Joh. D. Riekemann, Das Blaue Jahrbuch 1982

In unserem Standard wird die Körperform der Kaninchen allgemein wie folgt beschrieben: der Rumpf ist ebenso breit wie hoch oder tief. Rumpfbreite und -tiefe sollen etwa ein Drittel der Körperlänge betragen (man spricht hier von einem Verhältnis von 1:1:3). Sonderbestimmungen bei den einzelnen Rassen sind zu berücksichtigen und werden bei den einzelnen Rassen laut Standard wie folgt beschrieben: Deutsche Riesen: Unsere Riesenkaninchen sollen ihrem Namen voll gerecht werden und haben daher einen großen, gestreckten Körper und einen breiten, tiefen Rumpf, der vorne und hinten gleich breit und stark bemuskelt sein soll. Die Stellung ist hoch und soll ausreichend Bodenfreiheit haben; der Abstand der Bauchpartie vom Boden soll genügend groß sein. Deutsche Widder: Hier soll die Körperform gedrungen, breit und massig sein; sie soll jedoch nicht plump erscheinen. Der Rumpf sei daher kurz und breitschultrig. Die gut abgerundete Hinterpartie ist bemerkenswert ausgeprägt. Der Nacken ist kräftig und kurz, und eine merkliche Halspartie sollte nicht vorhanden sein. Meißner Widder: Der Körper ist weniger gedrungen und nicht so massig wie beim Deutschen Widder; erscheint daher leicht gestreckt, wobei Brust und Hinterpartie breit sein sollen. Die Stellung ist mittelhoch mit einem gewölbten und hinten gut abgerundeten Rücken. Helle Großsilber: Hier wird der gedrungene und walzen- förmige Körper mit breiter Brust und vollem Becken verlangt, wobei die Schultern breit und kräftig bemuskelt sind. Der Rücken hat eine leichte Wölbung und ist hinten gut abgerundet. Groß-Chinchilla: Leicht gestreckt, aber dabei trotzdem walzenförmig; vorn und hinten gleich breit soll hier der Körper sein. Die Rückenlinie sei ebenmäßig und hinten gut abgerundet. Englische Widder: Gegenüber dem Deutschen Widder ist hier die Körperform schlanker und feingliedriger. Die Vorderhand ist tief, wogegen die Hüften hoch liegen. Durch diese eigenartige Stellung treten sie auffallender in Erscheinung. Die Qualität der Ohren wird hier ebenfalls beurteilt, wogegen die Behanglänge und -breite besonders beurteilt werden. 96 Deutsche Großsilber: Der Körper erscheint etwas gestreckter, aber trotzdem gut ausgeglichen, wobei eine mittel- hohe Stellung verlangt wird. Blaue Wiener: Der Körper ist leicht gestreckt, dennoch walzenförmig, vorne und hinten gleich breit mit einer ebenmäßigen und gut abgerundeten Rückenlinie versehen. Die Brust ist hier besonders voll ausgeprägt. Weiße Wiener: Ist im Ganzen etwas kleiner als der Blaue Wiener. Doch wird aber an die Körperform die gleiche Forderung gestellt, wobei die gedrungene Walzenform besonders ausgeprägt sein soll. Schwarze Wiener: Hier werden die gleichen Forderungen an die Körperform gestellt wie bei dem Blauen Wiener. Graue Wiener: Der Körper ist ebenfalls walzenförmig, vorn und hinten gleich breit und mit ebenmäßiger und gut abgerundeter Rückenlinie versehen. Die Brust ist voll ausgeprägt mit kurzem Hals und kräftigem Nacken. Weiße Hotot: Eine leicht gestreckte Walzenform, ähnlich dem Weißen Wiener, jedoch etwas länger und höher gestellt.

Rote Neuseeländer: Leicht gestreckte Körperform, walzenförmig, vorn und gleich breit mit ebenmäßiger und gut abgerundeter Rückenlinie.

Weiße Neuseeländer: Ist ein ausgesprochenes Fleischkaninchen und soll dieses eindeutig ausweisen. Verlangt wird daher ein gedrungener, blockiger, breiter, vollrumpfiger und stark bemuskelter Körper. Auffallend kräftig und gut abgerundet seien der Hinterkörper und die Schenkel. Hier erscheinen die Läufe verhältnismäßig kurz, breit gestellt und kräftig.

Kalifornier: Mit gedrungenem Körper, Rücken und Hinterpartie gleich breit und stark bemuskelt. Die ebene Rückenlinie geht am Hinterkörper in eine gute Rundung über. Ein guter Fleischansatz soll sichtbar sein.

Japaner: Auch hier wird ein walzenförmiger, gedrungener, vorn und hinten gleich breiter Körper mit ebenmäßiger und gut abgerundeter Rückenlinie verlangt.

Rheinische Schecken: Leicht gestreckter, walzenförmiger, vorne und hinten gleich breiter Körper, mit ebenmäßiger und gut abgerundeter Rückenlinie.

Thüringer: Gedrungener, mit breiter Brust und Hinterpartie versehener Körper mit schön geschwungener und abgerundeter Rückenlinie.

Weißgrannen: Hier werden die gleichen Forderungen an die Körperform wie beim Thüringer gestellt.

Hasen: Der Körper ist gegenüber den anderen Rassen langgestreckt, schnittig und hochgestellt. Der Bauch tritt nur wenig in Erscheinung. Der Rücken ist fein gewölbt mit schöner Lendenpartie. Die Brust wird frei und hoch getragen. Die Körperform soll, der des Feldhasen ähneln.

Satin: Mit leicht gedrungenem Körper und ebenmäßiger und gut abgerundeter Rückenlinie.

Alaska: Gedrungener und blockiger Körper, vorn und hinten gleich breit, Rückenlinie ebenmäßig und gut abgerundet.

Havanna: Die gleichen Forderungen wie beim Alaska.

Klein-Schecken: Gedrungener, walzenförmiger Körper mit ebenmäßiger und gut abgerundeter Rückenlinie.

Deutsche Kleinwidder: Gedrungener, breitschultriger Körper mit breitem, gut abgerundetem Becken und einem kräftigen und kurzen Nacken.

Klein-Chinchilla: Breiter und gedrungener Körper, die Rückenlinie ebenmäßig und hinten gut abgerundet.

Deilenaar: Körperform und Rückenlinie wie Klein-Chinchilla.

Marburger Feh: Hier ist der Körper leicht gedrungen; besitzt feine Gliedmaßen mit ebener und gut abgerundeter Rückenlinie.

Sachsengold: Mit kurzem und gedrungenem Körper.

Luxkaninchen: Auch hier ein leicht gedrungener Körper mit ebenmäßiger Rückenlinie.

Perlfeh: Wie Luxkaninchen.

Kleinsilber: Kurzer und gedrungener Körper mit feingliedrigen Läufen.

Englische Schecken: Mit leicht gestrecktem Körper und feinen Gliedmaßen, die eine mittelhohe Stellung ergeben. Der Kopf ist nicht so direkt am Rumpf angesetzt wie bei den kurzgedrungenen Rassen.

Holländer: Mit kurzem, gedrungenem Körper und ebenmäßig abgerundeter Rückenlinie. Der kurze Kopf sitzt dicht am Rumpf.

Lohkaninchen: Der Körper ist hier gedrungen und walzenförmig mit kurzem Kopf, der dicht am Körper angesetzt ist.

Marderkaninchen: Hier soll der Körper leicht gedrungen sein.

Russen: Wie Marderkaninchen.

Widderzwerge: Mit kurzem, gedrungenem Körper, breitschulterig, mit einer schönen Rückenlinie und breitem, gut abgerundetem Becken.

Hermelin: Die Körperform ist gedrungen, walzenförmig, vorn und hinten gleich breit und mit kurzer, gut abgerundeter Rückenlinie versehen.

Farbenzwerge: Hier wird die gleiche Körperform wie beim Hermelin gefordert.

Rexkaninchen: Der Körper ist leicht gestreckt, Vorder- und Hinterpartie seien möglichst gleich breit und ausgeglichen. Die Rückenlinie verläuft ebenmäßig, die Hinterpartie ist gut abgerundet. Infolge der Kurzhaarigkeit treten die einzelnen Körpermerkmale schärfer in Erscheinung.

Rex-Zwerge: Mit gedrungenem, walzenförmigem Körper, vorn und hinten gleichmäßig breit. Auch hier treten die Körpermerkmale schärfer in Erscheinung.

Angora: Der Körper ist leicht gestreckt, walzenförmig. Bei genügender Breite und Tiefe soll der Rumpf gut geschlossen sein. Bei voller Wolle ist die Beurteilung der Körperform schwieriger; körperliche Mängel können leicht verdeckt werden.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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