Dr. med. vet. Michael Berger

Stadtveterinärdirektor in Mülheim a. d. Ruhr

„Das Blaue Jahrbuch“ 1988

Einleitung Bei der Durchsicht der einschlägigen Literatur fällt auf, dass Ausführungen zur Stallhygiene häufig nur Randbemerkungen zu anderen Themen darstellen. Wer die Disposition der Kaninchen besonders für Erkrankungen des Darm- bzw. Atmungstraktes kennt und sich mit den Ursachen dieser Krankheiten gründlich auseinandergesetzt hat, weiß, welche herausragende Bedeutung Hygienemaßnahmen für die Vorbeugung besitzen. Deshalb soll hier versucht werden, den Stellenwert der Stallhygiene für die Kaninchenzucht und -haltung herauszuarbeiten. Hygiene ist nichts anderes als die Lehre von der Erhaltung der Gesundheit. Tierhygiene umfasst alles, was der Bewahrung des gesunden Tieres dient. Sichere Hygienekenntnisse erleichtern und dienen der Gesundheitspflege. Ziel aller Hygienemaßnahmen ist es, Krankheiten zu vermeiden, und damit den Gang zum Tierarzt überflüssig zu machen. Das dies nicht immer gelingt, wird mancher Züchter, Halter und Mäster von Kaninchen schon des Öfteren erfahren haben. 1. Der Stall Mit der Stallhaltung ist eine Vielzahl von Gesundheitsgefahren verbunden. Die Anhäufung vieler Tiere gleicher Art und Anfälligkeit für dieselben Infektions- (Ansteckungs-) und Invasions- (Parasitäre-) Krankheiten auf engem Raum stellt eine ernstzunehmende Gefahr dar. Dies wird schon dadurch deutlich, dass die Tiere am gleichen Stallplatz ihr Futter bekommen, Kot und Harn absetzen, ihre Jungen gebären und aufziehen. So wird z. B. durch die Ausdünstung und Atmung, durch die Zersetzung von Kot und Harn die Stalluft stark belastet. Deshalb sollte gerade jede Veränderung der Luftbeschaffenheit unsere besondere Aufmerksamkeit verdienen. Natürlich unterscheiden sich die Gegebenheiten in Kaninchenaußenställen von denen in Innenställen und diese wiederum von der Intensivhaltung in Batterien zur Produktion von Fleisch- und Versuchskaninchen.

Der Stall soll als dauernder Lebensraum allen Vitalansprüchen der Kaninchen gerecht werden. Insbesondere soll er Schutz vor allen nachteiligen Witterungseinflüssen wie Wind und Wetter, Kälte und Nässe bieten. Gesundheitsfördernd wirken in erster Linie Licht, frische und reine Luft, im Winter Sonne, in den heißen Sommermonaten (Juli, August) genügend Schatten und Luftbewegung sowie ausreichende Bewegungsmöglichkeiten in trockenen, geräumigen Ställen.

a) Der Bauplatz

Schon die Wahl des Bauplatzes ist für die Erhaltung der Stallhygiene von Bedeutung. Der Baugrund soll trocken sein und über dem höchsten Grundwasserstand liegen. Die Stallwandseiten (bei Innenställen), die Türen bzw. Fenster aufnehmen sollen, müssen die Windrichtung und die Sonneneinstrahlung berücksichtigen. In Anbetracht des Wärmehaushaltes im Stall ist gegen eine nach Süden gerichtete Hauptfensterfront nichts einzuwenden. Dies würde auch für die Ausrichtung von Außenställen gelten. Damit würden auch die bei uns üblichen Ost- bzw. Westwinde von der Stallhauptfront ferngehalten werden. Gegen eine nach Westen gerichtete Stallfrontseite spricht deren starke Erwärmung im Sommer bis zum Abend, die als Folge unweigerlich Fliegen anlockt, die dann nach Sonnenuntergang in den Stall einwandern. Häufig wird man durch die örtlichen Gegebenheiten des Gartens bzw. des Grundstückes und der Lage zwischen den einzelnen Häusern gar keine Wahlmöglichkeit haben. Dann muss man versuchen, alle klimabedingten Nachteile nach Möglichkeit auszuschalten. Auch dann sollte die nach Süden gerichtete Front die meisten Fenster haben und die Wetterseite wenig bzw. gar keine Fenster, dafür aber eine besondere Wärmedämmung besitzen.

b) Stallgröße

Die Stallgröße richtet sich nach der Zahl der aufzunehmenden Tiere und der dafür erforderlichen Boxen. Allgemein üblich ist in der Rassekaninchenzucht die Haltung in Einzelboxen. Dadurch sind die Voraussetzungen für die Gesunderhaltung der Tiere und eine gewissenhafte Zucht gegeben. Die Boxen werden über und nebeneinander angeordnet, wodurch die Etagen- bzw. Reinställe entstehen. Für den ambitionierten Rassekaninchenzüchter sollte der Stall mindestens 24 Einzelboxen umfassen ein Mehr ist immer besser – lässt es doch auch eine gewisse Stallreserve zu. Im Laufe von drei Jahrzehnten habe ich Stallanlagen mit bis zu 300 Einzelboxen bei Züchtern gesehen. Dies ist aber doch wohl die Ausnahme; die Mehrzahl der bekannten Züchter besitzt zwischen 30 und 50 Boxen.

Natürlich stellt sich die Frage der Boxenzahl bei Mastställen völlig anders. Hier spielen letztendlich nur wirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle. Nicht nur das neue Tierschutzgesetz (seit dem 1. 1. 1987 in Kraft), sondern auch unser Eigeninteresse sollte uns anhalten, geräumige Ställe zu bauen. Die meisten kennen die Mindestgröße für Kaninchenställe, sie sollen hier aber nochmals aufgeführt werden, und zwar mit dem Hinweis, dass hier tatsächlich „Mindestgrößen“ gemeint sind:

Kaninchenrassen Breite Tiefe Höhe

cm cm cm

Große Rassen 100 80 60

Mittelgroße Rassen 80 80 55

Kleine Rassen 60 80 50

c) Außenstall/Innenstall

Im Freien errichtete Außenställe besitzen keine schützenden Umbauten. Während Seitenwände, Boden und Dach meistens aus festem Holz gebaut sind, ist die durch Drahttüren abgegrenzte Frontseite offen. Die Vorteile der Außenställe sind einleuchtend. Bessere Belichtung, günstige Luftverhältnisse, eine der Umwelt angepasste Luftfeuchtigkeit. Außenställe tragen ohne Frage zur Festigung der Konstitution bei. Die Tiere werden widerstandsfähiger und bilden ein besseres Fell aus. Dass Kaninchen Temperaturen von unter 10°C gut vertragen, ist allgemein bekannt. Selbst trockener Frost kann ihnen wenig anhaben.

Natürlich benötigen die Tiere bei niedrigen Außentemperaturen zur Aufrechterhaltung des intensiveren Stoffwechsels gehaltreicheres Futter. Bei außenstehenden Ställen ist darauf zu achten, dass sie Schutz gegen Wind, Regen und zu starke Besonnung bieten. Stallkaninchen sind Halbschattentiere und sollten nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden. Deshalb sollte bei Außenställen das Dach so weit vorspringen, dass es Schutz vor Wind, Schlagregen, Sonne und Schnee gewährleistet. Die Vorteile der Innenställe liegen auf der Hand. Hier ist der Schutz vor Witterungseinflüssen besser erfüllt. Dies gilt gleichermaßen für Tiere und Züchter bzw. Pfleger. Wichtig ist hier die Erzielung eines angemessenen Stallinnenklimas.

d) Stallraum und Klima

Der Stallraum wird in verschiedener Weise von seinem Standortklima beeinflusst. Die Richtung der Hauptfensterfront ist für die Erhaltung eines hohen Wärmestandes der Stalluft im Winter als auch zur Vermeidung einer zu hohen Erwärmung im Sommer von großer Bedeutung. Bei gleicher Fensterfläche ist der Sonnenfangwert der nach Süden gerichteten Wand am größten und hin- sichtlich der Erhaltung eines hohen Wärmestandes der Stalluft im Winter günstig. Um eine ausgiebige Durchlüftung zu gewährleisten, müssen Eintritts- bzw. Austrittsstellen der Luft möglichst weit voneinander entfernt liegen. Ihr senkrechter Abstand ist für die Aufstiegswirkung der Luft, der senkrechte und waagerechte Abstand für die Durchlüftung aller Teile des Raumes von größter Bedeutung. Die ständig wirksame Wärmequelle der Stalltiere sorgt für eine ununterbrochene Vertikalbewegung der Luft. Völlig unabhängig vom Wärmestand und vom Wind ist die Entlüftung durch mechanisch betriebene Ventilatoren (Zwangsentlüftung). Diese Installation ist letztlich eine Kostenfrage, sollte aber heutzutage durchaus erschwinglich sein. Die Zwangsentlüftung ist so einzurichten, dass je Kilogramm Besatz 1 bis 5 cbm Luft je Stunde regelbar umgewälzt werden. Dabei ist bei der Luftführung darauf zu achten, dass in den Käfigen keine Zugluft auftritt, die häufig für Erkrankungen der Atmungsorgane und der Augen verantwortlich ist. Die optimale Temperatur sollte möglichst zwischen 13 und 20°C liegen. Im Häsinnenstall sollen Temperaturen von 18 – 21°C erreicht werden. Die Ausgeglichenheit der Temperatur ist besonders wichtig, deshalb sollten alle krassen Temperaturschwankungen vermieden werden: Die relative Luftfeuchtigkeit soll 55% nicht unter – und 70% nicht überschreiten. Zu hohe wie auch zu niedrige Luftfeuchtigkeit fördert die Disposition zu Krankheiten.

Zu trockene warme Luft reizt die Schleimhäute der Atmungsorgane und stellt einen wichtigen Faktor für die Anfälligkeit der Kaninchen dar.

Dass Kaninchen keine große Lichtintensität brauchen, wurde bereits erwähnt. Vor allen Dingen grelles Licht sollte vermieden werden. Die Fensterfläche sollte lediglich 1/20 der Stallgrundfläche betragen. Bei einem geschalteten Lichtprogramm sollte der Lichttag etwa 14 Stunden pro Tag dauern. Dies ist für die Fruchtbarkeit im Herbst und Winter besonders wichtig.

e) Inneneinrichtung

Die Einrichtung der Ställe sowie die Unterbringung des Gesamtinventars sind überlegt und nach Hygieneprinzipien anzuordnen. Die Käfige sind in einer Front über- bzw. nebeneinander zu bauen, wobei ein genügender Bodenabstand von etwa 35 cm zu fordern ist, um auch unter den Stallungen eine gründliche Reinigung zu ermöglichen. Im Regelfall stehen nur 3 Boxenreihen übereinander, da ansonsten eine vierte obere Reihe kaum einzusehen ist und sowohl bei der Reinigung als auch bei der Fütterung der Tiere erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Die Futternäpfe und Tränkeeinrichtungen sollten nach Möglichkeit nicht am Boden, sondern an den Wänden platziert werden, damit jede Verunreinigung unterbleibt. In den Mastställen sind diese Gerätschaften (besonders die Futterautomaten) in der Frontseite untergebracht.

Wichtig ist, dass Futter- und Wassernäpfe leicht herauszunehmen und zu reinigen sind. Die seit längerem auf dem Markt befindlichen V2A-Schalen in unterschiedlicher Größe sind ausgezeichnet geeignet. In zunehmendem Maße findet man auch bei den Rassekaninchenzüchtern die strohlose Aufstallung. Die Ställe sind mit leicht zu reinigenden Kunststoffwannen und darüber befindlichen Sitz- gittern bzw. Gitterrosten ausgestattet. Hier kommen die Tiere mit ihrem eigenen Kot kaum in Berührung und somit ist hier eine wirksame Vorbeugung gegen Coccidioseerkrankungen und Wurminfektionen gegeben. Bei einer derartigen Aufstallung ist allerdings für eine ausreichende Rauhfuttergabe (Heu) zu sorgen.

2. Reinigungs- und Pflegemaßnahmen

Die wichtigste Voraussetzung für die Erzielung einer ausreichenden Stallhygiene ist Sauberkeit. Deshalb müssen in regelmä0igen Abständen alle Boxen und Geräte, aber auch der Stallraum, einer gründlichen mechanischen Reinigung unterzogen werden. Hier ist eine wöchentliche Reinigung allgemein üblich. Die Reinigung der Ställe beginnt immer mit dem Ausmisten, wobei Kot und mögliche Einstreu auf den Dunghaufen verbracht werden. Danach werden Stallwände, Fußboden und Decken gründlich abgefegt, verbleibender Schmutz wird abgekratzt bzw. mit Wasser besprengt. Jetzt folgt eine Reinigung mit der Bürste und möglichst heißem Wasser. Hier ist der Zusatz eines schmutzlösenden Mittels wie z. B. 5%tiges Soda äußerst wirkungsvoll. Bei größeren Stalleinheiten ist auch der Einsatz eines Hochdruckreinigers oder eines Dampfstrahlgerätes möglich. Diese Form der Nassreinigung verbinden das Aufbringen von heißem Wasser und Druck auf alle zu reinigenden Flächen. Der Erfolg dieser Reinigungsmaßnahme (beim Hochdruckreiniger) ist einmal von einem ausreichenden Arbeitsdruck (in der Regel 100 bis 120 Atmosphären) und dem geeigneten Abstand zu den Reinigungsflächen (10-30 cm) abhängig. Es soll hier aber auch nicht verschwiegen werden, dass sehr häufig die sorgfältige Reinigung von Hand mit der Bürste zu einer höheren Keimreduzierung führt als der Einsatz der o. g. Geräte.

3. Desinfektion und Hygiene

Hygiene ist biologische Sauberkeit und Ordnung. Weder eine „gute Ordnung“ noch das Einhalten einer „optisch wahrnehmbaren, chemischen Sauberkeit“ sichern allein hygienisch einwandfreie Bedingungen. Die biologische Sauberkeit und Ordnung setzt die rein optisch, äußerlich ordnende Norm zwingend voraus, zielt aber eigentlich auf den unsichtbaren mikrobiologischen Bereich ab. Darunter sind Bakterien, Viren, Sproßpilze und Protozoen zu verstehen.

Hygiene ist nicht teilbar. Hygiene ist ein Bündel von Maßnahmen, die einander ergänzen. Während ein vernünftiges Stallbaukonzept mit dem wichtigen Stallinnenklima (wie oben ausführlich geschildert) eine wichtige Grundvoraussetzung für Hygiene ist, die Reinigungsmaßnahmen die Mikroorganismen lediglich abschwemmen bzw. reduzieren, jedoch nicht vernichten, sichert nur die Desinfektion die biologische Sauberkeit und damit die größtmögliche Keimfreiheit der Stallflächen und Geräte. Desinfektion ist die gezielte Entkeimung mit dem Zweck, die Übertragung bestimmter unerwünschter Mikroorganismen durch Eingriffe in deren Struktur und Stoffwechsel, unabhängig von deren Funktionszustand, zu verhindern.

Für das Erreichen des Desinfektionszieles – Freimachen von Krankheitserregern und Reduktion der Mikroorganismen – ist das konsequente Einhalten der vorgeschriebenen Gebrauchskonzentration der Desinfektionsmittel von ausschlaggebender Bedeutung. Die Empfindlichkeit von Mikroben gegenüber Desinfektionsmittel geht bei Unterschreitung der bakteriziden Konzentration verloren. Die Resistenzbildung steigt mit dem Verlust der Empfindlichkeit. Die wirkungsvollste Waffe gegen selektive Wirkung und eventuelle Resistenzbildung liegt also nicht im Wechsel des Desinfektionsmittels, sondern im Einhalten der Anwendungskonzentration und sogar zeitweiliger Konzentrationserhöhung.

a) Desinfektionsmittel

Ein Desinfektionsmittel, das gegen alle Krankheitserreger wie Bakterien, Parasiten, Viren und Pilze wirkt, ist nicht verfügbar. So ist erforderlich, das Mittel zu wählen, das den jeweiligen Bedürfnissen gerecht wird. Deshalb stehen im Einsatz gegen die verschiedenen Krankheitserreger unterschiedliche Mittel zur Verfügung. Ein Überblick über 90 die aktuellen Desinfektionsmittel, ihren Wirkungsbereich, die not- wendigen Anwendungskonzentrationen sowie Einwirkungszeiten, ermöglicht eine von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) veröffentlichte Liste der nach den Richtlinien der DVG geprüften und als wirksam befundenen Desinfektions- mittel. Die eingefügte Tabelle gibt eine Übersicht über eine Auswahl handelsüblicher Desinfektionsmittel und deren Anwendung nach dem Stand vom 1. April 1987.

b) Desinfektionsdurchführung

Vor dem Einsatz des jeweiligen Desinfektionsmittels ist die Gebrauchsanweisung zur Anmischung gründlich zu studieren und eine exakte Konzentration einzustellen. Ebenfalls sollte schon vorher die erforderliche Lösungsmenge für den Stall berechnet werden. Pro 3-4 qm Stallfläche rechnet man 1 Liter der fertigen Desinfektionslösung. Außerdem sollte man bedenken, dass die Einwirkungszeit jedes Desinfektionsmittels zwischen 1-6 Stunden beträgt. Dies ist besonders für die Wiederbelegung des Stalles mit Tieren von Bedeutung. Die zu desinfizierenden Stallflächen müssen nach der Nassreinigung trocken sein, um jeden Verdünnungseffekt des Desinfektionsmittels zu vermeiden. Die Anwendungskonzentrationen gehen von einer Stalltemperatur von 20 °C aus. Jede höhere Stalltemperatur ist für die Wirksamkeit der Desinfektion günstiger. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass bei unter 20 °C Stalltemperatur die Einwirkungszeit automatisch länger wird. So ist bei einer Temperatur von 12 °C die doppelte Einwirkungszeit des Desinfektionsmittels erforderlich. Für das Aufstellen von Hygieneplänen und für die gezielte Desinfektion gelten folgende Grundregeln:

1. Desinfektion ist gezielte Entkeimung

2. Desinfektion ist nur nach vorheriger gründlicher Reinigung möglich

3. Desinfektion verhindert Verluste

4. Desinfektion kann nur durch die richtigen, auf den Bedarfsfall abgestimmten Desinfektionsmittel realisiert werden

5. Desinfektion ist deshalb absolut sinnvoll, zweckmäßig und not- wendig.

4. Die Entwesung (Desinfestation)

Unter Entwesung versteht man die Vernichtung des Ungeziefers. Hierzu gehören alle Schädlinge, die Menschen bzw. Tiere befallen, wie Lagerschädlinge (Käfer, Mehlmotten, Milben), Vorratsschädlinge aus der Familie Rodentes, Ratten und Mäuse sowie alle Arten von Insekten wie Fliegen und Mücken etc. Zur Vermeidung von Futterschädlingen kommt der Futterlagerung eine wichtige Bedeutung zu. Das Futter sollte in festen, leicht zu reinigenden Futtertonnen aufbewahrt werden. Zur Ratten- bzw. Mäusebekämpfung kann z. B. das Präparat Actosin (von Schering) eingesetzt werden. Zur Bekämpfung von Insekten bietet der Handel eine Vielzahl von Kontaktinsektiziden an. Zusätzlich können die Ställe im Sommer durch Fliegengaze geschützt werden. Gerade die Bekämpfung des Ungeziefers kann zur Erhaltung der Stallhygiene einen ganz wesentlichen Beitrag leisten, sind doch gerade Insekten und Schadnager in sehr vielen Fällen Krankheitsüberträger.




Anmerkungen zur Liste:

Spalte 4a: ,,Spezielle Desinfektion": Gezielte Maßnahme gegen bestimmte Erreger bakterieller Infektionskrankheiten mit Ausnahme von Bakteriensporen (i. d. R. in nicht belegten Stallungen oder Stallabteilungen bzw. auf Flächen oder Geräten ohne gleichzeitigen Tierkontakt). Spalte 4b: ,,Vorbeugende Desinfektion": Hygienische Maßnahme zur allgemeinen Verminderung des Bakteriengehaltes in belegten und unbelegten Stallungen (z. B. in Hygiene-Programmen), auch geeignet zur Hygiene-Prophylaxe bei Dermatomykosen (z. B. Trichophytie). Spalte 6: ,,Fungizid“: Breites Wirkungsspektrum gegen Mykoseerreger einschl. Candidaarten (Testkeim Candida albicans), Haut- und Schimmelpilze. Spalte 7a: „Viruzid": Wirksam gegen unbehüllte und behüllte Viren (siehe Tabellen 1 und 2). Spalte 7b: „Begrenzt viruzid“: Nur wirksam gegen Viren mit Hülle (siehe Tabelle 2). Spalte 8: Wirksam gegen Dauerformen von Endoparasiten.

Schlussbetrachtung

Nur eine sachgemäße Haltung von Kaninchen garantiert eine erfolgreiche Zucht und Mast. Zur Erzielung einer optimalen Stallhygiene sind drei Faktoren ausschlaggebend:

1. ein klares, durchdachtes Stallbaukonzept

2. regelmäßige, gründliche Reinigungsmaßnahmen

3. Desinfektion und Entwesung.

Werden diese Forderungen erfüllt, steht einer erfolgreichen und wirtschaftlichen Kaninchenzucht nichts mehr im Wege.

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Bernhard Pickert
1948 am Stadtrand von Berlin geboren und im elterlichen Einfamilienhaus mit großem Garten aufgewachsen, kam ich seit frühester Kindheit in den Kontakt mit dem dort gehaltenen Kleinvieh, wie etwa der Milchziege, Hühnern, Enten, Kaninchen und einem großen Haushund. Damals eine normale Situation, denn Kleintierhaltung nebst Bewirtschaftung der eigenen Scholle war weit verbreitet, denn die Erzeugung von Gartenbau- und Tierischen Erzeugnissen unterstützte die familiäre Eigenversorgung, in einer gerade nicht im Überfluss strotzenden Zeit, gleich nach dem 2. Weltkrieg. Erinnerung an diese Zeit ist noch wach, als ich als Grundschüler bei der Futterbeschaffung des heimischen Viehs helfen musste. Für die Enten wurde beispielsweise in den damals vorhandenen Entwässerungsgräben Entengrütze gefischt und für die Kaninchen Grünfutter von den überall noch vorhandenen, brach liegenden Freiflächen geholt. Derweil sich die Zeit hinsichtlich der Versorgungslage verbesserte, wurde von den Eltern das Kleinvieh alsbald reduziert. Kaninchen, die für den Festtagsbraten vorgesehen waren, aber blieben. Als in der Nachbarschaft einer der heimischen Kleintierzuchtvereine eine Ausstellung veranstaltete, kamen mir erstmals Rassekaninchen zu Gesicht. Die Veranstalter erkannten meine Begeisterung für Tiere und in dessen Folge wurde ich als 12jähriger Junge in den ortsansässigen Verein aufgenommen. Meine leidenschaftliche Verbundenheit zur organisierten Rassekaninchenzucht wurde somit geweckt, was schließlich dazu führte, mich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen und über Jahrzehnte Literatur und anderweitige schöne Dinge zusammenzutragen, die irgendwie eine Verbindung zum Kaninchen haben. Wohlwissend, dass es andere ähnlich begeisterte Idealisten gibt, ist über Jahrzehnte ein Archiv entstanden, welches Elemente dokumentiert, auf welche anderswo kaum direkter Zugriff besteht. Initiator für diese bleibende „Leidenschaft“ ist eigentlich der 1983 verstorbene Fachautor und Kleintierkenner Werner Karl Georg Moebes, welchen ich 1970 bei einer Kleintierausstellung kennen lernte und sogleich von seiner Persönlichkeit und seinem umfassenden Wissen begeistert war.