Dipl.-Ldw. Dr. Heinrich Niehaus
Bundesforschungsanstalt für Kleintierzucht Celle (Direktor: Prof. Dr. Mehner)
„Das Blaue Jahrbuch“ 1965
Eine genaue Kenntnis der mit der Fortpflanzung der Kaninchen im Zusammenhang stehenden Fragen ist für jeden Kaninchenzüchter, ob Liebhaber- oder Wirtschaftszüchter, eine unerlässliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zucht. Wie aus Diskussionen mit Züchtern, Anfragen und Veröffentlichungen im Deutschen Kleintier-Züchter zu ersehen ist, herrschen selbst bei sonst erfahrenen Züchtern vielfach noch Unklarheiten und zum Teil sogar falsche Vorstellungen auf diesem Gebiete. Das dürfte zum Teil auch daran liegen, dass das geschlechtliche Geschehen beim Kaninchen einige Besonderheiten gegenüber dem anderer Säugetierarten aufweist. Es soll nun im Folgenden versucht werden, diese Besonderheiten aufzuzeigen und darüber hinaus auch andere wesentliche Dinge herauszustellen, die bei der Erzeugung der Nachzucht eine Rolle spielen.
Hitzigkeit und Paarung
Während die Brunst oder Hitzigkeit bei den meisten Säugetierarten in periodisch wiederkehrenden Zeitabständen auftritt und eine fruchtbare Paarung nur während der oft nur wenige Tage dauernden Brunst möglich ist, kann eine geschlechtsreife und gesunde Kaninchen-Häsin theoretisch fast zu jeder Zeit fruchtbar gedeckt werden. Das ist darauf zurückzuführen, dass in den Eierstöcken nicht tragender bzw. scheinträchtiger Häsinnen immer reife Eier vorhanden sind. Die Ovulation, das Freiwerden der Eier durch den Follikelsprung, wird beim Kaninchen erst durch den Reiz des Deckaktes eingeleitet. Dadurch wird ein Hormonsystem in Bewegung gesetzt, so dass die Eier etwa 10 Stunden nach dem Deckakt frei werden und darauf in den Eileiter und von dort in die Gebärmutter befördert werden. Die beim Deckakt in die Gebärmutter (Uterus) gelangten zahllosen Samenfäden (Spermien) wandern den Eiern entgegen. Die Befruchtung der Eier, d. h. die Verschmelzung je eines Samenfadens mit einem Ei, findet normalerweise bereits im Eileiter statt.
Bei anderen Säugetieren, z. B. Rind, Pferd, Schwein u. a. erfolgt die Ovulation unabhängig von der Paarung. Findet eine Paarung nicht statt, so gehen die Eier nach relativ kurzer Zeit zugrunde, die Paarungswilligkeit der weiblichen Tiere erlischt und erst bei der nächsten Brunst ist eine fruchtbare Paarung bzw. eine erfolgreiche künstliche Besamung möglich. Auch bei einer künstlichen Besamung des Kaninchens müssen dessen Besonderheiten berücksichtigt werden. Da der Follikelsprung durch den Reiz des Deckaktes ausgelöst wird, muss ein solcher Reiz auch bei der künstlichen Besamung erfolgen, weil die eingeführten Spermien sonst keine befruchtungsfähigen Eier vorfinden. Dieser Reiz kann durch einen vassektomierten (sterilisiert/ unfruchtbar) und daher nicht befruchtungsfähigen Rammler oder ersatzweise durch Massieren herbeigeführt werden. Da die künstliche Besamung beim Kaninchen z. Z. jedoch keine Rolle in der praktischen Zucht spielt, soll auf diese Dinge nicht näher eingegangen werden.
Wenn auch die Befruchtungsfähigkeit der Häsin nicht an einen Zyklus, an bestimmte Zeiten, gebunden ist, so gibt es doch Höhepunkte, Tiefpunkte und Nullpunkte mit allen Übergängen hinsichtlich der Paarungsbereitschaft und der Trächtigkeitschancen. Die Höhepunkte, die wir mit Hitzigkeit bezeichnen, bieten die besten Aussichten für fruchtbare Paarungen und für große Würfe.
Die Hitzigkeit macht sich durch eine Veränderung im Wesen der Häsin bemerkbar. Sie wird unruhig, manchmal sogar bissig, trägt Stallstreu im Maul, als ob sie ein Nest bauen wollte, und rauft sich Wolle aus. Die Scheide ist etwas angeschwollen und oft rötlich-blau. Streicht man mit der Hand über den Rücken des Tieres, so hebt es sich hinten hoch. Diese Erscheinungen treten jedoch nicht bei allen Häsinnen oder nicht in deutlich wahrnehmbarer Form auf. Für das Zustandekommen der Hitzigkeit spielen verschiedene Umweltfaktoren eine Rolle, so dass es möglich ist, das Hitzigwerden der Häsinnen durch gezielte Maßnahmen zu beeinflussen.
So werden z. B. Angorahäsinnen fast immer kurz nach der Schur hitzig. Erfahrene Angorakaninchenzüchter wissen, dass ein bis einige Tage nach der Schur die günstigste Zeit für eine fruchtbare Paarung eintritt, vorausgesetzt, dass die Häsinnen nicht zu fett sind. Auch eine Futterumstellung, insbesondere ein Vitaminstoß oder ein Haferstoß, ferner auch ein Stallwechsel, besonders in einen Rammlerstall, der Geruch eines in der Nähe befindlichen Rammlers und andere Dinge haben einen fördernden Einfluss auf die Hitzigkeit der Häsin.
Ferner sind auch die Jahreszeit und die Witterung als auslösende Faktoren zu erwähnen, auf die der Züchter allerdings keinen Einfluss besitzt. Vor allem übt das Licht einen starken Einfluss auf die Aktivierung der Geschlechtsfunktionen aus. Licht, insbesondere zunehmende Tageslänge, fördern, Dunkelheit und abnehmende Tageslänge bremsen den Geschlechtstrieb. Deshalb ist das Frühjahr mit den länger werdenden Tagen für Erfolg versprechende Paarungen besonders geeignet, während es in den Herbstmonaten meist erheblich schwieriger ist, die Häsinnen decken zu lassen und tragend zu bekommen. In England durchgeführte Testversuche deuten an, dass man auch durch künstliche Belichtung positive Effekte erzielen kann. Wenn auch die Frage nach dem Einfluss des künstlichen Lichtes auf die Hitzigkeit und die Fruchtbarkeit der Kaninchen noch einer weiteren Klärung bedarf, so zweifle ich nicht daran, dass man das künstliche Licht als Regulator und Stimulator (Erreger) der Geschlechtsvorgänge eines Tages praktisch ausnutzen wird. Das ist vor allem für eine rationelle und wirtschaftliche Fleischkaninchenproduktion von großer Bedeutung, weil es hierbei darauf ankommt, möglichst während des ganzen Jahres gleichbleibend Junge zu erzeugen. Bei anderen Tieren, z. B. beim Huhn, wird die stimulierende (anreizende) Wirkung des Lichtes auf die Eiproduktion bereits mit Erfolg ausgenutzt. Auch bei der Nerzranz spielt das Licht eine wichtige Rolle.
Scheinträchtigkeit
Wird eine Häsin von einem sterilen Rammler gedeckt oder kommt es infolge anderer Hindernisse nicht zur Befruchtung der Eier, tritt die sogenannte Scheinträchtigkeit auf. Es entwickeln sich Gelbkörper (corpora lutea) in den Eierstöcken, die eine weitere Eireifung und damit eine fruchtbare Paarung verhindern, wie das auch in der ersten Hälfte einer normalen Trächtigkeit der Fall ist. Eine derartige Scheinträchtigkeit kann auch entstehen, wenn eine Ovulation durch gegenseitiges Bespringen hitziger Häsinnen ausgelöst wird. Diese Scheinträchtigkeit dauert nach Angabe des englischen Wissenschaftlers Hammond (1925) 16 Tage. Während dieser Zeit lassen sich die Häsinnen im Allgemeinen nicht decken und eine tatsächlich erfolgte Paarung führt nicht zur Trächtigkeit.
Probleme bei der Fortpflanzung
Während der Herbst- und Wintermonate erfolgt beim Wildkaninchen im Allgemeinen keine Fortpflanzung. Nur bei besonders günstigen Klima- und Nahrungsbedingungen werden Junge gesetzt. Auch beim Hauskaninchen ist es oft schwer, die Häsinnen vom September an tragend zu bekommen. Hierbei gibt es allerdings bei den einzelnen Häsinnen bzw. den verschiedenen Stämmen erblich bedingte Unterschiede. Ferner lassen sich die Chancen eines Wurfes in der genannten Zeit auch durch Maßnahmen der Haltung und Fütterung verbessern. Regelmäßige und häufige Zuchtverwendung, gute Zuchtkondition (keine Verfettung vitaminreiches und harmonisch zusammengesetztes Futter sowie die bereits vorher erwähnten Maßnahmen zur Erzeugung der Hitzigkeit für- dem die Möglichkeit einer fruchtbaren Paarung; lange Zuchtruhe, vitaminarme und mastige Fütterung haben eine entgegen gesetzte Wirkung.
Technische Maßnahmen bei der Paarung
Man bringe die Häsin stets zum Rammler, nicht umgekehrt. In letzterem Falle macht die Häsin nicht selten von ihrem "Hausrecht" Gebrauch und beißt den Rammler fort, oder der Rammler schnuppert zunächst an den Stallwänden herum, bevor er sich der Häsin zuwendet. Im Stalle des Rammlers geht der Deckakt im Allgemeinen schnell vonstatten, wenn die Häsin hitzig ist. Wenn die Häsin sich in eine Stallecke drückt oder wild im Stelle herumspringt, sollte der Züchter sie in eine für den Rammler günstige Lage im Stall postieren und sie mit sanfter Gewalt festhalten, um Zeit zu sparen und Treibereien und Beißereien zu vermeiden. Fällt der Rammler knurrend zur Seite ab, so ist der Deckakt gelungen. Weicht die Häsin dem Rammler aus und ist sie euch nach einiger Wartezeit nicht paarungswillig, so ist sie aus dem Stall zu nehmen und der Versuch nach einigen Tagen zu wiederholen. Ein längeres, unkontrolliertes Zusammensperren von Rammler und Häsin ist Tierquälerei, weil der Rammler die Häsin treibt und beißt. Außerdem erfährt man nicht, ob Deckakte erfolgt sind oder nicht.
Wer eine größere Zahl von Zuchthäsinnen besitzt, kann sich zum Zwecke der Arbeitserleichterung auch besondere Paarungskäfige bauen. Runde Drahtkäfige haben sich als zweckmäßig erwiesen. Die Paarung erfolgt in den Paarungskäfigen. Ein Züchter in England lässt die Rammler dreimal in kurzen Abständen hintereinander mit drei verschiedenen Häsinnen decken. Denn erhalten die Rammler eine längere Ruhepause.
Trächtigkeit
Die Befruchtung der Eier, d. h. die Verschmelzung der Kerne der Samenfäden mit denen der Eizellen, erfolgt, wie bereits erwähnt, im Allgemeinen bereits im Eileiter der Häsin. Nur ein einziger Samenfaden kann in jede Eizelle eindringen. Alle nachfolgenden werden durch die Schutzhülle des Eies abgewiesen. Die befruchteten Eier werden nun – wenn die Voraussetzungen hierfür vorhanden sind – in die Gebärmutterschleimhaut eingebettet und entwickeln sich hier zu fertigen jungen Kaninchen. Leider gelangen nicht alle befruchteten Eier zur Entwicklung. Es kann vorkommen, dass einige oder alle befruchteten Eier zugrunde gehen, ohne sich zu jungen Kaninchen weiter zu entwickeln. Die Ursachen hierfür können verschieden sein. Eine Verfettung der Häsin, eine ungünstige Jahreszeit, Futterfehler und Krankheit spielen dabei die Hauptrolle. Es ist in Züchterkreisen allgemein bekannt, dass fette Häsinnen schlecht aufnehmen oder nur wenige Jungtiere zur Welt bringen. Oft sind diese übergroß, so dass ihre Geburt nur mit großen Schwierigkeiten vor sich geben kann und die Tiere meist tot geboren werden.
Die Trächtigkeit einer Häsin macht sich durch ein verändertes Wesen bemerkbar. Von der 10. Stunde von der Paarung an wird der Rammler im Allgemeinen abgewehrt. Es kommt allerdings auch vor, dass tragende Häsinnen sich erneut decken lassen. Eine Doppelträchtigkeit (Superfötation), die dann entstehen kann, wenn die Häsin 14 Tage nach der Paarung nochmals gedeckt wird, kommt so selten vor, dass sie in der Praxis keine Rolle spielt. Es entstehen deshalb keine Schwierigkeiten, wenn der Züchter seine Häsin etwa 16-20 Tage nach der Paarung wieder zum Rammler bringt, um die Trächtigkeit fest zustellen bzw. die Häsin erneut decken zu lassen. Erfahrene Züchter können die Trächtigkeit der Häsin durch vorsichtiges Abtasten ermitteln. Das ist unter Umständen bereits vom 14. Tage der Trächtigkeit an möglich. Die Sicherheit erhöht sich jedoch bis kurz vor der Geburt der Tiere fortlaufend. Da die tragende Häsin, durch die sich in der Gebärmutter entwickeln den Föten an Gewicht zunimmt, kann auch eine Gewichtskontrolle für die Ermittlung der Trächtigkeit nützlich sein.
Besondere Pflegemaßnahmen sind bei einer tragenden Häsin im Allgemeinen nicht erforderlich. Man sollte sie aber in einem zugluftgeschützten und mit reichlicher Einstreu versehenen Einzelstall unterbringen und sie vor ungewöhnlichen Aufregungen, Treibereien und Beißereien durch andere Kaninchen schützen.
Eine wesentliche Erhöhung der Kraftfuttergaben ist insbesondere dann nicht zu empfehlen, wenn sich die Tiere bereits in einem guten Ernährungszustande befinden. Es kann beobachtet werden, das viele Tiere einige Tage vor der Geburt der Jungtiere kaum Futter zu sich nehmen. Eine generelle Reduzierung der Futtergaben scheint somit günstig zu sein, weil ein voller Magen und Darm die Geburt erschweren könnte. Die Tragezeit dauert normalerweise 31 Tage. Leider kommen in bestimmten Stämmen immer wieder Abweichungen vor. Die Zeit der Trächtigkeit kann sich insbesondere dann bis zu einer Woche verlängern, wenn nur wenige Jungtiere geboren werden. Die Jungtiere sind dann nicht selten so groß in der Entwicklung, dass sie nur mit größten Mühen des Muttertieres tot zur Welt gebracht werden können. Findet der Wurf vor dem dreißigsten Tage statt, so sind die Jungen im Allgemeinen nicht lebensfähig.
Der Wurf
Die tragende Häsin beginnt – oft schon einige Tage vor dem Wurf – Stallstreu im Maul herumzuschleppen und sich Bauchwolle auszuraufen, um daraus ein warmes Nest zu bauen. Ähnliche Erscheinungen können sich auch zeigen, wenn die Häsin nicht tragend, sondern hitzig ist. Es gibt gute und schlechte Nestbauer, letztere insbesondere bei den Angorakaninchen. Rupft sich eine tragende Angorahäsin vor dem Werfen keine Wolle aus oder erfolgt der Wurf kurze Zeit nach der Schur, so ist es zweckmäßig, etwas Schurwolle – am besten die etwas kürzere Welle der Sorte I – ins Nest zu legen. Längere Wolle – auch die eigene Rupfwolle – sollte man mit einer Schere zerschneiden, weil sich sonst die Jungen leicht in die Strähnen der langen Wolle einwickeln und sich Gliedmaßen oder sogar den Hals abschnüren. Notorisch schlechte Nestbauer sollte man ausmerzen und hiervon euch keine Jungtiere für die Zucht verwenden, weil die Anlagen vererbt werden.
Manche Züchter stellen einen besonderen Wurfkasten in den Stall, der insbesondere bei Würfen in der kalten Jahreszeit gute Dienste leisten kann. Bei Haltung der Zuchthäsinnen auf Drahtrosten oder in Drahtkäfigen sind solche Wurfkästen unentbehrlich. Wir haben mit vor die Drahtkäfige gehängten Wurfkästen gute Erfahrungen gemacht. Für mittelschwere Rassen, z. B. Weiße Neuseeländer und Helle Großsilber, haben sich aus Holz hergestellte und mit einem Deckel versehene Kästen von 30 cm Breite, 40 cm Länge und 30 cm Höhe als günstig erwiesen
Der Wurf erfolgt ohne Hilfe des Züchters. Beim Werfen darf die Häsin nicht gestört oder erschreckt werden. Häsinnen, die ihre Jungen im Stall verstreuen, sie nicht ordnungsmäßig säugen oder sie sogar an- oder auffressen, sind für die Weiterzucht nicht geeignet.
Fast alle Häsinnen werden kurze Zeit nach der Geburt hitzig. Diese Erscheinung kann der Züchter ausnutzen, wenn zu fette Häsinnen nur ein oder zwei Jungtiere zur Welt gebracht haben, die entweder tot geboren wurden oder einer Amme untergelegt werden können. Etwa zwei Tage nach dem Wurf ergeben sich gute Chancen, die Tiere wieder tragend zu bekommen. Eine starke Hitzigkeit mancher Häsinnen nach der Geburt der Jungtiere kann auch dazu führen, dass die Häsinnen auf ihren Jungen herumtrampeln, das Nest benässen und die Jungen vernachlässigen. Wenn man diese Dinge rechtzeitig erkennt, bevor die Jungen tot sind, oder mit bestimmten Häsinnen bereits bei früheren Würfen ähnliche Erfahrungen gemacht hat, so sollte man die Häsinnen kurz nach dem Werfen von den Jungen trennen und sie nur unter Kontrolle säugen lassen. Einmal täglich, am besten in den Morgenstunden, genügt.
Die jungen Kaninchen kommen nackt und mit geschlossenen Augen zur Welt im Gegensatz zu den jungen Feldhasen, die bei ihrer Geburt gleich ein entwickeltes Haarkleid und geöffnete Augen aufweisen.
Bei der Nestkontrolle nach dem Wurf sind tote und schwächliche Jungen zu entfernen. Die Häsin wird dabei aus dem Stall genommen. Beim Unterlegen fremder Jungtiere entstehen normalerweise keine Schwierigkeiten, wenn die Prozedur kurz nach dem Werfen erfolgt. Irgendwelche besonderen Maßnahmen, z. B. Einreiben der fremden Jungen mit dem Harn oder Kot der Häsin, sind nach eigenen sehr umfangreichen Erfahrungen nicht erforderlich. Erst wenn die Jungtiere älter werden, insbesondere dann, wenn sie das Nest bereits verlassen haben, nehmen manche Häsinnen das Zusetzen fremder Jungtiere übel, was sich durch Knurren und Wegbeißen bemerkbar macht. Wenn man die Häsin jedoch ein paar Stunden aus dem Stall entfernt und ihr außerdem bei der Rückkehr gleich begehrtes Futter anbietet, ergeben sich im Allgemeinen keine Komplikationen. Die Wurfstärke kann je nach Rasse, individueller Veranlagung und den herrschenden Umweltfaktoren zwischen 1 und 20 schwanken. 5-10 Jungtiere sind die Regel. Man belässt der Häsin so viel Jungtiere, wie sie ohne Nachteile für diese und sich selbst ernähren kann. 6-8 Junge dürften in der Regel das Richtige sein. Bei der Nestkontrolle kann man die Angelegenheit am Ernährungszustand der Jungen überprüfen und nötigenfalls korrigieren. Liegen die Jungen mit glatter Haut und prallen Bäuchen ruhig im Nest, so ist alles in bester Ordnung. Runzelige Haut, eingefallene Flanken und Unruhe im Nest zeigen eine mangelhafte Ernährung der Jungen an.
Anzahl der Würfe
Je regelmäßiger eine Häsin wirft, desto leichter wird sie tragend, desto besser zieht sie ihre Jungen auf, vorausgesetzt, dass die Häsin gesund ist und vollwertig ernährt wird. Lange Ruhepausen und häufiges Übergehen der Hitzigkeit wirken sich nachteilig aus. Es ist ohne weiteres möglich, 4-5 Würfe im Jahre ohne Schaden für die Häsin zu ziehen. Sollte aus Mangel an Ställen oder aus arbeits- bzw. fütterungstechnischen Gründen eine Beschränkung der Würfe erforderlich sein, so sollte man die Häsin während der Ruhepause auf Erhaltungsfutter setzen, das zwar alle benötigten Nähr- und Schutzstoffe enthält, aber eine Verfettung verhindert.
Literatur
Hammond, J. (1925): Reproduction in the Rabbit, Oliver and Boyd,
Edinbourgh: Tweeddale Court, London: 33 Paternoster Row, E. C.







