von Dr. H. Niehaus

Bundesforschungsanstalt für Kleintierzucht, Celle Direktor: Prof. Dr. A. Mehner

„Das Blaue Jahrbuch“1971

Einleitung

Wer Gelegenheit hatte, die erste Europa-Kaninchenschau im Januar 1970 auf dem Killesberg in Stuttgart zu besuchen, der konnte sowohl die organisatorische Glanzleistung der Ausstellungsleitung (Vizepräsident Kölz und seiner Mannen) als auch 20 000 ausgesuchte Rassekaninchen aus dem Bundesnebengebiet und benachbarter Länder bewundern. Es war bei gesagt die größte und eindrucksvollste Kaninchenschau, die es jemals in der Geschichte der Kaninchenzucht gegeben hat.

Nur ein Kenner der Materie kann ermessen, wieviel züchterisches Können und Züchterfleiß erforderlich gewesen sind, um die vielen in Größe, Körperform, Fellfarbe, -zeichnung und anderen Merkmalen und Eigenschaften unterschiedlichen Rassen und Farbenschläge, die alle vom grauen, unscheinbaren Wildkaninchen abstammen, herauszuzüchten und rassemäßig auf den derzeit hohen Stand zu bringen.

Ein großer Nachholbedarf besteht allerdings noch hinsichtlich der Verbesserung der Leistungseigenschaften, zum Beispiel Fruchtbarkeit, Aufzuchtvermögen, Wüchsigkeit, Krankheitsresistenz u. a., Eigenschaften, die sowohl für den Liebhaber- als auch für den Wirtschaftszüchter von großer Bedeutung sind.

Kenntnisse erforderlich

Wer sich planmäßig mit der Kaninchenzucht befassen will, muss mit den Grundlagen der Vererbung und Züchtung vertraut sein. Er muss sich auf den Gebieten der Fütterung, Haltung und Hygiene auskennen oder fachkundige Berater zur Verfügung haben, weil die genannten und anderen Umweltfaktoren die Ausbildung der Merkmale und vor allem Eigenschaften mehr oder weniger stark beeinflussen. Schließlich ist auch das Wissen um die Verhaltungsweise der Kaninchen und das Verhältnis vom Züchter bzw. Pfleger zu den Tieren von großer Bedeutung für den Erfolg.

Es kann nicht die Aufgabe dieses Artikels sein, Grundkenntnisse auf den erwähnten Gebieten zu vermitteln. Ich möchte im Folgenden vielmehr einige Probleme aufzeigen, die in einer modernen Kaninchenzucht beachtet und diskutiert werden sollten, und Hinweise für den Züchter geben.

Voraussetzung für die Züchtung

Zunächst sei nochmals auf die in Fachkreisen bekannte Tatsache hingewiesen, dass die Vererbung (Übertragung von Erbanlagen von den Vorfahren auf die folgenden Generationen] nach bestimmten, statistisch erfassbaren Gesetzmäßigkeiten vor sich geht, die für alle Lebewesen (Pflanzen und Tiere) ihre Gültigkeit besitzen.

* Dem interessierten Züchter kann mitgeteilt werden, dass Dr. Niehaus ein Standardwerk über die Vererbung bei Kaninchen vorbereitet. Es wird im gleichen Verlag erscheinen. * Dem interessierten Züchter kann mitgeteilt werden, dass Dr. Niehaus ein Standardwerk über die Vererbung bei Kaninchen vorbereitet. Es wird im gleichen Verlag erscheinen. Diese Gesetzmäßigkeiten* ermöglichen es dem damit vertrauten Züchter, planmäßig zu züchten, d. h. die Zusammenstellung der Paare so vorzunehmen, dass bestimmte Erfolge in möglichst kurzer Zeit erwartet werden können. Sie gestatten es ferner, durch Erbanalysen einen Einblick in bestimmte Genkombinationen zu erhalten.

* Dem interessierten Züchter kann mitgeteilt werden, dass Dr. Niehaus ein Standardwerk über die Vererbung bei Kaninchen vorbereitet. Es wird im gleichen Verlag erscheinen.

* Dem interessierten Züchter kann mitgeteilt werden, dass Dr. Niehaus ein Standardwerk über die Vererbung bei Kaninchen vorbereitet. Es wird im gleichen Verlag erscheinen.

Die wesentliche Aufgabe der Züchtung besteht darin,

1. wertvolle Erbanlagen, die getrennt in verschiedenen Tieren vorhanden sind, miteinander zu kombinieren,

2. unerwünschte Anlagen durch Ausmerzen der damit behafteten Tiere herauszuzüchten,

3. Linien zu entwickeln, deren Kreuzungen einen positiven Kreuzungseffekt (Heterosiseffekt) in möglichst starker Ausprägung zeigen und deshalb besonders leistungsfähig, z. T. auch besonders schön sind.

Selektion (Auswahl) und Kombination (Zusammenfügen) sind die Grundelemente der Züchtung.

Züchten kann man allerdings nur mit Tieren, die erbliche Unterschiede besitzen, denn Gleiches mit Gleichem gepaart ergibt wieder Gleiches. Die im Verlaufe der Zeit durch Mutationen (Erbsprünge) entstandenen unterschiedlichen Gene sind jedoch beim Kaninchen so zahlreich, dass neben den bereits vorhandenen noch praktisch unbegrenzt weitere Kombinationsmöglichkeiten bestehen. In den verschiedenen Kaninchenrassen hat sich ein Genmaterial (Genpool) angesammelt, das große Leistungsreserven enthält, das aber auch vom Rassezüchter erst zu einem geringen Teil ausgenutzt worden ist. Es sei noch darauf hingewiesen, dass Mutationen nicht durch züchterische Maßnahmen, sondern nur durch die nach Vielseitigkeit strebenden Kräfte der Natur hervorgerufen werden und völlig ungerichtet sind. „Großmutationen", die sichtbare Veränderungen, zum Beispiel andere Fellfarben, bewirken, sind sehr selten. „Kleinmutationen" kommen dagegen häufiger vor. Sie werden in den meisten Fällen erst wahrgenommen, wenn sie sich summieren. Bei der Züchtung spielen sie eine wichtige Rolle. Die meisten Erbänderungen sind Verlustmutationen, die den Tod oder eine Schwächung der Lebenskraft zur Folge haben. Außerdem sind sie einigen Ausnahmen rezessiv (überdeckbar) gegenüber dem Wildtyp. Deshalb können sich mutierte Gene ansammeln, ohne nach außen wirksam zu werden. Erst wenn sich Tiere mit in gleicher Weise veränderten Genen paaren, tritt ihre Wirkung bei einem Teil der Nachkommen in Erscheinung.

Merkmale und Eigenschaften

Merkmale mit Zu den Merkmalen gehören Fellfarbe, -zeichnung, Silberung, Körperform und andere äußerlich sichtbare Eigenarten des Körpers. Sie sind besonders für den Rassezüchter wichtig, weil ihre Ausbildung zur Kennzeichnung der verschiedenen Rassen dient. Den Wirtschaftszüchter interessieren sie nur dann, wenn sie direkt oder indirekt einen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit besitzen. So sind zum Beispiel weiße Felle teurer als farbige, Zwergrassen sind für die gewerbliche Mast ungeeignet; an Versuchstieren werden – je nach Verwendungszweck – bestimmte Anforderungen an die Größe, Ausprägung der Ohrvenen usw. gestellt. Viele weitere Beispiele ließen sich anführen.

Die Züchtung auf Körpermerkmale ist im Allgemeinen einfacher als die auf physiologische Eigenschaften (Leistungseigenschaften), weil die meisten Körpermerkmale nur wenig durch die Umwelt beeinflusst werden, so dass man die Erbform (Genotypus) bei reinerbigen Tieren relativ gut aus der Erscheinungsform (Phänotypus) erkennen kann. Ferner werden viele Merkmale nach den einfachen Mendelregeln vererbt. In solchen Fällen ist es nicht schwer, die bei Kreuzungen in der F2, oder bei spalterbigen Tieren auftretenden Geno- und Phänotypen sowie ihre Zahlenverhältnisse vorauszusagen. Das trifft leider nicht für alle Körpermerkmale zu.

Es gibt, wie wir später noch sehen werden, auch solche mit kompliziertem Erbgang. Es sei noch darauf hingewiesen, dass wir durch die bahnbrechenden Arbeiten von den Genetikern Reginald Crundall Punnett 1875 – 1967, Hans Nachtsheim 1890 -1979, Paul Baldwin Sawin 1900–1982 u. a. recht gut über die Vererbung der Körpermerkmale beim Kaninchen unterrichtet sind. Eine Aufführung der zahlreichen Veröffentlichungen ist hier leider nicht möglich.

Wesentlich schwieriger und komplizierter als bei den Merkmalen liegen die Verhältnisse bei den Leistungseigenschaften, auf die in den folgenden Kapiteln dieses Artikels ebenfalls noch näher eingegangen werden soll.

Doch zunächst zurück zu den Körpermerkmalen und ihrer Vererbung. Von den vielen Möglichkeiten auf diesem Gebiet können nur einige Beispiele als Modelle angeführt werden.

Der Genetiker verwendet für die Darstellung der Erbanlagen Buchstaben als Symbole. Die dominanten Erbanlagen werden im Allgemeinen mit großen Buchstaben, die rezessiven Gene mit kleinen Buchstaben bezeichnet (z. B. V: Faktor für Normalhaar; v: Faktor für Langhaar). Es gibt hierbei allerdings Ausnahmen. Als Beispiel möge die Albinoserie (A, achi, am, an, a) aufgeführt werden. Hierbei ist A (Vollpigmentierung) dominant über alle dahinter stehenden, a (Albino) rezessiv gegenüber allen davor aufgeführten Allelen. Die übrigen Allele können sowohl dominant als auch rezessiv sein, und zwar in Abhängigkeit von dem Allel, mit dem sie zusammentreten. an (Russe) ist beispielsweise dominant über a (Albino), aber rezessiv gegenüber am (Marder) und achi (Chinchilla). Ähnlich liegen die Verhältnisse bei G (wildfarbig), gº (lohfarbig) und g (nichtwildfarbig), ferner bei Bee (dunkeleisengrau), Be (eisen- grau), B (schwarz), bj (Japanerzeichnung) und b (gelb). Auch bei diesen Merkmalen herrscht Dominanz in der angegebenen Reihenfolge. Auf weitere Einzelheiten hinsichtlich der Symbole, ihrer Anwendung und Bedeutung kann hier nicht eingegangen werden.

Merkmale mit einfachem Erbgang

Hierzu gehören die Fellfarben und Zeichnungsmerkmale, ausgenommen die Holländerscheckung. Für die Vererbung einfach mendelnder Merkmale gelten folgende Gesetzmäßigkeiten:

1. Werden reinrassige Partner der gleichen Rasse miteinander verpaart, so fallen in der F1 (erste Tochtergeneration) und in allen weiteren Generationen immer nur Tiere der betreffenden Rasse.

2. Bei Kreuzungen von zwei reinen, aber unterschiedlichen Rassen sind alle F1-Jungtiere untereinander gleich, aber spalterbig.

3. Paart man die F1-Tiere miteinander, so zeigt sich in der F2 eine Aufspaltung in bestimmten Zahlenverhältnissen.

Unterscheiden sich die reinrassigen Ausgangstiere nur in einem Genpaar und ist ein Allel dominant über das andere, so ergibt sich in der Erscheinungsform (Phaenotypus) ein Aufspaltungsverhältnis von 3:1. Wird zum Beispiel ein wildgraues Tier (GG) mit einem nichtwildfarbigen Partner (gg) gekreuzt, so fallen in der F1 nur wildgraue Tiere, weil Wildfarbig über Nichtwildfarbig dominiert. Alle F1-Tiere sind aber spalterbig und Träger für Schwarz (Gg). In der F2 zeigt sich eine Aufspaltung, wobei im Durchschnitt großer Zahlen ein Verhältnis von 3 wildgrauen Tieren zu 1 schwarzen Jungtier in Erscheinung tritt. Das schwarze Tier ist reinerbig (gg). Von den wildgrauen Tieren ist 1 reinerbig (GG); 2 sind spalterbig (Gg). Bei Rückkreuzungen der F1-Tiere mit schwarzen Partnern fallen 50 Prozent schwarze Nachkommen.

Derartige Kreuzungen, für die es viele weitere Beispiele gibt, haben u. a. für den Züchter dann einen Sinn, wenn zum Beispiel neue interessante Mutationstypen in Erscheinung treten, von denen zunächst nur ein Tier oder nur gleichgeschlechtliche Tiere vorhanden sind. Auch zur Vermeidung der Inzuchtdepressionen, die insbesondere bei „seltenen" Rassen zu befürchten sind, oder zur Verbesserung einer bestimmten Rasse können derartige Kreuzungen nützlich sein. Soll der vorhandene Typ erhalten bleiben, so muss man darauf achten, dass die eingekreuzten Tiere in Größe, Körperform, Ohrenlänge und -haltung so weit wie möglich mit dem Partner übereinstimmen. Sonst treten von der zweiten Generation an viele unterschiedliche Typen mit allen Übergängen in Erscheinung, weil die genannten Merkmale durch das Zusammenwirken vieler Gene bewirkt werden, die unabhängig voneinander mendeln. Ihre Ausbildung wird außerdem noch durch die Umwelt beeinflusst.

Einkreuzungen von albinotischen (rotäugig-weißen) oder leuzistischen (blauäugig-weißen) Tieren sollte man im Allgemeinen nur dann vornehmen, wenn das Endprodukt wieder weiß sein soll. Sonst ergeben sich häufig Überraschungen. In den genannten weißen Typen können alle möglichen Farb- und Zeichnungsgene unterdrückt enthalten sein, die bei Kreuzungen in der F1 oder später in Erscheinung treten. Besonders störend wirken dabei die Holländerfaktoren, die in erster Linie in Holländer Schecken und Weißen Wienern vorkommen. Man kann sie aus pigmentierten Stämmen schwer wieder herauszüchten. In diesem Zusammenhang sei noch die Tatsache erwähnt, dass aus Paarungen von Albinos (zum Beispiel Weiße Neuseeländer) und leuzistischen Tieren (zum Beispiel Weiße Wiener) nur pigmentierte Nachkommen fallen, wie aus der Genformel der F1 (Aa Xx…) zu erkennen ist.

Bei Kreuzungen von Rassen, die sich in zwei Genpaaren unterscheiden, erhält man eine einheitliche F1, wie in dem vorher genannten Beispiel. In der F2 zeigt sich eine Aufspaltung im Verhältnis 9:3:3:1, wenn ein dominanter Erbgang vorliegt.

Als Beispiel möge die Herauszüchtung eines fehfarbigen Kaninchens dienen. Die Fehfarbe entsteht durch eine reinerbige Kombination der Anlagen für Braun mit der für Blau. Kreuzt man zum Beispiel Havanna mit Blauen Wienern, so sind alle F1-Tiere schwarz, eine Erscheinung, die manchen Züchter in Erstaunen versetzt, die aber vom Fachmann aus der Genformel für die F1 CcDdgg leicht zu erkennen ist.

In der F2 fallen folgende Phaenotypen: 9 schwarze Tiere

3 blaue Tiere

3 braune Tiere und

1 fehfarbiges Tier

Hier ist also durch eine Kombinationszucht ein neuer, nämlich fehfarbiger Typ (ccdd), aufgetreten, den man hin- sichtlich der Farbfaktoren (ccdd) als doppelt rezessiv bezeichnet.

Auch für weitere Kombinationen dieser Art gibt es für den interessierten Züchter noch ein ausgedehntes Betätigungsfeld. Dabei treten manchmal unerwartete Erscheinungen auf. So wollten wir nach Angaben von Nachtsheim (1949) aus Roten Neuseeländern und Chinchillakaninchen Tiere mit weißem Fell und dunklen Augen züchten. Wir erhielten tatsächlich weiße Tiere mit dunklen Augen, waren allerdings erstaunt, dass diese Tiere dunkle Grannenspitzen in unterschiedlicher Dichte bei sonst weißem Fell aufwiesen (Niehaus 1969).

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass man aus einer reinerbigen Kombination des Gelbfaktors (bb) mit dem Chinchillafaktor (achi achi) bei entsprechender Selektion der Nachzucht sowohl reinweiße (Celler Weiße) als auch Tiere mit dunklen Grannenspitzen (Schwarz-Grannen) erhalten kann. Es gibt ferner viele weitere Kombinationsmöglichkeiten von Farb- und Zeichnungsgenen mit dem Chinchillafaktor, bei denen man über das Aussehen der betreffenden Typen noch wenig weiß. Auf die Möglichkeiten, drei-, vier-, fünf- und mehrfach- rezessive Tiere zu züchten, sei hier nur am Rande hingewiesen. Die Aufspaltungen in der F2 sind dabei so zahlreich, dass man nur bei sehr großen Tierzahlen reelle Chancen hat, die gewünschten rezessiven Endprodukte zu erhalten.

Merkmale mit quantitativer Vererbung

Während die in den erwähnten Beispielen aufgeführten Erbgänge exakt erfassbar sind und sich die verschiedenen Merkmale bei Kreuzungen in der F2 ohne Zwischenstufen wieder herausspalten, gibt es auch Rassemerkmale, z. B. die Holländerscheckung, die Silberung, das Zeichnungsmuster bei Punktschecken, die Intensität der Fellfarbe, Körpergröße, Körpergewicht u. a., die durch das Zusammenwirken vieler Gene zustande kommen. Da diese Merkmale im wesentlichen additiver Natur sind, d. h. ihre Wirkung sich mit der Anzahl der vorhandenen Faktoren steigert, werden sie auch als Merkmale mit quantitativer Vererbung bezeichnet. In der F2 sind viele Übergangsformen zwischen zwei Extremen möglich. Vermutlich spielen neben der additiven auch noch qualitative Genwirkungen eine Rolle. Größe, Gewicht, Ohrenlänge und Ohrenhaltung sind außerdem in stärkerem Maße als die meisten anderen Merkmale durch die Umwelt modifizierbar. Durch eine unterschiedliche Dosierung der Holländerfaktoren (s1, s2, s3 .) kann man fließende Übergänge von fast Weiß bis fast Vollpigmentiert erhalten (Nachtsheim 1949). Durch bestimmte Kombinationen dieser Holländerfaktoren entstehen, die im Standard verlangten Holländertypen. Das Holländerkaninchen gehört aber nicht, wie vielfach behauptet wird, zu den Rassen, die nur in spalterbiger Form anerkannt werden, wie das bei den Punktschecken und Mardern der Fall ist. Theoretisch ist es sehr wohl möglich, praktisch allerdings außerordentlich schwierig, rein vererbende Holländerkaninchen zu züchten. Man kann jedoch durch bestimmte Zuchtverfahren nahe an das Ziel einer konstanten Vererbung der gewünschten Zeichnungsmuster herankommen.

Gute Dienste kann dabei die „geschlossene Zucht" leisten. Man geht zweckmäßigerweise von einer größeren, aber nicht zu großen Tierzahl (etwa 50 Zuchthäsinnen) aus, paart bei strenger Selektion auf den gewünschten Typ die am besten gezeichneten Tiere unter Vermeidung häufiger enger Inzucht miteinander. Wenn man 4 bis 5 Generationen nach diesem Schema züchtet, dürfte die Streuung hinsichtlich der Zeichnungsmerkmale schon relativ gering sein, ohne dass große Gefahren für das Auftreten von Inzuchtdepressionen zu befürchten sind, die bei mehrfacher strenger Inzucht mit wesentlich größerer Wahrscheinlichkeit erwartet werden müssen. Da der einzelne Züchter nur selten über die angegebene Tierzahl verfügt, ist eine Zusammenarbeit mehrerer Züchter in einer Züchtergemeinschaft zu empfehlen.

Wenn ein Züchter versucht, durch mehrfache Inzucht zum Ziel zu kommen, und gezwungen ist, wegen auftretender Inzuchtdepressionen, z. B. Fruchtbarkeitsstörungen, fremde Tiere einzupaaren, so kann der mühsam erzielte Erfolg mit einem Schlag dahin sein.

Bei Punktschecken, z. B. Engl. Schecken, Deutsche Riesenschecken u. a., wird die Scheckung durch einen einfach mendelnden Faktor (K), das Zeichnungsmuster dagegen durch viele Gene beeinflusst, die sich unabhängig von dem Scheckungsfaktor vererben und Streuungen im Scheckungsmuster verursachen. Jeder Scheckenzüchter weiß, wie schwierig es ist, Schecken mit idealer Zeichnung zu erhalten, und dass es – auch innerhalb eines Wurfes – kaum Tiere gibt, die ein vollständig gleiches Scheckungsmuster aufweisen. Die im Standard geforderte Spalterbigkeit der Schecken bezieht sich nur auf den Scheckungsfaktor K.

Ähnliche Verhältnisse, wie sie zwischen dem Scheckungsfaktor K und dem Scheckungsmuster vorhanden sind, bestehen auch zwischen der Fellfarbe und der Intensität der Pigmentierung. Für eine Ausbildung der verschiedenen Fellfarben sind ein oder wenige Hauptgene verantwortlich, die nach einfachen Mendelregeln vererbt werden. Die schwarze Fellfarbe tritt z. B. in Erscheinung, wenn sich das betreffende Tier durch das Genpaar gg vom Wildtyp unterscheidet.

Die Intensität der Fellfarbe kann aber von Tier zu Tier u. U. recht unterschiedlich sein. Das gilt nicht nur für die schwarze, sondern auch für die blaue, braune und andere Fellfarben. Da fließende Übergänge von Schwach- zu Starkpigmentiert vorkommen, muss auf das Vorhandensein mehrerer Gene geschlossen werden, die als Farbverstärker (Intensivatoren) wirksam sind. Solchen Intensivatoren stehen vermutlich auch andere mit abschwächender Wirkung gegenüber. Der Züchter sollte sich bemühen, durch fortlaufende Auswahl und Verpaarung von Tieren mit kräftiger, glänzender Farbe möglichst viele Intensivatoren zusammenzubringen, weil eine glänzende, kräftige Fellfarbe höher bewertet, wird als eine blasse und stumpfe. Außerdem scheinen Beziehungen zwischen der Pigmentierung des Felles und der Lebenskraft der Tiere zu bestehen. Glänzende, kräftig pigmentierte Felle gelten als Ausdruck für Gesundheit und Lebenskraft der Tiere.

Reinerbig oder spalterbig?

In den Körperzellen der Kaninchen sind normalerweise alle Erbanlagen paarig vorhanden. Jedes Genpaar besteht aus einem väterlichen und einem mütterlichen Partner. Reinerbigkeit (Homozygotie) liegt vor, wenn beide Gene eines Paares (man nennt sie Allele) gleich sind. Bei Ungleichheit spricht man von Spalterbigkeit (Heterozygotie). Reinerbigkeit oder Spalterbigkeit kann nun bei einigen, theoretisch auch bei allen Genpaaren vorhanden sein. In der Praxis gibt es allerdings keine völlig reinerbigen oder spalterbigen Kaninchen. Es ist vielmehr so, dass immer nur eine mehr oder weniger große Anzahl der Genpaare reinerbig ist, die übrigen spalterbig sind. Wenn der Rassezüchter von Reinerbigkeit spricht, so meint er Reinrassigkeit, das ist Reinerbigkeit in allen wichtigen Rassemerkmalen. In den übrigen Merkmalen und Eigenschaften wird Reinerbigkeit nicht verlangt. Auf die nur in spalterbiger Form anerkannten Punktschecken (Kk) wurde bereits hingewiesen. Zu den spalterbigen Rassen gehören außer den Punktschecken noch die Typenmarder (aman), die das Russen- und Dunkelmarder-Gen enthalten. Beide Anlagen treten bei einem Teil der Nachzucht wieder in Erscheinung. Auch bei den Merkmalen mit komplizierter Vererbung, z. B. Holländerscheckung, Silberung u. a., ist Reinerbigkeit nicht erforderlich, wenn auch erwünscht. Der Leistungszüchter legt Wert darauf, dass seine Tiere nicht nur hohe Eigenleistungen bringen, sondern die Leistungsfähigkeit auch möglichst konstant auf die Nachkommen übertragen, soweit Reinzucht betrieben wird.

Anders liegen die Verhältnisse bei den „Hybriden", wie sie gegenwärtig besonders in der Geflügelzucht mit Erfolg entwickelt worden sind. Bei Hybriden, die Kreuzungsprodukte aus zueinander passenden Linien darstellen, wird die Spalterbigkeit zur Erzeugung des Kreuzungseffektes (Heterosiseffekt) und damit zur Leistungssteigerung planmäßig ausgenutzt. Da die maximale Stärke des Kreuzungseffektes nur in der F1 auftritt, werden Hybriden nicht für die weitere Zucht verwendet, sondern immer wieder aus den Ausgangslinien hergestellt.

Bekämpfung der Spalterbigkeit in der Rassezucht

Es gibt wohl kaum eine Rasse, die völlig frei ist von rasse- fremden Anlagen. Dabei spielen der Langhaarfaktor, der Albinofaktor, rassefremde Farbgene und die Holländerfaktoren die größte Rolle. Diese und andere rezessiven Anlagen können oft unerkannt über viele Generationen weiterverbreitet werden. Sie treten erst dann in Erscheinung, wenn beide Eltern gleiche rezessive Anlagen besitzen und auf ihre Nachkommen übertragen.

Zur Bekämpfung der Spalterbigkeit begnügen sich die Züchter im Allgemeinen damit, diese durch Ausmerzen der herausgespaltenen von der betreffenden Rasse abweichenden Tiere und evtl. deren Eltern in einem erträglichen Rahmen zu halten. Die in Züchterkreisen häufig empfohlene Inzucht erhöht zwar den Grad der Wahrscheinlichkeit, rassefremde Gene sichtbar zu machen, sie ist aber kein sicheres Verfahren zur Bekämpfung der Spalterbigkeit. Weil dabei außerdem die Gefahr besteht, dass Inzuchtdepressionen auftreten, sollte man Inzucht nur dort anwenden, wo die Voraussetzungen (z. B. größere Tierzahlen, ausreichende Kenntnisse) vorhanden sind.

Wirksamer, aber auch aufwendiger als die Inzucht sind die sog. Reinerbigkeitsprüfungen. Bei Reinerbigkeitsprüfungen paart man die Prüflinge jeweils mit Tieren derjenigen Rasse, deren Rassemerkmale bei den Prüflingen vermutet werden. Bei den Prüfungen auf den Langhaarfaktor wird deshalb mit Angorakaninchen gekreuzt. Durch Kreuzungen mit Rexen kann der Kurzhaarfaktor, durch solche mit Albinos der Albinofaktor ermittelt werden (ausführlich in: Niehaus 1963). Zur Prüfung auf Holländerfaktoren versagt leider das Verfahren einer Kreuzung mit Holländerkaninchen. Das ist auf den komplizierten Erbgang der Holländerscheckung zurückzuführen. Hier hilft nur das fortlaufende Ausmerzen der mit Holländerfaktoren, z. B. weißen Haarbüscheln, weißen Krallen usw. versehenen Tiere. Im Übrigen sollte der Züchter beim Auftreten rassefremder Anlagen nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten, sondern bei sonst hochwertigen Tieren Zugeständnisse machen. Das ist auch schon deshalb zu empfehlen, weil man beim Kauf neuer Tiere keine Gewähr dafür hat, dass diese frei von rassefremden Anlagen sind.

Leistungseigenschaften

Zu ihnen gehören z. B. Fruchtbarkeit, Milchleistung, Wüchsigkeit, Wolleistung, Krankheitsresistenz und Anpassungsfähigkeit an die Umwelt. Obwohl die Leistungseigenschaften eine große Bedeutung für die Rassezucht und besonders für die auf Erwerb ausgerichteten Betriebe besitzen, sind sie mit Ausnahme der Wolleistung der Angorakaninchen bisher recht stiefmütterlich behandelt worden.

Das ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass es erheblich schwieriger ist, auf Leistungsfähigkeit zu züchten als auf Körpermerkmale. Bei allen Leistungseigenschaften handelt es sich um „quantitative" oder „Mengeneigenschaften". Die erbliche Grundlage bildet eine große Zahl im Einzelnen nicht genau bekannter Erbanlagen. Die Ausprägung erfolgt durch das Zusammenwirken der Leistungsanlagen mit der Umwelt (z. B. Fütterung, Haltung u. a.), wobei die Abhängigkeit von der Umwelt sehr groß ist. So kann z. B. die Wollleistung gleich veranlagter Angorakaninchen erhebliche Unterschiede aufweisen, wenn Menge und Qualität des Futters oder andere Umweltfaktoren verschieden sind. Für die Fruchtbarkeit, das Wachstum und die anderen Leistungseigenschaften gilt das gleiche.

Wegen der großen Bedeutung der Umwelt auf die Leistungen, dem komplizierten Erbgang, der Leistungsanlagen und den zahllosen aus einer Paarung möglichen Genotypen ist es wesentlich schwieriger, auf Leistung zu züchten als auf Körpermerkmale. Es besteht aber kein Zweifel, dass auch die Leistungsfähigkeit erblich ist und dass man durch Anwendung geeigneter Züchtungsverfahren eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit erreichen kann. Aus den vorhergehenden Ausführungen dürfte es aber verständlich sein, dass die Beurteilung von Einzeltieren und der Ergebnisse der einzelnen Paarungen mit so großen Ungenauigkeiten behaftet ist, dass sie in der Leistungszucht nur einen geringen Wert besitzt. Aus Paarungen von zwei Angorakaninchen mit je 1000 g Wollertrag fallen selten nur Nachkommen mit ähnlichen Leistungen. Die Leistungen der Nachkommen von Spitzentieren liegen meist unter, gelegentlich auch über denen der Eltern. Umgekehrt kommt es auch vor, dass Eltern mit durchschnittlichen Wolleistungen Jungtiere erzeugen, deren Leistungen bei einigen oder sogar bei allen Nachkommen höher sind als die der Eltern. Bei anderen Leistungseigenschaften sind die Verhältnisse ähnlich.

Viele Züchter sind deshalb der Meinung, dass die Vererbung der Leistungseigenschaften nur dem „blinden Zufall" unterworfen sei. Das trifft für Einzeltiere auch bis zu einem gewissen Grade zu. Die Verhältnisse werden aber anders, wenn man nicht die Leistungen der Einzeltiere, sondern die Mittelwerte einer größeren Tiergruppe, z. B. einer Zuchtlinie, betrachtet. Wenn man beispielsweise von 200 unter gleichen Bedingungen geprüften Angorakaninchen die über dem Durchschnitt liegenden Tiere (Plus varianten) untereinander paart, und das gleiche mit den Tieren mit unterdurchschnittlichen Leistungen (Minusvarianten) vornimmt, so darf man damit rechnen, dass die Plusvarianten Nachkommen mit höheren Durchschnittsleistungen erzeugen als die Minusvarianten. Setzt man nun das Verfahren einer fortlaufenden Auswahl der besten Tiere und ihre Paarung mit geeignet erscheinenden Partnern über viele Generationen fort, so kommt man zu Tieren mit immer besseren Genkombinationen und steigender Leistungsfähigkeit. Die Entwicklung der Wolleistung beim Angorakaninchen ist hierfür ein instruktives Beispiel.

Maßnahmen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Viele erfahrene Züchter sind schon seit eh und je bemüht, die Fruchtbarkeit und andere wichtige Leistungseigenschaften durch Auswahl entsprechender Zuchttiere zu erhalten und zu verbessern. Auch das Herdbuch und Leistungsgemeinschaften haben sich eine Verbesserung der Leistungen zum Ziel gesetzt. Sicherlich sind diese Bemühungen nicht erfolglos gewesen. Ich bin davon überzeugt, dass es bei allen Rassen bereits Einzeltiere und Stämme mit guter Fruchtbarkeit, Jugendwüchsigkeit, Krankheitsresistenz und bestem Aufzuchtvermögen gibt. Leider sind diese hochwertigen Tiere und Stämme nicht all- gemein bekannt, weil die Leistungsdaten nicht veröffentlicht werden. Ich habe schon wiederholt angeregt (z. B. in: Niehaus, 112 1969), Leistungsaufzeichnungen nach einheitlichen Gesichtspunkten vorzunehmen, die dann von Vertretern der Verbände, Landwirtschaftskammern bzw. Ministerien gesammelt, ausgewertet und veröffentlicht werden. Ich bin mir im Klaren darüber, dass wir mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten z. Z. keine großangelegten und aufwendigen Zuchtprogramme verwirklichen können. Wir müssen uns zunächst mit einfacheren Züchtungsverfahren begnügen. Wenn beim Angorakaninchen mit einfachen Verfahren fortlaufend erstaunliche Steigerungen der Wolleistung erzielt werden konnten (wobei zweifellos die gleichzeitige Verbesserung der Fütterung und Haltung eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle gespielt haben), so sollten auf ähnlichen Wegen auch Verbesserungen in der Fruchtbarkeit, dem Aufzuchtvermögen, der Jugendwüchsigkeit u. a. möglich sein, insbesondere dann, wenn mit den züchterischen Maßnahmen eine gleichzeitige Verbesserung der Umwelt erfolgt. M. E. kommt es in erster Linie darauf an, dass

1. Leistungsaufzeichnungen nach einheitlichen Gesichtspunkten an möglichst vielen Tieren bei vergleichbarer Umwelt von interessierten Züchtern durchgeführt und von geeigneten Personen ausgewertet und veröffentlicht werden;

2. diese Leistungen bei der Zuchtauswahl bzw. beim Kauf von Zuchttieren eine Berücksichtigung finden. Es ist selbstverständlich, dass amtliche Leistungsprüfungen (Mast-Leistungsprüfungen) dabei eine wichtige Hilfe sein können, wie das in der Angorazucht der Fall war und noch ist.

3. Es sollten nur wenige wichtige Leistungsdaten, z. B. Zahl der geborenen, Zahl der aufgezogenen Tiere und das Prüfungsendgewicht verlangt werden, um den Züchter nicht zu überfordern, die Auswertung der Ergebnisse zu erleichtern und Erfolgschancen in der Zucht zu erhöhen. Auf nähere Einzelheiten kann hier nicht eingegangen wer- den. Ich möchte auf bei anderer Gelegenheit von mir gemachte Ausführungen (z. B. Niehaus, 1969) verweisen.

Erforderlich ist die Herausgabe einheitlicher Richtlinien, die vorher zwischen Vertretern der interessierten Institutionen (ZDK, DLG, Landwirtschaftskammern, Ministerien und Wissenschaft) abgestimmt werden sollten. Dabei muss dann auch versucht werden, die Frage der Finanzierung der Prüfung und die Betreuung der mitwirkenden Züchter zu klären. Ich habe in den vorstehenden Ausführungen versucht, einige Probleme der Züchtung auf Merkmale und Eigenschaften des Kaninchens aufzuzeigen, um den Züchtern Anregungen für eine Modernisierung der Kaninchenzucht zu geben. Ich möchte abschließend nochmals betonen, dass eine Verbesserung der Leistungen eine wichtige, bisher vernachlässigte Aufgabe sowohl für die Hobby- als auch für die Erwerbszucht darstellt. Eine Förderung des Leistungsgedankens ist auch deshalb erforderlich, um die Anerkennung und Unterstützung der Kaninchenzucht durch die Behörden zu sichern und mit der Entwicklung bei anderen Tierarten Schritt zu halten.

Literatur:

Nachtsheim, H. 1949 – Vom Wildtier zum Haustier Zweite Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg

Niehaus, Dr. H. 1963 – Die Spalterbigkeit unserer Kaninchen und ihre Bekämpfung. In: Das Blaue Kaninchenjahrbuch 1963

Niehaus, Dr. H. 1969 – Züchtung des Schwarzgrannen-Kaninchens In: Das Blaue Kaninchenjahrbuch 1969

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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