was der Rassezüchter wissen und beachten sollte.

Gekürzte Fassung aus Neuerscheinung „Petersen, HB-Kaninchenfleisch“

Dr. Heinrich, deuka Deutsche Tiernahrung GmbH & Co. KG

Das „Blaue Jahrbuch“ 2005

Die Frage der ausgewogenen und gesunden Kaninchenfütterung steht in vielen Gesprächen und Diskussionen mit Züchtern immer wieder im Mittelpunkt des Interesses. Jeder Züchter hat dabei seine eigenen Erfahrungen, die er über viele Jahre erfolgreicher Zuchtarbeit gesammelt hat. Das sind in vielen Fällen sehr wichtige Erkenntnisse, die wesentlich zum Zuchterfolg und zur Gesunderhaltung der Kaninchen beitragen können. Diese speziellen Erfahrungen und Erkenntnisse können aber nur wirksam werden, wenn die wichtigen Grundsätze der bedarfsgerechten, ausgewogenen Kaninchenfütterung bereits praktiziert werden.

Die Ernährung der Kaninchen ist in den vergangenen Jahrzehnten international von den Wissenschaftlern umfassend untersucht worden. Neue Erkenntnisse der Wissenschaft werden von der Fütterungsberatung aufgenommen und in entsprechende Fütterungskonzepte eingebaut. Darauf basierend gilt es, die Tagesration der Kaninchen in den unterschiedlichen Wachstums- und Zuchtphasen ausgewogen zusammenzusetzen.

Grundlage: „Den Blinddarm füttern“

Von großer Bedeutung für die Rationsgestaltung sind die Besonderheiten des Verdauungssystems beim Kaninchen. Über die Fermentation im Blinddarm, der etwa 49 % des Gesamtvolumens im Verdauungstrakt ausmacht, kann das Kaninchen Futtermittel mit relativ niedriger Nährstoffkonzentration vergleichsweise gut verwerten. Allerdings ist das Kaninchen für eine funktionierende Verdauung auch auf die gezielte Unterstützung der Bakterienflora im Blinddarm angewiesen. Eine der wichtigsten Kriterien ist dabei die Sicherstellung eines Mindestgehaltes an Strukturkohlenhydraten (Rohfaserfraktionen) in der Tagesration und die Begrenzung des Gehaltes an leicht löslichen Kohlenhydraten, vor allem Stärke. Die ausgewogene Versorgung der Kaninchen mit Strukturkohlenhydraten wird heute nicht mehr nur durch die analytische Größe „Rohfaser“ gekennzeichnet. Neue Empfehlungen aus Belgien und Frankreich differenzieren diese Nährstofffraktion heute weiter gehend. Die Strukturkohlenhydrate setzen sich aus Cellulose, Hemicellulosen (Pentosane, Hexosane) und unverdaulichen Substanzen, vor allem Lignin, zusammen. Die Zusammensetzung ist in jedem pflanzlichen Futtermittel unterschiedlich. Die vorstehend näher benannten Strukturkohlenhydrate sind enzymatisch im Dünndarm des Kaninchens so gut wie nicht zu verdauen. Nur die Darmbakterien können durch Fermentation diese Kohlenhydrate unter Bildung von kurzkettigen Fettsäuren und u. a. Methan aufschließen. Da diese Strukturkohlenhydrate für die stabile Blinddarmverdauung und damit für die Gesunderhaltung des Kaninchens eine wichtige wertbestimmende Nährstofffraktion darstellen, werden heute Empfehlungen zur Versorgung mit diesen verschiedenen Kohlenhydratfraktionen angegeben. Praxisuntersuchungen und Erfahrungen in der Zuchtpraxis zeigen, dass die Berücksichtigung dieser Erkenntnisse in der Futterkonzeption wie auch Gestaltung der Tagesration hilft, Darmerkrankungen vorzubeugen, die sich im Blind- und Grimmdarm manifestieren können.

„Grobfutter“ – was ist für eine ausgewogene Ernährung zu beachten

In der Rassezucht ist die Fütterung von „Grobfutter“ (frisches oder konserviertes Grünfutter, Wurzelfrüchte etc.) weit verbreitet. Die am häufigsten verwendeten Futtermittel sind Wiesen- oder Weidegras, Kleegras, Luzernegras, die verschiedenen daraus gewonnen Heuvarietäten, Futterrüben, Möhren, Kartoffeln und andere Saftfutter. Diese Liste lässt sich noch erweitern. Gemeinsam haben die meisten frischen Grobfuttermittel, dass sie im Vergleich zu Konzentratfutter eine deutlich geringere Trockenmasse (mehr Feuchte), eine niedrigere Verdaulichkeit der organischen Substanz und damit einen niedrigeren Energiegehalt aufweisen. Außerdem ist die erforderliche ausgewogene Versorgung mit Protein, mit lebenswichtigen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen über die alleinige Fütterung mit Grobfutter nicht sicherzustellen. Die Folge eines solchen Fütterungsregime ist eine deutliche Mangelernährung. Dies äußert sich in reduzierter Gewichtsentwicklung während der Aufzuchtphase, in verringerter Wurfzahl und Wurfstärke bei der Häsin sowie häufig in einer gestörten Verdauung mit Durchfallerscheinungen als Folge. Das Grobfutter muss also umfassend und richtig ergänzt werden. Der Anteil an Nährstoffmenge aus dem Grobfutter an der gesamten täglichen Nährstoffversorgung ist gerade bei den mittelschweren und schweren Rassen höchstens zur Deckung des Erhaltungsbedarfes anzusetzen. Saftfutter wie Möhren und Rüben, Grünfutter sowie auch Heu sind aber aus Gründen der Beschäftigung und des Auslebens natürlicher Verhaltensweisen als Nager wichtig und empfehlenswert. Die Nähr- und Wirkstoffdeckung für die Leistungsanforderungen erfolgt über die Fütterung entsprechend ausgewogener Konzentratfutter.

Hinsichtlich der Qualität des angebotenen Grobfutters ist insbesondere auf die Hygiene zu achten. Grobfutter, frisch oder anschließend konserviert, wie auch Saftfutter werden sehr bodennah oder aus dem Boden heraus gewonnen. Hier besteht die Gefahr der Infektion des Kaninchens mit krank machenden Keimen wie Kokzidien, Clostridien oder auch pathogenen Colibakterien, wenn die Futtergewinnung nicht ordnungsgemäß erfolgt und es zu deutlichen Verschmutzungen des Futters mit Erde gekommen ist. Aber auch während der Lagerung konservierter Futtermittel kann es zu einer Beeinträchtigung der hygienischen Qualität kommen. Hier besteht z. B. die Gefahr, dass sich Schimmelpilze vermehren, die über ihre Toxine (so genannte Mykotoxine) die Gesundheit der Kaninchen nachhaltig schädigen können. So können Mykotoxine in hoher Dosis u. a. bei Häsinnen zu Aborten führen. Der Züchter hat ein recht einfaches Kriterium zur Beurteilung der Qualität: Riecht das Heu muffig oder stellt man gräuliche bis schwärzliche Farbveränderungen fest, hat dieses Grobfutter nichts im Stall zu suchen. Desgleichen gilt natürlich auch für das zur Einstreu verwendete Stroh.

Einzelne Züchter füttern auch hin und wieder getrocknetes Altbrot an die Kaninchen. Dies ist vom Grundsatz her durchaus möglich. Allerdings muss auch hier auf die hygienische Qualität unbedingt geachtet werden. Ist das Brot vor dem Trocknen bereits angeschimmelt, gehört es in den Bioabfall und nicht in den Kaninchenstall. Aber auch gute Qualität sollte nur in deutlich begrenztem Umfang verabreicht werden, da Altbrot einen hohen Gehalt an leicht löslichen Kohlenhydraten aufweist. Gelangen davon zu hohe Mengen in den Blind- und Grimmdarm, kann es zu Verdauungsstörungen auf Grund eines unkontrollierten Wachstums von potenziell pathogenen Darmbakterien wie Escherichia coli oder auch Clostridien kommen. Daher ist die Menge an Altbrot bei mittelschweren Rassen auf höchstens 40 g je Tier und Tag zu beschränken.

Wasser ist wichtigster „Nährstoff“

Besonderes Augenmerk sollte der Züchter auf die Wasserversorgung der Kaninchen legen. Der Satz: „Wasser ist der wichtigste Nährstoff" beschreibt, worauf es ankommt: Kaninchen müssen freien Zugang zu Trinkwasser haben – unabhängig von der verabreichten Futterart (Grobfutter, Saftfutter oder Trockenfutter). Den täglichen Wasserbedarf der Kaninchen kann man nach Auswertungen von Schlolaut (2003) etwa über die Faustzahl „gefressene Futtertrockenmasse (in g) x Faktor 3 gleich Mengenbedarf an Wasser (in ml)“ ableiten. Die Mengenverhältnisse lassen sich gerade bei der säugenden Häsin besonders gut verdeutlichen, da sie auf Grund ihrer Milchleistung einen besonders hohen Wasserbedarf hat. Gleichzeitig nimmt sie aber zur Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfes auch viel Futter auf. So benötigt eine säugende Häsin, die 400 g Futtertrockenmasse je Tag frisst, mindestens 1,2 Liter Wasser! Das Wasser muss hygienisch einwandfrei sein und sollte mindestens einmal täglich erneuert werden (wenn nicht zentral aus dem Wassernetz versorgte Selbsttränken verwendet werden). Aus hygienischer Sicht ist das Wasserangebot aus Flaschen mit Saugrohren oder Nippeltränken den offenen Tränkeschalen vorzuziehen. Alle Tränkegefäße sind in regelmäßigen Abständen zu reinigen, da sich in den Behältern z. B. Algen und auch potenzielle Schadkeime festsetzen können. In der Zuchtpraxis hat sich die leichte Ansäuerung des Tränkewassers bewährt. Hier kommt z. B. im Haushalt üblicher Obstessig mit einer Dosierung von 50 bis 100 ml auf 101 Wasser zum Einsatz. Es gibt aber auch entsprechende Säurepräparate im Handel, die hohe Wirksamkeit und Anwenderfreundlichkeit aufweisen. Die Säure sichert den hygienischen Zustand des Wassers und wirkt allgemein positiv auf die Stabilisierung des pH-Wertes im Magen und darüber dann auf die Verdauung.

„Pelletiertes Kaninchenfutter“ – umfassende Bedarfsdeckung als ist Grundlage

Die auf Basis, der eingangs dargestellten wissenschaftlichen Versorgungsempfehlungen abgeleiteten Nähr- und Wirkstoffeckwerte für die so genannten „Konzentratfutter“ sollen zum einen sicherstellen, dass die Kaninchen bei alleiniger Fütterung ausgewogen versorgt sind. Zum anderen muss die Futterkonzeption aber auch die ausgewogene Ergänzung der Grobfutter in der Tagesration ermöglichen. Da die Grobfutter in der Tagesration nur einen sehr begrenzten Teil des Nährstoffbedarfes decken können und in den marktüblichen Alleinfutterkonzeptionen auch fachlich begründete Sicherheitszuschläge berücksichtigt sind, kann man die energiestärkeren „Alleinfutter“ auch zur Grobfutterergänzung verwenden. Besonders Wert gelegt werden muss auf die sachgerechte Verwendung der verschiedenen im Markt erhältlichen Alleinfuttertypen für Kaninchen. Dazu gibt Schlolaut (2003) die folgenden praktischen Hinweise:

1. Alleinfutter nur für diejenigen Tiere verwenden, für die sie hergestellt wurden.

2. Alleinfutter nicht durch andere konzentrierte Futterkomponenten (z. B. Hafer oder auch Gerste) ergänzen – das verdünnt insbesondere die Mineral- und Wirkstoffe. Die Zufütterung von Grobfutter als „Leckerbissen“ ist wegen der geringen Nährstoffkonzentration aber möglich.

3. Zur beliebigen Aufnahme wird das Kaninchen-Alleinfutter nur an säugende Häsinnen und Jungkaninchen bis zum Alter von 12 Wochen gegeben.

4. Immer Wasser mit anbieten.

„Futterpelletierung“

Viele Konzentratfutter werden in pelletierter Form hergestellt. Hintergrund ist das Futteraufnahmeverhalten der Kaninchen. Als Nager können Kaninchen mehlförmige Futter nur äußerst schlecht aufnehmen. Daher ist die Pelletqualität, d. h. möglichst ohne Mehlanteil, ein äußerst wichtiges Qualitätskriterium.

Ganz wesentlichen Einfluss hat natürlich die Rezeptur des Futters, d. h. die Auswahl der Komponenten und deren jeweiliger Anteil im Futter. Sie muss einerseits auf den Bedarf des Tieres ausgewogen abgestimmt sein, andererseits muss beachtet werden, dass die Rezeptur auch „pelletierbar“ ist. Das ist ebenfalls über die Komponentenwahl mit beeinflussbar. So benötigt man u. a. auch eine gewisse Menge Stärke im Futter, da diese verkleisternd wirkt und in Verbindung mit dem Dampf unter Druck und Wärme dann als „Klebmasse“ dient. Dabei muss natürlich berücksichtigt werden, dass in einem Kaninchenfutter für eine stabile Verdauung nicht mehr als ca. 16 % Stärke enthalten sein sollte. Auch Melasse als Nebenprodukt der Zuckergewinnung hat positiven Einfluss auf die Pelletierung. Unter Beachtung aller vorstehend genannten Parameter und Bedingungen wird dann letztendlich ein stabiler Kaninchenfutterpellet hergestellt.

Die Komponenten für Kaninchenfutter – Herkunft und Kennzeichnung

Die Herkunft der im Kaninchenfutter verwendeten Einzelkomponenten und die Begründung für ihre Verwendung stehen immer wieder im Mittelpunkt des Züchterinteresses. Daher soll nachstehend auf diese Fragen eine Antwort gegeben werden. Dazu sind die für die Herstellung von Kaninchenfutter üblicherweise in Betracht kommenden Einzelfuttermittel entsprechend der Einteilung in der „Positivliste für Einzelfuttermittel“ (Normenkommission, 2003) aufgelistet und näher beschrieben.

Getreidekörner, deren Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse

Gerste

Gerste stellt die wichtigste Getreideart in der Kaninchenfutterrezeptur dar und nimmt je nach angestrebtem Energiegehalt einen Anteil von bis zu 30 % ein. Es bestehen keine weiteren Einsatzbeschränkungen.

Weizen

Der Einsatz von Weizen im Kaninchenfutter wird nach praktischen Erfahrungen durch den Kleber-Eiweiß-Anteil im Protein des Weizens stark begrenzt. Es gibt deutliche Hinweise aus der Fütterungspraxis, dass durch höhere Mengen Kleber-Eiweiß die Entwicklung von pathogenen Keimen wie Clostridien im Blind- und Dickdarm gefördert wird. Daher ist zu empfehlen, den Weizenanteil im Kaninchenfutter auf maximal 10 % zu begrenzen.

Roggen

Für die Tierernährung bestimmt der Gehalt an Stärke (ca. 55 %) und Protein (ca. 11 %) seinen Wert, wodurch auch der Energiegehalt beeinflusst ist. Roggen hat als Komponente im Kaninchenfutter in Deutschland keine Bedeutung. Internationale Empfehlungen lauten auf eine Einsatzrate von maximal 5%.

Triticale

Triticale ist heute eine bedeutende Futtergetreideart und für die Kaninchenfütterung nährstoffseitig dem Weizen nahe zu stellen. In der praktischen Rezepturgestaltung können bis zu 15 % Triticale verwendet werden, darüber hinaus gehende Anteile sind auf Grund des Stärkegehaltes nicht empfehlenswert.

Hafer

Für die Tierernährung sind der Stärke-, Fett- und der im Vergleich zu den übrigen Getreidearten mit ca. 10 % hohe Rohfasergehalt (Ballaststoffe) bestimmend. Hafer kann in üblichen Kaninchenfutterrezepturen mit bis zu 15 % Verwendung finden, wenn er verfügbar und ökonomisch interessant ist.

Mais

Mais kann im Kaninchenfutter ohne Beschränkungen verwendet werden. Rein praktisch wird die Einsatzrate in Kombination mit den übrigen Komponenten und unter Beachtung der Nährstoffeckwerte (u. a. begrenzter Stärkegehalt im Futter) in der Rezeptur bei unter 10 % Anteil liegen.

Weizenkleie, Weizengrießkleie

Für die Verwendung im Kaninchenfutter sind vor allem der Rohfaser- und Rohproteingehalt (ca. 13-15 % mit guter Verdaulichkeit von knapp unter 80 %) bestimmend. Weizenkleie wird im Futter vornehmlich als diätetisch wirkende Komponente eingesetzt; sie zeichnet sich durch ein sehr gutes Quellvermögen aus. Dementsprechend kann auch Weizengrießkleie Verwendung finden. Allerdings ist hier der höhere Stärkegehalt zu beachten. Verwendung finden je nach angestrebtem Energiegehalt des Futters Anteile von bis zu 35 % Weizenkleie. Es gibt keine anderweitigen Einsatzbeschränkungen.

Haferschälkleie

Der Rohfasergehalt ist für die Verwendung in der Kaninchenfütterung bestimmend und kann je nach Spelzenanteil zwischen unter 20 bis über 25 % variieren. Je höher der Rohfasergehalt, umso niedriger ist der Rohproteingehalt. Bei der handelsüblichen Ware beträgt der Rohfasergehalt zwischen 20 und 25 % und der Rohproteingehalt zwischen 6 und 10 % (Verdaulichkeit mit etwa 40 % recht niedrig). Haferschälkleie wird als diätetische Komponente mit bis zu 30 % Anteil verwendet werden. Den Einsatz begrenzt der niedrige Energie- und hohe Rohfasergehalt.

Maiskleberfutter

Maiskleberfutter kann im Kaninchenfutter mit bis zu 15 % verwendet werden. Höhere Anteile sind auf Grund der Nährstoffzusammensetzung nicht sinnvoll.

Weizenkleberfutter

Ein Teil des Weizenklebers, die abgetrennten Weizenschalen und getrocknetes Weizenquellwasser ergeben das Produkt Weizenkleberfutter. Das Produkt enthält ca. 24 % Stärke und ca. 16 % Rohprotein. Der Einsatz von Weizenkleberfutter ist auf Grund des Anteils Kleber-Eiweiß deutlich begrenzt und sollte 5 bis 10 % nicht überschreiten.

Ölsaaten und Ölfrüchte, deren Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse Leinextraktionsschrot

Leinextraktionsschrot enthält ca. 33 % Rohprotein (mit über 80% hohe Verdaulichkeit), ca. 9 % Rohfaser und einen hohen An- teil an Hemicellulosen sowie andere Nicht-Stärke-Polysaccharide. In der Kaninchenfütterung kann Leinextraktionsschrot mit bis zu 5% eingesetzt werden, wenn es verfügbar ist.

Palmkernkuchen/ -expeller

Nach Abpressen des Öls verbleibt der Palmkernkuchen oder -expeller mit ca. 16-18 % Rohprotein, ca. 15-16 % Rohfaser, ca. 6- 10% Rohfett und einem hohen Anteil an Cellulose, Pentosanen und anderen Strukturkohlenhydraten. Auf Grund dieser Zusammensetzung kann Palmkernkuchen in der Kaninchenfutterrezepturmit bis zu 10 % Verwendung finden. In Deutschland ist die Verwendung dieser Komponente allerdings nicht praxisüblich.

Rapsextraktionsschrot

Die heute im Markt verfügbaren Rapsprodukte können bedenkenlos in der Fütterung verwendet werden. Rapsextraktionsschrot enthält als bedeutende Inhaltsstoffe ca. 35 % Rohprotein, ca. 11 % Rohfaser und zeichnet sich durch einen im Vergleich zu anderen eiweißreichen Schroten erhöhten Gehalt an der essenziellen Aminosäure Methionin im Protein aus. Der Fettgehalt beträgt nur noch ca. 2 %. In der Kaninchenfütterung kann Rapsextraktionsschrot rein fachlich mit bis zu 5 % verwendet werden, wobei der Einsatz aber nicht praxisüblich ist.

Sojabohne, dampferhitzt

Das bedeutendste Nebenprodukt der Sojabohne ist das Sojaextraktionsschrot. Rohe Sojabohnen enthalten so genannte Trypsininhibitoren, die die Verdaulichkeit des Proteins beim Tier behindern. Daher werden Sojabohnen vor Verwendung in der Fütterung grundsätzlich einer Wärmebehandlung (Toastung) unterzogen. Dabei werden diese Inhaltsstoffe abgebaut und das Protein der Sojabohne weist dann für Kaninchen eine sehr hohe Verdaulichkeit (deutlich über 80 %) auf. Für die Verwendung im Kaninchenfutter sind der Gehalt an Rohprotein (ca. 36 %), der Gehalt an essenziellen Aminosäuren (Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan) und der Fettgehalt (ca. 17 %) bestimmend. Der hohe Fettgehalt macht die behandelte Sojabohne in den energiestarken Kaninchenfuttersorten zu einer interessanten Protein- und Energiekomponente. Der Fettgehalt ist gleichzeitig auch der wichtigste begrenzende Faktor für die Verwendung. Praxisüblich sind in den energiestarken Kaninchenfuttersorten Anteile bis etwa 6 %.

Sojaextraktionsschrot, dampferhitzt

Das Protein des getoasteten Schrotes weist eine sehr hohe Verdaulichkeit (deutlich über 80 %) auf. Für die Kaninchenfütterung sind der Gehalt an Rohprotein (zwischen 42 und 48 %) und der Gehalt an essenziellen Aminosäuren (Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan) bestimmend. Der Rohproteingehalt hängt von der Behandlung der Sojabohne vor der Ölextraktion ab. Wird die Bohne vorher geschält, enthält das Schrot einen höheren Rohproteingehalt und weniger Rohfaser und umgekehrt. Der Anteil im Kaninchenfutter richtet sich nach dem angestrebten Proteingehalt im Futter und den übrigen verwendeten Komponenten. Es gibt ansonsten keine Einsatzbeschränkungen. Praxisüblich sind Anteile zwischen 2 und 12 %.

Sojaschalen

Die Soja(bohnen)schalen zeichnen sich durch einen hohen Rohfasergehalt (ca. 34 %) und einen mittleren Rohproteingehalt (ca. 11%) aus. Die Rohfaser hat beim Kaninchen eine niedrige Verdaulichkeit (unter 10 %). Das Produkt findet im Einzelfall in energieschwächeren Kaninchenfuttersorten als Ballaststofflieferant mit bis zu 5 % Verwendung.

Sojaöl

Das Öl enthält hohe Anteile ungesättigter Fettsäuren, die für die flüssige Konsistenz bei Zimmertemperatur verantwortlich sind. Es sind dies die einfach ungesättigte Ölsäure, die lebenswichtige zweifach ungesättigte Linolsäure und die dreifach ungesättigte Linolensäure. Sojaöl ist exemplarisch für die verschiedenen anderen Pflanzenöle wie Rüböl oder auch Sonnenblumenöl zu betrachten, die einzeln oder im Gemisch verwendet werden können. Im Kaninchenfutter werden Pflanzenöle in erster Linie in den energiereichen Sorten mit bis zu 2% eingesetzt.

Sonnenblumenextraktionsschrot

Sonnenblumenextraktionsschrot aus geschälter Saat enthält ca. 40% Rohprotein und ca. 11 % Rohfaser, aus teilgeschälter Saat ca. 33 % Rohprotein und ca. 20 % Rohfaser. Es gibt außerdem Sonnenblumenschrotqualitäten mit noch geringerem Rohprotein- und höherem Rohfasergehalt. Das Rohprotein hat beim Kaninchen mit über 75% eine hohe Verdaulichkeit. Diese Inhaltsstoffe bestimmen auch die Verwendung in der Kaninchenfutterrezeptur. Es werden in Kombination mit den anderen Komponenten Anteile von bis zu 25% verwendet. Anderweitige Einsatzbeschränkungen bestehen nicht.

Körnerleguminosen, deren Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse

Erbse

Für die Fütterung wird die Futtererbse verwendet. In der Kaninchenernährung sind sowohl der Rohprotein (ca. 23%) als auch der Stärkegehalt (ca. 41 %) von Bedeutung. Die Proteinverdaulichkeit beträgt über 80 %. Beachtet werden muss bei Verwendung der Futtererbse der vergleichsweise niedrige Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren, vor allem Methionin. Der Methioningehalt der Futterrezeptur muss über andere Proteinkomponenten wie z. B. Sojaschrot oder durch Zulage von reinem Methionin entsprechend dem Bedarf ergänzt werden. Erbsen können auf Grund der Nährstoffzusammensetzung mit bis zu 10 % in der Rezeptur eingesetzt werden.

Ackerbohne

Ackerbohnensorten werden in manchen landwirtschaftlichen Betrieben aus Fruchtfolgegründen angebaut. Für die Verwendung in der Kaninchenernährung sind der Gehalt an Rohprotein (ca. 26 %; ca. 80% Verdaulichkeit) und Stärke (ca. 38 %) bestimmend. Beachtet werden muss bei Verwendung der Ackerbohne der vergleichsweise niedrige Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren, vor allem Methionin. Der Methioningehalt der Futterrezeptur muss über andere Proteinkomponenten wie z. B. Sojaschrot oder durch Zulage von reinem Methionin entsprechend dem Bedarf ergänzt werden. Bei Verfügbarkeit können Ackerbohnen mit bis zu 10 % im Kaninchenfutter eingesetzt werden.

Süßlupinen

Die in der Fütterung verwendeten blauen (Lupinus angustifolius), gelben (Lupinus luteus) und weißen (Lupinus albus) Süßlupinen sind alkaloidfreie Neuzüchtungen. Süßlupinen enthalten zwischen 30 (blaue Sorte) und 38 % (gelbe Sorte) Rohprotein (hohe Verdaulichkeit von deutlich über 80 %) sowie zwischen 12 (weiße Sorte) und 15% (gelbe Sorte) Rohfaser. Sie können beim Kaninchen mit bis zu 10 % im Futter eingesetzt werden.

Knollen und Wurzeln, deren Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse

Zuckerrübenschnitzel

Je nach Anteil des Melasseanteils unterscheidet man Trockenschnitzel (9-16 % Zucker, 15 % Rohfaser), Melasseschnitzel (16- 23 % Zucker, 14 % Rohfaser) und zuckerreiche Melasseschnitzel (über 23 % Zucker, 12 % Rohfaser). Trocken- und Melasseschnitzel können im Mischfutter Kaninchen mit bis zu 8 % eingesetzt werden. Der Anteil ist durch den Zuckergehalt begrenzt.

Zuckerrübenmelasse

U. a. enthält die Melasse alle wasserlöslichen Nichtzuckerstoffe der Rübe, vor allem Rohproteinverbindungen (ca. 10-12 %, davon ca. 50 % Betain). Zuckerrübenmelasse findet im Kaninchenfutter mit bis zu 5 % Verwendung und ist eine für die Pelletierung positiv wirkende Komponente. Die Einsatzrate wird fütterungsseitig durch den hohen Zuckergehalt bestimmt und begrenzt. Neben der Zuckerrübenmelasse kann auch Rohrzuckermelasse verwendet werden.

Maniok

Sie haben je nach Herkunftsland und Verarbeitungsstufe einen Stärkegehalt zwischen 55 und 65 % und sehr niedrigen Rohproteingehalt (ca. 2 %). Damit stellen sie einen reinen Energieträger dar. In der Kaninchenernährung hat Maniok eine zu vernachlässigende Bedeutung. Rein fachlich kann Maniok mit bis zu 10 % in der Rezeptur verwendet werden.

Nebenerzeugnisse des Gärungsgewerbes und der Destillation

Malzkeime

Malzkeime zeichnen sich durch hohe Gehalte an leicht löslichen Kohlenhydraten (ca. 13 % Zucker), Rohfaser (ca. 13 %) und Roh-rotein (ca. 27 %) aus. Da Malzkeime durch ihren Rohfasergehalt einen guten diätetischen Wert besitzen, der Proteingehalt aber recht hoch ist, können sie im Kaninchenfutter mit bis zu 10 % eingesetzt werden.

Wirtschaftseigene Grobfuttermittel und Grünfutterprodukte

Luzernegrünmehl

In einer ausgewogenen Kaninchenfutterrezeptur ist diese Komponente mengenbestimmend und wird praxisüblich mit bis zu 35 % eingesetzt. Der Anteil wird durch die Nährstoffeckwerte der Rezeptur und die weiteren verwendeten Komponenten bestimmt. Daneben gibt es keine Einsatzbeschränkungen. Neben Luzernegrünmehl kann auch Grasgrünmehl zum Einsatz kommen. Die zur Kaninchenfutterherstellung verwendeten Grünmehle sind als Hauptkomponente gleichzeitig bestimmend für den Geruch des Futters und darüber für die erste Akzeptanz beim Kaninchen. Daher kommt der gezielten Auswahl bester Grünmehlqualitäten besondere Bedeutung zu. Nur hygienisch absolut einwandfreie, aromatisch riechende Grünmehlqualitäten sichern eine entsprechende Akzeptanz mit Mängeln behaftete Qualitäten sind auszuschließen, sie können auch nicht durch Zusatz von Aromen ausgeglichen werden.

Mineralstoffe

Calciumcarbonat

Calciumcarbonat enthält 38,5 % Calcium und wird in der Kaninchenernährung zur gezielten bedarfsgerechten Ergänzung des Futters mit dem wichtigen Mengenelement Calcium verwendet. Die Calciumgehalte in den pflanzlichen Einzelfuttermitteln sind nicht ausreichend, den Bedarf zu decken, und erfordern daher die gezielte Ergänzung.

Dicalciumphosphat

Dicalciumphosphat wird als hochverfügbarer Calcium- und Phosphorträger aus anorganischen Verbindungen gewonnen. In der Kaninchenernährung findet das Produkt zur gezielten bedarfsgerechten Ergänzung des Futters mit den wichtigen Mengenelementen Calcium und Phosphor Verwendung.

Monocalciumphosphat

In der Kaninchenernährung findet das Produkt zur gezielten bedarfsgerechten Ergänzung des Futters mit den wichtigen Mengenelementen Calcium und Phosphor Verwendung.

Monodicalciumphosphat

Es wird als hochverfügbarer Calcium- und Phosphorträger auf chemischem Wege hergestellt. In der Kaninchenernährung findet das Produkt zur gezielten bedarfsgerechten Ergänzung des Futters mit den wichtigen Mengenelementen Calcium und Phosphor Verwendung.

Natriumchlorid

Es enthält 38 % Natrium und wird in der Kaninchenernährung zur gezielten bedarfsgerechten Ergänzung des Futters mit dem wichtigen Mengenelement Natrium verwendet. Die Natriumgehalte in den pflanzlichen Einzelfuttermitteln sind nicht ausreichend, den Bedarf zu decken (Aufrechterhaltung des Salzhaushaltes im Körper) und erfordern daher eine gezielte Ergänzung.

Aminosäuren und ihre Salze sowie analoge Erzeugnisse

Methionin

Da Cystin aus Methionin im Stoffwechsel umgewandelt werden kann, der umgekehrte Weg aber nicht möglich ist, wird in vielen Fällen eine gezielte Ergänzung des Kaninchenfutters mit synthetisch hergestelltem Methionin vorgenommen. Dazu stehen zwei Produkte zur Verfügung: zum einen aus den Ausgangsstoffen Propylen, Methan, Ammoniak und Methylmercaptan auf synthetischem Wege hergestelltes DL-Methionin. Methionin ist in der DL- Form vom Tier vollständig zu verwerten, da im Stoffwechsel die D- Form in die L-Form überführt wird. Zum anderen wird in der Tierernährung neben DL-Methionin auch eine Vorstufe der reinen Aminosäure, das Hydroxy-Analog von Methionin, verwendet. Diese Vorstufe wird ebenfalls über eine chemische Synthese hergestellt. In der Natur kommt das Hydroxy-Analog von Methionin z. B. als Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen bei Gärungsvorgängen wie beispielsweise in Grundfuttersilagen vor.

Lysin

In der Kaninchenernährung kann Lysin als Einzelaminosäure zur Sicherstellung der Versorgung der Tiere je nach Futtersorte verwendet werden. Die Verwendung selbst und die Dosierung ist abhängig von dem angestrebten Gehalt im Futter und den weiteren eingesetzten Komponenten. Diese Komponentenliste kann sicher noch sehr viel weiter gefasst werden. Mit den hier eingehend beschriebenen Einzelfuttermitteln ist aber das in Deutschland verwendete Spektrum an Komponenten, die in Kaninchenfutterrezepturen verwendet werden, weit gehend abgedeckt. Entscheidend für die Qualität eines Kaninchenfutters ist neben der ausgewogenen Zusammensetzung, basierend auf den aktuellen praktischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Kontinuität in der Rezeptur. Rezepturänderungen sollten dann erfolgen, wenn es neue Erkenntnisse gibt oder sich die Einschätzung einer Komponente auf Grund veränderter Nährstoffgehalte geändert hat.

… zu guter Letzt

Viele Fragen rund um die Fütterung der Kaninchen und deren Einfluss auf den Zuchterfolg beschäftigen die Züchter landauf und landab. Die Wissenschaft liefert mit den Ergebnissen zum Nährstoffbedarf der Kaninchen in den unterschiedlichen Produktions- und Wachstumsphasen die Basis für die ausgewogene Gestaltung der Tagesration. Die Tiernahrungsindustrie bietet dazu Futterkonzepte, die sowohl in der Alleinfütterung als auch in der Ergänzung des Grobfutters diese Erkenntnisse beachtet und in die Praxis umsetzt. Für die Herstellung von Kaninchenfutter stehen eine Vielzahl von Komponenten zur Verfügung, die qualitätsgesichert erzeugt und in der Rezeptur miteinander gezielt kombiniert werden. Zum Themenkomplex „Fütterung und Fruchtbarkeit“ hat der amerikanische Ernährungsfachmann Lee Johnston von der Universität Minnesota in einem Interview den folgenden wertvollen Hinweis gegeben: „Merken Sie sich: Es gibt keine Wunderdinge, die die Fruchtbarkeitsleistung von Tieren steigert. Vielmehr geht es darum, die Teile eines Puzzles zusammenzusetzen und sicherzustellen, dass man die grundlegenden Dinge gut macht.“ Dieser wichtige Grundsatz kann abschließend ergänzt werden: „Und wenn man diese grundlegenden Dinge gut macht, dann hat man die besten Voraussetzungen, dass ausgewogene, die Immunität und Verdauung gezielt unterstützende Futterkonzepte komplex ihre Wirkung entfalten können – alles für das eine gemeinsame Ziel: bestmöglichen Zuchterfolg!“

Literatur

DLG (1995): Fütterungshinweise Kaninchen, DLG-Merkblatt 147, Ausgabe 1995

Gidenne, T. (2000): Recent advances in rabbit nutrition: Emphasis on fibre requirements. A review. World Rabbit Science 8 (1), p. 23– 32

Maertens, L. (1998): Nährstoffbedarf und Fütterung der Kaninchen; in: Handbuch zur Kaninchenfleischgewinnung von J. Petersen, Verlag Oertel + Spörer, Reutlingen, 1998

Normenkommission (2003): Positivliste für Einzelfuttermittel (Futtermittel-Ausgangserzeugnisse). 2. Auflage März 2003; Herausgeber: Normenkommission für Einzelfuttermittel im Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft; www.futtermittel.net

Schlolaut (2003): Kaninchenfütterung zwischen Mangel und Überfluss. Kaninchenzeitung 6/2003, S. 8-13 127

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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