Emil Falk, Marburg (Lahn) „Das Blaue Kaninchenjahrbuch“ 1957

Allgemeines In der Kaninchenzucht und -haltung können nur Erfolge erzielt werden, wenn für eine sachgemäße Unterbringung der Tiere gesorgt wird. Das Kaninchen braucht zu seiner Entwicklung 1. Licht und Luft, 2. Bewegungsmöglichkeit, 3. Schutz gegen Zugluft. Diese drei Forderungen müssen in jedem Falle beim Bau eines Kaninchenstalles berücksichtigt werden. An den bisher entwickelten Stalltypen hat sich nicht viel geändert. Ob Innen- oder Außenstallung, ein, zwei oder drei Etagen richtet sich jeweils nach den örtlichen Verhältnissen. Für die Kaninchen sind Stallungen erforderlich, die folgende Mindestgrößen aufweisen:

1.

120 cm breit

80 cm tief

60 cm hoch

für große Rassen

2.

80 cm breit

80 cm tief

55 cm hoch

für mittelgroße Rassen

3.

60 cm breit

80 cm tief

55 cm hoch

für kleine Rassen

Diese Mindestgrößen müssen unbedingt eingehalten werden. Sie sind die Angaben für eine Stallbucht, die für ein Zuchttier bestimmt ist. Wer die Möglichkeit hat, die Stallbuchten größer zu bauen, sollte dies tun. Zu groß werden die Ställe niemals, wohl aber trifft man sehr viel Stallungen an, die entschieden zu klein sind. Eine Doppel- bucht ergibt dann den Zuchtstall.

Bei der Errichtung einer sachgemäßen Kaninchenstallung kommt es darauf an, dass sie zugfrei ist und dass sie eine genügende Haltbarkeit besitzt. Dementsprechend wird man das Baumaterial auswählen. Das seither übliche Baumaterial war Holz. Ob man nun gewöhnliche Schalbretter oder Nutfederbretter, etwa 24 mm stark, zum Bau verwendet hat, war mehr oder weniger eine Geldfrage. Baut man die Stallungen auf eigenem Grund und Boden, baut man massiv. In unmittelbarer Nähe der Wohnung, ohne Ablauf. Stehen die Stallungen in einem Garten, mit Ablauf. Hat man ein Pachtgrundstück, muss man transportabel bauen. Doch darüber später. Bei der Planung zum Stallbau ist mancherlei zu bedenken. Einige Punkte habe ich schon erwähnt. Die Stallanlage soll sich den örtlichen Verhältnissen anpassen. Die überdachte Außenstallung dürfte das Ideal sein. Je nach Platz stellt man die Ställe in Reihen oder Hufeisenform auf. Eine gepflegte Stallanlage wird immer eine Zierde für Hof und Garten sein und niemals eine Veranlassung zu Haltungsverboten sein. Die Vorderseite, wenn möglich, nach Südosten stellen. Die Überdachung so einrichten, dass die Tiere gegen direkte Sonneneinstrahlung geschützt sind und man auch bei Regenwetter im Trockenen füttern kann. Eine leichte Betondecke oder ein Plattenbelag vor den Stallungen wird die Sauberhaltung erleichtern.

Bau und Material

Bei der Beschaffung des Baumaterials denke man nicht nur an den Preis, sondern in erster Linie an die Zweckmäßigkeit und Haltbarkeit. Als ideales Baumaterial ist in erster Linie die Eternit- und Holzfaserplatte zu nennen. Das Hauptproblem ist der Stallboden. Er muss dicht und nahtlos sein. Die Wände sollen keine Fugen haben, um Zugluft zu vermeiden. All dies kann man in idealer Weise mit den Eternit- und Holzfaserplatten erreichen. Besonders die Eternitplatte ist unbegrenzt haltbar. Eine Stärke von 6 mm reicht vollkommen aus und stellt sich in der Anschaffung, bei den derzeitigen Holzpreisen, nicht teurer als Bretter, sind aber in der Haltbarkeit dem Holz weitaus überlegen. Die Eternitplatte hat eine Normalgröße von 2,50 mal 1,20 m. Für einen Drei-Etagenstall mit 9 Buchten von 80 mal 80 cm benötigt man für den Stallboden zwei Platten. Die Platten werden der Länge nach auf 85 cm Breite aufgeschnitten, so dass man zwei nahtlose Stallböden erhält. Die beiden abfallenden Streifen von je 35 cm kann man für den unteren Boden verwenden. Die Seitenplatten werden ebenfalls entsprechend zugeschnitten. Die Kanthölzer sollen eine Stärke von 6 mal 6 cm haben. Bei einer Stallhöhe von 55 cm schneidet man die Kanthölzer für die Vorderseite auf eine Länge von 70 cm, für die Rückseite eine Länge von 64 cm. Man erhält dadurch auf 80 cm Tiefe ein Gefälle von 6 cm. Baut man den Stall ohne Ablauf, werden die Kanthölzer auf gleiche Länge verschnitten. Für die Vorderseite benötigt man vier Kanthölzer. Diese werden mit zwei Latten von 2,40 m Länge verbunden und in die Kanthölzer eingelassen. Der Abstand von Oberkante Latte bis Unterkante Latte beträgt 55 cm. Damit ist der Rahmen für die Vorderfront fertig. Mit der Rückseite wird genau so verfahren. An den Seiten werden die Kanthölzer ebenfalls mit Latten verbunden. Dann werden die Seitenplatten von innen an die Kanthölzer angeschraubt. Die Platte für die Rückwand wird von außen angeschraubt. Dann legt man die erste Platte obenauf und hat so gleichzeitig den Boden für die zweite Etage. Da nun die Dach- bzw. die Bodenplatte jeweils mit der Außenkante abschließt, haben wir einen nahtlosen Stallboden. Die zweite und dritte Etage wird dann daraufgesetzt. Um ein Verschieben zu verhindern, werden an beiden Seiten zwei Latten von oben nach unten angeschraubt. Da sich jede Etage abheben lässt, kann man den Stall mühelos transportieren. Ferner hat man in den Stallbuchten weder Fugen noch Ecken. Für die Zwischenwände und das Dach kann man auch Holzfaserplatten verwenden. Für das Dach allerdings nur dann, wenn die Anlage überdacht ist. Beide Arten von Platten lassen sich mühelos durchbohren, so dass man auch die Raufen anbringen kann. In keinem Stall sollte ein Latten- oder Drahtrost fehlen, gleichgültig, welche Rasse gehalten wird. Da die Tiere in der Regel den Kot in der hinteren Hälfte des Stalles ablegen, kann man für das erste Drittel des Rostes eine Platte oder ein Brett verwenden. Der Zwischenraum vom Boden bis Unterkante Rost soll vorne etwa 6 cm und hinten 12 cm betragen. Bei Ställen ohne Ablauf vorne und hinten 12 cm. Wo es die Verhältnisse gestatten, kann man das untere Drittel der Rückwand zum Aufklappen machen und so die Stallungen von hinten reinigen, ohne dass man den Rost oder die Tiere aus dem Stall herausnehmen muss. Wo dies nicht geht, kann man auch Schiebe- kästen einbauen, die man dann nach vorn herausziehen kann. Der Aufwand an Material ist hierbei natürlich höher. Die hier geschilderte Bauweise lässt sich für jeden Stalltyp verwenden.

Die Stalltüren werden wie üblich hergestellt. Die Rahmenleisten haben eine Breite von etwa 8 cm und eine Stärke von 2,4 cm. Ein kräftiger, nicht zu weiter viereckiger Maschendraht wird von innen an den Rahmen genagelt. Noch einiges zur Herstellung des Lattenrostes. Die Leisten für den Rost sollen 2 cm breit und 2 cm stark sein. Um ein Festklemmen der Kotballen in den Zwischenräumen von 15 mm möglichst zu vermeiden, hobelt man die beiden unteren Kanten der Leisten schräg ab, dann werden die Leisten mit der schmalen Seite nach unten auf zwei Leisten aufgenagelt. Eichen- oder Buchenholz hat sich bestens bewährt, da die Leisten aus Nadelholz von den Tieren in kurzer Zeit zernagt werden. Zu jedem Stall gehört eine Futterraufe. Ob Innen- oder Außenraufe bleibt dem Geschmack des Züchters überlassen. Als Innenraufe hat sich die sogenannte ,,Menhoferraufe" gut bewährt. Ein gut glasierter Steingutfutternapf mit breitem Wulst gehört ebenfalls in jeden Stall. Wer seinen Stall so wie hier geschildert baut, hat einen dauerhaften, zugluftfreien und gesunden Stall, der sich mühelos reinigen lässt. Es gibt keinerlei Fugen oder Ecken, in denen sich das Ungeziefer festsetzen kann. Wenn die Platten nicht durch unsachgemäße Behandlung beschädigt werden, ist dieser Stall fast unbegrenzt haltbar und erfordert gegenüber den Stallungen aus Holz keinerlei Reparatur. Lediglich der Außenanstrich muss von Zeit zu Zeit erneuert werden.

Bei dem Zerschneiden bzw. Durchbohren der Eternitplatten muss man darauf achten, dass dieselben gut aufliegen, damit sie nicht brechen.

In einem geräumigen, zugluftfreien und trockenen Stall gedeihen auch gesunde Tiere und erhalten somit dem Züchter die Freude an seiner Zucht. Eine zweckmäßige und gepflegte Stallanlage ist eine Zierde für Hof und Garten und wird niemals eine Veranlassung zum Ärgernis mit dem Nachbarn sein. Er kann den Nachbarn einfach nicht stören und wirbt gleichzeitig für die Kaninchenzucht.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.

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