Lothar Thormann, Waldheim – „Das Blaue Jahrbuch“ 2015

Gut gebaute und ausreichend große Ställe sind eine Voraussetzung für die tiergerechte Haltung und Zucht unserer Kaninchen.

Für den täglichen Gebrauch und eine hygienisch einwandfreie Nutzung besitzen jedoch die Stallböden, die sich ständig in „Benutzung“ befinden, eine nicht immer ausreichend beachtete, besondere Rolle.

Langjährige Beobachtungen in eigenen Ställen und bei Stallbesuchen geben immer wieder Anlass zu dieser Feststellung. Nachfolgend möchte ich Hinweise und Praxistipps geben, wie und womit wir unseren Tieren helfen, ihren ständigen begrenzten Auslauf einschließlich der Futter- und Kotplätze, Wurfabteile und nicht zuletzt den Ruheplätzen als ihren „Betten“, ständig in Ordnung und sauber zu halten. Beim „Bettenmachen“ sollten wir Züchter ständig mit aufmerksamem Blick und helfenden Händen Unterstützung geben.

Jungtiere schätzen besonders nach dem Absetzen die reichliche und trockene Einstreu nebst dem altersgerechten Konzentratfutter

Stallböden ohne oder mit Bodenrosten und Kotschubkästen

Die Bauweise der Stallböden entscheidet mit, ob z. B. bei Boden- rosten ein wesentlicher Teil des Kotes oder Stroh- bzw. Futterteile nach unten durchfallen. Günstig ist, wenn Schubkästen unter dem Rost diese meistens schmutzigen Einstreureste auffangen. Es wer- den dadurch nicht zuletzt mögliche Krankheitserreger von den Kaninchen getrennt. Geschlossene Bodenflächen besitzen diese Vorteile nicht und sollten deshalb vermieden werden.

Meine eigenen Außenställe verfügen an der Rückwand über Ablaufschlitze für die Stalljauche, jedoch innen auf den Stallböden Holz- bzw. Drahtroste. Die Innenställe sind mit Kotschubladen unter den Rosten ausgestattet.

Die untere Einstreu und deren Nutzen

Zum Aufsaugen jeglicher Stallfeuchtigkeit, insbesondere von Urin oder auch abgetropftem Tränkwasser, lassen sich Weichholzspäne oder auch Torfmull verwenden. Letzterer ist zwar in der Beschaffung teurer, nimmt dafür aber sehr reichlich Feuchte und insbesondere den Geruch auf und erhöht die spätere Qualität des Dunges nach dessen Lagerung sehr wesentlich.

Die hinteren Ecken im Stall mit dieser Unterstreu können zwischendurch extra gesäubert und mit frischem Material versehen werden, weil sich die Feuchtigkeit dort zuerst und am meisten staut.

Das „Strohbett“ für Alttiere, Würfe und Jungtiere

Die Oberschicht der Ein- streu sollte nicht zu hoch, aber auch keinesfalls zu gering ausgelegt werden. Hierbei sind die Art und die Struktur des Strohs zu beachten. Weizen- und Gerstenstroh als häufigstes Streumaterial sind gut getrocknet und zu Ballen gepresst sehr gut geeignet für die Auslaufflächen, aber und besonders auch als das „Bett“ der Kaninchen beim Ruhen in sitzender oder liegender Körperposition.

Junge Farbenzwerge kurz nach Verlassen des Nestes im neuen „Strohbett“

Haferstroh ist vorwiegend gutes Raufutter. Bitte aber beachten: Als Einstreu kann es dagegen, vor allem in feuchtem Zustand, bei zu langer Einstreudauer die Fellfarbe an Läufen und in der Bauchregion unserer Kaninchen gelblich oder gelbbraun einfärben. Derartige Verschmutzungen können jedoch mit den beiden erstgenannten Stroharten vermieden werden.

Das beste Stroh ohne derartige Hinterlassenschaften ist Roggenstroh, obwohl es meist recht spröde ist und auch von den Tieren nicht gern gefressen wird.

Die Einstreu für hochtragende Häsinnen sollte spätestens eine Woche vor dem Werfen vom Züchter erneuert, reichlich bemessen, weich sowie ohne lange Halme sein.

Für diese Zwecke schätze ich Gerstenstroh, aber auch aus Weizenstroh suche ich nach der Anlieferung einige kurzhalmige und zudem weiche Ballen aus und lagere sie extra zur Verwendung für meine Zuchthäsinnen und ihre Jungen.

Tierische Veranlagung zu unterschiedlicher Stallsauberkeit

Wer seine Kaninchen aufmerksam beobachtet, erkennt schnell deren Eigenarten hinsichtlich ihres Verhaltens auf und mit der Einstreu. Die einen benutzen im hinteren Stallteil ständig ihre Kotecke. Auch die Einstreu liegt flach und gleichmäßig – beinahe ordentlich auf dem Stallboden.

Lediglich einige herausgescharrte Futter- oder Heureste kann man sehen.

Andere, zumeist Rammler oder hitzige bzw. hochtragende Häsinnen, »ackern« ihre Einstreu ständig um und setzen den Kot beliebig ab. Manche Rammler spritzen zudem ihren Urin als „Duftmarke“ im Stall umher und vor allem an die Stallwände. In solchen Fällen beobachte ich oft, dass dann Rammler und Zuchthäsinnen nahe zueinander in Stallbuchten untergebracht sind.

Die tierische Veranlagung zu Unordnung auf den Stallböden wird hier bewusst oder aus Platzmangel von den Züchtern gefördert.

Es gibt aber auch erwachsene Kaninchen, die immer und ständig einen relativ ordentlichen Stall mit seiner unterschiedlichen Einstreu vorweisen und hierfür offensichtlich eine genetische Anlage besitzen.

Von solchen Zuchttieren empfiehlt es sich, Nachzucht für die nächste Zuchtperiode auszuwählen und zu behalten.

Einer meiner langjährigen Züchterfreunde hält sich dagegen an den Grundsatz: „Die Drecksäcke unter den Rammlern kommen bald in die Pfanne!“

Man sollte vor einem solchen Entschluss jedoch prüfen, ob das Tier im Phänotyp sowie in seiner Vererbung »Spitze« ist, und lieber versuchen, eine größere Stallbucht weitab von Häsinnen für den etwas unsauberen Rammler anzubieten.

Die regelmäßige Stallreinigung und das Nachstreuen

Zum „Bettenmachen im Stall“ gehört vor allem die wöchentliche Stallreinigung, das Ausmisten. Die Unterstreu und auch die abdeckende Strohlage werden erneuert. Nicht nur die Bodensauberkeit, sondern auch die Umluft wird dadurch spürbar verbessert.

Wurfställe werden nur vorsichtig durch Entfernung der Kotecken gereinigt. Auf die Nester streue ich etwa eine Woche nach dem Werfen etwas Gutes, aber dünnhalmiges Heu, denn die Jungen fangen recht zeitig an, ihr „Nestbett“ nach ersten festen Knabbereien abzutasten.

Das wird oft nicht beachtet, aber so manche Jungtierverluste wegen Verdauungsstörungen können durch diesen einfachen Handgriff verhindert werden.

An Stallwänden erhöht angebrachte Futter- und Tränknäpfe dienen der Sauberhaltung der Strohlage des Bodens. Alle Fotos: L. Thormann

Das Nachstreuen gehört für mich zu den angenehmen Tätigkeiten, bei denen ich den Kaninchen sichtbar ein wenig Freude bereite. Vor allem in meinen Außenställen, vorrangig bei feuchtem und kühlem Wetter, danken es mir offensichtlich die Tiere: Sie bewegen sich plötzlich auf frischer Einstreu, lassen das Futter erst einmal stehen und fressen am frischen Stroh.

Sauberkeit nicht grenzenlos übertreiben

Wir hatten im Verein vor Jahren einen Zuchtfreund, bei dem sah es das ganze Jahr über im Stall so sauber aus wie in der guten Stube zu Hause. Täglich nahm er den Kot aus den Stallecken. Doch es stellte sich heraus, dass seine Kaninchen alt, wie jung besonders anfällig gegenüber Krankheiten waren. Die übertriebene Stallsauberkeit führte zu geringer Widerstandskraft gegenüber von außen wirkenden Krankheitserregern. Deshalb sei empfohlen, das „Bettenmachen“ im vertretbaren normalen Rahmen durchzuführen.

Gesundheit und Wohlbehagen – der Dank unserer Kaninchen

Zum Schluss unseres Themas über das „Bettenmachen“ für unsere Kaninchen und einigen Hinweisen hierzu sei gesagt, dass neben einer tiergerechten Fütterung vor allem die Pflege des Stallbodens samt oberer und unterer Einstreu außerordentlich wichtig ist für das Wohlbefinden der Tiere. Und wenn jemand zu mir sagt: „Das ist ja gar kein richtiger Mist, der bei dir wöchentlich oder zwischendurch anfällt; das ist doch alles recht locker und trocken bis auf das Häuflein aus der Kotecke!“, dem sage ich unverblümt: „Dafür gibt es nicht zuletzt bei richtiger Fütterung so gut wie keine Jungtierverluste und meine ganze Zucht ist dank guter Einstreu putzmunter im wahrsten Sinne des Wortes“.

Mit einem „Gut Zucht!“ wünsche ich das auch allen Züchterinnen und Zuchtfreunden aus nah und fern.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.