Dr. Heinrich Niehaus „Das Blaue Jahrbuch“ 1982

Vorwort

Die in Züchterkreisen bestehenden Meinungen über Nutzen und Gefahren der Inzucht gehen auch heute noch weit auseinander. Das ist in erster Linie durch die in der züchterischen Praxis gemachten Erfahrungen zu erklären, nach denen bei Anwendung der Inzucht große Erfolge ebenso großen Misserfolgen gegenüberstehen. So hat z. B. die Inzucht bei der Herauszüchtung hochleistungsfähiger Vollblutpferde eine wesentliche und positive Rolle gespielt. Auch der hohe Stand in der Rassezucht bei Kaninchen und anderen Tierarten ist mit Hilfe der Inzucht erreicht worden. Andererseits gibt es auch zahlreiche Beispiele, dass bei ingezüchteten Stämmen Deformationen, erhöhte Anfälligkeit gegen Erkrankungen, Fruchtbarkeitsstörungen u.a. in Erscheinung traten, die bis zum Aussterben der betreffenden Stämme führten.

Ich möchte nun im Folgenden versuchen, Gründe für die unterschiedlichen Erfahrungen mit der Inzucht aufzuzeigen und durch Hinweise auf Wesen und Wirkungen der Inzucht die Zusammen- hänge verständlich zu machen. Dabei erscheint es wichtig, auch auf die Gegenspieler der Inzucht, die Fremdpaarungen und Kreuzungen mit den dabei auftretenden Effekten hinzuweisen. Daraus ergeben sich dann Rückschlüsse, unter welchen Voraussetzungen Inzucht, Fremdpaarungen, Kreuzungen und eine Kombination der genannten Zuchtverfahren sinnvoll erscheinen.

Bevor wir uns mit den praktischen Maßnahmen befassen, sei eine Begriffserläuterung vorausgeschickt.

Inzucht

Als Inzucht bezeichnet man die Fortpflanzung durch Paarung verwandter Individuen. Die Nähe der Verwandtschaft im biologischen Sinne wird durch die Anzahl gleicher Erbanlagen bei den zu vergleichenden Individuen gekennzeichnet. Je mehr gleiche Erbanlagen vorhanden sind, desto enger ist die für die Züchtung wichtige biologische Verwandtschaft und umgekehrt. Da man es den einzelnen Individuen, im vorliegenden Falle den Kaninchen, äußerlich nur sehr bedingt ansehen kann, welche identischen Erbanlagen sie gemeinsam mit anderen Artgenossen besitzen, bedient man sich als Anhaltspunkt der nominellen Verwandtschaftsgrade, wie sie u.a. von Löhner (1929) präzisiert worden sind.

Erster Grad: Eltern zu ihren Kindern (gerade Linie)

Zweiter Grad: Großeltern und ihre Enkel (gerade Linie) Geschwister (Seitenlinie)

Dritter Grad: Urgroßeltern und ihre Enkel (gerade Linie) Tanten und Neffen, Onkel und Nichten (Seitenlinie)

Vierter Grad: Ururgroßeltern und ihre Enkel (gerade Linie) Vettern und Basen (Seitenlinie) usw.

Danach unterscheidet man engste Inzucht, auch Inzest (incestum, Blutschande) genannt. Von Inzestzucht spricht man bei Paarungen innerhalb des ersten und zweiten Verwandtschaftsgrades. Als enge oder nahe Inzucht gelten Paarungen zwischen Ange- hörigen der dritten Verwandtschaftsgrade.

Paarungen innerhalb der weiteren Verwandtschaftsgrade bezeichnet man als mäßige bis weite Inzucht. Paarungen über den sechsten Verwandtschaftsgrad hinaus gelten nicht mehr als Inzucht.

Linienzucht ist eine besondere Form der Inzucht. Inzuchtlinien, bei deren Entwicklung und Fortführung alle Grade der Inzucht verwendet werden können, gehen meist auf einen oder wenige besonders hochwertige Ahnen zurück. Dabei wird versucht, das Erbgut der herausragenden Tiere durch jeweils geeignet erscheinende Paarungen, z. B. Rückpaarung des hochwertigen Elternteils auf seine Nachkommen, und/oder Paarungen ausgewählter Nachkommen untereinander, die wertvollen Erbanlagen der betreffenden Ahnen in den Nachkommen zu konzentrieren und leistungsfähige Stämme mit großer Ausgeglichenheit und Vererbungstreue zu erhalten.

Während bei derartigen Linien, die rein weitergezüchtet werden, hohe Eigenleistungen erwartet werden, spielen in der Hybridzucht die Leistungen der verwendeten Inzuchtlinien nur eine untergeordnete Rolle. Hier kommt es in erster Linie darauf an, durch Kreuzung zueinander passender Inzuchtlinien unter Ausnutzung des Kreuzungseffektes (Heterosis) Hybriden mit besonders großer Anpassungs- und Leistungsfähigkeit zu erzeugen. Hybridzucht wird schon seit langem in der Pflanzenzucht, später dann in der Geflügelzucht und neuerdings auch in der Schweine-, Rinder- und Kaninchenzucht angewandt. Für die Rassezucht, bei der Rassereinheit verlangt wird, ist die Hybridzucht ungeeignet.

Leider geben die erwähnten nominellen Verwandtschaftsgrade nur im Durchschnitt großer Zahlen eine brauchbare Auskunft über die für die Züchtung wichtige biologische Verwandtschaft (Anzahl gleicher Gene). Im Einzelnen kann es zu erheblichen Abweichungen kommen.

Eine Ausnahme bildet das Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Eltern und ihren Kindern. Alle Kinder erhalten mit den Keimzellen (Ei- und Samenzellen) 50% ihrer Erbanlagen vom Vater und 50% von der Mutter. Die Anzahl gleicher Erbanlagen zwischen den Eltern und ihren Kindern beträgt deshalb immer mindestens 50%. Sie kann aber auch höhere Werte annehmen, wenn die Eltern bereits miteinander verwandt sind. Innerhalb aller anderen Verwandtschaftsgrade können in Abhängigkeit vom Ausgangsmaterial mehr oder weniger starke Streuungen vorkommen. Hier ist das Vorhandensein gleicher Erbfaktoren nur soweit fest- zustellen, als dies aus äußerlich sichtbaren Merkmalen, z. B. Fellfarbe, Zeichnung, Haarlänge, Erbkrankheiten u.a. bei den zu vergleichenden Tieren ersichtlich ist. Das ist zwar nur ein minimaler Anteil an den insgesamt viele Milliarden betragenden Erbanlagen, für den Rassezüchter, bei dem ja die Ausprägung der Rassemerkmale im Vordergrund steht, aber schon ein wichtiger Hinweis.

Im Übrigen ist es durchaus möglich, dass Tiere, z. B. des fünften Grades, in Einzelfällen mehr gleiche Gene besitzen als solche des vierten, dritten oder zweiten Grades. Theoretisch ist es sogar möglich, dass Vollgeschwister genetisch überhaupt nicht miteinander verwandt sind, wenn nämlich genetisch völlig verschiedene Eizellen von ebenfalls völlig verschiedenen Samenzellen befruchtet werden. Auch das andere Extrem, bei dem genetisch identische Tiere entstehen, ist theoretisch möglich. Die Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen derartiger Extremfälle ist jedoch so gering, dass sie keine Bedeutung für die Praxis besitzen. Wichtig ist es dagegen, zu wissen, dass alle Zwischenstufen – ihre Zahl kann die Billionengrenze überschreiten – möglich sind. Welche davon realisiert werden, ist weitgehend dem Zufall überlassen. Durch diese ungeheuer großen Variationsmöglichkeiten ist es auch zu erklären, dass die Unterschiede in der genetischen Verwandtschaft innerhalb aller Verwandtschaftsgrade, auch unter Vollgeschwistern sehr groß sein können. Nur wenige der genetisch bedingten Unterschiede werden auch in der Erscheinungsform (Phänotyp) erkennbar. Sie sind aber auch hier groß genug, dass erfahrene Züchter bei genauer Beobachtung ihrer Tiere feststellen können, dass kein Tier einem andern genau gleicht. Das bezieht sich vor allem auf die polygen (durch das Zusammenwirken vieler Gene) bedingten Merkmale, z.B. Nuancierung (Feinabstufung) der Fellfarbe, Unterschiede im Zeichnungsmuster u.a., in geringerem Umfange auch auf Körperform, Größe, Ohrenlänge u.a.

Bei der Ausprägung der verschiedenen Merkmale und Leistungseigenschaften spielen auch Umweltfaktoren eine mehr oder weniger große Rolle. Wenig beeinflussbar sind z.B. die Zeichnungsmerkmale, deren Ausprägung bereits kurz nach der Geburt erkennbar, sich später, auch bei unterschiedlicher Umwelt, wenig ändert. Andere Merkmale, z.B. Größe, Felldichte, Fruchtbarkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten u.a. können durch Umweltfaktoren, z.B. Fütterung, Haltung u.a. z.T. erheblich modifiziert (verändert) werden.

Einen Sonderfall hinsichtlich der genetischen Verwandtschaft bilden eineiige Zwillinge. Sie entstehen, wenn sich eine durch einen Samenfaden befruchtete Eizelle unter besonderen Bedingungen in zwei Embryonalanlagen teilt, die sich dann, jede für sich, zu zwei normalen selbständigen Individuen entwickeln. Eineiige Zwillinge, die gelegentlich bei Tieren und auch beim Menschen vorkommen, sind genetisch völlig gleich. Auch in ihrem Aussehen sind sie oft kaum voneinander zu unterscheiden. Eineiige Zwillinge sind für die Wissenschaft sehr wertvoll, weil man an ihnen den Einfluss der Umwelt auf die körperliche und geistige Entwicklung studieren und feststellen kann, wie unterschiedliche Umweltbedingungen modifizierend auf die Entfaltung der Erbanlagen einwirken.

Wirkungen der Inzucht

Erwünschte Wirkungen:

1. Erhöhung des Reinerbigkeitsgrades und dadurch Schaffung ausgeglichener, weitgehend konstant vererbender Stämme,

2. Mittel zur Ausmerzung unerwünschter rezessiver (überdeckbarer) Anlagen,

3. Verwendung von Inzuchtlinien zur Erzeugung hochwertiger, leistungsfähiger Hybriden.

Unerwünschte Wirkungen :

4. Gefahren für das Auftreten von Inzuchtdepressionen (Rückgang des Wachstums, der Fruchtbarkeit, erhöhte Anfälligkeit gegen Erkrankungen, Missbildungen u.a.),

5. Genverarmung und dadurch Rückgang des Selektionseffektes.

Diagramm über die prozentuale Steigerung der Reinerbigkeit bei Verwendung verschiedener Paarungssysteme bei Hühnern.

Das von Wright entwickelte Diagramm (Abb. 1) zeigt die durchschnittliche Steigerung des genetischen Reinerbigkeitsgrades bei verschiedenen Paarungssystemen bei Hühnern. Es ist im Prinzip mit den Vorgängen beim Kaninchen vergleichbar, wenn auch die unterschiedlichen Chromosomenzahlen zwischen Huhn (78) und Kaninchen (44) ein schnelleres Ansteigen der Reinerbigkeit beim Kaninchen bewirken dürfte, als im Diagramm angegeben.

Wie die Kurven zeigen, ist eine 100% ige Reinerbigkeit nur durch Selbstbefruchtung zu erreichen, die wir vorwiegend im Pflanzenreich vorfinden (vgl. Gleichauf 1972). Sie allein führt zu genetisch reinen Linien, bei denen die Individuen in allen Erbanlagen reinerbig (homozygot) sind. Derartige reine Linien hat auch Mendel bei seinen Vererbungsversuchen verwendet.

Bei Kaninchen gibt es eine Selbstbefruchtung nicht, weil die männlichen und weiblichen Keimzellen (Samen- und Eizellen) immer von zwei verschiedenen Tieren stammen. Deshalb führt selbst die wirksamste Form der Reinerbigkeitssteigerung, nämlich die fortlaufende Paarung von Vollgeschwistern, niemals zu einer 100% tigen Reinerbigkeit. Das ist auch, wie aus den weiteren Ausführungen zu entnehmen ist, weder erforderlich noch erwünscht.

Bei den Rassekaninchen wird nur „Reinrassigkeit“ gefordert. Das bedeutet, dass die Tiere in allen für die betreffende Rasse charakteristischen Merkmalen, z. B. den Anlagen für Fellfarbe, reinerbig sind. (Eine Ausnahme bilden, die nur in spalterbiger Form anerkannten Marder, Punktschecken und eisengrauen Tiere.) Für die polygen (durch das Zusammenwirken vieler Anlagen) bedingten Merkmale, z.B. Größe, Körperform, Nuancierung der Fellfarbe, Ausprägung der Zeichnungsmuster u.a., wird zwar auch Reinerbigkeit angestrebt, ist aber praktisch nicht 100% ige zu erreichen. Hier muss man sich schon mit einer weitgehenden Ausgeglichenheit und einer einigermaßen konstanten Vererbung zufriedengeben.

Erläuterungen zur Wirkung der Inzucht

Wenn auch die nach Vielseitigkeit strebende Natur Einrichtungen geschaffen hat, um Inzucht zu vermeiden (z. B. geschlechtliche Fortpflanzung, unterschiedliche Reifung der männlichen und weiblichen Keimzellen bei Blütenpflanzen u. a.), so kann doch eine richtig angewandte Inzucht bei der Herauszüchtung leistungsfähiger Stämme und neuer Rassen sehr nützlich und in manchen Fällen unvermeidbar sein. Letzteres ist besonders dann der Fall, wenn nur wenige Ausgangstiere zur Verfügung stehen.

Zu 1: Wie bereits erwähnt und aus Abb. 1 ersichtlich, wird durch Paarungen verwandter Tiere, insbesondere bei enger und engster Inzucht, der Reinerbigkeitsgrad von Generation zu Generation erhöht. In den ersten Generationen erfolgt ein relativ schneller Anstieg. Mit zunehmender Reinerbigkeit erhöht sich der Aufwand für eine weitere Steigerung. Dabei wachsen auch die Risiken für das Auftreten von Inzuchtdepressionen (nähere Erklärung hierzu im Folgenden). Ein Ansteigen der Reinerbigkeit führt naturgemäß auch zu einer größeren Ausgeglichenheit und Vererbungstreue der betreffenden Stämme.

Ausgeglichenheit allein aber genügt nicht zur Erzeugung hochwertiger Stämme. Dazu gehören auch Gesundheit, Fruchtbarkeit, Aufzuchtleistungen, Wolleistungen bei Angorakaninchen und eine gute Ausprägung der Rassemerkmalen bei Rassekaninchen.

Ob Inzucht auch auf den zuletzt genannten Gebieten befriedigende oder nachteilige Ergebnisse erbringt, hängt sowohl von der Qualität und Anzahl der Ausgangstiere als auch von den Maßnahmen des Züchters ab. Entscheidend ist, dass der Züchter rassisch einwandfreie, gesunde, robuste und fruchtbare Tiere ohne schwer- wiegende Mängel verwendet. Wichtig ist ferner, dass ein ausreichend großer Zuchttierbestand vorhanden ist, damit bei der erforderlichen harten Auslese noch genügend Tiere für die weitere Zucht übrig bleiben. Da man beim Aufbau von Inzuchtstämmen nicht wissen kann, wie die betreffenden Tiere auf Inzucht reagieren, ist es zweckmäßig, mindestens zwei Gruppen parallel nebeneinander zu züchten. Bei einfarbigen Rassen sollte man von wenigstens zwei Rammlern und 5 Häsinnen je Gruppe ausgehen. Zeichnungsrassen, z.B. Holländer, Japaner, Rhönkaninchen und besonders die nur in spalterbiger Form anerkannten Punkt- oder Tigerschecken, erfordern mindestens die doppelte Anzahl, weil bei diesen Rassen abgesehen von ihrer Spalterbigkeit in der Scheckung – die Streuungen im Zeichnungsmuster meist sehr groß sind und deshalb die Ausbeute an brauchbaren Zuchttieren relativ gering ist. Die angegebenen Zahlen können nur als Anhaltspunkte dienen. Allgemein gültige Patentrezepte gibt es nicht.

Zu 2: Im Laufe der Zeit haben auch im Erbgut der Kaninchen zahlreiche Veränderungen (Mutationen) stattgefunden. Die meisten Mutationen sind rezessiv (überdeckbar) und negativer Art. Da rezessive Anlagen ihre Wirkung nur in reinerbiger (homozygoter) Form entfalten, können sie sich in spalterbiger Form unentdeckt in einem Zuchtstamm bzw. innerhalb der verschiedenen Rassen ansammeln und über viele Generationen weiter verbreiten. Ihr Vorhandensein wird erst bemerkt, wenn aus Paarungen von Partnern mit den gleichen rezessiven Anlagen Jungtiere fallen, die in reinerbiger Form mit den betreffenden Anlagen behaftet sind. Da die Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen von Paarungen mit gleichen rezessiven Genen bei Inzucht größer ist als bei Fremdpaarungen, bietet die Inzucht die Möglichkeit, unerwünschte rezessive Erbfaktoren zu erkennen und ihre Träger auszumerzen. Bei den rezessiven Genen kann es sich um rasse- fremde Merkmale, z. B. Langhaarfaktor, Albinofaktor, unerwünschte Farbgene, und/oder um letale oder semiletale Anlagen handeln. Letale Anlagen (letal, tödlich) bewirken ein Absterben der befallenen Embryonen vor, während oder kurz nach der Geburt, semiletale Anlagen (semi, halb) eine Verminderung der Vitalität (Lebenskraft). Auch Erbfaktoren für Blindheit, körperliche Missbildungen, Zahnanomalien durch Verkürzung des Oberkiefers u.a., gehören zu den unerwünschten rezessiven Anlagen. Man kann durch Inzucht bis zu einem gewissen Grade „die Spreu vom Weizen trennen“, wie der Züchter sagt, wenn die betreffenden Stämme eine sich über viele Generationen erstreckende Inzucht überstehen. Eine absolute Gewähr für das Erkennen und Ausmerzen aller unerwünschten Anlagen bietet die Inzucht zwar nicht, sie ist aber ein wichtiges Hilfsmittel.

Zu 3: Ausgeglichene und durch einen hohen Reinerbigkeitsgrad ausgezeichnete Inzuchtlinien sind nicht nur wichtige Elemente in der Rassezucht, sie sind auch in der experimentellen Medizin unentbehrlich und Grundlagen für die Hybridzucht.

Ausgehend von den mit Hybridmais gemachten guten Erfahrungen, ist es auch in der Tierzucht, speziell beim Geflügel gelungen, hochleistungsfähige Mast- und Legehybriden zu entwickeln. In neuester Zeit wird die Hybridzucht auch bei Schweinen, Rindern und Kaninchen angewandt. Da Hybridkaninchen in der Rassezucht keinen Platz haben – da es hier ja auf Reinrassigkeit und konstante Vererbung ankommt – sei auf eine ausführliche Darstellung der Zusammenhänge verzichtet. Ich werde aber im Folgenden nochmals kurz auf das Thema Kreuzungen zurückkommen, weil es auch in der Rassekaninchenzucht nicht selten bewusst oder zufällig zu Linienkreuzungen innerhalb der verschiedenen Rassen mit bestimmten Effekten kommt. Ferner spielen Kreuzungen auch bei der Herauszüchtung neuer Rassen eine Rolle und können mit Erfolg bei der Erzeugung von Schlachtkaninchen angewandt werden.

Unerwünschte Wirkungen der Inzucht

Zu 4: Zuvor wurde bereits darauf hingewiesen, dass in Inzuchtstämmen sog. Inzuchtdepressionen auftreten können. Diese kommen in erster Linie dadurch zustande, dass rezessive letale oder semiletale Anlagen reinerbig werden und so ihre negativen Wirkungen entfalten können. Das ermöglicht dem Züchter einerseits eine gewisse Säuberung der Zuchtstämme von unerwünschten rezessiven Anlagen, führt aber andererseits, 76 besonders bei häufiger naher Verwandtschaftszucht, nicht selten zu Degenerationserscheinungen. Vielfach sind Fruchtbarkeitsstörungen die ersten Anzeichen für negative Wirkungen der Inzucht. Insgesamt ist die Fruchtbarkeit, genauer die Zuchtleistung, ein empfindlicher Indikator (Anzeiger) dafür, ob die betreffenden Tiere erblich gesund sind und richtig ernährt und gehalten werden. Die Fruchtbarkeit ist dabei die erblich bedingte Möglichkeit, Jungtiere zu produzieren. Die tatsächliche Zuchtleistung wird darüber hinaus jedoch in erheblichem Maße durch die Umwelt (Ernährung, Haltung, Krankheitserreger u. a.) beeinflusst. Nicht selten geht die Fruchtbarkeit durch langjährige enge Inzucht soweit zurück, dass die betreffenden Linien völlig aussterben.

Zu weiteren Inzuchtschäden, die z. T. schon angesprochen wurden, gehören Verminderung der Wüchsigkeit und der Vitalität, erhöhte Empfindlichkeit gegen Erkrankungen, Missbildungen aller Art u. a.

Inzuchtdepressionen treten meist erst nach mehreren durch enge Inzucht erzeugte Generationen in Erscheinung. Art und Zeitpunkt sind jedoch weitgehend von der genetischen Beschaffenheit des Ausgangsmaterials und der Strenge der Selektion abhängig. Im Übrigen sind Kaninchen erfahrungsgemäß – gegenüber anderen Tierarten – im Durchschnitt nicht besonders empfindlich gegen Inzucht.

Als Beweis hierfür wird in der Literatur mehrfach darauf hingewiesen, dass die auf zahlreichen Inseln und in Australien lebenden Kaninchen von nur wenigen Ausgangstieren abstammen und sich trotzdem so stark vermehrt haben, dass sie zur Landplage geworden sind und gesunde Populationen gebildet haben. So sollen die auf der kleinen, in der Nähe von Madeira im Atlantik liegenden portugiesischen Insel Porto Santo lebenden Wildkaninchen von einer einzigen Häsin mit ihren Jungtieren stammen. Sie vermehrten sich sehr stark und entwickelten sich zu den kleinsten und wildesten Wildkaninchen. Diese Population wurde durch Darwin bekannt und berühmt, weil Darwin glaubte, dass sich hier in geschichtlicher Zeit eine neue Art gebildet habe, was später von Nachtsheim widerlegt werden konnte (vgl. Nachtsheim 1977). Wenn die angeführten Beispiele auch Hinweise dafür geben, dass Kaninchen nicht besonders empfindlich gegen Inzucht sind, so darf man daraus doch nicht schließen, dass fortgesetzte enge Inzucht keine Gefahren mit sich bringt.

Wenn man berücksichtigt, dass selbst Wurfgeschwister recht unterschiedliche Verwandtschaftsgrade aufweisen können, und dass ferner bei strenger Auslese bevorzugt, die vitaleren spalterbigen Tiere zur Fortpflanzung kommen, so kann man daraus folgern, dass auch die von wenigen Ausgangstieren stammenden Nachkommen nur mäßig bis weit miteinander verwandt sind. Den Bestand gefährdende Inzuchtdepressionen kann man nur dann erwarten, wenn die Ausgangstiere bereits stark ingezüchtet waren und/oder eine Anpassung an die neue, anders geartete Umwelt nicht gelingt. Auch dafür gibt es Beispiele.

Anders liegen die Verhältnisse, wenn man bei Hauskaninchen planmäßig immer wieder nahe Verwandte Partner miteinander paart. Aber auch hier ist der Anstieg der genetischen Verwandtschaft umso geringer, je strenger die Auslese erfolgt. Der Züchter konzentriert sich dabei auf die Ausprägung und Vererbungstreue der Rassemerkmale. Spalterbigkeit in den zahlreichen anderen Erbanlagen stört nicht. Sie ist wegen der damit verbundenen höheren Vitalität sogar erwünscht.

Zu 5: Bei Anwendung der Inzucht, verbunden mit strenger Aus- lese, werden nicht nur unerwünschte und negativ wirkende, sondern auch zahlreiche wertvolle Erbfaktoren aus den Zuchtstämmen entfernt. Wenn man von „Genverarmung“ spricht, so bedeutet das natürlich nicht, dass sich der Genbestand insgesamt zahlenmäßig verringert. Der Ausdruck „Genverarmung“ bezieht sich vielmehr auf die Zahl der unterschiedlichen Erbanlagen. Je mehr der paarigen Erbanlagen (Allele) reinerbig werden, umso weniger Platz bleibt für Spalterbigkeit. Es ist deshalb nicht zu vermeiden, dass mit den ausgemerzten Tieren nicht nur unerwünschte Eigenschaften, sondern auch Erbanlagen aus dem Bestand verschwinden, die für das gesetzte Zuchtziel und die Leistungsfähigkeit des Bestandes wertvoll gewesen wären.

Ferner verringert sich mit zunehmender Reinerbigkeit die Möglichkeit einer weiteren Auslese, denn Gleiches mit Gleichem gepaart, ergibt wieder Gleiches. Wir erkennen also, dass bei dem verständlichen Ziel, möglichst reinerbige, konstant vererbende Stämme zu erhalten, die weiteren züchterischen Möglichkeiten eingeschränkt werden. Nun braucht man hier nicht allzu ängstlich zu sein, weil selbst bei langjähriger enger Inzucht noch zahlreiche Erbanlagen in spalterbiger Form verbleiben, so dass auch bei ingezüchteten Stämmen noch Raum für züchterische Verbesserungen vorhanden ist. Haben sich aber schwerwiegende Fehler, z. B. mangelnde Fruchtbarkeit, Milchmangel, Kannibalismus, körperliche Missbildungen, Nervosität u. a. eingeschlichen, so sind diese meist nur durch Einpaarung blutfremder Tiere und weiterer züchterischer Auslese zu beseitigen.

Erfahrenen Züchtern ist bekannt, dass bei Einpaarung von blutfremden Partnern in ingezüchtete Stämme, in der F₁ nicht selten besonders robuste, vitale und ausgeglichene Tiere mit unerwartet guter Körperform und dichtem glänzenden Fell auftreten. Da solche, vom Preisrichter oft hochbewerteten Tiere, ihre Qualität nicht rein weitervererben, werden sie in Züchterkreisen als „Blender“ bezeichnet. Man nennt diese Erscheinung „Heterosis“ oder „Kreuzungseffekt“. Dieser in der Pflanzen- und Tierzucht planmäßig zur Erzeugung von hochleistungsfähigen Hybriden benutzte Effekt tritt besonders dann in Erscheinung, wenn ingezüchtete und zueinander passende Tiere miteinander gekreuzt werden. Der maximale Kreuzungseffekt tritt in der ersten Kreuzungsgeneration auf. Da sich in den weiteren Generationen durch Aufspaltungen Leistungen und Ausgeglichenheit verringern, müssen die Hybriden immer wieder neu aus den Ausgangslinien hergestellt werden. Über das Zustandekommen des Kreuzungseffektes gibt es mehrere Hypothesen (wissenschaftliche Annahmen), auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. H. E. Fischer (1978) hat die auf diesem Gebiet vorhandene Fachliteratur zusammengestellt. Wesentlich ist m. E. die Annahme, dass viele Gene, speziell Leistungsfaktoren, in spalterbiger Form wirksamer sind als in reinerbiger.

Hinweise zur Anwendung der Inzucht

Aus den vorhergehenden Ausführungen kann man erkennen, dass die Inzucht ein wichtiges, aber empfindliches Instrument der Züchtung ist, dass in Abhängigkeit der vorhandenen Voraussetzungen und der Art der Anwendung großen Nutzen, aber auch erhebliche Nachteile bewirken kann. Über mehrere Generationen sich erstreckende enge Inzucht gehört deshalb nur in die Hand erfahrener Züchter, die über ein gesundes, robustes Ausgangsmaterial, ausreichende Stallanlagen und züchterisches Können verfügen. Unerfahrene Züchter sollten sich im Wesentlichen auf Paarungen nicht näher verwandter Partner stützen, wobei gelegentlich vorgenommene enge Inzucht im Allgemeinen ohne große Risiken angewendet werden kann. Wichtig ist, dass der Züchter auftretende Inzuchtschäden rechtzeitig erkennt und die weitere Zucht darauf einstellt.

Das Problem beginnt schon bei der Auswahl der Rasse. Neulinge auf dem Gebiete der Kaninchenzucht sollten mit relativ einfach zu züchtenden Rassen, die bereits in großer Zahl und guter Qualität vorhanden sind, beginnen. Hierzu gehören z. B. Weiße Neuseeländer, Weiße und Blaue Wiener und andere einfarbige Rassen, von denen jederzeit hochwertiger Nachschub bezogen werden kann, wenn die vorhandenen Tiere nicht oder nicht mehr den Anforderungen entsprechen.

Zeichnungsrassen, speziell die nur in spalterbiger Form anerkannten Punktschecken (Engl. Schecken, Deutsche Riesenschecken, Dalmatiner u. a.), ferner Englische Widder und neue, noch nicht durchgezüchtete Rassen sind für unerfahrene Züchter nicht geeignet. Besonders bei den zuletzt genannten und anderen entsprechenden Rassen werden die Züchter vermehrt mit dem Inzuchtproblem konfrontiert.

So dürften z. B. bei den Englischen Widdern, die zu den „seltenen Rassen“ gehören, die besten Tiere mehr oder weniger miteinander verwandt sein. Hier lässt sich weitere Inzucht kaum vermeiden. Man sollte dabei aber mit besonderer Vorsicht vorgehen und sich bemühen, durch Austausch oder Kauf von möglichst wenig mit dem eigenen Stamm verwandten Tieren die Inzucht in Grenzen zu halten. Es ist besonders auch darauf zu achten, dass die zu verpaarenden Partner nicht die gleichen Fehler aufweisen. Mängel in der Körperform, dünnes Fell u. a., die von Preisrichtern bei ausgestellten Englischen Widdern häufig vermerkt werden, sind bei weiterer Inzucht nur schwer zu beseitigen. Auf lange Sicht sollte man eine Kreuzung mit geeigneten Deutschen Widdern ins Auge fassen. Um die in den ersten Generationen zu erwartenden Änderungen des Englischen Widdertyps möglichst bald wieder zu korrigieren, sind ein sorgfältig ausgearbeiteter Zuchtplan und die Zusammenarbeit mehrerer Züchter erforderlich.

Inzucht ist trotz der dabei auftretenden Risiken zu empfehlen, wenn ein herausragendes Tier mit durchschlagender Vererbung oder einige derartige Tiere zur Verfügung stehen. In solchen Fällen kann man durch mehrfache Rückpaarung auf die Kinder und Enkel das hochwertige Erbgut mehr und mehr konzentrieren. Eine umfangreiche Nachzucht ist besonders möglich, wenn der herausragende Ahne ein Rammler ist. Auch hierbei ist eine fort- laufende strenge Zuchtauslese erforderlich, weil jeweils Nachkommen unterschiedlicher Qualität, darunter auch solche, die Inzuchtdepressionen zeigen, zu erwarten sind. Auch Geschwisterpaarungen bei den Nachkommen können zu guten Resultaten führen, wenn die Partner den Anforderungen entsprechen. Auf jeden Fall ist es wichtig, auf breiter Basis zu züchten und die herausragenden Ahnen mit mehreren blutfremden Partnern zu paaren, um Ausfälle verkraften zu können, die Erfolgschancen zu erhöhen und Stämme zu erzüchten, bei deren Entwicklung enge Inzucht vermieden werden kann.

Ferner ist auch bei den meisten Neuzüchtungen, bei denen in den ersten Generationen meist nur wenige für die Weiterzucht brauchbare Tiere zur Verfügung stehen, Inzucht nicht zu vermeiden und in vielen Fällen auch nützlich, um bestimmte Merkmale zu konsolidieren. Manchmal kann auch eine Rückpaarung auf blutfremde Tiere einer der Ausgangsrassen erfolgreich sein, besonders dann, wenn spezielle Merkmale der betreffenden Ausgangsrasse, z. B. kurze oder lange Ohren, ein Fell von hoher Qualität, eine gute Körperform u. a. auf die neue Rasse übertragen werden sollen.

Inzucht wird ferner in vermehrtem Umfang bei den verschiedenen Zeichnungsrassen, z. B. Punktschecken, Holländische Schecken, Japanern u. a. angewandt, um die oft enormen Streuungen im Zeichnungsmuster einzuengen. Vielfach ist es jedoch so, dass man durch mehrfache Inzucht zwar zu brauchbaren und einigermaßen konstant vererbenden Zeichnungsmustern kommt, sich dabei aber Fehler z. B. in der Körperform, im Fell u. a. einschleichen und/oder Degenerationserscheinungen z. B. Fruchtbarkeitsstörungen, Missbildungen u. a. auftreten, die ohne Einpaarung einwandfreier blutfremder Tiere nur schwer zu beseitigen sind. Wichtig ist, dass die einzupaarenden Tiere zu dem betreffenden Inzuchtstamm passen. Das kann man ihnen äußerlich leider nur sehr bedingt ansehen. Klarheit ist durch Experimente zu erreichen. Schwierigkeiten und vorübergehende Rückschläge sind besonders hinsichtlich der Ausprägung des Zeichnungsmusters zu erwarten, weil ähnliche Zeichnungsmuster durch unterschiedliche Genkombinationen entstehen können, so dass aus Paarungen blutfremder Tiere mit ähnlicher und hochbewerteter Zeichnung nicht selten Nachkommen mit völlig anderen Zeichnungsmustern fallen. Durch konsequente Weiterzucht mit einer großen Tierzahl und fortlaufender strenger Zuchtauslese kann man aber nach und nach wieder zu einer steigenden Zahl gut gezeichneter Tiere kommen. Auf jeden Fall sollte man bei Einpaarungen blutfremder Tiere vorsichtig und behutsam vorgehen und, wenn erforderlich, missratene Experimente abbrechen. In jedem Einzelfalle muss der Züchter auf Grund seiner Kenntnisse, Erfahrungen und Möglichkeiten, über die ihm am günstigsten erscheinenden Maßnahmen entscheiden.

in bewährtes Verfahren zur Züchtung ausgeglichener Stämme mit gut ausgeprägten und weitgehend konstant vererbenden Rassemerkmalen, bei dem die Gefahren von Inzuchtdepressionen erheblich eingeschränkt werden, ist die „Geschlossene Zucht“. Wie der Name schon' andeutet, züchtet man dabei ohne fremde Blutzufuhr in einer „geschlossenen“ Gruppe und bemüht sich, bei den Paarungen auf enge Inzucht zu verzichten. Da auch hierbei eine fortlaufende strenge Auslese erforderlich ist, benötigt man eine größere Zahl von Ausgangstieren. Etwa 10 Rammler und 50 Häsinnen können als günstig angesehen werden, wenngleich es bei Kaninchen noch an Erfahrungen mit diesem Zuchtverfahren man- gelt. Die Auswahl der Zuchttiere erfolgt nach den allgemein gültigen Voraussetzungen (Gesundheit, Fruchtbarkeit, Muttereigenschaften u. a.). Besonderer Wert wird dabei auf die Ausprägung der Rassemerkmale gelegt, so dass diese immer weiter verbessert und konsolidiert werden. Auf diese Weise gelingt es, die Rasse- und Leistungsmerkmale zu verbessern und mehr und mehr reinerbig zu erhalten, dabei aber noch eine ausreichende Zahl spalterbiger Anlagen zu bewahren, um Inzuchtdepressionen und die dadurch bedingten Verluste weitgehend herabzusetzen, wie sie bei enger Inzucht zu erwarten sind.

Da man immer die besten Tiere für die Nachzucht auswählt, die nach mehreren Generationen meist von wenigen Ausgangstieren abstammen, kommt es zwangsläufig zu einer von Generation zu Generation ansteigenden Verwandtschaft. Diese lässt sich aber bei einer größeren Tierzahl in tragbaren Grenzen halten, so dass man mit diesem Zuchtverfahren nicht nur hochwertige Rasse- und Leistungstiere erzeugen, sondern bei einem geeigneten Ausgangsmaterial und richtiger Durchführung des Verfahrens für lange Zeit rassisch hervorragende Stämme mit großer Vererbungstreue erhalten kann, ohne auf die Einpaarung blutfremder Tiere angewiesen zu sein. Die „Geschlossene Zucht“ ist grundsätzlich für alle Rassen geeignet, sie ist aber besonders bei den Zeichnungsrassen mit der komplizierten Vererbung der Zeichnungsmuster zu empfehlen.

Zusammenfassung

Inzucht (Verwandtschaftszucht) ist, richtig angewandt, ein unentbehrliches Instrument zur Herauszüchtung und Verbesserung von Stämmen mit hohen Leistungen und konstant vererbenden Rassemerkmalen. Sie ist aber mit nicht immer vorhersehbaren Risiken und erhöhten Verlusten verbunden. Falsch angewendet, kann sie zu großen Nachteilen, ja zur Erzeugung von für die Weiterzucht unbrauchbaren Stämmen oder sogar zu völligem Aussterben ingezüchteter Stämme führen. Inzucht gehört nur in die Hand von Züchtern, die über die erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen. Eine richtig durchgeführte „Geschlossene Zucht" kann das Risiko erheblich vermindern und die Erfolgschancen beträchtlich erhöhen.

Aus Gründen der besseren Übersicht und aus Platzgründen habe ich mich bemüht, nur die groben Zusammenhänge darzustellen. Allgemeingültige Patentrezepte können wegen der Vielfalt unterschiedlicher Voraussetzungen nicht gegeben werden. Ich hoffe aber, dass die Ausführungen interessierten Züchtern Anregungen und Stoff für Diskussionen in Züchterversammlungen geben werden.

Literatur

Löhner, Leopold Prof..: Die Inzucht. Naturwissenschaft und Landwirtschaft, Heft 15, Verlag Dr. F. P. Datterer & Cie, Freising, 1929.

Das Buch behandelt die biologischen, genetischen und gesellschaftlichen Aspekte der Inzucht. Es versucht, das Wesen und die Erscheinungsformen von Inzucht wissenschaftlich zu skizzieren

Gleichauf, R.: Züchtungs- und Vererbungslehre für Geflügel, Verlag Fritz Pfenningstorff, Berlin und Stuttgart, 1972.

Nachtsheim, H. und Stengel, H.: Vom Wildtier zum Haustier, 3. Aufl., Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg, 1977.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.