Von Ulf Walek, Syke – „Das Blaue Jahrbuch“ 1993
Es ist wie beim Hausbau: Wenn die nackten vier Wände stehen, ist die Sache erst halb fertig…
Einrichtungen und Geräte sind deshalb notwendig, um unseren Kaninchen das Leben so angenehm wie möglich zu machen, besonders was Nahrungsaufnahme, Schlafen, Bewegung, Nagetrieb, Fortpflanzung und Entsorgung der Verdauungsprodukte betrifft. Nicht zuletzt erleichtert eine sinnvolle und praktische Einrichtung auch dem Züchter den täglichen Umgang mit seinen Tieren.
Fangen wir gleich beim letzten, dafür aber wichtigsten Punkt an: An der Frage, ob die Tiere auf Rosten oder auf Einstreu gehalten werden sollten, scheiden sich die Geister, und es lässt sich ausgiebig darüber diskutieren. Die Entscheidung kann jedoch jeder nur nach den eigenen Gegebenheiten treffen: Haben Sie genügend Einstreu zur Verfügung und bereitet es für Sie auch keine Probleme, den reichlich anfallenden Strohmist zu entsorgen, bzw. nach Kompostierung zu verwenden, dann ist die Haltung auf Einstreu anzuraten. Vorteile: geringere Anschaffungskosten, etwas weniger Arbeit beim Ausmisten, weniger Vorkehrungen bei der Jungtieraufzucht.
Wer jedoch Stroh nur schwierig oder gar nicht beschaffen kann, oder darauf angewiesen ist, die zu entsorgende Menge Mist so gering wie möglich zu halten, ist mit der Haltung auf Rosten besser bedient. Weiterer Vorteil: Bei sachgemäßer Rostenhaltung ist die Gefahr, dass die Tiere von der gefürchteten Kokzidiose befallen werden, so gut wie ausgeschlossen. Die diese Krankheit auslösen- den Oozysten befinden sich im Kaninchenkot und benötigen sowohl Feuchtigkeit als auch Wärme, um sich zu entwickeln. Die Roste verhindern aber, dass die Tiere mit feuchtem Kot überhaupt in Berührung kommen, immer vorausgesetzt, dass Sie die unter den Rosten befindlichen Kotschubladen auch pünktlich leeren!
Es ist gar keine Frage, dass sich die Tiere auf den zu einem Rostenstall gehörenden Sitzbrettern auch wohl fühlen. Wer einmal beobachtet hat, wie genüsslich sich manche Tiere hier „auf die Seite hauen" und sich strecken und räkeln, für den gibt es darüber keinen Zweifel. Allerdings ist der Rostenstall in der Anschaffung etwas kostspieliger und in der Herstellung etwas umständlicher: Während Sie beim Einstreustall einfach nur dafür Sorge tragen müssen, dass der Boden dicht ist, so dass die „Untermieter" nichts von den Bewohnern über ihnen abbekommen (Sie erreichen das z. B. mit einem Zementboden, der auf eine Lage Dachpappe ausgeführt wird), müssen Sie beim Rostenstall zwei Schwierigkeiten begegnen:
1. Da sich die Tiere beim Urinieren meistens an eine Wand oder in eine Ecke drücken, muss verhindert werden, dass der Urin an der Wand entlang in den Stall darunter läuft. Es müssen also unter den Rosten an der Wand rostfreie Bleche angebracht werden, die unten einige Zentimeter von der Wand abstehen und so den Urin in die Kotschublade ableiten. Wer zwischen Rosten und Kotschubladen keinen Platz zur Verfügung hat, kann die Ableitbleche auch über den Rosten anbringen. Dann müssen die Bleche aber abnehmbar sein, damit man die Roste zum Säubern aus dem Stall nehmen kann.
2. Bei der Jungtieraufzucht in Rostenställen müssen die Roste in den ersten Wochen mit Brettern ausgelegt werden, nur die Kotecke bleibt offen. In dieser Zeit muss die Schublade allerdings mehrmals in der Woche geleert werden.
Nun zu den Kotschubladen selber: Nicht bewährt haben sich Blechschubladen, auch wenn sie verzinkt sind. Sie rosten nach kurzer Zeit durch, weil der Kaninchenurin das Metall stark angreift. Zu empfehlen sind Plastikschubladen. Bei 6 cm Höhe muss einmal wöchentlich geleert werden, bei höheren Schubladen zwar seltener, aber andererseits werden diese dann zu schwer und unhandlich.
Die Einrichtungen für die Fütterung der Kaninchen müssen leicht und schnell zu reinigen sein – Futternäpfe, die auf dem Stallboden stehen, haben den Nachteil, dass ständig Kotballen darin landen, was ja wirklich nicht appetitlich ist. Außerdem werden die Näpfe, wenn sie nicht sehr schwer sind, von manchen Tieren im Stall umhergeschoben. Die im Handel angebotenen klappbaren Futterautomaten, die in der Tür der Bucht in Kopfhöhe des Kaninchens angebracht werden, beseitigen diese Probleme. Weiterer Vorteil: die Pellets können nicht herausgescharrt werden. Auch Wassernäpfe sollten aus denselben Gründen nicht auf dem Stallboden stehen, sondern abnehmbar in Kopfhöhe an der Wand angebracht sein. Beim Trinkwasser ist es ja noch viel wichtiger, dass es nicht durch Kot verunreinigt wird. Außer Edelstahl-Trinknäpfen, die zum täglichen Ausspülen einfach von der Wand genommen werden, sind im Fachhandel auch Tränkflaschen mit Nippeln erhältlich sowie komplette Wasserleitungssysteme mit Muldentränken oder Nippeln. Diese Tränksysteme haben gemeinsam, dass in ihnen Wasser für längere Zeit steht, was besonders an warmen Tagen zur Bildung von Keimen

1 Rostenstall mit Ableitblechen und Sitzbrett

2 Diese Futternäpfe können von außen beschickt werden…
führen kann. Auch setzen sich mit der Zeit Algen an den Wandungen fest, die zwar harmlos sind, aber die Reinigung erschweren. Schließlich benötigen wir für Rauhfutter eine Raufe. Hier gibt es einiges zu bedenken: Für Jungtiere stellen Raufen beliebte Turngeräte dar und es kann sehr leicht vorkommen, dass sie mit Bein oder gar Kopf in einer Raufenöffnung hängenbleiben, sich verletzen oder gar strangulieren. Ein Brett aus unbehandeltem Weichholz, über der Raufe befestigt (s. Abb.), schafft Abhilfe und ist den Kaninchen zum Nagen sehr willkommen. Damit Jungtiere nicht in die Raufe hineinklettern können, sollten die Raufen nicht nur ständig mit Heu oder Stroh ausgefüllt sein, sondern auch mit der Öffnung nach vorne so dicht an der Tür angebracht werden, dass sie von der Tür gleich mit verschlossen werden (sogenannte Tür- schließraufen). Hier sind auch die im Handel erhältlichen Plastik- raufen zu erwähnen oder Raufen aus gestanztem Blech. Bei ihnen wird die Verletzungsgefahr durch kleinere Raufenöffnungen verringert. Dem Nagetrieb unserer Lieblinge sollten Sie beim Stallbau gleich Rechnung tragen. Es gibt Spezialisten unter ihnen, denen es immer gelingt, ihre Behausung irgendwo anzunagen, oft auch aus Langeweile. Ihnen müssen wir Einhalt gebieten, sonst würden sie über kurz oder lang ihr eigenes, für teures Geld erstelltes Heim auffressen.
3… und können zum Reinigen heruntergeklappt werden


4 Dieser Trinknapf lasst sich leicht abnehmen und reinigen
Selbst glatte Spanplattenwände, die eigentlich überhaupt keine Möglichkeit zum Nagen bieten, werden beharrlich so lange bekratzt, bis sich irgendwo doch ein Ansatzpunkt für die Nagezähne bietet. Für Holzkanten in der Bucht, die ein besonders beliebtes Nageobjekt darstellen, gibt es einen einfachen und preiswerten Schutz: Schneiden Sie Quadratgitter mit dem Seitenschneider so auf, dass ein „Kamm“ entsteht. Die „Zinken“ werden dann wie Nägel oben auf der Kante eingeschlagen, wodurch diese dauerhaft gegen Benagen schützt ist. Man kann die Kanten natürlich auch mit Winkelblechen schützen.
Im Übrigen genügt es, die Wände regelmäßig zu beobachten. Stellen Sie irgendwo starke „Arbeitsspuren“ fest, wird auf diese Stelle ein Weichholzbrettchen befestigt. Meistens wird an dieser Stelle gar nicht weiter genagt. Falls doch, macht es wenig Mühe, das Brettchen dann durch ein neues zu ersetzen. Da Vorbeugen bekanntlich besser ist als Heilen, lege ich eifrigen Nagern von vornherein einen Weichholzklotz zum Benagen in die Bucht.
Auch für die Jungtieraufzucht gibt es beim Stallbau einiges zu bedenken. Wer mit der Zucht schon im Winter beginnt, kennt das Problem, dass selbst in bester Zuchtkondition stehende Häsinnen nicht aufnehmen wollen. Der Grund ist häufig die mangelnde Tageslichtlänge. Es empfiehlt sich deshalb, eine Zeitschaltuhr zu installieren, die dafür sorgt, dass es im Stall mindestens 14 Stunden am Tag nicht dunkel ist. Hierfür genügt eine 11-Watt-Energiesparlampe pro fünf Meter Stallfront.
Nun zur „Kinderstube“. Je nach Gegebenheiten bieten sich zwei Möglichkeiten: Hat man genug Platz, richtet man in der Nachbarbucht neben dem Häsinnenstall eine Wurfbox ein, gut mit Stroh ausgestattet, damit der Häsin genügend Nestbaumaterial zur Verfügung steht (bei Rostenställen wird der Boden vorher vollständig mit Brettern ausgeflurt). Zwischen beiden Buchten schaffen wir einen Durchschlupf, der so bemessen ist, dass die Häsin bequem hindurchschlüpfen kann, aber nicht größer. Die Öffnung halten wir nicht aus Schikane so knapp, sondern wir wollen damit verhindern, dass die Häsin, falls sie das Nest einmal hastig verlässt, Jungtiere mit in ihren Stall hinüberzieht. Sehr praktisch ist es außerdem, wenn der Durchschlupf mit einer Schiebeluke verschlossen werden kann. Erstens erleichtert es die Nestkontrolle, zweitens kann man der Häsin damit für eine Weile Ruhe verschaffen, wenn sie später von den größer werdenden Jungtieren ständig bedrängt wird, und drittens kann man der trächtigen Häsin den Zutritt in die Wurf- bucht erst dann gestatten, wenn sie Stroh zu bündeln beginnt. Lässt man die Häsin nämlich zu früh in die Wurfbox, so kann es leicht passieren, dass sie diese in eine Toilette umfunktioniert. Da die Häsin beim Werfen einen dunklen Platz bevorzugt, sollte man die Gittertür der Wurfbox verhängen. Wer den Platz für eine gesonderte Wurfbox nicht hat, behilft sich mit eine Wurfkiste (Nistkasten), die der Häsin in den Stall gestellt wird, sobald man bei ihr das Strohbündeln beobachtet.
5 Beliebtes Turngerät für Jungtiere: die Raufe


6 Eine einfache Zeitschaltuhr
erleichtert die Zucht im Winter

7 „Kinderstube“ mit verschließbarem
Durchschlupf zur Bucht der Häsin
Die Kiste soll bei Häsinnen bis 4 kg Gewicht 35 x 35 x 25 cm und bei größeren Häsinnen 35x40x25 cm messen. Für die Öffnung der Wurfkiste gilt dasselbe wie für den oben beschriebenen Durch- schlupf. Nun zur übrigen Stalleinrichtung: Sehr praktisch ist ein mit Teppich ausgelegter Tisch, auf den man die Kaninchen zum Betrachten, Behandeln und auch zum Decken setzen kann. Auch ein Stuhl ist wichtig, denn das Krallenschneiden (wir benötigen dazu einen scharfen Krallenschneider) geht am besten im Sitzen.
Ferner brauchen wir für das Ausbürsten des Fells eine harte Haarbürste und für das Reinigen der Geschlechtsecken Q-Tips und Babyöl.
Ferner gehören zur Stallausrüstung auch die Kisten für den Transport zur Ausstellung. Da hier immer wieder zu beobachten ist, dass Züchter mit viel zu kleinen Kisten bei Ausstellungen ankommen und damit den Tatbestand der Tierquälerei erfüllen, seien hier noch einmal die empfohlenen Maße pro Abteil genannt: Große Rassen: 65 cm Länge, 40 cm Breite, 45 cm Höhe Mittlere Rassen: 50 cm Länge, 35 cm Breite, 40 cm Höhe Kleine Rassen: 45 cm Länge, 30 cm Breite, 35 cm Höhe Um bei der Zucht jederzeit voll im Bilde zu sein, machen wir uns schon im Stall fortlaufend Aufzeichnungen, denn die Vergesslichkeit ist oft größer, als man selbst wahrhaben will. Das kann auf einzelnen Stallkarten geschehen, die in Kartenhaltern an den Buchtentüren befestigt sind, Eine andere Möglichkeit ist eine Übersichtstabelle, die auf einer Platte befestigt wird, und in die folgende Daten immer gleich eingetragen werden:

So hat man für seine Zuchtbuchführung die hauptsächlichen Daten festgehalten und kann sich auch im Stall selbst schnell Übersicht verschaffen. Wenn Sie einen Stall planen, sollten Sie auch den Platz für einen Schrank vorsehen, denn zu den bereits erwähnten Gerätschaften kommen noch hinzu: Reinigungsgeräte (Besen, Schaufel, Handfeger, Wurzelbürste usw.), Desinfektionswerkzeuge (Heißluftpistole, Sprühflasche, Lösungen), Fellspanner für das Aufspannen der Felle von geschlachteten Tieren, und schließlich muss auch noch ein Platz für Futtervorräte vorhanden sein.
Viel Spaß beim Einrichten und allzeit gut Zucht!

8 „Idylle hinter der Garage“. Unakzeptabel für den verantwortungsbewussten Züchter.







