Erich Görner, „Das Blaue Jahrbuch“ 1982
Seiner allgemeinen Bedeutung wegen veröffentlichen wir aus „Pelze nähen nach Feierabend“ von Erich Görner (des gleichen Verlages) nachfolgenden Auszug:
Sie halten Kaninchen? Dann wollen Sie bestimmt auch Kaninfelle für Ihren Eigenbedarf veredeln lassen oder die restlichen Felle verkaufen. Niemand sollte Felle achtlos trocknen lassen oder gar vernichten. Der Rasse-Kaninchenzuchtverein in Ihrem Ort berät Sie zu Ihrem Vorteil gern.
Das Fell muss nach dem Schlachten sorgfältig und ohne Beschädigung abgezogen werden. Bei offener Spannweise muss das Fell genau auf der Bauchmitte aufgeschnitten werden. Auf jeden Fall muss die Spannung faltenlos erfolgen. Auch dürfen sich keine Hautfalten bilden. In ihnen würde sonst Fäulnis entstehen, und die Haarwurzeln würden anfaulen. Man verwende einen im Handel erhältlichen Fellspanner aus Draht oder aus Holz, oder man stelle ihn selbst her. Das Fell zieht man stets mit der Lederseite nach außen auf, ohne es übermäßig auszudehnen. Das Fell wird rechts und links unten befestigt.
Das Trocknen der Felle erfolgt an der Luft oder auf dem Speicher. Ofennähe und Sonne sind zu meiden (auch im Winter!), da sonst das Leder roh „verbrennt“ und damit wertlos wird. Von den aufgespannten Fellen kratze man mit einem stumpfen Gegenstand (z. B. Löffelstiel) noch anhaftende Fett- oder Fleischteile ab, da sich auch darunter Fäulnis bilden kann, die Kahlstellen verursacht.
Wenn die aufgespannten Felle an den Ohrmuscheln und an der Blume trocken, aber auch wirklich trocken sind, können sie von den Spannern abgenommen und gelagert werden.
Rohfell-Lagerung
Viele Züchter und Züchterfrauen sind der Meinung, getrocknete Felle müssten, so wie getrocknet, auch bis zum Versand luftig gelagert werden. Sie lassen die trockenen Felle gegebenenfalls gleich auf den Fellspannern hängen in der Annahme, hier seien sie am besten aufgehoben. Sind sie jedoch veranlasst, die Felle abzunehmen, ziehen sie in der Regel einen Bindfaden oder ein Stückchen Draht durch die Augenlöcher, bündeln die aufgespannten 86 Winterfelle und hängen sie schön luftig in Speicher oder Schuppen im besten Glauben, die Felle fachmännisch einwandfrei gelagert zu haben. Schon im Winter oder zu Beginn des Frühjahrs aber stellen sich, vom Züchter meist unbemerkt, Mäuse, Fliegen und Motten ein; sie fressen die Felle kahl, legen in ihnen ihre Eier ab bzw. errichten darin ihre Nester. Schon nach kurzer Zeit führt eine neue Generation von Ungeziefer und Nagern das Zerstörungswerk fort, und noch immer ist der Züchter ahnungslos. Erst wenn die Haare in Flocken von den ach so einwandfrei gelagerten Winterfellen herabschweben, wird ihm bewusst, dass mit seinen schönen Fellen nicht alles in Ordnung sein kann. Noch voller Stolz nimmt er das Bündel Felle ab und stellt jetzt erst mit Schrecken fest, dass Mäuse oder Motten seine Felle übel zugerichtet haben. Die Fellhaare sind abgefressen, in der Fellhaut befinden sich Löcher. Falls solche Felle sich überhaupt noch zur Zurichtung eignen, ist es die erste Arbeit der Züchterfrau, die Felle nach der Zurichtung zu reparieren. Am besten werden getrocknete Rohfelle – wirklich trocken sind sie dann, wenn die Ohrmuscheln völlig trocken sind – in einem Karton gelagert; ein Eierkarton z. B. hat die richtige Größe. Zwischen und in die Felle werden Sägespäne gestreut. Der Schutz lässt sich dadurch erhöhen, dass man die Sägespäne noch mit etwas Motten- oder einem Fliegenvernichtungsmittel übersprüht. Je dichter die Polster aus Sägespänen zwischen den Fellen sind, desto besser. So gelagert, haben Rohfelle vor Motten, Fliegen und Mäusen Ruhe. Sie können bis in das Frühjahr hinein gesammelt und wegen der Höhe des Portos oder der Fracht zusammen zum Versand in eine Zurichterei gebracht werden.
Vom Selbstgerben
Das Selbstgerben ist keineswegs zu empfehlen. Im wohlverstandenen eigenen Interesse glaube man nicht an die Schalmeienklänge der Selbstgerbung, auch wenn sogar Rezepte für die Zurichtung der Felle angeboten werden. Was nützt es schon, zu wissen, welche Salze, Fette und andere Chemikalien in welcher Menge man benötigt! Nicht diese Kenntnisse allein sind es, die ein Gerber im Laufe seines Berufslebens erlernt. Wesentlich wichtiger sind die Erfahrungen eines ganzen Berufsstandes, sind die Apparaturen, die nun einmal dazugehören. Auch erhält man die benötigten Mittel nicht in kleinen Mengen etwa so abgepackt wie Backpulver oder Vanillezucker oder flüssig in Flaschen wie Hustensaft, sondern abgefüllt in großen Glasballonflaschen und schweren Stahlblechbehältern.
Wer dennoch meinen gutgemeinten Rat verwirft und glaubt, seine Felle selbst zurichten zu wollen, wird am Ende mit Sicherheit enttäuscht sein. Er wird schon das erste der eingeweichten Felle, ein rutschiges, schleimiges und übelriechendes Ding, dessen Zustand nicht im Entferntesten mit einem frisch abgezogenen Fell zu vergleichen ist, kaum in die Hand nehmen wollen. Er wird es vielmehr sofort wegwerfen und vergraben. Vom Wunsch des Selbstgerbens wird er geheilt sein und einen nicht geringen finanziellen Verlust zu tragen haben.
Als Fachmann mit lebenslanger Praxis kann ich mit gutem Gewissen sagen: Es ist dem Laien nicht möglich, seine guten Winterfelle ebenso weich zuzurichten, wie dies der Fachmann für wenig Geld, d. i. für etwas mehr als einen halben Stundenlohn, problemlos besorgt. Einwandfrei zugerichtete Felle lassen sich zu schönen Pelzgegenständen verarbeiten, die auch hohen Anforderungen genügen. Dagegen lassen sich selbst die besten Winterfelle, die einwandfrei aufgespannt und getrocknet, vom Züchter aber in stundenlanger Arbeit selbst zugerichtet worden waren, höchstens als Einlegesohlen verwenden. Denn durch solche Felle geht keine Nähnadel hindurch.
Große Vorsicht und Skepsis ist auch gegenüber den sog. Billigangeboten angebracht. Jeder von uns, die wir meist selbst an der Herstellung irgendeiner Ware beteiligt sind, wissen, dass gute Ware ihren Preis hat und Billigware mit einwandfreier Ware nicht zu vergleichen ist.
Versand der Rohfelle
Die Rohfelle sind so rechtzeitig zum Versand zu bringen, dass die für die kalte Jahreszeit in Aussicht genommenen Pelzstücke rechtzeitig fertigzustellen sind. – In Züchterkreisen wird gelegentlich empfohlen, man solle vor dem Versand bei verschiedenen Zurichtereien Angebote für die Zurichtung von 30, 40 oder 50 Rohfellen einholen und sie am Ende der kostengünstigsten zugehen lassen. Dazu ist zu sagen: Die Zurichtung erfordert in allen Zurichtereien die gleichen Arbeitsgänge. Auch die Arbeitszeit ist in etwa die gleiche, die Stundenlöhne sind es meist ebenfalls. Entscheidend in solchen und anderen Fällen ist ja immer das Verhältnis zwischen Qualität und Preis; Kosteneinsparungen sind nur durch Vernachlässigung der Qualität möglich. Man höre sich in Züchterkreisen um und sammle gegebenenfalls selbst Erfahrungen. Unsere deutschen Zurichtereien sind gut genug, um gute Rohfelle in einwandfreier Qualität kostengünstig zuzurichten.
Wenn die Entscheidung über die Zurichte-Firma getroffen ist, sind die Rohfelle aus den Sägespänen zu nehmen. Man hat sie auszuschütteln und auszuklopfen, denn diese Sägespäne sind in der Zurichterei nicht gefragt. Falls noch nicht geschehen, werden neben den Hinterpfoten noch die Vorderpfoten, der Kopf und die Blume abgeschnitten. Bei Verkaufsfellen sind diese Teile nicht abzuschneiden. Dann sind sie von der Bildfläche verschwunden und erinnern nicht mehr an ein Tier mit großartiger Form, vorzüglichem Fell und herrlicher Farbe.
Man lege die Felle aufeinander und schnüre sie, nach Rassen getrennt, in Bündeln zu je 10 Stück zusammen. Dann werden sie in einen Karton verpackt. Man beachte: Die Felle dürfen nicht geknickt werden! Jute-, Papier- oder Plastiksäcke sind nicht zu verwenden, auch keine übergroßen Kartons, denn sie würden von der Post als Sperrgut behandelt werden, und dies würde einen Zuschlag bedeuten. Hinzu kommt eine Zustellgebühr je Paket. Die Zustellkosten werden bekanntlich bei der Rücksendung der zugerichteten Felle von der Firma in Rechnung gestellt. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, die Rohfelle in Päckchen zu verschicken. Päckchen dürfen 15×30×60 cm groß sein. In einem Päckchen dieser Größe (2 kg schwer) haben etwa 12 Felle mittel- großer Rassen Platz, wenn zuvor Kopf, Pfoten und Blume entfernt worden sind.
Wer es für notwendig hält, möge seine Rohfelle kennzeichnen. Nur sollte man wissen, dass beim Entfleischen durch jedes Lochzeichen, das in ein Fell gestochen wird, zusätzliche Löcher entstehen können. Durch kleine Löcher nebeneinander werden aber große Perforationen in das Fell gerissen; u. U. nimmt es erheblichen Schaden. Andererseits ist die Kenntlichmachung der Felle durch Gummistempel, Tintenstift oder Kugelschreiber nicht nur zwecklos; die Farbstoffe lösen sich während der Zurichtung auf und hinterlassen in den Fellen deutliche Farbflecke.
Nicht vergessen aber darf werden, der Sendung eine ausführliche Liste mit Namen, vollständiger Adresse des Absenders und einer Aufzählung der Felle beizulegen. Es genügt nicht, zu erwähnen: „10 Kanin zurichten.“ Vielmehr ist eine genaue Aufstellung notwendig wie: 5 Helle Großsilber, 2 Engl. Schecken schwarz- weiß, 1 Holländer schwarz-weiß, 1 Holländer blau-weiß, 1 Gelb- Silber. Auf diese Weise ist eine Verwechslung von Fellen weitgehend ausgeschlossen. Die Firma wird bereits beim Auspacken einer Sendung selbst jedes einzelne Fell mit einem Lochstempel versehen; ein solcher ist auf dem zugerichteten Fell zu sehen. Dabei pflegt sie jede Stempelnummer auf der Sammelliste des Züchters einzutragen. Sie tut dies nicht nur im eigenen Interesse; vielmehr ist die Anbringung eines Lochstempels gesetzliche Pflicht. Denn es muss die Gewähr gegeben sein, dass die einzelnen Felle eines Züchters aus den großen Fellpartien einer Zurichterei einwandfrei wieder aussortiert werden können.
Von der Sammelliste fertige man sich zur Kontrolle eine Kopie an; am besten ist ein Durchschlag. Das Original lege man nicht einfach in den Karton oder stecke es in ein Fell, sondern man befestige es auf dem obersten Fell des Paketes oder Päckchens. Sollte die Sendung aus mehreren Kartons bestehen, so wird man neben der Versandadresse vermerken, in welchem Karton sich die Liste befindet. Auf diese Weise erspart man der Firma ein langes Suchen nach ihr und sich selbst unnütze Kosten, denn das Suchen erfordert Zeit, Arbeitszeit, und sie muss in irgendeiner Form auf die Ware umgelegt werden.
Zurichtung
In der Rauchwarenzurichterei – hier arbeiten fast ausschließlich Lohnbetriebe – werden die Felle zunächst von den zur weiteren Verarbeitung überflüssigen Teilen wie Kopf, Pfoten und Blume befreit und dann in der Bauchmitte aufgeschnitten. Danach wer- den sie in großen gemauerten und gefliesten Behältern eingeweicht. Da auch in der Rauchwarenindustrie rationalisiert werden musste, haben diese Behälter der Einfachheit halber einen Boden erhalten, der zu öffnen ist: Wenn die Felle weich genug sind, fährt man einen stabilen Wagen darunter und öffnet den Behälterboden. In wenigen Augenblicken ist der Behälter von Hunderten von eingeweichten Rohfellen entleert.
Die nächste Arbeit an den nassen und klitschigen Fellen besteht darin, alle noch anhaftenden Fett- und Fleischteile zu entfernen, die Felle also zu entfleischen. Dies geschieht z.T. durch die Maschine; ein Teil der Felle aber muss von den restlichen Fett- und Fleischteilen noch immer in Handarbeit auf der Zurichtebank mit Hilfe des Fleischmessers befreit werden. Es sind jene Teile des Felles, die Handarbeit erfordern, in die der Züchter beim Schlachten mit dem Messer hineingeschnitten hat oder an denen es am lebenden Tier noch einige schwarze Flecken hatte und nicht völlig durchgehaart war. Ebenfalls Handarbeit benötigen Bissnarben, die sich die Tiere in ihrer Jugend beigebracht hatten, weil sie nicht frühzeitig genug getrennt worden waren. Beim Entfleischen durch die Maschine können solche Bissstellen leicht ein noch größeres Ausmaß annehmen.
Nach dem Entfleischen müssen die Felle gebeizt werden, d.h. das Leder wird durch Gerbstoffe chemisch umgewandelt. Gegebenenfalls sind einzelne Felle mehrere Male zu beizen. Nach jedem Beizvorgang müssen die Felle in Heizkammern getrocknet wer- den. Bevor die Felle zum letzten Mal getrocknet werden, werden sie auf der Dünnschneidemaschine auf eine gleichmäßige Leder- stärke gebracht. Danach werden sie maschinell gestreckt. Damit wird verhindert, daß sie verkleben.
Nun werden die gebeizten, dünn geschnittenen und gestreckten Felle „geschmiert“. Sie werden mit chemischer Butter, die aus Emulsionen wie Tran und anderen Fetten besteht, auf der Lederseite eingestrichen. Schließlich werden sie noch einmal getrocknet und nochmals gestreckt; sie sind nunmehr griffig und zügig.
Nächster Arbeitsgang ist die Läuterung der Felle. Dies geschieht in großen, sich drehenden, mit Hartholzspänen gefüllten und reichlich erwärmten Läufertrommeln. Die Sägespäne saugen
Fett und andere Rückstände aus den Fellhaaren; gleichzeitig wird das Fell noch einmal durchgearbeitet. In der folgenden Läutertrommel, die mit Maschendraht bespannt ist, werden die Felle von den Sägespänen befreit. Man sagt, sie werden geschüttelt". Zuletzt werden die Felle „geputzt“, d. h. die filzigen Stellen im Haar werden entfernt.
Vor der Weiterverarbeitung zugerichteter Kaninfelle
Voll gespannter Erwartung fiebert man zum ersten Mal der Rücksendung seiner Winterfelle entgegen. Dass sie einwandfrei zugerichtet sind, darf vorausgesetzt werden. Unmittelbar nach dem Auspacken kontrolliert man die Felle anhand der Kopie seiner Sammelliste. Reklamationen sind postwendend oder noch besser telefonisch zu erstatten.
Man dreht und wendet die Felle, prüft, plant und beschließt, was alles aus den Fellen hergestellt werden soll und kann: Kissen, Wandteppich (keinen Teppich für den Fußboden, versteht sich), Schlafdecke, Kinderbekleidung, Jacke, Mantel. Die Entscheidung ist eine gemeinsame Angelegenheit von Züchter und Züchterfrau. Denn beide haben Wünsche, und beide tragen ihr Teil zum neuen Pelzstück bei. Natürlich hat man schon lange einen geheimen Wunsch gehegt; seine Erfüllung steht bevor. Wir Kaninchenzüchter sind ja in der glücklichen Lage, über Rassen mit herrlichen Pastellfarben zu verfügen, deren Felle eine Weiterveredlung nicht benötigen und die Gestehungskosten erfreulich in Grenzen halten.
Ein Pelzstück aus naturfarbenen Fellen ist ein Spiegelbild des persönlichen Geschmacks. Die unterschiedlichen Farben eröffnen ein weites Betätigungsfeld; eine modisch orientierte Frau wird selbst ihre Haarfarbe berücksichtigen. Auch ist zu entscheiden, ob die Verarbeitung der Felle je nach Geschmack und der Figur der Trägerin ganzfellig lang oder ganzfellig quer, halbfellig lang oder halbfellig quer erfolgen soll. Schließlich soll die Erscheinung einer jeden Frau angenehm beeindrucken. Auch möge man nicht über- sehen, dass jede Trägerin von Kaninpelzen Reklame macht für oder gegen ein Kaninpelzstück, für oder gegen eine Rasse, für oder gegen die Kaninchenzucht schlechthin.
Natürlich wird jede modebewusste Frau, die sich ständig wandelnden Moderichtungen verfolgen und sich darauf einstellen. Bei Jacken und Mänteln meist gefragt sind Länge (bzw. Kürze) und Längs- oder Querstreifung. Die Längsstreifung streckt die Trägerin, die Querstreifung hat dagegen den Vorzug, dass man ein Pelzstück verlängern oder kürzen kann oder schadhafte Stellen sich ausbessern lassen.
Viele Züchterfrauen haben sich der Frauengruppe eines Kaninchenzuchtvereins angeschlossen. Wer noch nicht Mitglied einer Frauengruppe ist, sollte sich im eigenen Interesse dazu entschließen. In den Frauengruppen werden unter sachkundiger Anleitung von Kursleiterinnen für die Fellverarbeitung Bastelstunden abgehalten; es werden Erfahrungen ausgetauscht und Hilfen angeboten. Man lernt vieles, bekommt einen neuen Gesichtskreis und findet nicht selten Freunde. Allein dies bedeutet für so viele Menschen eine echte Bereicherung, gerade in unserer Zeit der verbreiteten Vereinsamung. Nicht zuletzt bereitet das Pelznähen als Feierabendbeschäftigung Entspannung und Freude gerade dann, wenn man nicht unter Terminzwang steht und von erfahrener Seite beraten wird. Weil die Arbeit Freude bereitet, für sich selbst, den Mann oder die Familie gedacht ist und weil man echte Werte schafft, werden die Arbeiten auch gelingen. Freilich ist es unerlässlich, sich zunächst an kleinen Stücken zu versuchen und Erfahrungen zu sammeln, denn auch in der Pelznäherei ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ohnedies ist es kein Nachteil, wenn man vom Schneiderhandwerk einiges versteht. Man muss vor allem mit dem festen Willen klein beginnen: falscher Ehrgeiz schadet auch hier. Mit dem Erfolg aber wachsen die Ziele, wächst die Freude. Und mehr sollte man nicht erwarten.
Sortieren der Felle
Je nach seinen Ansprüchen wird man die Qualität der vorhandenen Felle kritisch beurteilen. Bei größeren Pelzstücken lohnt es sich immer, eine größere Anzahl von Fellen gerben zu lassen und dann zu sammeln. In der Regel rechnet man mit mindestens der doppelten Anzahl. Für den Züchter bedeutet dies die Fellernte von drei oder mehr Jahren. Die wenigen Felle, deren Naturfarbe dem Sortiment nicht entspricht, können zu Stücken verarbeitet werden, zu denen man lediglich ein oder zwei Felle benötigt. Sollten sie sich auch hierfür nicht eignen, steht dem Züchter noch immer die Färbung frei. Einzelne Felle eignen sich prächtig zur Herstellung persönlich recht ansprechender Geschenke, oder die daraus gefertigten Gegenstände können Basars oder anderen Wohltätigkeitsveranstaltungen überlassen werden.
Das anzusammelnde Sortiment ist einwandfrei aufzubewahren. Man wird die Felle, wenn sie aus der Zurichtung zurückgekommen sind, in einen Karton legen, der etwas größer ist als das größte Fell. Zwischen jedes Fell legt man einen Bogen Zeitungspapier, das nicht druckfrisch sein darf. Die auf diese Weise gelagerten Felle lassen sich mehrere Jahre lang mottensicher aufbewahren. Felle, für die nur ein zu kleiner Karton zur Verfügung steht, sind zu falten; bei jahrelanger Lagerung entstehen Schadstellen.
Wenn man nun ein entsprechend großes Sortiment von Fellen gesammelt hat, so sind die einzelnen Felle nach Farbe und Zeichnung bzw. nur nach Farbe auf folgende Weise zu sortieren.
Die einzelnen Felle werden halbfellig nebeneinander gelegt. Sie werden dann 5- oder 7stückweise (5 oder 7 Felle benötigt man für die Weite eines Mantels) oder 2- oder 3stückweise der Länge nach übereinandergelegt. Dabei wird man feststellen, dass die Felle zahlreiche Farbnuancen besitzen, obwohl sie doch alle von einer Rasse sind und aus der eigenen Zucht stammen. Unter den naturfarbenen Fellen sind welche mit grünlichen, bräunlichen oder rötlichen Farbtönen. Die Farbunterschiede sind nicht selten so groß, dass aus den vorhandenen Fellen selbst bei guter Qualität sich kein schönes Pelzstück arbeiten lässt. Was tun? Um ein farblich gut sortiertes Pelzstück arbeiten zu können, bieten sich zwei Möglichkeiten an:
1. Man wartet noch ein oder zwei Jahre, bis die Felle auch dieser Zuchtjahre zugerichtet sind und mit einsortiert werden können. Freilich weiß man nie, was dann Mode sein wird, und modisch sollte man wenigstens in bescheidenem Maße sein.
2. Mehrere Züchter gleicher Rasse, sei es eines Vereins oder eines Spezialklubs, lassen ihre Felle von der gleichen Firma zurichten – selbstverständlich getrennt, damit sich nach der Rücksendung feststellen lässt, welche Felle man in die gemeinsame Sortierung eingebracht hat. Natürlich müssen sämtliche Felle von gleicher Größe und Qualität sein. Auf diese Weise können alle Züchterfrauen ihr Pelzstück schon im ersten Jahr anfertigen, wenn auch nicht nur aus eigenen Fellen. Dass man mit dieser Methode auch Unfrieden stiften kann, liegt auf der Hand. Deshalb dürfte die praktischste Lösung sein: Man verlost die einzelnen Sortimente nach der Sortierung. – Bei der Sortierung mitzuhelfen wäre eine echte Aufgabe der Klubs. Denn auf Grund der im Laufe eines Jahres anfallenden Felle fällt es gerade einer größeren Organisation leichter, Sortimente guter Farben der einzelnen Rassen zusammenzustellen. Sehr oft muten die Kassenbücher der Klubs und der Vereine sehr, sehr bescheiden an, so dass für zucht- und rassefördernde Maßnahmen kaum Mittel zur Verfügung stehen, obwohl eine Förderung für den Fortbestand von Klub und Verein dringend geboten wäre. Um diesen Zustand zu bessern, ist eine völlig legale Selbsthilfe dadurch gegeben, dass ein Klub bzw. ein Verein solche Felle, die die einzelnen Züchter selbst nicht verwenden, in deren Namen verkauft. Der beteiligte Züchter wäre für jedes beigesteuerte Rohfell zu entschädigen, der Zurichtebetrag anteilig zu vergüten. Der Mehrerlös fiele der Klub- oder Vereinskasse zu. Entsprechend den innerhalb eines Jahres angefallenen Fellen könnte der angesammelte Betrag mitunter sehr beachtlich sein.
Pelze nähen am Feierabend

Anleitung zur Verarbeitung von Kaninchenfellen
von Erich Görner, illustriert von Erich Görner und Paul G Möbs, Vorwort von Erich Görner und Vorwort von Paul G Möbs
48 Fotos, 17 Zeichn.
Einband – flex. (Paperback) , Softcover 110 Seiten Maße 21 x 14,8 cm, 190 g.
2., überarb. u. erw. Aufl. Verlag Oertel u. Spörer
Erscheinungsjahr 1985
ISBN X
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