Willi Römpert, Reilingen/Bd. – „Das Blaue Kaninchen Jahrbuch“ 1957

Eine der erfreulichsten Feststellungen im Leben des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter ist die Aufmerksamkeit und Förderung, die man heute in fast allen seinen Untergliederungen dem Züchternachwuchs, den Jugendgruppen, zuteilwerden lässt. Die Mehrzahl der Kaninchen- und Kleintierzuchtvereine hat die Notwendigkeit und Bedeutung der Jugendgruppen für die Weiterentwicklung und den Fortbestand des Vereinslebens erkannt, und es gibt heute verhältnismäßig nur noch wenige Außenseiter, die sich dieser dringenden Aufgabe hemmend in den Weg stellen. Schuld daran ist meistens, dass sich im Verein keine ideal gesinnte Persönlichkeit findet, die die Geschicke der Jugendgruppe in die Hand nimmt.
Wer sich wie der Schreiber dieser Zeilen seit einer Reihe von Jahren mit dem Werdegang unserer Jugendorganisation intensiv beschäftigt, bei vielen Anlässen immer wieder auf die Bedeutung der Jugendbetreuung hingewiesen und so manche Jugendgruppe mit aus der Taufe gehoben hat, der dürfte sich m. E. das Recht erworben haben, die gesammelten Erfahrungen und seine eigenen Gedanken in dieser heiklen Frage niederzuschreiben. Sie sollen dazu beitragen, unseren Jugendorganisationen weiteren Auftrieb zu geben, die Jugendbetreuung zu vereinheitlichen und ein gesundes Verhältnis zwischen Stammverein und Jugendgruppe zu schaffen. Viele Wege führen nach Rom, viele Möglichkeiten stehen uns bei der Durchführung dieser lebens- notwendigen Vereinsarbeit zur Verfügung. Die beste Lösung zu finden und festzulegen bedarf der Mitarbeit aller verantwortungsbewussten Kaninchenzüchter, die ich hiermit gleichzeitig zur Aktivität aufrufen möchte.
Jugendbetreuung ist und muss in erster Linie Aufgabe des Vereins sein und die Jugendgruppe stets eine Untergliederung desselben bleiben. Hier in der untersten Gliederung der Organisation sind die besten Möglichkeiten zur Erfassung der Jugend für unsere Ideale gegeben. In dieser Hinsicht haben viele Jugendleiter in den letzten Jahren ersprießliche Aufbauarbeit geleistet. Ausgehend von der unumstößlichen Tatsache, dass es bei der Betreuung der Jugendgruppen darum gehen muss, den gewonnenen Jugendlichen die Liebe zum Tier einzupflanzen, ist es ihnen gelungen, Jugendgruppen zu bilden, von denen unsere Organisation bestimmt Nutzen haben wird. Andere Jugendleiter haben andere Wege beschritten, indem sie versuchten, die jungen Tierfreunde über Nacht zu fertigen Züchtern zu machen. Sie haben nach meinen Erfahrungen weniger Erfolg und keine Freude an ihrer Arbeit gefunden. Nach meinen Beobachtungen ist es grund- falsch, wenn wir bei der Betreuung der Züchterjugend unsere Aufgabe allein darin erblicken, die jugendlichen Kaninchenfreunde gleich zu ausgesprochenen Züchtern ausbilden zu wollen. Es erscheint mir viel zweckmäßiger, wenn wir sie zuerst als Tierfreunde gewinnen und es im Laufe der Zeit verstehen, sie zu gewissenhaften Tierpflegern zu erziehen. Die Zucht selbst und deren Handhabung sollen dabei zwar nicht zu kurz kommen, aber doch erst in zweiter Linie Berücksichtigung finden.
Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, dass manche anfänglich von der Kaninchenzucht begeisterte Jugendliche bei Erreichung eines gewissen Alters Freude an anderen Dingen finden und dann ihre Kaninchenhaltung vernachlässigen, um sie später vielleicht ganz aufzugeben. Ich möchte hierbei nur an die verschiedensten Sportarten erinnern, denen sich doch heute, bestimmt nicht zu ihrem Schaden, so viele Jugendliche widmen. Es ist m. E. grundfalsch, wenn Jugendleiter ihren Schützlingen die Ausübung eines Sportes verbieten wollen, wie man dies manchmal erleben kann, da sie befürchten, dass ihnen dann die Jugendlichen für unsere Ideale verloren gehen. Wenn es nun im Laufe der Jahre gelungen ist, die jungen Menschen zu Tierfreunden zu formen, dann werden wir sie in den allerwenigsten Fällen verlieren. Sollten sie uns aber trotzdem den Rücken kehren, dann wird ein großer Teil davon später, wenn der aktive Sport beendet ist, und wenn zwischenzeitlich vielleicht die eigene Familie gegründet wurde, wieder zu uns zurückfinden. Voraussetzung hierzu ist jedoch, dass wir es verstanden haben, in diese jungen Menschen die Tierliebe einzupflanzen und sie über die wirtschaftliche Bedeutung der Kaninchenhaltung richtig aufgeklärt haben.

In diesem Sinne sollte die Jugendbetreuung in unseren Kaninchen- und Kleintierzuchtvereinen gestaltet werden, die vor allem ihren Niederschlag in den Zusammenkünften der Jungzüchter findet. Hier ist es Aufgabe der Jugendleiter, die zu behandelnden Themen so zu wählen, dass die Jugend vor allem Freude und Liebe zu unseren Kaninchen gewinnt, dass sie sich langsam aber sicher darüber klar wird, dass jede Liebhaberei auch Pflichten mit sich bringt, die gerade in der Kleintierzucht täglich gewissenhaft und sorgfältig erledigt werden müssen. Dass man dabei auch besonderen Wert darauf legen muss, der Jugend die neuesten Erkenntnisse im Stall- und Gerätebau, sowie Zweck und Ziel des Tierschutzes näher zu bringen, dürfte all den Zuchtfreunden eine Selbstverständlichkeit sein, die sich ihrer Aufgabe als Tierfreund und Kleintierzüchter voll bewusst sind. Überhaupt sollten unsere Jugendgruppen, speziell auf dem Lande, wo nur in den seltensten Fällen Tierschutzvereine bestehen, überall dort beratend und helfend in die Bresche springen, wo es darum geht, dass oftmals harte Los der Kreatur zu mildern. Kleine Prämiierungen sollten im Hinblick auf Stallungen, Tierpflege, Gerätebau, Zuchtbuchführung und ähnliches, Platz greifen. Dass den Sonderschauen unserer Jugendgruppen ein Ehrenplatz gebührt, sollte heute zum Allgemeingut aller Ausstellungsleitungen gehören, wie es andererseits auch selbstverständliche Pflicht sein muss, dass sich die Jungzüchter unter Anleitung des Ausstellungs- und Jugendleiters ihre Schau selbst ausgestalten. Den Jugendschauen muss man es auf den ersten Blick anmerken, dass bei ihrem Aufbau junge Menschen am Werk waren, die sich die Tierliebe und -pflege auf ihre Fahne geschrieben haben. Um nun den Vereinsjugendleitern für die Gestaltung der Jugendbetreuung Anregungen und Hinweise geben zu können, lasse ich nachstehend einen sich über ein ganzes Jahr erstreckenden Arbeitsplan folgen, bei dessen Beachtung die Versammlungen der Jungzüchter interessant gestaltet und vor allem auch die zuvor aufgeworfenen Gedanken verwirklicht werden können.
Arbeitsplan
Monat
Vortragsthema
Arbeitsplan Praktische
Januar
Der ZDK, seine Geschichte und Gliederung
Fellspanner, Heu- und Grünfutterraufen
Februar
Warum Zuchtwahl
Bastelarbeiten: Wurfkiste
März
Die Betreuung des 1. Wurfes
Bastelarbeiten: Versetzbarer Jungtierauslauf
April
Die wichtigsten Futterpflanzen und Unkräuter
Zubereitung von Weichfutter aus Küchenabfällen
Mai
Ausflug der Jugendgruppe mit Besuch einer Vereinszuchtanlage
Die Schur der Angorakaninchen
Juni
Zuchtbuchführung und Kennzeichnung
Tierbesprechung: Große Rassen
Juli
Vorbeugen ist besser als Heilen
Tierbesprechung: Kleine Rassen
August
Großreinemachen im Kaninchenstall
Tierbesprechung: Mittlere Rassen
September
Haarwechsel und Rohfellbehandlung
Tierbesprechung: Lang- und Kurzhaarrassen
Oktober
Zweck und Ziel des Tierschutzes
Bastelarbeiten: Lehr- und Dekorationsmaterial für die Lokalausstellung
November
Die Jugend gestaltet ihre Ausstellung selbständig Gemeinsamer
Mitarbeit bei der Ausgestaltung der Vereins- und Jugendausstellung
Dezember
Besuch einer groß. Kaninchenausstellung
Die Jugend frägt der Jugendleiter, Zuchtwart und erfahrene Züchter antworten
Wenn es den Betreuern unserer Jugendgruppen gelingt, bei den jungen Kaninchenfreunden die Liebe und Freude zum Tier zu wecken, sie mit den Pflichten und Arbeiten eines guten Tierpflegers und Züchters vertraut zu machen, dann wird es leicht sein, sie später zu ganzen, begeisterten Kaninchenzüchtern zu formen.



