Hans-Peter Scholz, Welkenbach – „Das Blaue Jahrbuch“ 2000

Nachdem die schwarz-weißen Satin-Kalifornier 1994 den Weg in den Standard gefunden haben, blieben die zwei anderen Farbenschläge – Havannafarbig und Blau – als Neuzüchtung übrig. Doch es dauerte noch einmal fünf Jahre, bis die Havannafarbig- Weißen im Frühjahr dieses Jahres endlich den Weg in den Standard fanden. Der Blau-Weiße Farbenschlag indessen scheint nicht mehr züchterisch bearbeitet zu werden.

Die Zuchtgeschichte

Zwar waren die Satin-Kalifornier bereits im ersten Standard nach Anerkennung der Satin vertreten, jedoch wurden sie bei späteren Standardänderungen wieder gestrichen, offenbar, weil es überhaupt keine Tiere der Rasse gab.

Erst in den achtziger Jahren ging's mit ihrer Zucht so richtig los. Der Ochsenfurter Züchter Walter Lenz hatte aus den USA einige Tiere der Rasse nach Deutschland importiert und sorgte auch mit Werbung für eine gewisse Verbreitung. Besonderes Engagement muss jedoch in diesem Zusammenhang dem Preisrichter und Züchter Berthold Klos aus dem pfälzischen Bruchmühlbach konstatiert werden, der die Rasse letztlich mit unermüdlichem Einsatz und durch die Gewinnung zahlreicher Mitstreiter in den Standard brachte.

Berthold Klos hatte mit Tieren von Walter Lenz begonnen zu züchten. Aus den Schwarz-Weißen Stammeltern fiel hierbei hin und wieder auch einmal ein Tier mit havannafarbiger Zeichnung. Gerade diese Tiere zeichneten sich oftmals dadurch aus, dass sie den Schwarz-Weißen in allen Belangen überlegen waren und sich daher für die Weiterzucht empfahlen. Klos bearbeitete beide Farbenschläge nunmehr rein und getrennt weiter.

Der Standard

Im Standard waren bislang nur die Schwarz-Weißen anerkannt. Die Musterbeschreibung in den Bewertungsbestimmungen hatte je- doch bei diesen Tieren noch einige erhebliche Mängel: So wurde für die Satin-Kalifornier lange die Zeichnung der Hinterläufe bis zum Sprunggelenk gefordert, im Gegensatz zu den normalhaarigen Rassen mit Kälteschwärzung, bei denen sie übers Sprunggelenk hinaus vorhanden sein muss. Mit der Anerkennung der Havannafarbig-Weißen hat die Standardkommission diese Abweichung jedoch behoben.

Wer sich mit der Zucht sowohl kältepigmentierter Normalhaar- wie auch mit der Zucht kältepigmentierter Satinkaninchen befasst hat, wird festgestellt haben, dass es auf Grund der unterschiedlichen Fellstruktur Unterschiede in der Ausprägung der Pigmentierung gibt. Um diesen gerecht zu werden, sollte der Standard vielleicht weiter maßgeschneidert werden, um wirklich ein Leitfaden auch für die Zucht dieser besonders attraktiven Rasse sein zu können.

Gewicht und Körperform

Das Normalgewicht der Satin-Kalifornier liegt wie das aller Satinrassen zwischen 3,25 und 4 kg. Die Tiere entsprechen dem auch in der Größe. Erwachsene Zuchttiere sollten die Waage schon mit 3,5 bis 4 kg belasten, sind sie deutlich kleiner, kann es schon zu Gewichtsproblemen kommen. Das betrifft besonders die Tiere mit sehr kurzen Ohrmuscheln.

Der Körper der Satin ist leicht gedrungen. Vom Typ her ähneln die Satin sehr den Havannakaninchen, aus denen sie ja ursprünglich auch herausgezüchtet wurden. Sie sollten also weder hasenartig langgestreckt sein noch pummelig und mastig wie Weiße Neuseeländer. Die Rückenlinie verläuft ebenmäßig und ist in der Beckenpartie gut gerundet. Die Läufe sie sind leider im Standard nicht erwähnt sind mittellang und mittelstark bis kräftig. Sie sollen gerade sein und im Katzentritt auffußen und so dem Tier eine mittelhohe Stellung mit genügend Bodenfreiheit für Brust und Bauch geben.

Wammen und Geschlechtsorgane beachten

Die anfangs bei Tieren beider Geschlechter auftretenden kräftigen Wammen haben die Züchter mittlerweile bereits auf ein erträgliches Maß zurückgedrängt. In Amerika werden diese offensichtlich überhaupt nicht gewürdigt, aber hier ist ja bekanntlich die Wammenfreiheit bei allen Rassen ein wichtiges Zuchtziel. Mittlerweile finden wir bei den Satin-Kaliforniern schon recht häufig wammenfreie Häsinnen, die formlich in allen Belangen den hohen Anforderungen des Standards gerecht werden. Die sollten auch die tragende Säule der weiteren Zucht bilden, denn wer keine Wamme hat, der kann auch keine vererben.

1,0 Satin-Kalifornier, havannafarbig-weiß. Foto: B & S-Fotostudio

Die leidigen Hängehoden, die viele der ersten Importtiere und die ersten Generationen ihrer Nachzucht zeigten, gehören in den meisten Zuchten heute der Vergangenheit an. Etwas anders ist das leider noch mit den Geschlechtsteilen vieler Rammler.

Gerade bei den Satin findet man in einigen Stämmen alle möglichen Penis -Missbildungen bei Rammlern: Die Varianten reichen hier vom leicht gespaltenen bis zum völlig gespaltenen Glied, nicht selten ist auch die Vorhaut angewachsen. Solche Tiere sollten konsequent ausgemerzt werden, auch wenn diese Missbildungen – entgegen anderen Aussagen in der älteren Literatur – in der Deck- und Befruchtungsfähigkeit keine Einschränkung nach sich ziehen.

Hoher Zuchtstand

Alles in allem muss man den Zuchtstand in puncto Form bei der nunmehr anerkannten Neuzüchtung Satin-Kalifornier, havannafarbig-weiß, schon bewundern: Besonders hochstehende Beckenknochen, die bei vielen anderen Neuzüchtungen an der Tagesordnung sind, finden wir hier fast nicht. Natürlich müssen Wammen und loses Brustfell – wo sie noch auftreten – weiter mit harter Selektion bekämpft werden, um die Zucht in dieser Position zur absoluten Spitze voranzutreiben.

Der Kopf ist kurz, breit und dicht am Körper angesetzt. Die wichtigste Eigenschaft des Kopfes ist jedoch, dass er sich mit den übrigen Teilen des Tieres zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenfügt. Ein extremer Weiße-Neuseeländer-Kopf passt ebenso wenig zu einem Satin, wie ein langer, schmaler Hasenkopf: Ge- wünscht ist ein (nicht übertrieben) kräftiger Kopf, der mit der leicht gestreckten Körperform harmoniert.

Die Ohren der Satin fordert der Standard fleischig, gut abgerundet und in ihrer Länge dem Körper entsprechend. Hier bedarf es auch einiger Differenzierungen: Sicherlich wäre die Bezeichnung mittelkräftig im Gewebe hier sinnvoller gewesen als fleischig, weil mit dem Begriff fleischig sofort die extrem schwartigen Ohren der Weißen Neuseeländer assoziiert werden. Und diese entsprechen nicht dem Zuchtziel der Satin, weil sie zu einem blockigen Körper passen, nicht jedoch zu einem leicht gedrungenen. Die Satin-Kalifornier zeigen jedoch meistens schon die richtigen Ohren mit der mittelkräftigen Gewebestruktur und den gut gerundeten Rändern. Lediglich die Ohrenhaltung kann nicht bei allen Tieren gefallen: So neigen auch hier Tiere mit starker Kopfbildung teilweise zu breiter Ohrenhaltung.

Die Ohrenlänge ist mit rund 10 cm bei den meisten Satin-Kaliforniern hingegen einwandfrei. Längere Ohren sollten bei der Selektion beachtet werden, kürzer sollten die Ohren jedoch keinesfalls werden, weil sonst die Tiere kleiner und leichter werden und irgendwann Gewichtsprobleme ins Haus stehen.

Fell der Satin-Kalifornier

Die Felle der allermeisten Tiere sind besser als die Beschreibung des Fells der Rasse im Standard: Die Beschreibung der Satinfelle wurde dort zwar mehrfach geändert, trifft aber immer noch nicht zu. Hier hat der Begriff „weich“ nun wirklich nichts zu suchen. Auf ihn berufen sich jene Züchter, die mittlerweile auf ihren Tieren (vermutlich durch Einkreuzungen) total grannenarme Felle haben, die zu lang sind und beim Streichen gegen den Strich nicht mehr in die Ursprungslage zurückgleiten. Auch der neueste Versuch, das Fell der Satin zu beschreiben, trifft nicht exakt zu. Jetzt werden die Merkmale der Position 5 zusätzlich noch mit denen der Position 3 vermengt, auch den unseligen Begriff „weich“ finden wir wieder vor.

0,1 Satin-Kalifornier, havannafarbig-weiß. Foto: B & S-Fotostudio

Eine richtige Beschreibung des Satinfells würde etwa folgendermaßen lauten: Das Fell der Satin ist 2,5 bis 3 cm lang. Es ist sehr dicht mit gleichmäßigen Grannen versehen, die das Unterhaar nur wenig überragen. Die Unterhaare sind nicht so stark gekräuselt wie bei Normalhaar. Beim Durchfahren mit der Hand gegen den Strich gleiten die elastischen Haare trotz hoher Felldichte schneller in die Ursprungslage zurück als beim Normalhaarfell. Man fühlt also sowohl die kräftige Elastizität wie auch die enorme Dichte des Fells. Aufgrund der Verdünnung der einzelnen Haardurchmesser ist jedoch bei der Dichteprüfung die Haut stärker sichtbar als bei gleich dichten Normalhaarfellen.

Satin-Kalifornier zeigen oftmals eine ganz hervorragende Haarstruktur. Der beste Indikator hierfür ist der intensive und satte elfenbeinfarbige Schimmer, den wir heute bei den Satin-Elfenbein viele von denen sind ja schon fast schneeweiß – oft vermissen.

Alle Tiere, die einen deutlichen „Dotter“ (Elfenbeinschimmer) zeigen, haben sowohl die eindeutige Verdünnung der Haarschäfte durch weitgehendes Fehlen des inneren Markstranges wie auch die differenzierte feinschuppige Struktur des Oberflächenhäutchens, die aufgrund der erhöhten Transmission den seidigen Glanz des Felles bewirkt.

Farbe und Zeichnung

Farbe und Zeichnung werden bei den Satin-Kaliforniern in der Position 6 zusammen bewertet. Die besondere Problematik dieser Positionen besteht darin, dass sowohl die Farbe wie auch die Zeichnung der Rasse nicht nur durch die Genetik vom Züchter durch Selektion beeinflusst wird, sondern dass sie sehr stark vom Umweltfaktor Temperatur abhängen. Das sollte natürlich bei der Bewertung der Tiere eine gewisse Berücksichtigung finden.

Die Kopfzeichnung der Satin-Kalifornier besteht aus der Maske und der Ohrenzeichnung: Die Maske hat eine ovale Form. Sie bedeckt den Nasenrücken und reicht seitlich bis zum Oberkiefer. Auch den Unterkiefer darf sie mit einem leichten Hauch erfassen. Sie soll jedoch nicht über die Augenhöhe gehen. Die Ohren werden voll von der Zeichnungsfarbe erfasst. Ihre Zeichnung ist an den Wurzeln scharf abgegrenzt. Eine Abweichung, die relativ häufig zu beobachten ist, ist der Augenrandanflug. Aber auch mit dem sollte man umzugehen wissen. Wer die Genetik kennt und ein gewisses Abstraktionsvermögen besitzt, der sollte eigentlich wissen, dass bei den Satin aufgrund des geringeren Haarschaftdurchmessers die Haut vom Fell nicht so dicht bedeckt wird, wie beim Normalhaarfell. Das trifft natürlich ganz besonders auf den ohnehin schon etwas dünner behaarten Bereich um die Augen zu.

So lässt sich insbesondere bei sehr intensiv pigmentierten Tieren – die wollen wir ja auch bei den Satin-Kaliforniern – während der kalten Jahreszeit genetisch ein leichter Augenrandanflug nicht vermeiden. Tiere mit schwacher und schlechter Pigmentierung hingegen haben hiermit weniger Probleme, aber entsprechen dafür mit ihren „schmuddeligen“ aufgehellten Farben auch nicht unbedingt dem Zuchtziel.

Die Standardkommission könnte Sachverstand beweisen, wenn sie in die Musterbeschreibung bei den Satin-Kaliforniern den folgenden Vermerk einfügte: Während der kalten Jahreszeit ist ein leichter Augenrandanflug genetisch unvermeidbar und daher nicht zu strafen.

Die Rumpfzeichnung der Satin-Kalifornier

Die Rumpfzeichnung besteht aus der Zeichnung der Vorder- und der Hinterläufe sowie der Zeichnung der Blume. Die Zeichnung der Vorderläufe erfasst das vorderste Glied, die der Hinterläufe bis übers Sprunggelenk. Der bei normaler Stellung sichtbare Teil der Blume sollte von intensiver Zeichnungsfarbe erfasst werden.

Die Abgrenzung zwischen Zeichnungsfarbe und weißer bzw. elfenbeinfarbiger Grundfarbe sollte möglichst scharf sein, es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die Pigmentierung darauf beruht, dass die Hauttemperatur an diesen Stellen ständig unter 28 °C sein muss. Daher muss hier ein gewisser melierter Übergangsbereich toleriert werden, der jedoch nicht zu breit ist, denn eine scharfe Abgrenzung, wie sie beispielsweise bei Schecken gefordert wird, ist genetisch mit Kälteschwärzung überhaupt nicht möglich.

Zeichnungsflecken am After oder im Genitalbereich bleiben unberücksichtigt. Die Zeichnungsfarbe ist intensiv havannabraun, am sattesten an den Ohren und der Maske. Sie sollte jedoch auch bei der Rumpfzeichnung intensiv angestrebt werden und vor allen Dingen ohne Durchsetzung mit weißen Haaren sein. Die Grundfarbe ist rein weiß mit intensivem „Dotter“ und ohne grauen Anflug. Die Augen sind farblos, rot durchleuchtend, die Krallen sind hornfarbig bis dunkelhornfarbig. Genetisch sind die Teilalbinos das letzte Glied vom vollpigmentierten Tier ausgehend von den Albinos. Symbolisch wird das in der Erbformel durch an dargestellt. Die Hautzonen, in denen die Hauttemperatur um die 28 °C hin- und herpendelt, sind nur teilpigmentiert. Das sind die unvermeidlichen Zonen an den Vorder- und Hinterläufen zwischen der Rumpfzeichnung und der elfenbeinfarbenen Grundfarbe. Aufgrund dieses Phänomens lassen sich hier scharfe Übergänge zwischen Grund- und Zeichnungsfarbe genetisch nicht realisieren, es ist daher also auch völlig praxisfremd, sie zu fordern.

Bei der Zucht kalifornier- bzw. russenfarbiger Kaninchen habe ich einige Erfahrungen und Beobachtungen gemacht, die mit Sicherheit genetische Ursachen haben, die jedoch nirgends beschrieben werden: So habe ich festgestellt, dass die Häsinnen überwiegend dazu neigen, größere Masken, aber auch intensivere Farben zu bekommen als die Rammler. Da beide Faktoren von der Temperatur auf der Haut der betroffenen Körperregion abhängen, spricht das dafür, dass bei beiden Geschlechtern offenbar auf der Haut nicht die gleichen Temperaturverhältnisse herrschen. Ob das nun an den geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Fellstruktur begründet ist, oder ob das noch andere Gründe hat, kann ich jedoch nicht sagen.

Werden unpigmentiert geboren

Im Gegensatz zu Schecken, bei denen man die Zeichnung unmittelbar nach der Geburt recht genau beurteilen kann, dauert es bei den Kaliforniern mindestens drei Monate, bis sich Babyfell, oder besser gesagt Nesthaar in „richtiges Fell" umgewandelt hat: Die Tiere werden unpigmentiert geboren und bleiben in den ersten Lebenstagen, solange sie im Nest gut mit Wolle abgedeckt sind, auch völlig unpigmentiert. Ab der dritten Lebenswoche beginnen sie dann, ihre kältegeschwärzten Abzeichen nach und nach auszubilden, wobei diese erst einmal schmutziggrau bis bräunlich sind und erst nach und nach immer intensiver und dunkler werden.

Jungtiere, die in den ersten Lebenstagen einmal so lange aus dem Nest geraten, und deren Haut kalt wird, bekommen im Nesthaar am gesamten Körper dunkle Grannenspitzen. Dieser Anflug ist jedoch unproblematisch, weil er bei der ersten Haarung wieder verschwindet. Wenn man einem Tier im Winter eine Kahlstelle rupft, kann man natürlich denselben Effekt beobachten. Auch hier wachsen die Haare zunächst voll pigmentiert nach, wenn die Haut jedoch dann die kritische Temperatur überschreitet, wird der untere Teil nicht mehr pigmentiert.

Auch wenn gute Tiere der Satin-Kalifornier mit einer gewissen Kontinuität über längere Zeiträume eine standardgemäße Zeichnung zeigen, so ist der Züchter vor urplötzlichen, totalen Änderungen im Zeichnungsbild nie völlig sicher.

Krankheiten und Stress, aber auch bereits das Aufziehen eines Wurfes können das Zeichnungsbild eines Tieres so verändern, dass man dieses nicht wiedererkennt: So können Tiere, die beispielsweise ein ganzes Jahr eine hervorragende Zeichnung hatten, auf ein- mal an der Maske große Zacken und Ausläufer bilden, die bis an die Augen reichen. Der Wert der phänotypischen Zeichnung eines Tieres für die Zucht lässt sich deshalb nur durch kontinuierliche Beobachtung über einen längeren Zeitraum annähernd bestimmen, nicht jedoch durch eine kurze Momentaufnahme. Bei der Selektion sollten ohnehin alle anderen Merkmale, beispielsweise Körper- form, Fell, Struktur und Faktor sowie Farbintensität eine größere Rolle spielen. Lediglich Tiere mit extrem großen Masken und mit Zeichnungsflecken in der Grundfarbe (mit Ausnahme von After, Geschlecht, Augenrand und Kehlbereich) scheiden von vornherein als Zuchttiere aus.

Sehr wirtschaftliche Rasse

Noch sind die Satin-Kalifornier der beiden Farbvarietäten sehr fruchtbar und mütterlich. Außerdem zeichnen sie sich durch hervorragende Futterverwertung und rasches Wachstum aus. Hoffentlich bleibt das so.

Vor allem in den letzten Jahren hat der falsche Züchterehrgeiz, vielen Rassen typische Weiße Neuseeländer-Köpfe anzüchten zu wollen, bei anderen Kaninchen zu ruinösem Leistungsrückgang und zu allerhand Degenerationserscheinungen geführt (z. B. Zahnmißbildungen, Tränaugen usw.). Davor sollte man die Satin-Kalifornier, die im Wesentlichen noch reines USA-Blut führen, jedoch auch in Zukunft verschonen. Wenn infolge stärkerer Inzuchtdepressionen „Neublut“ erforderlich wird, gibt es drei Möglichkeiten: Neue Importe aus den USA, oder gezielte Einkreuzung von hervorragenden Havannakaninchen bei den Havannafarbig-Weißen beziehungsweise von hervorragenden Alaskakaninchen bei den schwarz-weißen Satin-Kaliforniern, jedoch unter Beachtung aller Vorschriften, insbesondere erst nach Genehmigung durch den Landesverband.

Ich hoffe, dass die Freunde der Satin-Kalifornier, havannafarbig- weiß, auch weiterhin die Rasse so fleißig ausstellen wie bisher, denn wegen ihres ansprechenden Äußeren sind sie in der Tat eine Bereicherung unserer bunten Rassekaninchenfamilie. Auch wäre es schön, wenn sich weitere Züchter für die Satin-Kalifornier, besonders auch für den attraktiven neuen Farbenschlag, begeistern könnten, denn ihre Zucht ist einfacher, als man auf Grund des komplizierten Zeichnungsmusters annehmen möchte.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.