnell und nachhaltig verbessert werden. Äußere Kennzeichen an den Kaninchen sind häufiges Flachliegen, das Hecheln beim Luftholen und das Absondern von Speichel aus dem Maul.

Innenställe können durch große offene Fenster mit drahtbespannten Wechselrahmen optimal be- und entlüftet werden.

Durch rechtzeitiges Handeln lassen sich betroffene Kaninchen nach dem Umsetzen in kühle Räume oder das Behandeln der Ohren mit kalten, feuchten Tüchern retten. Bei frischem Tränkwasser beginnen solche Tiere langsam wieder zu fressen.

Von den zahlreichen Angaben in der Übersicht „Stallklimatische Rahmenbedingungen für die Kaninchenhaltung“ von W. Schlolaut (2) kontrollieren wir besonders folgende wichtige Eckwerte sowie den derzeitigen Zustand bei der Unterbringung und Versorgung der Tiere. Das nachfolgende übersichtliche Merkblatt hat sich als Hilfsmittel in meiner Zucht gut bewährt:

Checkliste: Soll-Zustand Sommer-Stallklima für Hauskaninchen

Anmerkung: Über den Ist-Zustand des Stallklimas sollte der Tierhalter bzw. Züchter bei extremen Wetterlagen Notizen mit Datum in einem Stallbuch machen

Kaninchen benötigen für normale Lebensbedingungen eine Raumtemperatur von 10 bis 18 °C (Zuchttiere), Jungtiere von etwa 20 °C. Beengte Unterbringung der Kaninchen und Mängel bei ihrer Versorgung, bei der tierärztlichen Betreuung sowie hinsichtlich Sauberkeit und Hygiene müssen bei Hitzestress unverzüglich geändert, d.h. verbessert werden. Dazu gehören das Umsetzen der Tiere in größere Stallabteile oder in kühle Räume, laufendes Ausmisten zumindest der Kotecken und Kotschubladen, die Anbringung erhöhter Ebenen an Innenseiten oder Rückwänden. Tägliches ausreichendes Frischwasser und leicht verdauliches, leistungsgemäßes Futter für Alt- und Jungtiere müssten eigentlich selbstverständlich sein.

Außenställe mit hohen, weit vorspringenden Dächern im Schatten eines großen Baumes mindern starke Sonneneinstrahlung und Hitze.

Hitzeschutz durch kurzfristige Baumaßnahmen

• Außenställe:

Dächer der Außenställe erhalten durch Befestigung wasserfester Dämmplatten zusätzlichen Hitzeschutz. Der Dachvorsprung sollte dabei weiter vergrößert werden. Sonnenschirme oder Planen sind nicht ausreichend und windanfällig. Der Sonne ausgesetzte senkrechte Stallflächen (Seiten, Rückwände oder Fronten) sind mit luftdurchlässigen textilen hellen Vorhängen (keine Plastikplanen!) oder Dämmplatten zu versehen. Vorderflächen mit Türen werden mit Abstand so beschattet, dass ein ausreichender Futtergang vorhanden ist.

• Innenställe:

Öffnen von Fenstern und Türen ohne Schaffung von Zugluft und evtl. Nutzung eines Tisch- oder Deckenventilators. Für Stallanlagen mit Innenställen in ungedämmter Holz- oder Massivbauweise können als Trockenbaumaßnahmen nachträglich Dämmplatten montiert werden. Der umgehende Einbau eines Lüftungsschachtes in das Dach oder die Seitenwände bzw. eines Fensters bei einem Stallinnenraum ist empfehlenswert.

Extreme Witterungseinflüsse veranlassen uns Züchter je nach örtlicher Lage und Jahreszeit immer wieder zu besonderen Entschlüssen für den Schutz und das Wohlbefinden unserer Kaninchen. Im Fachhandel und auf Baumärkten sind alle benötigten Materialien erhältlich, um kurzfristig das Stallklima zu verbessern.

Eine stabile innere Stahlrohr- Gittertür gewährleistet für die Innenstall-Anlage einen sicheren Türverschluss auch bei tagsüber geöffneter Außen- tür. (Fotos: L. Thormann, Waldheim)

Hohe Temperaturen in Stallanlagen, besetzt mit Kaninchen unterschiedlichen Alters, müssen nicht Rückschläge in der Zucht oder sogar Tierverluste nach sich ziehen. Die obigen Ratschläge und Hinweise aus Theorie und Praxis sollen dazu beitragen.

Literaturquellen:

(1) Internet-Infos des Deutschen Wetterdienstes unter „Deutschlandwetter“

(2) W. Schlolaut: „Das große Buch vom Kaninchen“, DLG-Verlag Frankfurt a. M. 1995, S. 234

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.