Heidrun Eknigk, Finsterwalde – „Das Blaue Jahrbuch“ 2007

Es spricht für Leidenschaft und ehrliche Begeisterung, wenn die Worte des Generalsekretärs der Entente Européenne d’Aviculture et de Cuniculture und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Kleintierzucht Gion P. Gross im Protokoll der EE-Generalversammlung im niederländischen Leudsen festgehalten wurden: „Zuerst wollen wir uns jetzt aber alle freuen – freuen auf eine Super-Europaschau mit einer gigantischen Beteiligung aller EE-Länder. Unterstützen Sie diese Schau, zeigen Sie die Arten und Rassen Ihrer Länder – eine bessere Gelegenheit werden wir wohl nie mehr erhalten „Leipzig ruft – Leipzig, wir kommen!“

„Zu Gast bei Freunden“ – dieser Slogan galt für das jüngste Highlight aller WM-Teilnehmer und Fußballfans in Deutschland und behält durchaus für das „tierische Event“, zu dem sich Kleintierzüchter in Leipzig treffen und in der Zeit vom 8. bis 10. Dezember 2006 ihre züchterischen Ergebnisse anlässlich der 25. Europaschau präsentieren werden, seine Gültigkeit.

Darf es als Anerkennung der Gastgeber und des Organisators des Landesverbands Sachsen/Deutschland sowie des Jubiläums der besonderen Art gewertet werden, dass gleichzeitig die 1. Europa-Jugendschau aus der Taufe gehoben wird? Recht so! Die Popularität und Größe der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft wird eine so große Ausstellung mit verschiedenen Tierexponaten nicht erlangen. Aber für Zuchtfreunde aller Genres ist es das erstrebenswerte Ziel, mit oder ohne Tiere dabei zu sein. Beachtet man die gesamten, gründlichen Anstrengungen der EE- Kommission unter Vorsitz des Niederländers Jo Vanhommerig im Rahmen der Sparte Rassekaninchen, die Schaffung von Möglichkeiten, dass Rassen aus den neuen Mitgliedsländern in die Bewertungsmodi eingefügt werden, die gemeinsame Preisrichterschulung in Schweden und nicht zuletzt die Fleißarbeit des Ausrichters, so ist allen Gremien bereits heute schon ein großes Lob auszusprechen. Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten führt zum Erfolg. (Henry Ford, erwähnt von Gion P. Gross) Die Worte sind passend, regen aber auch dazu an, über den Begriff „zusammen“ in der europäischen Rassekaninchenzucht nachzudenken.

Bei all den Vorbereitungen für eine so große Ausstellung muss man sich die Frage stellen, was geschieht danach?

Da arbeitet eine Standardkommission eine Musterbeschreibung für eine nicht in jedem Mitgliedsland der Entente Européenne d'Aviculture et de Cuniculture zugelassene Kaninchenrasse aus. Diese Rasse wird ausgestellt, bewertet, gefällt beispielsweise den Zuchtfreunden, in deren Land die Rasse als solche nicht anerkannt ist. Ausgehend von Deutschland, kann ein Zuchtfreund seinen Wunsch beim Verlassen der Messehallen Leipzig gleich wieder vergessen, denn das Prozedere der Neuzucht wird ihm gar nicht erst erlaubt es herrscht gegenwärtig ein Stopp für Neuzuchtanträge. Am Beispiel der Holländerkaninchen, japanerfarbig blau-gelb- weiß, soll einmal der Wahnwitz der Neuzuchtmeldung einer in der Entente zugelassenen Rasse oder eines Farbenschlages erklärt werden:

Dreifarbige Holländerkaninchen sind in drei europäischen Ländern in den Farben Schwarz-Gelb-Weiß, Blau-Gelb-Weiß und Braun-Gelb-Weiß anerkannt. Die deutschen Zuchtfreunde mussten einen Antrag stellen, um den neuen blau-gelb-weißen Farbenschlag als Neuzucht nach deutschem Standard zu führen.

Stellt eine solche Gemeinschaft einer bestimmten Anzahl an Neuzüchtern nicht eine bestimmte Anzahl an Tieren auf Bundesschauen aus, erfolgt keine Rasseanerkennung. Erfahrungen der Autorin sind dahingehend, dass sich viele Interessenten finden lassen, die aber den Zwang zur Ausstellung auf Bundesschauen scheuen. Weite Fahrten und die Höhe der Ausgaben können durchaus ein Grund sein, die ein Engagement für eine Neuzucht so unattraktiv werden lassen.

Bei lokalen Schauen werden Neu- und Nachzuchten nicht bewertet. Wen interessiert heute noch ein unbewertetes Tier? Leider ist es doch so, dass schöne Tiere erst mit einer Höchstbewertung die Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Erklärung zur Betonung „deutscher“ Standard. Ein Holländerkaninchen wird in den einzelnen Ländern in seinem Körpergewicht nicht kongruent gezüchtet, zum Beispiel liegt das Idealgewicht in Deutschland über dem der gleichen Rasse in den Niederlanden.

Solche Gewichtsabweichungen gibt es auch bei den Kleinschecken, die in anderen Ländern noch unter der herkömmlichen Bezeichnung „Tschechische Schecken“ gezüchtet werden.

Ein Standard für alle Rassen und Länder?

Mag sein, dass der Gedanke an einen gemeinsamen Standard, der in allen Ländern gilt, erst einmal Empörung und Protest hervorruft. Doch erinnert man sich an die Arbeit aller Gremien (Standardkommission, Preisrichterverbände) in Vorbereitung zur 25. Europaschau, liegt doch der Gedanke nahe, generell alles unter den berühmten „einen Hut“ zu bringen, wie es der gegenwärtig geltende Europastandard 2003 anhand der bisher 80 Rassen demonstriert.

Die Angleichung der Rassen an die bestehenden Standards der jeweiligen Rassen ist hier für jedes Land bestens gelöst, weil Bilder in diesem Fall ein sprachergänzendes Mittel sind.

Die unterschiedlichen Namen der Rassen werden genannt und durch Bilder ergänzt. Beispiel Riesenschecke: Hier erkennt jeder Zuchtfreund aus Ost, West, Süd und Nord im Verband der Europa-Entente der Rassekaninchenzüchter den Géant Papillon (Papillon = Schmetterling) bzw. Checkered Giant, den gescheckten Riesen/Giganten, die Riesenschecke. Selbst der Niederländer weiß, hier handelt es sich um seinen „Groot Lotharinger“ und der tschechische Zuchtfreund erkennt seine „Nimecký obrovitý strakáč“.

Vorteil der Vereinheitlichung

Die Vorteile eines einheitlichen Standards für alle wären, dass nicht dauernd irgendwelche Veränderungen in den einzelnen Standards vorgenommen werden müssten. Das wäre für internationale Ausstellungen arbeitserleichternd. Rassen, die jetzt in einem Land nicht gezüchtet werden, jedoch das Herz eines beliebigen Züchters höher schlagen lassen, müssten nicht den weiten Weg der Neu- oder Nachzucht gehen.

Gegnern von Neuzüchtungen wäre der Wind aus den Segeln genommen, denn es würde keinen vernünftigen Grund zur Neuzucht mehr geben, weil die Rassenvielfalt wohl kaum noch zu überbieten ist.

In der Fachzeitung „Kaninchen“ werden ausländische Rassen in Artikeln vorgestellt. Das ist gut und interessant. Wozu jedoch, wenn es nicht erlaubt ist, würde jemand das belgische „Steenkaninchen“ nach so einem Beitrag züchten wollen? Es ist der Autorin des Beitrags bekannt, dass sich die niederländischen Zwergwidder (Nederlandse Hangoor Dwergen) großer Beliebtheit erfreuen, weil sie auch den neuen deutschen Standard-Anforderungen längst gerecht werden. Im Europastandard ist das Problem einer variierenden Größe längst gelöst, indem die Gewichtsbewertung dem Größenunterschied und der Neuorientierung zum Höchstgewicht in Deutschland längst Rechnung trägt.

Natürlich treten mit einer Schaffung eines allgemein geltenden Standards Probleme auf. Sie liegen in der Realisierung der vielsprachigen Erstellung und in der Vielzahl an Rassen, die aus den neuen Mitgliedsländern hinzukämen.

Es ist längst kein Geheimnis, dass sich die Züchter über Ländergrenzen hinweg orientieren und auch im Internet Erfahrungen austauschen. Ist es da so abwegig, wenn Wünsche wach werden, die der Einzelstandard nicht ermöglicht? Die Konsequenz daraus ist doch, dass vielfach wild drauflos gekreuzt wird, um sich einen Wunsch zu erfüllen, der dann (manchmal verständlicherweise) von der Standardkommission gebremst oder gar blockiert wird.

Wie gut eine Annäherung hinsichtlich bestimmter Modalitäten klappen kann, zeigt die Neuerung in der Vergabe von „Wertnoten und Prädikaten“, die mit der europäischen Vergabeordnung identisch ist.

Wie gesagt, es sind Gedanken, wie Henry Fords Worte: „Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten führt zum Erfolg“ noch verstanden und interpretiert werden können.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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