Dipl.-Landwirt Dr. Heinrich Niehaus, Bundesforschungsanstalt für Kleintierzucht, Celle
„Das Blaue Kaninchen Jahrbuch“ 1959
Die Kokzidiose ist die gefährlichste Aufzuchtkrankheit
Jahr für Jahr fällt die Kokzidiose mit ihren unsichtbaren Waffen über die Jungtierbestände der Kaninchen her, reißt empfindliche Lücken, vernichtet nicht selten ganze Aufzuchten und bringt neben Kummer und Verdruss erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Schiller (1951) schreibt dazu folgendes: „Nach vorsichtigen Schätzungen verenden mindestens 60% aller lebend geborenen Tiere, noch ehe sie die 16. Lebenswoche erreicht haben, an dieser schweren und mit Recht so gefürchteten Krankheit.“
Von den an die BFAK zur Sektion eingesandten Tieren waren nach Sprehn (1957) 37,8 % an Kokzidiose eingegangen. Hierzu muss allerdings bemerkt werden, dass es sich hauptsächlich um erwachsene Tiere handelte Jungtiere werden aus Kostengründen nur relativ selten zur Untersuchung eingeschickt, so dass die angegebene Prozentzahl kein zutreffendes Bild von der Gesamtzahl der an Kokzidiose verendeten Tiere ergibt. Es sei ferner dahingestellt, ob die von Schiller angegebene Verlustquote auch für die derzeitigen Verhältnisse im Bundesgebiet zutrifft. Sicher ist jedoch, dass auch in Westdeutschland nach wie vor jährlich ein hoher Prozentsatz von Jungtieren der Kokzidiose zum Opfer fällt. Diese Krankheit kann deshalb ohne Zweifel als Feind Nummer 1 für die Kaninchen bezeichnet werden. Sie fordert weit mehr Opfer als z. B. die Spirochätose, Pseudotuberkulose (Rodentiose) oder die gefürchtete Myxomatose.
Auf Grund von Rückfragen bei verschiedenen Züchtern bin ich der Meinung, dass eine Verlustquote von durchschnittlich 30% aller Jungtiere durch Kokzidiose für unsere derzeitigen Verhältnisse als nicht zu hoch angenommen werden darf, wobei in den einzelnen Jahren erhebliche Unterschiede auftreten können.
3 Millionen DM Verluste im Jahr
Der derzeitige Kaninchenbestand im Bundesgebiet beträgt nach Zahlenangaben des Zentralverbandes Deutscher Kaninchenzüchter und zusätzlichen Schätzungen wenigstens eine Million Alttiere, die im Jahre wenigstens 5 Millionen Jungtiere erzeugen dürften.
Bei einer angenommenen Todesquote von 30% und einem Geldwert von nur 2. DM je Jungtier bedeutet das einen Verlust durch Kokzidiose von jährlich 1,5 Millionen Jungtieren im Werte von 3 Millionen DM.
Wenn es z. B. gelänge, die Verluste durch bessere Aufklärung um 50% herabzusetzen, so könnten dadurch 750 000 Jungtiere im Werte von 1,5 Millionen DM gerettet werden.
Wenn die hier aufgestellte Rechnung auch nur auf grob geschätzten Zahlen basiert, so zeigt sie doch die große Bedeutung, die dem Problem der Kokzidiosebekämpfung beigemessen werden muss. Leider finden sich viele Züchter und Halter von Kaninchen allzu leicht mit diesen „unvermeidbaren“ Verlusten ab.
Angesichts der großen Bedeutung des Kokzidioseproblems hat sich die Bundesforschungsanstalt für Kleintierzucht, Celle, bereits seit längerer Zeit mit diesem Fragenkomplex befasst, mehrere Verfahren zur Bekämpfung der Krankheit erprobt und dabei auch neue Wege beschritten. Es soll das Ziel dieses Artikels sein, dem Züchter unsere Erfahrungen auf dem Gebiet der Kokzidiosebekämpfung in ihren wesentlichen Punkten mitzuteilen.
Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge sei zunächst in aller Kürze auf die Entstehung, das Erkennen und den Verlauf der Krankheit eingegangen.
Mikroskopisch kleine Erreger
Die Kokzidiose Erkrankung wird durch einen Massenbefall mit Kokzidien hervorgerufen. Das sind winzig kleine, mit dem unbewaffneten Auge nicht sichtbare, nur durch die Vergrößerung des Mikroskops zu erkennende Urtierchen (Protozoen), die einen komplizierten Entwicklungszyklus besitzen und dabei einem mehrfachen Gestaltwechsel unterworfen sind. Verwandte Arten kommen bei vielen anderen Tieren, z. B. Hase, Huhn, Ratte, Sumpfbiber, Mensch, vor und können Krankheiten auslösen. Eine Übertragung von einer Tierart auf eine andere ist im Allgemeinen aber nicht möglich.
1. Die Darmkokzidiose, welche durch die beiden Darmkokzidien- Arten „Eimeria magna" und „Eimeria perforans" hervorgerufen wird, ist die häufigere und gefährlichere Form der Krankheit.
2. Seltener findet man die Leber- oder Gallengangskokzidiose, verursacht durch den Befall mit „Eimeria stiedai“.
Der Entwicklungskreislauf des Erregers Bei der Darmkokzidiose geht die Entwicklung des Erregers im Wesentlichen in folgenden Phasen vor sich:
1. Die Aufnahme erfolgt in Form von Kokzidienoozysten mit durch Kot verschmutztem Futter oder durch Kotfressen.
2. Durch den Drüsensaft des Dünndarms, und zwar das Pankreassekret, wird das Ausschlüpfen der in jeder Oozyste enthaltenen acht Keime (Sporozoiten) bewirkt. Die beweglichen Sporozoiten dringen in die Zellen der Darmwand ein, ernähren sich von dem Inhalt der Zellen und wachsen zu den Schizonten, den Ausgangsformen für die ungeschlechtliche Vermehrung (Schizogonie) heran. Durch zahlreiche Kernteilungen entstehen aus jedem Schizonten 120 Merozoiten, welche beweglich sind und den Sporozoiten gleichen.
Sie zerstören ihre Wirtzelle, gelangen in den Darm und dringen dann in neue Zellen ein, entwickeln sich wiederum zu Schizonten, und das Zerstörungswerk wird fortgesetzt. Aus noch nicht näher bekannten Gründen erlischt nach zwei bis vier Generationen die Fähigkeit, sich ungeschlechtlich weiterzuvererben.
3. Dafür erfolgt aber eine geschlechtliche Vermehrung (Gametogonie). Es treten männliche und weibliche Formen auf. In den Darmwandzellen entwickelt sich nämlich ein Teil zu den relativ großen weiblichen Makrogameten, ein anderer Teil zu den Mikrogametozyten, die sich in viele kleine männliche Mikrogameten teilen. Durch Vereinigung von männlichen Mikrogameten mit weiblichen Makrogameten (Befruchtung) kommt es zur Bildung der Zygote, die sich mit einer Schutzhülle umgibt und so die Dauerform des Erregers, die Oozyste bildet. Die Oozysten werden mit dem Kot ausgeschieden und gelangen in den Stallboden. Durch mikroskopische Kotuntersuchungen kann aus der Anzahl der vorgefundenen Oozysten auf die Stärke des Kokzidienbefalls bei den Tieren geschlossen werden.
Die Entwicklungsdauer von der Aufnahme des Erregers bis zur Ausscheidung von Oozysten mit dem Kot beträgt nach Angaben von Schiller (1951) etwa 1 Woche.
Die Erkrankung eines Tieres an Darmkokzidiose steht in Zusammenhang mit der Zerstörung der Darmwandzellen, die damit für die Verdauungsvorgänge ausfallen. Je größer die Zahl der aufgenommenen Oozysten ist, je mehr Darmwandzellen zerstört werden und je kleiner der Darm ist, desto schwerer ist im Allgemeinen die Erkrankung der Tiere. Ein geringer Befall wird speziell von erwachsenen Kaninchen meist ohne äußere Symptome einer Erkrankung und ohne wesentliche Nachteile vertragen.
4. Die mit dem Kot in den Stallboden ausgeschiedenen Oozysten bedürfen zunächst einer Reifung, bevor sie infektionsfähig werden. Die Dauer der Reifung ist von der Art der Kokzidien und von verschiedenen Umweltfaktoren abhängig. Sie beträgt durchschnittlich etwa 2 bis 3 Tage. Das ist für die später zu besprechenden Bekämpfungsmaß- nahmen von Bedeutung, weil nur reife Oozysten eine Infektion herbeiführen können.
Da zur Reifung der Oozysten Sauerstoff erforderlich ist, kann eine Entwicklung nur außerhalb des tierischen Organismus erfolgen.
Die Reifung wird insbesondere durch feuchte Wärme beschleunigt, durch Mangel an Feuchtigkeit und Wärme jedoch gehemmt. Deshalb tritt die Krankheit auch im Winter sowie in trockenen Sommern weit weniger in Erscheinung als in Zeiten mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Selbstverständlich spielt auch die Art der Stall- streu bei der Entwicklung der Oozysten eine Rolle.
Die Reifung der Oozysten besteht darin, dass sich in ihrem Innern durch Teilungsvorgänge 4 ovale Sporen und in jeder Spore 2 Sporozoite ausbilden, so dass jede reife Oozyste 8 ansteckungsfähige Keime enthält. Damit ist der Entwicklungskreislauf geschlossen.
Bei der Leberkokzidiose besser: Gallengangskokzidiose der Entwicklungskreislauf des Erregers im Wesentlichen der gleiche wie bei der Darmkokzidiose. Nur spielen sich die Vorgänge der ungeschlechtlichen und der geschlechtlichen Vermehrung des Erregers und die damit verbundene Zerstörung der befallenen Zellen in den Epithelien der Gallengänge ab. Die Infektion erfolgt über den Darm und den Blutkreislauf. Nach dem Ausschlüpfen aus der Oozyste im Darm wandern die Sporozoiten durch die Darmwand in die Blutgefäße, gelangen mit dem Blut in die Leber und dringen in die Epithelien der Gallengänge ein. Als Abschluss der nun erfolgenden Entwicklung und Vermehrung entstehen wie im Darm die Oozysten, die mit der Galle in den Darm geschlemmt und mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Kokzidienoozysten sind im Allgemeinen gegen Umwelteinflüsse sehr widerstandsfähig. Sie können sich z. B. bei Winterkälte 120 bis 130 Tage, bei sommerlicher Trockenheit etwa 75 Tage lebensfähig halten. Auch gegen viele Desinfektionsmittel (Lysol) sind sie durch ihre Hülle geschützt. Bei Temperaturen über 60 Grad C werden sie jedoch relativ schnell abgetötet, da bei diesen Temperaturen das Eiweiß gerinnt. Die Empfindlichkeit der Kokzidien gegen hohe Temperaturen kann man sich bei der Desinfektion der Ställe nutzbar machen. Nähere Ausführungen siehe Sprehn (1957).
Jungtiere sind besonders gefährdet
Die Kokzidiose befällt in erster Linie Jungtiere im Alter von 6 bis 16 Wochen. In vielen Fällen ist mit dem Totalverlust eines erkrankten Wurfes zu rechnen, wenn nicht rechtzeitig wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Richtig ernährte erwachsene Tiere sind wesentlich widerstandsfähiger gegen die Kokzidiose als Jungtiere. Obwohl fast alle erwachsenen Kaninchen Kokzidien in sich beherbergen und Kokzidienoozysten in ihrem Kot ausscheiden, kommt es nicht so häufig zu einer sichtbaren Krankheit und zum Tode erwachsener Tiere. Vermutlich stellt sich bei den die Infektion überlebenden Tieren mit der Zeit ein Gleichgewicht zwischen der Wirkung der Kokzidien und den Abwehrkräften des Organismus ein, während bei den Jungtieren dieses Abwehrsystem noch nicht genügend ausgebildet ist. Die Umstellung von der Milchnahrung auf pflanzliches Futter sowie die in der 5. bis 6. Lebenswoche einsetzenden Haarungsvorgänge belasten außerdem den Stoffwechsel der jungen Tiere. Der Darm ist noch klein und empfindlich. Deshalb ist in dieser Periode ganz besondere Vorsicht am Platze. Gelegentlich kann die Kokzidiose auch bei erwachsenen Tieren seuchenhaft auftreten, insbesondere dann, wenn durch andere Krankheiten, Inzucht, mangelhafte Ernährung usw. geschwächte Tiere bei hygienisch schlechter Haltung einer Infektion mit Kokzidien aus- gesetzt werden. Auch säugende Häsinnen fallen der Kokzidiose nicht selten zum Opfer. Erkennen und Entwicklung der Krankheit Für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Kokzidiose ist es wichtig, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Es ist deshalb dem Züchter zu empfehlen, von der fünften Woche nach der Geburt der Tiere an
ganz besonders auf der Hut zu sein. Solange die Tiere sich noch im Nest befinden, besteht keine Gefahr. Als ein Zeichen von Gesundheit ist es weiterhin zu bewerten, wenn die Jungtiere mit klaren Augen munter im Stall herumhüpfen und Kapriolen machen. Wenn jedoch Jungtiere bei der morgendlichen Futtergabe nicht unverzüglich am Futtertrog erscheinen, wenn die Lebhaftigkeit nachlässt, wenn sie abgesondert von den anderen Wurfgeschwistern in einer Stallecke sitzen, dann ist Gefahr im Verzuge. Wenn die Fresslust weiter nachlässt, wenn die Tiere langsam abmagern, so dass man die Rückenwirbel deutlich mit den Fingerspitzen fühlen kann, wenn schließlich auch die Wangen einfallen, die Bäuche aber dicker, die Augen trübe werden, wenn sich Durchfallerscheinungen zeigen (bei Gallengangskokzidiose nicht vorhanden) und die Tiere zusammengekauert und häufig mit den Zähnen knirschend im Stall sitzen, dann ist an einer akuten Krankheit nicht mehr zu zweifeln, die Rettung der Tiere aber bereits sehr fraglich geworden. Zuweilen läuft der Prozess der Erkrankung langsam an, die Entwicklung bis zum Tode des Tieres dauert mehrere Tage, ja sogar Wochen, manchmal sind die Tiere 12-14 Stunden, nachdem sich die ersten kaum bemerkbaren Erscheinungen der Erkrankung zeigten, bereits verendet. Gelegentlich beobachtet man speziell bei Gallengangskokzidiose schleimigen Ausfluss aus der Nase sowie Entzündung der Bindehaut der Augen. Beim Öffnen der Tiere (Sektion) findet man bei Darmkokzidiose eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut und als sekundären Effekt manchmal eine geringfügige Vermehrung von Bauchhöhlenflüssigkeit als Zeichen einer Baufellentzündung. Bei Gallengangskokzidiose fallen die zahlreichen hirsekorngroßen, grauweißen Knötchen auf, welche die Leber durchsetzen und deren breiiger Inhalt viele Oozysten enthält. Eine sichere Diagnose kann nur der erfahrene Tierarzt stellen.
Vorbeugen ist besser als Heilen
Dieses Sprichwort hat bei der Bekämpfung der Kokzidiose eine ganz besondere Bedeutung. Eine Heilung erkrankter Jungtiere erwachsenen Tieren liegen die Verhältnisse etwas günstiger mit Sicherheit nur dann zu erwarten, wenn die Behandlung im ersten Stadium der Erkrankung einsetzt. Wenn die Tiere jedoch schon stark abgemagert sind und zähneknirschend in einer Stallecke sitzen und die Futteraufnahme verweigern, dann darf man sich keine allzu großen Hoffnungen mehr machen. Im Allgemeinen lohnen sich in solchen Fällen die für die Behandlung aufgewandte Zeit und Mühe sowie das Geld für die relativ teuren Medikamente nicht. Schwer erkrankte Jungtiere, deren Gesundung nicht mehr zu erwarten ist, sollte man lieber sofort töten und unschädlich beseitigen, um wenigstens eine massenweise Verbreitung der Erreger zu vermeiden.
Von irgendwelchen Geheimrezepten, z. B. dem Verfüttern von Ginster, Baumrinde, Sägemehl und anderen ähnlichen Stoffen, ist keine Wirkung zu erwarten. Relativ günstige Wirkungen konnten an der Bundesforschungsanstalt für Kleintierzucht mit sulfonamidhaltigen Präparaten, z. B. Eleudron und Sulmet, erzielt werden, wenn die Krankheit bereits im Anfangsstadium bekämpft wurde. Von einer zwanzigprozentigen Eleudronlösung (rezeptpflichtig) gibt man Jungtieren zweimal täglich etwa je einen ccm mit einer Glaspipette seitlich in die Mundhöhle. Diese Prozedur wird fünf Tage hintereinander wiederholt, so dass für ein Jungtier insgesamt etwa 10 ccm (etwa 0.50 DM) verbraucht werden. Erwachsene Tiere erhalten täglich die doppelte Menge, also fünf Tage hintereinander täglich zweimal je 2 ccm. Das macht insgesamt 20 ccm im Werte von etwa 1 DM. Eine vorbeugende Behandlung gesunder Tiere mit Eleudron ist schon aus Kostengründen im Allgemeinen nicht zu empfehlen. Sollten aber ein Tier oder mehrere eines Wurfes erkranken, so müssen alle Wurfgeschwister die gesunden und die kranken einer Behandlung unterzogen werden, da ja mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden muss, dass auch die äußerlich noch gesund erscheinenden Tiere bereits infiziert worden sind. Über den Wert einer Beimischung geringer unterschwelliger Dosen von Sulfoquinoxalin oder ähnlichen Stoffen zum Futter liegen bei Kaninchen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Als Medikament soll Sulfoquinoxalin eine recht gute therapeutische Wirkung besitzen. Eigene Erfahrungen bei Kaninchen liegen zurzeit noch nicht vor.
Praktische Maßnahmen zur Verhütung der Kokzidiose
Es kommen in Frage:
1. Züchterische Maßnahmen durch Auswahl erbgesunder Zuchttiere,
2. Hygienische Maßnahmen zur Verhütung einer Infektion mit Kokzidien,
3. Fütterungsmaßnahmen zur Stärkung der Gesundheit und all- gemeinen Widerstandsfähigkeit.
Zu 1: Züchterische Maßnahmen
Die vorbeugenden Maßnahmen müssen bereits bei der Auswahl der Zuchttiere beginnen. Man sollte nur solche Zuchttiere verwenden, die aus gesunden, vitalen und frohwüchsigen Stämmen kommen und die auch selbst gesund und voll entwickelt sind. Diese Maßnahmen sind nicht nur im Kampf gegen die Kokzidiose, sondern auch aus allgemeinen züchterischen Belangen notwendig. Die Verwendung gesunder und lebenskräftiger Zuchttiere bietet zwar keine absolute Gewähr für die Gesunderhaltung der Jungtiere – kokzidienfeste Stämme gibt es nämlich nicht, aber erbgesunde und gut entwickelte Tiere überstehen eine Infektion weit besser als konstitutionell schwache und anfällige Tiere.
Aus Züchterkreisen wird gelegentlich empfohlen, Jungtiere durch Einsetzen in einen mit Kokzidien verseuchten Stall ganz bewusst der Gefahr einer Infektion auszusetzen, um auf diese Weise ihre Widerstandsfähigkeit gegen Kokzidiose zu prüfen und so auf züchterischem Wege nach und nach kokzidienfeste Stämme herauszuzüchten. Von solchen Methoden ist nicht nur aus Gründen des Tierschutzes abzuraten, sondern auch deshalb, weil der Züchter davon keinerlei Nutzen, wohl aber erhebliche Nachteile zu erwarten hat. Bei ungünstigen Umweltbedingungen (feuchte, warme Witterung, feuchter Stallboden usw.) können auch an sich gesunde und lebensstarke Tiere einer massenhaften Infektion zum Opfer fallen, während wesentlich anfälligere Tiere bei günstigen Umweltverhältnissen nur geringfügig infiziert werden und keine Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Selbst bei im gleichen Stall gehaltenen Jungtieren lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass die an Kokzidiose verendeten Tiere lebensschwächer waren als die überlebenden, weil der Zufall bei der Aufnahme der Erreger, vorübergehende Schwächung eines oder mehrerer Tiere u. a. m. eine zu große und zu wenig kontrollierbare Rolle spielen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die überlebenden Jungtiere durch eine Erkrankung an Kokzidiose nicht mehr ganz rückgängig zu machende Schäden erleiden, die ihren Zucht- und Leistungswert verringern.
Aus den genannten Gründen sollte jeder Züchter bemüht sein, seine Jungtiere so wenig wie nur möglich den Gefahren einer Infektion mit Kokzidien auszusetzen.
Zu 2: Hygienische Maßnahmen
Die Infektion der Jungtiere erfolgt primär fast ausschließlich durch die im Kot der Häsin enthaltenen Erreger. Aus den Ergebnissen zahlreicher Kotuntersuchungen ist zu entnehmen, dass fast alle erwachsenen Kaninchen Kokzidienoozysten mit dem Kot ausscheiden. Durch die Untersuchungen von Harder (1950 a und b) ist ferner bekannt, dass Kaninchen allgemein und naturbedingt einen erheblichen Teil (etwa 1/3) ihres Kotes, und zwar vor allem den besonderen Blinddarmkot, wieder aufnehmen, um sich insbesondere mit lebensnotwendige Vitaminen der B-Gruppe sowie dem Vitamin K zu versorgen. Soweit sie diesen Kot direkt vom After abnehmen, wie dies normalerweise geschieht, ist die Gefahr einer Selbstinfektion mit Kokzidien nicht gegeben, weil die Kokzidienoozysten eine Reifungszeit von zwei bis drei Tagen außerhalb des tierischen Organismus durchmachen müssen, bevor sie infektionsfähig sind. Gelegentlich fressen Kaninchen aber auch bereits im Stall gelagerten Kot, der infektionsfähige Erreger enthält, oder durch Kot verschmutztes Futter. Dadurch infizieren sie sich immer wieder selbst, so dass ein ununterbrochener Kreislauf des Erregers entsteht. Vom Kot der Mutter fressen ebenfalls die Jungtiere, wenn sie das Nest verlassen haben und anfangen, feste Nahrung aufzunehmen. Je stärker nun der Häsinnenkot mit Kokzidien verseucht ist, je günstiger die Umweltbedingungen für die Reifung der Erreger und je anfälliger die Jungtiere sind, desto größer ist die Gefahr einer Masseninfektion und damit einer akuten Erkrankung der Jungtiere.
Kotuntersuchungen bei der Häsin
Da der Kot verschiedener Tiere hinsichtlich seines Gehaltes an Kokzidienoozysten oft erhebliche Unterschiede aufweist, sind Kotuntersuchungen vor der Zuchtverwendung der Häsin zu empfehlen, insbesondere dann, wenn bei dem betreffenden Züchter in den vorhergehenden Jahren bereits Kokzidiose aufgetreten ist. Solche Kotuntersuchungen werden u. a. von den staatlichen Tiergesundheitsämtern der Landwirtschaftskammern, den staatlichen Veterinäruntersuchungsämtern sowie von verschiedenen wissenschaftlichen Instituten, z. B. der BFAK, durchgeführt. Häsinnen mit starkem Kokzidien- befall sind zweckmäßigerweise von der Zucht auszuschließen bzw. vor der Zuchtverwendung einer Behandlung zu unterziehen. Die Verhältnisse bei den Rammlern spielen in diesem Zusammenhang keine entscheidende Rolle, weil diese ja mit den Jungtieren nicht in Berührung kommen.
Es sei noch erwähnt, dass man durch Haltung der Häsinnen vor der Zuchtverwendung auf Rosten den Oozystengehalt im Kot erheblich verringern und damit eine Masseninfektion der Jungtiere weitgehend verhindern kann. Vollständige Freiheit von Kokzidien ist zwar durch die erwähnten Maßnahmen im Allgemeinen nicht zu erreichen, die Gefahr einer Erkrankung der Jungtiere wird jedoch herabgesetzt.
Säuberung und Desinfektion der Ställe
Möglichst kurz vor dem Wurftermin ist eine gründliche Säuberung und Desinfektion der Boxen zu empfehlen. Eine Abtötung der Kokzidien ist sicher und billig mit kochend heißem Wasser möglich. Es ist zweckmäßig, zur Loslösung des Schmutzes etwas Soda zuzusetzen. Einen abtötenden Einfluss auf die Kokzidien besitzt die zugesetzte Soda jedoch nicht. Es ist darauf zu achten, das Wasser möglichst in kochendem Zustande zu verwenden, damit trotz Abkühlung beim Ausgießen in die Boxen mit Sicherheit noch Wassertemperaturen über 60 Grad erhalten bleiben, die zur Abtötung der Kokzidien erforderlich sind. Außer kochend heißem Wasser kann auch z. B. Dekaseptol oder Euphagol zur Desinfektion der Ställe und zur Abtötung der Kokzidien verwandt werden. Die meisten gebräuchlichen Desinfektionsmittel, z. B. Lysol, töten Kokzidien dagegen nicht ab.
Trockene Ställe
Trockenheit ist ein Feind der Kokzidien, weil die Entwicklung zu infektionsfähigen Erregern nur bei genügender Feuchtigkeit vor sich geht. Trockene Ställe sind daher das A und O bei der Aufzucht von Jungtieren. Dabei spielen die Lage und Bauweise der Ställe sowie die hygienischen Maßnahmen des Züchters eine Rolle.
Ställe in feuchten Kellern oder anderen feuchten Räumen sind für die Aufzucht von Jungtieren wenig geeignet. Holzställe sind im Allgemeinen besser als Ställe aus festem Beton. Die Möglichkeit eines Jaucheabflusses erleichtert das Trockenhalten der Boxen. Da Torfstreu große Mengen an Feuchtigkeit (bis zum neunfachen seines Trockengewichts) aufnehmen und auch Gerüche binden kann, ist es zweckmäßig, eine etwa 3 cm dicke Torfschicht unter die Strohstreu zu bringen, besonders dann, wenn die Jauche nicht abfließen kann. Auch Drahtroste werden als Unterlage für die Streu empfohlen. Es ist aber zweckmäßig in den kalten Monaten sogar notwendig das Drahtgeflecht dort, wo sich das Nest befindet, mit einem Brett oder wenigstens mit einer genügend dicken Papierschicht abzudecken, um die Jungtiere vor der Berührung mit dem „kalten“ Draht (guter Wärmeleiter) und vor Luftzug zu schützen. Auch Nistkästen können dabei gute Dienste leisten.
Wir haben bei Unterlassung der erwähnten Vorsichtsmaßnahmen mit Drahtrosten im Wurfstall schon üble Erfahrungen gemacht. Bei einem Kälterückschlag im April 1954 gingen in einer einzigen Nacht mehrere Würfe im Alter von fünf bis acht Tagen durch Kälteeinwirkungen zugrunde, obwohl eine verhältnismäßig dicke Streuschicht auf den Drahtrosten vorhanden war. Offenbar sind die Jungtiere in dem Bestreben, sich durch tieferes Einkriechen in die Streu vor der Kälte besser zu schützen, noch stärker als vorher in den Wirkungsbereich des abkühlenden Drahtgeflechtes und einer stärkeren Luftzirkulation geraten. Wenn acht Tage alte Tiere (KIS, schwarz), die doch gegen Kälte bereits relativ widerstandsfähig sind, diese Prozedur nicht überstanden haben, ist bei den gegen Kälte sehr empfindlichen neugeborenen Tieren ganz besondere Vorsicht am Platze. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass auch frisch geschorene Angorakaninchen im Winter niemals auf blanke Drahtroste gesetzt werden dürfen. Auch auf diesem Gebiet liegen bei mehreren Züchtern trübe Erfahrungen vor. In einem mir bekannten Falle sind in einer Nacht unmittelbar nach der Schur 14 hochwertige Tiere durch Kälteschock eingegangen. Auf Grund der erwähnten negativen Erfahrungen haben wir in den letzten Jahren die Roste immer kurz vor dem Werfen entfernt und die Jungtiere erst im Alter von sechs Wochen wieder auf die Roste gesetzt. Mit reichlicher, trockener Einstreu auf Torfstreuunterlage haben wir gute Erfahrungen gemacht.
Umsetzen der Jungtiere bei Krankheitsverdacht.
Wurden die erwähnten Vorsichtsmaßregeln nicht beachtet, zeigen sich bei den Jungtieren die ersten Symptome einer Erkrankung, oder ist auf Grund der bisherigen Erfahrungen bzw. besonders ungünstiger Umweltverhältnisse eine Erkrankung der Jungtiere an Kokzidiose zu befürchten, so kann ein häufiges Umsetzen der Jungtiere die Gefahr erheblich herabsetzen. Die Bedeutung solcher Maßnahmen beruht auf den vorher bereits erwähnten Tatsachen, dass 1. die Jungtiere sich primär in erster Linie durch den Kot der Häsin oder durch verschmutztes Futter infizieren und dass 2. die mit dem Kot ausgeschiedenen Oocysten zwei bis drei Tage benötigen, um sich zu ansteckungsfähigen Erregern zu entwickeln.
Setzt man deshalb die Jungtiere, kurz nachdem sie das Nest verlassen haben, in einen anderen mit kochend heißem Wasser desinfizierten und mit reichlich trockener Einstreu versehenen Stall, so ist eine Ansteckung durch den Kot der Mutter nicht mehr möglich, sofern die Häsin nicht mit umgesetzt wird.
Nach unseren relativ umfangreichen Versuchen genügt es, wenn man die Häsin einmal täglich für kurze Zeit zum Säugen zu den Jungen gibt. Die Häsin wird dann sofort von den Jungtieren umringt. dass das Sie stellt sich im Allgemeinen willig zur Verfügung, so Säugen in wenigen Minuten beendet ist. Dann setzt man die Häsin möglichst schnell wieder in ihren Stall zurück, um zu vermeiden, dass sie Kot im Jungtierstall absetzt. In solchen Fällen reicht normalerweise ein ein- bis zweimaliges Umsetzen der Jungen bis zum endgültigen Absetzen von der Häsin aus. Die durch das tägliche Zusetzen der Häsin erforderliche Mehrarbeit ist verhältnismäßig gering. Sind mehrere Häsinnen mit Jungen vorhanden, so kann man die ganze Prozedur in einem Arbeitsgang erledigen. Wenn nämlich die letzte Häsin zugesetzt worden ist, ist die erste bereits mit dem Säugen fertig, für den Fall, dass wenigstens fünf bis sechs Häsinnen beteiligt sind.
Versuche der BFAK, die Häsinnen zweimal täglich, morgens und abends, zuzusetzen, scheiterten daran, dass die Häsinnen in den allermeisten Fällen abends, nicht säugten. Nachteile der einmal täglich gesäugten Jungtiere gegenüber in einer Parallelgruppe normal, d. h. dauernd bei der Häsin gehaltenen Jungen konnten nicht festgestellt werden. Häsinnen und Jungtiere erhielten selbstverständlich hochwertiges Futter in ausreichenden Mengen. Ist man aber aus Platzmangel gezwungen, die Häsin zusammen mit den Jungen umzusetzen oder nach der Desinfektion des alten Stalles Häsin und Jungtiere dorthin wieder zurückzubringen, so kann man auch durch häufiges Umsetzen am besten alle drei Tage vermeiden, dass infektionsfähige Erreger in größeren Mengen aufgenommen werden, weil ja die Oozysten 2-3 Tage bis zur Reife benötigen. Nötigenfalls ist noch eine zusätzliche Behandlung mit Eleudron, Sulmet oder Sulfoquinoxalin zu empfehlen.
Treten als Auswirkung von Unterlassungssünden des Züchters oder infolge besonders ungünstiger Verhältnisse kranke Tiere in Erscheinung, so ist eine sofortige Trennung von den gesunden Tieren erforderlich, weil die erkrankten Jungtiere massenhaft Kokzidienoozysten ausscheiden und dadurch die noch gesunden infizieren. Die äußerlich noch gesunden Jungtiere müssen ebenfalls in einem anderen Stall untergebracht werden, da der alte Stall zweifellos mit Kokzidien verseucht ist. Sind die Jungtiere beim Ausbruch der Krankheit schon so weit entwickelt, dass sie von der Häsin abgesetzt werden können, so ist eine Einzelhaltung zu empfehlen.
Rechtzeitiges Absetzen der Jungtiere
In Lehrbüchern, Fachzeitschriften und in Züchterversammlungen wird immer wieder darauf hingewiesen, die Jungtiere so lange wie nur möglich bei der Häsin zu belassen, damit sie möglichst lange in den Genuss der wertvollen Muttermilch kommen. 10-14 Wochen werden als günstig angegeben. Manche Züchter lassen die Jungen noch länger bei der Mutter; einige setzen sie erst dann ab, wenn die Häsin bereits wieder gedeckt ist.
Die BFAK hat sich in früheren Jahren auch an die Empfehlungen der Lehrbücher und der Praxis gehalten und die Jungen 10-12 Wochen bei der Häsin belassen, bis im Sommer 1953 die Kokzidiose in ungewöhnlichem Maße auftrat und einen hohen Prozentsatz wertvoller Jungtiere hinwegraffte. Um weiteres Umsichgreifen der Krankheit durch gegenseitige Infektion zu vermeiden, haben wir dann alle Jungtiere über 6 Wochen von den Häsinnen abgesetzt und soweit wie möglich in Einzelbuchten gehalten. Die Erfolge waren recht gut. Es gingen zwar noch einige Jungtiere ein, aber das Massensterben hörte auf. Da die Entwicklung der Jungtiere keine ins Auge springenden Nach- teile aufwies, haben wir in den nächsten Jahren systematische Ver- suche mit etwa 50 Häsinnen verschiedener Rassen angestellt. Dabei zeigte sich, dass durch das frühe Absetzen der Jungtiere (mit 6 Wochen) nicht nur die Verluste durch Kokzidiose erheblich vermindert werden konnten, sondern dass unerwarteterweise auch die Entwicklung der mit 6 Wochen abgesetzten und in Gruppen von 2-3 Tieren gehaltenen Würfe im Durchschnitt besser war als bei den Jungtieren, die 10-12 Wochen bei der Häsin belassen wurden.
Seit dieser Zeit setzen wir grundsätzlich alle Jungtiere im Alter von 6 Wochen von den Häsinnen ab. Die Versuche wurden mit Angora, Hellen Großsilberkaninchen, Hasen, Kleinsilber und Englischen Schecken durchgeführt. Die Versuchsergebnisse wurden inzwischen auch mit anderen Rassen aus der Praxis bestätigt.
Es mag manchem vielleicht etwas merkwürdig erscheinen, dass Jungtiere, denen bereits mit 6 Wochen die Muttermilch entzogen wird, sich ebenso gut oder sogar noch besser entwickeln als solche, die länger bei der Häsin belassen werden. Bei Berücksichtigung der nachstehend aufgeführten Zusammenhänge dürften die Versuchsergebnisse aber durchaus verständlich sein:
1. Durch frühzeitiges Absetzen und Aufteilung in kleinere Gruppen wird die Möglichkeit, Kokzidienoozysten aufzunehmen, bei den Jungtieren weitgehend verringert. Wir wissen aber, dass auch schwächere Infektionen, die nicht zum Tode des Tieres führen, sondern überwunden werden, Hemmungen in der Entwicklung zur Folge haben können.
2. Es ist auch durch andere an der BFAK durchgeführten Versuche erwiesen, dass eine Zusammenballung von Tieren und gegenseitige Belästigung sowohl die Körperentwicklung als auch die Wolleistung der Angorakaninchen nachteilig beeinflussen. So konnten wir z. B. fest stellen, dass im Auslauf gehaltene Kaninchen bei gleicher Fütterung z. T. wesentlich geringere Gewichte aufwiesen, eine schlechtere Fellqualität zeigten bzw. weniger Wolle lieferten als in Einzelställen befindliche Parallelgruppen. In Kreisen der Angorazüchter ist ebenfalls bekannt, dass höchste Wollerträge nur bei Einzelhaltung erreicht werden und dass erhebliche Ertragsminderungen zu erwarten sind, wenn sich zwei oder mehrere Tiere in einer Bucht befinden. Es ist deshalb wohl verständlich, dass der Entzug der Muttermilch im Alter von 6 Wochen mehr als wettgemacht wird durch die größere Ruhe der abgesetzten und in kleinere Gruppen aufgeteilten Jungtiere.
3. Die Säugedauer ist bei den Häsinnen bekanntlich individuell bedingten, z. T. erheblichen Schwankungen unterworfen. Während manche Häsinnen ihren Jungtieren noch Milch zur Verfügung stellen, wenn die Jungen bereits 10 Wochen und älter geworden sind, stellen andere Häsinnen bereits mit 6 Wochen ihre Säugetätigkeit ein oder liefern nur noch ganz unbedeutende Milchmengen.
4. Wir verfügen heute über hochwertige konzentrierte und vitaminierte Spezialfutterstoffe, welche den Ausfall der Muttermilch von einem bestimmten Alter der Jungtiere an weitgehend kompensieren können. Hinzu kommt noch, dass durch die heute mögliche bessere Ernährung der Häsinnen und Jungtiere letztere im Alter von 6 Wochen bereits erheblich weiter entwickelt sind, als das bei der früher üblichen Fütterung der Fall war. Alles in allem haben wir im frühzeitigen Absetzen der Jungen ein Mittel in der Hand, die Gefahren einer Kokzidioseerkrankung ohne sonstige Benachteiligung der Jungtiere weitgehend herabzumindern.
Zu 3: Einflüsse des Futters auf die Kokzidioseerkrankung der Tiere
Es ist eine auch bei anderen Tierarten allgemein bekannte und anerkannte Erscheinung, dass vollwertig ernährte Tiere weniger leicht erkranken und Krankheiten besser überstehen als andere Tiere, die entweder mengenmäßig zu wenig erhielten oder bei denen lebenswichtige Stoffe im Futter fehlten. Das gilt auch hinsichtlich der Gefahren einer Erkrankung an Kokzidiose bei Kaninchen.
Darüber hinaus kommt zweifellos auch der Art des verwendeten Futters im Zusammenhang mit der Erkrankung der Tiere an Kokzidiose eine Bedeutung zu. Regen- oder taunasses Grünfutter schadet normalerweise den Kaninchen zwar nicht, wenn es in frischem Zustande gereicht wird; damit wird aber eine Menge Feuchtigkeit in den Stall gebracht und hierdurch der Reifung der Kokzidienoozysten Vorschub geleistet, wenn das Futter nicht in Raufen untergebracht, sondern auf den Stallboden gelegt wird. Auf diesem Umwege kann man also durch häufige Verwendung von nassem Futter die Gefahr einer Kokzidiose sehr erhöhen. Außerdem fängt nasses Futter leicht an zu gären, und vergorenes und damit meist verdorbenes Futter bedeutet ebenfalls für Kaninchen eine Gefahrenquelle.
Neuerdings will man im Kampfe gegen die Kokzidiose gute Erfahrungen mit Alleinfutter gemacht haben. Eine Nachprüfung auf breiterer Grundlage ist jedoch noch erforderlich.
Zusammenfassung
Die Kokzidiose ist die gefährlichste Jungtierseuche der Kaninchen, die jährlich über eine Million Jungtiere hinwegrafft, bevor diese die 16. Lebenswoche erreicht haben. Am gefährlichsten ist die Zeit zwischen der 6. und 16. Lebenswoche.
Der Kampf gegen die Kokzidiose sollte in erster Linie darauf gerichtet sein, den Kreislauf des Erregers zu unterbrechen. Das kann geschehen
1. durch Haltung der Tiere auf Rosten,
2. durch häufiges Umsetzen der Jungtiere,
3. durch rechtzeitiges Absetzen der Tiere im Alter von 6 Wochen,
4. durch Trockenhaltung des Stallbodens.
Eine Heilung erkrankter Jungtiere hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Behandlung rechtzeitig einsetzt, sobald sich die ersten Symptome einer Erkrankung zeigen. Geeignet sind Eleudron, Sulmet und vermutlich auch Sulfoquinoxalin. Durch Maßnahmen der Züchtung und Fütterung kann die Gefahr einer Erkrankung an Kokzidiose ebenfalls herabgesetzt werden.
Literaturverzeichnis
Harder, W. (1950 a): Zur Morphologie und Physiologie des Blinddarmes der Nagetiere. Verh. dtsch. Zoologen, Mainz 1949, S. 95-109.
Harder, W. (1950 b): Mein Kaninchen frisst „Kot". Dtsch. Kleintier-Züchter, Ausg. Kaninchen, 5, Nr. 14, S. 5-7
Sprehn, C. (1957): Kaninchenkrankheiten, S. 53-59; Reutlingen (Oertel & Spörer), 1957.
Schiller, H. J. (1951): Kokzidiose, Merkblatt 9, 10 und 11. – Leipzig (Dr. F. Poppe) 1951.











