Werner Pockrandt, Hannover – „Das Blaue Jahrbuch“ 1967
Die Jugendarbeit nimmt in unserer großen Organisation des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter eine hervorragende Stelle ein.
Inzwischen haben wir bereits über 10 000 Jugendliche (Knaben und Mädchen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren) zu betreuen. Das ist ein erfreuliches Zeichen. Es ist aber darin auch gleichzeitig die Verpflichtung enthalten, uns die Betreuung dieser Jugendlichen mit allen uns Gebote stehenden Mitteln angelegen sein zu lassen. Weder Ablehnung noch Misstrauen gegenüber der Jugendarbeit dürfen in unserer Organisation Platz finden. Die Verpflichtung der Jugendarbeit muss eine Selbstverständlichkeit werden. Sie muss aus dem Gedanken der Verantwortlichkeit der älteren Generation gegenüber der heranwachsenden Jugend entspringen. Gerade im Vereinsleben muss diese Verantwortlichkeit für die Jugend noch mehr als bisher berücksichtigt werden, weil ohne den Nachwuchs aus den Reihen der Jugend eine Organisation zum Stillstand kommt und schließlich einer Auflösung entgegengehen muss.
Aber sehen wir uns die Jugend an, für die wir verantwortlich mitzuarbeiten haben. Liegt das Glück dieser Jugend wirklich nur in Wildwestfilmen und Krimis und heißer Musik? Finden sie wirklich Befriedigung beim Fernsehen, beim Transistorgerät oder beim Tonband? Ist der Geschwindigkeitsrausch mit dem Moped oder dem Kleinwagen das Ideal unserer Jugend? Hat sie wirklich nur verdient, dass man ihr Streben mit einem Schulterzucken abtut? Sind wirklich alle Regungen und Bestrebungen in der Jugend mit dem Schlagwort „Halbstarkenproblem" abzutun? Oder gibt es nicht auch tiefere Lebensregungen und Seelenströmungen, die wir nicht immer aufzuspüren vermögen?
Schauen wir einmal in das Seelenleben eines Kindes hinein. Eine Kinderseele liegt nicht immer offen vor uns wie ein Buch, zumal sich ein Kind in gewissen Zeiten gegenüber manchen Menschen verschlossen zeigen mag. Aber etwas von seiner Seele offenbart sich dem, der sich damit beschäftigt, immer wieder. Und es ergibt sich, dass ein Kind vieles tut, ohne sich über das „Warum?" seines Handelns Rechenschaft geben zu können. Es handelt nicht aus Überlegung heraus. Es tut, was der Augenblick ihm eingibt. Sieht es ein neues Spielzeug, so muss es dasselbe haben. Sieht es ein Kind Essen, so muss es auch etwas zu essen haben. Und sieht es, dass jemand ein Tier hegt und pflegt, so möchte es auch das Gleiche tun. Ein solches Begehren, wie es dem Augenblick entspringt, wurzelt im Triebleben des Menschen. Jeder Trieb ist ein gewaltiger Motor, den man auftanken (anregen) oder drosseln kann. Der Nahrungstrieb ist eine natürliche Veranlagung aller Lebewesen und dient der Erhaltung der Art. Andere Triebe treten mehr oder weniger stark in Erscheinung und können zuweilen sogar störend oder gar krankhaft erscheinen, wenn sie einer Veranlagung entspringen, die unterdrückt werden sollte.
Wir finden jedoch, dass es eine Reihe von Trieben gibt, die das Leben der Kinder stark beeinflussen und die von uns gefördert werden müssen. Der Bewegungstrieb ist bei Kindern oft sehr stark ausgeprägt; er duldet weder Stillsitzen noch Stillstehen und gibt oft Anlass zu dauernden Ermahnungen und Beschwichtigungen. Der Spieltrieb ist im Kindesalter wohl etwas durchaus Natürliches und muss gepflegt werden. Mädchen spielen mit Puppen, Knaben mit technischem Spielzeug. Der Geselligkeitstrieb fordert den Anschluß an andere, an Eltern und Verwandte, an Gleichaltrige und an Erwachsene, an Jüngere bis zum betreuungsbedürftigen Kleinkinde. Ja, auch der Anschluß an das Tier tritt oft stark ausgeprägt in Erscheinung. Der Sammeltrieb zwingt auch den Jugendlichen zur Herbeischaffung, Ordnung, Pflege, Unterbringung und ständigen Betrachtung sowie zum Tausch der kleinen, nur für ihn wertvollen Gegenstände seiner Sammlung. Man sammelt und tauscht Bilder und Briefmarken, Glaskugeln und Spielzeug, Postkarten und Bücher, Autogramme und Blumen, Tiere und Steine.
Oft prägt sich bereits beim Jugendlichen ein ausgesprochener Anspruch auf Eigentum aus. Der Jugendliche ist stolz, wenn gerade diese Dinge ihm gehören, und zwar nur ihm ganz persönlich -, wenn er ganz allein darüber verfügen darf. Und auch dieser Komplex kann in die Richtung auf das Tier hinweisen. Und schließlich ist es oft der Wissensdrang. der den Jugendlichen treibt, durch Hören, Sehen, Riechen, Fühlen, Tasten und Beobachten sich ein Wissen, um Dinge anzueignen, welches seine Altersgenossen nicht besitzen. Diese Triebe in gesunde Bahnen zu lenken, und zwar ausschließlich in Richtung auf die Beschäftigung mit dem Kaninchen, auf Pflege und Fütterung der Tiere, auf Probleme der Aufzucht und der Zucht, das ist die eigentliche Aufgabe der Jugendarbeit in Familie und Verein, in jeder Sparte unserer Kaninchenzucht und unserer Jugendarbeit.
Es führen viele Wege nach Rom, es führen aber auch viele Wege zu einer fruchtbringenden Jugendarbeit in unseren Organisationen. Es dürfte jedoch erforderlich sein, dass man keinen Zwang auf die Jugendlichen ausüben sollte, die wir zu betreuen haben. Man sollte alles vermeiden, was nach Schulung oder gar nach Schule aussieht, vor allem auch die in diese Richtung weisenden Ausdrücke. Unsere Jugendarbeit soll und wird in die Freizeit der Jugendlichen fallen. Vom Jugendlichen wird gefordert werden müssen, dass er einen (wenn auch kleinen) Teil seiner Freizeit opfert, um sich den Fragen der Kaninchenzucht zu widmen. Der gute Wille dazu ist zumeist vorhanden. Wenn aber der Jugendliche erkennen muss, dass er gegen seine Freizeit nur leergedroschenes Stroh oder eine der Schule ähnliche straffe Vereinsorganisation eintauscht, dann wird er bald jegliches Interesse an der Sache verlieren. Die Arbeit in der Jugendgruppe muss ihm Freude machen, muss ihm Werte vermitteln, die er sonst in seinen Mußestunden nicht finden kann. Er muss begeistert werden für die Beschäftigung mit dem Kaninchen und für alle Fragen, die damit zusammenhängen. Ein zu langweiliger oder zu forscher Vereinsbetrieb wird ihn bald zu unlustiger Teilnahme oder auch zum Fernbleiben veranlassen. Da jedoch die Voraussetzung für jede Jugendarbeit das lebendige Tier in seiner ganzen beseelten Schönheit ist, kann man diese Begeisterung bei der Jugend schnell erreichen. Es gehört aber ein guter Betreuer (lies: Jugendobmann) dazu, um die Begeisterung auch zu erhalten und vielleicht sogar zu steigern. Und dies ist sicher der Angelpunkt für alle unsere Bestrebungen auf dem Gebiete der Jugendarbeit. Ein Betreuer muss „treu" sein, treu seiner Aufgabe, treu seinen Idealen und treu den ihm anvertrauten Jugendlichen. Er muss stets, zu jeder Zeit und an jedem Ort, Zeit haben für den einzelnen Jungzüchter und für die gesamte Jugendgruppe. Es genügt nicht, wenn er einmal im Monat seine Schäflein zusammenholt, um mit ihnen zu sprechen, mit ihnen etwas zu erarbeiten, mit ihnen Besichtigungen durchzuführen oder Spiele zu veranstalten. Es genügt auch nicht, dass er einmal in der Woche Zeit für seine Jugendgruppe findet. Er muss – soweit es ihm sein Beruf erlaubt zu jeder Zeit und Stunde für seine Jungzüchter zu sprechen sein, sei es im Haus, sei es am Stall, sei es im Garten oder an verabredeter Stelle. Für den Jugendobmann muss es neben der Kaninchenzucht noch ein zweites Hobby geben, und das kann nur die Jugendarbeit sein. Und dieses Hobby sollte bei ihm sogar an erster Stelle stehen.
Eine gewisse Schwierigkeit ist von vornherein in der Jugendarbeit gegeben. Sie liegt darin, dass hier recht unterschiedliche Altersstufen zu betreuen sind. Nach den ZDK- Richtlinien für Jugendarbeit können Jugendliche bereits im Alter von 8 Jahren aufgenommen werden und bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres darin verbleiben. Es wird sich hier nicht immer vermeiden lassen, dass gewisse Altersstufen benachteiligt werden. Entweder werden die jüngeren Jahrgänge nicht folgen können, wenn man sich an die älteren Jugendgruppenmitglieder wenden muss, oder diese werden umgekehrt gelangweilt sein, wenn vorwiegend die Jüngsten des Vereins angesprochen werden sollen. Hier ist nicht nur ein wenig Fingerspitzengefühl vonnöten, um krasse Fehler in der Betreuung zu vermeiden; sondern die Teilung der Jugendlichen in zwei Interessengruppen, die getrennt zu betreuen wären, dürfte erforderlich sein. Den Altersunterschieden muss unter Umständen auf diese Weise Rechnung getragen werden.
Auf die vielfachen Möglichkeiten der Betreuung sind in der Fachpresse schon oft Hinweise gegeben worden. Der „Arbeitsplan" einer Jugendgruppe wird sich ganz nach den örtlichen Verhältnissen des betreffenden Vereins zu richten haben und nach den Möglichkeiten, welche für das Kennenlernen von Tieren, Rassen, Stallanlagen, Futterpflanzen usw. ergeben. Auch die Möglichkeiten zu Wanderungen, Sport und Spiel, Schwimmen, musischer Betätigung, Sammeln und Tauschen verschiedener Objekte, Film- und Fortbildungsvorträgen werden nicht in allen Vereinen gleichartig gelagert sein und den Plan für Arbeit und Betreuung mitbestimmen. Das gleiche dürfte für das Vorhandensein von Gemeinschaftsanlagen, von Vogel- und Geflügelzüchtern im Verein und von dem Vorhandensein von Tagungs- und Versammlungsräumen gelten, die dem Verein ständig zur Verfügung stehen. Man darf eben keine „Papierpläne" bedenkenlos übernehmen, sondern muss sich bei Arbeitsplanung und Betreuung nach den vorhandenen Möglichkeiten richten und sie weitgehend ausnutzen. Ein Arbeitsplan darf nicht Plan bleiben, sondern muss blutvoll und lebendig gemacht werden können.
Vergessen darf man auch niemals, dass alle Arbeit auf der Basis der Anschauung zu erfolgen hat. Ich kann keine Rasse besprechen, wenn ich sie nicht blutwarm vorführen, sie sehen und anschauen, sie nicht mit allen Sinnen auffassen kann. Das gleiche gilt auch für alle anderen Gebiete, denen wir uns zuwenden, wie Stallbauten, Nistkästen, Transportkisten, Ausläufe, Futterpflanzen, Giftpflanzen, Samen von Pflanzen und Bäumen usw. Und selbst ein gutes Buch oder ein hervorragendes Bild ist immer nur ein Ersatz für die lebendige Anschauung, die uns die Natur selbst vermitteln kann.
Einen breiten Raum in der Jugendarbeit eines Vereins sollten auf jeden Fall die sog. „Arbeitsvorhaben" einnehmen. Darunter verstehen wir eine geplante Arbeit, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken wird und die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sein muss. Die mit einem langfristigen Vorhaben geplanten Arbeiten können als Einzelaufgaben jedem einzelnen Jungzüchter gestellt werden und gelten für einen bestimmten Zeitraum. Sie können jedoch auch als Gemeinschaftsaufgabe der gesamten Jugendgruppe gestellt werden. Als Einzelaufgaben sollten, genannt sein: Die Beobachtung eines Kaninchens mit Notierung der Zahlen (Gewichte) und Tatsachen, vielleicht vom Jungtier bis zur Ausstellung, oder: Fertigung eines Kaninchenbildes, oder: Sammlung von Rassebildern der Kaninchen (oder auch von anderen Tieren), oder: Anlage einer Sammlung von getrockneten Futterkräutern (auch Zeichnung) usw.
Für die Gruppenarbeit würden sich folgende Themen anbieten: Herstellung verschiedener Transportkisten, Fertigung eines Modell-Stalles, Bau eines Kaninchendorfes, Herstellung von Vogelnistkästen für den Stadtwald oder für den Schrebergarten, Herstellung von Fellmuster-Tafeln verschiedener Kaninchenrassen usw. Für Bildersammlungen gibt es einige schöne Möglichkeiten der Beschäftigung durch die Herstellung einer Motiv-Sammlung von Briefmarken mit Tieren oder Pflanzen sowie durch die Beschriftung und Aufbringung der Sammelblätter. Man kann mit wenig Mitteln die Alben der Kölln-Haferflockenbilder (Elmshorn) erwerben und die Bilder dazu sammeln und tauschen, besonders die Serien 14: Im Reich der Blumen I, Serie 17: Gut Freund mit Tieren I, Serie 18: Desgl. II, Serie 19: Wundersame Tierwelt.
Eine gute Hilfe bei der Anlegung von Sammlungen sind die Mappen aus dem Landwirtschaftsverlag in Hiltrup/Westf. Es muss nun nicht immer so sein, dass mit allen Aufgaben, die man den Jungzüchtern stellt, auch eine finanzielle Belohnung verbunden sein muss. Wohl kann man gelegentlich Wettbewerbe mit Preisen ausschreiben, wohl kann man beste Arbeiten mit kleinen Werten belohnen, aber das soll keineswegs die Regel werden. Wichtiger jedoch ist die gegenseitige Hilfe, die man einander zu gewähren bereit ist. Gerade von der unterschiedlichen Altersklassifizierung in den Jugendgruppen muss erwartet werden, dass die älteren Jugendlichen sich der hilfebedürftigen und liebefordernden Kleinen als Beschützer, Betreuer und Freund annehmen, dass sie bereit sind, den Sinn der Gemeinschaft innerhalb der Jugendgruppe zu erkennen und verwirklichen zu helfen. Damit könnten sie dem Jugendobmann bereits eine wesentliche Hilfe bei seiner Arbeit und bei der Betreuung der Kleinsten sein.
Aus den Erfahrungen der letzten Jahre kann wohl vermutet werden, dass die ehemals vorhandene Ablehnung der Jugendarbeit bereits im Schwinden begriffen ist. Wohl gibt es noch Vereine, welche die Jugendarbeit als eine Belastung empfinden. Nun, es sei diesen Altzüchtern bestätigt, dass die Jugendarbeit immer Opfer fordern wird und somit eine Belastung der Organisation sein muss. Aber gerade deshalb sollten wir die Jugendarbeit fordern, denn hier ist unsere Mithilfe erforderlich zum Wohle der Jugend, von welcher wir erwarten, dass sie unserem Hobby, der Kaninchenzucht, Verständnis entgegenbringen soll. Wer Kinder in die Welt setzt, hat auch die Verantwortung dafür, dass sie etwas lernen, etwas werden und später etwas leisten. Sie sind es doch, die einmal die Welt tragen und regieren und formen werden, diese Welt, die heute noch unsere Welt ist. Daher muss es unsere Aufgabe sein, der heranreifenden Jugend die Anschauungen für eine Welt zu vermitteln, die uns lieb und teuer ist, indem wir sie an Aufgaben heranführen, die uns erfreuen und die uns Glück bedeuten.
Auch das Vereinsleben gehört in diese kleine Welt der Kaninchenzüchter. Die Jugend hat ein Anrecht darauf, an die kleinen Geschehnisse des Vereinslebens herangeführt zu wer- den, ganz gleich, ob es sich um den Vorsitz oder die Kasse, um Protokoll oder Schulung handeln möge. Die Spielregeln der Demokratie müssen auch im kleinsten Verein beachtet werden, und jede Vereinsarbeit führt zu einer Gemeinsamkeit, zu einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Jede Vereinsarbeit kann uns aber auch aufgeschlossener machen gegenüber der großen Aufgabe, die jedermann als kleinstes Rädchen in der Maschinerie des Staates und der Länder hat, und sie kann sich als völkerverbindend und völkerversöhnend über die Kaninchenzucht über alle Länder dieser Erde ausweiten.
Könnte man nicht auch bereits eine Jugendgruppe nach dem Muster eines Vereins aufbauen mit allen Vorstandsposten? Natürlich könnte man es, ja, man sollte es sogar tun. Verantwortlich würde die Jugendgruppe damit natürlich nicht in Bezug auf Einflussnahme durch Beschlüsse werden können, nur einige Angelegenheiten wie Bücherverleih, Beitragseinziehung oder Protokollführung könnten der Jugendgruppe übertragen werden. Die Verantwortung würde unter allen Umständen beim Vereins-Jugendobmann liegen und somit beim Verein direkt. Es würde sich bei der Jugendgruppe gewissermaßen nur um den Aufbau eines „Schattenkabinetts" handeln, das Gelegenheit bieten würde, die demokratischen Spielregeln in der Führung des Vereins zu demonstrieren und zu erproben. Auch als Redner sollten die Jugendlichen gelegentlich eingesetzt werden, um die freie Rede und Aussprache zu üben, und zwar nicht nur in der Jugendgruppe, sondern auch im Verein. Besonders zu Festabenden des Vereins könnte die Jugendgruppe mit Musik und Laienspiel, mit Gesang und Volkstanz, mit Trachtengruppen und lustigen Verkleidungen in größerem Rahmen zur Ausgestaltung mit herangezogen werden.
Ist es nicht auch oft so, dass manche unangebrachte Kritik aus den eigenen Reihen unsere Arbeit erschwert und uns die Lust an der Arbeit verleidet? Empfindet das nicht zuweilen auch der Preisrichter nach der Bewertung? Nun, Kritik ist nicht verwerflich, aber Kritik kann auch ungerecht und hart sein. Unsere Jugendlichen müssen bereits erkennen lernen, dass nicht alle Menschen die gleiche Überzeugung und Auffassung haben. Und man muss jederzeit bereit sein, eine andere Meinung auch gelten zu lassen. Sie müssen auch erkennen, dass es nicht immer leicht und einfach ist, ein Tier standardgemäß zu beurteilen und zu bewerten. Man darf nie vergessen, dass auch Preisrichter nur Menschen sind. Auch der beste Standard würde nur toter Buchstabe mit Gramm und Zentimeter bleiben, wenn uns nicht das lebendige Tier dahinter wichtiger sein müsste. Man sollte daher grundsätzlich eine Kritik nur von solchen Züchterfreunden akzeptieren, die beweisen, dass sie dank ihres Wissens und Könnens und ihrer Vorbildung ebenso viel vom Tier verstehen wie der Preisrichter. Gerade die Duldsamkeit gegenüber der festgestellten Bewertung, gegenüber einer aufgestellten Meinung ist erforderlich, damit eine gedeihliche Gemeinschaft in der Organisation entstehen kann. Unbelehrbare werden immer schnell mit Kritiken zur Hand sein, aber nicht jeder Kritiker hat mit seiner Auffassung auch immer recht.
Daher muss auch dem Jungzüchter bereits so viel Wissen vermittelt werden, dass er an die Beurteilung und Bewertung mit der erforderlichen kritischen Einstellung herangehen kann, ohne von der großen Linie abzuweichen, die jede Vereins- und Gemeinschaftsarbeit erfordert.
Das gesamte Gebiet der Jugendarbeit innerhalb der Kaninchenzüchter-Organisation ist so umfangreich, dass man immer nur einige Hinweise geben kann, wie die Arbeit einzuteilen und wie ein Arbeitsplan aufzustellen ist. Jede Betätigung aber muss nur von der einen Grundtatsache ausgehen, dass alle Arbeit in den Jugendgruppen eine heilige Verpflichtung gegenüber unserer heranwachsenden Jugend ist. Fassen wir diese Aufgabe mit dem notwendigen Ernst und mit einer gewissen Behutsamkeit an, damit wir den Jugendlichen zeigen und glaubhaft machen können, dass wir unsere Freizeit einem Hobby widmen, welches uns reich für die geopferte Freizeit entschädigt. Sehen wir nicht auf finanzielle und wirtschaftliche Erfolge, die am Rande mit in Erscheinung treten können. Wert hat bei unserer Liebhaberei nur die ständige Freude an dem kleinen Kaninchen und das reiche Glück, das der Umgang mit Tieren jedem mitfühlenden und empfindsamen Herzen vermitteln kann. Wenn es uns gelingt, unsere Jugend auf den besinnlichen Weg zu führen, den uns die Beschäftigung mit dem Tier aufzeigt, dann geben wir ihnen so reiche Werte für das Leben in einer hastenden, schnelllebigen und unruhigen Zeit mit, dass sie wohl dereinst gerne selbst auf unser gemeinsames Hobby der Kaninchenzucht zurückfinden werden. Auf jeden Fall werden sie die Zeit in der Jugendgruppe als eine glückliche Zeit empfinden und sie in lebenslanger Erinnerung behalten.






