Arno Dietrich, Eppenbrunn – „Das Blaue Jahrbuch“ 1999
Anatomie ist die Lehre vom Aufbau des Organismus eines Lebewesens. In diesem Abschnitt werden die am wichtigsten erscheinenden Körperteile behandelt: Bau und Funktion der Verdauungsorgane, Atmungsorgane, Harnorgane und Geschlechtsorgane. Fell, Knochen, Muskulatur und Gehirn werden in einem anderen Be trag besprochen.
Die Verdauungsorgane
Die Verdauung der Nahrung beginnt bereits in der Mundhöhle, so dass man diese schon zu den Verdauungsorganen rechnen muss. Direkt ins Auge fallen beim Kaninchen die Zähne. Es besitzt davon 28; wobei die 6 Nagezähne es in die Gattung der Nagetiere einreihen.
Besonders die Nagezähne verdienen eine gesonderte Betrachtung. In Ober- und Unterkiefer befinden sich je zwei große Nagezähne. Die beiden restlichen Nagezähne finden sich als kleine Stifte hinter den oberen Nagezähnen. Beim Zubeißen ruhen die beiden unteren Nagezähne auf den kleinen Stiftzähnen. Diese Eigenart, nämlich insgesamt 6 Nagezähne zu besitzen, haben nur die sogenannten doppelzähnigen Nagetiere. Ratten, Mäuse und Hamster besitzen lediglich 4 Nagezähne. Für den Züchter ist es bedeutsam zu wissen, dass die Nagezähne ständig wachsen, also nur durch täglichen Gebrauch auf ihrer normalen Länge gehalten werden.
Die „langen Zähne“, die immer wieder in manchen Zuchten auftreten, beruhen auf einer unter Umständen erheblichen Verkürzung des Unterkiefers gegenüber dem Oberkiefer. Das Tier hat somit keine Möglichkeit, seine Nagezähne gegeneinander abzuschleifen; es kommt zu obengenannter Missbildung.
Mit der Zerkleinerung der Nahrung durch die Zähne ist es mit der Verdauung in der Mundhöhle noch nicht getan. Zahlreiche Speicheldrüsen geben ihr Sekret in die Mundhöhle ab, wodurch die in der Nahrung enthaltene Stärke in Zucker umgewandelt wird. Die so vorbereitete Nahrung gelangt durch den Schluckakt in die Speiseröhre, einen muskulösen Schlauch, der durch Zusammenziehen und Erschlaffen seiner Wandmuskulatur die Nahrung bis zum Mageneingang leitet.
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