Professor Dr. Ruth Gruhn,

Institut für Tierzucht und Hausgenetik der Universität Göttingen,

Direktor: Professor Dr. F. Haring

„Das Blaue Jahrbuch“ 1964

Die verstärkte Nachfrage nach weißem Fleisch hat dazu geführt, dass neben Kalb- und Geflügelfleisch das Kaninchenfleisch ein marktgängiges Produkt geworden ist. Die Nachfrage danach ist besonders im nordwestdeutschen Raum zeitweilig so stark, dass sie nicht aus deutscher Herkunft gedeckt werden kann und Importe aus den europäischen Nachbarländern notwendig werden. In den Ländern Dänemark, Holland, Frankreich, Belgien nimmt die Kaninchenfleischerzeugung seit vielen Jahren eine beachtliche Stellung ein und in England ist man in den letzten sechs bis sieben Jahren zu einer starken Ausweitung der Kaninchenfleischerzeugung übergegangen. Hier entstehen nach Art der Junggeflügelmast in zunehmen- dem Maße Betriebe mit farmmäßiger Haltung von Kaninchen, wobei man gleichzeitig zu einer weitgehenden Mechanisierung der Arbeit unter Verwendung von Fertigfutter (Pellets) und automatischen Tränken übergegangen ist. Die Zahl der 1965 erzeugten Schlachtkaninchen wird hier auf 50 Millionen geschätzt und das Problem der Vermarktung ist Berichten zufolge schon weitgehend organisiert.

Auch in Deutschland sind Bestrebungen im Gange, derartige Farmbetriebe einzurichten. Zweifelsohne kann man hierbei aus den Erfahrungen in England lernen; sicher ist aber auch, dass man sich in England ebenfalls noch im „Versuchs“-Stadium befindet.

Notwendig ist es, ein gleichmäßiges Angebot an den Markt zu gewährleisten. Der Anfall von Kaninchenfleisch aus der Liebhaberzüchtung, die jeweils nur geringe Tierzahlen umfasst und bei welcher das Fleisch nur ein Nebenprodukt darstellt, hat marktwirtschaftlich nur geringe Bedeutung. Aber nicht nur ein gleichmäßiges Angebot, sondern auch ein solches von gleichbleibender bester Qualität kann dem Kaninchenfleisch neben dem Geflügel- und Kalbfleisch einen Platz auf dem Markt sichern. So ergibt sich für die Fleischkaninchenzüchter die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses in Erzeugergemeinschaften oder die Errichtung größerer Mastbetriebe.

Aus der Vielzahl von Fragen, die sich für die moderne Fleischkaninchenzucht ergeben, sind nachstehend nur einige herausgegriffen, nämlich

1. welche Leistungskomponenten sind für eine wirtschaftliche Kaninchenfleischerzeugung bestimmend?

2. welche Mastmethode ist anzuwenden, um ein den Qualitätsansprüchen entsprechendes marktgängiges Produkt zu liefern?

3. welche züchterischen Maßnahmen können zu einer Leistungsverbesserung getroffen werden? Im Wesentlichen bedingen zwei Leistungskomplexe eine rationelle Kaninchenfleischerzeugung:

a) die erbliche Veranlagung der Tiere für eine gute Mastfähigkeit und eine volle Bemuskelung von Rücken und Keule mit geringem Schlachtverlust und b) die je Häsin je Jahr erzeugte Zahl Masttiere, welche eine Frage der Fruchtbarkeit, Aufzuchtleistung und Konstitution ist.

Zur Frage der erblichen Veranlagung

Die erbliche Veranlagung der Tiere für eine gute Mastfähigkeit, d. h. eine frühzeitige schnelle Gewichtszunahme bei hoher Muskelbildung und geringem Futteraufwand ist eng verknüpft mit der Rassenfrage. Von der Vielzahl der Kaninchenrassen sind in die Gruppe der Fleischkaninchenrassen in erster Linie nur normalhaarige Rassen von mittlerer Größe einzuordnen; denn große Rassen sind zu spät „fertig“ und haben eine zu geringe Schlachtausbeute und kleine Rassen neigen bei frühzeitigem Wachstumsabschluss zu stärkerer Verfettung mit einem damit verbundenen höheren Futteraufwand je Kilogramm Zunahme. Diese Erkenntnis konnte bereits 1952 in einem Mastversuch mit anschließender Ausschlachtung mit Groß-Chinchilla, Marburger Feh und Schwarzloh gewonnen werden (Haring u. Gruhn, 1952). Sie konnte 1961 bei zwei am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik in Göttingen mit Vertretern verschiedener deutscher Kaninchenrassen durch- geführten Mastleistungsprüfungen mit anschließender Ausschlachtung bestätigt werden. Von den hier unter gleichen Haltungs- und Fütterungsbedingungen (Einzelfütterung) geprüften Rassen Groß-Chinchilla, Blaue Wiener, Helle Großsilber, Rote Neuseeländer, Klein-Chinchilla, Japaner und Rexkaninchen erwiesen sich die Hellen Großsilber am wirtschaftlichsten, wenngleich auch hier sowohl in dem Futteraufwand je Kilogramm Zunahme als auch dem Schlachtkörper- wert eine erhebliche Streubreite vorhanden war, so dass eine züchterische Bearbeitung für die Verwendung als Fleischkaninchen notwendig wäre.

Die verbreitetste Fleischkaninchenrasse in den Vereinigten Staaten ist das Weiße Neuseeländer-Kaninchen. Es ist ein mittelschweres Kaninchen mit sehr gut ausgebildetem breiten Rücken und voller Bemuskelung der Keule, so dass es „blockig" wirkt. In England hat es 1958 Eingang gefunden und wird auch hier als die beste Fleischkaninchenrasse angesprochen. Wenig nach in der Verbreitung steht ihm das Californian-Kaninchen, welches aus den Weißen Neuseeländern entwickelt ist, und welches ebenfalls von Amerika aus in England Eingang gefunden hat. Ihm wird eine noch größere Wirtschaftlichkeit als bei den Weißen Neuseeländern nachgerühmt. Von beiden Rassen, besonders aber den Weißen Neuseeländern, bestehen auch in Deutschland schon mehrere Zuchten. Nach Beobachtungen an den Tierbeständen des hiesigen Instituts, welches sowohl aus Amerika als auch England Weiße Neuseeländer besitzt, sind die amerikanischen den aus England importierten in der Konstitution, aber vor allem auch in ihrer vollen breiten Hinterhand und ihrer Walzenform überlegen. Es muss gesagt werden, dass keine deutsche Rasse in dieser Blockigkeit mit den Weißen Neuseeländern konkurrieren kann. Auch die etwas kleineren Californian-Kaninchen, von denen das Institut in Göttingen ebenfalls einige Importtiere aus England besitzt, sind blockig und vor allem auch haben sie eine sehr gute Milchleistung, scheinen allerdings in der Konstitution etwas schwächer. Vom Gesichtspunkt der Züchtung aus gesehen, gibt es mithin Kaninchenrassen, welche hinsichtlich der Frühreife und der Bemuskelung die Anforderungen an ein Fleischkaninchen erfüllen.

Eine Diskussion über die Frage, ob man nicht ähnlich wie in der Geflügelzucht zu einer Gebrauchskreuzung von zwei Rassen oder verschiedenen Linien innerhalb einer Rasse übergehen sollte, scheint im gegenwärtigen Entwicklungsstadium der Fleischkaninchenzucht müßig. Eine erfolgreiche Gebrauchskreuzung, welche Dominanz- und Überdominanzeffekte ausnutzen will, setzt das Vorhandensein von weitgehend ausgeglichenen Rassen oder Linien voraus, die erst in ihrer Kombinationseignung geprüft werden müssen, um dann ein ausgeglichenes, den Ausgangsrassen bzw. -linien überlegenes Marktangebot zu bringen. Aber auch dafür ist ein langer züchterischer Weg notwendig.

Zur Frage der Fruchtbarkeit, Aufzuchtleistung und Konstitution

Der zweite wesentliche Faktor, der die Wirtschaftlichkeit der Kaninchenfleischerzeugung bestimmt, ist die Anzahl Jungtiere, die je Häsin je Jahr gemästet werden können. Je größer diese Anzahl ist, umso niedriger sind die Gestehungskosten. Be- stimmt wird diese Anzahl von

a) der Größe und Aufzuchtleistung des einzelnen Wurfes und

b) der Anzahl Würfe je Häsin je Jahr.

Gerade in der Wurfgröße kann man eine Variation von einem bis zu elf und noch mehr Jungtieren beobachten, wobei diese Variation offensichtlich nicht nur umwelt-, sondern auch erblich bedingt ist. Auch ist es jedem Kaninchenzüchter bekannt, dass eine Häsin eine gute Milchleistung und damit eine gute Aufzuchtleistung hat, eine andere aber nicht. Daraus ergibt sich für den Fleischkaninchenzüchter die dringende Notwendigkeit, die Wurfstärke und Aufzuchtleistung der Zuchthäsinnen sorgfältigst zu beachten und Tiere mit schlechten Leistungen von der Zuchtbenutzung auszuschließen. Von einer guten Zuchthäsin muss man eine Aufzuchtleistung von wenigstens sechs Jungtieren erwarten.

Eine noch offene Frage ist, wieviel Würfe je Häsin je Jahr erzeugt werden können. Dieses ist zweifelsohne eine Frage des Absatzalters. Im Allgemeinen werden die Jungtiere mit acht Wochen abgesetzt. Wird die Häsin sofort nach dem Absetzen wieder gedeckt, dann können im Jahr vier Würfe, d. h. 4X6 = 24 Jungmasttiere erzeugt werden.

In England propagiert man darüber hinaus sehr stark ein frühzeitigeres Absetzen der Jungtiere, und es wird empfohlen

1. Absetzen der Jungtiere mit sechs Wochen, dann sind fünf Würfe je Häsin je Jahr = 30 Masttiere möglich, und

2. Absetzen der Jungtiere mit vier Wochen, dann wären sechs Würfe je Häsin je Jahr = 36 Masttiere möglich.

Zweifelsohne stellt die Aufzucht von sechs Würfen je Jahr sehr hohe Anforderungen an die Konstitution einer Häsin: auch die Futterkosten zur Erzielung von einem Kilogramm Lebendgewichtszunahme werden bei den Jungtieren sehr hoch liegen, so dass ein so frühes Absetzen praktisch keine Bedeutung erlangen dürfte. Dafür sprechen auch die Erfahrungen, die man in der Schweinezucht gesammelt hat. Hier hat man ebenfalls zur Rentabilitätssteigerung die bisher übliche Säugezeit von acht Wochen auf sechs und versuchsweise auf fünf und vier Wochen reduziert. Die mit sechs Wochen abgesetzten Ferkel zeigten die günstigste Gewichtsentwicklung, während die in noch jüngerem Alter abgesetzten Ferkel im Durchschnittsgewicht zurückblieben. Eine ähnlich günstige Tendenz beim Absetzen mit sechs Wochen zeichnet sich bei einem am hiesigen Institut sich über ein Jahr erstreckenden Gruppenvergleich von sechs Wochen zu acht Wochen Säugezeit bei Weißen Neuseeländern ab.

Unabhängig davon, ob nun eine sechs- oder achtwöchige Säugezeit durchgeführt wird, muss sich der Fleischkaninchenzüchter klar darüber sein, dass Fruchtbarkeit, Milchleistung und Gesundheit der Zuchthäsinnen wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg und damit wesentliche Bedingungen für den Aufbau des Zuchtbestandes sind.

Zur Mastmethode

Eng verknüpft mit dem Absatzalter ist die Mastmethode. Für diese ist das Gewicht, bis zu welchem die Jungtiere gemästet werden sollen, mitbestimmend. Während aber bei Rind und Schwein verschiedene Gewichtsklassen vermarktet werden und damit jeweils verschiedene Mastmethoden zur Erzeugung hochwertiger Schlachtkörper notwendig sind, ist beim Kaninchen noch keine Marktorientierung gegeben. Sicher ist aber eine Mast bis 3,0 bis 3,5 Kilogramm, wie sie vielfach zur Erzeugung eines „kernigen" Fleisches mit genügendem Verfettungsgrad als notwendig erachtet und auch auf den Markt gebracht wird, unwirtschaftlich. Der Futteraufwand für ein Kilogramm Gewichtszunahme liegt dann im Durchschnitt bei 4,5 bis 5,0 Kilogramm. Hinzu kommt, dass ein so hohes Schlachtkörpergewicht (rund zwei Kilogramm) auch den Bedarf eines Normalverbrauchers (Vierpersonenhaushalt) überschreitet. Erfahrungen über den Absatz von Schlachtkörpergewichten von etwa 1000 bis 1500 Gramm liegen noch nicht vor, Angebote dieser Gewichtsklasse fehlen in Deutschland.

In England werden gegenwärtig folgende zwei Mastmethoden vorwiegend betrieben:

1. Die Milchmast.

Die Tiere bleiben bis zum Alter von acht Wochen bei der Häsin und erhalten als Beifutter ein konzentriertes Kraftfutter (Pellets), an welches sie bereits im Alter von zwölf bis vierzehn Tagen herangehen. Beim Absetzen mit acht Wochen werden die Jungtiere geschlachtet und als Brat- oder Portionskaninchen (fryer rabbits) dem Verbraucher angeboten. Das Schlachtkörpergewicht bewegt sich um 1000 Gramm. Das Angebot erfolgt in fertigen Packungen, in welchen die Teilstücke das Auge ansprechend einsortiert sind.

2. Die Mast mit verkürzter Säugezeit (Zehnwochenmast).

Bei dieser Mastmethode werden die Jungtiere mit vier bis sechs Wochen abgesetzt und dann bis zum Alter von zehn Wochen mit Pellets weitergemästet. Hier wird ein Durchschnittsgewicht von etwa 2,5 Kilogramm erreicht, so dass das Schlachtkörpergewicht zwischen 1200 bis 1500 Gramm liegt. Der Futteraufwand ist durchschnittlich mit drei Kilogramm anzusetzen. Als Vorteile dieser Mastmethoden ist ohne weiteres zuzugeben, dass

1. Verluste, die immer wieder einmal im Alter von drei bis vier Monaten auftreten, vermieden werden,

2. das Angebot sich auf den Normalbedarf eines Durchschnittsverbrauchers erstreckt und nach Erfahrungen am hiesigen Institut als qualitativ hochwertig angesprochen werden kann.

Offen bleibt aber die Frage der Wirtschaftlichkeit und in dieser Hinsicht dürfte die Milchmast der Zehnwochenmast überlegen sein. Bei ersterer mit der langen Säugezeit von acht Wochen kann in verstärktem Maße wirtschaftseigenes Futter genutzt werden und das Kraftfutter stellt eine Ergänzung zur Muttermilch dar. Bei der Zehnwochenmast mit der kurzen Säugezeit aber erscheint es notwendig, den Jungtieren ein konzentriertes Pre-Starter zur Ausschöpfung des erblich bedingten Muskelbildungsvermögens beizufüttern (durch Trennung der Jungen von der Häsin), wodurch aber die Mast verteuert wird. Auch sollte für das Absetzen eines Wurfes nicht so sehr das Alter als vielmehr das Gewicht der Jungen bestimmend sein.

Selbstverständlich eignen sich für ein solches Marktangebot nur frühreife mittelschwere Rassen. Große und spätreife Rassen setzen in diesem Alter erst mit der Muskelbildung ein. Die Organisation dieses Marktes muss als eine weitere Aufgabe der deutschen Fleischkaninchenzüchter angesehen werden.

Züchterische Maßnahmen zur Leistungsverbesserung

Die am hiesigen Institut durchgeführten Leistungsprüfungen auf Mastleistung und Schlachtkörperwert mit jeweils vier Tieren eines Wurfes in Einzelfütterung führte zu dem Ergebnis, dass innerhalb der in größerer Anzahl geprüften Hellen Großsilber eine große Streubreite für die Merkmale der Mastleistung (Zunahme und Futterverwertung) vorhanden war. Auch für den eigenen Weißen-Neuseeländer-Bestand gilt das gleiche. Da diese Leistungsprüfungen unter einheitlichen Haltungs- und Fütterungsbedingungen durchgeführt wurden, ist der Schluss berechtigt, dass die beobachteten Unterschiede weitgehend erblich bedingt sind. Daraus geht aber hervor, dass eine Selektion innerhalb der Rassen auf Wachstumsfreudigkeit und Schlachtkörperwert erfolgversprechend ist und die Wirtschaftlichkeit dadurch verbessert werden kann.

Eine Selektion kann aber nur dann wirksam durchgeführt werden, wenn man die erbliche Veranlagung der zur Zucht eingesetzten Tiere hinsichtlich der erwünschten Leistungsmerkmale zuverlässig abschätzen kann.

Eine „Eigenleistungsprüfung“ der Zuchttiere, bei welcher diese selbst in die Mastprüfung genommen werden, scheidet für das Kaninchen aus, da hier einmal die Gefahr der Verfettung und damit Zuchtuntauglichkeit gegeben ist, zum anderen aber auch der Schlachtkörperwert nicht sicher am lebenden Tier beurteilt werden kann. So kommt für das Kaninchen nur eine Nachkommenprüfung in Frage. Derartige Prüfungen werden in Deutschland seit drei Jahrzehnten beim Schwein durchgeführt, und es wird anhand der Prüfungsergebnisse Zuchtwahl auf solche Elterntiere betrieben, deren Nachkommen in der Probemast am wirtschaftlichsten waren. Dabei begnügt man sich zur Schätzung des Zuchtwertes eines Vatertieres mit der Prüfung von drei Nachkommengruppen zu je vier Ferkeln aus drei verschiedenen Sauen, wobei die Anlieferung der Prüfungstiere mit acht Wochen erfolgt. Eine in ähnlicher Form 1962 am hiesigen Institut durchgeführte erste Nachkommenprüfung mit Hellen Großsilbern, bei welcher zwei und auch mehr Nachkommengruppen eines Bockes mit je vier bis auch acht Tieren von insgesamt sechs Rammlern geprüft wurden, und die Anlieferung der Tiere mit acht Wochen erfolgte, ließ offensichtlich erblich bedingte Unterschiede zwischen den Bock-Nachzuchten erkennen. Trotzdem kann diese Form der Prüfung für das Fleischkaninchen nicht als die beste angesehen werden und zwar aus folgenden Gründen:

1. zwischen dem Absatzgewicht und dem Gewicht in einem bestimmten Alter besteht eine positive Beziehung, d. h. je höher das Absatzgewicht ist, umso höher ist das Gewicht in einem bestimmten Alter der Entwicklung.

Das „Vorleben“ der Prüfungstiere beeinflusst das spätere Mastergebnis und dies umso mehr, je kürzer und früher der Prüfungsabschnitt liegt.

2. Das Absatzgewicht ist nicht Ausdruck des von beiden Elternteilen erhaltenen Erbgutes für Frohwüchsigkeit, sondern er ist weitgehend abhängig

a) von dem Säugevermögen der Häsin,

b) von der Größe des Wurfes,

c) von der gehandhabten Beifütterung seitens des Kaninchenhalters.

Es ist hier ein mütterlicher Einfluss wirksam, welcher nichts mit der erblichen Veranlagung der Jungmasttiere zu tun hat und welcher auch noch auf die spätere Entwicklung (nach dem Absetzen) nachwirkt. Diese Komponente bleibt aber bei der Prüfung unberücksichtigt.

3. Es wurde schon weiter oben dargelegt, dass für eine wirtschaftliche Fleischkaninchenzucht Fruchtbarkeit und gutes Säugevermögen der Häsinnen wesentliche Voraussetzungen sind. Mithin ist es notwendig, auch diese Leistungskomponenten in die Prüfung einzubeziehen.

Aus diesen Gründen sollte eine Leistungsprüfung beim Fleischkaninchen bei der Geburt der Jungtiere beginnen, d. h. es müsste die gedeckte Häsin an die Prüfstation angeliefert werden. Dabei sollten auch hier jeweils drei nicht verwandte Häsinnen von dem gleichen Bock gedeckt sein. Dann aber ist die Gewähr gegeben, dass die tragenden und säugenden Häsinnen jeweils gleiche Haltungs- und Fütterungsbedingungen haben, dass die Wurfgröße für alle Häsinnen auf die gleiche Stärke gebracht wird und eine Beurteilung des Säugevermögen möglich ist,

– dass die Beifütterung und auch die Fütterung nach dem Ab- setzen gleich gestaltet sind und eine Futterumstellung. wie sie eine Anlieferung acht Wochen alter Jungtiere vom Züchter mit sich bringt, wegfällt. Diese Form der Leistungsprüfung lässt sich noch dadurch idealer gestalten,

– dass man die zur Prüfung vorgesehenen Rammler für zwei bis drei Zuchtperioden auf die Prüfstation stellt und die Häsinnen auf der Station gedeckt werden, sowohl bei der Aufnahme der Prüfung als auch bei einem zweiten Wurf. Dann würden auch Bedenken gegen das Umstellen von tragenden Häsinnen entfallen.

Eine in solcher Form auf breitester Basis durchgeführte systematische Prüfung wird sicher dazu beitragen, durch eine darauf aufbauende Selektion innerhalb der zur Fleischerzeugung gehaltenen Rassen wirtschaftlich bedeutsame Fortschritte zu erzielen.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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