Van Beveren-Kaninchen

Heinz Floer , Steinfurt „Das Blaue Jahrbuch“ 2008

Obwohl in Deutschland bereits viele Kaninchenrassen gezüchtet werden, besteht auch gesteigertes Interesse an Rassen des Auslandes. Und das umso mehr, als es sich um eine bewährte Wirtschaftsrasse handelt. Die Van Beveren sind in erster Linie eine Pelzrasse, deren Vorzüge im dichten, langen, seidenweichen und glänzenden Fell liegen.

In Belgien, den Niederlanden und in Frankreich, viel mehr aber noch in England, sind die Van Beveren sehr geschätzt und weit verbreitet. Allein die Tatsache, dass man englischen Prinzessinnen anlässlich ihrer Hochzeit einen Mantel aus blauen Van-Beveren-Fellen überreichte, beweist uns doch zur Genüge die besondere Qualität dieser Rasse.

Wir kennen blaue, weiße, schwarze und braune Van Beveren. Während die Blauen und Weißen als belgische Rassen anzusehen sind, handelt es sich bei den Letzteren um englische Züchtungen. Der Name verrät neben der Farbe auch die Heimat der Rasse, das Dörfchen Beveren in Ostflandern (Belgien), einige Kilometer von Gent gelegen. Auf einer Ausstellung zu Anfang unseres Jahrhunderts erregte dieses Kaninchen die Aufmerksamkeit der belgischen Züchter Van der Snikt und Pol de Keghel. Im Besonderen war es der Redakteur der belgischen Fachzeitschrift „Chasse et Peche“ (Jagd und Fischerei), Van der Snikt, der seinen Einfluss und seine große Fachkenntnis auf dem Gebiet der Zucht in den Dienst dieser Rasse stellte. So ist es tatsächlich gelungen, die blauen Van Beveren mit an der Spitze aller Pelzkaninchen zu sehen. Die Tiere haben eine eigenartige Form, die der Gestalt einer Mandoline gleicht; der Körper ist länglich und erweitert sich nach hinten, das Hinterteil ist also besonders stark entwickelt. Dieser eigenartig geformte Körper bewirkt, dass das geschätzte Fell nicht nur lange Haare hat, sondern über den Rücken auch sehr breit ist. Diesem Fellstück der Hinterpartie geben die Pelzaufkäufer den Vorzug.

Die Van Beveren zählen nach unseren Zuchtbegriffen zu den Mittelrassen. Sie haben ein Gewicht von ca. 4 kg. Der Kopf der Häsin ist feiner, während der Rammler eine gedrungene Kopfform zeigt. Die Ohren sind ziemlich lang (11-12 cm) und recht schmal, sie werden aufrecht stehend getragen und bilden die Form eines V (eng zusammenstehend). Der Rücken ist lang und der Körper von den Rippen an breit und hoch. Die Oberschenkel der Hinterläufe sind gut ausgebildet und treten scheinbar aus dem Körper heraus. Die mittelgroße Blume ist breit und wird dicht am Körper getragen. Die Vorderbeine sind dünn, die Hinterläufe dagegen recht stark.

Der Hauptwert der Blauen liegt in dem schönen Fell, es ist weder hell noch blass wie das Kleid des Geant Bleu de Saint Nikolas noch stark dunkelblau wie beim Blauen Wiener, sondern muss als lavendelblau angegeben werden. Das Haarkleid ist dicht und glänzend und liegt glatt am Körper. Die Haare sind länger als bei unseren Blauen Wienern, und die Behaarung ist besonders dicht. Am vorteilhaftesten ist es, wenn die Blauen in Außenstallungen gezüchtet werden, jedoch darf das Sonnenlicht das Fell nicht rostigbraun (Rostanflug) färben.

Das Ideal der Fellfarbe beim weißen Van Beveren ist ein reines Blütenweiß, alle Tönungen von Weiß ins Gelbliche oder Graue sind verpönt. Die Augenfarbe ist hellblau oder rot (Albinos). Van Beveren mit rosaroten (pigmentlosen) Augen sind zwar nicht beliebt, können aber doch auf den Ausstellungen gezeigt werden. In den letzten Jahren hat die Zucht der Weißen besonders in England und in den Niederlanden große Fortschritte gemacht. Um die Länge des Haares zu verbessern, hat man auch schon Angorakaninchen eingekreuzt. Anerkannt sind laut Europastandard der Kaninchenrassen die Farbenschläge Blau (Hellblau) und Weiß.

1,0 „Van Beveren“, blau

1,0 „Van Beveren“, blau

Die Schwarzen (Black Van Beveren) sind eine englische Rasse und wurden früher auch „Sitka" genannt. Im Besonderen sind es die Züchterinnen F. Gertrud Latham und Ker, die sich um die Zucht sehr verdient gemacht haben. Letztere war es auch, die dieser Rasse ihren Namen gab, als sie im Jahr 1919 mit der Zucht begann. Die Körperform der Schwarzen ist ziemlich gedrungen und im Allgemeinen nicht ganz so lang wie bei den anderen Farbenschlägen. Das Kaninchen ist feinknochig und zeigt die typische Mandolinenform der Van Beveren nur angedeutet, doch ist die Hinterpartie auch recht breit. Die Häsin ziert eine möglichst kleine Wamme.

Die Farbe ist ein glänzendes Schwarz, das tief ins Fell herunterreichen soll, die Unterfarbe ist dunkelblau. Das Fell ist seidenweich, dicht und hat eine Haarlänge von ca. 3,75 cm. Der Kopf ruht auf einem kurzen Hals und ist beim Rammler recht breit, bei der Häsin mehr länglich. Das Auge ist dunkelbraun. Die kleinen, gut behaarten Ohren werden straff aufrechtstehend getragen und haben die Form eines schmalen V (eng zusammenstehend). Die großen, löffelförmigen Ohren der früheren Zucht, die in ihrer Größe Vergleiche mit den Ohren des Belgischen Riesen zuließen, sind fehlerhaft.

Die feinknochigen Läufe sind gerade und die Vorderläufe verhältnismäßig kurz. Die Krallen zeigen eine dunkelblaue (fast schwarze) Farbe. Das Gewicht eines ausgewachsenen Schwarzen beträgt ca. 4 kg. Das Charakteristische der Schwarzen ist das verhältnismäßig lange Haar, das es von allen anderen schwarzen Normalhaarrassen unterscheidet.

0,1 „Van Beveren“, weiß

1928 wurden von Mrs. Latham die Braunen (Brown Van Beveren) herausgezüchtet und 1929 als Rasse bei der Englischen Pelzkaninchenzüchter-Vereinigung zwecks Anerkennung angemeldet. Die Farbe fand sich zum ersten Mal in einem Wurf schwarzer Van Beveren. Eine braune Häsin, die von schwarzen Eltern abstammte, warf neben zwei Angoras auch vier Braune und die Wurfschwester dieser Häsin brachte einen Wurf, der schon keine Angoras mehr hatte. So gelang es schließlich, den rezessiven Angorafaktor auszuschalten und ein braunes Kaninchen zu erzüchten, das mit seiner Haarlänge zwischen den Normalhaarrassen und dem Angora steht. Als das schwarze Van Beveren das erste Mal auf einer Ausstellung gezeigt wurde, fand es allgemeine Bewunderung und Anerkennung. Leider hat es bis heute keine Zulassung (Anerkennung) im gültigen Europastandard der Kaninchenrassen gefunden.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.