„Das Blaue Jahrbuch“ 1962
Mit Recht wird immer wieder die Frage aufgeworfen, ob die Kaninchenzucht auch auf breiterer Grundlage nutzbringend betrieben werden kann. Es kann darauf ein glattes „ja“ dann als Antwort gegeben werden, wenn das Kaninchen seiner natürlichen Veranlagung entsprechend gehalten und dort angesetzt wird, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Dort aber – und das ist auf allerbreitester Grundlage der Fall verdient es jede nur denkbare Förderung.
Eine Ertragssteigerung in der Kaninchenzucht und dar- auf kommt es ja anlässt sich auf 2 Wegen erreichen, entweder auf dem einen oder auf dem anderen oder auf beiden zusammen. Genau wie im kaufmännischen Leben steht dem Erlös der Aufwand gegenüber; was dazwischen liegt, das ist der Nutzen, das ist der Gewinn oder der Verlust. Der Erlös das sind alle Einnahmen, auch die nur rechnerischen wird vermindert durch den Aufwand das sind alle Ausgaben an Geld und Geldwert.
Was kann nun der Züchter tun, um die Einnahmen aus seiner Zucht zu steigern? Jeder versucht doch für das, was er anzubieten hat, sei es nun eine Ware oder eine Dienstleistung, den höchstmöglichen Ertrag zu erreichen. Preiserhöhungen haben aber nur dann einen Sinn, wenn die erhöhten Preise auch erzielt werden können. Was nützt es, wenn ein Züchter sich vornimmt, seine Tiere, sein Fleisch, seine Wolle und Felle nur noch zu besseren, also höheren Preisen abzugeben, wenn ihm diese Preise keiner zahlt. Gute Ware ist einen guten Preis wert, minderwertige Ware erzielt nur geringe Preise. Diese in der kaufmännischen Praxis verankerten Grundsätze muss sich auch der Kaninchenzüchter zu eigen machen. Beste Qualität erhöht die Preise! Hier liegt die Grundlage für eine Einnahmesteigerung auch für den Kaninchenzüchter. Wie nun kann der Kaninchenzüchter das, was er anzubieten hat, qualitätsmäßig so verbessern, dass er bessere Preise erzielt?
1. Zucht- und Jungtiere können gute Preise nur bringen, wenn sie rasserein, gesund, widerstandsfähig und gut entwickelt sind. Qualitätsverbesserungen bringen teils auch eine Erhöhung der Aufwendungen mit sich. Hier muss also vernünftig abgewogen werden, inwieweit die erhöhten Aufwendungen durch den höheren Erlös gedeckt werden. Nur wenn die Mehrerlöse die Mehraufwendungen überschreiten, ist es eine Gewinnerhöhung. Verstehen wir uns hier richtig, die Erhöhung der Preise für Zucht- und Jungtiere muss im Rahmen der Verbesserung des Tiermaterials bleiben. Überhöhte Forderungen sind der Kaninchenzucht nachteilig, da sie die Ausbreitung erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Im Allgemeinen aber kann man sagen, dass die Preise für Rassekaninchen durchaus in einem vernünftigen Rahmen geblieben sind. Ausnahmen bestätigen nur die Regel! Darüber, dass Rassekaninchen die besseren Preise erzielen, besteht heute wohl kein Zweifel mehr. Rassezucht hat also hier unbedingt den Vorrang, auch ertragsmäßig. Der größere Nutzen liegt auch nicht darin, dass jährlich 1 oder 2 Tiere zu besonders günstigen Preisen abgesetzt werden können, sondern dass durch eine vernünftige Preispolitik preisgünstiger Absatz für die gesamte Nachzucht geschaffen wird.
2. Angorawolle wird als einziges Erzeugnis vom lebenden Tier laufend gewonnen. Für Angorawolle gibt es Marktpreise, bei denen zwar kleine Abweichungen festzustellen sind, die aber im Großen und Ganzen festliegen und auf die der Züchter nur einen sehr bedingten Einfluss geltend machen kann. Auch die Wahl der Stelle, an die die Wolle abgegeben wird, ändert daran nicht viel. Und doch kann er den Erlös aus der Angorawolle erheblich dadurch steigern, dass er versucht, möglichst hochwertige Wolle abzugeben. Wir finden also hier wieder den eingangs herausgestellten Grundsatz der Qualität. Richtige Behandlung während des Wollwachstums, saubere Vorbehandlung der Schur und die Schur selbst. Sofortige Sortierung während der Schur sichern eine Qualitätseinteilung, die den Nutzen erheblich steigern können. Verhindert er durch rechtzeitige, d. h. sofortige Abgabe der Wolle Schädlingsfraß usw., dann ist ihm der höchstmögliche Ertrag für seine Wolle sicher. Die sehr hohen Preisunterschiede bei den einzelnen Qualitäten bei Angorawolle machen eine sorg- fältige Behandlung und Sortierung vielfach bezahlt.
3. Kaninchenfleisch ist nicht dadurch wertlos geworden, dass heute die verschiedensten Fleischarten in den Läden unbeschränkt angeboten werden. Die Fleischpreise sind erheblich gestiegen und damit auch der Geldwert für das Kaninchenfleisch. Das ist der Fall, wenn der Kaninchenzüchter das Kaninchenfleisch verkauft oder es selbst verzehrt. Beim Selbstverbrauch entfällt dafür die Aufwendung für den Fleischkauf der Familie, was als Einnahme aus der Kaninchenzucht betrachtet werden muss. Beim Fleischverkauf kann der Züchter viel tun, wenn er die geschlachteten Kaninchen appetitlich herrichtet und damit für das Auge des Käufers angenehm macht. Es ist nun einmal so, dass das Auge mitspricht und dass für ein besonders sauber und appetitlich hergerichtetes geschlachtetes Kaninchen gern etwas mehr bezahlt wird. Der Käufer lässt sich oft von der Aufmachung einer Ware täuschen, das ist leider so. Blutreste, überhaupt alle Unsauberkeiten stoßen ab.
4. Kaninchenfelle haben schon bessere Erlöse gebracht als gegenwärtig, das stimmt wohl. Die Marktpreise sind nun aber einmal nicht allein nach den Wünschen der Erzeuger festzulegen. Und doch gilt auch hier der Qualitätsgrundsatz. Größe und Farbe der Felle sind durch die Rasse bestimmt, die Unterwolldichte teils durch Stammeseigenschaften, aber auch durch die Jahreszeit der Schlachtung und durch das Alter der Tiere. Hier dürfen wir nicht über das Ziel hinausschießen. Ein im September schlachtreifes Tier etwa bis zum Dezember zu füttern, um ein reifes Fell zu ernten, wäre völlig verfehlt. Der erzielte Preis für das Fell wäre wohl höher, die Mehraufwendungen für Futter usw. würden aber das Mehrfache des Mehrerlöses für das Fell ausmachen. Die Fellqualität wird aber auch durch die richtige Behandlung beeinflusst, und hier kann der Züchter den Hebel ansetzen. Wird jedes Fell sofort nach dem Abziehen auf einen Spanner gezogen, gut getrocknet und möglichst bald der Sammelstelle übergeben, dann lässt sich der Größe, Farbe und Dichte entsprechende höchste Preis auch erzielen. Sehr viele Kaninfelle wandern in die schlecht bezahlte Klasse der Schneidekanin deshalb, weil sie entweder gar nicht gespannt sind, schlecht getrocknet oder durch Schädlingsfraß entwertet sind. Alle diese Fehler kann der Züchter mit Leichtigkeit vermeiden, wenn er diesen angeblichen Nebenfragen größere Beachtung schenkt. Fellspanner gehören genauso in einen richtigen Zuchtbetrieb wie z. B. Futtertröge. Die geringe Arbeit der richtigen Fellbehandlung macht sich immer bezahlt.

5. Der Dünger wird vom Kaninchenzüchter meist mehr als stiefmütterlich behandelt. Als Nebenprodukt schätzt ihn der Züchter nicht, ja er ist ihm sogar oft lästig. Nach der Stallreinigung achtlos in eine Ecke geworfen, der Sonne und der Austrocknung ausgesetzt, ist er allerdings nicht viel wert. Wird der Dung aber ordentlich gelagert und nötig ist feucht gehalten dann entwickelt sich hieraus ein wertvoller Mist, der im eigenen Garten beste Verwendung finden kann. Der Züchter, der keinen Garten hat, findet immer Abnehmer in Gärtnereien usw. dafür und kann sich als Gegenleistung oft größere Mengen Grünfutter usw. sichern, die wiederum die Aufwendung für Futter herabsetzen. Alles muss bestmöglich verwertet werden, wenn der Nutzen gesteigert werden soll. Mist ist heute bei der ständig sinkenden Zahl der Pferde usw. stark gefragt, und der Kaninchenmist kann zwar einen bescheidenen, aber doch wertvollen Beitrag leisten.
Das Steigern der Einnahmen hat einen beschränkten Rahmen. Es wirken hier sehr viele Punkte mit, auf die der Züchter nur einen bedingten oder gar keinen Einfluss ausüben kann. Wir stellten aber bereits eingangs fest, dass der Gewinn nicht nur von der Einnahme-, sondern auch von der Ausgabenseite her bestimmt wird. Alle Aufwendungen, die für die Durchführung der Zucht erforderlich sind, gehen von den Einnahmen ab. Im kaufmännischen Leben spricht man von Gestehungskosten. Sie ohne Qualitätsverschlechterung so niedrig wie nur möglich zu halten ist oft das ganze Geheimnis eines erfolgreichen Betriebes. In der Kaninchenzucht ist es genau so! Es gibt viele Punkte, die der Kaninchenzüchter beachten kann und sollte, denn er rechnet im Allgemeinen viel zu wenig. Was beeinträchtigt nun die Höhe der Aufwendungen in der Kaninchenzucht wesentlich?
1. Der Umfang des Zuchtbetriebes ist gerade in der Kaninchenzucht sehr entscheidend für Gewinn oder sogar Verlust. Die Milchmädchenrechnungen sehen doch meist so aus, dass z. B. festgestellt wird, dass ein Kaninchen im Jahr einen Nutzen von, sagen wir, DM 10,- erbracht hat, demnach müssten 100 Kaninchen jährlich DM 1000,- abwerfen. Was für Zahlen, das dann ergibt, nun, das ist unschwer zu erkennen. Wie falsch ist doch eine solche Berechnung! In den weit- aus meisten Fällen in der Kaninchenzucht ist der Nutzen je Tier umso größer, je kleiner der Zuchtbetrieb ist. Das hat natürlich auch seine Grenzen, denn züchterische Arbeit lässt sich nur leisten, wenn z. B. mehrere weibliche Zuchttiere angesetzt werden. Es sei aber mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, dass derjenige, der eine kleine Zucht mit Gewinn betreibt, schlecht beraten ist, wenn ihm eine wesentliche Vergrößerung der Anlage empfohlen wird, es sei denn, es lägen bei ihm besonders günstige Verhältnisse vor. In der Kaninchenzucht ist es so, dass 1000 Kaninchenzuchten mit je 10 Tieren wesentlich mehr Gewinn abwerfen als 100 Zuchten mit je 100 Tieren. Das hängt damit zusammen, dass das Kaninchen ein idealer Abfallverwerter ist. Je mehr nun diese kostenlosen Abfälle Anteil am Gesamtfutter stellen, desto höher ist auch der Nutzen. Für die Bestimmung des Zuchtumfanges liegt hier ein wesentlicher Faktor, der auch die Förderungswürdigkeit der Kaninchenzucht mitbestimmt. Rationell betrachtet heißt das also, dass viele neue und kleine Zuchtbetriebe entstehen können, dass aber der Züchter seinen Bestand daraufhin überprüfen sollte, ob sein Zuchttierbestand in diesem Rahmen liegt oder ihn bereits überschritten hat.
2. Bestes Zuchtmaterial ist Voraussetzung für eine gewinnbringende Zucht. Nicht billige und minderwertige Tiere können Grundlage für eine gewinnbringende Kaninchenzucht sein, sondern nur leistungsstarke, widerstandsfähige Tiere auch dann, wenn sie in der Anschaffung etwas teurer sind. Liebhaberpreise müssen hierbei allerdings ausscheiden, wenn sie über dem Leistungswert des Tieres liegen. Es klingt widerspruchsvoll, wenn in diesem Abschnitt von der Senkung der Gestehungskosten gesprochen und die Beschaffung teuren Materials empfohlen wird. Dass das aber kein Widerspruch ist, soll das folgende Beispiel beweisen:
Wenn ich eine leistungsschwache Häsin erwerbe, die mit Mühe und Not 4 Jungtiere im Jahr aufzieht, so ist diese Häsin teurer als eine leistungsstarke Häsin, die das Doppelte gekostet hat, aber 12 Jungtiere aufgezogen hat. Wir haben hier nicht nur die dreifache Nachkommenzahl, sondern haben auch wesentlich geringere sonstige Aufwendungen für Futter usw., da bei der ersteren ja wahrscheinlich ein Teil der Jungtiere verendet ist, die nutzlos Futter gefressen haben. Die höheren Kosten für das bessere Zuchttier sind also günstiger als die geringeren Kosten für ein minderwertiges Zuchttier.
3. Die Fütterung muss planvoll erfolgen, denn sie erfordert in den weitaus meisten Fällen die größten Aufwendungen. Zu billig füttern kann genauso falsch sein wie zu teuer füttern. Auch hier gilt es, alles Können einzusetzen. Richtiges Füttern setzt allerdings voraus, dass sich der Züchter viel mehr als bisher mit den Fütterungsfragen so vertraut macht, dass er billig und doch erfolgreich füttern kann. Erfolgreich füttern heißt, dass mit den gereichten Futtermitteln der höchstmögliche Erfolg erzielt wird. Dazu gehört auch, dass z. B. in der Winterruhe kein Leistungs-, sondern nur Erhaltungsfutter gereicht wird usw. Das Gebiet der Kaninchenfütterung ist für 90 Prozent der Kaninchenzüchter noch ein Buch mit 7 Siegeln leider. Wertvolle Futterpflanzen verkommen in rauen Mengen, und auf der anderen Seite werden Futtermittel für gutes Geld gekauft, die im Gehalt kaum an das verkommende herankommen. Die Kaninchenzucht kann riesige Mengen heute noch verkommende Futterstoffe bestens verwerten.
Es geht in der Fütterung ohne die theoretischen Erkenntnisse nicht weiter, es geht nicht vorwärts, solange die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht von dem Züchter in der Praxis angewendet werden. Nicht die Menge des Futters bringt die Leistung, sondern die richtige Zusammensetzung, die Ergänzung des wirtschaftseigenen Futters durch geeignete Zusätze usw. Schlecht behandeltes, angefaultes, erhitztes Grünfutter, schimmeliges Heu usw. besitzen wesentlich geringeren Nährwert als das gleiche Futter in einwandfreiem Zustand. Bei minderwertigem Futter ist der Nährwertgehalt herabgesetzt, es werden größere Mengen benötigt, um die gleichen Nährwerte zu haben, also muss der Züchter in den Beutel greifen und größere Mengen Futter zukaufen. Der rechtzeitige Futterkauf ist stark preisbeeinflussend. Wenn ich im Herbst zur Erntezeit Rüben usw. kaufe, dann sind sie wesentlich billiger als im Frühjahr. So ist es mit anderen Futtermitteln auch, sei es nun Heu, Hafer oder dergleichen.
Gute Lagerungsmöglichkeit muss natürlich vorhanden sein. Platzmangel lässt sich durch Silierung, durch Errichten von Mieten weitgehend überbrücken. Auch bei der Gewinnung des Futters lässt sich viel Geld sparen, rechtzeitig geworbenes Heu auf Gerüsten hat einen viel größeren Nährwert als überständiges, bodengetrocknetes Heu. Der Nährwertgehalt bestimmt aber die Menge, die zur Sättigung und zur Leistungsfähigkeit gereicht werden muss. In der richtigen Wahl. Behandlung, Gewinnung und Lagerung des Futters liegt ein großer Teil des zu erzielenden Gewinnes aus der Zucht. Ein Posten, der so schwer ins Gewicht fällt wie die Fütterung, verdient allersorgfältigste Prüfung und Beachtung. Die Aufwendungen wären wesentlich geringer, wenn die Erfahrungen der wissenschaftlichen Fütterungsversuche von den Züchtern besser ausgewertet würden, wenn sich die Züchter auf diesem Gebiete der Theorie mehr widmen würden.
4. Rechtzeitige Erzeugnisverwertung senkt die Gestehungskosten. Was wird nicht Jahr für Jahr an Jungtieren bis zum Alter von 10 und mehr Monaten herangefüttert! Bei vielen steht schon seit Monaten fest, dass sie nie als Zuchttiere Verwendung finden können. Nur ein kleiner Teil der jährlichen Nachzucht wird für Zuchtzwecke verwendet, ganz gleich, ob für die eigene Zucht oder durch Verkauf. Der größte Teil der Nachzucht wird doch seiner natürlichen Verwendung, nämlich der Fleisch- und Fellgewinnung zugeführt. Wenn aber beim Kaninchen die günstigste Wachstumsperiode zwischen 5 und 7 Monaten liegt und nach dieser Zeit nur noch geringeres Wachstum zu verzeichnen ist, dann bedeutet es doch nutzlose Aufwendungen, die Jungtiere über diesen Zeitpunkt in größerer Menge zu füttern. Drei und mehr Monate wer- den also die Schlachtjungtiere zu lange gefüttert, selbst dann, wenn die Ställe überbesetzt sind und auch die wertvolleren für die Zucht bestimmten Jungtiere, platzbeengt sind. Der Wunsch und die Hoffnung, dass sich das eine oder andere der Jungtiere doch noch besonders gut entwickeln könne, führt fast immer zu Fehlschlüssen und zu kostspieligen Experimenten. Wie vorteilhaft ist es doch, wenn alle Nachzucht, die nicht für Ausstellung, nicht für die Zucht und nicht für den Verkauf zu Zuchtzwecken bestimmt werden kann, im Spätsommer oder Herbst die Ställe räumt, wenn das da- durch eingesparte Futter für den Winter reserviert und den zur Zucht bestimmten Tieren dadurch unbeengte Bewegungsmöglichkeit geschaffen wird. Wenn der Züchter doch einmal zum Rechenstift greifen und feststellen würde, was er für diese 3 oder noch mehr Monate nutzlos aufwenden muss! Ganz gleich, ob das Fleisch selbst verwertet oder verkauft wird, immer ist es günstig, wenn nicht nur für wenige Wochen im Jahr Kaninchenfleisch, sondern über einen größeren Zeitraum verteilt bereitsteht. Ein Schlachtkaninchen muss nicht das volle Gewicht für die betreffende Rasse erreicht haben, das für Zucht- und Ausstellungstiere festgelegt ist. Das Fleisch ist am billigsten dann, wenn es beim Abschluss der größten Wachstumsperiode gewonnen wird. Als Annahme dafür kann, gelten, dass das bei den kleinen Rassen mit 5, bei den mittleren Rassen mit 6 und bei den großen Rassen mit etwa 7 Monaten der Fall ist. Nach dieser Zeit brauchen die Kaninchen sehr viel Futter und nehmen nur noch langsam zu. Mehr Futter und weniger Fleisch, dieses Ergebnis muss jede Rentabilität gefährden.
5. Richtige Pflege und planmäßige Haltung bestimmen den Nutzen aus der Kaninchenzucht ebenfalls sehr stark. Weit gefehlt ist die Annahme, dass das mit dem Gewinn aus der Zucht nichts zu tun habe, sondern lediglich eine ideelle, züchterische Forderung sei. Vernachlässigte Stall- und Tierpflege kann sogar sehr kostspielig werden. Die Nachteile für die Erzeugnisse Wolle und Felle wollen wir dabei gar nicht einmal besonders hervorheben, sondern uns nur auf die durch die Vernachlässigung verursachten Tierverluste beschränken. Unsaubere Stallung begünstigt Krankheiten und Seuchen, das ist wohl zur Genüge bekannt. Jedes eingegangene Jung- oder Zuchttier ist auch ein Verlust in Geldwert, denn es kann nicht mehr verkauft, zur Zucht eingestellt oder geschlachtet werden. Die bisherigen Aufwendungen da- für sind verloren, sie schmälern also den Gewinn. Aufwendungen, die das verhindern, sind gewinnsteigernd, wie z. B. gute Einstreu, regelmäßige Desinfektion der Stallungen usw. 6. Zu einer planmäßigen Zucht oder Haltung gehört aber auch die volle Nutzung der angesetzten Zuchttiere. Wenn in manchen Zuchten Häsinnen herumlaufen, die überhaupt nicht zur Zucht benutzt werden, oder wenn eine zu große Anzahl von Häsinnen gehalten wird, so dass von jeder nur ein Wurf jährlich aufgezogen werden kann, oder wenn eigene Rammler gehalten werden, die gar nicht voll eingesetzt werden können, oder wenn jährlich alle Zuchttiere durch neue ersetzt werden, so sind das alles Punkte, die den Nutzen herabdrücken. Ich muss hier allerdings einflechten, dass die Dinge bei den Angorakaninchen anders liegen, denn hier bringen auch nicht zur Zucht benutzte Alttiere einen Nutzen. Ich kenne sehr wohl die Argumente, die gegen diese Maßnahmen ins Feld geführt werden. Aber halten sie einer strengen Prüfung stand? Ich glaube nicht. Die Züchter großer Rassen mögen recht haben, wenn sie sagen, die Nachzucht der zweiten Würfe werden nicht mehr ausstellungsreif. Stimmt, aber was hält die Züchter davon ab, die Jungen der 2. Würfe für die Fleisch- und Fellgewinnung zu verwenden? Das geht besonders dann sehr gut, wenn die ausgemerzte Nachzucht rechtzeitig abgeschlachtet wird und diese Ausmerzung recht streng vorgenommen wird. Eine rationell betriebene Kaninchenzucht setzt nun einmal voraus, dass die Zuchttiere voll eingesetzt werden, ohne sie natürlich zu überlasten, denn das wäre genau das Gegenteil des erstrebten Zieles. Zu starke Würfe schmälern den Ertrag meist genauso wie zu schwache Würfe. Bei zu starken Würfen geht meist ein Teil der Jungtiere ein, sie kosten bis zum Sterben Geld und bringen nichts ein. Zu schwache Würfe dagegen verlangen einen zu hohen Anteil an den Futterkosten für das Muttertier.
Ein Wort noch zum Alter der Zuchttiere: Es gibt Züchter, die glauben, dass sie Jahr für Jahr ihre Zuchttiere durch jüngere ersetzen müssten. Das kostet Geld und bringt selten den erwünschten Erfolg. Auch Kaninchen der kleinen Rassen können sehr gut einige Jahre im Zuchtbetrieb stehen und machen sich dadurch gut bezahlt. Auch wenn diese jungen Zuchttiere aus dem eigenen Zuchtbetrieb stammen, kosten sie Geld, denn sie müssen ja bis zur Zuchtreife herangefüttert werden.
Diese Ausführungen, die den Kaninchenzüchtern den Weg zeigen sollen, wie sich der Nutzen aus der Kaninchenzucht steigern lässt, dürfen aber nicht zu Fehlbeurteilungen führen. Eine solche Fehlbeurteilung wäre es, wenn alle Einnahmen und Ausgaben gewissenhaft aufgezeichnet und wenn vergessen werden würde, den Geldwert der selbst verbrauchten Erzeugnisse anzusetzen. In den meisten Fällen würde das wahrscheinlich zu der Überzeugung führen, dass bei der Kaninchenzucht Geld zugelegt werden muss. Das Fleisch, das der Züchter und seine Familie selbst verzehrt, die Felle, aus denen er für seine Frau, für seine Töchter oder sich selbst Pelzwerk herstellen lässt, die Angorawolle, die seine Frau selbst spinnt und verarbeitet, muss er so als Einnahme werten, die er erzielen würde, wenn er diese Erzeugnisse verkauft hätte. Nur wenn er so rechnet, wird er sich ein echtes Bild vom Nutzen seiner Kaninchenzucht machen können. Auch Nebeneinnahmen sollte er dabei berücksichtigen. Die Kaninchenzucht, die nur als Liebhaberei angesehen wird, kann aber bei richtigem Betrieb sehr wohl einen Nutzen abwerfen, der die aufgewendete Mühe lohnt. Diese Feststellung sollte aber der Züchter nicht nur treffen, sondern er sollte sie auch bekanntmachen. Kaninchen wurden bisher in verstärktem Maße nur gehalten, wenn Fleischknappheit dies zweckmäßig erscheinen ließ. Dabei spielte es gar keine so große Rolle, was das Pfund Fleisch kostete; die Hauptsache war, es war verfügbar. Heute denkt niemand daran, Kaninchen zu halten, um überhaupt Fleisch auf den Tisch zu bekommen. Der erzielbare Nutzen spielt also heute eine große Rolle. Neue Züchter werden also in größerer Zahl nur gewonnen werden können, wenn sie sich einen Nutzen daraus versprechen. Können die Züchter einen solchen Nutzen nachweisen, dann wird es auch möglich sein, erfolgreich für die Errichtung kleiner Zuchten zu werben und damit zugleich eine zusätzliche Absatzmöglichkeit für Jung- und Zuchttiere zu schaffen.
Diese nüchternen Darlegungen werden möglicherweise den Verdacht aufkommen lassen, dass hier die Kaninchenzucht nur von der rein materiellen Seite aus gesehen wurde. Das musste sie aber, wenn die Frage der Rentabilität untersucht werden sollte. Die Tierliebe, der Idealismus, der in jedem Zuchtbetrieb die Triebfeder ist, konnte hierbei nicht besonders erwähnt werden. Sie sind aber unentbehrlich, sie geben dem Zuchtbetrieb das richtige Leben; auf die kann nicht verzichtet werden. Es ist auch absolut nicht einzusehen, weshalb die Tierliebe in ihrer praktischen Anwendung keinen Nutzen abwerfen darf. Die materielle Seite schwächt doch die Tierliebe nicht ab und entwertet sie auch nicht, wobei allerdings materielle Auswüchse, wie überhöhte Preisforderungen usw., von vornherein ausgeschaltet bleiben sollen. Ohne eine gewisse Tierliebe wird der Aufbau einer Zucht schwerlich gelingen. Sie ist nötig und erforderlich. Sie steckt aber in den meisten Menschen, wenn sie oft auch unentdeckt schlummert und erst durch die praktische Tätigkeit mit Tieren zum Leben erweckt wird. Rationell Kaninchen züchten heißt also nicht, die Liebe zum Tier zu unterdrücken oder sie als wert- los anzusehen. Sie wird auch dann leben und sich entwickeln. wenn die Tätigkeit, die Beschäftigung mit Kaninchen, noch einen klingenden Lohn abwirft.








