Heidrun Eknigk, Finsterwalde „Das Blaue Jahrbuch“ 2001
Wir Menschen leben im „Fastfood-Zeitalter“ – schnelles Essen, fix ein Snack in Form einer Bulette, von der man nicht weiß, ob Beef oder Bäcker bei der Herstellung gesiegt hat. Mit Futtermitteln aus der Riesentüte (sprich: Pellets) hat dieses Zeitalter auch die Tierarten, hier unsere Kaninchen, eingeholt. Die Tiere fressen stumm, können nicht sagen: „Ich möchte heute mal eine Raufe frisches Wiesengrün." Dagegen meldet die eigene Familie bestimmt Protest an, wenn es in der Woche zum siebenten Mal die „flinke Pizza“ gäbe.
Es bleibt grundsätzlich jedem Kaninchenzüchter/-halter überlassen, welche Art der Fütterung er praktizieren kann und will. In einem solchen Beitrag können nur Anregungen gegeben werden, eventuell die eigene Fütterungsweise zu überdenken oder eine in- dividuelle Fütterung der Kaninchen einzurichten. Diese individuelle Fütterung hängt von vielen Umständen ab. Der häufigste ist derzeit wohl der Zeitfaktor, dann erst werden die eigene Futtergrundlage und der jeweilige Umfang der gezüchteten Rasse bedacht.
Faktor Zeit: Wer im Beruf sehr angespannt ist und dennoch nicht auf sein Hobby verzichten möchte, wird auf die Fütterung aus der Riesentüte zurückgreifen müssen.
Faktor Futtergrundlage: Zur eigenen Futtergrundlage zählen beispielsweise Haushalts- und Gartenabfälle, die Möglichkeiten für den Futteranbau im Garten und auf Ackerflächen sowie die Nutzung von Grünflächen zur Gewinnung wertvollen Grünfutters und zur Heubereitung. Streng genommen sollte die eigene Futtergrundlage bei der Wahl der Rasse und für den Zuchtumfang unbedingt berücksichtigt werden. Hier müsste man nun fortsetzen… eigene verfügbare/vorhandene Futtermittel … Stallkapazität … Zeit…. aber das wären wieder andere Themen. Trotz des modernen Abwendens von den ehemals die wirtschaftliche Zucht bestimmenden Kriterien, wie eben die Berücksichtigung der Eigenversorgung der benötigten Futtermittel, wollen wir uns daran erinnern, welche Vorzüge die naturnahe Fütterung mit sich bringt. Sind wir es nicht auch den Tieren schuldig, die wir zum eigenen Nutzen seit der Domestikation der natürlichen Umgebung entziehen, in der Gefangenschaft ein verhältnismäßig optimales Milieu einzuräumen? Dazu zählen eben nicht allein der Stallraum, dessen Größe oder die Pflegemaßnahmen, sondern ebenso die Fütterung. Es soll an dieser Stelle kein Zeigefinger gegen die Futtermittelhersteller erhoben werden, nur muss korrekter Weise gesagt werden, Fertigfutter allein ist „Fastfood“, selbst wenn es durch Luzerne- oder Wiesenheupellets aufgewertet würde.
Kaninchen „wissen“, welches Futter sie brauchen
Kaninchen sind Feinschmecker, lieben Abwechslungen in Napf und Raufe. Wer kennt es nicht, wenn zum Ende der Winterperiode unsere Tiere das sprießende Grün riechen und am Winterfutter (Möhren, Rüben etc.) herummäkeln. Sie sind nicht nur das Einerlei des Futterangebots satt, sondern ,,wissen" instinktiv, diese ab- wechslungsreiche Futtergabe garantiert auch die Abdeckung der lebensnotwendigen Nähr- und Inhaltsstoffe sowie die Deckung des Bedarfs an Spurenelementen und Vitaminen auf natürlichem Wege. Vorteile hat die naturnahe Fütterung ebenfalls. Durch die Gabe eines natürlichen Futtergemischs wird der Instinkt unserer Kaninchen nicht untergraben, dargereichte Pflanzen „als fressbar oder ungenießbar zu unterscheiden“. Kaninchen wählen Pflanzen und Wildkräuter jedoch nicht allein nach ihrem Geschmackssinn, sondern auch instinktiv nach ihren Bedürfnissen. Wer einmal seinen Tieren einen freien Auslauf gewährt, wird erkennen, dass die Tiere nicht gierig fressen, sondern sehr genau auswählen, wovon sie naschen. Naschen bedeutet bei unseren Nagern, dass sie in Folge der besonderen Funktion ihres Verdauungssystems nur immer kleine Mengen Futter aufnehmen und dies viele Male am Tag.
Ähnlich wie im Auslauf verhalten sich die Tiere, wenn sie reichliche Portionen in die Raufe bekommen. Die Tiere suchen sich zuerst die schmackhaftesten und wohl auch entsprechend bekömmlichen Pflanzen, Pflanzenteile und Wildkräuter heraus, lassen das ihnen weniger beliebte Grün liegen. Da sie aber dem Magen ständig kleine Mengen Nahrung zuführen müssen, um so die Verdauung im „Nachschubverfahren“ zu regulieren, verbrauchen sie dann die restliche Ration nach und nach oder lassen es bei sehr reichlicher Futtergabe eben liegen. Ärgerlich ist es schon, wenn das vermeintlich so schöne Futter zur Einstreu wird, aber es entspricht dem Wesen der Tiere und ihr Verhalten dient ihrer Gesundheit. Deshalb sollte der Unmut nicht zu groß sein und weiter- hin reichlich gefüttert werde. Hungerstrecken und anschließendes gieriges Fressen bei unregelmäßiger Fütterungszeit sind Gift für den empfindlichen Verdauungstrakt (Magenüberladung) unserer Freunde.
Wie gut Tiere „wissen“, was ihnen gut tut, lehrte mich ein Tier am Anfang meines Züchterlebens: Ein bereits zur Ausstellung gemeldetes Tier erkrankte. Neben der Unterbringung im separaten Stall bekam das Tier täglich freien Auslauf, es konnte sowohl auf dem Hof als auch im Garten frei herumlaufen. Dort „kippte“ der Meerrettich, was heißen soll, das Kaninchen nagte diesen am unteren Ende des Stieles ab und fraß auch davon. Als unerfahrene Züchterin hätte ich damals einem Kaninchen Meerrettich noch niemals angeboten. Das Tier zeigte mir auch sonst, was es benötigte, denn es genoss neben zahlreichen (Un-)Kräutern sichtlich Kleinstmengen Winterastern, Erdbeer- und Johannisbeerblatt, guckte im Kräutergarten nach Fressbarem und naschte gar vom Geflügelfutter. Fazit: Am Tag der Ausstellung war es wieder topfit, erhielt mit seinen sieben Brüdern tolle Bewertungsergebnisse und zeigte auch später keine klinischen Rückschläge.
Naturnahe Fütterung erproben
Eine Magenüberladung, die zu schmerzhaften Verdauungsproblemen, gegebenenfalls sogar zum Tode führen kann, bleibt bei unseren Kaninchen ebenfalls nicht aus, wenn sie gierig junges, zartes, saftiges Grünfutter fressen. In dieser Phase der Fütterung ist eine volle Heuraufe ein Muss. Für einen Züchter sollte grundsätzlich gelten: Heu ist das Brot der Kaninchen. Naturnah Füttern heißt also, den Tieren gleichzeitig zum Zweck der Sättigung und zum Wohlbefinden die Möglichkeit der Futterwahl aus abwechslungsreichem, keinesfalls einseitigem Angebot einzuräumen.
Von Sand befreite Möhren beispielsweise sollten ruhig einmal eine wurmige Stelle, ein Apfel eine madige Stelle haben … es ist erstaunlich, wie genau Kaninchen in der Lage sind, solche Stellen zu umnagen und als ungenießbar liegen zu lassen. Ein gesundes Kaninchen verträgt erstaunlich mehr, als sich mancher Zuchtfreund eingestehen wird. Nasses Rübenblatt wagt kaum ein Züchter seinen Kaninchen anzubieten, da schnell einmal Darmstörungen eintreten. Sind Kaninchen an eine abwechslungsreiche Kost gewöhnt, ist die Darmflora durch ein breites Futterangebot in einem normalen Verhältnis und erhalten die Tiere ausreichend Heu (Rohfaser), dann wird auch ein so genanntes „Risiko-Futter“ vertragen.
Man glaubt es kaum, auch Tomaten und Pflaumen werden von einigen unserer Nager gern mal als Schmankerl genossen. Natürlich nicht im Sinne einer Mahlzeit gegeben, bekommt den Kaninchen solche Vitaminbeigabe durchaus. Im Garten frei wachsende Kräuter sind nicht wertlos und sollten aus der Sicht des Tierzüchters deshalb auch „Wildkräuter“ genannt werden, weil sie den Tieren als Heil- und Futterpflanzen gereichen. Viele Zuchtfreunde schwören auf einen vielseitigen Kräutergarten. Hier erntet nicht nur Mutter zum Würzen der Speisen, nein, auch der Zuchtfreund erntet wohl am häufigsten die Petersilie für seine Kaninchen.
Über Wirkstoffe von Kräutern, Gräsern, Wildpflanzen (z. B. Huflattich, Wegerich, Hirtentäschelkraut, Löwenzahn) oder über den Wert der gängigen Futterkulturen berichten Autoren im DKZ. Aus diesem Grunde soll hier nur der Hinweis gegeben sein, dass nicht alles auf dem Kompost landen muss, was in der Küche nicht benötigt wird (Erbsenhülsen und die Erbsenpflanze sind beispielsweise recht gute Futtermittel).
Futtermittel mit starken Verunreinigungen und Schimmel sind allerdings strengstens zu meiden. Sand schadet dem Verdauungstrakt, Schimmel verursacht u. a. Erkrankungen der Atemwege. Kartoffeln und Kartoffelschalen werden auf Grund ihres hohen Nährwertgehaltes gern gefüttert. Waren sie jedoch während der Lagerung dem Licht ausgesetzt, werden die Schalen grün. In diesem Grün sind keine Vitamine, sondern hier und später in den Keimen ist das Gift aller Nachtschattengewächse – das Solanin – enthalten. Gedämpft sind grün gewordene Kartoffeln jedoch ein vorzügliches Futter. Sie eignen sich in der Winterfütterung, bei der häufig so genannte kalkzehrende Futtermittel (z. B. Runkelrüben) zum Einsatz kommen, zum Untermischen eines Futterkalk- und Mineralstoffgemischs. Für Zuchttiere sollten gedämpfte Kartoffel und Kartoffelschalen mit Bedacht gefüttert werden, denn sie sind ein gutes Mastfutter.
Handelsfuttermittel sind unverzichtbar
Ein Kaninchenzüchter, der seine Futtermittel überwiegend selbst erzeugt, kann und wird auf Handelsfutter (z. B. Kleie und Schrot) und vielleicht im Sinne eines „Zubrotes“ auf Fertigfutter nicht ganz verzichten können. Möglicherweise kann Fertigfutter als notwendige Wirkstoffe ausgleichendes Futter eingesetzt werden. Denn zu bemerken ist: Je nach Bodenbeschaffenheit des Ackers auf dem Pflanzen sowie Knollen- und Wurzelfrüchte heranwachsen, muss der Futterwert mehr oder weniger gehaltvoll bewertet werden. Feldfrüchte, die auf kargem Boden heranwachsen, werden einen geringen Futterwert aufweisen als vergleichsweise Früchte, die von an Nährstoffen reichen Äckern geerntet werden. Aus diesem Grund kann die Pelletfütterung von Mal zu Mal als Ausnahme nicht ganz abgelehnt werden. Auch wenn es nostalgisch klingen mag, wollen wir uns darauf besinnen, dass naturnahe Fütterung im eigentlichen Sinne heißt, natürliche Futtermittel (wie auf dem Feld gewachsen) verabreichen und gleichzeitig den Mineralstoff-, Nährstoff- und den Vitaminbedarf der Tiere unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Leistungsstadien mit der Fütterung abdecken. Diese unterschiedlichen Leistungsstadien sind das Wachstum, die Trächtigkeit, die Laktation (Säugezeit), das Haarwachstum (speziell bei Angorakaninchen zu beachten) sowie der Einsatz der Zuchtrammler und gleichermaßen die Mast. Die Mengen der Inhaltsstoffe der jeweiligen Futtergaben richten sich nach der Leistung, der Größe der Rasse beziehungsweise nach dem Gewicht des jeweiligen Tieres.
In der Zuchtruhe – das ist die Zeit, in der von den Tieren keinerlei Leistungen erwartet werden – bedarf es der Erhaltung des Lebens, aller Lebensfunktionen in optimaler Weise sowie der Vitalität des Tieres. Jeder Züchter ist in dieser Zeit bestrebt, einer Verfettung seiner Zuchttiere vorzubeugen. Das wird erreicht, indem der Eiweißanteil des Futters in dieser Zeit, jedoch nicht die Vitamine und Mineralstoffe erheblich gesenkt werden. Wir sprechen deshalb auch vom Erhaltungsfutter, was keinesfalls bedeutet, es müsse ein minderwertiges Futter sein.
Der Gehalt des Leistungsfutters fordert keine feste Größe, sondern richtet sich nach der die Energie verzehrenden Leistung, die von einem Einzeltier (unter Berücksichtigung der Größe des Tieres) gerade erbracht wird. Beispielsweise verändert sich der Bedarf an Eiweiß, Nähr- und Mineralstoffen und der Rohfasergehalt im Futter allein einer Häsin gravierend in den Zeiten der Trächtigkeit im Vergleich zu den jeweiligen Säugezeiten/-wochen.
Darüber ist das Leistungsfutter für Deckrammler anders zu bemessen als beispielsweise das Futter für Angorakaninchen nach der Schur. Die „Produktion“ des Wollhaares ist eine starke Leistung, hingegen ist die Leistung des Deckrammlers nach der Häufigkeit seines Einsatzes zu bewerten. Bei der Jungtieraufzucht entscheiden die ausgewogenen Gaben eiweißreichen Futters, die Deckung des verhältnismäßig hohen Rohfaserbedarfs, Mineralstoffe, Kalzium in Verbindung mit dem Vitamin D sowie die Vitaminzufuhr überhaupt für eine optimale Entwicklung des Organismus und des Knochenbaus der Tiere. Hier ist das Wachstum die Leistung. Es darf dabei allerdings die genetische Veranlagung für eine gute Futterverwertung und körperliche Entwicklungsmöglichkeit nicht außer Acht gelassen werden, wenn sich ein Tierchen (hier einmal unabhängig von der Rassezugehörigkeit) zum prachtvollen Exemplar entwickeln soll.
Welche Vitamine sind unbedingt erforderlich?
Spurenelemente sind Mikronährstoffe. Dazu gehören eine Reihe von chemischen Elementen, die für die menschliche, tierische und pflanzliche Ernährung und den Stoffwechsel unentbehrlich sind, je- doch nur in sehr geringen Mengen benötigt werden. Dazu zählen Eisen, Mangan, Chrom, Zinn, Selen, Kupfer, Kobalt, Zink, Fluor und Jod, die häufig Bestandteile von Enzymen, Vitaminen und Hormonen sind.
Wie gesagt, es sind Spurenelemente, die mit ausgewogenen, abwechslungsreichen Futtergaben verabreicht werden und damit die Regulierung des Stoffwechsels, die Bildung der Knochen, die Arbeit der Schilddrüse, das Blutbild, die Reifeentwicklung der Tiere ansprechen. Zu den Spurenelementen zählen ferner die Vitamine, die Träger der genannten Mikronährstoffe sind/sein können. Vitamine sind jene lebenswichtigen Wirkstoffe, die den Organismus mit Blick auf das Wachstum, auf die Fortpflanzung und Vitalität (Widerstandskraft gegen Erkrankungen) beeinflussen. Fehlen Vitamine oder werden sie dem Körper nur mangelhaft zugeführt, kann dies zu Mangelerkrankungen führen.
Die wesentlichsten Vitaminmängel äußern sich bei naturnaher Fütterung in den Wintermonaten bei heranwachsenden Jungtieren in der Skelettbildung. Skelettfehler werden dann von weniger erfahrenen Züchtern oft verwechselt mit „erblich bedingten Schäden“, die sich beispielsweise als O-Beine darstellen und als Vererbungshinweise notiert werden.
Rückgängige Fruchtbarkeit kann ebenfalls eine Vitaminfrage sein. Züchter der großen Rassen, die auf zeitige Würfe im neuen Zuchtjahr angewiesen sind, kennen das Problem bestimmt. Mit dem Bezug auf die ausbleibende Fruchtbarkeit tröstet sich der Zuchtfreund mit der Hoffnung, die Häsin sei nicht „hitzig“ oder „nimmt nicht auf, weil …“. Hier folgen dann Vermutungen, doch kaum eine, die einen Vitaminmangel betrifft.
Die Ursachen im Fall der Skelettfehler (Rachitis) wären der Mangel an ausreichenden und stimmigen Anteilen des Vitamins im Zusammenhang mit dem Verhältnis Kalzium und Phosphat im Futter der trächtigen, dann säugenden Häsin und der abgesetzten, heranwachsenden Jungtiere während der Winterfütterung. Störungen in der Fruchtbarkeit wären die Folge des fehlenden Vitamins A. Allgemein kann man sagen, bei einer naturnahen und vor allen Dingen abwechslungsreichen Fütterung werden keine zusätzlichen Vitamingaben erforderlich. Trotzdem ein Wort zu den wichtigsten Vitaminen und deren Bedeutung in der Kaninchenzucht.
Vitamin A: Das Karotin ist in Grünpflanzen und Möhren als ein gelblicher Farbstoff enthalten und gilt als Vorstufe zum Vitamin A. Es unterstützt die Funktionen der Schleimhäute und der Haut und spielt somit auch bei der Fruchtbarkeit eine Rolle, denn Vitamin A begünstigt die Einlagerung der befruchteten Eier in die Gebärmutterschleimhaut.
Vitamin B der B-Komplex: Unter dem Begriff „Vitamin B“ finden wir eine Gruppe von Vitaminen mit ganz bestimmten Wirkstoffen, dass unsere Kaninchen größten Teils im Blinddarm selbst produzieren und sich damit durch Aufnahme des Blinddarmkotes selbst versorgen. Ferner enthalten Grünpflanzen und gut geerntetes Heu dieses Vitamin. Ein Mangel an Vitamin B kann zur Beeinträchtigung des Nervensystems bis hin zu Lähmungen führen. Der erwähnte Blinddarmkot enthält überdies weitere wichtige Wirkstoffe, beispielsweise wird das Vitamin H diesem Komplex zugeordnet und heißt Biotin. Ein Biotinmangel begünstigt Wachstumsverzögerung bis Wachstumsstillstand und kann bei Kaninchen jeden Alters zu Hauterkrankungen (etwa Haarausfall) führen. Ein B- Komplex-Mangel kann zu Störungen der Darmflora führen.
Zitat: „Bei gesunden Kaninchen mit ungestörter Darmtätigkeit sind Mangelerscheinungen durch ungenügende Vitamin-B-Zufuhr nicht zu erwarten, da die Tiere in der Lage sind, die Vitamine dieses Komplexes selbst zu bilden. Störungen können eintreten, wenn die im Blinddarm und in den anderen Darmabschnitten lebende Mikroflora (Bakterien und Urtierchen) geschädigt wird. Die Mikroflora kann vollständig absterben, oder das Verhältnis zwischen den einzelnen Bakterien- und Protozoenarten (Protozoon = einzelliges Tier, Einzeller) ist gestört. Die Folgen sind dann regelwidrige Verdauungsvorgänge mit Gärungen (Trommelsucht) und oft blasigem Durchfall. Derartige Störungen können bei tierärztlich nicht kontrolliertem Eingeben von Medikamenten aus der Gruppe der Antibiotika auftreten. Diese Arzneimittel zerstören nicht nur Krankheitskeime, sondern sie bringen auch die nützlichen Bakterien zum Absterben. Weiterhin sind sie noch zusätzlich Vitamin-B-Zehrer; sie entziehen dem Körper Vitamine des B-Komplexes.“
Fazit: Richtige Fütterung auf natürlicher Grundlage kann den Tierarzt ersparen.
Vitamin C: Von diesem Vitamin sagt man, es werde von den meisten Haustieren, also auch von unseren Kaninchen selbst erzeugt. Bei der Fütterung der Kaninchen spiele es eine untergeordnete Rolle. Frische Grünpflanzen und Möhren sind Vitamin-C-Träger. Vitamin-C-Mangel beim Menschen ist die Ursache für Skorbut.
Vitamin D: Für die Bildung von Vitamin D im Kaninchenkörper hat die Natur bereits vorgesorgt. Mit Hilfe von Sonnenlicht (ultra- violetter Strahlung) wird dieses Vitamin unter der Haut der Tiere produziert. Angeraten wird deshalb auch beim Neubau von Kaninchenställen darauf zu achten, sie so auszurichten, dass die Tiere die Morgensonne genießen können. Wer das nicht einrichten kann, gibt in die Raufe frisches Grün (Klee, Luzerne) und Möhren, im Winter sonnengetrocknetes Heu. Auch das Vitamin D ist kein einheitliches Vitamin, sondern unterteilt sich in Vorstufen. Die wichtigsten sollen hier genannt sein: D2 und D3. D2 steht den Tieren im Winter über die Gabe gut geernteten Raufutters und D3 über die ultravioletten Lichteinflüsse zur Verfügung. Zu einem Vitamin-D-Mangel kann es bei den Kaninchen vorwiegend während des Wachstums und der Säugeperiode kommen. Die Folge ist Rachitis und war bereits erwähnt. Kalkmangel (= Rachitis) entsteht, weil Vitamin D die Ablagerung von Kalk in den Knochen der Tiere nicht mehr unterstützt. Rachitis ist somit eine Mangelkrankheit, die dem wachsenden Knochensystem keine zureichende Verknöcherung gestattet. Das führt dann zu schlimmen Verformungen des Skeletts (z. B. O-Beine, die noch das kleinere Übel wären). Bei Hä- sinnen, die ohne Zugabe des Vitamin D sowie anderen Vitaminen und Mineralstoffen auskommen müssen, setzt eine Entkalkung der Knochen ein (vergleichbar mit der Osteoporose beim Menschen). Und wie beim Menschen ist dies eine schmerzhafte Angelegenheit. Die Tiere können Knochenbrüche erleiden, ja sogar daran unter Krampfzuständen sterben. Doch hier gilt: Allzu viel ist ungesund, denn bei zu hohem D-Gehalt finden Kalkablagerungen nicht nur im Knochensystem statt, sondern auch in den Blutgefäßen und Nieren. Deshalb sei darauf verwiesen, eine gesunde Fütterung mit Vitamin-D-Spendern bedarf keiner Zugabe von Vitaminpräparaten. Korrekter Weise sei darauf hingewiesen, dass Rüben, Rübenblatt, Sauerampfer, Sauerklee und Weißkohl kalkzehrende Pflanzen sind. Doch Vitamin D alleine stabilisiert noch nicht die Knochensubstanz. Kalk/Kalzium und Phosphor gehören dazu und man setzt hier das Verhältnis 2:1 (zwei Teile Kalk und ein Teil Phosphor) als günstig an. Wiederholt sei die UV-Strahlung zur Eigenbildung des Vitamin D im Tierkörper aufgezählt. Doch ist bitte die Hitze der Mittagssonne (wie starke Hitze überhaupt) zu meiden, da sie von Kaninchen nicht schadlos vertragen wird.
Vitamin E: Allgemein und umgangssprachlich handelt es sich hierbei um das sogenannte Fruchtbarkeitsvitamin Tocopherol. Das allerdings ist zu gering geschätzt, denn dem E wird bescheinigt, es beeinflusst den Stoffwechsel sowie die Muskeltätigkeiten und reguliert Drüsenfunktionen. In einschlägiger Literatur benennen die unterschiedlichen Autoren Wechselbeziehungen der Vitamine A und E. Das heißt, wenn beispielsweise ein Vitamin-A-Mangel eintritt, könne dieser sogar durch Vitamin-E-Zufuhr behoben werden, da Tocopherol Vitamin-A-sparend wirken soll. Vitamin-E-Mangel bewirkt bei Rammlern Hodenstörungen und Störungen der Samenproduktion, bei Häsinnen finden sich gestörte Eierstockfunktionen bis hin zum Tod der Embryonen. Auch kleine Würfe oder „das Nicht-Aufnehmen“ können Folgen eines Mangels an A sein. Als schwerwiegender dürften die Einflüsse sein, die ein andauernder Vitamin-E-Mangel auf die Muskulatur haben kann. Es kann zu Muskeldystrophien (Dystrophie [Med.] = a. Ernährungsstörung; b. mangelhafte Versorgung eines Organs mit Nährstoffen) kommen, die eine Leistungsminderung bis hin zum Abbau der Körper- und Herzmuskulatur und letztendlich zum Tode führen. Viele Zuchtfreunde wissen das, schätzen daher die Verfütterung angekeimten Weizens oder der Weizenkeime. Huflattich und die Königin der Futterpflanzen, die Luzerne, zählen zu den Vitamin-E-Spendern. Ansonsten kann auch hier eine vielseitige, abwechslungsreiche Fütterung einem solchen Defizit vorbeugen.
Kleine Mengen mit großer Bedeutung: Spurenelemente
Noch ein Wort zu den Spurenelementen Eisen, Mangan, Chrom, Zinn, Selen, Kupfer, Kobalt, Zink, Fluor und Jod. Nur eine Spur von ihnen wird von unseren Tieren benötigt, um die Lebens- und Leistungsfunktionen abzusichern. Mangelzustände sind nur bei sehr einseitiger Fütterung zu befürchten. Hier gilt, wie im vorangegangenen Text angesprochen, die Aussage, dass die Inhaltsstoffe in den Pflanzen und Feldfrüchten wesentlich von der Bodenbeschaffenheit abhängen. Fehlen bestimmte Spurenelemente im Boden, werden sie auch in der auf diesem Boden herangewachsenen Pflanze oder Knollen- bzw. Wurzelfrucht nur ganz gering anzutreffen sein. Wer heute noch regelmäßig von Weg- oder Straßenrändern (Schadstoffbelastung!), von Ödland und ähnlichen Plätzen sein Viehfutter erntet, kann nicht sicher sein, dass auch die notwendigen Spurenelemente ausreichend mitgefüttert werden. – Eisen wer kennt nicht die Litanei der Mutter im Kindesalter: „Spinat musst du essen, sonst wirst du blutarm.“ Man weiß heute, dass der Spinat wohl weniger Eisen, dafür aber viel Vitamine A, der B-Gruppe und C aufweist, doch Mutters Spruch hat was für sich, denn Eisen, aber auch Kupfer und Kobalt haben im Organismus die Aufgabe der Blutbildung; genauer, sie regulieren die Bildung der roten Blutkörperchen. Passiert das nicht oder fehlen diese Spurenelemente, so führt das zur Anämie (Blutarmut = Reduzierung der roten und Ansteigen der weißen Blutkörperchen). Zu einem Kobaltmangel kann es kommen, wenn lange Zeit (z. B. während der Winterfütterung) minderwertiges Heu gefüttert wird.
Zum Jod, das in erster Linie die Schilddrüsenfunktion regelt, hier ein Zitat der Autoren Dr. Knorr und Dr. Wenzel: „Von anderen Haustieren ist bekannt, dass Jodmangel zu Störungen der Trächtigkeit und Geburt kranker Tiere führen kann. Meistens ist die Tragzeit verlängert, und die Jungen werden mit einem Kropf geboren… Weiterhin sind Fellschäden möglich. Häufig gehen so belastete Jungtiere bereits nach kurzer Zeit ein. Mit ähnlichen Symptomen ist auch bei Kaninchen zu rechnen, wenn sie mit dem Futter zu wenig Jod erhalten.“ Zusammenfassend gesagt gibt es keinen Anlass zur Sorge, wenn natürliches Futter in die Raufen und Näpfe unserer Kaninchen kommt, denn „Mutter Natur“ schafft mit dem Heranwachsen von Früchten, Gräsern, Wild- und Würzkräutern, Wild- und Kulturpflanzen einen reichhaltigen Speiseplan für die hoppelnden Vierbeiner.
Abschließende Betrachtungen zur Futterfrage
Wer allerdings keine reichen, auf dem Feld gewachsenen Vorräte für eine ausgewogene Winterfütterung anlegen kann, dem bleibt dann noch immer die „Fastfood-Tüte“ mit dem Zubrot. Wichtig ist bei jeder Fütterung natürlich das Tränken der Kaninchen. Nicht nur bei der Darreichung von Pellets ist Wasser für die Erschließung der enthaltenen Nähr- und Wirkstoffe im Futter notwendig. Zu jeder Jahreszeit benötigen Tiere das flüssige Lebenselixier. Obwohl im Grünfutter unterschiedlich Feuchtigkeit enthalten ist, benötigen die Tiere auch im Sommer ein frisches Nass für die Verdauung, Erfrischung und Stabilität des Kreislaufes.
Abschließend noch ein Beispiel, aus dem ersichtlich wird, wie abwegig der Geschmack unserer befellten Freunde sein kann. Eines meiner Tiere entwickelte sich schon sehr zeitig zu einem „Schmusetier“. (Ich denke auch das darf sein, wenn man sich zu dem Hobby bekennt und die Kaninchenzucht als solches betreibt). Es begleitete mich und meine damals sehr tierfreundliche Hündin, wohin wir auch gingen und durfte gelegentlich in die Wohnung. Auch dieses Tier lehrte mich, dass Kaninchen nicht nur Grünzeug, Möhren und Heu etc. bevorzugen, sondern mopste aus dem Hundenapf Fleisch, jawohl richtiges frisches Rindfleisch, wie es meine verwöhnte Hündin bevorzugte. Selbst ein Gemüseeintopf mundete und bekam dem kleinen Racker. Auch das beweist eigentlich, dass wir mit einer alleinigen Fütterung aus besagter Tüte wohl irgendwie daneben liegen.







