(Anbau/Nährwerte/Heil- und Würzkräuter)

Von Paul Arnold, Alzey/Rheinhessen „Das Blaue Jahrbuch“ 1987

Seit 1945 und der Teilung Deutschlands in die Bundesrepublik Deutschland und die DDR haben sich beide Teile in vielen Bereichen auseinanderentwickelt. Besonders augenfällig wird dies den Kaninchenzüchtern im Bereiche der Fütterung der Kaninchen. In der DDR gilt nach wie vor das Kaninchen in der Hauptsache als „Abfallverwerter“, und nur dort sollen Kaninchen gehalten werden, wo die zur Verfügung stehenden Abfälle und die landwirtschaftliche Fläche oder der Garten nicht zur Ernährung von anderen Tierarten, wie Ziegen, Schafen oder gar Rindern, ausreicht. Überhaupt keine industriellen Futtermittel werden bereitgestellt. Seit einigen Jahren ist auch die Belieferung mit Kleie (ersatzweise 80 % Körner) auf Kleie Gutscheine für die Abgabe von Fellen zu Gunsten höherer Preise weggefallen. Ganz anders verlief die Entwicklung bei uns in der Bundesrepublik. Die Industrie bietet Pellets und Futterzusammenstellungen der verschiedensten Futterarten für Kaninchen an. Heu und Stroh kann man kaufen. Auch von privaten Erzeugern gibt es Knollen, wie Möhren, Rüben oder Kartoffeln. Daher brauchen Kaninchenzüchter und -halter, die nicht so auf den Geldbeutel achten müssen, keine Sorge, um die Futtergrundlage zu haben. Sie müssen sich nicht erst um ein landwirtschaftliches Gelände bemühen. Vorhandener Boden wird nicht mehr so intensiv für die Futter- oder Heugewinnung genutzt. Anfänger in der Zucht haben es auch leichter. Aber das wird nicht immer so bleiben. Schon jetzt nimmt in vielen Familien die Geldknappheit zu. Dann besinnt man sich wieder auf die bessere Nutzung des Grund und Bodens und auf eine wirtschaftlichere Kaninchenhaltung, die nicht immer Zuschüsse benötigt.

I. Der Anbau und das Sammeln von Futterpflanzen

Nach wie vor sind die Grünfütterung im Sommer und die Saftfutterfütterung im Winter das wertvollste und bekömmlichste sowie das billigste (wirtschaftlichste) Hauptfutter für unsere Kaninchen. Die Futterbeschaffung ist auf verschiedene Weise möglich: Durch den Anbau geeigneter Futterpflanzen und durch das Sammeln wildwachsender Pflanzen.

1. Der Anbau von Futterpflanzen

Von den Getreidearten kommt als zeitiges Grünfutter Roggen mit Zottelwicken oder Wintererbsen vermengt in Frage. Ferner kommen noch Gerste und Hafer im Gemenge zur Verfütterung. Die Nährwerte dieser genannten Futterpflanzen sind folgende:

Der Grünmais ist ein beliebtes Grünfuttermittel im Herbst und in der meist grünfutterarmen Zeit zwischen dem 1. und 2. Heu- schnitt (Grummet). Die Kleearten geben ein vorzügliches Grünfutter. Junger, vor der Blüte stehender Klee bläht, deshalb ist Vorsicht am Platze. Der geeignetste Zeitpunkt der Verfütterung setzt mit beginnender Blüte ein. Der Anbau in Reinsaat kann mit oder ohne Übersaat geschehen, wie es bei Rotklee, Bastard- (Schweden-)Klee, Luzerne, Esparsette und Seradella üblich ist. Als Überfrucht wird meist Wintergetreide, Gerste und Hafer verwendet, die rechtzeitig das Feld räumen, wenn die Kleearten sich so weit entwickelt haben, dass sie keinen Schutz mehr brauchen. Die Mischsaat wird beim Klee angewendet, wenn der Boden oder das Klima das sichere Gedeihen einer bestimmten Art nicht zulässt. Man baut dann mehrere Kleearten im Gemenge an. Das hat den Vorteil, dass auch die empfindlichen Kleearten in Gemeinschaft mit den harten besser gedeihen und nicht so leicht unter Frost, Trockenheit usw. leiden. Durch die sachgemäße Auswahl der Kleearten kann auch die Zusammensetzung des Futters hinsichtlich des Nährstoffgehaltes günstig verändert werden, so dass es für die Tiere zuträglich ist. Ebenso kann die Ernte vorteilhafter werden. Die Ertragsfähigkeit des Bodens lässt sich durch die Aussaat von Pflanzen mit verschiedener Lebensdauer und Entwicklung steigern. Eine Kleemischung, die fünf Jahre aushält und sich für Lehmboden eignet, ergeben: 3,5 Teile Rotklee, 2,5 Teile Luzerne und 16 Teile Esparsette.

Für sandigen Lehm- und lehmigen Sandboden: 1,5 Teile Rotklee, 5 Teile Luzerne, 6 Teile Esparsette und 1,5 Teile Wundklee.

Für Sandboden: 32 Teile gelbe Lupinen, 1 Teil Seradella oder: 22 Teile gelbe Lupinen, 2,25 Teile Seradella und 8 Teile Wicken.

Wenn man größere und vor allem sichere Erträge erzielen will, sind Kleegrasmischungen angebracht; denn nicht selten leidet der Klee im Winter unter Mäusefraß, oder er friert aus und zeigt dann große Fehlstellen. Die durch die Kleearten veranlasste Bodenbereicherung mit Stickstoff kommt den Gräsern zugute. Durch die Mischsaat wird der Boden mit verschiedenartig tiefwurzelnden Pflanzen bewachsen, die den Boden richtig ausnützen. Ein weiterer Vorteil des gemischten Pflanzenbestandes besteht in der Gewinnung von Grünfutter und Rauhfutter sowie in der Nutzung der Weide. Kleegrasmischungen für leichte und mittlere Böden sind: 5 Teile Gelbklee und 2,5 Teile italienisches Raygras oder 7 Teile Inkarnatklee und 3 Teile italienisches Raygras oder 2,25 Teile Rotklee, 1,25 Teile Gelbklee, 2,5 Teile Wundklee und 1,5 Teile italienisches Raygras.

Für mittelschwere und schwere Böden 4,5 Teile Rotklee und 1,5 Teile italienisches Raygras oder 3 Teile Rotklee, 2 Teile Bastard-(Schweden-)Klee, 0,75 Teile italienisches Raygras und 0,75 Teile Timotheegras oder 2,5 Teile Rotklee, 1,25 Teile Bastardklee, 0,75 Teile italienisches Raygras und 0,75 Teile Timotheegras oder 2,5 Teile Rotklee, 1 Teil Bastardklee, 0,75 Teile Gelbklee und 1,25 Teile italienisches Raygras.

Die Aussaat wird im März/April derart ausgeführt, dass man die Samen gleichen Gewichtes zusammen aussät, die leichten und schweren aber gesondert für sich.

Die Kleearten werden als Grün- und Rauhfutter verwendet. Das Grünfutter wirkt vorzüglich auf die Milch- und Fleischerzeugung, weil es sehr eiweißhaltig ist. Deshalb wird es auch von den Tieren sehr gern gefressen.

Nun die weitere Nährwerttabelle der genannten Pflanzen:

Mehr und mehr sollte vom Anbau der beiden Sonnenblumenarten Gebrauch gemacht werden. Da ist zunächst die ausdauernde Sonnenblume zu nennen, deren Knollen die Topinambur oder Erdbirne darstellen. In futterarmen Zeiten kann man die oberirdischen Teile radikal abernten, natürlich auf Kosten der Knollen. Sämtliche oberirdischen haarigen Teile werden von den Kaninchen gerne gefressen, ebenso die haarigen Blätter der großen einjährigen Sonnenblume, die man überall, auch an Rändern und in kleinen Ecken, anpflanzen sollte. Bei Futtermangel können von dieser Pflanze die Blätter bis oben unter der Korbblüte abgenommen werden, ohne dass die Pflanze dies übel nimmt. Die wertvollen Kerne gedeihen trotzdem.

Der Blätterkohl (Winter- oder Krauskohl): Diese Pflanze ist winterhart, und die Blätter dienen im Haushalt als gute Kohl- suppe. Die Strünke und Stiele sowie die Blätter, wenn sie übrig sind, werden von den Tieren sehr gerne gefressen. Bei der Ernte an Frosttagen können diese Pflanzen nach dem Auftauen unbedenklich (ähnlich den Möhren) roh verfüttert werden. Der Kraus- kohl kann nach der Hauptfrucht Ende Juli ausgesät werden. Reihensaat ist zu empfehlen. Es gibt niedrige, mittlere und hohe Sorten. In schneereichen Gegenden sind die niedrigen bis mittleren Sorten zu empfehlen die dann vom Schnee zugedeckt werden.

Der Strunkkohlrabi und der Markstammkohl: Als Hauptfrucht auf ein von der Vorfrucht geräumtes Feld eignen sich diese beiden Kohlarten vorzüglich. Zudem gibt der Kohlrabi ein hervorragen- des Saftfutter in guter Qualität und auch Quantität während des Winters her, wenn er – von den Blättern und Blattstielen befreit – gut gelagert wird. Laufend werden während der Herbsttage die unteren Blätter mit den Stielen abgeerntet, ohne der Knollenbildung zu schaden. Die Blätter werden mit den Stielen bis zu einem Meter lang.

Der Markstammkohl kann bis zur Ernte der Strünke laufend entblättert werden. Der Markstammkohl bläht nicht wie viele andere Kohlarten. Er kann also in unbedenklichen Mengen verfüttert werden und eignet sich als gutes Übergangsfutter zur Gewöhnung an das Winterfutter mit Knollenfrüchten. Die große Frostresistenz, die früher den beiden Pflanzen nachgesagt wurde, trifft nicht zu, sondern man muss sie ernten, bevor stärkerer Frost eintritt. Beim Markstammkohl verfüttert man erst die unteren größeren Blätter und schlägt die Stämme (Strünke) mit dem Blattkopf für den frühen Winter ein. Beim Verfüttern der Strünke spaltet man die stärkeren, um die Kaninchen an das Mark gelangen zu lassen. Beide Arten werden in ein möglichst mit Stallmist gut vorbereitetes Saatbeet gesät, und zwar in Reihensaat. Um sehr kräftige Pflanzen zu erhalten, müssen die Reihen in einer Entfernung von 50 bis 60 cm angelegt werden. Außerdem müssen die Pflanzen innerhalb der Reihe auch eine Entfernung von 50 bis 60 cm besitzen, damit der Ernteertrag recht hoch ist. Wer noch zeitigere Pflanzen ernten will, sät am besten schon im April aus, also ohne eine Vorfrucht. Der Markstammkohl erreicht eine Höhe bis über 1,50 m.

2. Wildwachsende Pflanzen und Unkräuter

Trotz vieler Belehrungen, Vorträge und Artikel in unserer Fachpresse sind immer noch große Tierverluste in den Kaninchenzuchten im Frühjahr zu beklagen, die auf die Missachtung der einfachsten Regeln in der Futterumstellung zurückzuführen sind:

Langsames Gewöhnen an das Grünfutter. Und die Natur bietet uns dazu reichlich Gelegenheit. Wenn unsere angebauten Futter- pflanzen eben erst zu keimen beginnen, sprießen durch die ersten warmen Sonnenstrahlen in der Natur an Gräben, Rändern, auf Halden, unbebauten Grundstücken, aber auch im Garten die ersten Unkräuter hervor, und diese bleiben ungenützt oder wer- den besonders im Garten vernichtet. Wer beobachtet, mit welchem Behagen das erste zarte Grün von den Kaninchen weggeputzt wird, wird sich gerne öfter einmal die Zeit zum Sammeln dieser Unkräuter nehmen. Eine der besten Futterpflanzen für die Kaninchen ist der Löwenzahn. In Klammern jeweils die im Volksmund gebräuchlichsten Namen (Kettenblume, Kuhblume, Milchbusch, Maiblume, Pusteblume, Ringelblume, Hundeblume, Milchstöck, Kuckucksblom, Lichtblom, Lampe, Bimbaum, Bumbansbüsch). Der Löwenzahn wächst vom Frühjahr bis zum Herbst auf Wiesen, an Rainen, in Gräben, an Wegrändern und ist auch eine wichtige Heilpflanze (s. weiter unten).

Der Zaungiersch oder Geißfuß ist ein lästiges Unkraut in Gärten, an Wegrändern, an Hecken, auf Komposthaufen, aber besonders unter dem Beerenobst wachsend, mit ausdauerndem Wurzelstock und stellt ein gutes Kaninchenfutter dar, das sehr zeitig zur Verfügung steht. Der Bärenklau ist eine ausdauernde Staude von 0,6 bis 1,5 m Höhe mit großen gefiederten Blättern. Die Pflanzen wachsen auf feuchten Wiesen und liefern ein gutes Milchfutter. Bei ihrer großen Ausbreitung unterdrücken sie aber die Gräser und sind deshalb auf Wiesen nicht gerne gesehen, außerdem trocknen sie schlecht als Heu. Nach dem ersten Schnitt auf Wiesen kommen diese Pflanzen als erste wieder hervor, und man kann sie ernten, damit sich die anderen Pflanzen entwickeln können. Die haarigen Blätter werden sehr gern gefressen. Noch zeitiger trifft man die Brennnessel an, die eine der eiweißreichsten Pflanzen darstellt. Die jungen Brennesseln werden, etwas angewelkt, um die Wirkung der Brennhaare zu unterbinden, als erstes Grün von den Kaninchen sehr gern gefressen. Brennnesselheu z. B. hat folgende Nährwerte: 9,3 % Eiweiß, 4,9 % Fett und 30 % Kohlehydrate.

Ein weiteres Unkraut ist der Großblättrige Ampfer (genannt Dockenblatt), der sehr zeitig zur Verfügung steht und Gerbsäure enthält, die als Heilmittel gegen Durchfall wirkt. Die oberen rotbraunen Samen erntet man bevor sie ausfallen. Getrocknet helfen sie dem Züchter, wenn die Tiere durchfällig werden.

Als weitere Unkräuter sind zu empfehlen: Wicken (alle Arten), sehr nährstoffreich; Kohldistel, Gänsedistel oder gemeine Saudistel, Milchkraut (Rain- oder Hasenkohl), Spitzwegerich (Siebenrippe, Aderblatt), Breitwegerich (Wegebreit, Wegeblatt, Wegbläder, Wegtritt, Wegetrens, Würstla, Ribbenblatt, Saurüssel, Mausöhrle, Adlerkraut); Knötericharten, z. B. Vogelknöterich (Swienegras, Säuwasen, Saukraut, Wegerich, Weggras, Wegkraut, Unvertritt, Tennengras, Kreienfoot); Vogel- und Sternmiere (Hühnererbse, Hühnerdarm, Mäusedarm) verursacht bei größeren Mengen Durchfall! Hirtentäschelkraut, Gelber und Weißer Steinklee, Wiesenplatterbse, die Malvenarten (Käsepappel), die Weidenröschenarten, die Ehrenpreisarten (Männertreu), Knopf- oder Franzosenkraut, Kamillenarten, Schafgarbe, Wucherblume (Margerite), Milchlattich, um nur einige zu nennen. Alle diese genannten Unkräuter können wir unbedenklich an die Kaninchen verfüttern. Auch die vielen Gartenabfälle, die oft weggeworfen werden, fressen die Kaninchen gern, wie Erbsen- und Bohnenabfälle, Ringelblumen, Stiefmütterchen, Nelken usw. Unbekömmlich und meistens giftig sind: Rittersporn, Eisenhut, Akelei, Maiglöckchen und die einkeimblättrigen Pflanzen, wie Liliengewächse, Schneeglöckchen, fast alle Frühblüher.

II. Heil- und Würzpflanzen

Ein Anbau von Heil- und Gewürzkräutern nur für die Kaninchen ist im allgemeinen nicht üblich, aber die für den Haushalt angebauten Heil- und Würzpflanzen sind in der Regel auch für die Kaninchen verwendbar und helfen auch. Viele Unkräuter und Kräuter der Wiesen sind wertvolle Heil- und Gewürzkräuter, die dem Heu den aromatischen Duft und Geschmack verleihen und prophylaktisch den Tieren nützen. Die wichtigsten sollen aufgeführt werden, damit der Züchter eine Übersicht und Hilfe hat.

a) Pflanzen, die Gerbsäure enthalten und infolge der zusammenziehenden Wirkung gegen Durchfall gegeben werden: Frauenmantel (Mantelkraut, Gänsefuß, Gänselgrün, Herrgottsmäntelein, Marienkraut, Menneck, Regendächle, Silberkraut, Taufänger, Wasserträger, Zinäugl); Erdbeerblätter; Johanniskraut (Tüpfel-Hartheu, Johannisblut, Blutkraut, Herrgottsblut, Hexenkraut, Teufelsflucht); Vogelknöterich; Gänsefingerkraut (Gänserich, Gänsewiß, Grensel, Silberblatt, Silberkraut, Säukraut, Dreckkraut); Eichenblätter u. -rinde (viel Gerbsäure); Rosenblüten, Brombeer- und Himbeerblätter; Weidenblätter und -rinde; Löwenzahn; Heidelbeerblätter, Preiselbeerblätter; Waldehrenpreis (Grundheil, Heil aller Schäden, Wundkraut, „Sta up un ga darvan“); Heidekraut (Bienenheide, Besenheide, Brandheide, Blutheide, Stock-, Krup-, Riesheide, Koheid, Kruse, Hede, Ramhäd, Heede, Heen, Haid).

b) Pflanzen, die gegen allgemeine Magen- und Darmerkrankungen gegeben werden: Schafgarbe (Gartenkraut, Garbewurz, Gerwel, Grensing, Grillenkraut, Katzenkraut, Kelke, Rippel, Röhlke, Schafzunge, Fuchsschwanz); Außerdem ist die Schafgarbe appetitanregend und verdauungsfördernd. Quecke/junges Süßgras (Queutsch, Quitsch, Quäken, Quicke, Quacke, Kecke, Zwecke, Zweckgras, Schoßhalm, Spitzgras, Schnüren, Schnürgras, Peien, Pädde); neben ihrer Verdauungsförderung ist die Quecke harntreibend und wirkt auch bei Blähungen und Durchfallerscheinungen. Echte Kamille (Kamelle, Karmille, Kamölln, Kühmelle, Apfelkraut, Haugenblum, Heermännle, Moderkrud); die vielseitigste Verwendung der Kamille ist bekannt bei Spülungen, Aufgüssen und allen Darm-/ Magenbeschwerden. Wiesenkümmel, Koriander, Fenchel und Anis gegen Darmkoliken und Blähungen. Die Kümmelkörner dienen der Anregung der Milchdrüsen. Pfeffer- und Krauseminze bei Blähungen und Koliken. Spitz- und Breitwegerich. Sand- Thymian oder Quendel (Kuncla, Feldkümmel, Gundel, Kandlkraut, Kümmlingskraut, Wilder Polei) wächst auf trockenen, sandigen Wiesen, gibt dem Futter und besonders dem Heu das beliebte Aroma und findet bei Durchfall Anwendung. Baldrian (Katzenkraut, Ballerjan, Boldrian, Tollerjan) wächst auf feuchten Wiesen und wird auch bei Magen- u. Darmerkrankungen verwendet.

c) Pflanzen, die als Abführmittel (also gegen Verstopfung) bei den Kaninchen angewandt werden: Petersilie bewirkt Wasserausscheidung und in großen Mengen als Abführmittel. Gemeines Leinkraut (Flachskraut, Frauenflachs, Wille Flas, Marienflachs, Jungfernflachs, Löwenmaul, Löwenrache, Hasenmäuler, Froschmäuler, Hexakraut, Wildes Teufels- kraut, Bettstroh, Beschreikräutig, Abnehmkraut); Saat-Lein. Sonstiges: Birkenblätter werden bei Nieren- und Blasenleiden verwendet, Ringelblumen als Tinkturen bei Wunden und Quetschungen, sowie Kürbiskerne gegen Spul-, Maden- und Bandwürmer sind ein gutes Mittel.

d) Gewürzpflanzen: Im Abschnitt II ist schon in der Einleitung über die Bedeutung sowohl im Haushalt als auch für die Kaninchen alles gesagt worden. Neben der Geschmacksverbesserung des Grünfutters und des Raufutters sind die Würzkräuter für das Weichfutter zu empfehlen, dem sie besonders im Winter in getrocknetem Zustand zerrieben beigemischt werden. Garten-Dill gilt auch als Heilpflanze, weil er neben der Würze die Verdauung fördert und den Appetit anregt. Über die Petersilie wurde schon bei den Heilpflanzen berichtet. Der Beifuß wird auch infolge des Bittergehaltes bei Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden und Blähungen verwendet. Zu nennen wären noch: Thymian, Quendel, Kümmel, Fenchel, Anis, Alant, Wermut, Melisse, Pfeffer- u. Krauseminze, Liebstöckel, Beinwell, Bohnenkraut, Brennnessel, Koriander, Dost, Eibisch und Majoran.

Verwendete Literatur:

Theo Graßmann/Max Porzig: „Futterpflanzen und Kräuter“.

Dörfler/ Roselt: „Unsere Heilpflanzen“

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.