Lothar Thormann, Waldheim „Das Blaue Jahrbuch“ 1999

Die Hermelinkaninchen sind zeitlich gesehen die „Urzwerge unter unseren Kaninchenrassen“ und erfreuen sich bei Züchtern und Ausstellungsbesuchern aller Altersgruppen großer Beliebtheit. Die Meldezahlen anlässlich vieler Schauen sind im Steigen begriffen. Standen 1991 zur 20. Bundesschau insgesamt 559 Hermelin Rotaugen und Blauaugen in Nürnberg, so waren es am selben Ort zur 23. Bundesschau 1997 619 Hermelinkaninchen in den Abteilungen der Züchterjugend, der Senioren und der Abteilung Herdbuch. Der Aufwärtstrend lässt sich auch an den Tierzahlen bei Landes-, Kreis- und Vereinsschauen sowie in den Clubschauen nachweisen.

Häufig begegnen wir auch den Hermelin in der Heimtierhaltung. Die geringe Körpergröße und das muntere Wesen von Zwergkaninchen sprechen Kinder wie Eltern gleichermaßen an. In den Vereinen werden nicht selten durch diese Umstände, verbunden mit der gewünschten Zucht von Hermelinkaninchen, Jugendliche als Mitglieder gewonnen. Aber auch mancher ältere „Züchterfuchs“ hält sich neben seiner Stammrasse aus Freude an den Kleinsten Hermelin und stellt sie auch Jahr für Jahr aus. Dem großen Kreis der Hermelinfreunde und jenen, die es gewiss noch werden, soll nachfolgend ein informativer Blick in die Rassegeschichte, die Rassemerkmale sowie in Haltung, Zucht und Bewertung als Anregung zur Weiterbeschäftigung mit unseren schönen Zwergkaninchen ermöglicht werden.

Die Entstehung der kleinsten weißen Normalhaarkaninchen

Die Vorgänger unserer heutigen Hermelinkaninchen entstanden etwa mit dem Beginn der organisierten Kaninchenzucht in Vereinen im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Genaue Angaben hierüber sind bis heute leider immer noch nicht vorhanden. Über die Entstehung der allerersten Hermelin, der Hermelin, Rotaugen, gibt es verschiedene z. T. recht widersprüchliche Abhandlungen. Die eine Version erwähnt als Rasseursprung kleine weiße oder auch gescheckte Hauskaninchen mit einer besonderen, dem Fell des Großwiesels oder Hermelin (Mustela erminea) nahekommenden Fellstruktur, die im Erzgebirge weit verbreitet waren. Polnische Kürschner kauften diese Felle auf, und es sollen auch Zuchttiere nach Polen gekommen sein. Von Polen aus gelangten diese Kleinkaninchen nach England, wo sie „Polnische“ oder „Polish“ genannt wurden. 1884 stellten zwei Engländer im ostenglischen Hull erstmalig albinotische weiße Zwergkaninchen aus, die aber danach wenig Beachtung und Verbreitung fanden. Um die Jahrhundertwende importierten deutsche Züchter aus England weiße Zwerge, und 1903 standen sie in Sachsen zum ersten Mal zur Schau. Dann begannen deutsche Züchter auch damit, aus den eingeführten Zuchttieren die typischen Hermelin mit ihrer gedrungenen Körperform, dem dicken Kopf und kurzen Ohren herauszuzüchten. Den Weg unserer Hermelin kann man seit 1908 anschaulich an den geforderten Rassemerkmalen der verschiedenen deutschen Standards verfolgen.¹)

Neuere Untersuchungen brachten die englische Version ans Tageslicht, wonach das Polnische Kaninchen eine der ersten in England rein gezüchteten Kaninchenrassen war, die jedoch ihren Ursprung in Belgien hatte und aus Russen und Holländern entstand. Die „Polish“ hatten damals ein Gewicht von 1,6 bis 2,0 kg und wurden wegen ihres zarten, schmackhaften Fleisches gehalten. Die Besonderheit der Fellstruktur fand keine Erwähnung.

Es ist neben Albinos auch schon von blauäugigen Polish die Rede. In der Folge wurden diese ersten „englischen Hermelin“ auch nach den Niederlanden ausgeführt, wo sie zu den niederländischen Zwergen, den „Netherland Dwarf“, mit großer Ähnlichkeit zu unseren heutigen Hermelin umgezüchtet wurden. Diese Zwergkaninchen fanden zurück nach England, wo sie noch heute neben den „Polish“ als eigenständige Rasse in vielen Farbenschlägen und Zeichnungen gezüchtet werden.²)

Die blauäugigen Hermelin aus Sachsen

Die heute in Europa überall anzutreffenden Hermelin, Blauaugen, sind etwa um 1910 bis 1920 in Dippoldiswalde bei Dresden auch unter Verwendung von Hermelin, Rotaugen, und Holländern als Rasse geschaffen worden. Der Reformstandard von 1920 gibt dazu wertvolle Hinweise. Durch die Kombination mit sehr guten Hermelin, Rotaugen, erreichten die Blauaugen ihren hohen Rassestand. Die Wiedervereinigung brachte in den neuen Ländern die dringend benötigten Kontakte zu führenden Zuchten in den alten Bundesländern.

Die Rassepositionen der Hermelin im ZDK-Standard 97

Nicht nur der ernsthafte Züchter und Aussteller von Hermelin, sondern auch der Liebhaber dieser schönen Zwergrasse sollte die einzelnen Rassepositionen und ihre Besonderheiten kennen.

Position 1 „Gewicht“: Das Mindestgewicht beträgt 1,0 kg, und mit 1,5 kg wurde das Höchstgewicht festgelegt. Tiere, die ausgewachsen zwischen 1,1 und 1,35 kg Körpergewicht auf die Waage bringen, zeigen die normalen Gewichtswerte.

Position 2 „Körperform und -bau“: Die typische Körperform eines Hermelinkaninchens ist gedrungen, überall schön gerundet und relativ kurz. Die kleine Blume liegt fest am Körper an. Weder Rammler noch Häsin dürfen einen Wammenansatz zeigen.

Position 3 „Fell“: Kurz – dicht – weich ist mit wenigen Worten die Forderung an ein sehr gutes Hermelinfell. Die feinen Grannen sind gleichmäßig verteilt und verleihen dem Fell in der Zeit der Fellreife, also nach der Herbsthaarung im Winter, einen reifartigen, zarten Glanz. Auch die kurzen Ohren sollen durchweg gut behaart sein.

Position 4 „Kopf“: Der Kopf eines Hermelinkaninchens ist im Verhältnis zum kleinen, kurzen Rumpf auffallend groß und markant. Rammler sollen eine Stirnbreite von 5,5 cm, Häsinnen eine solche von 5,0 cm besitzen. Die großen Augen treten leicht hervor und unterstützen die auffällige Erscheinung des Kopfes. Insgesamt soll der Kopf einer Hermelin-Häsin etwas feiner sein als der eines Rammlers und soll sich damit erkennbar von diesem unterscheiden.

1,0 Hermelin, Blauaugen, 23. Bundes-Kaninchenschau Nürnberg 1997 97,5 Pkt. Sieger (Peter Nölke, Iserlohn). Foto: B&S Fotostudio

0,1 Hermelin, Rotauge, 17. DDR-Siegerausstellung 96 Pkt. Sieger (Lothar Thormann, Waldheim). Foto: Stengel

Position 5 „Ohren“: Die kurzen, für unsere Hermelin typischen Ohren besitzen mit 5,5 cm die ideale Länge. Überschreitet die Ohrenlänge das Maß von 7,0 cm, erfolgt der Ausschluss des Tieres bei einer Bewertung mit dem Prädikat „nicht befriedigend". Neben der Ohrenlänge beeinflussen die Ohrenstellung, die gut gerundeten Ohrenspitzen sowie die Stärke des Ohrgewebes eine Bewertung in dieser Position.

Position 6 „Farbe und Gleichmäßigkeit“: Die reinweiße Deckfarbe erstreckt sich möglichst über den ganzen Körper. Die Haar-Unterfarbe entspricht der Deckfarbe.

Ein feiner Glanz verleiht dem Fell die besondere Note eines Hermelinfelles.

Die Augenfarben bei den Hermelin, Rotaugen, ist rot durchleuchtend, die der Blauaugen ist blau. Die Krallen der Hermelinkaninchen sind farblos (weiß).

Position 7 „Pflegezustand“: Die weiße Deckfarbe unserer Hermelin erfordert ganz besonders, dass gute Pflege und Sauberkeit im Stall das ganze Zuchtjahr über oberstes Gebot sind. Vor allem Läufe und Ohren, aber auch Bauchfell und Geschlechtsecken müssen sauber gehalten werden. Krallenschneiden gehört ebenso wie die Unterstützung der Tiere beim Haarwechsel zu den selbstverständlichen Tätigkeiten des Züchters.

Besonderheiten in Zucht und bei Hermelin-Bewertungen

Es ist ein Trugschluss, dass sich die Hermelin besonders als Anfängerrasse eignen und z. B. jugendliche Züchter schnell zum Erfolg gelangen. Nur der Bedarf an Stallraum pro Zuchttier sowie an Futter insgesamt ist geringer als bei größeren Rassen. Die Zucht verlangt jedoch einige Erfahrungen, Ausdauer und den Blick für Rassefeinheiten. Selbst die besondere Futtertechnik für Zwergkaninchen muss man erst einmal „in den Griff“ bekommen, weil die kleinen Kerle, und davon wieder die Zuchthäsinnen, z. B. bei ständiger Pelletfütterung oder traditioneller Winterfütterung oft recht schnell verfetten und in der Zuchtleistung versagen. In der Zucht von Hermelinkaninchen muss beachtet werden, dass es sich um die einzige spalterbige, einfarbige Rasse handelt.

Bekanntlich fallen in Hermelin-Würfen nicht nur größenmäßig einheitliche Jungtiere, sondern bereits bei Neugeborenen fallen Tiere auf, die nur etwa 15 bis 20 g wiegen (Geburtsgewicht normal beträgt 30 bis 40 g) und nach kurzer Zeit verenden.

Von den verbleibenden Jungen können sich einige besonders gut entwickeln und zeigen später die äußeren Merkmale eines untypischen Hermelin mit auffallend gestrecktem Rumpf und relativ langen Ohren. Sie sind reinerbig und können nicht ausgestellt, jedoch als Häsinnen mit dem passenden typischen „Ausstellungshermelin" gepaart zur Zucht benutzt werden. Mit den bekannten Erbformeln ausgedrückt, spalten in einer großen Zahl von Würfen bei Hermelin (und auch den Farbenzwergen) die Nachkommen wie folgt auf:

Eine weitere Besonderheit der Zwergkaninchenzucht ist die im Vergleich zu größeren Rassen geringe Anzahl der geworfenen Jungtiere. Im Durchschnitt kann bei guter Zuchtführung mit etwa drei aufgezogenen Jungen pro Wurf gerechnet werden. In Zuchten, die sehr stark auf den maskulinen Typ orientieren, liegt die Wurfgröße noch etwas niedriger. Würfe mit vier bis sechs Jungen zeigen selten durchweg den typischen Ausstellungs-Zwerg. Man ist des- halb gut beraten, eine effektive Hermelinzucht mit ausreichend Muttertieren zu betreiben, um im Herbst einigermaßen an Ausstellungen teilnehmen zu können. Die Stallanlage muss dafür eine ausreichende Anzahl von Zucht- und Aufzuchtboxen aufweisen.

Die Zuchtmethoden bei den Hermelin unterscheiden sich wenig von denen, die bei anderen Kaninchenrassen angewandt werden. Um den Anteil der Kümmerlinge sowie Inzuchtdepressionen (Zahnfehler, deformierte Gliedmaßen, geringe Wurfstärke) schritt- weise herabzusetzen, sollte die Inzucht sehr vorsichtig betrieben werden. Stattdessen müssen mehr als bisher durch gezielten Einsatz von großrahmigen Häsinnen die Wurfgröße angehoben und die Zuchtziele durch Selektion, d. h. durch strenge Zuchtauslese, erreicht werden.

Die Zuchtziele im Phänotyp, also in der äußeren Erscheinung der Hermelinkaninchen, müssen z. T. neu formuliert werden, um von den extrem großen, breitschnauzigen Kopfpartien mit den wiederum immer kürzer werdenden Ohren mit allen ihren Auswirkungen auf das Zuchtgeschehen etwas wegzukommen.

Die Bewertung unserer Hermelinkaninchen verlangt von jedem Preisrichter Kenntnisse über die Feinheiten der Rasse und natürlich wie bei anderen Rassen auch Einfühlungsvermögen. Etwas gestreckte Körperformen und auch fehlende Brustbreite rechtfertigen Punktabzüge, insbesondere bei erwachsenen Ramm- lern. In der Position 3 werden nicht selten etwas harte, grannenreiche und auch im Haar etwas lange Felle zu hoch bewertet. K – D – W, also kurz dicht weich ist die Formel für ein sehr gutes Hermelinfell, und wir finden es bei den anderen Rassen in gewisser Ähnlichkeit nur bei den Russenkaninchen.

Die Bewertung der Kopf-Position erfolgt in den meisten Fällen richtig, obwohl bei Hermelin-Häsinnen der Abstand in Größe und Feinheit der Kopfform zu den Rammlern eingehalten werden muss.

Obwohl wir bei den Hermelin im Gegensatz zu den Farbenzwergen eine volle Position Platz zur Bewertung der Ohren haben, wird oft nur die Ohrenlänge, weniger die Ohrform, -stellung und die Gewebestruktur gesehen. Aber auch bei sehr kurzen Ohren gibt es Fragen einiger PR-Kollegen, da hierüber im Standard unterhalb der Maßangabe 5,5 cm nichts geschrieben steht. Ich habe deshalb über den LV Sachsen der ZDK-Standardkommission vor einiger Zeit vorgeschlagen, folgende differenzierte Bewertung der Ohrenlänge bei Hermelin (und Farbenzwergen) einzuführen:

Vorzüge und Mängel bei Ohrenstellung, Ohrform und Gewebestruktur sind mit der Vergabe oder dem Abzug von halben Punkten zu berücksichtigen.¹)

Ein letzter Gedanke zur Hermelin-Bewertung soll sich mit der Position 6, der Farbe und Gleichmäßigkeit, befassen. Eine sogenannte reine, weiße Farbe zeigen nur Tiere, die wenig Felldichte (Unterwolle) besitzen, sehr sauber gehalten wurden oder mit diversen Reinigungshilfen geputzt wurden. Besitzt die Deckfarbe einen feinen, sahneartigen Schimmer, dann mindert das keineswegs den Wert der Fellfarbe, sondern hat ihre Ursache in der vorhandenen sehr guten bis vorzüglichen Dichte der Behaarung. Eine hohe Bewertung der Position ist gerechtfertigt.

Anders liegt der Fall, wenn an sich sauber erscheinende Hermelin den leicht grauen Anflug an den kurzbehaarten Körperteilen sowie über den ganzen Körper zeigen. Wenn eine Schauleitung aufgrund minderwertigen Käfig-Einstreumaterials die Farbminderung nicht auf sich nimmt, erscheint der Punktabzug gerechtfertigt. Zu einer gerechten Farbbewertung nicht nur bei weißen Rassen gehört jedoch auch das ausreichende, nach Möglichkeit natürliche Tageslicht. Nicht immer finden wir Preisrichter diese idealen Verhältnisse vor.

Die Hermelinkaninchen in Gegenwart und Zukunft

Das oben Gesagte zur Entstehung der Hermelinkaninchen in den Standard-Augenfarben Rot und Blau, zu den einzelnen Rassepositionen sowie die angesprochenen Besonderheiten in Zucht und fachgerechter Bewertung soll der Versuch sein, eine überaus interessante Kaninchenrasse in gebotener Kürze vorzustellen. In unserer reizüberfluteten Zeit bekommt es vielen Menschen gut, sich nach anstrengender Arbeit oder ganz einfach zur Ablenkung vom tagtäglichen Einerlei mit Haus- oder Heimtieren zu befassen. Die liebenswerten Zwergkaninchen haben so unzählige Freunde und Liebhaber gewonnen.

Unser Hermelin als älteste Rasse bei den kleinsten Kaninchen bereiten nicht nur Freude und Entspannung, sondern stellen den ernsthaften Züchter vor eine Reihe ernsthafter züchterischer Aufgaben. Sie zu lösen verlangt Anstrengung und Ausdauer zugleich, mit dem Ergebnis einer großen Befriedigung als Freizeitzüchter. Jugendlichen Hermelin-Züchtern sollten erfahrene Züchterfreunde aus der Familie oder dem Verein tatkräftige Unterstützung angedeihen lassen.

Die Entwicklung von Zucht und Haltung geht auch an den Hermelin nicht spurlos vorbei. So wird zukünftig von Vereins- und Clubzüchtern weiter nach Vervollkommnung der Rassemerkmale gestrebt. Andererseits gilt es, etwas überspitzte Äußerlichkeiten, wie Kopfgröße oder Ohrenlänge, sowie Zuchtmethoden im Interesse einer noch besseren artgerechten Zucht und Haltung den Erfordernissen schrittweise anzupassen.

Eines wird aber ganz gewiss unverändert bleiben oder gar noch zunehmen: die große Verbreitung und Beliebtheit unserer Hermelin-Kaninchen!

Weiterführende Literaturquellen:

1) Thormann, L.: „Farbenzwerge“, Verlagshaus Oertel + Spörer, 1997

2) Sandford, J. C.: „The Domestic Rabbit“, 5. Edition, Blackwell Science, Oxford 1996 (Übersetzung von H. Graebner, Brand-Erbisdorf, Mitglied der PV Sachsen)

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.